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AfD: Alternative für Deutschland
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eBook2.149 Seiten15 Stunden

AfD: Alternative für Deutschland

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Über dieses E-Book

Die Alternative für Deutschland (abgekürzt AfD) ist eine politische Parteiin Deutschland. Sie wurde als Reaktion auf die Euro-Rettungspolitik am 6.Februar 2013 in Berlin gegründet. Sie gewann bei der Europawahl 2014erstmals überregionale Mandate und zog 2014 in die Landesparlamente vonSachsen, Brandenburg, Thüringen, 2015 in jene von Hamburg und Bremen sowie2016 in jene von Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz ein.Parteisprecher waren bis Juli 2015 die Bundesvorstandsmitglieder BerndLucke, Frauke Petry und Konrad Adam. Nach einem monatelangeninnerparteilichen Machtkampf wurden Frauke Petry und Jörg Meuthen alsgleichberechtigte Parteivorsitzende gewählt. Daraufhin spaltete sich derbereits zuvor auf Initiative von Lucke gegründete Weckruf 2015 ab und esentstand die Partei Allianz für Fortschritt und Aufbruch.Politikwissenschaftler verorten die AfD seit 2014 im politischen Spektrumrechts von den Unionsparteien und bezeichnen sie überwiegend alsrechtspopulistisch oder rechtspopulistisch beeinflusst. Der Führungswechselder Partei im Juli 2015 wurde als Rechtsruck und Sieg desnationalkonservativen über den wirtschaftsliberalen Parteiflügeleingestuft. Einige Wissenschaftler erkennen seither bei Teilen oderbestimmten Führungspersonen der AfD auch rechtsextreme beziehungsweise völkische Tendenzen.
SpracheDeutsch
HerausgeberTD Textdesign
Erscheinungsdatum27. Juni 2016
ISBN9783958498013
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Autor

Thom Delißen

Thom Delißen Alter Holzgarten 1 85435 Erding Tel. 08122 18553 Mail: TDTextdesign@aol.com Jahrgang 63, geboren in Münster, aufgewachsen in Oberbayern. Der Autor verbrachte Jahre in Frankreich, Spanien, Italien, Portugal, Brasilien, Indien. Seine Kurzgeschichten und Lyrik versuchen das Rätsel nach dem Sinn und Sein zu hinterfragen, wollen auf die letzten Ziele – die Liebe und die Heiterkeit hinweisen. Verleger und Chefredakteur der Literaturzeitschrift „Schrieb“. Veröffentlichungen in Tageszeitungen, Literaturzeitschriften (Wienzeile, Maskenball, Bohnenstange, Brücke, Federwelt, Kult u.v.m.) Krimi-Magazinen, Anthologien. Mitautor Chronik Erding, Ex-Chefredakteur der regionalen Literaturzeitschrift „GedankenSprung“. Organisator der Initiative „Worte und Taten“. Mitglied der internationalen Autorengruppe „ProLyKu“. “Question Authority“ Kurzgeschichtensammlung von Thom Delißen/ Lyrik und Prosa erschienen im FV-Verlag/Lübeck Hörspiel „Rhéethron“ Die Sätze. (u.v.m) „The Vanderbilt Berlin Wall Project“ Brockmann „Mordsapfel“ Sieben-Verlag „Criminalis“ Pushmann „Wir bei C&C“ (Hrsg. Metro 2008) „Der Teddybär“ 2008 TD Textdesign „Plattform Carpe Diem“ (Burger) „Spurenwelt“ (Website Verlag) „100 % Worte für Brot“ (FV-Verlag) CD „Gedankengischt“ (TD Textdesign) CD „Do sei“ Bayerische Texte CD Textsammlung „Fetzen“ (TD Textdesign) „Die ganze Welt gesehen“ (FV-Verlag) „10 X 10“ Lyrikprojekt (Edition Thaleia) „Jeder Friedensgedanke ein Gedicht“ Edition Octopus, Geest-Verlag Literamus (Trier) “Ene Mene Mu (Spendenedition TD Textdesign) und andere. Zahlreiche Veröffentlichungen im Internet Streitschriften, Kurzgeschichten, Lyrik. „Das oberste Ziel eines jeden freiheits- und verantwortungsbewussten Menschen kann immer nur sein, Manipulation zu unterlaufen, Informationen zu beschaffen und zu veröffentlichen ...“ Pages: www.t delissen.de www.tdtextdesign.org www.schrieb.com

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    Buchvorschau

    AfD - Thom Delißen

    Afd

    Themen-Zusammenfassung

    Peaceway/Wiki

    1. Auflage 06/2016

    Verlag TD Textdesign

    Inhaltsverzeichnis

    1. AfD

    2. Alternative für Deutschland

    3. Gesellschaft zum Studium des Faschismus

    4. Verfassungsschutz

    5. NPD

    6. Politische Rechte (Politik)

    7. Politische Linke

    8. Rechtsextremismus

    9. Nazi

    10.Ideologie

    11.Faschismus

    12.Antifaschismus

    13.Antifa

    14.SPD

    15.Konservatismus

    16.Nationalismus

    17.Demokratie

    18.Sozialismus

    19.Deutschland

    20.NS-Zeit

    21.Weimarer Republik

    22.Deutsche Staatssysteme

    23.Antisemitismus(bis 1945)

    24.Rassismus

    25.Frankreich

    26.Initiativen

    27.Rechtsextreme Gewalt

    28.Mach meinen Kumpel nicht an!

    29.Bundeszentrale für politische Bildung

    30.Rechtsextremismus in Deutschland

    31.Neue Rechte

    32.Redok

    33.Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes

    Alternative für Deutschland

    AfD

    Aus dem Programm:

    „Wir wollen Deutschland reformieren und an die Prinzipien und Wurzeln anknüpfen, die erst zu seinem Wirtschaftswunder und dann zu seinem jahrzehntelangen sozialen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Erfolg geführt haben."

    20.10.2015

    Nach ihrer Gründung im April 2013 gelang der AfD ein rascher Aufstieg. Zwar missglückte der Einzug in den Bundestag, aber bei der Europawahl und allen Landtagswahlen 2014 und 2015 erreichte sie Parlamentsmandate. Die Folgen der Eurokrise waren der zentrale Gründungsimpuls und nehmen im Programm breiten Raum ein. Daneben ist es von liberal-konservativen und national-konservativen Inhalten geprägt.

    Entstehung und Entwicklung

    Am 14. April 2013 - nur fünf Monate vor der nächsten Bundestagswahl - fand der Gründungsparteitag der Alternative für Deutschland (AfD) in Berlin statt. Dort wählten die Mitglieder einen Vorstand, verabschiedeten eine Satzung und ein vorläufiges Programm. Innerhalb weniger Wochen wurde eine komplette Parteistruktur mit Landesverbänden geschaffen und Landeslisten für die Bundestagswahl aufgestellt. Ebenso gelang es der neuen Partei, die für die Zulassung zur Wahl erforderlichen Unterschriften zu sammeln, so dass einer Wahlteilnahme nichts im Wege stand. Am Ende konnte sich die AfD in allen Bundesländern und in 158 der 299 Wahlkreise mit Kandidaten an der Bundestagswahl beteiligen, bei der sie mit 4,7 Prozent der Zweitstimmen nur knapp an der Fünfprozenthürde scheiterte und den Einzug in den Bundestag verpasste. An Landtagswahlen beteiligte sie sich 2013 noch nicht. 

    Um eine solche organisatorische Leistung zu vollbringen, waren langfristige Vorarbeiten erforderlich. Tatsächlich ging der eigentlichen Gründungsversammlung im April 2013 ein gut drei Jahre währender Gründungsprozess voraus. Der Politikwissenschaftler Oskar Niedermayer datiert den Beginn der direkten Vorgeschichte der AfD-Gründung auf den 25. März 2010 (2014: 177). Dies war der Tag, an dem die Bundeskanzlerin vormittags im Bundestag erklärte, die Bundesregierung werde gemeinschaftliche Finanzhilfen für Griechenland nur als letzten Ausweg sehen, und am Abend auf dem EU-Gipfel dem ersten Rettungspaket für das Krisenland zustimmte. In der Rechtfertigung für diese Diskrepanz begann das Wort von der Alternativlosigkeit die Runde zu machen, das später von einer Jury aus Sprachwissenschaftlern, Journalisten und Medienschaffenden zum Unwort des Jahres 2010 gewählt wurde. Damit erklärt sich auch bereits der Name für die spätere Partei Alternative für Deutschland, denn zahlreiche Ökonomen waren der Meinung, dass die praktizierte europäische Finanz- bzw. Rettungspolitik keineswegs alternativlos sei. Dabei spielte nahezu von Anfang an der Hamburger Professor für Volkswirtschaftslehre Bernd Lucke eine wichtige Rolle. Er initiierte im Herbst 2010 das Plenum der Ökonomen, in dem sich Wirtschaftswissenschaftler aus grundsätzlichen ordnungspolitischen Erwägungen auf einer sachlich-unpolitischen Grundlage gegen die Euro-Rettungspolitik aussprachen. Spätestens die Zustimmung des Bundestags zum europäischen Beschluss, die in der Krise geschaffenen Euro-Rettungsschirme zu verstetigen und den Europäischen Stabilitätsmechanismus als dauerhafte Maßnahme einzurichten, bestärkte Lucke und seine Mitstreiter in der Annahme, dass der politische Einfluss der Ökonomen zu gering war, um die Politik beeinflussen zu können. Insofern gab jener Beschluss von Mitte 2012 den Euro-Kritikern einen Politisierungsschub, der in der Gründung des Bündnis Bürgerwille Gestalt annahm. Diese Sammlungsbewegung verstand sich noch nicht als Partei, sondern als überparteilich. Sie kritisierte die Euro-Rettungspolitik und forderte, Entscheidungen über gesellschaftliche Grundfragen wie Währungsfragen und die Abtretung von Souveränitätsfragen von der unmittelbaren Zustimmung durch die Bürgerinnen und Bürger abhängig zu machen.[1] Dass die ordnungspolitische Kritik dieser beiden Organisationen an der Euro-Rettungspolitik nicht nur in Verbänden des Mittelstands, sondern auch in den etablierten Parteien auf Resonanz gestoßen war, verhalf den späteren AfD-Gründern zu einer breiten gesellschaftlichen Vernetzung und damit auch zu den finanziellen Ressourcen, die für eine Parteigründung notwendig waren. 

