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Meine erste Geschichte

Meine erste Geschichte

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Meine erste Geschichte

Länge:
237 Seiten
3 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Dec 11, 2013
ISBN:
9783955776510
Format:
Buch

Beschreibung

Wie das Cover des Buches zeigt, geht es hier um Geschichten, mit denen wir uns während der Schulzeit auseinandersetzten, bzw. unsere ersten Gehversuche im kreativen Schreiben widerspiegeln. Was hat uns veranlasst, zur Feder zu greifen? Was inspirierte uns, eine erste Geschichte aufzuschreiben? In diesem Buch wurden vor allem die ersten Geschichten veröffentlicht, die ein/e Autor/in zu Papier gebracht hat; aber auch Geschichten über das Schreiben selbst. Insgesamt sind es 22 Geschichten von 19 Autor/innen geworden, die der Herausgeber Marlon Baker in diesem 210 Seiten starken Buch zusammengetragen hat. Und nicht nur er veröffentlicht hier seine ersten Gehversuche, die er als Autor vor über 20 Jahren unternommen hat. Es gibt in diesem Buch Autor/innen, die zum ersten Mal eine Geschichte veröffentlichen, aber auch solche, die schon einige Veröffentlichungen vorzuweisen haben. Informieren Sie sich über die teilnehmenden Autor/innen: Norbert Pilz, Sofie Capasso, Carola Schulze, Britta Wisniewski, Lotte Maria Kaml, Jochen Hoff, Michael Nero, Britta Knuth, Tamara Holder, Kerstin Jordan, Wolfgang Tanke, Kai Rasmus Nissen, Rosa Ananitschev, Maria Schmittner, Kai Seuthe, Mairon Nröd und Sylvia Klinzmann
Herausgeber:
Freigegeben:
Dec 11, 2013
ISBN:
9783955776510
Format:
Buch

Über den Autor


Ähnlich wie Meine erste Geschichte

Buchvorschau

Meine erste Geschichte - Marlon Baker

Autor/innen

Marlon Baker (Hrsg.)

Meine erste

Geschichte

Kurzgeschichten

Anthologie

Die mitwirkenden Autor/innen dieser Anthologie:

Norbert Pilz, Sofie Capasso, Carola Schulze,

Britta Wisniewski, Lotte Maria Kaml, Jochen Hoff,

Michael Nero, Britta Knuth, Tamara Holder,

Kerstin Jordan, Katja Guttmann, Wolfgang Tanke,

Rosa Ananitschev, Maria Schmittner, Kai Seuthe,

Kai Rasmus Nissen, Mairon Nröd, Sylvia Klinzmann

Und außerdem in diesem Paperback:

Marlon Baker mit seinen (ersten) Kurzgeschichten:

Die Besucher (1991)

Es geschah eines Nachts (1996)

Das UFO in der Keksdose (1992)

Weitere Informationen zu den Autor/innen finden Sie auf:

www.mysteria-Verlag.de

Alle Texte, Textteile, Grafiken, Layouts sowie alle sonstigen schöpferischen Teile dieses Werks sind unter anderem urheberrechtlich geschützt. Das Kopieren, die Digitalisierung, die Farbverfremdung, sowie das Herunterladen z. B. in den Arbeitsspeicher, das Smoothing, die Komprimierung in ein anderes Format und Ähnliches stellen unter anderem eine urheberrechtlich relevante Vervielfältigung dar. Verstöße gegen den urheberrechtlichen Schutz sowie jegliche Bearbeitung der hier erwähnten schöpferischen Elemente sind nur mit ausdrücklicher vorheriger Zustimmung des Verlags und des Autors zulässig. Zuwiderhandlungen werden unter anderem strafrechtlich verfolgt!

Die Originalausgaben erschien Dezember 2013

im mysteria Verlag / www.mysteria-Verlag.de

© 2013 mysteria Verlag

Alle Rechte liegen bei den beteiligten Autoren.

Dieses Paperback wurde mit Genehmigung

der beteiligten Autoren veröffentlicht.

