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Das Leben des Messias: Zentrale Ereignisse aus jüdischer Perspektive
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eBook266 Seiten3 Stunden

Das Leben des Messias: Zentrale Ereignisse aus jüdischer Perspektive

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Über dieses E-Book

Manchmal haben an Christus gläubig gewordene Juden einen besseren Zugang zum Wort Gottes als Christen aus den Nationen. Vor allem dann, wenn sie solch gründliche Studien durchlaufen haben wie Arnold G. Fruchtenbaum.
In diesem Buch, das Vorträgen nachgezeichnet wurde, beschäftigt sich der Autor mit zentralen Ereignissen im Leben des Messias. Er beleuchtet schlichte Evangelientexte – wie zum Beispiel die Geburt oder die Verklärung Jesu – im Licht ihres jüdischen Bezugsrahmens. Der Leser wird dabei große Kostbarkeiten entdecken, die ihm zu einem tieferen Verständnis der Schrift verhelfen können.
Dieses Buch ist ein Bestseller in deutscher Sprache (sieben Auflagen); es erfreut sich herausragend guter Bewertungen.
SpracheDeutsch
Erscheinungsdatum22. März 2013
ISBN9783939833819
Das Leben des Messias: Zentrale Ereignisse aus jüdischer Perspektive
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    Buchvorschau

    Das Leben des Messias - Dr. Arnold G. Fruchtenbaum

    Dr. Arnold G. Fruchtenbaum

    Das Leben des Messias

    Zentrale Ereignisse aus jüdischer Perspektive

    © Copyright by CMD

    Christlicher Mediendienst Hünfeld GmbH – CMD

    Postfach 1322

    D–36082 Hünfeld

    Telefon: (0 66 52) 91 81 87

    Fax: (0 66 52) 91 81 89

    E–Mail: mail@mediendienst.org

    Internet: www.mediendienst.org

    ISBN (eBook): 978–3–939833–81–9

    ISBN (Paperback): 978–3–939833–05–5

    Übersetzung: Ulrich Rothstein, Gummersbach

    Umschlaggestaltung: Lucian Binder, Meinerzhagen

    Herstellung: Digital Design Deubler, Neckargemünd

    Bibelzitate werden nach der Lutherbibel Standardausgabe 1985 wiedergegeben.

    © Copyright 1985 Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart

    Vorwort

    Dieser Text besteht zum größten Teil aus einer Abschrift des Kurses »Die Höhepunkte des Lebens Jesu aus jüdischer Sicht« (WDL-Vortragskassetten Nr. 5107-5116). Wir danken für die freundliche Überlassung des Materials.

    Der Text wurde redaktionell stark überarbeitet. Trotz intensiver Korrekturarbeit können wir nicht ausschließen, dass sich weitere Ausdrucks- und Rechtschreibfehler im Text befinden. Wir bitten um Nachsicht.

    Wilfried Plock, Herausgeber

    1 Einleitung

    Zum Verständnis der biblischen Texte ist es notwendig, ihren geschichtlichen Hintergrund zu kennen. Über die römische und griechische Kultur informiert zu sein, ist besonders wichtig, wenn wir uns zum Beispiel Bücher wie den Römerbrief, den Galaterbrief oder die Korintherbriefe ansehen. Denn das meiste, was in diesen Büchern geschrieben steht, spielte sich vor diesem kulturellen Hintergrund ab. Das Leben Jesu ereignete sich schließlich nicht in griechischer oder römischer Lebenswelt, sondern in einem sehr spezifischen Umfeld: in der jüdischen Welt des ersten Jahrhunderts nach Christus.

    In den vier Evangelien wird uns vom Leben Jesu berichtet. Es geschehen Dinge, wie sie geschehen, es werden Dinge so geschrieben, wie sie geschrieben werden und es werden Dinge so gesagt, wie sie gesagt werden, weil es einen bestimmten jüdischen Hintergrund gibt. Das Wissen um diesen jüdischen Hintergrund war immer vorhanden, aber durch den größten Teil der Kirchengeschichte, ca. ab dem 4. Jahrhundert, wurde es fast vollständig ignoriert. In der Geschichte wurden Kriege geführt, Kirchen gespalten und neue Denominationen gegründet. Und dies ausschließlich aus einem Streit über kleine Satzteile, die eine spezielle jüdische Bedeutung haben, wie z. B. »aus Wasser geboren«. Wir werden in dieser Ausarbeitung sehen, welche Bedeutung »aus Wasser geboren« im jüdischen Kontext hat. Die Leute hatten vergessen, einen Juden nach der Bedeutung zu fragen. Als fatale Folge wurde eine komplette neue Kirchenstruktur über einem solchen Satz gebaut. In diesem Buch werden wir uns besonders auf die Passagen im Leben Jesu konzentrieren, die das Wissen um den jüdischen Hintergrund zum Verständnis benötigen.