    Der nächste Schritt auf dem Weg zur AfD war im Herbst 2012 die Gründung der Wahlalternative 2013 als Verein, der selbst noch nicht an Wahlen teilnehmen wollte. Deshalb kooperierte man mit den Freien Wählern: Bei der niedersächsischen Landtagswahl Anfang 2013 kandidierten auf der Liste der Freien Wähler Lucke und der Publizist Konrad Adam, die zusammen Sprecher der Wahlalternative waren. Das Wahlergebnis von 1,1 Prozent war jedoch für alle Beteiligten eine Enttäuschung, die letztlich zu der Entscheidung führte, den Verein Wahlalternative 2013 in eine Partei fortzuentwickeln. 

    Mit dem bereits erwähnten Gründungsparteitag im April 2013 begann für die AfD eine Phase, in der die junge Partei in Umfragewerten aber auch Wahlergebnissen einen nahezu beispiellos raschen Aufstieg nahm - zumindest auf der bundespolitischen Ebene. In den Medien fand die Kritik der jungen Partei viel Aufmerksamkeit, was der AfD in den anstehenden Wahlkämpfen zugutekam. Bei der Bundestagswahl im September 2013 und der gleichzeitigen Landtagswahl in Hessen scheiterte sie noch knapp an der Fünfprozenthürde, aber schon bei der Wahl des Europäischen Parlaments im Mai 2014 gelang ihr mit 7,1 Prozent der abgegebenen Zweitstimmen ein beachtlicher Erfolg, der ihr sieben Abgeordnete im Europäischen Parlament bescherte. Die folgenden Landtagswahlen im Spätsommer 2014 fanden alle drei in ostdeutschen Bundesländern statt, in denen die AfD bereits bei der Bundestagswahl und der Europawahl Ergebnisse klar über fünf Prozent erzielt hatte. Aus dieser guten Ausgangslage heraus konnte die AfD den Erfolg der Europawahl noch überbieten: In Brandenburg und Thüringen erzielte sie Ergebnisse über 10 Prozent, in Sachsen lag sie nur knapp darunter. 

    Hatte vor allem im Wahlkampf zum Bundestag, aber auch zum Europäischen Parlament noch das Thema Eurokrise dominiert, so wurden die Schwerpunkte in den folgenden Landtagswahlkämpfen anders gesetzt. Familien-, Bildungs-, Energie- und Zuwanderungspolitik wurden von der AfD ebenso angesprochen wie - besonders in Sachsen - das Problem der Grenzkriminalität. 

    Von Beginn an begleitete die Partei der Vorwurf, eine rechtspopulistische Partei zu sein, was die Verantwortlichen, die schon zu Zeiten des Bündnisses Bürgerwillen darauf Wert gelegt hatten, sich von allen extremistischen oder radikalen politischen Strömungen zu distanzieren, stets bestritten. Aber schon der Parteislogan Mut zur Wahrheit suggeriert in populistischer Manier, dass die Altparteien, wie die im Bundestag vertretenen Parteien von AfD-Rednern gerne tituliert werden, das Volk belügen. Auch Wahlplakate, in denen man sich gegen eine Zuwanderung in die Sozialsysteme aussprach, zielten - auch wenn die Position im Kern von den anderen bürgerlichen Parteien geteilt wird - unterschwellig auf Wählerstimmen von Menschen mit rechten Einstellungsmustern. 

    Die Phase der Wahlerfolge wurde nach den Landtagswahlen 2014 jedoch sehr abrupt durch eine Phase schwerer innerparteilicher Konflikte und Führungsstreitigkeiten abgelöst, die letztlich zur Spaltung der Partei führten. Bei solchen innerparteilichen Problemen ist es auch in anderen Parteien oft so, dass sich personelle und inhaltliche Faktoren konfliktverschärfend verbinden. Bei der AfD kamen zwei Dinge zusammen: Erstens hatte die Partei zwar seit dem Gründungsparteitag drei gleichberechtigte Vorsitzende, aber Lucke, der bei der Parteigründung die treibende Kraft gewesen war, war eindeutig das Gesicht der Partei. Die Wahlerfolge der ostdeutschen Landesverbände führten jedoch dazu, dass deren Landesvorsitzende immer weniger bereit waren, Luckes dominante Führungsposition zu akzeptieren. Insbesondere zwischen der sächsischen Landesvorsitzenden Frauke Petry, die auf dem Berliner Gründungsparteitag neben Lucke und Adam zu einer von drei Parteisprechern gewählt worden war, und Lucke kam es zu einer wachsenden Rivalität um die Führung und die Ausrichtung der Partei. Zweitens wirkte die von Dresden ausgehende Protestbewegung Pegida als eine Art Katalysator der Konflikte in der AfD. Während Lucke und seine Anhänger in der Partei diese Bewegung für ausländerfeindlich, islamophob und nicht mehr bürgerlich hielten und auf Distanz bedacht waren, waren insbesondere die ostdeutschen Landesvorsitzenden der Meinung, die AfD müsse die politische Unzufriedenheit der Pegida-Anhänger ernst nehmen und aufgreifen. 

    Um die zeitnahe Eskalation der Konflikte in der Partei zu vermeiden, wurde auf dem Bremer Parteitag im Januar 2015 beschlossen, die Zahl der Parteivorsitzenden erst auf zwei zu reduzieren, dann aber bei einem zukünftigen Parteitag nur noch einen Vorsitzenden und mehrere Stellvertreter zu wählen. Zu diesem Zeitpunkt hatte es noch so ausgesehen, als sei es möglich, die inhaltlichen Differenzen und die persönliche Rivalität zwischen Lucke und Petry durch diesen Kompromiss zu entschärfen. 

    Doch die folgenden Monate zeigten, dass es nicht möglich war, zu einem Gleichgewicht der liberal- und nationalkonservativen Flügel zu gelangen. Im März bündelte die vom Thüringer Landesvorsitzenden Björn Höcke initiierte Erfurter Resolution die Vorwürfe gegen die aktuelle, von Lucke geprägte Parteilinie. Die Partei habe sich von bürgerlichen Protestbewegungen ferngehalten [...], obwohl sich tausende AfD-Mitglieder als Mitdemonstranten oder Sympathisanten an diesen Aufbrüchen beteiligen. Sie passe sich ohne Not mehr und mehr dem etablierten Politikbetrieb an.[2] Als Lucke und mehrere andere Gründer der AfD daraufhin im Mai 2015 im Gründungsaufruf des Weckrufs 2015 ungenannten Führungspersonen der AfD vorwarfen, zu versuchen, die politischen Ränder aufzuweichen und auch radikale Kräfte integrieren [zu] wollen, die grundsätzlich systemkritisch, fundamental-oppositionell und nationalistisch daherkommen,[3]waren die Weichen für die Parteispaltung fast schon gestellt. 

    Trotz der innerparteilichen Auseinandersetzungen gelang es der AfD, bei den Wahlen im Februar und Mai 2015 in weitere Landesparlamente einzuziehen. Sowohl in Hamburg als auch in Bremen übersprang die Partei die Fünfprozenthürde, konnte jedoch an ihre zweistelligen Werte aus den Wahlen im vorangegangenen Spätsommer nicht anknüpfen. 

    Auf dem Essener Parteitag (4./5. Juli 2015) kandidierten sowohl Lucke als auch Petry um das Amt des Ersten Sprechers bzw. der Ersten Sprecherin. Schon vor der eigentlichen Wahl wurde jedoch deutlich, dass Lucke in der Partei keine Mehrheit mehr hinter sich hatte. Folgerichtig entschied seine Rivalin Petry mit rund 60 Prozent der Stimmen die Abstimmung für sich. Damit sollte sie entsprechend den Beschlüssen des Bremer Parteitags ab Jahresende 2015 alleinige Vorsitzende der AfD werden. Bereits im Vorfeld des Essener Parteitages hatte eine Austrittswelle von zum Teil führenden AfD-Mitgliedern begonnen, die sich nach Luckes Niederlage beschleunigte. So traten in den Tagen nach dem Parteitag auch fünf der sieben AfD-Abgeordneten im EU-Parlament, darunter zwei Landesvorsitzende und Lucke selbst, aus der Partei aus. Die Begründung der Ausgetretenen, es habe in der AfD einen Rechtsruck gegeben, wird vom neuen Vorstand unter der Führung von Petry mit Verweis auf die unveränderte Programmatik der Partei bestritten. 

    Welches Ausmaß der Exodus annehmen wird, ob die von Lucke neugegründete Partei Alfa (Allianz für Fortschritt und Aufbruch) erfolgreich sein wird und was das für die AfD bedeutet, lässt sich aktuell noch nicht abschätzen. Die aktuelle politische Auseinandersetzung um die hohen Flüchtlingszahlen hat der AfD jedoch erneut ein politisches Großthema beschert, bei dem sie die Unzufriedenheit von Teilen der Bevölkerung mit der Politik aller Bundestagsparteien aufgreifen und zur eigenen Profilierung nutzen kann.

    Aktuelle Wahlergebnisse

    Wahlergebnisse bei den letzten Wahlen zu Landesparlamenten, dem Bundestag und dem Europäischen Parlament

    Bei nichtaufgeführten Wahlen ist die Partei nicht mit einer Landesliste o.ä. angetreten.

    1Hamburg: Landesstimmen (bis zu fünf Stimmen je Wähler)

    2Bremen: Personen- und Listenstimmen (bis zu fünf Stimmen je Wähler)

    Wählerschaft und Mitglieder

    Schon kurz nach ihrer Gründung hatte die AfD nach eigenen Angaben über 10.000 Mitglieder, am Ende des Gründungsjahres waren es über 17.000 und zum Zeitpunkt des Essener Bundesparteitages, als die Austrittswelle begann, wurde die Zahl mit rund 22.000 beziffert. Auch wenn sich das Wachstum nach 2013 deutlich abgeschwächt hat, zeugt die Mitgliederentwicklung von einem sehr dynamischen Aufbau der Partei. Bei diesem schnellen Anstieg war es allerdings kaum zu vermeiden, dass die neuen Mitglieder eine enorme Bandbreite politischer Einstellungen in die Partei einbrachten und sich ihr so vereinzelt auch frühere Mitglieder rechtsextremer oder rechtspopulistischer Parteien anschlossen, was sich im Hinblick auf die Abgrenzung nach rechts als problematisch erwies. Auffällig an der Mitgliedsstruktur der AfD ist ansonsten nur der extrem niedrige Anteil von Frauen (ca. 15 Prozent). 

