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Feuer aus!: Ein Leben für die Feuerwehr

Feuer aus!: Ein Leben für die Feuerwehr

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Feuer aus!: Ein Leben für die Feuerwehr

Länge:
313 Seiten
3 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
1. Juli 2015
ISBN:
9783770041237
Format:
Buch

Beschreibung

Erstmals als E-Book

- 35 Jahre Feuerwehrmann aus Leidenschaft
- Packende Rettungseinsätze erleben
- Spannende Einblicke in die Arbeit der Feuerwehr früher und heute

Martin Meyer-Pyritz blickt auf 35 Jahre Düsseldorfer Berufsfeuerwehr zurück. Der Autor berichtet über seine aktive Zeit beim Alarmdienst, erzählt von gefährlichen Einsätzen und bewegenden Momenten. Außerdem schildert er praxisnah, wie sich seine Arbeit im Laufe der Zeit gewandelt hat. Angefangen von Episoden aus der Ausbildung, über den 24-stündigen Wachalltag, bis hin zu dramatischen Einsatzszenarien bietet Martin Meyer-Pyritz seinen Lesern in diesem Band wieder jede Menge Abwechslung.
Herausgeber:
Freigegeben:
1. Juli 2015
ISBN:
9783770041237
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Feuer aus! - Martin Meyer-Pyritz

Martin Meyer-Pyritz

Feuer aus!

Ein Leben für die Feuerwehr

Droste Verlag

Unveränderter Nachdruck (unter Wegfall der Abbildungen) der 2010 im Droste Verlag erschienenen Originalausgabe.

Bibliografische Informationen der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der

Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten

sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

© 2015 Droste Verlag GmbH, Düsseldorf

Umschlag: Droste Verlag, unter Verwendung

eines Fotos von Kurt W. Gather

eBook-Erstellung: CPI books GmbH, Leck

ISBN 978-3-7700-4123–7

www.drosteverlag.de

Alles hat seine Zeit

Ein jegliches hat seine Zeit,

und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde

geboren werden hat seine Zeit,

sterben hat seine Zeit;

pflanzen hat seine Zeit,

ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit

töten hat seine Zeit,

heilen hat seine Zeit

abbrechen hat seine Zeit,

bauen hat seine Zeit;

weinen hat seine Zeit,

lachen hat seine Zeit;

klagen hat seine Zeit,

tanzen hat seine Zeit;

Steine wegwerfen hat seine Zeit,

Steine sammeln hat seine Zeit;

herzen hat seine Zeit,

aufhören zu herzen hat seine Zeit;

suchen hat seine Zeit,

verlieren hat seine Zeit;

behalten hat seine Zeit,

wegwerfen hat seine Zeit;

zerreißen hat seine Zeit,

zunähen hat seine Zeit;

schweigen hat seine Zeit,

reden hat seine Zeit;

Streit hat seine Zeit,

Friede hat seine Zeit.

Man mühe sich ab, wie man will,

so hat man keinen Gewinn davon.

Altes Testament

Prediger Salomo 3.1-9

Vorwort

Ein Hundejahr entspricht sieben Menschenjahren. So heißt es im Volksmund. Wäre ich ein Hund, hätte ich demnach nur fünf Jahre bei der Feuerwehr gearbeitet. Vielleicht wäre ich dann einer dieser Katastrophensuchhunde geworden, der sich in Erdbebengebieten und auf Trümmergeländen seine Pfoten blutig scharrt und unermüdlich mit hechelnder Zunge nach verschütteten Menschen sucht.

Bekanntlich soll der Hund ja der beste Freund des Menschen sein. Aber nicht immer erweist sich der Mensch dieser treu entgegengebrachten Freundschaft als würdig. Oft hat die ihm untergeordnete Kreatur unter der »Krone der Schöpfung« bitter zu leiden. Haben die Menschen es doch bis zum heutigen Tag nicht einmal geschafft, untereinander dauerhaft Frieden zu halten.