    Ich studierte vor vielen Jahren in Jerusalem die Bibel und entwickelte daraufhin einen 35-stündigen Kurs, der das Leben Jesu aus jüdischer Sicht behandelt. Aber als ich begann, diesen Kurs zu unterrichten – und die Gemeinden waren sehr interessiert daran -, hatten diese keine 35 Stunden Zeit zur Verfügung. So entwickelte ich einen kürzeren Kurs, der den Titel »Die Höhepunkte des Lebens Jesu aus jüdischer Sicht« trägt.¹

    Dr. Arnold Fruchtenbaum

    2 Geburt und frühes Leben Jesu

    2.1 Die Einführung bei Johannes (Joh 1,1–18)

    In den ersten 18 Versen haben wir die Einführung in die Biographie Jesu. Sie beginnt mit dem Vers: »Am Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort.« Viele wissen, dass der griechische Ausdruck, der hier für »Wort« verwendet wird, »Logos« heißt. Weil Johannes dieses spezielle Wort »Logos« gebraucht hat, erklären die meisten Kommentare zum Johannesevangelium zu Beginn, was das Wort Logos in der griechischen Philosophie bedeutet. Es kann einige oder auch viele Seiten in Anspruch nehmen, aber alle kommen schließlich zu folgender Aussage: In der griechischen Philosophie hat das Wort Logos zwei Bedeutungsinhalte: den der Vernunft und den der Sprache. Und weil Johannes dieses Wort Logos mit dieser griechischen Bedeutung verwendet hat, behaupten die Kommentare dann, dass Jesus kam, um diese Bedeutungsinhalte griechischer Philosophie zu erfüllen. Bezogen auf die Vernunft, weil Jesus das höchste Ideal (die höchste Idee) Gottes ist, und bezogen auf die Sprache, weil Jesus der höchste Ausdruck Gottes ist. All dieses ist zwar nett zu wissen, aber die meisten Ausleger vergessen, dass Johannes von Beruf kein griechischer Philosoph war, sondern ein jüdischer Fischer. Was er wirklich im Sinn hatte, war eben nicht griechische Philosophie, sondern jüdische Theologie.

    Es gibt ein ganz bestimmtes theologisches Konzept innerhalb der jüdischen Religionslehre. Die Rabbiner hatten in der jüdischen Theologie ein Konzept mit dem Titel »Memra« erarbeitet. Memra ist ein aramäischer Begriff, der übersetzt »Wort« heißt. Als Johannes sein Evangelium in Griechisch schrieb, benötigte er ein griechisches Wort, um das Wort »Memra« zu übersetzen. Das einzige griechische Wort, das er hierzu verwenden konnte, war das Wort »Logos«. Wenn er also über das Logos schreibt, denkt er nicht in Themen griechischer Philosophie, sondern er denkt über Themen der jüdischen Theologie des Memra nach. Die Rabbiner lehrten bezüglich des Memra sechs Dinge. Alle sechs Dinge kommen nacheinander in diesen 18 Versen vor.

    2.1.1 Die erste theologische Wahrheit über das Memra in jüdischer Theologie

    Manchmal ist das Memra dasselbe wie Gott, aber manchmal ist das Memra getrennt von Gott. In allen ihren Schriften versuchen die Rabbiner nie, diesen (scheinbaren) Widerspruch zu erklären. Wie ist es für das Memra möglich, dasselbe wie Gott, und gleichzeitig auch getrennt von Gott zu sein? Sie sagen einfach, dass beide Aussagen wahr sind und lassen sie so stehen. Und das ist genau das, was Johannes hier in Vers 1 macht. Wenn er sagt, »das Wort war bei Gott«, trennt er Memra von Gott und wenn er sagt, »das Wort war Gott«, sagt er, Memra und Gott sind ein und dasselbe. Ebenso wie die Rabbiner versucht Johannes nicht, diesen Widerspruch wegzuerklären, sondern er stellt beide Aussagen als wahr nebeneinander. Er erklärt dies später in seinen Schriften beim Thema der Trinität. Wenn von Memra als etwas von Gott Getrenntem gesprochen wird, ist nicht Gott der Vater und nicht Gott, der Heilige Geist gemeint. Aber es ist dasselbe wie Gott, nämlich Gott, der Sohn. Nur mit der Lehre von der Dreieinigkeit können wir uns dieses rabbinische Paradox erklären.

