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Archie Greene und der Fluch der Zaubertinte (Band 2)

Archie Greene und der Fluch der Zaubertinte (Band 2)

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Archie Greene und der Fluch der Zaubertinte (Band 2)

Länge:
303 Seiten
3 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Sep 19, 2016
ISBN:
9783732004218
Format:
Buch

Beschreibung

Für Buchflüsterer Archie Greene beginnt das zweite Lehrjahr in der magischen Bibliothek mit einem düsteren Vorzeichen. Ein geheimnisvolles Feuermal erscheint auf der Handfläche einiger Lehrlinge und die Schutzzauber der Bibliothek versagen. Das kann nur eines bedeuten: Das Buch der Macht, in dem die Zauber geschrieben stehen, verblasst. Nur ein Magieschreiber könnte die Sprüche erneuern. Doch jemanden mit einem solchen Talent hat es seit Jahrhunderten nicht mehr gegeben ...

Fantastische Kinderbuch-Reihe für Mädchen und Jungen ab 11 Jahren, die Magie, Spannung und Abenteuer lieben. Im Mittelpunkt der originellen Geschichte von Debütautor D. D. Everest stehen magische Bücher und ein sympathischer Protagonist, der sich plötzlich in einer Schule der Buchbinderei wiederfindet und zusammen mit seinen neuen Freunden auf echte Zauberbücher aufpassen muss.

"Archie Greene und der Fluch der Zaubertinte" ist der zweite Band einer Buchreihe. Der Titel des ersten Bandes lautet "Archie Greene und die Bibliothek der Magie".
Herausgeber:
Freigegeben:
Sep 19, 2016
ISBN:
9783732004218
Format:
Buch

Über den Autor


Ähnlich wie Archie Greene und der Fluch der Zaubertinte (Band 2)

Buchvorschau

Archie Greene und der Fluch der Zaubertinte (Band 2) - D. D. Everest

Für Lindsay, Mittagspausengefährtin und Waldbummlerin der Extraklasse.

Und für Peter Dearlove, der Mittagessen geliebt hat.

Im Innern des Museums für Magiekunde bedeckte ein Laken eine uralte Plakette aus Holz an der Wand. Darauf waren die Namen der fünf begabtesten und berüchtigtsten Lehrlinge aller Zeiten geschrieben.

Der Club der Alchemisten, gegründet 1662

Fabian Grey

Braxton Foxe

Felicia Nightshade

Angelica Ripley

Roderick Trevallan

Die Lehre von den

Magischen Tabus

1666 wurde beim Großen Brand von London die halbe Stadt von den Flammen aufgefressen, die durch einen magischen Unfall im Keller einer Bäckerei in der Pudding Lane entfacht worden waren. Um zu vermeiden, dass unter den Bewohnern Londons Panik ausbricht, schob man die Schuld dem königlichen Hofbäcker Thomas Farrinor zu. Eben jene Version der Geschichte wird bis heute an den Schulen der Unreifen gelehrt. Doch der König von England, Charles II, wusste durchaus, dass der Brand einem waghalsigen magischen Experiment geschuldet war. Er bestand darauf, Schritte einzuleiten, die eine zweite magische Katastrophe ausschließen sollten.

Von diesem Tag an mussten sich Magier bei der Ausübung von Zauberei an strenge Regeln halten, die man als die Lehre von den Magischen Tabus kennt. Ursprünglich sollten die Tabus nur vorübergehend in Kraft treten, doch bis zum heutigen Tag haben sie ihre Geltung nicht verloren. Viele Bewohner des magischen Reichs vertreten die Meinung, man sollte die Tabus aufheben und Magie wieder frei praktizieren dürfen, doch die Entscheidungsträger widersetzen sich solchen Forderungen beständig.

Erste Lehre: Sämtliche magische Bücher und Artefakte müssen dem Museum für Magiekunde übergeben werden, wo man sie untersucht und klassifiziert. (Man teilt sie ein in Stufe eins, zwei oder drei magischer Kraft.)

Zweite Lehre: Magische Bücher und Artefakte dürfen nicht benutzt, gekauft oder verkauft werden, solange sie nicht ordnungsgemäß identifiziert und klassifiziert worden sind.

Dritte Lehre: Der unerlaubte Gebrauch von Magie außerhalb magischer Räumlichkeiten ist untersagt.

Vierte Lehre: Das private Horten von magischen Büchern und Artefakten, um zu größerer Macht zu gelangen, ist gemäß dem Erlass zu gefährlichen Praktiken untersagt.

