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Beziehung ...ein Irrgarten zwischen Lust und Frust
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eBook397 Seiten4 Stunden

Beziehung ...ein Irrgarten zwischen Lust und Frust

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Über dieses E-Book

Beziehung ist so allgegenwärtig wie die Unzahl der Bücher mit frommen Ratschlägen. Aber wer konnte diese wirklich umsetzen, wer kann wirklich danach leben? Die hohen, idealisierten Ansprüche, die natürlich niemand erreicht, machen uns Schuldgefühle, definieren uns als Versager, nehmen uns Kraft und Mut und machen daher Lebensangst. Das gräbt uns die Lebendigkeit und die Lebensenergie ab, die wir doch so dringend im Beziehungsdschungel bräuchten. Es ist vielmehr notwendig, eine Öffnung zu den Lebensschwierigkeiten zu finden, einen philosophischen oder spirituellen Zugang herzustellen, ob Leid ein Irrtum der Schöpfung ist oder ob es sinnhaft und notwendig zu einem erfüllten Leben dazugehört. Da ich davon ausgehe, dass ca. 90 % der Leser im Dschungel des Beziehungslabyrinths Verirrte sind, möchte ich Sie alle willkommen heißen - Sie sind in guter Gesellschaft! Das folgende Buch will zeigen, weshalb Beziehung für uns alle so schwer ist, wo überall Fallen lauern und dass es normal ist, wenn man dabei Wunden und Schrammen davonträgt. Beziehung. ein Irrgarten zwischen Lust und Frust möge uns alle vom hohen Ross herunterholen und könnte uns zur Erkenntnis führen, dass wir im Leben und in unseren Beziehungen immer wieder vor nie geahnten Problemen stehen.
SpracheDeutsch
Erscheinungsdatum17. Feb. 2016
ISBN9783958495609
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    Buchvorschau

    Beziehung ...ein Irrgarten zwischen Lust und Frust - Dr. Norbert Arlt

    www.rgverlag.com

    Dr. Norbert Arlt

    geb. 1942, ist Psychotherapeut in freier Praxis, Lehrtherapeut und Lehrbeauftragter der Ärztekammer.

    Nach seinem Buch über die Einzelkind-Problematik beschäftigt sich Norbert Arlt jetzt mit den Schwierigkeiten, eine Beziehung zu leben, und wie schwer es ist, die allseits erwartete Glückseligkeit einer Beziehung zu erlangen.

    Von Norbert Arlt im Renate Götz Verlag erschienen:

    Einzelkind – Privileg oder Schicksal

    Dr. Norbert Arlt

    Beziehung

    ... ein Irrgarten

    zwischen Lust und Frust

    Bilder von René Magritte und Matthias Meyvogel

    Kommentar von Dr. Brigitte Arlt-Schöpflin

    November 2011

    Copyright © by Renate Götz Verlag

    A-2731 Dörfles, Römerweg 6

    e-mail: info@rgverlag.com

    www.rgverlag.com

    Bildnachweis

    Cover Seite 1 und Innenteil Seite 12: Magritte, René: Les amants, 1928 © akg-images Berlin, Album/ Oronoz/akg / © VBK, Wien, 2011

    S. 14: Fotomontage © Dr. Norbert Arlt, privat

    S. 31: Meyvogel, Matthias: Caritas Romana, Cimon und Pero, 1628 © akg-images Berlin / © VBK,Wien, 2011

    S. 33: Magritte, René: Le viol, 1934. Houston (TX), The Digitale (A) Menil Collection. Öl auf Leinwand, 73 x 54 cm © Photo SCALA, Florenz / © VBK, Wien, 2011

    S. 44: Magritte, René: La reproduction interdite, 1937. Rotterdam, Museum Boijmans van Beuningen. Öl auf Leinwand, 81 x 65 cm © Photo SCALA, Florenz / © VBK, Wien, 2011

    S. 47: Magritte, René: La Géante, 1935 © akg-images Berlin / © VBK, Wien, 2011

    S. 71: Magritte, René: Lola de Valence, 1948 © akg-images Berlin / © VBK, Wien, 2011

    S. 98: Magritte, René: La tentative de l‘impossible, 1928. Galerie Isy Brachot. Öl auf Leinwand, 116 x 81 cm © Photo SCALA, Florenz / © VBK, Wien, 2011