Aber unser Leben besteht nicht nur aus Bitterkeit und Kampf, und es stimmt schon: Der Hund ist der beste Freund des Menschen. Da ich mich ebenfalls als Freund der eigenen Spezies sehe, bin ich zur Feuerwehr gegangen. Ich wollte retten, löschen, bergen und schützen. Vermutlich hatte ich das Helfersyndrom, als ich 1975 als Feuerwehrmannanwärter in der Besoldungsgruppe A5 meinen Dienst bei der Düsseldorfer Berufsfeuerwehr antrat. Damals gab es den Begriff Helfersyndrom noch nicht, zumindest nicht mit jenem negativen Beigeschmack, der ihm von einigen Neunmalklugen in den letzten Jahren zugeschrieben wird. Menschen, die über unsere Gesinnung jedoch nur so lange abfällig oder spöttisch die Nasen rümpfen, bis sie selber in Gefahr geraten und von einem Feuerwehrmann oder einem Angehörigen der vielen Rettungsdienstorganisationen gerettet werden. Ich könnte einige bemerkenswerte Beispiele dazu aufzählen, möchte an dieser Stelle aber nicht anklagen.

Als Profi vertrete ich die Meinung, dass besonders den ehrenamtlichen Helfern der Hilfsorganisationen der Respekt, die Ehre und die Anerkennung, die sie sich durch ihr Engagement ehrlich verdient haben, gebühren. Spontan fallen mir dazu die vielen Helferinnen und Helfer des Deutschen Roten Kreuzes, des Malteser Hilfsdienstes, der Johanniter-Unfall-Hilfe, des Arbeiter-Samariter-Bundes, des Technischen Hilfswerks, der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft, der Bergwacht, der Wasserwacht und der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger ein – und natürlich die in allen Städten und Dörfern vertretenen Freiwilligen Feuerwehren. Einen besonderen Gruß sende ich auch an meine Feuerwehrkameraden in die schöne Schweiz, ins liebliche Österreich und in die sympathischen Niederlande

Euch, meinen lieben Kameraden, widme ich all meine Bücher. Ihr seid das Salz in der Suppe der Menschheit, darum lasst nicht nach in Eurem Bemühen um eine bessere Welt. Lasst Euch nicht beirren durch jene, die sich auf Kosten anderer eigennützig die Taschen vollstopfen.

35 Jahre lang durfte ich in Eurer Mitte wirken. Jetzt, während ich diese Zeilen schreibe, ist meine aktive Zeit zu Ende, aber falls ich auch alt und klapprig werden sollte: In meinem Herzen werde ich immer ein Feuerwehrmann bleiben!

Ihr/Euer Martin Meyer-Pyritz

Die Spezialtaschenlampe

Kennen Sie noch die geradezu legendäre Daimon Taschenlampe aus schwarz gelacktem, dünnem Blech mit dem am oberen Ende abklappbaren, geschlitzten, spitz zulaufenden Lederstück, mit dem man sie am Knopf seiner Jacke befestigen konnte? Die mit dem kleinen, funzeligen Birnchen und dem runden Schraubgewinde? Der Clou dieser Taschenlampe bestand in einem rot und einem grün gefärbten Glas, das man vor den runden Reflektor schieben konnte. Gespeist wurde die Lampe von einer 1,5 Volt Flachbatterie mit zwei dünnen, goldfarbenen Metalllaschen, von denen die längere um 180 Grad abgebogen wurde. Um die Batterie einzulegen, musste man lediglich den hinteren Deckel der Lampe wie eine Tür aufklappen. Mit diesen – besonders von Jungen wie mir – heiß begehrten Taschenlampen waren damals alle Polizeidienststellen und Feuerwehren ausgestattet. Wer als Kind solch eine Lampe besaß, konnte damit natürlich hervorragend Polizist oder Feuerwehrmann spielen.

Daran hatte ich, als ich mich im Jahr 1975 bei der Berufsfeuerwehr Düsseldorf bewarb, allerdings nicht gedacht. Damals rückten die Löschfahrzeuge, allesamt versehen mit großen, gelben Aufklebern, zu Einsätzen aus. In fetten, schwarzen Druckbuchstaben stand auf den Wagen, dass die Landeshauptstadt dringend neue junge Feuerwehrmänner suchte. Zuvor war mir nie in den Sinn gekommen, ein Feuerwehrmann zu werden.

Ich hatte meinen Gesellenbrief als Maschinenschlosser in der Tasche, die Abendrealschule abgeschlossen und das Wilhelm-Heinrich-Riehl-Kolleg zur Erlangung der staatlichen Hochschulreife nach drei Semestern wegen notorischer Faulheit in den Fächern Latein und Mathematik abgebrochen. Ich war frisch verheiratet und besaß einen Studienplatz an der Essener Kunsthochschule, dessen Abschluss mich später befähigt hätte, Grundschullehrer zu werden. Aber bevor ich dieses Studium beginnen konnte, musste ich, weil ich den Wehrdienst mit der Waffe verweigert hatte, meinen Zivildienst antreten. Ich absolvierte ihn bei einer Rettungsdienstorganisation in meiner Heimatstadt Ratingen, wodurch ich in Kontakt mit der Feuerwehr kam. Vom Feuerwehrbazillus befallen gab ich meine bisherigen beruflichen Pläne auf und bewarb mich bei der Düsseldorfer Feuerwehr.