Fünfte Lehre: Die Ausbeutung magischer Wesen ist ausdrücklich untersagt.

  1  

Ein Obstkuchen auf Abwegen

Auf dem Dach der Bodleian Bibliothek in Oxford hockte ein Rabe, so still, dass man hätte meinen können, er wäre aus Stein gemeißelt. Seine harten schwarzen Augen beobachteten einen Jungen, der unter ihm vorbeilief. Der Name des Jungen war Archie Greene.

Archie spürte auf einmal ein Kribbeln und Kitzeln in seiner rechten Handfläche und linste zu dem kleinen Mal in Form von Nadel und Faden, das man auch für eine Tätowierung hätte halten können. Es war das Feuermal, das er zu Beginn seiner Lehre zum magischen Buchbinder erhalten hatte. Normalerweise machte es sich nicht bemerkbar, doch heute juckte es.

Archie war zwölf, hatte struppiges braunes Haar und war für sein Alter ziemlich klein, ansonsten sah er aber völlig normal aus. Der einzige Hinweis darauf, dass an ihm etwas ungewöhnlich war – abgesehen von dem Feuermal auf seiner Hand –, war die Farbe seiner Augen. Eines war smaragdgrün, das andere silbergrau – ein Zeichen für magische Fähigkeiten.

Das Ende der Sommerferien stand unmittelbar bevor, daher wimmelte es in Oxford nur so von Eltern, die Schuluniformen für ihre Sprösslinge besorgten. Nachdem Archie selbst weder eine Mutter noch einen Vater hatte, konnte er es sich nicht verkneifen, das Treiben neugierig zu verfolgen.

Als Archie den Blick durch die Hauptstraße schweifen ließ, entdeckte er einen weiteren verräterischen Hinweis: ein Mädchen mit Zöpfen, das mit einem nagelneuen Stiftemäppchen aus einem Schreibwarenladen trat. Bald würde die Schule beginnen – in der Vergangenheit hätte Archie um diese Jahreszeit mit seiner Oma billige Uniformen aus zweiter Hand gekauft.

Doch nicht in diesem Jahr! Dieser Sommer hatte für Archie alles verändert. Er hatte Verwandte kennengelernt, von deren Existenz er bis dahin nicht einmal gewusst hatte. Und er hatte herausgefunden, dass er ein Nachfahre der Flammenhüter von Alexandria war, einer geheimen Gemeinschaft, die sich dem Aufspüren und Bewahren magischer Bücher verschrieben hatte.

In diesem Herbst würde Archie einen Unterricht der ganz anderen Art besuchen, nämlich als Lehrling am Museum für Magiekunde, dem bestgehüteten Geheimnis Oxfords. Es lag verborgen unter der Bodleian Bibliothek.

Den Sommer über hatte der Alte Zeb, der Buchbinder des Museums, Archie beigebracht, wie man magische Bücher restaurierte.

Im anstehenden Schuljahr würde Archie Buchbinden für Fortgeschrittene erlernen, einschließlich der Kunst, wie man Zauber wirkte. Sobald er dann sein zweites Feuermal erhalten hätte, würde Archie eine der beiden weiterführenden magischen Ausbildungen beginnen: Finden oder Bewahren.

Die Zauberbücher übten eine unwiderstehliche Faszination auf Archie aus. Gran hatte schon immer behauptet, Bücher lägen ihm im Blut – was genau sie damit meinte, hatte er in den vergangenen Monaten erfahren. Denn zu Beginn seiner Lehre hatte sich bei ihm ein äußerst seltenes Talent bemerkbar gemacht: Er war ein Buchflüsterer, was bedeutete, dass er mit magischen Werken sprechen konnte. Archie begriff zwar nicht, wie das Buchflüstern funktionierte oder was er mit dieser ungewöhnlichen Begabung anstellen sollte, trotzdem genoss er seine Ausbildung im Museum, umgeben von Büchern und Freunden, in vollen Zügen.

»Woher das selbstzufriedene Grinsen?«, fragte Bramble Foxe, Archies Cousine, die neben Archie stehen geblieben war, um gemeinsam mit ihm ein Schaufenster zu betrachten. Bramble war fast fünfzehn, hatte grüne Augen und lange dunkle Locken. Sie durchlief im Museum bereits den zweiten Teil ihrer Ausbildung – als Bewahrer, nachdem sie die Lehre zum Finder abgeschlossen und ihr zweites Feuermal erhalten hatte.