    S. 171: Magritte, René: Le mal du pays, 1941. Private Coll. Öl auf Leinwand, 100 x 81 cm © Photo SCALA, Florenz / © VBK, Wien, 2011

    Layout, Cover- und Gesamtgestaltung

    © by outLINE|grafik Eva Denk, A-2340 Mödling . www.outlinegrafik.at

    Produktion: Druckerei Paul Gerin, Wolkersdorf . www.gerin.co.at

    Printed in Austria

    EPUB und MOBI: C.E.Z.-Software HbmH www.cezsoft.com

    Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (Druck, Kopie oder einem anderen Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

    Buch:

    ISBN 978-3-902625-23-6

    EPUB:

    ISBN 978-3-958495-60-9

    MOBI:

    ISBN 978-3-902625-39-7

    Danksagung

    An alle Frauen, die je meinen Weg berührt, gekreuzt, bereichert, begleitet, behindert oder was auch sonst noch haben. Sie haben mein Leben erschwert, erleich tert, mit Freude und Lachen aber auch mit Schmerz und Tränen erfüllt. Diese Fülle an Lachen und Tränen gehören zu meinem Leben, sind ein Teil von mir und ohne diese Erfahrungen wäre das Leben es gar nicht wert gewesen.

    Mein besonderer Dank gehört meiner Frau: nicht nur, weil sie den Schwerpunkt meiner oben genannten Erfahrungen darstellt, sondern weil sie auch – Dank ihrer psychotherapeutischen Professionalität – mit hilfreichen und kritischen Stellung nahmen dieses Buch mitgestaltet hat.

    Vielen lieben Dank meinen Freunden, die das Buch vorweggelesen haben und mir Hinweise gaben, wo der Text zu lang, zu kurz, zu unklar, zu brutal, zu dumm usw. ist. Also danke an Monika, Manfred und Dieter.

    Danke an den Verlag: an Frau Renate Götz, die so leichtsinnig ist, dieses Buch zu veröffentlichen; Dank für die mühevolle Arbeit des Lektorierens an Frau Bader, für die Grafik an Frau Denk sowie an Frau Tisch für die Bemühungen zur Erlangung der Druckrechte der Bilder von René Magritte.

    Hinweis

    Alle Namen und Lebensgeschichten sind so verändert, dass Rückschlüsse auf reale Personen nicht möglich sind.

    Im Sinne einer guten Lesbarkeit wurde auf die heute übliche Schreibweise Kli entInnen, ÄrztInnen, TherapeutInnen usw. verzichtet, es mögen sich aber bitte jeweils weibliche und männliche Personen angesprochen fühlen.

    Kritische und wohlwollende Worte von

    Dr. Brigitte Arlt-Schöpflin

    Jawohl, jetzt ist es so weit. Mein Mann hat wieder ein Buch geschrieben, diesmal über Beziehung!

    Eine Bekannte, der ich davon erzählte, meinte sogleich lakonisch: „Na, da hab ich schon Vorbehalte, was soll denn schon dabei rauskommen, wenn ein XY-Wesen, also ein Mann, über ein so komplexes Thema wie die Begegnung von Mann und Frau schreibt."

    Liebe Artgenossin, der moderne Mann von heute gestattet sich viel mehr als in vergangenen Jahren seine Anima zu leben und das impliziert meiner Meinung nach, dass er ebenso ein tiefes Verständnis für die Hintergründe, die zu einer Begegnung von Mann und Frau führen, entwickelt hat wie wir Frauen. Der Mann ist hoffentlich kein Irrtum in der Hominidenevolution. Auch wenn wir Frauen unsere Partner manchmal am liebsten zum Teufel jagen könnten, wo immer der auch sei. Aber ohne sie ist es doch auch langweilig.

    Irgendein gescheiter Mensch hat einmal behauptet: „Wir sollten uns das, was wir besitzen, bisweilen so anzusehen bemühen, wie wir es betrachten würden, wenn wir es verloren hätten."

    Eines steht für mich fest: eine Beziehung ist eine absolute Herausforderung für beide Geschlechter. Das Wagnis, eine Partnerschaft einzugehen, ohne dabei unter die Räder zu gelangen, ist vielleicht schwer, aber zu schaffen. Wer immer behaupten möge, es sei ein Leichtes, Frau und Mann müssten nur aktiv zuhören lernen und Verständnis füreinander haben, ist naiv. Eine Beziehung ist wie eine Reise, eine Reise in den Konjunktiv, wo ich die Möglichkeit habe, vieles für mich neu zu definieren und zu überdenken, um mein Gegenüber, diesen anderen Kontinent (es muss nicht immer gleich die Venus oder der Mars sein) zu entdecken.

