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Vergiftete Beziehungen (Telepolis): Männer oder Frauen: Wer hat recht?

Vergiftete Beziehungen (Telepolis): Männer oder Frauen: Wer hat recht?

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Vergiftete Beziehungen (Telepolis): Männer oder Frauen: Wer hat recht?

Länge:
259 Seiten
2 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
26. Aug. 2016
ISBN:
9783957880802
Format:
Buch

Beschreibung

"In allen Umfragen siegt die Zärtlichkeit", schrieb Wolf Wondratschek 1978, "aber zärtliche Frauen, zärtliche Männer / wohin soll das führen…"

Das gegenwärtige Klima ist von dieser Frage weit entfernt. Geht es um Frauen und Männer im Streit über Deutungshoheiten, so sind Kampf-Fronten das Gebot der Stunde. Klare Kante ist wieder gefragt und Linientreue, beinahe wie in den ideologischen Kämpfen der späten 1970er. Hate-Speech, Rape Culture, Gender-Weiber, Maskus, Femi-Nazis, toxische Maskulinität - Kampfbegriffe plakatieren die Diskussion. "Anstatt zu argumentieren, wird gerne psychologisiert, emotionalisiert und stigmatisiert", so der Ausgangspunkt des eBooks: "Vergiftete Beziehungen". Was das eBook dem Leser bietet, sind Fakten und Hintergründe zur Auseinandersetzung über die Chancengleichheit von Frauen und Männern.

Das Buch schaut sich Medienkampagnen zur Gleichberechtigung an. Es zeigt auf, wie sie etwa bei der Debatte über das Sexualstrafrecht in die Irre führen. Auch die Frauenquote liefert bei genauerem Blick auf die Fakten nicht das, was man sich von einer emanzipatorischen Politik erwarten könnte.

Dass neu-feministische Positionen die Gesellschaft auf eine bessere, gerechtere Ordnung hinführen, wäre die helle Perspektive. Neue Lösungsversuche des Gewaltproblems werden unter die Lupe genommen: "Safe Spaces", die Neudefinition von Schlüsselbegriffen, die mit Gewalt zu tun haben, das politisch heikle Thema "Mikroaggressionen". Gerade hier wird großes Irritationspotential sichtbar, da auch nicht gemachte Äußerungen als Aggression empfunden werden. Das führt zu einer von Ängsten, Vorsichten und Entzündlichkeiten geprägten Gesprächskultur, Plädiert wird für Meinungs- und Gedankenfreiheit in einer großzügigeren Form: Fenster auf, Argumente herein! Moralische Eingrenzungen sind genauer zu hinterfragen. Zumal es eine grobe Formel gibt, die sich dem laufenden Diskurs über Frauen und Männer mehr und mehr einschreibt: Männer sind Täter und Frauen sind Opfer.
Herausgeber:
Freigegeben:
26. Aug. 2016
ISBN:
9783957880802
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Vergiftete Beziehungen (Telepolis) - Heise Medien

Inhaltsverzeichnis

Titel

Vorwort

Stephan Schleim

Die feministische Republik

Den Gesetzesänderungen zur Frauenquote und des Strafrechts auf den Zahn gefühlt

Stephan Schleim

Sexualstrafrecht im Schnellverfahren

Wussten die Abgeordneten am 7. Juli überhaupt, was sie einstimmig verabschiedeten?

Stephan Schleim

Verzerrter Blick

Frauen und Männer sind stark. Vergiftete Beziehungen machen sie schwach

Stephan Schleim

Sexualstrafrechtsreform: Eine Beweisaufnahme

Oder: Wer am lautesten schreit, bekommt Recht?

Stephan Schleim

Wer ist hier eigentlich das typische Opfer?

Ein überraschender Blick in die Polizeiliche Kriminalstatistik

Stephan Schleim

Vergewaltigung: Spiel mit den Zahlen

Warum Deutschland keine Rape Culture ist

Stephan Schleim

Kalter Krieg der Geschlechter

Verlust von Freiheit und freier Meinungsäußerung

Stephan Schleim

Weg mit den Mikroaggressionen

Der neueste Trend der amerikanischen Sexismusdebatte

Peter Mühlbauer

Angebliche Mikroaggressionen

An kalifornischen Universitäten sollen Äußerungen wie America is the Land of Opportunity, I don’t believe in race und I believe the most qualified person should get the job verschwinden

Twister (Bettina Hammer)

Unbeholfenes Ansprechen als Auslaufmodell

Darwinismus im Beziehungsreich

Twister (Bettina Hammer)

Der Irrweg der Safe Spaces

Safe Spaces sollen helfen, sind jedoch in vielerlei Hinsicht schädlich. Sie folgen einem egoistischen Wunschtraum, nicht der Realität.