Für mich, den 25-jährigen Kampfsportler und Langstreckenläufer stellte die sportliche Aufnahmeprüfung keine besondere Herausforderung da. Mein damaliges Gewicht betrug zwar nur 67 Kilogramm, ich konnte es mit den meisten der kräftiger wirkenden Mitbewerber aber locker aufnehmen.

Ich begann meine Ausbildung zusammen mit Stephan Boddem, einem Mann, der mir nicht nur ein guter Freund, sondern später sogar einer meiner Direktoren werden sollte.

Als wir mit den anderen Lehrgangsteilnehmern das erste Mal auf dem Feuerwehrhof der Feuerwache 2 im Stadtteil Oberkassel zur praktischen Übung antraten, froren wir jämmerlich. Unsere damalige Einsatzkleidung mutet aus heutiger Sicht geradezu lächerlich an: Sie bestand lediglich aus einer dünnen, schwarzen Tuchhose und einem ebenso dünnen, dunkelblauen Jackett mit mattsilbernen Metallknöpfen und V-Ausschnitt, unter dem ein graues, langärmeliges Oberhemd mit schwarzer Krawatte getragen wurde. Komplementiert wurde diese Uniform mit jener dunkelblauen Schirmmütze, an deren Vorderseite das silberfarbene Abzeichen der Feuerwehr angebracht war. (Ein stilisiertes Flammensymbol mit zwei über einem Helm gekreuzten Beilen.) Darüber steckte eine runde, schwarz-rot-goldene Kokarde. Natürlich trugen wir die typischen Feuerwehrstiefel. Aber das Einzige, was das damalige Schuhwerk mit unseren heutigen Feuerwehrsicherheitsstiefeln gemein hatte, war die schwarze Farbe des Leders. Ansonsten war von Hightech noch rein gar nichts zu spüren. Statt einer gut profilierten, hochabriebfesten, durchtrittssicheren und weitgehend chemikalienresistenten Sohle, die wasserfest mit dem gepolsterten Schaft verschweißt ist, besaßen unsere Stiefel lediglich eine schlichte Lederbrandsohle. Eine die, wenn sie durchgelaufen war, von Feuerwehrmännern die das Schusterhandwerk beherrschten, in feuerwehreigenen Werkstätten mittels kleiner, eingeschlagener Holzstifte und Spezialleim neu besohlt wurden. Stahlkappen zum Schutz der Zehen gegen herabfallende Gegenstände waren zu jener Zeit noch ein Fremdwort. Damals gab es auch nur schlichte Rohrführerhandschuhe aus einfachem Rindspaltleder.

In genau dieser Bekleidung rückten wir zur Brandbekämpfung aus – dabei wurde von der Amtsleitung großer Wert auf das Tragen der akkurat gebundenen schwarzen Krawatte gelegt. Um zumindest gegen die Unbilden des Wetters wie Regen, Sturm, Hagelschlag und Schnee, Frost und Feuersbrunst ein wenig geschützt zu sein, erhielt jeder Feuerwehrmann eine dreiviertellange, schwarze Lederjacke, die aus heutiger Sicht völlig unzureichend war.

Heute trägt die Feuerwehr im Einsatz die so genannte HuPF-Bekleidung. Eine dicke, über die Hüfte reichende Überhose mit angenähten Trägern mit einer dazu passenden, dreiviertellangen, weit geschnittenen Jacke mit großen Seitentaschen, einer zusätzlichen Brusttasche für das Funkgerät und einem Karabinerhaken, an den man seine ex-geschützte Handlampe einklinken kann. Die Knie- und Ellenbogenpartien sind gepolstert und mit Kevlar, einem hochabrieb- und schnittfestem Material besetzt. Die Jacken verfügen über hochschließende Kragen und haben Klettverschlüsse an den Ärmelabschlüssen. Konsequent richtig angezogen und in Kombination mit einer Flammschutzhaube, schützt diese hochwertige Einsatzbekleidung ihren Träger sogar bei einer kurzfristigen Vollbeflammung.