    Ich spüre beim Lesen des Buches so eine Stimmung, die ausdrücken will: Bleibe dir selbst in der Beziehung treu und du kannst nicht falsch gegen irgendetwas oder irgendjemanden sein. Quasi nach dem Motto: Sei du selbst die Veränderung, die du in der Beziehungswelt erleben möchtest.

    Dieses Buch unterscheidet sich vielleicht von anderen Exemplaren, die es zuhauf im Psycho-Eck zu finden gibt. Einerseits ist es eine Lektüre, die Emotionen hervorruft; ich behaupte, das könnte von sattem Schmunzeln über das Gelesene bis zu ärgerlichem Stirnrunzeln gehen und zwar bei beiden Geschlechtern gleichermaßen.

    Mehr oder minder schonungslos zeigt der Autor die Fehler und Schwächen von uns Frauen und ebenso von Männern auf und kommentiert sie in seiner manchmal flapsigen Art. So manches Kapitel lässt einen resignieren und daran zweifeln, ob Beziehung überhaupt möglich ist. Einen Absatz weiter schöpft man wieder Hoffnung. Niemals jedoch verspürt die Leserin oder der Leser den erhobenen Zeigefinger des Autors als sein Besserwissen, wie es richtiger gehen könnte. Ratschläge werden, Gott sei Dank, nicht erteilt – und das, obwohl er dereinst Lehrer war.

    Natürlich sind wir Frauen herausgefordert, das bestehende Vorurteil, Wir würden Kritik viel schlechter einstecken können, niederzuschmettern und das weibliche Geschlecht möge das Gegenteil beweisen.

    Hoffentlich erhitzt so manche Passage die Gemüter von Mann und Frau, denn dann hat das Buch etwas bewirkt. Anderseits bietet das Buch einen guten Überblick über die Beziehungsformen im Wandel der Zeit und bringt zur Veranschaulichung Bilder aus Mythen und Märchen, aus der Medizin bis hin zur Epigenetik, sowie aus der psychotherapeutischen Praxis. Weiters mögen die Bilder von René Magritte zum Innehalten anregen und Imaginationen und Assoziationen provozieren.

    Die Behauptung, dass die Partnerschaft ein Irrgarten zwischen Lust und Frust sei, ist meist rasch untermauert, wenn man mehrere Paare befragt, die schon länger beisammen sind. Aber gerade dieser Irrgarten gibt ihr und ihm den Kick, um eine Beziehung nicht in einer Sackgasse der Langeweile enden zu lassen.

    Ich möchte nicht übersehen, dass ein Frauentyp in diesem Buch zu kurz kommt. Es ist jener, der in völliger Abhängigkeit von seinem Partner in absoluter Unterdrückung und Ausbeutung lebt. Diese Frauen verdienen es, dass ihnen geholfen und ihr Schicksal thematisiert wird. Vielleicht finden diese Menschen eher den Weg zu einer Therapeutin, also einer Frau, um Hilfe zu suchen und aus ihrer Abhängigkeit herauszukommen. Da dieses Buch von einem Mann geschrieben ist, liegt der Schwerpunkt bei dem Frauentyp Königin. Und es gibt diesen Typ. Im Theaterstück Gott des Gemetzels (Le dieu du carnage) von Yasnina Reza wird Veronique der Satz in den Mund gelegt: „Es ist uns völlig schnuppe, was sie [die Männer] an Frauen mögen! ... Die Ansichten [von ihnen] sind uns völlig schnurz und schnuppe!"

    In diesem Sinne betrachtet passt dann das Zitat aus dem gleichen Stück – vom männlichen Hauptdarsteller ausgesprochen: „Die Ehe ist die schlimmste Prüfung, die Gott uns auferlegt hat!"

    Nun, liebe Leserin, lieber Leser, machen Sie sich selbst ein Bild und vielleicht geben Sie sich doch eine kleine Chance?