Stephan Schleim

Wem nutzt die Frauenquote?

Wie uns Arbeitspolitik als Feminismus verkauft wird

Stephan Schleim

Werbung für den Karrierefeminismus

Wie Die Anstalt Rollenbilder festigt, statt die Emanzipation voranzubringen

Stephan Schleim

Werden niederländische Wissenschaftlerinnen diskriminiert?

Kontroverse um Veröffentlichung einer Studie über einen Funding Gap in der Zeitschrift PNAS

Stephan Schleim

Die Feminismusdebatten-Versteherinnen

Eine Argumentationsanalyse des Beitrags über den Zorn abgehängter Männer von Christina Schildmann und Anna-Katharina Meßmer

Stephan Schleim

Der Fall eines Pornostars

Ausgerechnet der als Feminist gelobte Darsteller James Deen soll Kolleginnen missbraucht und vergewaltigt haben

Reinhard Jellen

Eindeutig ein Stellvertreterkrieg

Die Psychotherapeutin Christine Bauer-Jelinek über die Gender-Ideologie

Reinhard Jellen

Wenn der Mann kein Ernährer mehr ist

Cornelia Koppetsch über neue und alte Geschlechterrollen

Till Nikolaus von Heiseler

Gender und Sex

Ist Gendertheorie Aufklärung oder ideologische Verblendung?

Fußnoten

Über die Autoren

Impressum

Vorwort

» In allen Umfragen siegt die Zärtlichkeit…

aber zärtliche Frauen, zärtliche Männer…

wohin soll das führen… «

Wolf Wondratschek, Männer und Frauen, 1978

Das gegenwärtige Klima im Jahr 2016 ist von dieser Frage weit entfernt. Geht es um Männer und Frauen im öffentlichen Streit über Deutungshoheiten zur Geschlechtergleichheit, so sind Kampf-Fronten das Gebot der Stunde. Klare Kante und Linientreue sind gerade wieder gefragte Tugenden. Zugleich ist die Auseinandersetzung geprägt von einem mikroskopischen Blick auf Unkorrektheiten, die mit eingeprägtem, falschem Herrschaftsdenken identifiziert werden, und von Kampagnen, die mit grob gestanzten Stereotypen folgenreiche Änderungen in der Gesetzgebung nach sich ziehen.

Skript-Writer, die sich bei diesem Battle einen Namen machen wollen, können aus dem Vollen schöpfen: Kampfbegriffe, die unweigerlich Reaktionen auslösen, gibt es in Hülle und Fülle: Rape Culture, Gender-Weiber, Masku, Femi-Nazi, toxische Maskulinität usw…. Anstatt zu argumentieren, wird gerne psychologisiert, emotionalisiert und stigmatisiert, charakterisiert ein Artikel im vorliegendem Buch den Stand der Diskussion.

Vergiftete Beziehungen ist ein Titel, der leider nur allzu gut passt. Was das eBook dem Leser bietet, sind Fakten und Hintergründe zur Auseinandersetzung über die Chancengleichheit von Frauen und Männern. Das Buch hat dazu eine These: Der Kampf über - konstruierte, neue oder retraditionalisierte - Geschlechterrollen drängt einen anderen Konflikt in den Hintergrund, den über die soziale Gerechtigkeit, der sich mit dem Auseinanderdriften von Arm und Reich beschäftigt: Die Schere ist keine zwischen den Geschlechtern, sondern eine zwischen den Klassen.

Angesichts eines Stellvertreterkriegs wäre die Haltung einer Solidarität über Geschlechterunterschiede hinaus angebracht - gegen die Zurichtungen und Konkurrenz-Vorgaben einer auf größtmöglichen wirtschaftlichen Nutzen ausgerichteten Politik, von der einige Wenige am Meisten profitieren. Das ist die grundlegende Auffassung, welche in vielen Beiträgen dominiert. Der einseitige Fokus auf Karriere- und Verdienstmöglichkeiten in der Diskussion um Chancengleichheit verengt den Blick aufs menschliche Leben.

