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Die schwedische Monarchie - Von den Vikingerherrschern zu den modernen Monarchen, Band 1: Band 1, 950 - 1611

Die schwedische Monarchie - Von den Vikingerherrschern zu den modernen Monarchen, Band 1: Band 1, 950 - 1611

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Die schwedische Monarchie - Von den Vikingerherrschern zu den modernen Monarchen, Band 1: Band 1, 950 - 1611

Länge:
507 Seiten
5 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Mar 25, 2013
ISBN:
9783869351865
Format:
Buch

Beschreibung

Schweden ist bekannt für seinen lebendigen Royalismus und moderne Königsfamilie.

Die beiden Bände schildern die Geschichte Schwedens anhand der Geschichte seiner Könige – erstmals vollständig von der Frühzeit bis heute. Der Leser verfolgt so den spannenden Werdegang von den Vikingerherrschern bis zu den heutigen Demokraten auf Schwedens Thron. Reich bebildert und lebendig geschrieben, wendet sich das Buch nicht nur an historisch Interessierte, sondern auch an alle Monarchie- und Schweden-Liebhaber. Schwedische Geschichte - packend, umfassend und fundiert.

Band 1 umfasst den Zeitraum von 950-1611 n. Chr.

19.6.2010: Hochzeit der Kronprinzessin Victoria
Herausgeber:
Freigegeben:
Mar 25, 2013
ISBN:
9783869351865
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Die schwedische Monarchie - Von den Vikingerherrschern zu den modernen Monarchen, Band 1 - Jörg-Peter Findeisen

978-3-86935-028-8

Erster Teil

Vorbemerkung

Eine Marktanalyse der obersten schwedischen Tourismusbehörde Anfang des neuen Jahrtausends bilanzierte nach umfangreicher Auswertung der Statistiken der letzten Jahre, etwa eine Million Deutsche verbringen jährlich den Urlaub in Skandinavien. Schweden sei dabei mit einem Anteil von 600.000 das bevorzugte Reiseland. Dennoch glaubten die Verantwortlichen in Stockholm und der Hamburger Filiale konstatieren zu müssen, noch immer seien die Kenntnisse der Deutschen über Schweden eher gering.

Eine solche Feststellung überrascht angesichts der Popularität Königin Silvias in den deutschen Medien, muss aber dennoch wohl auch zustimmendes Nicken auslösen. Manche Deutsche wissen viel, andere offenbar nur, dass Schweden als ein Land der Mitternachtssonne irgendwie exotisch ist. Eines der ältesten europäischen Königreiche und trotzdem fast ein »soziales Wohlfahrtsmodell«, so hört man häufig in Diskussionen ein angeblich unbegreifliches Gegensatzpaar im gesellschaftlichen Leben unseres nördlichen Nachbarlandes benannt. Weiß man noch, dass dieses Schweden einst eine europäische Großmacht war, die Entwicklung des Kontinents, besonders auch die deutsche Geschichte für einen kurzen Zeitraum wesentlich beeinflusste, sollte solches wohl eigentlich Grund genug sein, mehr auch über das Phänomen der dortigen Monarchie zu erfragen. Denn das scheint ziemlich sicher: Selbst die überzeugten Sozialdemokraten zwischen Trelleborg und Kiruna stehen relativ einmütig hinter ihrem Königshaus, äußern sich gewöhnlich anerkennend über Silvia Sommerlath, die Deutsche an der Seite König Carls XVI. Gustav.

Der heute eher überraschende Royalismus hat Tradition, ist wohl tief verwurzelt in der schwedischen Seele. Seinerzeit schrieb der Vater der modernen schwedischen Geschichtsschreibung, Erik Gustav Geijer, den für eine Darstellung der schwedischen Geschichte in Kurzbiographien der dortigen Regenten höchst passenden Satz, die Geschichte des schwedischen Volkes sei vor allem die seiner Könige.

Schon in den Vorbemerkungen zu meinen breiter angelegten Wertungen der beiden Kriegerkönige Karl XII. und Gustav II. Adolf habe ich seinerzeit dieses Motto als besonders geeignet für Lebensbilder schwedischer Herrschergestalten angeführt und doch auch ein gewisses Unbehagen artikuliert. Ein solches Lob assoziiert natürlich sofort Erwartungen jener Glorifizierungen der Könige, wie sie im beginnenden 19. und zu Anfang des 20. Jahrhunderts auch durch bedeutende Historiker geschrieben wurden.

Das ist hier nicht beabsichtigt. Auch gilt die gerne zitierte Geduld und Nachsicht des schwedischen Volkes mit seinen Regenten nur für einige Herrscher und illustriert vor allem das Verhalten der Bürger und Bauern. Im Allgemeinen starben die frühen Könige selten an Altersschwäche im Bett. Die Auseinandersetzungen zwischen der Aristokratie und den Herrschern verliefen auch im scheinbar so ruhigen, königstreuen Schweden gewöhnlich eher blutig. In den Tagen der Französischen Revolution kam es zum bisher letzten Eklat, verwundete ein Adelsfrondeur unter dem Beifall vieler seiner Standesgenossen König Gustav III. auf einem Maskenball in der Stockholmer Oper tödlich.