    Hinsichtlich der AfD-Wähler sind die Daten zur Wählerwanderung aufschlussreich, denn sowohl nach Alter, Geschlecht und Berufsgruppen ist die Wählerschaft der Partei relativ homogen bei einer leichten Überrepräsentanz von jüngeren Wählern und Arbeitern. Die Partei hat von allen Parteien - mit Ausnahme der Grünen - Wähler gewinnen können, am meisten von den Unionsparteien und der FDP, aber bei den ostdeutschen Landtagswahlen auch in hohem Maße von der Linken. In Brandenburg etwa, wo die AfD ihr bislang bestes Ergebnis erzielen konnte, hatten etwa 20.000 ihrer Wähler bei der vorherigen Wahl Die Linke gewählt, aber nur 18.000 die CDU. Insbesondere bei diesen Landtagswahlen konnte die AfD auch von anderen kleinen Parteien, etwa den Freien Wählern, in beträchtlichen Ausmaß Wähler gewinnen. Nicht nur die weltanschaulich unterschiedliche Herkunft der AfD-Wähler deutet darauf hin, dass es der Partei gelungen ist, die unzufriedenen Wähler der anderen Parteien aufzusaugen, sondern auch Umfragen verdeutlichen dies: So stimmte ein hoher Anteil von AfD-Wählern der Aussage zu, die Partei aus Enttäuschung über die anderen Parteien gewählt zu haben. Offenbar stellte die Alternative in ihrem Parteinamen eine diffuse Projektionsfläche für diese verschiedenen Unzufriedenen dar. Auffällig ist, dass bei Landtagswahlen, bei denen das Euro-Rettungspolitik thematisch nicht im Vordergrund stehen konnte, das Thema Flüchtlingspolitik für die AfD-Wähler eine sehr viel höhere Bedeutung hatte als für die Wählerschaft insgesamt. Das gilt auch für westdeutsche Bundesländer und deutet darauf hin, dass die Kritik der Nationalkonservativen in der AfD, die Partei dürfe dieses Thema nicht vernachlässigen, zumindest wahlstrategisch nicht unberechtigt ist. 

    Organisationsstruktur

    Der schnelle Aufbau von Parteistrukturen hat immer wieder Probleme für die AfD nach sich gezogen. Zwar ist es in sehr kurzer Zeit gelungen, den im Parteiengesetz vorgeschriebenen vertikalen Parteiaufbau mit Orts-, Kreis- und Landesverbänden, einem Jugendverband (Junge Alternative) und anderen Untergliederungen zu schaffen. Aber dabei wurden immer wieder Personen in Führungspositionen gewählt, die sich schon bald als ungeeignet für Führungsaufgaben herausgestellt haben oder wegen früherer politischer Tätigkeiten belastet waren. In Thüringen beispielsweise, einem Bundesland, in dem die überwiegende Bevölkerungsmehrheit konfessionslos ist, gehörte der erste Landesvorsitzende einer kleinen evangelikalen Glaubensgemeinschaft an, so dass bald Vorwürfe laut wurden, er nutze das Parteiamt, um zu missionieren. Wenige Monate vor der Landtagswahl 2014 wurde er abgewählt. In Hessen wurde ein Landesvorsitzender abgelöst, weil er verschwiegen hatte, zuvor bei der Partei Die Republikaner zu einer Zeit Parteiämter innegehabt zu haben, als die Partei vom Verfassungsschutz noch als rechtsextrem eingestuft worden war. Der letztgenannte Fall ist typisch für ein generelles Organisationsproblem der AfD. Sie ist bestrebt, sich von extremistischen Parteien zu distanzieren und hat in ihrer Satzung festgeschrieben, dass Personen, die Mitglieder extremistischer Organisationen waren, nur dann in die AfD aufgenommen werden können, wenn sie darüber Auskunft geben und sich der zuständige Landesvorstand mit Zweidrittelmehrheit für die Aufnahme ausspricht. Eine Partei, die sich mit liberal- und nationalkonservativen Inhalten rechts der Unionsparteien positioniert, bleibt trotz aller Abgrenzungsbemühungen für Menschen mit rechten Einstellungsmustern attraktiv. Daher ist es verständlich, dass die Auswahl der Parteien, bei denen auch eine frühere Mitgliedschaft eine Unvereinbarkeit darstellen würde, immer wieder Anlass für parteiinterne Konflikte gibt. 

    Eine dem direkt-demokratischen Anspruch geschuldete Besonderheit der AfD ist, dass Parteitage sowohl auf Bundes- wie auch auf Landesebene entweder als Delegierten- oder als Mitgliederparteitage durchgeführt werden können. Das hat dazu geführt, dass Ablauf und Willensbildung von Parteitagen zuweilen wenig vorhersehbar waren - ähnlich wie bei der weltanschaulich ganz anders verorteten Piratenpartei. 

    Eine weitere Besonderheit ist, dass die AfD in der Gründungsphase noch nicht auf Mittel der staatlichen Parteienfinanzierung zugreifen konnte und deshalb zu ihrer Finanzierung auf ihre Mitglieder und auf einzelne Großspender bzw. Kreditgeber angewiesen war. Insbesondere der zur Finanzierung des Europawahlkampfs dienende Millionen-Kredit des späteren Europa-Abgeordneten Hans-Olaf Henkel erregte 2014 ein gewisses Aufsehen. Darüber hinaus versucht die AfD durch den Verkauf von Goldmünzen und -barren Einnahmen im Sinne des Parteiengesetzes zu erwirtschaften und zugleich darauf anzuspielen, dass Gold in Zeiten der Eurokrise wertbeständig sei.[4]

    Programm und inhaltliche Positionen

    Die Eurokrise als der zentrale Gründungsimpuls der AfD nimmt in den Politischen Leitlinien der AfD (2014) breiten Raum ein. Sie wird von der Partei als Ursache einer Beschädigung der Demokratie, des Rechtsstaats, der Gewaltenteilung, der sozialen Marktwirtschaft und der europäischen Idee selbst wahrgenommen. Vor allem der letzte Punkt betont, dass die AfD keineswegs anti-europäisch ist, sondern beispielsweise den europäischen Binnenmarkt befürwortet. Der Gegenstand der Kritik ist in erster Linie die Währungsunion in ihrer heutigen Form, die die AfD für wirtschaftlich falsch hält und aus der sie Deutschland herausführen will. Höchstens ein Nord-Euro als Währungsunion von ähnlich leistungsfähigen Ökonomien Nord- und Mitteleuropas hält man für akzeptabel. Eng verbunden mit der Forderung, den Euro abzuschaffen bzw. aus dem Euro auszusteigen, ist der Appell, das Volk selbst entscheiden zu lassen. Denn die Euro-Rettungspolitik wird als undemokratische Politik einer Elite betrachtet, die mehr den Tabus einer political correctness als dem Volkswillen verpflichtet sei. Neben den programmatischen Punkten, die sich im engeren Sinne mit der Eurokrise beschäftigen, entwickelte die AfD rasch eine breite Programmatik und kann nicht als eine Ein-Themen-Partei bezeichnet werden. So findet sich in der AfD-Programmatik eine Reihe von Forderungen, die eher an wirtschaftsliberale Parteien erinnern, etwa ein Bürokratie- und Subventionsabbau sowie die Vereinfachung des Steuer- und Krankenversicherungssystems. Auch die Forderung, die Einwanderungsgesetze an den Bedürfnissen der Wirtschaft nach Fachkräften zu orientieren, ist eher wirtschaftsliberaler Natur. Dass es der AfD dabei nicht um eine nationalstaatliche Abschottung geht, zeigt auch, dass sie selbst das in der deutschen Öffentlichkeit umstrittene Freihandelsabkommen mit den USA (TTIP) nicht in Gänze ablehnt. 

    Dagegen drücken sich in der Familienpolitik, die am traditionellen Leitbild der Eltern-Kinder-Familie orientiert ist und die demographische Nachhaltigkeit zum Ziel hat, in der scharfen Ablehnung des Gender Mainstreamings, das angeblich auf die Aufhebung der Geschlechteridentitäten ziele, sowie in dem wiederholten Bekenntnis zur abendländischen Kultur - lange vor der Entstehung von Pegida - eher konservative Werte aus. Die AfD bekennt sich in ihren Politischen Leitlinien zum Asylrecht und zu einer menschenwürdigen Behandlung von Flüchtlingen, wozu auch das Recht gehöre, für seinen Lebensunterhalt zu arbeiten. Abgelehnt wird dagegen die Zuwanderung in die deutschen Sozialsysteme - auch aus Ländern der EU

    In den Politischen Leitlinien, die 2014 in einer Mitgliederabstimmung mit großer Mehrheit angenommen wurden, finden sich Ansichten des liberal-konservativen und des national-konservativen Parteiflügels in gleicher Weise wieder. Die bis zur Parteispaltung führenden, aktuellen Konflikte zwischen den beiden Gruppierungen haben mehr mit unterschiedlichen Prioritäten, Politikstilen und Machtinteressen zu tun als mit programmatischen Differenzen.

    Literatur

    Bebnowski, David, Die Alternative für Deutschland. Aufstieg und gesellschaftliche Repräsentanz einer rechten populistischen Partei, Wiesbaden 2015.

    ders./Kumkar, Nils, 'Jeder hat Angst, seinen Besitzstatus zu verlieren'. Die Anti-Euro-Proteste, in: Stine Marg/Lars Geiges/Felix Butzlaff/Franz Walter (Hrsg.), Die neue Macht der Bürger. Was motiviert die Protestbewegungen?, Bonn 2013, S. 217-247.

    Häusler, Alexander, Die rechten Mut-Bürger : Entstehung, Entwicklung, Personal & Positionen der Alternative für Deutschland, Hamburg 2015.

    Kemper, Andreas, Keimzelle der Nation? Familien- und geschlechterpolitische Positionen der AfD - eine Expertise, Berlin 2014.

    ders., Keimzelle Teil 2: Wie sich in Europa Parteien und Bewegungen für konservative Familienwerte, gegen Toleranz und Vielfalt und gegen eine progressive Geschlechterpolitik radikalisieren, Berlin 2014.