Dass der Kampf um Gleichberechtigung ein gesellschaftliches Anliegen von höchster Bedeutung ist, wird aber ebenfalls postuliert. Nur mündet die Art, wie die Diskussion darüber geführt wird, gegenwärtig in einem engen ideologischen Korridor, wie das Buch behauptet. Der Drang danach, auf jeden Fall die Deutungshoheit zu gewinnen, Recht zu haben oder zu behalten, hat zum blinden Fleck das Nicht-Wahrnehmen von Bedingungen, die den Streit der Geschlechter überformen.

Der Ansporn, Recht zu haben und zu bekommen, wird von Medienkampagnen begleitet. Das neue Sexualstrafrecht, in der Öffentlichkeit umstritten, vom Bundestag einstimmig angenommen, ist Ausweis der Wirkung solcher Kampagnen, wie mehrere Beiträge in diesem Buch darlegen. Auch die Frauenquote liefert bei genauerem Blick auf die Fakten nicht das, was man sich von einer emanzipatorischen Politik erwarten könnte.

Dass neu-feministische Positionen die Gesellschaft auf eine bessere, gerechtere Ordnung hinführen, wäre die helle Perspektive. Kein leichtes Unterfangen, weil damit Rollenveränderungen verbunden sind und das Selbstverständnis von Frauen und Männern im Kern irritierenden Fragen ausgesetzt ist.

Ob Safe Spaces, Räume zur Abschirmung von Aggressionserlebnissen, ein geeignetes Mittel sind, um ein neues Selbstbewusstsein aufzubauen, ist ein weiteres Thema des Buches. Es beschäftigt sich mit der Frage an, welche Zartheit, welche Umsicht und welche Schutzräume vonnöten oder angebracht wären, um Geschlechtergleichheit voranzubringen.

Der Befund, der hier gemacht wird, ist allerdings ebenfalls irritierend, da nicht genau ausgemacht werden kann, mit welchen Empfindlichkeiten man es zu tun hat: Denn wie soll beispielsweise jemand vor einem für ihn verletztenden Wort geschützt werden, wenn er nicht weiß, dass ein Wort für ihn verletztend sein kann und er dies ja erst erfahren muss?

Auch eine nicht gestellte Frage kann bereits als Aggression empfunden werden, wie am Phänomen der Mikroaggression sichtbar gemacht wird. Das führt zu einer von Ängsten, Vorsichten und von Entzündlichkeiten geprägten Gesprächskultur,

Die Neudefinition von Schlüsselbegriffen, die mit Gewalt zu tun haben, die Vergrößerung und Verfeinerung ihrer Reichweite - zu sehen aktuell auch an der Diskussion über Hate-Speech - hat zur Folge, dass die Diskussion über die Geschlechtergleichheit, von innerer Zensur begleitet, gehemmt und unfreier wird. Zugleich aber werden Zügel da gelockert, wo man sich moralisch im Recht sieht: Frau/Mann vertraut seiner richtigen Gesinnung und bearbeitet gnadenlos Kerben des Fehlverhaltens auf der anderen Seite.

Dieses Buch plädiert für Meinungs- und Gedankenfreiheit in einer großzügigeren und offenere Form: Fenster auf, Argumente herein! Moralische Eingrenzungen sind genauer zu hinterfragen. Zumal es, wie im Folgenden gezeigt wird, eine grobe Formel gibt, die sich dem laufenden Diskurs über Frauen und Männer mehr und mehr einschreibt. Sie hat mittlerweile den Rang einer Prämisse erlangt: Männer sind Täter und Frauen sind Opfer.

Thomas Pany

Stephan Schleim

Die feministische Republik

Den Gesetzesänderungen zur Frauenquote und des Strafrechts auf den Zahn gefühlt

Nach Aussagen führender Politikerinnen und Politiker erlebte Deutschland in den letzten Jahren einige historische Momente und Meilensteine der Gleichberechtigung. Bei näherer Betrachtung erscheint diese Sichtweise aber fraglich. Insbesondere die Sexualstrafrechtsreform könnte, bislang kaum beachtet, ungewollte Folgen nach sich ziehen. Statt Stärkung der sexuellen Selbstbestimmung droht dann die Kriminalisierung von Geschlechtsverkehr. Mindeststrafe: zwei Jahre.