Nein, Schwedens Königsgeschichte eignet sich weniger für eine durchgängige Darstellung einer Einheit von Volk und Herrscher. Das Reizvolle ist gerade das Ringen um die Macht einzelner Regenten und Thronprätendenten, in das immer auch größere Teile des schwedischen Volkes einbezogen wurden. Schwedens Entwicklung am persönlichen Schicksal herausragender Persönlichkeiten – und das sind hier eben über einen langen Zeitraum vor allem die Herrscher und einige wenige Reichsvorsteher gewesen – möglichst farbig darzustellen, erscheint ganz einfach ein interessanter gangbarer Weg, auch zu Beginn des dritten Jahrtausend unserer Zeitrechnung schwedische Geschichte in Schlaglichtern zu erzählen.

Lars O. Lagerqvist, der die in seiner Heimat höchst populäre Geschichte der schwedischen Regenten in ihrer Einheit mit Schwedens Nationalgeschichte skizzierte, sich somit vorsichtig auch zu Geijers Überzeugung bekannte, hat sehr richtig auf die dortigen dürftigen schriftlichen Quellen zu älteren Perioden verwiesen. Es sei leider unmöglich, eine Geschichte des schwedischen Bauern in einer mehr persönlichen Form zu schreiben. Eine Familienchronik bis in die Vikingerzeit zurück wäre höchstens als historischer Roman denkbar und selbst für die Neuzeit fänden sich wohl kaum exaktere Belege. Das gilt im Übrigen dort sogar für nicht wenige Herrscherpersönlichkeiten.

So ist der Versuch, einem breiteren deutschen Leserpublikum die Geschichte Schwedens in Lebensbildern seiner Könige zu erschließen, fast die Quadratur des Kreises. Zahllose, bei uns kaum bekannte historische Fakten galt es zu bündeln. Der Leser soll ein möglichst faktengesichertes Panorama der Ereignisse und historischen Abläufe des vergangenen Jahrtausends schwedischer Geschichte vorfinden. Im Wechsel allgemeiner Informationen – sozusagen als Rahmen für das Wirken des einzelnen Herrschers – und längeren bzw. Kurzbiographien der Könige wird Interessantes und Gewichtiges aus der Geschichte unseres nördlichen Nachbars vor allem auch in den Beziehungen zur deutschen und europäischen Entwicklung fixiert.

Es versteht sich, dass ein deutsches Leserpublikum einen anderen Hintergrund und zahlreiche Details erwartet, die für schwedische Interessenten unnötig wären. Daher wurde diese Darstellung anders konzipiert als es ein schwedischer Historiker für seine Landsleute täte. Auf eine breitere Faktengrundlage der schwedischen Nationalgeschichte konnte nicht verzichtet werden. Dabei bin ich der gängigen Periodisierung gefolgt und habe auch die schwedischen Regenten entsprechend gebündelt. Den Gedanken, bedeutende Persönlichkeiten des schwedischen Volkes an der Seite der jeweiligen Regenten in besonderen Porträts zu würdigen, musste ich aufgeben. Zu umfangreich wäre die vorliegende Arbeit geworden. Ihr Einsatz und Wirken wird daher in den allgemeinen Kapiteln historischen Werdens des schwedischen Volkes dargestellt.

Schwedens Morgenröte

Mehr Fragen als Antworten

Der umfassendste Bericht über Schwedens Natur und seine Menschen in ältester Zeit sei in die Ablagerungen des Bodens eingeprägt. Oftmals tief unter Sandanhäufungen verborgen, wäre es zeitaufwändig, diesen »Rapport« zu lesen, schwer, seine Zeichen zu deuten. So begann ein schwedischer Historiker vor mehr als einem Menschenalter seine auch in Deutschland bekannte gedrängte Darstellung der Geschichte Schwedens. Der gewöhnliche Leser wird nur zufällig in diesem gewaltigen »Buch« blättern, die eine oder andere »Passage« mit Hilfe eines Archäologen entschlüsseln können.

Die Hügel von Alt-Uppsala als Geburtsstätte des angeblich uralten schwedischen Königtums in Olof Rudbecks berühmter »Atlantica« von 1679

Aber auch die bekannten frühen schriftlichen Quellen der klassischen Autoren des Altertums sprudeln nicht gerade zur schwedischen Frühzeit. In seiner »Germania« streifte Cornelius Tacitus auch die svionium civitates, die Gesellschaft der Schweden. Dieses Volk habe »außer in Männern und Waffen« seine »Stärke in seinen Schiffsflotten«, werde von einem König »ohne jede Einschränkung mit dem bedingungslosen Anspruch auf Gehorsam« beherrscht. In den Augen des großen Römers eine ideale Monarchie, absolutistisch regiert, ein Staatswesen zumindest, so muss man diese Quelle wohl interpretieren. Wenig später spricht er dann aber selbst von »den Staaten der Svear« (Tacitus, 69).

Viel wusste man damals in Rom nicht über diesen unendlich fernen Teil der antiken Welt. Was Tacitus niederschrieb, war offenbar dem in jenen Jahren mehr und mehr intensivierten Kontakt zwischen römischen Eroberern, Händlern und germanischen Grenzvölkern erwachsen. Liest man im »großen Buch« der schwedischen Geschichte, dann decken die bisherigen archäologischen Funde die Behauptungen des Tacitus auch keinesfalls.