    Niedermayer, Oskar, Eine neue Konkurrentin im Parteiensystem? Die Alternative für Deutschland, in: ders. (Hrsg.), Die Parteien nach der Bundestagswahl 2013, Wiesbaden 2014, S. 175-207.

    Plehwe, Dieter/ Schlögl, Matthias, Europäische und zivilgesellschaftliche Hintergründe der euro(pa)skeptischen Partei Alternative für Deutschland (AfD), Berlin 2014 (WZB Discussion Paper).

    Webseite (Programmatischen Leitlinien und Satzung): www.alternativefuer.de

    Fußnoten

    1.

    Gründungsaufruf Bündnis Bürgerwille, http://www.buendnis-buergerwille.de/index.php?id=190 (aufgerufen am 7. Juli 2015).

    2.

    Erfurter Resolution (http://derfluegel.de/erfurterresolution.pdf, abgerufen am 26. April 2015).

    3.

    Gründungsaufruf Weckruf 2015 (http://www.weckruf2015.de/gruendungsaufruf, abgerufen am 7. Juli 2015).

    https://www.afd-gold.de/aktion.html (abgerufen am 5. Juli 2015).

    Alternative für Deutschland

    Die Alternative für Deutschland (abgekürzt AfD) ist eine politische Partei

    in Deutschland. Sie wurde als Reaktion auf die Euro-Rettungspolitik am 6.

    Februar 2013 in Berlin gegründet. Sie gewann bei der Europawahl 2014

    erstmals überregionale Mandate und zog 2014 in die Landesparlamente von

    Sachsen, Brandenburg, Thüringen, 2015 in jene von Hamburg und Bremen sowie

    2016 in jene von Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz ein.

    Parteisprecher waren bis Juli 2015 die Bundesvorstandsmitglieder Bernd

    Lucke, Frauke Petry und Konrad Adam. Nach einem monatelangen

    innerparteilichen Machtkampf wurden Frauke Petry und Jörg Meuthen als

    gleichberechtigte Parteivorsitzende gewählt. Daraufhin spaltete sich der

    bereits zuvor auf Initiative von Lucke gegründete Weckruf 2015 ab und es

    entstand die Partei Allianz für Fortschritt und Aufbruch.

    Politikwissenschaftler verorten die AfD seit 2014 im politischen Spektrum

    rechts von den Unionsparteien und bezeichnen sie überwiegend als

    rechtspopulistisch oder rechtspopulistisch beeinflusst. Der Führungswechsel

    der Partei im Juli 2015 wurde als Rechtsruck und Sieg des

    nationalkonservativen über den wirtschaftsliberalen Parteiflügel

    eingestuft. Einige Wissenschaftler erkennen seither bei Teilen oder

    bestimmten Führungspersonen der AfD auch rechtsextreme beziehungsweise

    völkische Tendenzen.

    Inhaltliches Profil

    Auf ihrem Gründungsparteitag am 14. April 2013 beschloss die AfD ein

    Wahlprogramm, das vor allem die Auflösung des Euroraums behandelte. Der

    Euro sei gescheitert und gefährde die europäische Integration wie den

    Völkerfrieden durch Verarmung der Länder mit nicht wettbewerbsfähigen

    Volkswirtschaften und belaste künftige Generationen. Es wurde die

    Rückverlagerung von Kompetenzen der EU an die Mitgliedstaaten und mehr

    direkte Demokratie gefordert. Weitere Themen waren im Gründungsjahr eine

    Steuerreform nach dem Vorbild Paul Kirchhofs sowie eine großzügigere

    Asylpolitik auf Kosten einer restriktiveren Einwanderungspolitik.¹⁰ ¹¹ Auf

    einem Parteitag im März 2014 beschloss die Partei ein ausführliches

    Europawahlprogramm.¹²

    In einer Mitgliederabstimmung wurden 2014 mit großer Mehrheit politische

    Leitlinien¹³ angenommen. Darin wird die Euro-Krise als schädlich für

    Demokratie, Rechtsstaat und soziale Marktwirtschaft sowie für die

    europäische Idee selbst beschrieben.¹⁴ Ein Strategiepapier des

    Bundesvorstandes zur Programmarbeit stellte auch Themen wie Asyl- und

    Ausländerpolitik, sowie Islamismus in den Vordergrund der politischen

    Arbeit.¹⁵ Auf dem Bundesparteitag in Hannover im November 2015 wurden

    weitere Resolutionen zur Asyl-, Euro- und Außenpolitik, zum Waffenrecht und

    zur Syrienfrage verabschiedet.¹⁶

    Auf einem Mitgliederparteitag am 30. April und 1. Mai 2016 in Stuttgart

    verabschiedeten etwa 2000 Mitglieder der Partei ein Grundsatzprogramm.¹⁷

    Europapolitik

    Europäische Finanzpolitik

    Kernforderung ist „eine geordnete Auflösung des Euro-Währungsgebietes" und

    „die Wiedereinführung nationaler Währungen oder die Schaffung kleinerer und

    stabilerer Währungsverbünde". Dazu solle durch Änderung der europäischen

    Verträge jedem Euro-Mitgliedstaat das freiwillige Ausscheiden aus dem

    Währungsverbund ermöglicht werden. Druck könne dabei durch eine Blockade

    der Hilfskredite aus dem Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) über den

    Deutschen Bundestag ausgeübt werden. Viel mehr als bisher sollen die

    Gläubiger der Staaten über einen Schuldenschnitt haften, wobei die

    Gläubiger selbst wiederum nicht in den Genuss von Hilfszahlungen kommen.¹⁸

    ¹⁹

    In ihrer Resolution zur Europolitik forderte die AfD im November 2015

    erneut eine „geordnete Auflösung der Eurozone". Eine gemeinsame Währung

    Deutschlands sei nur mit denjenigen Mitgliedstaaten der EU denkbar, die

    eine „gleiche Stabilitätskultur und währungspolitische Grundhaltung"

    aufwiesen.²⁰

    Allgemeine Europapolitik

    Die AfD sieht sich nicht als „eine Anti-EU-Partei" und richtet sich laut

    eigenen Aussagen nicht grundsätzlich gegen die Europäische Union.²¹ Sie

    befürwortet den gemeinsamen Binnenmarkt und will das Budgetrecht der

    nationalen Parlamente erhalten. Eine „Transferunion" und einen

    „zentralisierten Europastaat" lehnt sie ab. Die Rechtsetzungskompetenz in

    einigen Bereichen soll zurück zu den nationalen Parlamenten verlagert

    werden. Darüber hinaus möchte die Partei im Einklang mit dem britischen

    Premierminister David Cameron die EU durch mehr Eigenverantwortung

    wettbewerbsfähiger machen.¹⁸ ²² Dazu wurde im April 2013 eine mögliche

    europapolitische Zusammenarbeit mit der Conservative Party besprochen.²³

    Für den Fall, dass Hoheitsrechte der Bundesrepublik Deutschland an die EU

    abgegeben werden sollen, fordert die Partei Volksabstimmungen nach

    Schweizer Vorbild.¹⁸ ²²

    Innenpolitik

    Energiepolitik

    Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) soll abgeschafft werden. Subventionen

    für alternative Energien sollten klar kenntlich gemacht aus dem allgemeinen

    Steueraufkommen finanziert werden. Eine dauerhafte Subventionierung der

    Energieerzeugung jeglicher Art dürfe es nicht geben.¹⁸ ¹⁹ ²⁴

    Die Energiepolitik sei primär eine Angelegenheit der Nationalstaaten. Eine

    europäische Zusammenarbeit sei jedoch in einigen Energiebereichen wie

    Leitungsnetze und Energiespeicher sinnvoll und notwendig. Die Forschung an

    innovativen Technologien, die fossile Energieträger ablösen können, solle

    gefördert werden. Auch Speichertechnologien sollen unterstützt werden.

    Einseitige Zielvorgaben für den Ausbau erneuerbarer Energien und der

    Energieeffizienz nach 2020 ohne Einbezug anderer hochindustrialisierter

    Länder lehnt die Partei ab.¹²

    Arbeits-, Sozial-, Finanz- und Steuerpolitik

    Die AfD befürwortet den Europäischen Binnenmarkt. Sie setzt sich für eine

    nachhaltige Wirtschafts- und Sozialpolitik ein, die sich an den Leitlinien

    der Sozialen Marktwirtschaft Ludwig Erhards orientiert.²⁵ Die Arbeits- und

    Sozialpolitik solle zu den nationalen Aufgaben der Mitgliedstaaten gehören.

    Die Partei befürwortet eine soziale Absicherung für Geringverdiener. Ein

    gesetzlich festgelegter, flächendeckender Mindestlohn könne diese

    Absicherung jedoch nicht leisten und gefährde zudem Arbeitsplätze. Die

    Partei fordert, dass der Staat die soziale Unterstützung in Form von

    Einkommensbeihilfen bereitstellt.¹²

    Finanzpolitisch strebt die Partei den Abbau der Staatsverschuldung

    Deutschlands an. Haftungsrisiken aus Bürgschaften wie bei den Euro- und

    Bankenrettungsmaßnahmen sollen in der Finanzplanung ausgewiesen werden. Das

    Steuerrecht soll, etwa nach dem Vorbild des Kirchhof-Modells, vereinfacht

    werden.¹⁸ ¹⁹ Die Höhe der Renten in der gesetzlichen Rentenversicherung

    soll langfristig garantiert werden.