    2.1.2 Die zweite theologische Wahrheit rabbinischer Theologie über das Memra

    Memra war der Wirkende in der Schöpfung. Immer, wenn Gott schaffend wirkt, tut er dies durch Memra. Gott hat einfach nur zu sagen: »Es geschehe!« und es kommt ins Dasein. Alles was heute existiert, existiert durch das Wirken des Memra. Und ohne das Memra würde und wird nichts existieren. Das ist genau das, was Johannes in Vers 3 sagt: »Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist.« Johannes sagt: Alles ist durch das Eine gemacht. So gibt es ohne dieses Eine nichts und wird es auch nicht geben. Das Memra ist also der und das Wirkende in der Schöpfung.

    2.1.3 Die dritte theologische Wahrheit über das Memra

    Memra ist ebenso der Wirkende bei der Errettung. Immer, wenn Gott in der Geschichte des Alten Testamentes gerettet hat, sei es eine physische Errettung, wie beim Auszug aus Ägypten oder sei es eine geistliche Errettung, tut er dies durch Memra. Memra ist der Wirkende. In Johannes 1,12 lesen wir: »Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, denen, die an seinen Namen glauben.« In diesem Vers sagt Johannes, dass diejenigen, die an ihn glauben, diejenigen, die ihn aufnehmen, Kinder Gottes genannt werden. Sie erhalten die Errettung durch den, der der Wirkende in der Errettung ist.

    2.1.4 Die vierte theologische Wahrheit über das Memra

    Memra war auch das Mittel, durch das Gott im Alten Testament sichtbar wurde. Dann und wann nahm Gott sichtbare Gestalt an. Immer wenn er dies getan hat, hat er das durch Memra getan. Christliche Theologen gebrauchen gern das Wort Theophanie, um die sichtbare Manifestation Gottes zu beschreiben. Aber die Rabbiner hatten einen anderen Begriff – den Begriff Shechinah. Er wird oft kombiniert mit dem Begriff Herrlichkeit. Dann spricht man von der Shechinah-Herrlichkeit Gottes. Und eine einfache Definition der Shechinah-Herrlichkeit ist folgende: »Die Shechinah-Herrlichkeit ist die sichtbare Manifestation der Gegenwart Gottes.« Immer wenn der unsichtbare Gott sichtbar wurde, immer, wenn die Gegenwart Gottes lokalisiert werden konnte, war diese lokalisierte Gegenwart die Shechinah-Herrlichkeit. In den meisten Fällen im Laufe des Alten Testaments geschah dies auf drei verschiedene Arten: als ein Licht, als ein Feuer, als eine Wolke oder als eine Kombination aus diesen drei. Das waren nicht die einzigen Weisen, wie Gottes Gegenwart sichtbar wurde, aber die häufigsten. Und immer, wenn er kam, kam er durch Memra. Also noch einmal: Memra war das Mittel, durch das Gott sichtbar wurde.