In Uppland finden sich mit dem großen Hügel von Håga und den so genannten Königshügeln bei Gamla Uppsala sowohl für die jüngere Bronzezeit als auch die dortige späte Eisenzeit beeindruckende Grabanlagen. Fast euphorisch hatte 1941 ein schwedischer Archäologe die Ausgrabungen bei Håga als Dokumentation der letzten Ruhestätte eines »Königs über ein bedeutendes Reich« vor etwa 3000 Jahren kommentiert, auf die Größe der Anlage, die bronzezeitlichen Prunkwaffen und wertvollen anderen Beigaben wie auch die Opferung dreier Sklaven verwiesen (KG, 39). Die Mehrheit der Experten reagierte allerdings zurückhaltender. »Häuptlingsgräber, deren Machtbereich uns unbekannt« sei, definierte noch kürzlich ein schwedischer Historiker diese Anlegungen (Lagerqvist, 11).

Die Bestatteten in den gewaltigen Erdaufschüttungen über den Gräbern bei Gamla Uppsala aus der Zeit vor etwa 1.500 Jahren nennt jedoch auch ein derzeitiger schwedischer Militärhistoriker »Könige«, an deren Macht heute keiner der Fachleute zweifele (Åberg, 37). Jüngst definierte der Archäologe Mats G. Larsson etwas vorsichtiger, man könne den »Großhäuptling, der hier residierte«, im vorgeschichtlichen Verständnis »König« nennen, mit dem 6. Jahrhundert von den ersten »Sveakönigen« sprechen (Svitjod, 40).

Tatsächlich assoziiert dieser Komplex Vergleiche zur weltberühmten Nekropole bei Gizeh mit den Pyramiden des Cheops, Chefren und Mykerinos – und das wirklich nicht nur, weil es hier ebenso drei Grabstätten sind. Unübersehbar wurde auch in Gamla Uppsala von den damaligen »Architekten« versucht, jeden Hügel höher und breiter zu schütten als den vorhergehenden. Daher glauben einige schwedische Historiker zu erkennen, »dass jeder, der hier begraben wurde, Kraft für seine Position und das Recht darauf aus der Bedeutung des Vorgängers schöpfte«, ein unübersehbares königliches Verhalten, so die vielleicht etwas kühne Wertung (NG, I, 120). Auch bezöge die altnordische Heldendichtung »Ynglingatal« – die farbige Aufzählung der illustren Ahnenreihe eines norwegischen Vikingerkönigs des 10. Jahrhunderts – auf die Hügel von Gamla Uppsala und die dort begrabenen Könige.

Andererseits definieren Schwedens Vorzeithistoriker die Toten der ebenfalls äußerst prunkvollen Gräber bei Vendel in Uppland als »lokale Große, keine Könige« (Sveriges Hist. 1996, 85).

Es mag müßig sein zu streiten, ob es »Kleinkönige«, regionale Stammesfürsten oder mächtige Häuptlinge waren, die man solcherart ehrte. Sicher wird niemand leugnen wollen, dass prähistorische Burgen und diese Grabfunde »ein Zeugnis für eine frühe Gesellschaftsbildung« sind (NG, I, 186). Aber es scheint doch, als lebten die Menschen vor etwa zwölfhundert Jahren dort allenfalls in kleineren, weitverstreuten Siedlungen, mehr Seekrieger als Viehzüchter und Ackerbauern, wahrscheinlich aber nicht in einem größeren geschlossenen staatlichen Verband. Von einem frühen ersten schwedischen Reich kann wohl nicht gesprochen werden. Ganz in diesem Sinne folgerte einer der bekanntesten schwedischen Historiker bereits 1962, noch während des 6. Jahrhunderts habe der politische Zusammenschluss nicht über größere kulturelle Räume hinausgewiesen. »Dorfgemeinschaften, nicht politisch konsolidierte Staaten des gleichen Charakters wie die späteren nordischen Staaten«, seien für diese Zeit charakteristisch gewesen (Weibull, 8).

Etwa fünfzig Jahre nach Tacitus’ Aufzeichnungen fasste der Alexandriner Ptolemäus in einer ersten Weltbeschreibung das antike geographische Wissen zusammen. Er schrieb auch über die Insel »Skandiai«, erwähnte, dass dort sieben Völker leben. Unter anderem benannte der Geograph die »gontai«, die Goten.

Noch in der älteren römischen Kaiserzeit galt Skandinavien als große Insel im fernen Nordmeer, berief man sich dort auf Plinius den Älteren. Auch nach ersten, doch recht leidvollen Begegnungen mit germanischen Völkern wussten römische Autoren nahezu nichts über die dortigen sozialökonomischen Verhältnisse. Dennoch wurden neben anderen Stämmen die Svear und Goten schon namentlich genannt. Aber erst in den Jahren der Völkerwanderung bekundeten die Römer ernsthaft Interesse, nachdem ein Germanenvolk nach dem anderen das römische Imperium erschütterte.