    Gesundheitspolitik

    Harmonisierungen auf EU-Ebene im Gesundheitswesen sollen weitgehend

    abgelehnt und auf Maßnahmen bei grenzüberschreitenden Gesundheitsgefahren

    sowie eine gemeinsame Arzneimittelzulassung beschränkt werden. Auch soll

    ein einheitliches Preisreferenzsystem eingeführt werden, um Kosten zu

    senken. Die Effektivität und Attraktivität der Gesundheitsberufe durch

    Maßnahmen wie Bürokratieabbau, Netzwerkbildungen und die Einführung

    leistungsgerechter Bezahlung sei in jedem Land eigenverantwortlich

    anzuheben.¹²

    Familien- und Geschlechterpolitik

    Die AfD vertrete (erz-)konservativ-antifeministische Positionen in der

    Geschlechterpolitik, wie Jasmin Siri (2016) und in anderen Arbeiten Andreas

    Kemper herausarbeiteten. Man lehne Gleichstellungspolitik ab und stütze

    sich dabei u. a. auf christlich-fundamentalistische und völkische

    Vorstellungen. In diesem Kontext gebe es Anschlussfähigkeit an die extreme

    Rechte.²⁶ In der Familien- und Geschlechterpolitik gebe es ein

    Auseinanderfallen von moderaterer Programmatik und radikalerer Agitation.²⁷

    Fragen der Demographie erachte die AfD als relevant.²⁸ Sie trete für die

    traditionelle Familie von Mann und Frau ein, wende sich gegen die

    Frauenquote und eine Art Aufhebung der Geschlechtsidentität.²⁸ Ein

    ambivalentes Bild zeichne die Partei hinsichtlich der Gleichstellung und

    der Wahlfreiheit von Lebensmodellen. Das Gender Mainstreaming werde

    abgelehnt²⁹ und man unterscheide zwischen Gleichberechtigung und

    Gleichstellung, wobei Letzteres abgelehnt wird.³⁰ Die AfD falle durch

    Kampagnen wie „Stoppt den Gender-Wahn" in den Sozialen Medien auf.³¹

    Andreas Kemper (2016) unterscheidet in diesem Kontext drei Flügel:

    „neoliberale, christlich-fundamentalistische und nationalkonservative".³²

    Gender-Mainstreaming werde also entsprechend aus finanziellen,

    bevölkerungsbiologischen (wobei es Überschneidungen mit der NPD gebe) und

    antifeministischen Motiven heraus von der Gesamtpartei abgelehnt. In der

    Praxis sei die Zivile Koalition von Beatrix von Storch am „politisch

    wirksamsten".³³ Daneben gebe es den dezidiert

    christlich-fundamentalistischen Arbeitskreis Christen in der AfD bzw.

    Pforzheimer Kreis.³⁴ Anknüpfungspunkte finden auch Teile der

    „Lebensschutz"-Bewegung, deren Einfluss auf die Partei vor allem in den

    südöstlichen Landesverbänden und in Baden-Württemberg spürbar sei.³⁵ Das

    Grundsatzprogramm der AfD fordert ein Ende der Aussetzung der

    Wehrpflicht.³⁶

    Bildungspolitik

    Die Bildungspolitik für Schulen, für die Berufsausbildung und für die

    Hochschulen müsse in nationaler Kompetenz verbleiben und auf lokale

    Traditionen und Bedürfnisse ausgelegt sein. Die Partei fordert jedoch

    bundesweit einheitliche Bildungsstandards, die sich an den Leistungen der

    besten Schulsysteme orientieren.³⁷ Die Rückkehr zu Diplom- und

    Staatsexamensstudiengängen solle möglich sein. Es sei Aufgabe des Staates,

    Eltern bei Bildung und Erziehung ihrer Kinder zu unterstützen. Die

    Verfügbarkeit von Kindertagesstätten und Schulen müsse dies sinnvoll

    ergänzen.¹⁸

    Migrations- und Asylpolitik

    Die Positionen in der Migrationspolitik seien ambivalent, es läge ein

    konservatives und ein neoliberales Verständnis³⁸ zugrunde: Einerseits werde

    betont, wie wichtig die Niederlassungsfreiheit, aber auch

    Arbeitnehmerfreizügigkeit³⁹ in Europa sei; „qualifizierte" und

    „integrationswillige" Zuwanderung nach kanadischem Vorbild³⁹ werde bejaht.

    Andererseits knüpfe man an „rassistisch konnotierte Diskurse" an, wie Jonas

    Fedders (2016) herausarbeitete.⁴⁰ Die AfD fordere „klare Kriterien" für

    Einwanderung, eine „Zuwanderung in die deutschen Sozialsysteme" lehne man

    ab.³⁹ Nur wer Sozialversicherungsbeiträge bezahle, könne auch Nutznießer

    von Arbeitslosen- und Kindergeld sein.³⁹ Jedoch sollte Asylsuchenden in

    Deutschland ein Arbeitsrecht gewährt werden.³⁹

    Als Reaktion auf die stark steigenden Flüchtlingszahlen legte der

    Bundesvorstand Anfang September 2015 ein Strategiepapier zur Migrations-

    und Asylpolitik vor. Darin fordert die Partei die Wiedereinführung von

    Kontrollen an den deutschen Grenzen, ein 48-Stunden-Asylverfahren in

    Grenznähe und die Abschaffung des sogenannten „Taschengelds" für

    Asylbewerber. Zudem sollen Menschen aus Staaten, die als sichere

    Herkunftsländer eingestuft werden, keinen Asylantrag mehr stellen dürfen.⁴¹

    Im November 2015 verabschiedete der Bundesparteitag eine Resolution, in der

    die Partei eine Unterordnung des Asylrechts unter die Sicherheit des

    Staates und seiner Bevölkerung forderte, sowie Obergrenzen bei der Aufnahme

    von Flüchtlingen und eine Abschaffung des Familiennachzugs.⁴²

    Infrastruktur

    Die EU-Mitgliedstaaten sollen für ihre Infrastruktur selbst zuständig sein.

    Die Entscheidung, ob Güter der sogenannten Daseinsvorsorge (z. B.

    Wasserversorgung) in öffentlicher oder privater Verantwortung anzubieten

    sind, solle vor Ort entschieden werden. Das Gemeinwohl solle bei der

    Infrastruktur Vorrang vor Privatinteressen haben.

    Die abgeschafften Grenzkontrollen sollen nicht durch neue

    zwischenstaatliche Barrieren ersetzt werden. Mautgebühren werden abgelehnt.

    Die Kosten von Straßen und Autobahnen würden in den meisten Ländern bereits

    über Mineralöl‐ und Kfz-Steuern abgedeckt werden.¹²

    Islam

    Laut dem Grundsatzprogramm der AfD gehört der Islam nicht zu Deutschland.

    Die Partei fordert insbesondere ein Verbot von Minaretten, des Muezzinrufs

    und der Vollverschleierung. Ähnlich dem französischen Modell sollen im

    öffentlichen Dienst keine Kopfbedeckungen, in der Öffentlichkeit keine

    Burkas oder Niqabs erlaubt sein. Die AfD bekennt sich zur absoluten

    Glaubensfreiheit, diese müsse jedoch gesetzes- und menschenrechtskonform

    ausgelebt werden. Muslime, welche rechtstreu und integriert sind, seien als

    akzeptierte Mitglieder der Gesellschaft anzusehen. Verfassungsfeindlichen

    Vereinen soll der Bau und der Betrieb von Moscheen untersagt werden, ebenso

    wie die Auslandsfinanzierung durch islamische Staaten oder private

    Geldgeber. Zudem müssten Imame in Deutschland an Universitäten in deutscher

    Sprache ausgebildet werden.⁴³ ⁴⁴

    Direkte Demokratie

    Nach Ansicht der Partei sind die „etablierten Parteien" zu mächtig

    geworden. Die AfD setze sich für mehr direkte Demokratie und eine stärkere

    Beteiligung der Bürger an wichtigen Entscheidungen ein und fordert

    Volksabstimmungen und -initiativen nach Schweizer Vorbild. Europa stünde

    heute besser da, wenn die Einführung des Euros auch den deutschen Wählern

    zur Entscheidung hätte vorgelegt werden müssen.¹² ³⁷

    Umwelt- und Landwirtschaftspolitik

    In der Umweltpolitik sieht die Partei wissenschaftliche Untersuchungen zur

    langfristigen Klimaentwicklung durch CO₂-Emissionen als

    „unsicherheitsbehaftet" an. Dieses globale Problem könne nur durch ein

    koordiniertes Vorgehen aller großen Wirtschaftsnationen gelöst werden,

    weshalb sie in dieser Frage nationale und europäische Alleingänge ablehnt.

    Aus Gründen der Vorsorge könne durch internationale Abkommen eine graduelle

    Reduktion von CO₂-Emissionen vereinbart werden.¹² ²⁴ Diese müssten jedoch

    ausschließlich durch marktwirtschaftliche und technologieneutrale

    Instrumente wie z. B. CO₂-Zertifikate erfolgen. Ein solches

    Zertifikatesystem müsse sich daran orientieren, was für Haushalte und

    Unternehmen finanziell tragbar sei. Aufgabe der EU sei es zudem,

    Umweltdumping zu verhindern.¹²

    Die Partei will der bäuerlichen Landwirtschaft die Möglichkeit eröffnen,

    sich ohne Produktionsbeihilfen ein ausreichendes Einkommen zu sichern. Sie

    fordert u. a. eine umfassende Reform der gemeinsamen EU-Agrarpolitik mit

    dem Ziel, Subventionen deutlich zu reduzieren. Die Entscheidung über den

    Anbau genmanipulierter Landwirtschaftsprodukte (z. B. Genmais) solle in der

    Verantwortung der Mitgliedstaaten bleiben.¹²

    Datenschutz

    Jeder Bürger solle das Recht haben, über seine personenbezogenen Daten –

    insbesondere deren Preisgabe, Speicherung, Verwendung und Löschung – selbst

    zu bestimmen. Die Partei fordert zudem eine hochwertige

    Verschlüsselungstechnik, um die Speicherung und Übertragung digitaler Daten

    von Bürgern und Unternehmen zu schützen. Die Partei widersetzt sich

    Bestrebungen, den Bargeldverkehr abzuschaffen und durch ausschließlich

    elektronische Bezahlsysteme zu ersetzen.¹²

    Der Transfer von großen Mengen Daten europäischer Bürger an die

    Sicherheitsbehörden der Vereinigten Staaten und anderer nichteuropäischer

    Staaten sei zu beenden. Dies gelte insbesondere für Fluggastdaten und

    Auslandsüberweisungen aufgrund des SWIFT-Abkommens.¹²

    Außen- und Europapolitik

    Nach Dieter Plehwe (2016) vertrete die Partei eine „neue rechtsliberale"

    Politik, die auf die Kritik der Verträge von Maastricht zurückgehe.⁴⁵

    Ein vollumfängliches und aussagekräftiges außenpolitisches Programm der AfD

    liegt bisher nicht vor. Mit Ausnahme des Bekenntnisses zur NATO erschöpfe

    man sich in europapolitischer Programmatik. Schwerpunkt der AfD liege auf

    dem Nationalstaat.⁴⁶ Anfangs sei die Partei vor allem durch Euro- und

    Europakritik aufgefallen.⁴⁷ Es lassen sich die Forderung nach einem

    Euro-Austritt Deutschlands festmachen⁴⁸ Weiterhin lehne die Partei eine

    gemeinsame Haftung der Eurozone ab und stehe für eine Renationalisierung.⁴⁹

    Die „euroskeptische Partei" zeichne eine Bild der Europäischen Union von

    „mangelnder Legitimation".⁵⁰ Marcel Lewandowsky (2016) fasst vier zentrale

    Dichotomien der Europa- und Außenpolitik der Partei zusammen:⁵¹ ⁵²

    - „Souveräne Nation versus europäischer Überstaat"

    - „Subsidiarität versus Brüsseler Zentralismus"

    - „Bürger versus Eliten"

    - „Deutsche Zahler – Ausländische Nehmer"

    Das sogenannte „Bismarck-Papier" zeige, welche Positionen in der AfD „sag-

    und verhandelbar" sind. Die außenpolitische Konzeption der Partei sei im

    Ergebnis populistisch zu nennen, weil sie sich gegen Eliten wende und „die

    Krise der eigenen, nationalen Identität und Souveränität" postuliert

    werde.⁵³

    Das Grundsatzprogramm fordert einen Abzug ausländischer Truppen aus

    Deutschland und eine NATO-Strategie, die sich vermehrt nach deutschen

    Interessen richtet.³⁶

    Parteistruktur

    Die Organisationsstruktur der Alternative für Deutschland ist gegliedert in

    Bundesverband, Landesverbände und Unterverbände.