    Zum Titelblatt und zu René Magritte

    Les amants, Die Liebenden, 1928

    René Magritte (geboren 1898 in Lessines, Belgien, verstorben 1967 in Brüssel) ist ein bedeutender Vertreter des Surrealismus. René war 14 Jahre alt, als sich seine Mutter aus unbekannter Ursache das Leben nahm, indem sie sich nachts in einem Fluss ertränkte. Sie wurde mit einem Nachthemd über dem Kopf tot aufgefunden. Verhüllte Gesichter und Menschen sind eines der oft verwendeten Motive Magrittes.

    Man kann sich leicht vorstellen, welchen Vertrauenseinbruch dies im Leben Magrittes hinterließ, vor allem dem Weiblichen gegenüber. Viele seiner Bilder lassen sich in diesem Sinne interpretieren. Vielleicht wollte er auch den tragischen Verlust seiner Mutter nicht wahrhaben, indem er immer wieder darauf hinwies, dass die gemalte Pfeife keine Pfeife ist, die man stopfen oder rauchen kann, und dass der gemalte Apfel kein Apfel ist, den man essen kann. Magrittes ungewöhnliche Zusammenstellungen und Verfremdungen machen nachdenklich, wie es auch dieses Bild verdeutlicht. Die Liebenden zeigt eine Frau und einen Mann, die sich einander liebend nähern,und doch sind ihre Gesichter verhüllt, als wollte Magritte andeuten, dass niemand wirklich weiß, worauf er sich einlässt. Vielleicht stimmt dieses „… denn sie wissen nicht, was sie tun!"

    Eigentlich muss ich René Magritte um Entschuldigung bitten, dass ich es wage, seine Bilder zu interpretieren, wo er es doch selbst immer abgelehnt hat, seine Darstellungen psychoanalytisch zu deuten. „Wenn meine Gemälde gelungen sind, eignen sie sich nicht für Analysen." (Museumsfolder Magritte-Museum, Brüssel)

    Und wie ich beim Besuch des Magritte-Museums in Brüssel dem Audioguide entnommen habe, hat Magritte es immer abgelehnt, seinen Bildern selbst einen Namen zu geben. Er bat immer Freunde um Benennung seiner Werke. Der Sprecher sinnierte darüber nach, wieweit einem Bild einen Titel zu verleihen auch eine Deutung ist, ob er sich innerlich nur davon distanziert hat und es seinen Freunden überließ, den Bildern eine psychologische Bedeutung zu geben, wieweit er

    selbst Angst hatte, hinter die Kulissen zu schauen. „Ich wünsche mir echte Liebe, das Unmögliche und Trugbilder. Ich fürchte meine Grenzen genau zu entdecken."

    (Museumsfolder Magritte-Museum Brüssel).

    Zum besseren Verständnis haben wir die Bildtitel jeweils in Französisch und Deutsch angegeben. Ob wir mit den Übersetzungen Magrittes Vorstellungen getroffen haben, ist ungewiss.

    Magritte spricht auch einmal von „Träumen, die nicht einschläfern, sondern aufwecken wollen". Bei diesem und beim nächsten Bild, das ich beschreiben möchte, ist ihm das gelungen, zumindest bei Brigitte und mir.

    Wir, das sind Freunde, meine Frau und ich, stehen im Palazzo Strozzi in Florenz in einer Ausstellung von Magritte und bleiben vor einem Bild stehen, das eine unfertige Brücke zeigt, also eine, die zirka nur zur Hälfte besteht. Die Brücke führt – nicht sehr überraschend – über einen Fluss. Die Spiegelung im Wasser zeigt uns Magritte aber vollständig. Wir diskutieren das Bild, versuchen es zuzuordnen, bringen auch unsere tiefenpsychologischen Deutungen ein, schließlich ist Brücke ein bekanntes Beziehungssymbol, eine Verbindung zwischen zwei Ufern, etwas, das zwei Gegensätze vereint. Eine Brücke steht auch für die Beziehung von zwei Menschen.

    René Magritte nannte das Bild Die Brücke des Heraklit. Der griechische Philosoph Heraklit stand unter anderem für eine nachhaltige Kritik der oberflächlichen Realitätswahrnehmung und Lebensart der Menschen. Heraklit konfrontiert uns auch mit dem schwierigen Satz: „Der Gegensatz gehört zur Entwicklung!"

    Ich erzähle den Freunden, dass ich gerade an einem Buch zum Thema Beziehung schreibe, als ich in ein bedeutungsschwangeres, nachdenkliches Gesicht meiner Frau blicke.