Jordanes, ein gelehrter Ostgote, schrieb Mitte des 6. Jahrhunderts eine erste, auch ins Deutsche übersetzte Geschichte der Goten. Man glaube, die Goten seien von der Insel Scandza ausgewandert, begann er seine uns erhaltene Schrift »De origine actibusque getarum«, ein Versuch, vom Ursprung und den Großtaten der Goten zu erzählen. Mit dem streitbaren König Berik seien sie in drei Booten aufgebrochen. Unter ihrem fünften Herrscher nach ihm, Filimer, hätten sie die Skyten verdrängt. Jordanes unterschied bereits zwischen 20 Völkern Skandinaviens. Er erwähnte die Westgoten am Götaälv, nannte schon die davon gesondert siedelnden Ostgoten, zählte auch die Svear ebenso wie die »finni«, die Finnen und die Lappen auf. Ein Königreich der Zurückgebliebenen erwähnte Jordanes allerdings nicht.

Bis vor kurzem glaubte man auch in Schweden, dieser Autor habe sich bei der Auflistung der 20 Stämme lediglich auf mündliche Informationen durch Cassidorius, den berühmten Kanzler König Theoderichs – des Dieterich von Bern der Nibelungensage – gestützt. Inzwischen argumentieren die meisten Experten, ihm hätten eine zwölfbändige Handschrift, weitere schriftliche Aufzeichnungen, sogar Wegbeschreibungen reisender Händler vorgelegen. Natürlich waren ihm die Raum überwindenden Züge der West- und Ostgoten einige Jahrhunderte vorher und der schließliche Erfolg König Alarichs über Rom wohl vertraut. Jordanes selbst nannte sein Werk, das er um etwa 551 fertig stellte, eine Zusammenfassung der Gotenchronik des Cassidorius. Er habe dessen Idee übernommen, das gotische Königshaus zu glorifizieren, den »Ursprung der Goten und ihre Heldentaten von den ältesten Zeiten bis heute« darzustellen (Jordanes, 29).

Es scheint, als habe schon Cassidorius seine Aussagen auf die Namensgleichheit zwischen Goten, Götar und den »Getar« aus den Berichten der altgriechischen Historiker aufgebaut. Er und wenig später ebenso Jordanes negierten, dass die Skyten in den alten Quellen häufig auch »Geter« benannt wurden. Als die beiden Ostgoten den Weg ihres Volkes bis in die Zeit Theoderichs nachzeichneten, verwoben sie die Nachrichten über die historischen Geten und Skyten mit den Klagen der Römer über die germanischen Völkerschaften, wuchsen die frühen Völker des weiten euroasiatischen Raumes und die Goten am Schwarzen Meer zu einem großen Volk zusammen.

Quellen des 12. Jahrhunderts belegen, dass Jordanes’ Gotengeschichte Schriftkundigen im mittelalterlichen Europa vertraut war und geglaubt wurde. Schon der Prophet Eziechel hätte im Alten Testament einen Vernichtungszug des Fürsten Gog aus dem Lande Magog im äußersten Norden gegen Israel angedroht, wurde argumentiert. Kaum einer der Gelehrten zwischen Konstantinopel und den Zentren der fränkischen und angelsächsischen Welt zweifelte biblische Verkündungen an. Adam von Bremen – der vielgerühmte unter den klassischen frühen deutschen Geschichtsschreibern – notierte in seinen Aufzeichnungen vor 1080, für ihn habe sich in Schweden »offensichtlich besonders deutlich die Prophezeiung« erfüllt. Wohl hätten Jordanes und andere auf die Rom verwüstenden Goten bezogen. Bedenke er aber, »dass götische Stämme in Schweden herrschen«, glaube er, die Verheißung »lässt sich auf sie anwenden« (Adam, 201). Für ihn und seine Zeitgenossen war sicher, dass sich Skandinavien als Inselwelt in jenem großen Ozean erstreckte, der die flache Erdscheibe umschloss.

Etwa gleichzeitig mit Jordanes sammelte Procopius, der vertraute Sekretär des oströmischen Feldherrn Belisar, die spärlichen Informationen über Herkunft und Wanderungen der Goten, der damaligen Gegner des mächtigen Byzanz auf italienischem Boden. Er begleitete Belisar auf dessen Feldzügen gegen Perser, Vandalen, später auch in Italien gegen das Ostgotenreich des 6. Jahrhunderts. Den mittelalterlichen Chronisten war auch diese bedeutsame Quelle über germanische frühe Staatsbildungen in Teilen Europas geläufig. Sie wurde seinerzeit aus dem Griechischen mehrfach ins Lateinische übertragen, bereichert unser Wissen über die skandinavischen Völker in vorchristlicher Zeit wesentlich, sieht man von den auch dort notierten Fabelwesen und Legenden ab.