    Bundesvorstand

    Landesverbände

    Die AfD hat Landesverbände in 16 deutschen Ländern. Die Vorsitzenden der

    AfD-Landesverbände werden in einigen Ländern Landessprecher genannt.

    Unterverbände

    Neben den Landesverbänden existieren Bezirksverbände, Kreisverbände und

    Stadtverbände. Wenn ein Landesverband keine Bezirksverbände besitzt, gibt

    es dort statt Bezirksverbänden nur Kreisverbände und gegebenenfalls

    Stadtverbände. Des Weiteren gibt es innerparteiliche Vereinigungen.

    Mitglieder

    Die Partei verzeichnete nach ihrer Gründung einen regen Zulauf von

    Mitgliedern. Schon 18 Tage nach der Freischaltung ihrer Webseite hatte die

    Partei nach eigenen Angaben über 5.000 Mitglieder. Nach sieben Wochen waren

    es bereits 10.000 Mitglieder.⁵⁸ Nach Eigenangaben waren von den damals

    10.476 registrierten Mitgliedern zuvor 2.795 in anderen Parteien Mitglied:

    1.008 in der CDU, 587 in der FDP, 558 in der SPD, 220 in der CSU, 143 in

    der Piratenpartei und 106 bei Bündnis 90/Die Grünen.⁵⁹ Es gab zudem

    Übertritte aus den Freien Wählern. So traten große Teile des Berliner

    Landesverbandes einschließlich des Landesvorsitzenden der neuen Partei bei.

    Später kamen auch einige Hamburger Parteimitglieder dazu, darunter der

    spätere Landesvorsitzende Jörn Kruse.⁵⁸ Bis September 2013 traten nach

    Schätzungen von René Stadtkewitz zudem etwa 350 Mitglieder aus der Partei

    Die Freiheit zur AfD über.⁶⁰ Von diesen nahmen einige Spitzenpositionen in

    der AfD ein; darunter der bereits 2012 aus der Partei ausgetretene

    zeitweilige AfD-Landesvorsitzende von Mecklenburg-Vorpommern.⁶¹ Durch

    Übertritte erhielt die AfD kurzzeitig einen fraktionslosen Mandatsträger im

    hessischen Landtag⁶² und einige Mandate in Stadträten. Mit Stand vom Mai

    2013 waren etwa 14 Prozent der Mitglieder Frauen; das Durchschnittsalter

    der AfD-Mitglieder lag bei 51 Jahren.⁶³

    Seit Sommer 2014 berichteten Medien häufiger über Austritte von

    Parteimitgliedern, vor allem Angehörigen des liberalen Flügels, die wegen

    eines angeblichen Rechtsrucks in der AfD austraten.⁶⁴ Zum Beispiel nannte

    Martina Tigges-Friedrichs, die 2013 für fünf Wochen stellvertretende

    Vorsitzende der AfD Niedersachsen gewesen war, zunehmende Islamophobie als

    Austrittsgrund.⁶⁵ ⁶⁶ Michaela Merz, bis Anfang Februar 2014

    Vorstandssprecherin der AfD Thüringen,⁶⁷ trat im September,⁶⁸ Sebastian

    Moll im Oktober 2014 aus der AfD aus.⁶⁹

    Der Parteigründer Bernd Lucke trat nach dem Essener Parteitag im Juli 2015

    aus der AfD aus. Als Begründung nannte er eine Zunahme islam- und

    ausländerfeindlicher Ansichten in der AfD, eine „antiwestliche, dezidiert

    prorussische außen- und sicherheitspolitische Orientierung" sowie

    verstärkte Tendenzen, „bezüglich unserer parlamentarischen Demokratie die

    ‚Systemfrage' zu stellen".⁷⁰ Lucke erklärte, er habe die Menge der

    Mitglieder zu spät erkannt, „die die AfD zu einer Protest- und

    Wutbürgerpartei umgestalten wollen".⁷¹ Kritische Kommentatoren erinnerten

    demgegenüber an Luckes bisherigen Kurs, auch um Wähler am rechten Rand zu

    werben, Thilo Sarrazin für die AfD zu vereinnahmen, um mit diesem

    „Tabubruch" Medienbeachtung und Zustimmung in der Bevölkerung zu erhalten,

    und mit Rechtspopulisten zusammenzuarbeiten.⁷²

    Nach Luckes Abwahl kam es zu einer Austrittswelle: Bis zum 10. Juli 2015

    traten über 2.000 Mitglieder aus der AfD aus.⁷³ Darunter waren die

    ehemaligen Bundesvorstandsmitglieder Hans-Olaf Henkel, der „einen scharfen

    Rechtskurs sowie „Pöbelei, Protest und das Verbreiten von Vorurteilen bei

    der AfD-Mehrheit beklagte,⁷⁴ Joachim Starbatty,⁷⁵ Ulrike Trebesius und

    Bernd Kölmel.⁷⁶ Ferner verließen weitere Funktionsträger die AfD, darunter

    Alexander Dilger,⁷⁷ Piet Leidreiter,⁷⁸ Klaus Remkes,⁷⁸ Christian Schäfer,⁷⁹

    Uwe Zimmermann.⁸⁰ Laut Parteiangaben traten bis Ende August etwa 20 % der

    AfD-Mitglieder aus der Partei aus.⁸¹

    Mitte Oktober hatte die AfD wieder 19.000 Mitglieder, wobei es täglich etwa

    40 Neueintritte gab.⁸² Vor dem Parteitag in Hannover Ende November 2015

    hatte die AfD knapp 20.000 Mitglieder, was in etwa dem Stand vor dem Auszug

    der Lucke-Anhänger entsprach.⁸³

    Laut Satzung ist die Aufnahme von ehemaligen Mitgliedern extremistischer

    Organisationen grundsätzlich ausgeschlossen.⁸⁴ Eine entsprechende

    Unvereinbarkeitsliste orientiert sich an den Berichten der

    Verfassungsschutzbehörden.⁸⁵ Ehemalige Mitglieder solcher Organisationen

    können grundsätzlich nur mit Zustimmung des Bundesvorstandes aufgenommen

    werden.⁸⁶

    Laut Dietmar Neuerer vom Handelsblatt will sich die AfD klar gegen rechts

    abgrenzen, öffnet sich jedoch gegenüber ehemals rechten Parteigängern.⁶¹

    Einige Funktionäre der AfD sind laut Medienberichten Burschenschafter in

    der Deutschen Burschenschaft, zum Beispiel der bei der

    Bundesgeschäftsstelle der AfD für Organisation und Planung zuständige

    Mitarbeiter, der zuvor Pressesprecher der Wochenzeitung Junge Freiheit

    war.⁸⁷ ⁸⁸ Nachdem Die Freiheit nach der Bundestagswahl 2013 bekannt gegeben

    hatte, sie werde zu Gunsten der AfD auf eine Teilnahme an weiteren Wahlen

    verzichten, forderte Parteisprecher Lucke einen bundesweiten Aufnahmestopp

    für Mitglieder rechter Splitterparteien. Eine Mitgliedschaft in der AfD sei

    unvereinbar mit ausländerfeindlichen, rassistischen, antisemitischen,

    islamfeindlichen, rechtsextremen und linksextremen Gesinnungen.⁸⁹ Mehrere

    ostdeutsche Landesverbände wollen Aufnahmeanträge von

    „Freiheit"-Überläufern jedoch weiterhin prüfen.⁹⁰

    Finanzen

    2013

    Da die Alternative für Deutschland bis zur Bundestagswahl 2013 keinen

    Anspruch auf staatliche Finanzierung hatte, finanzierte sie ihren Wahlkampf

    mehrheitlich aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden. Bis August 2013 erhielt

    die AfD laut Aussagen von Joachim Starbatty insgesamt 2,3 Millionen Euro

    von Parteimitgliedern.⁹¹ Sie erhielt zudem zwei Darlehen des Hamburger

    Reeders Folkard Edler in Höhe von jeweils 500.000 Euro. Das erste Darlehen

    wurde für eine Dauer von sechs Monaten gegeben und war mit 40 Prozent der

    staatlichen Wahlkampfkostenerstattung besichert. Das zweite Darlehen sah

    eine jährliche Tilgung von 100.000 Euro vor, sofern die Partei die

    finanziellen Mittel dazu habe. Andernfalls würden ihr die restlichen

    Schulden nach fünf oder acht Jahren erlassen.⁹² Die Darlehen wurden durch

    die Internetplattform „Alternativer Newsletter" erstmals publik.⁹³ Laut

    Ansicht des Staatsrechtlers Jörn Ipsen sei die in Aussicht gestellte

    Umwandlung der Darlehen in eine Spende parteirechtlich problematisch, da

    dadurch das Transparenzgebot der Parteienfinanzierung tangiert werde.⁹⁴ In

    einer Stellungnahme widersprach Bernd Lucke der Darstellung des

    Sachverhaltes durch die Medien.⁹⁵ Ein Spendenaufruf am Wochenende vor der

    Wahl erbrachte nach Parteiangaben zusätzlich über 430.000 Euro.⁹⁶

    Aufgrund der Wahlergebnisse der Bundestagswahl und der Landtagswahl in

    Hessen erfüllte die AfD die Voraussetzungen für den Erhalt staatlicher

    Zuwendungen für das Jahr 2013. Gestützt auf den Wählerstimmenanteil wurde

    ein Höchstsatz von etwa 1,9 Millionen Euro festgesetzt. Da die Partei erst

    2013 gegründet worden war, konnte sie keinen Rechenschaftsbericht für das

    Jahr 2012 einreichen. Den laut Parteiengesetz notwendigen Nachweis eigener

    finanzieller Mittel erbrachte die Partei stattdessen durch testierte

    Angaben über die von ihr im Jahr 2013 erzielten Einnahmen. Damit hat die

    Partei Anspruch auf die staatlichen Zuwendungen in voller Höhe.⁹⁷

    Die AfD erzielte im Jahr 2013 laut ihrem ersten Rechenschaftsbericht

    Einnahmen in Höhe von 7,72 Millionen Euro und Ausgaben in Höhe von 5,39

    Millionen Euro und damit einen Überschuss in Höhe von 2,34 Millionen Euro.