    Sie sagt: „Ist nicht die Beziehung zwischen zwei Menschen gerade so?! In der Realität bleibt sie immer etwas Halbes, erreicht nie die Vollkommenheit der erträumten Wünsche. Aber in unserer Seelenspiegelung, dort wo unsere Sehnsüchte, Wünsche und Ideale sind, dort liegt ein Bild einer vollkommenen, einer wirklich gelungenen, einer tatsächlich total beglückenden Beziehung. Dort ist der Traum von der wunderbaren Verbindung zweier Seelen. Und gerade diese Differenz zwischen Realität und Sehnsucht macht uns ein Leben lang Probleme, ist aber vielleicht auch genau die Chance, zu einer gereiften Person heranzuwachsen, vielleicht sogar im Alter weise zu werden."

    Die Frage ist, und diese zieht sich durch das ganze Buch, wie wir mit diesem Schmerz der unerreichbaren Vollkommenheit einer Partnerschaft zurechtkommen.

    Da der Verlag die Druckrechte für das Bild nicht erhalten hat, möchte ich es durch die Computerbearbeitung des Fotos einer realen Brücke in Bayern veranschaulichen.

    (Fotomontage)

    Wasser, ein tiefenpsychologisches Symbol für das Unbewusste, findet sich auch an anderen Stellen, so bei Hermann Hesse: „Siddhartha schaute ins Wasser, und im ziehenden Wasser erschienen ihm Bilder: sein Vater erschien, einsam, um den Sohn trauernd, er selbst erschien, einsam, auch er mit den Banden der Sehnsucht [...] Oft schon hatte er all dies gehört, diese vielen Stimmen [...] Und alles zusammen, alle Stimmen, alle Ziele, alles Sehnen, alle Leiden, alle Lust, alles Gute und Böse, alles zusammen war die Welt. Alles zusammen war der Fluss des Geschehens, war die Musik des Lebens." ¹

    Zur besseren Verwirrung

    Es fällt niemandem ein, von einem Einzelnen zu verlangen,

    dass er glücklich sei, – heiratet aber einer,

    so ist man sehr erstaunt, wenn er es nicht ist!

    Rainer Maria Rilke

    Ursprünglich wollte ich diesen Titel wählen: „Frau und Mann chancenlos! … vielleicht etwas für Abenteurer"

    So hat es begonnen. Ich erzähle meiner Frau, welcher Buchtitel mir vorschwebt, und schon werde ich darauf hingewiesen und verbessert, dass es AbenteurerInnen heißt, mit großem I.

    Ist Beziehung überhaupt denkbar als Ort der Ruhe, Entspannung und Geborgenheit? Christentum und Sozialismus wollten eine friedliche und konfliktfreie Welt schaffen. Gott, die Natur, die Gene oder was auch sonst, haben eine andere Welt erzeugt. Eine Welt mit Konkurrenz, Wettbewerb, Kampf. Und alles erfordert Mut zum Risiko.

    Natürlich darf man sich schon an dieser Stelle fragen: Sind wir alle schonungsbedürftige Kleinkinder, die man nicht belasten darf? Oder traut uns diese Welt mehr zu?

    Wenn man bedenkt, dass in Mitteleuropa 50 Prozent der Ehen geschieden werden und der Rest der bestehenden Verbindungen auch durchwachsen sein wird, von beglückend und bereichernd über Beziehungen, die nichts bringen, aber auch nichts nehmen, bis hin zu jenen Ehen, die zwar am Papier bestehen, aber nur Missachtung, Nichtwahrnehmung und gegenseitige Behinderung beinhalten, dann bleibt nur ein trauriger Rest, den man mit reinem Gewissen als positiv bezeichnen darf.

    Um nicht in den Verdacht zu geraten, ein grenzenloser Pessimist zu sein, möchte ich schon festhalten, dass am Beginn der Paarbeziehung fast immer eine beglückende Zeit der Verliebtheit steht, jene Zeit, die man Flitterwochen nennt. Aber schon das Wort „verliebt macht nachdenklich. Bedeuten denn nicht fast alle Worte, die mit „ver beginnen, etwas Negatives? Vergessen, vernachlässigen, verludern, verrosten, verlieren, verraten, versterben ... Wir können uns daher genüsslich zurücklehnen und das Wort „verheiratet" auf der Zunge zergehen lassen.