Im Jahre 1515 druckte der deutsche Humanist Conrad Peutlinger die Schrift des Jordanes. Damals sammelte ein anderer Deutscher, der Prälat am Erzbischofssitz zu Hamburg, Albert Krantz, Materialien für eine erste Geschichte der nordischen Staaten. In seinen Aufzeichnungen grenzte das alte Schweden an den Öresund, waren spätere dänische Eroberungen in Südschweden notiert. Auch äußerte sich Krantz überzeugt, Gotland sei durch die Goten vor ihrer ersten Auswanderung aus Götaland kultiviert worden. Nur wenige Jahre später las in Rom der deutsche Humanist, Historiker und Theologe Johannes Cochlaeus alle verfügbaren Handschriften und Hinweise über germanische Völker auf italienischem Boden. Er wollte in seinem Lehrbuch über Deutschlands Geographie auch über die Goten berichten. Überschwänglich schrieb er schwedischen Freunden, er habe die Handschriften des Cassidorius lesen und auswerten können. Jedoch nahm er nur eine Sammlung von Auszügen auf die beschwerliche Reise über die Alpen mit, als er die Papststadt 1522 verließ. Unglücklicherweise wurden alle Abschriften und Originale bei der Plünderung Roms durch deutsche Landsknechte 1527 vernichtet. Seinen Notizen ist aber zu entnehmen, dass Cassidorius, Jordanes und Procopius nur wenige konkrete Informationen über die südlichen Teile Skandinaviens sammeln konnten. Auch war die Küstenlinie der Ostsee im Bottnischen Meerbusen noch völlig unbekannt.

Damals wurden fehlende Kenntnisse bedenkenlos durch Spekulationen, so genannte Wahrscheinlichkeitsschlüsse und mehr als kühne Gedankenkombinationen ersetzt. Immerhin meinte Jordanes zu wissen, dass Berik im Jahre 836 nach der Sintflut aufgebrochen war und die Siedlungsgebiete der Ulmerugerner und Vandalen eroberte. Procopius benannte das Ursprungsgebiet der Goten »Thule«. Er verkündete, es sei zehnmal größer als das ganze Britannien und »bestehe aus dreizehn Königreichen« (Johannesson, 239).

Unser Wissen um jenen Teil Europas erweitete sich erst mit arabischen Handelsreisenden, vor allem aber durch die fränkischen und angelsächsischen Missionare und deren gelehrte mönchische Chronisten. Nun war diese Region den Nachkommen der Römer erneut sehr plötzlich und wiederum höchst schmerzlich näher gerückt. Vikingerflotten stießen wieder und wieder gegen die »alte Welt« vor. Deren Krieger verheerten Jahrhunderte nach dem Untergang der römischen Ostgoten und dem Ende des Westgotenreiches auf spanischem Boden nun die Welt der Nachfahren der Völkerwanderungszeit. Die angeblich in Skandinavien zurückgebliebenen »Goten« galten den Franken, Angelsachsen und den Kulturvölkern des Mittelmeerraumes als ebenso barbarisch, grausam wie seinerzeit die klassischen Goten, Vandalen und Attilas Hunnen.

Die arabischen Quellen sind noch immer nur ungenügend erschlossen. Der Bericht des Ibn Fadlán gilt als bisher umfangreichste frühe Dokumentation über den Alltag, Sitten und Gewohnheiten nordischer Händler und Krieger. Fadlán war 911 bis 912 im Auftrage des Kalifen von Bagdad nach Bulgar an der Volga gereist, hatte dort frühschwedische Vikingerkaufleute – Varäger – sprechen können. Weitere diesbezügliche Nachrichten schöpfen die Fachhistoriker aus byzantinischen Quellen und der so genannten Nestorchronik.

Kurz nach 1110 schrieb ein Kiever Mönch diesen berühmten Bericht. Er bezog sich offenbar auf zahlreiche mündliche Überlieferungen – wenig brauchbar, so folgerten die Wissenschaftler lange. Erst seit einigen Jahrzehnten glaubt man zu wissen, dass dem Chronisten wahrscheinlich ältere, heute verschollene griechische Aufzeichnungen vorlagen.

In den westeuropäischen Klosterannalen dominieren naturgemäß die dänischen und norwegischen Vikinger, wird über die schwedischen Händler und Seekrieger kaum berichtet. Nur das literarisch bedeutsame Beowulf-Epos des 8. Jahrhunderts erwähnt heftige Kämpfe unter den skandinavischen Völkern, in die auch die Svear verwickelt waren.

Die »Vita Anskarii« aus dem 9. Jahrhundert, ganz im Stile der Heiligenlegenden verfasst, wird man kaum als wahrheitsgetreue Quelle verstehen können. Sie verherrlicht das Leben des Missionars der Schweden, Ansgar, eines durch die fränkische Kaisermacht Beauftragten. Dessen Nachfolger auf dem Stuhle des Hamburg-Bremer Erzbischofs, Rimbert, hatte höchst beflissen versucht, den Missionar und seine Tätigkeit in Mittelschweden am Hofe des Königs in Birka, auf einer Insel im Mälaren, nahe des heutigen Stockholms zu idealisieren. Zweimal war Ansgar dorthin aufgebrochen. Der fromme Mann hatte als junger Mönch Birkas gesellschaftliche Strukturen kennen lernen, dann als reifer geistlicher Organisator und Kirchenpolitiker vergleichen können. Offensichtlich hat Ansgar dem Rimbert manche Details berichtet. Adam von Bremen erwähnt, Rimbert habe selbst kurze Zeit in Schweden geweilt. Weiteres Material wurde durch die dort noch einige Zeit tätigen Missionare gesandt. Interessanterweise deutete auch einer der schwedischen Experten vor kurzem Rimberts Darstellung als die »erste Schilderung eines Augenzeugen«. Er glaubt sogar zu wissen, dass der junge Geistliche den älteren Ansgar auf der zweiten Reise begleitete (Svitjod, 101). Die so formulierten Beschreibungen der Verhältnisse in Birka korrespondieren auf manche Weise mit den Schlüssen der Archäologen.