Einzig der alte Feuerwehrhelm, den ich schon 1975 in der Grundausbildung trug, hat sich bei der Düsseldorfer Feuerwehr bis in die heutige Zeit hinein gehalten. Wenngleich viele Wehren schon seit Jahren diverse neue Modelle verwenden, sind wir diesem einsatzerprobten Helm treu geblieben. Lediglich das alte Nackenleder, das vor herabtropfenden heißen Kunststoffen, glühenden Funken und anderem schützen sollte, ist einem funktionelleren Hollandtuch gewichen.

Eines hat sich jedoch über die ganzen Jahre nicht geändert – die Motivation der Feuerwehrmänner. Von wenigen Ausnahmen abgesehen ergreifen auch heute die meisten Anwärter aus persönlicher Überzeugung und voller Idealismus diesen schwierigen und manchmal auch gefährlichen Beruf. Diese Bereitschaft, sich voll einzubringen, stellt das eigentliche Rückgrat der Feuerwehren dar. Die Städte und Kommunen können immer nur die notwendigen Rahmenbedingungen bieten: Fahrzeuge mit guter Ausstattung, eine qualifizierte Ausbildung und hochwertige persönliche Schutzbekleidung; eine angemessene Vergütung und eine Absicherung für diejenigen von uns, die im Einsatz verunfallen oder gar ihr Leben lassen.

Wir waren damals dazu bereit, uns dieser Aufgabe zu stellen. Wir waren jung, voller Kraft und Elan, voller Enthusiasmus und willens, sogar das Unmögliche möglich zu machen. Jeder hatte einen Eid geschworen, notfalls das eigene Leben zu geben, wenn es unumgänglich wäre, das Leben anderer zu retten.

Und heute? Wie sieht mein persönlicher Rückblick diesbezüglich aus?

Ich erinnere mich noch genau an verschiedene Einsatzsituationen, in denen ich – bewusst oder unbewusst – mein Leben riskiert habe. Einige Dinge würde ich aus heutiger Sicht anders machen, besonders jene hochrisikoreichen Aktionen, welche mehr von jugendlichem Übermut als von vernunftgesteuerten Überlegungen getragen wurden.

So habe ich mich einmal im Frühjahr in die eiskalten Fluten des Rheins gestürzt, um einen Menschen zu retten. Ohne Leinensicherung ein geradezu hasardeurhaftes Vorgehen! Fast hätte es mich dabei erwischt. Mit den Jahren bin ich reifer geworden, habe gelernt, meine Möglichkeiten besser einzuschätzen und dementsprechend umsichtiger zu handeln. Dennoch habe ich meine innere Bereitschaft, im Notfall auch bis zum Äußersten zu gehen, nie aufgegeben. Das mag sich vielleicht pathetisch anhören, aber dieser, meiner festen Überzeugung entsprechend habe ich immer gehandelt.

Mit dieser Einstellung stehe ich nicht allein. Überall gibt es Feuerwehrmänner und inzwischen auch Feuerwehrfrauen, die diese Überzeugung mit mir teilen. Deshalb sind wir aber noch lange nicht so verrückt, ohne Sinn und Verstand unser eigenes Leben wegzuwerfen, wenn es gilt, Menschen zu retten. Man muss lernen, das Risiko abzuwägen und einzuschätzen, und man muss wissen, was man sich selber zumuten kann. Manchmal gibt es besonders gefährliche Situationen, in denen es schon den Mut eines Löwen bedarf, und nicht jeder oder jede ist dazu berufen.

Mindestens ebenso wichtig ist der Zusammenhalt der Gruppe. Feuerwehr ist immer eine Gemeinschaftsleistung. Unsere Gemeinschaft und unser zielgerichtetes Vorgehen, bei dem der eine den anderen schützt, machen uns stark. Stark – aber nicht unverwundbar. Damit wir das verbleibende Risiko so weit wie möglich minimieren, nutzen verantwortungsvolle Einsatzkräfte alle Sicherheitseinrichtungen und Geräte, die ihnen zur Verfügung stehen.