    In Johannes 1,14 schreibt Johannes: »Und das Wort wurde Fleisch.« Das Wort, das am Anfang bei Gott war und das Gott war, nahm zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt menschlicher Geschichte eine sichtbare Gestalt an. Aber zu diesem Zeitpunkt geschah dies nicht in Gestalt von Licht, Feuer oder Wolke, sondern dieses Mal geschah es im Fleisch. Er wurde Mensch und Johannes schreibt dann weiter: »… und wohnte unter uns«. Johannes benutzt hier nicht das normale griechische Wort für wohnen. Er verwendet ein komplett anderes griechisches Wort, welches eigentlich kein griechisches Wort ist. Es war ein hebräischer Begriff, den sich die Griechen ausgeliehen hatten. Die Juden hatten dieses Wort »Shechinah«, um die sichtbare Gegenwart Gottes zu beschreiben. Als die Griechen in Kontakt mit der jüdischen Welt kamen, begegnete ihnen dieses Wort und die Bedeutung gefiel ihnen. Sie wollten dieses Wort in die griechische Sprache integrieren. Denn in griechischer Mythologie kamen hin und wieder die Götter vom Olymp herunter und mischten sich in verschiedenartiger Gestalt unter die Menschen. Aber die Griechen hatten ein kleines Problem: Ihnen fehlte ein bestimmter Laut in ihrer Sprache. Im Hebräischen gibt es einen Buchstaben, der den »sch«-Laut beschreibt. Im Englischen sind es zwei Buchstaben, im Deutschen drei. Aber im Griechischen kann man mit keiner Buchstabenkombination einen »sch«-Laut beschreiben. Im Griechischen gibt es ein hartes »s«, aber kein weiches »sch«.

    Die Griechen haben das Wort »Shechinah« hellenisiert. Das griechische Wort an dieser Stelle ist jetzt »skeinei« und bedeutet nicht wohnen oder leben, sondern zelten. Das ist genau die Bedeutung, die Johannes meint. Denn dieses Wort geht auf das Buch Exodus zurück. Dort, in Kapitel 40, kam die Shechinah-Herrlichkeit in der Form einer Wolke hernieder und ging durch das Allerheiligste und zeltete für die nächsten Jahrhunderte inmitten des Volkes Israel, bis sie schließlich zu den Zeiten Hesekiels Israel verließ (Hesekiel 8–11).

    Jetzt aber war die »Shechinah« zurückgekehrt. Nicht in der Form von Wolke, Feuer oder Licht, sondern im Fleisch und zeltete wieder inmitten von Israel. Und so wie die Rabbiner, dies ist hier zu beachten, verbindet auch Johannes »Shechinah« bzw. »skeinei« mit der Herrlichkeit Gottes: »… und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit« (Joh 1,14).

    Normalerweise hat die Shechinah-Herrlichkeit ein Strahlen um sich herum. Sie strahlt ein Licht aus. Aber der physische Körper Jesu wirkte wie ein Vorhang, so dass die Helligkeit seiner Herrlichkeit verborgen war. Wenn Menschen damals Jesus gesehen haben, sah er nicht anders aus als andere jüdische Männer. Aber an einem speziellen Zeitpunkt seines öffentlichen Wirkens kam diese Helligkeit zum Vorschein. Dies geschah auf dem Berg der Verklärung. Hier schien der Glanz der Herrlichkeit Gottes durch den Vorhang hindurch: »Und er wurde verklärt vor ihnen und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß wie das Licht« (Mt 17,2). Drei seiner Apostel sahen die Helligkeit seiner Herrlichkeit und einer dieser drei war der Autor von Kap. 1,1–18 – Johannes. So schreibt er hier als ein Augenzeuge. Er sagt: »Wir sahen seine Herrlichkeit« und er sah diese auf dem Berg der Verklärung. Genauso, wie das Memra in der rabbinischen Theologie das Mittel war, wodurch Gott sichtbar wurde, passiert das gleiche hier mit dem »Logos« des Johannes.

    2.1.5 Die fünfte theologische Wahrheit über das Memra

    Memra ist der Ursprung der Offenbarung. Immer wenn Gott sich den Menschen geoffenbart hat, geschah dies durch das Memra. Was immer wir von Gott wissen, wissen wir durch Memra. Dies basiert auf den vielen Stellen im Alten Testament, wo es heißt, dass das Wort des Herrn zu diesem oder zu jenem Propheten kam. Johannes schreibt in Kapitel 1 Vers 18: »Niemand hat Gott je gesehen; der Eingeborene, der Gott ist und in des Vaters Schoß ist, der hat ihn uns verkündigt.«