Obwohl scheinbar heute nichts mehr erhalten ist, bezeugen Ausgrabungen der Stadtmauer und unterirdische Reste der gewaltigen Burganlage ein relativ ausgedehntes Stadtwesen auf der Insel Björkö im Mälaren. Das etwa um 750 angelegte Birka war zwischen 800 und 970 ungefähr gleich groß wie das mittelalterliche Stockholm. Die Experten schätzen, dass der Ort in seiner Blütezeit von ca. 1000 bis 2000 Menschen ständig bewohnt war.

Vor etwa 50 Jahren fanden schwedische Archäologen auf der Insel Helgö, ebenfalls im Mälaren, eine weitere ältere Handelssiedlung. Dessen Blütezeit wird vor 800 datiert. Offen ist bis heute, ob Helgö wie Birka bereits als Zentrum eines größeren regionalen Staatsgebildes betrachtet werden kann. In jüngster Zeit setzte sich aber die Auffassung durch, Helgös beherrschendes Häuptlingsgeschlecht habe sich dem Sveakönig unterordnen müssen, der Birka als neues Zentrum wünschte.

Aus der Ansgar-Chronik erfahren wir einiges über den Alltag in Birka, können sogar die Entwicklung der Sveasiedlung zwischen 829 und 850 vergleichen. Bezweifelt man deren Bedeutung zu Beginn des 9. Jahrhunderts, wird man doch um 850 bereits von einer größeren Handelsstadt sprechen müssen. Die zahlreichen Grabstellen dieser Periode für mehr als 2000 Tote belegen durch Grabbeigaben den Einzugsbereich dieses wehrhaften Platzes.

Da ein Teil der Stadtmauer über älteren Gräbern errichtet wurde, war offensichtlich noch zu Ansgars Zeiten nur der Burgberg befestigt. Der Ort mit dem Hafen selbst wurde wahrscheinlich ursprünglich als Kaufmannssiedlung gegründet. Der Sveakönig schuf hier ein Handwerker- und Händlerzentrum für seinen Herrschaftsbereich. Es war offenbar der neue Fernhandel mit Tauschplätzen für ausländische Kaufleute, der den regionalen Herrscher zur Anlage eines sicheren Handelspunktes zwang. Rechtsschutz für Fremde wurde eine wichtige Voraussetzung für den ungestörten Warenaustausch. Aus der Ansgar-Chronik geht hervor, dass der König dafür Zölle erhob, ein dreitägiges Vorkaufsrecht auf alle Waren beanspruchte, die fremde Kaufleute in die Stadt fuhren.

Birka entwickelte sich wegen des Tiefgangs seines Hafens schnell zum Transitzentrum für den Osthandel der Vikinger. Allerdings dokumentieren die Grabfunde, dass Mitte des 10. Jahrhunderts die Bedeutung der Metropole plötzlich schwand. Die letzten in den Gräbern aufgefundenen Münzen wurden um 960 geprägt.

Wahrscheinlich hob die Eroberung des Kasarenreiches 965 durch den Kiever Fürsten Svjatoslav und die Besetzung Haithabus durch das kaiserliche Heer 974 die zentrale Rolle Birkas zwischen Ost und West auf. Der Handelsplatz erübrigte sich offensichtlich. Eine andere interessante These, durch die Sagas gestützt, sieht Auseinandersetzungen der Mächtigen in Birka und Uppsala als Ursache. In ihren Debatten über Schweden nannten aber merkwürdigerweise noch um 1070 Dänemarks König Svend Estridsen (1047–1074), ein Kenner des nördlichen Nachbarlandes, und Adam von Bremen neben Uppsala und Sigtuna auch Birka als bedeutenden Handelsplatz.

In den siebziger Jahren des 11. Jahrhunderts schrieb der an den dänischen Hof gesandte Kleriker die Geschichte seines Erzstiftes Hamburg-Bremen. Der große Chronist verherrlichte eifrig die deutsche Missionstätigkeit im Norden. War auch hier manches eher wenig glaubhafte Lobpreisung seiner frommen Vorbilder denn wirkliches Geschehen, so danken wir dem Adam doch erste gründliche Darstellungen der politischen und kulturellen Verhältnisse im festgelegten Missionsgebiet. Er notierte auch interessante Anmerkungen über die frühen schwedischen Königreiche. Allerdings begann für Adam gleich hinter dem Königreich der Schweden eine Welt der Waldgeister und Dämonen. Dort bevölkerten »Hundemenschen« – Wesen mit menschlichem Körper und Hundeköpfen – den nahezu undurchlässigen Urwald des hohen Nordens (Adam, 459 u. 469).