    Auch Hans-Joachim Maaz setzt sich mit dem „ver" auseinander, wenn er meint: „Viele Menschen sind verliebt oder glauben zu lieben, wenn sie einen Menschen finden, der ihnen Gutes tut. Sie mögen ihn oder sie nur wegen der erfahrenen Zuwendung und Zuneigung, mit der sie innere Defizite aufzufüllen hoffen – dies geschieht vielleicht aus der Liebesfähigkeit des Spenders, begründet aber noch lange keine Liebe beim Empfänger. Dafür hat die deutsche Sprache auch das Wort ‚verliebt‘ zur Verfügung." ²

    Nun – vermuten, versichern, verstehen, versüßen beginnt auch mit „ver" – also so ganz eindeutig ist die Sache wohl nicht. Aber was ist, wenn es um Beziehung, Verliebtheit und Liebe geht, schon einfach?

    Zu den Themen Wie sind Frauen?, Wie sind Männer?, Wie kann eine Beziehung funktionieren? gibt es ohnedies – wie ich zu sagen pflege – erst 7.865 Veröffentlichungen. Somit ist es verständlich, dass die Menschheit auf dieses Buch schon sehr dringend gewartet hat.

    Die meisten Arbeiten zu diesen Themen machen uns ein schlechtes Gewissen, denn den paar leicht einzulösenden Ratschlägen wird man doch gerecht werden können: Miteinander reden, wirklich zuhören, etwas Toleranz, manchmal ein wenig nachgeben – das wird man denn doch noch schaffen! Doch spätestens beim Streit heute Morgen waren die gut gemeinten Psychologien völlig vergessen gewesen und man stand wieder einmal als peinlicher Versager da. Oder heißt es VersagerIn?

    Beziehungsanalphabet, Liebesneandertaler, eigenbrötlerischer Egoist, unverbesserlicher Idiot, die Tiernamen lasse ich jetzt weg, und schon wieder habe ich vergessen, das große I einzufügen – was bleibt, sind Alkohol, eine Freundin, ein Geliebter, Kegelclub, Engagement in der Emanzipationsbewegung, Resignation, Depression – und am Ende steht oft: Gib es auf, es hat ohnedies alles keinen Sinn!

    Niemand liest bei Sir Karl Popper nach, wenn er meint: „... der Versuch, den Himmel auf Erden einzurichten, provoziert stets die Hölle."

    Warum sollte es uns in die Hölle führen, wenn wir den Himmel suchen? Die hohen, idealisierten Ansprüche, die natürlich niemand erreicht, machen uns Schuldgefühle, definieren uns als Versager, nehmen uns Kraft und Mut und machen daher Lebensangst. Das gräbt uns die Lebensenergie ab, die wir doch so dringend im Beziehungsdschungel bräuchten. Oft war auf Seminaren, die Brigitte und ich gemeinsam leiteten, das größte Highlight, wenn die Teilnehmer wahrnehmen konnten, dass auch wir Differenzen hatten, uns manchmal zurechtwiesen und manchmal verschiedener Meinung waren. Das nimmt die Angst, wenn man wahrnimmt, dass sich auch die Profis abmühen, um gut durchs Leben zu kommen.

    Wider alle Erfahrung kämpfen sich die meisten Menschen durch diesen Beziehungsfrust.

    Was reitet so viele Autoren, so zu tun, als wäre Beziehung ein leicht zu erklimmender Gipfel? Das ist es nämlich nicht! Lege ich die eingangs erstellte Rechnung zugrunde, so werden 50 % der Ehen geschieden, und von den restlichen 50 % sind ein Drittel bereichernd, ein Drittel belastend und ein Drittel bringt nichts und nimmt nichts, ist weder bereichernd noch belastend. Es bleibt also eine Erfolgsrate von ca. 16 %. Würden Sie noch in ein Flugzeug steigen mit der Aussicht, dass nur 16 % von Ihnen heil ans Ziel kommen?

    Eine Heirat ist, wie dies einmal der Soziologe Manfred Prisching ausdrückte, eher nur eine „Bemühungszusage".

    Dabei sind die vielen „Lebensabschnittsbeziehungen" und das dortige wiederholte Trennungsleid nicht berücksichtigt.

    Welche unglaubliche Triebfeder steckt in uns Menschen, dieses Wagnis trotzdem einzugehen?