Was ist bloß schief gegangen, wenn jetzt immer häufiger nach dem starken Staat gerufen wird, um korrigierend in das Verhältnis zwischen Frauen und Männern einzugreifen? Aktionen wie der Equal Pay Day gegen ungleiche Einkommen oder Slut Walks gegen eine Kultur der Vergewaltigung - so Wikipedia - machen Unterschiede zwischen den Geschlechtern deutlich.

Dass Menschen untereinander ihre Beziehungen allem Anschein nach nicht fair und gerecht regeln können und stattdessen Institutionen wie der Gesetzgeber, Polizei und Staatsanwaltschaften einschreiten müssen, deutet in der Tat auf vergiftete Beziehungen. Oder handelt es sich bei dem neuen »Kampf der Geschlechter« vielleicht vor allem um ein Medienphänomen, das nur einen kleinen Teil der Menschen repräsentiert? Oder gar um Wichtigtuerei durch Parteien, denen die Mitglieder schwarenweise davonlaufen?

Frauenquote: Politik lobt sich selbst

In ihrer Rede zur Einführung der Frauenquote für Führungspositionen vom 6. März 2015 sprach Frauenministerin Manuela Schwesig von einem historischen Schritt für die Gleichberechtigung von Frauen und erinnerte dabei an den Kampf der Frauenbewegung für das aktive und passive Wahlrecht. Die Gesetzesinitiative wurde ausführlich durch die Medien begleitet.

Laut dem Gesetz müssen alle Unternehmen, die erstens voll mitbestimmt und zweitens in Deutschland börsennotiert sind, bei der Neuvergabe von Aufsichtsratsposten eine Frauenquote von 30% berücksichtigen; andernfalls bleibt der Posten unbesetzt. Das wirft zunächst die Frage auf, wie viele Firmen davon überhaupt betroffen sind. Der Verein FidAR (Frauen in die Aufsichtsräte) listet rund einhundert von A wie adidas AG bis W wie Wüstenrot & Württembergische AG.

Es geht um wenige hundert Karrierefrauen

Damit stellt sich als Nächstes die Frage, wie viele Frauen von dem Gesetz profitieren werden. FidAR veröffentlicht seit dessen Verabschiedung den Women-on-Board-Index, der die Verteilung von Aufsichtsratsposten zwischen den Geschlechtern misst. Demzufolge entfielen am 11. Juni 2015 337 oder 23% der insgesamt 1.475 Führungsposten auf Frauen.

Im Schnitt sind damit 106 zusätzliche Frauen in den Aufsichtsräten nötig, um die vorgeschriebenen 30% zu erreichen. Da die Unternehmen zurzeit unterschiedliche Quoten erreichen, wird die Zahl in der Praxis etwas höher liegen: So erfüllen oder überschreiten heute 24 Firmen die Richtlinie, angeführt durch die Henkel AG mit 44%. Schlusslichter wie die Fresenius SE oder die Porsche Automobil Holding SE haben aber keine einzige Frau im Vorstand sitzen. Sie werden in den kommenden Jahren wohl nur neue Aufsichtsrätinnen ernennen können.

Doch nicht so historisch?

Damit wird deutlich, dass der historische Moment, von dem die Frauenministerin sprach, lediglich eine Anzahl von Frauen im unteren dreistelligen Bereich direkt betrifft. Dazu kommen noch die flexiblen Quoten, die sich laut dem Gesetz kleinere Unternehmen selbst geben müssen, sowie entsprechende Anpassungen für den öffentlichen Dienst. Diese kleineren Firmen können das Gesetz übrigens einfach unterlaufen, indem sie die Zielquote schlicht auf den Istzustand festlegen.

Wie historisch diese Änderung ist, mögen Leserinnen und Leser selbst beurteilen. Offen bleibt, inwiefern die über 40 Millionen anderen in Deutschland lebenden Frauen indirekt von mehr weiblichem Führungspersonal profitieren werden - und was es für Männer bedeutet. Schön wäre es, wenn die Unternehmen jetzt familienfreundlicher würden.

Das System wird aber nicht angetastet

Da durch das Gesetz freilich nicht die konkurrenzbasierte und gewinnorientierte Wirtschaftsordnung angetastet wird, werden die Firmen jedoch nach wie vor dieselbe Profitabilität erreichen müssen. Die Konsequenz könnte sein, dass sich außer dem Geschlecht einiger Aufsichtsratsposten so gut wie nichts ändert (Wem nutzt die Frauenquote?).