Buchsatz, Cover & Korrektorat: www.AutorenServices.de

Illustration für „Nachtwandern» © Bernhard Schwarzwald

Konzept, Illustration & Layout: © Marlon Baker

ISBN-13: 978-1482090734 (fürs Paperback)

Alle Rechte vorbehalten.

www.mysteria-Verlag.de

www.facebook.com/mysteria.Verlag

https://twitter.com/mysteriaVerlag

Vorwort des Herausgebers

Semmelblond ~ Norbert Pilz

Nordseetraum ~ Sofie Capasso

Pele, der verliebte Wurm ~ Carola Schulze

Gedanken nach Mitternacht ~ Britta Wisniewski

Der Seewolf ~ Lotte Maria Kaml

Alle Vögel sind schon da ~ Jochen Hoff

Der heimliche Herrscher ~ Michael Nero

Aus Blut wurde Tinte ~ Britta Knuth

Hexenherz ~ Tamara Holder

Der erste Satz ~ Katja Guttmann

Guten Tag, Tod mein Name ~ Kerstin Jordan

Wolfsgesang ~ Wolfgang Tanke

Wer hätte das gedacht ~ Rosa Ananitschev

Es war mal weiß ~ Rosa Ananitschev

Nachtwandern ~ Maria Schmittner

Der Junge, der nach zehnjährigem Koma spazieren geht und Satan kennenlernt ~ Kai Seuthe

Jadeaugen ~ Wolfgang Tanke

Gegen- oder Rückenwind – ein Perspektivwechsel ~

Kai Rasmus Nissen

Der Rosengarten ~ Sylvia Klinzmann

Mirna und Susa ~ Mairon Nröd

Die Besucher ~ Marlon Baker

Es geschah eines Nachts ~ Marlon Baker

Das UFO in der Keksdose ~ Marlon Baker

Buchtipps vom mysteria Verlag

Weitere Informationen zu den hier veröffentlichten

Autor/innen finden Sie auf:

www.mysteria-Verlag.de

Vorwort des Herausgebers

Vorwort des Herausgebers

Mit Kurzgeschichten hat vor über 20 Jahren meine Karriere als Schriftsteller begonnen. Damals in den USA lebend, war es letztendlich einem Freund zu verdanken, der auf meine ersten Gehversuche des kreativen Schreibens aufmerksam wurde, dass ich es wagte, meine Geschichten einem Verlag zuzusenden.

Etwa ein Jahr später – ich war gerade einmal 21 Jahre alt – hielt ich mein erstes Buch mit zehn Kurzgeschichten in den Händen. Das dies der Startschuss einer Karriere werden sollte, hatte ich damals nicht wahrhaben wollen. Doch mich juckt es seitdem unentwegt in den Fingern, meine Gedanken aufschreiben; oder es klopfen Geschichten an meine Tür, die unbedingt von mir erzählt werden wollen.

Inzwischen lebe ich in Neuseeland und habe in den letzten 20 Jahren zahlreiche Kurzgeschichten und Bücher geschrieben, die allesamt veröffentlicht und zu Bestsellern wurden.

Und jetzt ist es an der Zeit, neuen Talenten eine Chance zu geben, ihre Werke einem größeren Publikum vorzustellen. Dafür hatte ich einen Aufruf gestartet, mir zum Thema „Meine erste Geschichte» Beiträge zu senden, und die besten Kurzgeschichten liegen nun in diesem Buch vor.

Und das Augenmerk des Lesers soll auf den Geschichten liegen, und nicht so sehr darauf, ob sie nun von einem Newcomer oder einem etablierten Schriftsteller geschrieben wurden. Denn eines haben diese Geschichten gemein: Sie bieten beste Unterhaltung auf einem sehr hohen Niveau. Und bei der Zusammenstellung der Geschichten sind mir viele Fragen durch den Kopf gegangen:

Warum schreiben wir?

Was fasziniert uns an Büchern?

Warum lesen wir Geschichten?

Jede einzelne Kurzgeschichte in diesem Buch ist eine Entdeckung wert, und manch ein Autor oder Autorin veröffentlicht hier nicht zum ersten Mal, sodass Sie, werter Leser, dazu aufgefordert werden, auf Entdeckungsreise zu gehen.

Kurzgeschichten sind oft der Einstieg für Autoren, die literarische Bühne zu betreten, und wenn dem Publikum gefallen hat, was der Autor dargeboten hat, freut er sich über Resonanz, Zuspruch und Kritik. Wir möchten daher unsere Leser dazu auffordern, uns auch ihre Meinung kundzutun, indem Sie uns bitte eine Rezension auf Amazon.de schreiben.

Ihre Meinung führt letztendlich dazu, dem Autor wissen zu lassen, ob er alles richtig gemacht hat oder ob er womöglich noch etwas Feinschliff benötigt.

Autoren, die gerade zu Schreiben begonnen haben, sind wie Rohdiamanten, die sich mit etwas Geschick zu wahren Kostbarkeiten verwandeln lassen.

Und so wünsche ich allen teilnehmenden Autor/innen an dieser Kurzgeschichten Anthologie alles Gute auf ihrem weiteren Weg, eines Tages den Erfolg einstreichen zu können, den sie verdienen.