    Sie erhielt neben staatlichen Mitteln in Höhe von 1,86 Millionen Euro

    Spenden von natürlichen Personen in Höhe von 4,14 Millionen Euro und

    Spenden von juristischen Personen in Höhe von 170.000 Euro. Die

    Mitgliederzahl der Partei lag dem Bericht zufolge Ende 2013 bei 16.134.⁹⁸

    2014

    Im April 2014 gewährte der stellvertretende Parteisprecher Hans-Olaf Henkel

    der Partei einen Kredit von 640.000 Euro, da sie gegenüber anderen Parteien

    finanziell stark benachteiligt sei. In der Folge erhöhte er das

    Kreditangebot auf eine Million Euro, „um Schäden durch ‚gewalttätige

    Übergriffe' auf die AfD im Europawahlkampf auszugleichen."⁹⁹ ¹⁰⁰

    Insgesamt rechnete die AfD für das Jahr 2014 zunächst mit Einnahmen durch

    Mitgliedsbeiträge und Spenden in einer Höhe von drei Millionen Euro. Um die

    volle staatliche Wahlkampfkostenerstattung von fünf Millionen Euro durch

    die Bundestagsverwaltung ausgezahlt zu bekommen, entschloss sich die AfD,

    weitere mindestens zwei Millionen Euro durch den Verkauf von Goldbarren und

    Goldmünzen einzunehmen, da ansonsten nur drei Millionen Euro ausgezahlt

    worden wären. Die Bundestagsverwaltung prüfte und stellte fest, dass der

    Umsatz des Goldverkaufs als Einnahme im Sinne des Parteiengesetzes zu

    werten sei. Im Anschluss daran gab es Kritik an der Regelung des

    Parteiengesetzes, das den Umsatz aus Unternehmenstätigkeit von Parteien als

    Einnahme ansieht, und es wurde im Deutschen Bundestag eine Reform des

    Gesetzes erwogen.¹⁰¹

    2015

    Anfang Dezember 2015 beschloss der Deutsche Bundestag eine Änderung des

    Parteiengesetzes zum 1. Januar 2016, durch welche – rückwirkend für 2015 –

    bei den unternehmerischen Tätigkeiten der Parteien nur noch der Gewinn

    berücksichtigt wird. Daraufhin veröffentlichte die AfD einen Spendenaufruf,

    und nahm in gut drei Wochen 3,1 Millionen Euro durch Spenden ein. Der AfD

    gelang es somit, die drohende Finanzierungslücke von zwei Millionen Euro zu

    schließen.¹⁰² ¹⁰³

    Parteizeitung

    Die Parteizeitung der Alternative für Deutschland heißt AfD Kompakt. Die

    Zeitung wird vom Bundesvorstand herausgegeben und erscheint monatlich.

    Jugendorganisation

    Im November 2015 wurde die Junge Alternative (JA) durch den Bundesparteitag

    der AfD als Jugendorganisation der AfD anerkannt.¹⁰⁴ Die Positionen seien

    grundsätzlich mit denen des rechtskonservativen Flügels der AfD

    vergleichbar.¹⁰⁵ Es gebe zugleich „Verbindungen zu Kreise[n] der extremen

    Rechte[n]".¹⁰⁶

    Geschichte

    Vorgeschichte

    Als liberale, konservative und nationale „Vorläufer und Sammlungsbewegungen

    im Vorfeld" gelten nach Frank Decker (2015) der Bund freier Bürger, die

    Friedrich A. von Hayek-Gesellschaft, die Initiative Neue Soziale

    Marktwirtschaft, das Bündnis Bürgerwille, die Wahlalternative 2013 und die

    Zivile Koalition. Parteipolitisch kamen die nachmaligen Funktionäre vor

    allem aus der „zweiten Reihe" von CDU und FDP. Damit wurde ein

    „diskursive[r] Raum für den Rechtspopulismus" geöffnet. Als „spiritus

    rector" der Partei gilt – wenn auch nicht Mitglied – der ehemalige

    SPD-Politiker und Bundesbankvorstand sowie Erfolgsbuchautor Thilo

    Sarrazin.¹⁰⁸ Im September 2012 gründeten Konrad Adam, Bernd Lucke,

    Alexander Gauland, Gerd Robanus und andere den „Verein zur Unterstützung

    der Wahlalternative 2013", der sich zur Bundestagswahl 2013 den Freien

    Wählern anschließen wollte.¹⁰⁹ Im Gründungsaufruf hieß es: „Das

    Euro-Währungsgebiet hat sich als ungeeignet erwiesen. Südeuropäische

    Staaten verarmen unter dem Wettbewerbsdruck des Euro. Ganze Staaten stehen

    am Rande der Zahlungsunfähigkeit." Die Bundesregierung habe schon hunderte

    Milliarden Euro verpfändet und setze diese Politik auf unabsehbare Dauer

    fort.¹¹⁰

    2013

    Bei der Landtagswahl in Niedersachsen im Januar 2013 kandidierte Lucke auf

    einer mit den Freien Wählern gemeinsam beschlossenen Landesliste,¹¹¹ die

    1,1 Prozent der Zweitstimmen erhielt. Nach der Wahl beendeten beide Partner

    infolge eines Konflikts um den organisatorischen und inhaltlichen

    Führungsanspruch ihre Zusammenarbeit. Besonders die Freien Wähler in Bayern

    sind in den Kommunen stark verankert und lehnten die Rückkehr zur D-Mark

    ab, die die Wahlalternative bundes- und europapolitisch anstrebte.¹¹² Der

    Vorsitzende der Freien Wähler, Hubert Aiwanger, sah ein geringes Interesse

    der Wahlalternative an den Kommunen, während Lucke die Freien Wähler

    außerhalb Bayerns nicht für kampagnenfähig hielt.¹¹³

    Gründung

    Am 6. Februar 2013 gründete eine Gruppe aus der Wahlalternative um deren

    Sprecherrat in Berlin die AfD.¹¹⁴ ¹¹⁵ Zur ersten öffentlichen Versammlung

    am 11. März 2013 in Oberursel (Taunus) kamen mehr als 1.200

    Interessierte.¹¹⁶ Beim ersten AfD-Parteitag am 14. April 2013 in Berlin

    wurden Lucke (96 Prozent der Stimmen), Petry (81 Prozent) und Adam (80

    Prozent) zu den Parteisprechern gewählt.¹¹⁷ Parteisprecher Lucke

    bezeichnete die AfD als „Partei neuen Typs, die „weder links noch rechts

    sei und keinen „ideologischen Wegweiser" brauche.¹¹⁸ Auch sei die

    Einbindung rechter Protestwähler eine der Funktionen der AfD. Es bestehe

    sonst die Gefahr, dass enttäuschte Wähler nur aus Protest extremistische

    Parteien wählten.¹¹⁹

    In der AfD entstanden Flügelstrukturen. Nachdem in den Landesverbänden

    schon 2013 Arbeitskreise verschiedener Ausrichtung etabliert worden waren,

    gründete sich Anfang 2014 in Abgrenzung zu christlich-nationalen Positionen

    um Beatrix von Storch die Plattform KOLIBRI – Konservative und Liberale in

    der AfD.¹²⁰ Daneben existieren ein Arbeitskreis Christen in der Alternative

    für Deutschland, der in seiner Grundsatzerklärung Schwangerschaftsabbrüche,

    Sterbehilfe sowie die Gleichstellung gleichgeschlechtlicher

    Lebenspartnerschaften mit der Ehe ablehnt, und ein Bundesarbeitskreis

    Homosexuelle in der AfD, der sich für die völlige Gleichstellung

    Homosexueller einsetzt.¹²¹ ¹²² ¹²³

    Bundestagswahl und Landtagswahl in Hessen

    Bei der Bundestagswahl 2013 am 22. September 2013 und der gleichzeitig

    stattfindenden Landtagswahl in Hessen trat die AfD erstmals bei Wahlen

    an.¹²⁴ Mit 4,7 % erzielte sie das stärkste Ergebnis einer neuen Partei auf

    Bundesebene seit der Bundestagswahl 1953.¹²⁵ , verfehlte jedoch den Einzug

    in den Bundestag ebenso wie jenen in den hessischen Landtag.