»Ich musste nur gerade daran denken, was alles passiert ist, seitdem ich nach Oxford gekommen bin«, antwortete er grinsend. Passiert war tatsächlich eine Menge.

Ein Zauberbuch, das man ihm zu seinem zwölften Geburtstag zugeschickt hatte, hatte sich als Das Buch der Seelen entpuppt, ein Werk Schwarzer Magie, geschrieben von einem Hexer namens Barzak. Der Bestialische Band war eines der sieben gefährlichsten Zauberbücher, die je verfasst worden waren. Zum Glück war es Archie gelungen, Barzaks Plan, die Schwarze Magie im Innern zu entfesseln, zu durchkreuzen und den Hexenmeister im Buch der Seelen einzusperren.

Seitdem waren erst wenige Wochen vergangen und noch immer lief es Archie kalt den Rücken hinunter, wenn er daran dachte. Es war verflixt knapp gewesen. Aber auch verflixt aufregend!

»Ich kann’s kaum erwarten, endlich zu lernen, wie man zaubert«, meinte Archie und wandte sich Bramble zu.

»Nur einer der vielen Vorteile, wenn man Lehrling in der Mottenkugel ist.« Bramble lächelte.

»Mottenkugel« war der Spitzname, den die Lehrlinge dem Museum gegeben hatten – weil es dort nach altem Pergament und Mottenkugeln roch. Sie verwendeten den Namen, um diesen Ort vor den Unreifen geheim zu halten – Menschen, die von Magie nichts ahnten. Nur diejenigen, die aus magischen Familien stammten, waren eingeweiht und wussten, dass Magie existierte.

Archie und Bramble waren unterwegs zum Museum und gespannt, herauszufinden, was im anstehenden Schuljahr auf dem Stundenplan stand.

»Kaum zu glauben«, sagte Archie, als sie die Hauptstraße verließen und eine abgelegene Gasse aus Pflastersteinen betraten. »Wenn Thistle seinen Flammentest besteht, fängt er ebenfalls eine Lehre an.«

Thistle Foxe war Archies Cousin und morgen war sein zwölfter Geburtstag, was bedeutete, dass er von der Flamme von Pharos’ auf die Probe gestellt werden würde.

»Ich weiß. Ich kann’s selbst noch nicht fassen, dass mein kleiner Bruder schon so erwachsen ist«, meinte Bramble.

Archie war Lehrling in einem magischen Buchladen, dem Bücherhafen, der an das Museum anschloss. Schon sahen Archie und Bramble das Geschäft vor sich, als sie in einen Innenhof bogen. Es war ein kleines, unscheinbar wirkendes Gebäude mit einer grünen Eingangstür, über der ein Schild hing, auf dem in abblätternder weiß-goldener Schrift stand: DER BÜCHERHAFEN: LIEFERANT SELTENER BÜCHER. EIGENTÜMER: GEOFFREY SCREECH.

Der Laden diente dazu, aus all den Büchern, die »normale« Leute zum Ankauf vorbeibrachten, unbemerkt die magischen auszusortieren. Er war der einzige Teil des Museums, der Unreifen zugänglich war.

Vor dem Bücherhafen verabschiedete Archie sich von Bramble, die im Hauptteil der Mottenkugel auf der anderen Seite des Hofs arbeitete, einem Bereich, der für die nicht-magische Welt streng verboten war. Lehrlinge betraten ihn durch einen geheimen Zugang in Quills Kaffee- & Schokoladenhaus.

Archie öffnete die Tür des Buchladens, woraufhin eine Glocke lautstark seine Ankunft verkündete. Der Bücherhafen war größer, als es von außen den Anschein hatte. Reihen von Bücherschränken aus dunklem Holz teilten das Geschäft in mehrere Gänge ein. Die Regale quollen vor alten Büchern nahezu über, die magischen allerdings verbargen sich hinter einem Samtvorhang im hinteren Teil, wo sie darauf warteten, repariert oder ins Museum geschickt zu werden, damit man sie klassifizierte.

Das Geschäft wurde von flackerndem Kerzenlicht erhellt. Die Luft war muffig und roch nach Wachs, Spinnweben und altem Papier.

Geoffrey Screech, der Besitzer, stand hinter der Ladentheke und notierte in seiner fein säuberlichen Handschrift etwas im Bestandsbuch. Screech war ein dünner Mann mit schütterem grauen Haar und einem Ziegenbärtchen, er trug eine grüne Weste und eine gelbe Fliege. Ihm kam die Aufgabe zu, aus den Werken, die man zu ihm brachte, die magischen ausfindig zu machen.