Die in diesem Buch enthaltenen Geschichten zeigen sehr deutlich auf, wie unterschiedlich Menschen inspiriert werden, um zur Feder zu greifen. Doch eines verbindet uns alle:

Die Liebe zum Buch und die Liebe zum Schreiben.

Einige sind schon in früher Kindheit mit Büchern aufgewachsen, einige haben erst später zu diesen unglaublichen Welten gefunden, die sich auftun, sobald man ein Buch aufschlägt. Und auch in diesem Buch können Sie verschiedene Welten betreten und so manchem Autor über die Schulter schauen, der Einblick gewährt, wie aus anfänglichen Gedanken und Ideen erste Worte, erste Sätze und Zeilen werden … bis dann, nach einer kreativen Phase, die Geschichte vollendet ist.

Auch können Sie in diesem Buch lesen, wie anstrengend zuweilen es ist, von seiner Umwelt wahrgenommen zu werden, als das, was man ist: Ein Schriftsteller! Und sich für und mit einem Menschen zu freuen, der eine Geschichte geschrieben hat, um sie dann zwischen zwei Buchdeckel zu packen, kostet nicht mehr als ein Lächeln. Und so fordere ich Sie auf, jemandem Hoffnung zu schenken, der an einer Geschichte schreibt, statt ihn mit voreiliger Kritik dem Erdboden gleichzumachen. Denn sind es nicht zuletzt Geschichten, die unser aller Leben nachhaltig verändern.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen beste Unterhaltung mit diesem Buch,

Marlon Baker, Dezember 2013

www.MarlonBaker.com

Semmelblond

Semmelblond

Norbert Pilz

Es ist Sonntag, der kleine quirlige Junge mit den semmelblonden Haaren hat seine beste Hose und sein schönstes kurzärmliges Hemd, wunderschön grün, orange kariert, angezogen, um in den letzten warmen Sonnenstrahlen des Spätsommers 1958 einen guten Eindruck vor Gott und der Welt, aber wohl hauptsächlich vor seiner Mutter, zu machen.

Sieh her, schien er sagen zu wollen, bin ich nicht ein toller kleiner Kerl, den man lieb haben muss!? Aber, wie so oft, oder wie fast immer, ist die Mutti, wie er sie immer nennt, wieder einmal nicht da, um ihn bewundern zu können.

Also macht sich der kleine Mann ganz allein auf den Weg in den Spätsommer, um wenigstens von Freunden und Nachbarn gesehen zu werden. Spielen kann er heute nicht, nicht in diesen Sachen. Viel zu schade seien sie dazu, erklärte er es den fragenden Blicken von Harald und Lothar, die schon auf ihn warteten, um im endlos hohen, voller Geheimnisse steckenden, Hinterhof des Nachbarhauses gemeinsam auf Entdeckertour zu gehen. Unverständlich schauten sie dem kleinen semmelblonden Mann hinterher, als wollten sie fragen, warum er dann wohl dieses hässliche, aber scheinbar sehr kostbare Hemd angezogen hat, wenn es zu schade zum Spielen ist. Ehe sie aber die Frage aussprechen können, ist er schon verschwunden, in der schon tief stehenden Sonne nicht mehr zu sehen.

Zugegeben, einen kurzen Augenblick, einen Wimpernschlag lang, war er da, der Wunsch, sich mit Harald und Lothar ins Abenteuer zu stürzen und bewaffnet mit Taschenlampe und Holzschwert durch endlose Treppenaufgänge und unheimliche, verlassene Wohnungen zu räubern, um wertvolle Schätze zu finden oder geheime Türen zu öffnen.

Aber nicht heute – heute nicht. Heute geht er einfach nur spazieren in der großen, lauten, wunderschönen Stadt.

Spazieren, wie es viele Leute an diesem Tag tun – es ist schließlich Sonntag. Mit stolz erhobenem Haupt trippelt der kleine Mann zwischen den bunten und scheinbar rastlosen Menschenmengen durch die grauen, immer noch nach Woche riechenden Straßenschluchten. Nach Sonntag, wie bei Oma auf dem Dorf, riecht es hier nie. Ja, bei Oma riecht es am Sonntag nach Sonntag, aber hier eben nicht – schade. Und in diesem Gedanken versunken, passiert es.

Ein unachtsamer Schritt, eine übersehene, spärliche Absperrung, ein Loch – ein riesiges, glitschiges, mit Schmutz und Schlamm gefülltes Loch.