    Laut Darstellung des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes war es

    während des Wahlkampfes bundesweit vielfach zu Sachbeschädigungen,

    Beleidigungen und körperlichen Angriffen von Linksextremisten gegen

    Wahlhelfer, Funktionäre und Einrichtungen der AfD gekommen.¹²⁶

    2014

    Europa- und Kommunalwahlen

    Im Januar 2014 wählte die Partei auf einem Parteitag in Aschaffenburg Bernd

    Lucke zu ihrem Spitzenkandidaten für die Europawahl im Mai 2014. Auf die

    nachfolgenden Listenplätze wurden Hans-Olaf Henkel, Bernd Kölmel, Beatrix

    von Storch, Joachim Starbatty und Ulrike Trebesius gewählt.¹²⁷ ¹²⁸ Auf

    einem weiteren Parteitag in Berlin wurden die restlichen Listenplätze von

    sieben bis 28 gewählt.¹⁰⁷

    Vor der Europawahl 2014 wurde der AfD-Wahlkampf bundesweit vom

    linkspolitischen Netzwerk Blockupy und von antifaschistischen Gruppen

    massiv gestört.¹²⁹ ¹³⁰ ¹³¹ ¹³² Die AfD erreichte 7,1 % der Stimmen und zog

    mit sieben Abgeordneten in das Europäische Parlament ein.¹³³

    Ebenfalls schaffte sie am Tag der Europawahl bei den Kommunalwahlen in zehn

    deutschen Ländern den Einzug in verschiedene Kommunalparlamente. Ihr bestes

    landesweites Kommunalergebnis erzielte die Partei in Sachsen.¹³⁴ Nach

    eigenen Angaben wurden bei den Kommunalwahlen in den zehn Ländern 485

    Mandatsträger gewählt, die in Gemeindevertretungen, Kreistagen,

    Vertretungen in den jeweiligen kreisfreien Städten sowie im Bezirkstag

    Pfalz einzogen.¹³⁵

    Nach der Europawahl wurde die AfD mit 29 zu 26 Stimmen in die Fraktion der

    Europäischen Konservativen und Reformer (EKR) im Europaparlament

    aufgenommen.¹³⁶ Der britische Premierminister David Cameron hatte die

    Europaabgeordneten seiner Partei aufgefordert, den Antrag der AfD

    abzulehnen, da Bundeskanzlerin Angela Merkel die Aufnahme einer

    konkurrierenden Partei als „feindlich" auffassen und sich die Aufnahme

    negativ auf das Verhältnis zwischen Großbritannien und Deutschland

    auswirken würde.¹³⁷ ¹³⁸ Laut einem Bericht des Spiegels hatte

    Bundeskanzlerin Merkel vergeblich versucht, die Aufnahme zu verhindern, um

    die AfD politisch nicht weiter aufzuwerten.¹³⁹

    Erfurter Parteitag

    Ein Satzungsentwurf des Bundesvorstandes, der auf dem Bundesparteitag 2014

    in Erfurt beschlossen werden sollte, führte vor dem Parteitag zu öffentlich

    geäußerter Kritik, unter anderem von Markus E. Wegner und dem ehemaligen

    NRW-Landesvorsitzenden Alexander Dilger.¹⁴⁰ ¹⁴¹ Der Entwurf sah vor, die

    Befugnisse des Bundesvorstandes zu erweitern und die Rechte der

    Landesverbände und Mitglieder einzuschränken.¹⁴² Der Satzungsentwurf wurde

    auf dem Parteitag nach kontroverser Diskussion von der Tagesordnung

    gestrichen.¹⁴³

    Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg

    Bei allen drei Landtagswahlen des Jahres 2014 zog die Alternative für

    Deutschland erstmals in die Landesparlamente ein. Bei der Landtagswahl in

    Sachsen erreichte die AfD 9,7 % der Listenstimmen und 14

    Landtagsmandate.¹⁴⁴ ¹⁴⁵ Bei den zwei Wochen später stattfindenden

    Landtagswahlen in Brandenburg und Thüringen erreichte die AfD 12,2 % bzw.

    10,6 % der Stimmen.

    2015

    Uneinigkeit über das Verhältnis zu Pegida

    Das Verhältnis gegenüber Pegida entwickelte sich nach Felix Korsch (2016)

    in vier Phasen von „Anziehung und Ablehnung".¹⁴⁶ AfD-Anhänger hätten zwar

    laut einer Erhebung vom Dezember 2014 Verständnis für die

    Pegida-Demonstrationen, eine „tatsächliche Kooperation" gab es aber bisher

    nicht.¹⁴⁷ Es gehörte ein AfD-Mitglied zum Vorstand des Pegida-Vereins in

    Dresden, und die Dresdner AfD begrüßte die Pegida-Kundgebungen seit

    November 2014. Auch die ultrarechte „Patriotische Plattform" unter dem

    damaligen sächsischen AfD-Vorstandsmitglied Hans-Thomas Tillschneider

    unterstützte Pegida von Anfang an. Während im Bundesvorstand vor allem

    Lucke und Henkel demgegenüber eine distanzierte Haltung vertraten, besuchte

    Gauland mit mehreren Fraktionskollegen im Dezember 2014 eine

    Pegida-Kundgebung, deren Anhänger er als „natürliche Verbündete" der AfD

    bezeichnete. Frauke Petry traf sich mit Pegidas Vereinsvorstand im Landtag

    von Sachsen und sah inhaltliche „Schnittmengen". Auch in den

    Landesverbänden blieb die Haltung ambivalent: Die hessische AfD kritisierte

    die Teilnahme bei „Fragida", weil dieser Frankfurter Pegida-Ableger von der

    NPD mitorganisiert wurde, nicht aber an „Kagida" (Kassel), die ein

    AfD-Mitglied führte.¹⁴⁸ Es seien letztlich mehrere „verhalten-zustimmende

    Äußerungen" zu verzeichnen.¹⁴⁹ Die AfD stand jedenfalls von allen Parteien

    Pegida am nächsten.¹⁵⁰ Da sich allerdings 2015 die „Rahmenbedingungen" bei

    Pegida änderten, und sich eine Gruppe um Kathrin Oertel abgesetzt hatte,

    kam es rückblickend zu einem auseinander bewegen der beteiligten

    Akteure.¹⁴⁹ Korsch sprach von einer „Dethematisierung".¹⁵¹ Später wurde das

    Thema insofern wieder aktuell, als Marcus Pretzell in seinem Grußwort zum

    Essener Parteitag im Juli 2015 die AfD als „Pegida-Partei" bezeichnete.¹⁵²

    Häusler (2016) sieht in der AfD einen „parteipolitischen Anker" für „gegen

    Einwanderer und Flüchtlinge gerichtete[] Initiativen" wie PEGIDA. Die bei

    den Demonstrationen in Dresden „artikulierten Forderungen [seien] in vielen

    Fragen deckungsgleich mit Positionen der AfD".¹⁵³

    „Erfurter Resolution und „Weckruf 2015

    Im März 2015 initiierten Björn Höcke (Thüringen) und André Poggenburg

    (Sachsen-Anhalt) gegen den Kurs des Parteivorstands die Erfurter

    Resolution, in der sie eine konservativere Ausrichtung der Partei

    fordern.¹⁵⁴ Viele Unterstützer verstünden die Partei „als Bewegung unseres

    Volkes gegen die Gesellschaftsexperimente der letzten Jahrzehnte

    (Gender-Mainstreaming, Multikulturalismus, Erziehungsbeliebigkeit usf.)"

    sowie als „Widerstandsbewegung gegen die weitere Aushöhlung der

    Souveränität und der Identität Deutschlands". Die Resolution kritisierte

    unter anderem mit Bezügen zu PEGIDA, die Partei habe „sich von bürgerlichen

    Protestbewegungen ferngehalten und in vorauseilendem Gehorsam sogar

    distanziert, obwohl sich tausende AfD-Mitglieder als Mitdemonstranten oder

    Sympathisanten an diesen Aufbrüchen beteiligen".¹⁵⁵ Wenig später

    veröffentlichte Hans-Olaf Henkel gemeinsam mit drei weiteren

    Europaabgeordneten eine als Deutschland-Resolution bezeichnete

    Gegenerklärung und warf den Initiatoren zudem vor, die Partei spalten zu

    wollen.¹⁵⁴ Bis zum 25. März 2015 hatten laut Initiatoren über 1600

    Parteimitglieder die Erfurter Resolution unterzeichnet,¹⁵⁶ darunter

    Vorstandsmitglied Alexander Gauland (Brandenburg).

    Im Mai 2015 veranlasste Bernd Lucke die Gründung des Vereins Weckruf 2015,

    dem sich außer ihm mehrere Europaabgeordnete und etliche Landesvorsitzende

    und andere Spitzenfunktionäre aus dem „gemäßigten Lager" der AfD

    anschlossen.¹⁵⁷ Die Mitglieder sahen die „Existenz und Einheit" der AfD

    durch eine Machtübernahme von Vertretern der „Neuen Rechten" als gefährdet

    an. Man wolle keine neue Partei gründen, sondern Parteiaustritte von

    gemäßigten Mitgliedern verhindern und den gemäßigten Flügel stärken.¹⁵⁸

    Ende Mai 2015 lief bereits die Gründung von Landesverbänden an; intern

    wurde der Verein als mögliche Parteigründung bezeichnet.¹⁵⁹ Die

    Vereinsgründung wurde als Spaltversuch und Vorbereitung eines möglichen

    Massenaustritts von Lucke-Anhängern gedeutet.¹⁶⁰ Die

    AfD-Vorstandsmitglieder Alexander Gauland und Frauke Petry kritisierten sie

    als parteischädigend und satzungswidrig.¹⁶¹ Im Verein waren etwa 4.000

    Anhänger von Lucke organisiert,¹⁶² von denen etwa 2.600 nach Luckes

    Austritt aus der AfD im Juli 2015 die Gründung einer neuen euro-kritischen

    Partei befürworteten.¹⁶³

    Im April 2015 traten Hans-Olaf Henkel und Patricia Casale aus dem

    Bundesvorstand aus. Der Europaabgeordnete Marcus Pretzell wurde von den

    gemeinsamen Delegationssitzungen ausgeschlossen.¹⁶⁴

    Bürgerschaftswahlen in Hamburg und Bremen

    In diese Phase des innerparteilichen Machtkampfes fielen die

    Bürgerschaftswahlen in Hamburg und Bremen, bei denen die AfD jeweils knapp

    die Fünfprozenthürde übersprang und in die Parlamente einzog.

    Essener Parteitag und Abspaltung der ALFA

    Nach einem monatelangen innerparteilichen Machtkampf wählte der

    Mitgliederparteitag in Essen Frauke Petry am 4. Juli 2015 in einer

    Kampfabstimmung anstelle von Bernd Lucke zur ersten Parteisprecherin.¹⁶⁵

    Petry erhielt 60 Prozent, Lucke 38,1 Prozent der Stimmen.¹⁶⁶ Jörg Meuthen

    wurde als zweiter Parteisprecher gewählt.¹⁶⁷ Die Ablösung Luckes wurde von

    Politikwissenschaftlern als Rechtsruck und Sieg des nationalkonservativen