»Morgen, Archie«, grüßte Screech und sah auf.

In einer Pappschachtel auf der Theke lag ein Buch. »Neuzugang?«, fragte Archie.

»Kam gestern an«, erklärte Screech. »Ein Unreifer hat seinen Dachboden entrümpelt. Natürlich hatte er keine Ahnung, dass es ein Zauberbuch ist. Jedenfalls muss es runter zum Alten Zeb.«

Archie betrachtete den dünnen Band. Der Umschlag zeigte ein Muster aus roten, grünen und schwarzen Rauten. Es war mit einer dicken Paketschnur verschlossen.

Archie erhaschte einen Blick auf Screechs Assistentin, Margaret Gudge, die in einem der Gänge Bücher in die Schränke räumte. Die kleine Frau mit den dicken Brillengläsern war für die nicht-magischen Werke zuständig.

Mit der Schachtel unter dem Arm eilte Archie durch den schwarzen Samtvorhang am hinteren Ende des Ladens in Richtung der Reparaturwerkstatt des Alten Zeb. Im Vorbeigehen linste er zu dem Regal hinter dem Vorhang, in dem bereits restaurierte Zauberbücher darauf warteten, ins Museum geschafft zu werden.

»Guten Morgen, Archie«, knisterte eine Stimme wie von raschelndem Pergament.

»Hallo«, erwiderte Archie, einem alten Wälzer über Zaubertränke zugewandt. »Wie geht es Ihnen heute?«

»Viel besser, jetzt, da der Riss in meinem Umschlag geflickt ist«, antwortete das Buch dankbar.

Ein Chor aus weiteren Papierstimmchen meldete sich, wünschte Archie einen guten Morgen und erkundigte sich nach seinem Befinden.

Archie lächelte. Dies war zu seiner täglichen Routine geworden. Die Bücher sprachen mit ihm, weil er der Einzige war, der sie verstand.

»Einen schönen guten Morgen, euch allen«, sagte er. »Ich bedaure, heute habe ich leider keine Zeit zum Plaudern. Ich muss runter in die Werkstatt.«

Als Archie den Gang hinablief, drang aus dem Karton in seinen Armen ein Rascheln an sein Ohr.

»Du kannst mit Büchern reden?«, wollte ein neugieriges magisches Werk wissen, das noch niemals einem Buchflüsterer begegnet war. »Wohin bringst du mich?«

»Zum Alten Zeb, dem Buchbinder«, erklärte Archie.

»Jemand hat mich mit dieser grässlichen Schnur zugebunden«, beklagte sich die Stimme. »Sie sitzt zu fest. Ich kann nicht atmen. Würdest du sie bitte abnehmen?«

Archie lächelte. Nicht allen magischen Büchern konnte man trauen. Und er war schon einmal aufs Glatteis geführt worden.

»Warten wir erst mal ab, was der Alte Zeb sagt«, meinte er.

Das Buch schwieg, während Archie durch einen Flur bis zu einer Wendeltreppe ging, die abwärts führte.

Aus einem Regal holte Archie eine Laterne, balancierte sie auf seiner Fracht und trat damit den Weg in die Tiefe an. Am Ende der Treppe kam er in einen langen dunklen Korridor, der von flackernden Fackeln beleuchtet wurde. Hier unten roch die Luft feucht und erdig.

In dem Korridor befanden sich drei Bogentüren, die je eine andere Farbe hatten. Die erste war grün, die zweite blau und beide ließ Archie hinter sich. Die Werkstatt lag hinter der dritten Tür, der roten. Zwar erstreckte sich der Korridor noch weiter, verlor sich aber in dunklen Schatten – jedoch hatte Archie hin und wieder den Eindruck, als könnte er eine vierte, eine schwarze Tür erkennen. Aber es war viel zu finster, um sicher zu sein.

Er wusste, dass es keine gute Idee wäre, hier unten auf Entdeckungsjagd zu gehen. Seine Neugier hatte ihn schon in genug Schwierigkeiten gebracht. Einmal hatte er merkwürdige Geräusche hinter der zweiten Tür gehört und klammheimlich in den Raum dahinter gespäht, nur um festzustellen, dass der Eingang von einer wilden magischen Kreatur – einem Greif aus Stein, einer sogenannten Buchstützen-Bestie – bewacht wurde.