    Auf jeden Fall möchte ich, neben anderen Aspekten, diese drei Motive anerkennen:

    Jeder, der Beziehung wagt, verdient es, für seinen Abenteurermut geachtet zu werden.

    Jeder, der dieses Abenteuer eingeht, verdient trotzdem Respekt, auch wenn er sich als gescheitert erlebt. Das Wesen großer Abenteuer liegt in ihrem enormen Risiko. Ich schlage vor, nicht nur den Mut anzuerkennen, sondern auch nicht zu übersehen, dass Lernprozesse immer beinhaltet sind, egal wie das Experiment ausgeht.

    Jeder, der das Abenteuer einer Beziehung wagt, wird einem Entwicklungsprozess untergeworfen.

    Sollte also C.G. Jung mit seiner Idee von der Individuation recht haben? Er meint, frei nacherzählt, bei allem Respekt vor der ungeheuren Bedeutung der Sexualität, dass ein Trieb im Menschen noch stärker angelegt ist, nämlich der, zu der Persönlichkeit heranwachsen zu wollen, die in ihm angelegt ist. Diesen Trieb nennt Jung Individuation.

    Da ich davon ausgehe, dass ca. 90 % der Leser im Dschungel des Beziehungslabyrinths Verirrte sind, möchte ich alle willkommen heißen. Ihr seid in guter Gesellschaft und das folgende Buch will zeigen, wieso es so schwer ist, wo überall Fallen lauern und dass es normal ist, wenn man dabei Wunden und Schrammen davonträgt.

    Und, lieber Leser, Sie können vollkommen beruhigt sein: Es gibt keine guten Ratschläge, so wie Wilhelm Busch von weisen Lehren, die gut gemeint, doch bös zu hören sind, schreibt.

    Und weil es so gut zum Thema passt, hier das ganze Gedicht:

    Der Einsame

    Wer einsam ist, der hat es gut,

    Weil keiner da, der ihm was tut.

    Ihn stört in seinem Lustrevier

    Kein Tier, kein Mensch und kein Klavier,

    Und niemand gibt ihm weise Lehren,

    Die gut gemeint und bös zu hören.

    Der Welt entronnen, geht er still

    In Filzpantoffeln, wann er will.

    Sogar im Schlafrock wandelt er

    Bequem den ganzen Tag umher.

    Er kennt kein weibliches Verbot,

    Drum raucht und dampft er wie ein Schlot.

    Geschützt vor fremden Späherblicken,

    Kann er sich selbst die Hose flicken.

    Liebt er Musik, so darf er flöten,

    Um angenehm die Zeit zu töten,

    Und laut und kräftig darf er prusten,

    Und ohne Rücksicht darf er husten,

    Und allgemach vergisst man seiner.

    Nur allerhöchstens fragt mal einer:

    Was, lebt er noch? Ei Schwerenot,

    Ich dachte längst, er wäre tot."

    Kurz, abgesehn vom Steuerzahlen,

    Lässt sich das Glück nicht schöner malen.

    Worauf denn auch der Satz beruht:

    Wer einsam ist, der hat es gut."

    Auch Henrik Ibsen lässt seine Hauptfigur in Der Volksfeind, zwar resigniert und verzweifelt, sagen: „Der ist der stärkste Mann auf der Welt, der ganz allein steht."

    Und wenn wir zur Psychologie zurückkehren: Eva-Maria Zurhorst meint, wenn jemand allen Beziehungsproblemen aus dem Weg geht, um sich das Liebesleid zu ersparen: „Nun war der Schmerz zwar weg, keiner konnte uns mehr etwas antun, dafür aber nagt jetzt in unserem Inneren eine Leere." ³ Sie meint, das Alleinsein hätte einen Preis – die innere Leere.

    Und es gibt noch einen, den möglicherweise größten Schmerz: das Alleinsein zu zweit. Das Nichterreichen eines Menschen, der vor einem sitzt oder steht, obwohl zum Greifen nahe.

    Ein kurzer Nachsatz für alle wissenschaftlich kritischen Leser. Vieles, von dem Sie bald lesen werden, habe ich irgendwo gehört, gelesen, auf einem Kongress aufgeschnappt, und ich habe keine Ahnung mehr, wo und von wem. Und jeder, der gerne Unwissenschaftlichkeit anprangert, wird ein Eldorado an Verallgemeinerungen, Vorurteilen und Behauptungen finden.