Was, um Gottes Willen, hat das hier zu suchen? Aber viel schlimmer, wieso sitze ich mitten drin – ich kleiner, semmelblonder Mann mit meiner besten Hose und dem schönsten Sonntagshemd?

Wie üblich hat es mich wieder einmal erwischt, so wie es mich immer erwischt – und besonders dann, wenn ich es überhaupt nicht gebrauchen kann. Es ist Sonntag, ich habe meine besten Anziehsachen an und … und Mutti weiß nichts davon. Mir wurde ganz schlecht bei dem Gedanken, Mutti könnte mich so sehen. So, wie ich da saß, bis zum Hals im Schlamm. Und unter dem Schlamm, die neue Sonntagshose und das beste kurzärmliche Hemd.

Schon nur die Vorstellung allein, sie könnte es erfahren, ließ höllische Schmerzen in meinen Po fahren. Ich wusste genau wie das endet – erst eine halbe, naja aber mindestens eine viertel Stunde Geschrei, wie: „Hast du nichts anderes gefunden? Ausgerechnet die neuen Sachen. Du bist zu blöd zum Laufen. Man kann dich einfach nicht allein lassen. Du machst nur Ärger. Ich werd's dir zeigen!» – und wenn dieser Satz kommt und er kommt immer, dann heißt es Zähne zusammenbeißen und hoffen, dass sie diesmal nur den Kleiderbügel nimmt. Und dann kommt nur noch Eins – Schmerz.

Mutti nannte es „Fühlen». Wie immer das gemeint war, aber jedes Mal beendete sie diese Tätigkeit, die für sie offensichtlich sehr anstrengend war, denn sie war danach immer knallrot im Gesicht, mit der Bemerkung: „Wer nicht hören will, muss fühlen!» Dabei hör ich doch und das ziemlich gut. Soll einer verstehen … diese Erwachsenen.

Also, mein Plan war – Mutti musste ja nichts erfahren, oder besser, sie durfte nichts erfahren. Plan hin Plan her, aber wie, angesichts der schwer in Richtung schwarz verfärbten Sonntagssachen. Zwangsläufig musste noch ein zweiter Plan her. Einer, wie der andere verwirklicht werden konnte. Als ich krampfhaft überlegte, wie die beiden, bislang noch gestaltlosen Pläne aussehen könnten, rief mir eine Stimme zu: „Junge, komm doch raus da, du bist doch völlig durchweicht.»

Erst jetzt erinnerte ich mich wieder daran, dass ich ja noch immer in dieser scheußlichen Schlammgrube saß, die offenbar zur Reparatur eines Wasserrohrbruches diente.

Die Stimme bekam jetzt auch ein Gesicht, das einer kleinen, sehr netten Frau, die schon etwas älter war, was bei einem fast 6-jährigen so zwischen 35 und 40 einzuordnen wäre. Im Moment war es mir auch ziemlich egal, wie alt sie war, denn ihre Stimme klang so liebevoll wie die eines Engels, jedenfalls stellte ich mir so die Stimme eines Engels vor. Sie reichte mir ihre Hand und sagte: „Na Männeken, da hat Muttern aber jleich wat zu waschen, wa?» und lächelte, wobei mir bei diesem Satz sofort meine zu erwartende Strafe aber, und das war wesentlich besser, auch Plan B einfiel. Waschen – das ist es! Waschen, kann doch nicht so schwer sein?

Meine Gedanken wurden von einem „Biste in Ordnung, Junge und wo wohnste denn?» unterbrochen.

Ich antwortete artig: „Ja und um die Ecke.»

Wobei ich schon bei dem Wort „Ecke» einen süßlich, blumigen Duft in der Nase und ein liebevoll umhäkeltes Taschentuch im Gesicht hatte. Die nette Frau mit der Engelsstimme versuchte mir mit diesem Tuch und natürlich mit einer gehörigen Portion Spucke, den Schlamm aus dem Gesicht zu putzen – sie können es einfach nicht lassen, die älteren Tanten.

Oma macht das auch immer. Bah, es ist einfach widerlich. Allerdings ließ ich es diesmal ohne Gegenwehr über mich ergehen. Ich dachte, wer so eine liebevolle Stimme hat, mich aus der Grube befreit und auch noch die Idee für Plan B geliefert hat, darf auch mal mit Spucke mein Gesicht putzen – bah!

Endlich war sie fertig damit, aber der Reinigungsprozess war wohl nicht zu ihrer Zufriedenheit ausgefallen, denn mit den Worten: „Mein Jott, is det hartnäckich», wollte sie die Prozedur wiederholen, aber das war dann doch zu viel.