Archie öffnete die rote Tür und trat ein. Die Reparaturwerkstatt war ein großer Raum, in dessen Mitte eine Werkbank stand. Darauf verstreut lagen alle möglichen Buchbindewerkzeuge. In einer der Wände war die Wortschmiede eingelassen und an Regalen hingen weitere Werkzeuge.

Neben der Wortschmiede, in deren kleinem Brennofen hell die Flamme von Pharos loderte, stand der Alte Zeb. Mit einer Körpergröße von knapp einem Meter war er ein winziger alter Mann, dessen weiße Haare in Büscheln abstanden. In seinem Gesicht prangten eine Hakennase und hinreißend grüne Augen. In der kurzen Zeit, die Archie den alten Buchbinder kannte, war er ihm bereits sehr ans Herz gewachsen.

Auf der Werkbank stapelten sich kaputte Bücher, die es zu reparieren galt, und Archies Aufgabe war es, dem Buchbinder zur Hand zu gehen, um die gesammelten Schriften anschließend zum Katalogisieren ins Museum zu bringen.

»Ah, Morgen, Archie«, keuchte der Alte Zeb. »Was bringst du denn da Feines?«

»Neuzugang«, antwortete Archie. »Sieht nach einem zerbrochenen Verschluss aus.«

»Guter Junge. Na, dann leg es mal auf die Werkbank«, meinte der Alte mit funkelnden Augen. »Wir kümmern uns später darum. Jetzt willst du wahrscheinlich erst mal dein Zeugnis von mir bekommen und außerdem wissen, was du als Nächstes lernst, oder?«

Archie nickte.

»Dacht ich’s mir«, sagte der alte Mann, »aber eins nach dem anderen. Margaret hat uns was gebacken, um den Beginn des neuen Schuljahrs zu feiern.« Lächelnd deutete er auf einen großen Obstkuchen in einer runden Backform. »Sei so gut und setz schon mal Wasser auf, ja?«

Der Alte Zeb tat grundsätzlich nichts, ohne zuvor eine Tasse Tee zu trinken. Archie füllte den Kupferkessel und stellte ihn auf die Wortschmiede. Dabei spürte er schon wieder das Kitzeln in der Hand. Das Jucken wurde schlimmer. So heftig hatte es sich bisher noch nie bemerkbar gemacht, nicht einmal als das Feuermal noch frisch gewesen war.

»Mmmmmm, Margarets Obstkuchen ist einfach unschlagbar«, meinte der Alte Zeb etwas später, als er die erste Gabel zum Mund geführt hatte und mit einem großen Schluck Tee nachspülte.

Dann reichte er Archie eine Schriftrolle. »Dein Zeugnis«, sagte er feierlich. »Na los, mach es auf!«

Archie öffnete das Pergament und las.

Archie ist ein liebenswerter, aufgeweckter Junge. Er ist ein talentierter Buchbinder mit echtem Gespür für die Sache, was ihm in der magischen Welt gute Dienste leisten dürfte. Seine Pünktlichkeit lässt noch etwas zu wünschen übrig, dafür kocht er großartigen Tee. Alles in allem ein prächtiger Anfang – gut gemacht, Archie!

Der Alte Zeb strahlte ihn an. »Du bist ein Naturtalent – genau wie dein Dad!«

Archie war richtig stolz. Auch sein Vater war beim Alten Zeb in die Lehre gegangen, damals während seiner Ausbildung im Museum. Archie hatte seine Eltern nie wirklich kennengelernt. Seine Mutter, sein Vater und seine ältere Schwester waren verschwunden, als er noch ein Baby gewesen war. Seine Gran, Oma Greene, hatte ihm erzählt, ihre Fähre sei im Ärmelkanal gesunken und man habe sie für verschollen erklärt.

Der Alte Zeb wandte sich noch einmal in seiner hohen, kratzigen Stimme an Archie: »Bisher hast du die verschiedenen Typen magischer Werke studiert. Die Plopper wirst du nicht so schnell vergessen, was?« Er warf Archie einen amüsierten Blick zu.

Plopper waren magische Bücher, in denen Zauber verankert waren, die herausploppten, sobald man sie öffnete. Zu Anfang seiner Ausbildung hatte Archie ein solches Exemplar aufgeschlagen und einen Ritter namens Sir Konrad der Kühne entfesselt – obwohl der Alte Zeb ihn ausdrücklich davor gewarnt hatte, irgendetwas ohne Aufsicht anzurühren. Zum Glück hatte der Buchbinder die Sache mit Humor genommen, sodass Archie nun beim Gedanken daran ebenfalls lächeln konnte.