Glaubt man der Frauenministerin, wird jedoch in ein Drittel der betroffenen Unternehmen endlich die Vernunft einziehen: In 33 Aufsichtsräten sitzen nämlich weniger als drei Frauen. Wie Schwesig in ihrer Rede vom 6. Februar 2015 vor dem Bundesrat ihren Kolleginnen und Kollegen aus der Politik erörterte, müssen nämlich in Gremien wenigstens drei Frauen an Bord sein, damit sich die Männer gelegentlich vernünftiger als sonst [benehmen]. Man stelle sich einmal vor, ein Politiker würde behaupten, Frauen wären erst in der Gegenwart von drei Männern vernünftig - und auch nur gelegentlich.

Produktives Genossen-Tandem

Der Beitrag zur Gleichberechtigung von Frauen und Männern durch das neue Gesetz ist damit erst einmal relativiert. Vorangetrieben wurde es vor allem von Ministerin Schwesig zusammen mit ihrem SPD-Kollegen Heiko Maas, dem Bundesjustizminister. Vielleicht ergibt sich aber bei der Analyse der jüngsten Änderung des Sexualstrafrechts, an dem sich erneut dieses Tandem beteiligte, ein anderes Bild?

Die Gesetzesinitiative bekam bekanntlich nach den Ereignissen der Kölner Silvesternacht eine besondere Dynamik (Wer ist hier eigentlich das typische Opfer?). Dazu kam der Fall des Models Gina-Lisa Lohfink, die behauptete, 2012 von zwei Männern vergewaltigt und dabei gefilmt worden zu sein. Auch dieser spielte eine Rolle bei der Verschärfung des Sexualstrafrechts (siehe etwa ZEIT Online und Der Tagesspiegel).

Seltene Einstimmigkeit im Bundestag

Schließlich kam es am 7. Juli 2016 zur Abstimmung im Deutschen Bundestag. Das Ergebnis war - eine Seltenheit - einstimmig: Alle 599 anwesenden Abgeordneten stimmten für die Verschärfung. Verabschiedet wurde jedoch nicht der Gesetzesentwurf 18/8210, der von der Bundesregierung vorbereitet und bereits am 28. April 2016 in erster Lesung vom Bundestag beraten worden war.

Dieser hätte einen umfangreich überarbeiteten §179 Sexueller Missbrauch unter Ausnutzung besonderer Umstände ins Strafgesetzbuch aufgenommen. Dabei ging es unter anderem um Taten, bei denen ein Opfer aufgrund der überraschenden Begehung der Tat zum Widerstand unfähig ist. Der Entwurf berief sich dabei ausdrücklich auf die Istanbul-Konvention zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen. Laut dem Gesetzesentwurf wären damit Schutzlücken im deutschen Strafrecht geschlossen worden.

Es kam jedoch anders: Erst am Tag vor der einstimmigen Verabschiedung einigten sich die Mitglieder des Ausschusses für Recht und Verbraucherschutz unter Vorsitz der Grünen-Politikerin Renate Künast auf eine Alternative. Diese weicht laut Pressemitteilung des Bundestags erheblich vom ursprünglichen Regierungsentwurf ab.

Die Gesetzesänderung im Detail

Statt der geplanten Überarbeitung des §179 wurde der bestehende §177 über sexuelle Nötigung und Vergewaltigung geändert. In der bisherigen Fassung wurde mit mindestens einem Jahr Freiheitsstrafe bestraft, wer jemand durch Gewalt, Drohung mit Gefahr oder unter Ausnutzung einer schutzlosen Lage zu sexuellen Handlungen oder deren Erduldung nötigte.

Fälle, die mit dem Eindringen in den Körper verbunden sind, also was man allgemeinsprachlich unter einer Vergewaltigung versteht, wurden mit mindestens zwei Jahren bestraft. Bei einer Nötigung geht es laut dem Strafrichter und Kolumnisten Thomas Fischer um das Überwinden des entgegenstehenden Willens einer anderen Person.

Neues Prinzip: Erkennbarer Wille

In der neuen Fassung des Rechtsausschusses wird der Begriff der Nötigung in §177 aufgegeben. Stattdessen werden jetzt sexuelle Handlungen oder deren Erduldung "gegen den erkennbaren

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