Der Tür auftretende Rambo, der ich früher einmal war, ist heute nicht mehr gefragt. Es gibt bessere Methoden, bei denen man sich nicht sein Fußgelenk an einem versteckten Sicherheitsriegel verstaucht. Man springt auch nicht ungesichert von einem Balkon zum nächsten, um in eine Wohnung zu gelangen, von der man nicht einmal weiß, ob dort wirklich ein Mensch in akuter Gefahr schwebt. Und man rennt auch nicht kopflos in eine ungesicherte Unfallstelle auf der Autobahn, ohne vorher die Einsatzstelle rückwärtig abzusichern. Und man begibt sich nicht in eine giftgasgeschwängerte Atmosphäre ohne Atemschutz. Und und und …

Wie lautet doch gleich der Spruch der Freiwilligen Feuerwehren: Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr. Als überzeugter Christ halte ich sehr viel vom gesunden Gottvertrauen, aber Gottvertrauen allein reicht nicht. Nicht umsonst hat Gott uns die nötige Intelligenz verliehen, so dass wir unsere Schutz-Bekleidungen und unsere technischen Ausrüstungen ständig weiter entwickeln und verbessern können. Es ist daher ein Gebot der Vernunft, diese Dinge auch entsprechend einzusetzen!

Unsere Ausbildung zum Feuerwehrmann gliederte sich in Theorie und Praxis. Für die Theorie stand uns damals nur ein einziger Unterrichtsraum zur Verfügung. Er lag ganz am Ende eines Ganges der Feuerwache 2 in Düsseldorf-Oberkassel. Theorie und Praxis wechselten sich ständig ab, und es gab eine Menge zu lernen. Unser Schulfahrzeug war ein LF 16, ein alter Rundhauber von Magirus.

Als es zur ersten Übung auf dem Hof der Feuerwache ging, und ich die Tür zum Mannschaftsraum unseres Schulfahrzeugs öffnete, fand ich zu meinem Erstaunen einen Ausrüstungsgegenstand vor, der nicht die geringste technische Innovation zu bieten hatte. Statt der anfangs erwähnten Daimon Taschenlampe hingen im Mannschaftsraum dieses LF 16 lediglich schwarz lackierte Holzklötze!

»Echte Taschenlampen bekommen Sie erst später, wenn Sie Ihre Laufbahnprüfung bestanden haben und auf ihre künftigen Feuerwachen kommen. Jetzt ist das noch zu teuer«, erklärte unser damaliger Lehrgangsleiter Charly Kessels. Die Holztaschenlampe war zum Glück das einzige Imitat. Alle anderen Ausrüstungsgegenstände entsprachen denen, die wir später auch auf den Einsatzfahrzeugen der Feuerwachen vorfanden.

Außerdem – wenn man es mit einem Augenzwinkern sieht: Diese »Lampe« war manchem heutigen Hightech-Modell überlegen: Denn erstens war sie schier unzerstörbar, zweitens brauchte sie nie aufgeladen zu werden, und drittens war sie sogar exgeschützt! Darüber hinaus war sie auch noch unschlagbar preiswert. Einziger Nachteil – sie leuchtete nicht.

Aber, mein Gott, was störte uns das! Wir machten uns zwar etwas darüber lustig, hatten aber ansonsten gar keine Zeit, uns über solche Belanglosigkeiten den Kopf zu zerbrechen. Es galt viel zu lernen, und die praktischen Übungen verlangten nicht selten die ganze Aufmerksamkeit, besonders wenn auf dem Stundenplan Hakenleitersteigen stand. 40 Unterrichtsstunden waren für die 4,40 Meter lange, tragbare Leiter mit dem an ihrem oberen Ende rechtwinklig montierten eisernen Haken angesetzt. Einen Haken, den man über Balkonbrüstungen hängen oder mit dem man Fensterscheiben einschlagen konnte, um so von Etage zu Etage in die Höhe zu klettern. 1975 gab es noch keine Isolier-Verbundscheiben, an denen dieser Haken abprallen konnte. Damals waren simples Einscheibenglas und schlichte Holzrahmen üblich. Daher war es einem Feuerwehrmann sehr wohl möglich mit dieser – nicht ungefährlichen Vorgehensweise – von außen eine Hausfassade zu erklimmen. Geklettert wurde einzeln oder zu zweit. Hatte man das erste Fenster durchschlagen und den Haken befestigt, kletterte man die Sprossen hoch und schwang sich im Reitersitz auf die Fensterbrüstung. (Natürlich nicht ohne zuvor die darauf liegenden Glasscherben mit seinen Rohrführerhandschuhen entfernt zu haben.) Danach zog man die Leiter zu sich hoch und schlug den Haken in die nächste Fensterscheibe. Nach dem Zuschlagen musste man unbedingt schnell den Kopf einziehen und durfte auf keinen Fall weiterhin nach oben sehen, denn eine Schutzbrille oder ein Visier, wie die Feuerwehr es heute verwendet, gab es damals noch nicht, und die Glassplitter prasselten auf einen herunter.