Die verantwortlichen Organisatoren des Konzils zu Basel delegierten 1432 einige Gesandte an den Hof des nordischen Unionskönigs Erik von Pommern (1396–1439). Zurückgekehrt berichteten auch diese von einem Riesenreich, das sich »bis ans Land der Pygmäen und Antipoden« ausdehne (Weibull, 19).

Noch Mitte des 15. Jahrhunderts schrieb selbst die Kanzlei König Christians I. (1457–1464) – Unionsherrscher über Dänemark, Norwegen und Schweden – , hoch oben im Norden seines Reiches lebten »Pygmäen und Riesen in ewiger Nacht«, daneben »auch Lappen und andere Völker, die Venus und Proserpia anbeten« (Johannesson, 230).

Im Jahre 1520 sandte der Erzbischof von Trondheim, Erik Valkendorf, Papst Leo X. eine Beschreibung seines Erzstiftes. Der Prälat nannte Nordnorwegen eine Wildnis, in der sich die dorthin entsandten Priester und Mönche fürchteten. Quellen und Bäche flüsterten mit menschlicher Stimme, glaubte der Geistliche zu wissen. Hier würden die Seelen der Toten von ihren Sünden gereinigt.

Man wusste dennoch im Reich der Dänen schon Ende des 1. Jahrtausends mehr über die Nachbarn jenseits der Ostsee, tief im Innern des weiten Skandinaviens. Auch erzählten die Sänger in den nordischen Heldendichtungen und den berühmten Island-Sagas von wilden Kämpfen mit den Bootsgemeinschaften der Sveavölker. Die Barden berichteten über blutige Auseinandersetzungen zwischen Dänen, Nordmännern und ihnen. Auch die dänischen ältesten Annalen berühren gelegentlich solche Ereignisse. Saxo Grammaticus, der große dänische Geschichtsschreiber Ende des 12. Jahrhunderts, summierte harte Auseinandersetzungen der Dänen mit den Schweden seit hunderten von Jahren. Er zählte furchtbare Katastrophen seiner Landsleute in der schwedischen Wildnis auf, ein wenig »Teutoburger Wald« im heutigen Südschweden, ein Zusammenstoß dänischer Feudalkultur und späteisenzeitlicher Gentildemokratie schwedischer Stämme, vielleicht erster regionaler lockerer Staatsbildungen.

Zeitweilig verstand man die nordische Heldendichtung nur als frühe Form einer »Unterhaltungsliteratur«. Heute betonen einige Historiker, dass deutlich wird, es sei dort gewöhnlich von einem berichtet worden, der jene bemerkenswerten Vorgänge selbst erlebte, Heldisches weiter erzählt. Lässt sich auch Dichtung und Wahrheit schwerlich scheiden, so könne der historische Kern doch nicht bezweifelt werden. In den isländischen Sagas leben reale Ereignisse oft über Generationen, ausgeschmückt, aber dennoch wahrheitsgetreu.

Erfreulicherweise wurden die Schilderungen Snorre Sturlassons, eine noch heute außerordentlich lebendige Quelle, erst kürzlich wieder einem breiten Leserpublikum in sprachlich modernisierter Form neu erschlossen. Der wahrscheinlich 1241 ermordete isländische Politiker, Dichter und Historiker beschrieb neben aktuellen Zeitereignissen auch Überliefertes aus älteren Tagen. Er skizzierte neben den heimatlichen auch die norwegischen und schwedischen Verhältnisse, gab wieder, was er auf seinen Reisen gesehen, vor allem gehört hatte.

Man erzählte viel an den schwedischen Häuptlingshöfen in jener schreibarmen Zeit. Und manches hatten die Alten und Ältesten selbst noch erlebt, beriefen sich auf Tatsachenberichte ihrer Väter und Großväter.

Auch die älteste dänische Geschichtsquelle, die Roskilde-Chronik von etwa 1140, beschreibt u. a. schwedisches Geschehen.

Etwa um 1330 übersetzte ein anonymer schwedischer Gelehrter die fünf Bücher Moses. In der schwedischsprachigen Einleitung äußerte er die Gewissheit, sein schwedisches Volk stamme von Noahs Enkel Magog ab. Erstmalig findet sich hier ein bis ins 18. Jahrhundert vielen Schweden als unerschütterliche Wahrheit geltendes Dogma: Der Sohn des biblischen Jafet sei der »Stammvater der Götar und Svear« (Nordström, 60). Der mittelalterliche Schreiber verkündete überzeugt, das damals öde Europa sei von Schweden aus kolonisiert worden. Er sah sich bestätigt durch ein Werk des im 6. Jahrhundert in Spanien lebenden Bischofs von Sevilla, Isidorus. In der dortigen »Etymologie« – einer Geschichte der Goten aus westgotischer Sicht – hieß es, Magog sei Gote gewesen. Da Noahs Arche irgendwo in Armenien strandete, blieb den Überlebenden der großen Flut nur der Landweg über Russlands Weiten nach Norden. Später wären Magogs Nachfahren wieder südlich gezogen, hätten Europa kolonisiert.