Der Alte Zeb fuhr fort. »Dieses Schuljahr habe ich einige schwierigere Übungen für dich vorbereitet. Ich werde dich in den drei Arten der Magie unterrichten.«

Für jeden der drei Zweige der Magie gab es im Museum eine eigene Abteilung. Natürliche Magie stammte von magischen Wesen und Pflanzen aus der Natur, von der Sonne, den Sternen und den Meeren. Vergängliche Magie war von Menschen ausgeübte Magie und beinhaltete unter anderem magische Instrumente, die man Astroskope nannte. Die dritte Form war die Übernatürliche Magie, die sich der Macht von Geistern und anderen übernatürlichen Wesen bediente.

»Außerdem werde ich dir ein paar praktische kleine Zauber beibringen!«, sagte der Alte Zeb.

Archie konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Darauf hatte er sich schon lange gefreut. Er würde wahre Magie erlernen!

»Und dann werden wir uns einige faule Tricks und Fallen vornehmen, in die unvorsichtige Lehrlinge gerne tappen.«

Der Buchbinder rieb sich die Hände. »Wo wir schon bei Tricks und Fallen sind, hier hätten wir eine besonders interessante«, sagte er und griff nach dem Buch, das Archie aus dem Laden mitgebracht hatte. »Wenn ich mich nicht sehr täusche, haben wir es hier mit einem Grapscher zu tun! Die größeren können richtig gefährlich werden, doch selbst so ein kleiner wie der hier kann eine echte Plage sein.«

Archie betrachtete neugierig das Buch.

»Trau dich ruhig, schau’s dir näher an«, forderte der Alte ihn auf. »Aber nimm dich in Acht. Das Band hält es aus gutem Grund verschlossen. Oft sind Grapscher verantwortlich, wenn in den Haushalten der Unreifen auf mysteriöse Weise Gegenstände verloren gehen. Socken und Schlüssel mögen sie besonders gerne.«

Die Schnur war auffallend fest gebunden und mehrfach verknotet.

Der Alte Zeb kratzte sich nachdenklich den Kopf. »Schätze, das Beste wird sein, wenn du es zuhältst, während ich einen neuen Verschluss anbringe.«

»Bereit?«, fragte der alte Buchbinder, als Archie in Position stand. Archie nickte.

»Eins, zwei, drei. Jetzt!«

Archie stemmte sich mit seinem ganzen Gewicht auf das Buch, während Zeb das Band mit einem Messer durchschnitt und abstreifte.

»Sehr gut.« Der Alte lächelte. »Jetzt bloß nicht locker lassen!«

Archie kam sich leicht dämlich vor, wie er da so mit aller Kraft ein Buch zudrückte, doch der Alte Zeb wusste für gewöhnlich, was er tat. Seit Jahren reparierte er Zauberbücher. Wie lange genau, konnte Archie sich nicht annähernd ausmalen. Soweit er wusste, konnten es Jahrhunderte sein!

In der Zwischenzeit kramte der Alte Zeb eine Art riesige Lupe hervor, die er sich vors Auge hielt. Es handelte sich um eine Traumlupe, ein magisches Instrument, das die Vorstellungskraft desjenigen verstärkte, der hindurchsah – sehr hilfreich, wenn man Dinge aus einem frischen Blickwinkel oder ein Problem in neuem Licht betrachten wollte.

Der Buchbinder lächelte. »Du hast recht, der Verschluss ist kaputt. Das haben wir im Handumdrehen repariert.«

Archie freute sich. Er wurde zunehmend selbstsicherer im Gebrauch seiner neuen Buchbindefähigkeiten.

»So, wo steckt nur dieser Verschluss von neulich …?«, murmelte der Alte. »Hab mir schon gedacht, dass der noch nützlich sein könnte.« Er stöberte in einer verschlissenen alten Werkzeugtasche herum, bis er schließlich siegreich eine Schnalle mit einem silbernen Schlüssel in die Höhe hielt.

»Da«, sagte er, während er bereits mit flinken Fingern das alte Schloss gegen das neue austauschte. Der Schlüssel lag in seiner Hand bereit. »Jetzt noch absperren …«

In diesem Moment versetzte etwas Archie von unten einen festen Stoß, so unerwartet, dass er das Gleichgewicht verlor. Unter lautem Gelächter flog der Buchdeckel auf und eine kleine Gestalt sprang heraus.

Sie war nicht größer als eine Puppe,

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