    Das Hauptthema im Evangelium von Johannes ist Jesus, der Messias, der Sohn Gottes. Aber er hat im ganzen Evangelium zwei Unterthemen: Erstens den Konflikt zwischen Licht und Dunkelheit und zweitens, dass Jesus kam, den Vater den Menschen zu offenbaren. Deshalb sagt uns Johannes viel mehr als die anderen Evangelien, was Jesus gesagt und gelehrt hat. Wir haben mehr Predigten in Johannes, als in den anderen drei Evangelien. Und in all diesen lehrte Jesus die Natur des Vaters. Wegen dieses zweiten Unterthemas hielt Johannes eine Begebenheit fest, bei der die Jünger Jesu fragen: »Zeige uns den Vater.« Jesus antwortete: »Wenn ihr mich seht, seht ihr den Vater.« Alles was über die göttliche Natur des Vaters wahr ist, ist auch wahr bezüglich des Sohnes. Also, den Sohn zu kennen, bedeutet den Vater zu kennen. Im Hebräerbrief Kapitel 1 Verse 1–3 setzt der Autor den gleichen Schwerpunkt: »Nachdem Gott vor Zeiten vielfach und auf vielerlei Weise geredet hat zu den Vätern durch die Propheten, hat er in den letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn« (Hebr 1,1). So ist der Sohn das Mittel der Offenbarung.

    2.1.6 Die sechste theologische Wahrheit über das Memra

    Memra ist auch das Mittel, mit dem Gott seine Bündnisse besiegelt. Gott schloss im Alten Testament insgesamt acht Bündnisse. Drei davon wurden mit der Menschheit im Allgemeinen geschlossen, fünf mit dem jüdischen Volk im Speziellen. Dieser letzte Aspekt – Memra als das Mittel, mit dem Gott seine Bündnisse besiegelt – kommt nicht so klar zum Ausdruck wie die anderen fünf. Aber es wird in Vers 17 ein Hinweis gegeben (später führt Johannes das in seinem Evangelium und in seinen Briefen klarer aus): »Denn das Gesetz ist durch Mose gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden.«

    Das Zeitalter des Gesetzes basierte auf dem mosaischen Bund, dem Bund mit Mose. Und der mosaische Bund wurde durch die Shechinah-Herrlichkeit unterzeichnet (2Mo 24,15.17 ). Aber das neue Zeitalter der Gnade basiert auf dem Neuen Bund, der mit dem Vergießen seines Blutes unterzeichnet und versiegelt ist. Als Jesus am Kreuz starb, unterzeichnete er, neben vielen anderen Dingen, die er dort tat, den Neuen Bund. In diesem Sinn ist Jesus auch der Unterzeichner eines Bundes.

    Was Johannes also hier in den ersten 18 Versen seines Evangeliums zeigt, ist nicht, dass Jesus kam, um Ziele griechischer Philosophie zu erfüllen. Sondern er kam, um die jüdische messianische Hoffnung zu erfüllen. Die sechs Eigenschaften, die die Rabbiner über das Memra aussagen, wurden in Bezug auf Jesus von Nazareth ausnahmslos erfüllt.

    Wir können die Aussagen, die Johannes hier nennt, in vier einfachen Punkten zusammenfassen:

    Das Logos, Memra, Wort, kam in einer sichtbaren Form.

    Die Welt hat ihn nicht erkannt.

    Sein eigenes jüdisches Volk hat ihn auch nicht erkannt.

    Die einzelnen jüdischen und heidnischen Personen, die ihn aber erkannt haben, wurden Kinder Gottes und empfingen das Heil von dem, der der Ursprung des Heils ist.

    Wenn wir uns in den Rahmen des jüdischen Hintergrunds des ersten Jahrhunderts begeben, verstehen wir besser, warum Dinge so geschrieben sind, wie sie geschrieben sind.

    2.2 Die Ankündigung an Zacharias (Lk 1,5–25)

    Hier finden wir die Geschichte von Zacharias, dem Vater von Johannes dem Täufer, beschrieben. Es wird nicht der ganze Abschnitt im Detail ausgelegt, aber einige kleine Begebenheiten werden genauer betrachtet, die man besser vor einem jüdischen Hintergrund verstehen kann. Die Aufgabe von Zacharias war das Räuchern. Er verrichtete diese Zeremonie zweimal täglich. Die Aufgabe war sehr einfach. Er musste eine glühende Kohle vom Altar außerhalb des Gebäudes nehmen und diese glühende Kohle in den ersten Raum tragen und sie auf einen zweiten Altar legen, den Räucheraltar. Der Räucheraltar stand vor dem dicken Vorhang, der das Heiligste vom Allerheiligsten trennte. Er legte Räucherwerk auf die Kohle und ein süßer Rauch stieg auf und drang durch den

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