Die spanische mittelalterliche Historiographie des 13. Jahrhunderts hatte die Auffassungen des Isidorus eifrig übernommen, das »Gotenbild« ganz im Geiste spanischer Vorstellungen tausendjähriger Traditionen und Größe weiter entwickelt. Für den schwedischen Übersetzer der Mosesbücher war es offenbar mehr als logisch, beides, die Auffassungen des Westgoten Isidorus und des Ostgoten Jordanes, zusammen zu flechten. Hatte der Geistliche aus Sevilla nur die Abstammung der alten Goten von Magog verteidigt, so war dem Werk des Letzteren zu entnehmen, dass Skandinavien die Urheimat aller Goten war. Das hatte im Übrigen schon vor dem Schweden wohl auch der Erzbischof Rodrigo Ximenes, Historiker und Krieger an der Seite König Alfonsos VIII. von Kastilien, verstanden. Anfang des 13. Jahrhunderts legte er eine Gotengeschichte als propagandistischen Nachweis spanischer Größe vor. Auch Ximenes nutzte die Darstellungen des Isidorus, erweiterte seine Schrift um Jordanes’ Blicke auf die skandinavische Urheimat.

Als Papst Martin V. auf dem Konzil zu Basel in den Jahren nach 1431 über eine Reformation der Kirche diskutieren wollte, überraschte der wortgewaltige Bischof des kleinen Växö, Nikolaus Ragvaldi, als Delegierter König Eriks von Pommern alle Geladenen mit einer sehr eigenwilligen Interpretation schwedischer Rechte. Er war im März 1434 in Basel eingetroffen. Hier ließ er wenig später die Repräsentanten der großen mittelalterlichen Reiche Europas wissen, dass der Kirche Schwedens ein Platz in der ersten Reihe der Kirchenversammlung zustände. Er vertrete schließlich eines der ältesten Völker der Erde. Nur die Israeliten könne man noch neben den Goten nennen. Da jedoch nur noch das Königreich Schweden existiere, sei es folglich das älteste Reich. Wie man lesen könne, brachen die Goten von Skandinavien auf, kämpften später an der Seite der Trojaner, besiegten die Perser, eroberten Rom, erschreckten Ägyptens Pharaonen. Gotische Frauen waren es auch, so bedeutete der schwedische Geistliche, die in den Amazonenrepubliken Triumphe feierten, gefürchtet von der orientalischen Männerwelt. Immerhin, er erregte großes Aufsehen, der Nikolaus Ragvaldi. Zahlreiche zeitgenössische Schriften rapportierten das Gehörte. Und einige Berichtende schienen in der Tat beeindruckt. Weniger erfreulich für ihn war, dass auch die Spanier schnell reagierten. In Schweden seien die ängstlichen Goten verblieben, säßen wohl noch heute dort, ließen jene hören. Das iberische Reich aber sei eine Gründung der wehrhaften Westgoten, jener Krieger, deren Einfluss auf die antike Weltgeschichte unbestritten wäre … Die Spanier durften, sicher nicht nur dieser Behauptungen wegen, in der ersten Reihe sitzen. Die Schweden blieben weiter hinten platziert.

Als man 1442 das so genannte Fundamentalgesetz Schwedens modernisierte, war der unerschrockene Rufer schwedischer Größe bereits seit einigen Jahren Erzbischof von Uppsala, einer der mächtigsten Männer Schwedens. Ganz in seinem Sinne schrieben die Autoren um den damaligen dänischen Unionskönig Christopher stolz in die Präambel, Schweden sei die »Heimat der Goten«, beriefen sich auf die Heilige Schrift. Und so blieb es denn auch schwarz auf weiß bis 1734 regierungsoffizielle Überzeugung.

Tatsächlich hatte schon um 1450 ein unbekannter schwedischer Historiker versucht, die Geschichtsschreibung Schwedens mit der Sintflut, Jafet, Magog und den Goten zu beginnen. Nach der Sprachverwirrung in Babylon sei die Welt unter Noahs Söhnen aufgeteilt worden. Magogs Erbe »wohnte in Schweden«, habe den Schweden erstmalig den Göta-Namen gegeben (Weibull, 23).

War dieses auch alles andere als ein Werk historischer Quellen, so stützte sich wenig später der erste bedeutende schwedische Geschichtsschreiber, Ericus Olai, der die jüngeren Passagen seiner Reichsgeschichte durch umfangreiche Quellenverarbeitungen sicherte, mit Freude auf den unbestrittenen »Gotenbezug«. Olai war offensichtlich ehrlich überzeugt, im weitesten Sinne Nachfahre Jafets zu sein. Allerdings meinte er, die damaligen Goten hätten keine Könige gehabt, sondern sich von »Richtern, ebenso wie das Volk Israel«, führen lassen (Olai, 16).

Bereits Anfang der zwanziger Jahre des 16. Jahrhunderts diskutierte man in Kirchenkreisen in Lübeck die Schriften des inzwischen verstorbenen Albert Krantz. Man hielt dessen sechs Bücher »Germania magna« für so bedeutsam, dass sie 1546 doch noch veröffentlicht wurden. Krantz hatte wie viele seiner gelehrten Zeitgenossen geglaubt, die Vandalen seien aus dem Lande der Wenden, die Langobarden von Dänemark und die Goten von Schweden aus aufgebrochen.

Da auch noch Ende des 15. Jahrhunderts ein gelehrter Schwindler in einer Klosterbibliothek Mantuas eine Reihe

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