„Danke», sagte ich kurz und knapp, weil ich ahnte, was mir passiert, wenn der Satz länger wird und lief so schnell ich konnte im Slalom durch die vielen Sonntagsspaziergänger, von denen diejenigen, die noch rechtzeitig sahen, was da auf sie zukam, panisch aus dem Weg sprangen.

Während meiner Flucht vor dem feuchten Taschentuch, dachte ich noch kurz darüber nach, ob es Engel mit „Berliner Schnauze» gibt – ich wusste es nicht.

Zu Hause angekommen und froh darüber, dass mich niemand aus unserem Block gesehen hatte, was sich später als Fehleinschätzung herausstellen sollte, wollte ich so schnell wie möglich in unsere Wohnung. Und da war schon das nächste Problem. Dagegen waren die schmutzigen Sonntagssachen ein Witz – mein Schlüssel war weg. Ich dachte nur noch: „Das ist mein Ende.» Wie mache ich meiner Mutter klar, dass ich an einem einzigen kurzen Nachmittag ohne Erlaubnis die besten Klamotten angezogen habe, damit auf die Straße gegangen, in eine mit Schlamm gefüllte Baugrube gefallen bin und zur Krönung auch noch meinen Hausschlüssel verloren habe. Wenn jetzt nicht ein Wunder geschieht, war mein Gedanke, als vom Hof her eine Stimme, die mir bekannt vorkam, rief:

„Mann Männeken, wat rennste denn so, als wenn der Leib-haftige hinter dir her wäre?» Der Engel mit dem Taschentuch, total außer Atem. „Ick hätte dir beinahe nich mehr einjekricht, so wie du rennst, mene Knochen sin doch nich mehr de jüngstn, wa», japste sie und schwenkte dabei etwas in ihrer Hand. Ich dachte, ich sehe nicht richtig – mein Wohnungsschlüssel.

Langsam beschlich mich der Gedanke, dass es sich wirklich um einen Engel handelt. Aber das kann ja nicht sein, warum hat er mich dann erst reinfallen lassen, in die blöde Grube. Engel hin oder her, mein Schlüssel war wieder da, ich war gerettet, wenigstens teilweise.

„Hier wohnste also», stellte die Engelsstimme noch fest, ehe ich ihr den Schlüssel entriss und eiligst damit die Wohnungstür aufschloss. Gott sei Dank war ich endlich drin und konnte mich Plan B widmen, als es an der Tür läutete. Mach ich auf oder nicht, stellte ich mir selbst die Frage und wer kann das sein? Ich stellte mich auf die Zehenspitzen und spähte durch den Türspion – der Engel. Was will er denn noch? Zaghaft öffnete ich die Tür einen Spalt und fragte: „Ja bitte?»

„Bist du etwa der Sohn von der Wirtin der Jartenklause? Der Name jedenfalls is der selbe und die soll ja hier inne Jejend wohnen.»

Na super, jetzt kennt die auch noch meine Mutter, das fehlte mir gerade noch und ich log: „Nee, bin ick nich» und drückte die Tür wieder ins Schloss. Ein paar Minuten wartete ich und als ich nichts mehr hörte, sah ich im Hausflur nach, ob sie noch da war, die Frau mit der Engelsstimme. Aber sie war weg, so konnte ich mich endlich mit den wichtigen Dingen befassen.

Ich zog meine völlig verdreckten Sachen aus und bemerkte dabei, dass bereits die halbe Wohnung eingesaut war. Jetzt hieß es, kühlen Kopf bewahren und erst mal mich und dann die Sachen waschen. Mich hab ich relativ schnell und problemlos geschafft, aber die Sachen, das wird wohl schwerer. Nun, wir hatten eine Waschmaschine und ich wusste zumindest, welchen Zweck sie erfüllte – schmutzige Wäsche waschen.

Die Waschmaschinen dieser Zeit hatten oben eine große Öffnung mit einem Deckel. In diese, so hatte ich öfters beobachtet, gab man die schmutzige Wäsche hinein. Das tat ich dann auch, war ja auch irgendwie logisch. Aber wie geht's weiter? Oma, wenn sie zu Besuch bei uns war und das war sie oft, hat immer gewaschen und dabei an den beiden Knöpfen gedreht, die an der Vorderseite der Maschine angebracht waren und wie zwei strenge Augen ins Badezimmer starrten, als wollten sie sagen: „DU, fasst uns nicht an, DU lässt schön deine Fingerchen von uns, DU hast nämlich keine Ahnung, wie wir zu drehen sind!»

Und da hatten sie verdammt noch mal recht. Aber

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