So vergingen die Wochen und Monate mit intensivem Lernen. Jeden Tag brachten uns unsere Ausbilder etwas Neues bei, konfrontierten uns mit Dingen, die wir bisher auf keiner Schule gelernt hatten, und Fächern wie Verbrennungslehre, Löschlehre, Löschwasserversorgung, Baukunde, Gefahren der Einsatzstelle, Schlauchkunde, Erste Hilfe … Wir lernten den Aufbau und den Umgang mit Feuerlöschern, das Arbeiten unter Atemschutz, beschäftigten uns aber auch mit etwas nüchterneren Themen wie Verwaltung und Recht oder Brandsicherheitsvorschriften.

An den freien Wochenenden traktierte ich meine geduldig zuhörende Frau auf vielen langen Spaziergängen permanent mit dem neuesten Lernstoff. Eine Methode, die mir sehr geholfen hat. So sehr, dass ich am 11. Juni 1976 die Prüfung zum Feuerwehrmann mit der Gesamtnote gut bestand.

Zum Einsatz, vor!

Die Zeit nach dem Grundausbildungslehrgang zählte für mich zu den aufregendsten Jahren meines Lebens. Die Stadt hatte so viele neue Feuerwehrmänner benötigt, dass wir sogar einen Doppellehrgang gefüllt hatten – den 50. und 51. Grundausbildungslehrgang. Diejenigen, die wie Stephan Boddem und ich die Laufbahnprüfung bestanden hatten, brannten geradezu darauf, auf ihre erste Feuerwache zu kommen. Wir zwei kamen zusammen auf die Feuerwache 3. Das altehrwürdige Wachgebäude steht auch heute noch an der Ecke Münsterstraße/Moltkestraße und ist eine von drei Innenstadtwachen mit dem höchsten Einsatzaufkommen. Für uns war alles neu, aufregend und spannend. Das 24-stündige Wachleben mit den neuen Kollegen, den großen, roten Löschfahrzeugen, der mechanischen Drehleiter, den Kranken- und Rettungswagen und natürlich den gemeinsamen Einsätzen war schon etwas Besonderes!

Jeden Morgen kurz vor halb acht erfolgte in der großen Fahrzeughalle der Feuerwache die Wachablösung. Mit Helm und Hakengurt wie in früheren Zeiten mussten wir zwar nicht mehr antreten, aber wir standen immer noch korrekt uniformiert in Reih und Glied vor einem der aus massivem Holz gefertigten zweiflügeligen Ausfahrttore und erwarteten das Eintreffen des Chefs. Und wehe einer hatte vergessen, die Krawatte umzubinden oder seine Mütze aufzusetzen? Ewald Werner, unserem Wachvorsteher, fiel so etwas sofort auf, und der Betreffende handelte sich, noch bevor der Chef den Dienstplan für die anstehende 24-Stunden-Schicht vorgelesen hatte, einen Rüffel ein. Später, als ich als Dienstgruppenleiter selber den Dienstplan verlas, erschienen meine Jungs manchmal lässig mit einer Kaffeetasse in der Hand zur Wachablösung – ein Verhalten, das damals absolut undenkbar war!

Der Dienstplan enthielt sämtliche uns zur Verfügung stehenden Fahrzeuge und die Namen der Feuerwehrmänner mit den dementsprechend zugeordneten Positionen. So wurden die begehrten Maschinistenposten meist nur an erfahrene Kollegen vergeben, wobei der Leitermaschinist eine herausragende Stellung einnahm.