    Es ist meine Meinung von heute, nicht mehr und nicht weniger. Was ich morgen oder gar übermorgen denken werde, davon weiß ich heute noch nichts.

    Des Weiteren werden Männer wie Frauen viel Ärgerliches vorfinden, aber ich glaube, es wird sich symmetrisch verteilen. Am Ende des Tages werden beide Geschlechter auf mich böse sein – nun, damit muss ich von jetzt an leben.

    Sollten Sie zu den wenigen Ausnahmen gehören, zu denen die folgenden Aussagen nicht passen – Gratulation!

    Also viel Spaß!

    Norbert Arlt

    Ein Blick zurück

    Das Matriarchat

    Historiker sind sich nicht ganz einig, jedoch vertreten viele die Ansicht, dass die Kulturgeschichte der Menschheit frauenrechtlich begonnen hätte. Die Definition laut Heide Göttner-Abendroth lautet: „Eine von Frauen geschaffene und geprägte Gesellschaft, in der sie dominieren, aber nicht herrschen." Die Autorin weist auch darauf hin, dass das Wort Arché nicht nur Herrschaft sondern auch Anfang bedeutet. „Am Anfang war die Mutter, das weibliche Prinzip. Und das trifft die Sache." 

    Ich schließe mich dieser Theorie an, weil ich diese Strömungen und Haltungen unter der Decke des Patriarchates immens spüren kann.

    Wie können wir uns diese Zeit vorstellen und wie kam es zu dieser privilegierten Stellung der Frauen? Ich glaube, dass es recht simpel ist: Alles, was Männer können, können Frauen auch. Entscheidungen treffen, kochen, nähen, jagen usw. Aber neben all den ganz und gar nachvollziehbaren Handlungen gab es noch etwas. Bei Frauen wölbte sich manchmal der Bauch, wie vom Neumond zum Vollmond, und aus ihnen schlüpfte ein neues Wesen. Es musste ganz und gar übernatürlich gewesen sein, dass diese Wunderwesen, die Frauen, neues Leben hervorzaubern konnten. Und nur durch diesen Nachwuchs blieb der Stamm, die Horde am Leben, nur dadurch gab es eine Zukunft. Dieses Mysterium war bei den Frauen angesiedelt. Die Beteiligung der Männer an dem Zeugungsvorgang, so meinen manche Fachleute, wäre über lange Zeit nicht bekannt gewesen. Das Wunder, Kinder und somit Zukunft in die Welt zu setzen, lag bei den Frauen – somit waren sie natürlich etwas Besonderes.

    Die „unbefleckte Empfängnis" ist entwicklungspsychologisch vielleicht doch nicht so absurd, wie man meinen könnte. Womit aber nicht darüber hinweggetäuscht werden soll, dass es auch damals ohne Männer nicht ging.

    Göttner-Abendroth erwähnt eine Studie über Trobriand-Indianer: „Die Trobriander glauben, dass allein die Mutter aus ihrem aus der Schwangerschaft neun Monate ausbleibenden Menstruationsblut den Leib des Kindes aufbaue, darum kann das Kind nur mit ihr verwandt sein. Das ist der direkte Sinn des Wortes ‚Bluts‘- Verwandtschaft. [...] Der Zeugungsakt des Mannes ist bei den Trobriandern unbekannt, darin ist ihr Denken noch ganz archaisch. Der Geschlechtsakt hat nur Eröffnungsfunktion, denn sie glauben, dass der Mann die Vagina der Frau eröffnen muss, bevor sie empfangen kann. Auf keinen Fall aber schwängert der Mann die Frau, sondern diese nimmt den Geist einer toten Ahnin oder eines toten Ahnen in sich auf, der durch sie zu neuem Leben geboren werden will."

    Wem diese Darstellung seltsam vorkommt, ich zitiere aus einem Buch von Steve Jones, einem Professor für Genetik: „Wie Alfred Kinsey, der Gründer des Instituts für Sexualforschung an der University of Indiana, im Jahre 1939 entdeckte, wusste in seiner Gegend nur jeder fünfte Jugendliche, dass Babys eine Mutter haben – dass ein Mann mitgewirkt hatte, war keinem von ihnen klar." ⁶ Und diese Beobachtung liegt nicht einmal 100 Jahre zurück.

    Was war dann die Rolle

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