Dann gab es die verschiedenen Trupps: Den Angriffstrupp, den Wassertrupp und den Schlauchtrupp. Jeder dieser Trupps bestand aus zwei Mann, und jeder Einzelne hatte im Brandeinsatz seine ihm eigene, fest vorgeschriebene Aufgabe. Diese Aufgaben gemäß der FwDV 4 (Feuerwehrdienstvorschrift Nummer 4) wie aus dem ff zu beherrschen, hatte man uns im Grundausbildungslehrgang mit militärähnlichem Drill beigebracht. »Das muss schneller gehen, meine Herren! Das Ganze nochmal, aber diesmal zack, zack!«

Also, die gesamte Löschgruppe noch einmal rein ins Schulfahrzeug … Während der Maschinist sich schleunigst hinter das riesige elfenbeinfarbene Lenkrad klemmte, riss der Melder die Tür zum Mannschaftsraum auf, und wir anderen quetschten uns in die Enge der zwei gegenüberliegenden Holzbänke. Natürlich streng nach Reihenfolge und Sitzordnung. Deshalb hieß das »Spiel« auch: Alle Wollen Wir Mit, Sicher Aber Schnell. Die Anfangsbuchstaben standen hierbei für Angriffstruppführer, Wassertruppführer, Wassertruppmann, Melder, Schlauchtruppführer, Angriffstruppmann, Schlauchtruppmann. Der Melder, das war ein Mann, der dem Gruppenführer für besondere Aufgaben zur Verfügung stand.

Kaum saßen wir auf den uns fest zugewiesenen Plätzen ging es auch schon wieder raus. »Aufstellung hinter dem Fahrzeug!«, brüllte der Ausbilder, wenngleich das völlig überflüssig war, denn wir sortierten uns mittlerweile schon selbstständig in die vorgeschriebene Formation: truppweise hintereinander stehend, an der am Heck des Löschgruppenfahrzeugs angebrachten Schlauchhaspel mit Maschinist und Melder beginnend. Ein gestrenger Blick vom Ausbilder, ob wir auch korrekt ausgerüstet wie die Zinnsoldaten in Reih und Glied standen, dann brüllte er uns seinen Einsatzbefehl zu: »Angriffstrupp! Mit Pressluftatmer und erstem C-Rohr zur Brandbekämpfung über das Treppenhaus zur zweiten Etage, vor! Wassertrupp! Wasserentnahmestelle, der Unterflurhydrant auf der gegenüberliegenden Straßenseite! Schlauchtrupp! Unterstützen des Angriffstrupps durch Verlegen einer C-Leitung vom Verteiler zum Hauseingang!«

Nachdem jeder Truppführer seinen Einsatzauftrag laut wiederholt hatte, brüllte der Ausbilder: »Zum Einsatz, vor!« Direkt darauf erfolgte das obligatorische: »Meeeelder zu miiir!«

Ab da lief alles wie am Schnürchen. Das Unterflurhydrantenstandrohr war aufgestellt und die B-Schläuche von dort zu der im Heck unseres Löschgruppenfahrzeugs befindlichen Feuerlöschkreiselpumpe verlegt, so dass der Maschinist neben dem vorhandenen Wassertank über ausreichend Löschwasser verfügte. Die B-Leitung von der Pumpe zum Verteiler und die von dort abgehende C-Leitung bis zum Hauseingang lag ebenfalls. Hier hatte sie der Angiffstrupp übernommen und eilte über das Treppenhaus in die fiktive Brandwohnung vor. Wie schon erwähnt, lief alles wie am Schnürchen – bildeten wir uns zumindest ein.

Unser Ausbilder schien da anderer Meinung zu sein. Er war nie zufrieden, hatte immer etwas auszusetzen: Mal waren wir zu langsam (wir waren ihm eigentlich immer zu langsam), mal saßen die vorgeschriebenen Handgriffe nicht, mal war das erste C-Rohr rechts statt links am Verteiler angekuppelt, mal war die ausgelegte Schlauchreserve zu kurz.

Manchmal fluchten wir, aber nur leise, denn Aufmucken kam nicht gut an. Wer zu oft meckerte, dem wurde schon mal in seine persönliche Beurteilung geschrieben: Feuerwehrmann-Anwärter Josef X neigt zu Widerspruch. Da solche Einträge sich erheblich auf die Lehrgangsendnote auswirken konnten, hielt man besser den Mund. Es gab allerdings auch einige Maulfechter, die über alles meckerten und ansonsten nichts drauf hatten. Von denen hatte man sich dann recht schnell getrennt. Trotz dieses Drills, der übrigens nie in Schikane ausartete, wurden wir letztlich topfit – was sogar unseren Ausbildern ab und an ein Lob entlockte. Natürlich immer mit einem Zusatz wie: »Dass Sie mir deshalb aber ja nicht übermütig werden. Sie sind mit Ihrer Leistung nämlich immer noch weit davon entfernt, einen harten realen Einsatz zu überstehen!«

Wie hart und brutal

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