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Kottan ermittelt: Nachtruhe

Kottan ermittelt: Nachtruhe

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Kottan ermittelt: Nachtruhe

Länge:
157 Seiten
3 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Aug 15, 2014
ISBN:
9783990429150
Format:
Buch

Beschreibung

Ihre Nachbarn zu vernadern, das ist die Lieblingsbeschäftigung der Pensionistin Wilma Burian. Nun kommt eine neue Beschäftigung hinzu: Sie macht Jagd auf einen Giftmörder. Major Kottan ist wenig begeistert, als die Pensionistin ihn mit Drohbriefen, die sie vom "Killertypen" nebenan erhalten haben will, konfrontiert. Warum sollten die Herren von der Exekutive das auch ernst nehmen?
››Höhepunkte der Ermittlungen sind immer wieder die Gesprächsminiaturen, neben denen Ionesco-Stücke wie nützliche Gebrauchsanweisungen für die Alltagswelt wirken.‹‹ - Hartmut Kasper, Unicum
››Schweinerei sondergleichen.‹‹ - Hofrat Dr. Josef Keller, Polizeidirektor
››Helmut Zenker gelingt es glänzend, Milieu zu schildern und dabei das von Kottan so oft optisch inszenierte Chaos auch Wort für Wort treffend, intelligent und zynisch-witzig darzustellen.‹‹ - Darmstädter Echo
››Kleinbürgertum und Mordgelüste. Hinterhältig und verlogen, wie es nur von Helmut Zenker geschildert werden kann.‹‹ - Süddeutsche

Es handelt sich um eine aktualisierte Auflage! (8. Februar 2016)
Herausgeber:
Freigegeben:
Aug 15, 2014
ISBN:
9783990429150
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Kottan ermittelt - Helmut Zenker

Helmut Zenker

Kottan ermittelt: Nachtruhe

(Roman)

Copyright © 2014 Der Drehbuchverlag, Wien und Jan Zenker

2. Auflage, 8. Februar 2016

Alle Rechte vorbehalten

eBook: Kottan ermittelt: Nachtruhe (Roman)

ISBN: 978-3-99042-915-0

Inhaltsverzeichnis

Vorbemerkung

Prolog

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Epilog 1

Epilog 2

Anmerkungen

Der Autor

Jede Ähnlichkeit mit lebenden, gestorbenen,

erfundenen und noch geplanten Personen

ist unbeabsichtigt möglich.

für Pater Petzak

Prolog

Es steht geschrieben in den Schriften der Weisen: Du sollst die Schlange nicht deswegen gering achten, weil sie keine Hörner hat. Niemand weiß, ob nicht aus ihr dereinst ein Drache wird. Das Wiener Sicherheitsbüro ist nur ein unscheinbares, graues Gebäude in der Wiener Berggasse. Niemand würde hier am Ufer des trüben Donaukanals eine Handvoll wackerer und unbeugsamer Kriminalbeamter vermuten. Wir schreiben die späten achtziger Jahre. Die Mächte der Finsternis schreiten immer noch und allerorten konsequent voran. Wirklich allerorten? Nein! Die Perle Wien wankt nicht. Das Morddezernat ist noch nicht zum Rückzug angetreten. Paul Schremser, 55, hat ohne rechtes Bein, aber mit dem richtigen Parteibuch den Sprung zum Dezernatsleiter geschafft. Adolf Kottan, 41, ist noch immer der jüngste Major, singt in seiner eigenen Kapelle und trinkt mehr Bier als Mike Hammer. Alfred Schrammel, 50, ist schnell, gewissenhaft und nur ein kleines kriminalistisches Licht. Heribert Pilch, 55, darf sich seit kurzem Hofrat und Polizeipräsident nennen: der beste aller Zeiten, wie er glaubt. Daran zweifelt nicht nur sein Bruder Heinz Bauer, 54, der die Staatspolizei leitet. Im Sicherheitsbüro herrscht wie immer die Atmosphäre sachlicher Arbeit und begrenzter Kollegialität. Neuerdings mischt sich in manchen Stockwerken auch Schweißgeruch dazwischen.

1

Hier macht man die Augen zu,

und dort macht man sie wieder auf,

in der Herrlichkeit Gottes.

Katrine von Hutten

Josef Popala, 62, jeder Heftroman würde ihn als vierschrötig beschreiben, reißt sich einzelne Haare, die er zwischen seinen langen Fingernägeln fasst, aus der Nase. Selbstverständlich treibt es ihm Tränen in die Augen. Der allerletzte Abschnitt seines Lebens hat ohne sein Wissen begonnen. Er kommt von einem halbwegs erfolgreichen nächtlichen Streifzug in die riesige Altwohnung im Zentrum zurück, in der er seit seiner Geburt gelebt hat. Heute ist er wegen der milden Witterung im Kleingartenverein Wiener Alpe unterwegs gewesen. Er hat Gespräche, gekicherte Witze, betrunkene Annäherungsversuche und ein älteres, ungeschicktes Paar in einer schiefen Hütte aus Holz und Pappe beobachten können. Er ist zufrieden.

   Sein Bruder ist nicht daheim. Damit ist Popalas nächster Schritt entschieden. Das Heimweh nach Beobachtungen ist gestillt, die Lust auf Diebstahl noch nicht. Die Klappe des Vorkriegs-Sekretärs, hinter der sein Bruder Delikatessen aller Art versteckt, zieht Popala magisch an. Der ältere Bruder hat den Schlüssel zwar abgezogen, aber seit Wochen trägt Popala den Ersatzschlüssel ständig bei sich. Als er die Tür heruntergeklappt hat, stellt sich noch mehr Zufriedenheit ein. Auf den ersten Blick sieht Popala drei neue Errungenschaften: ein Glas mit einzeln verpackten Rumpflaumen, eine Flasche Remy Martin und eine Schachtel mit bunten Kokosstangen in zwei Lagen.

   Popala nimmt sich aus der unteren Lage zwei braune und eine gelbe Stange, kaut bedächtig und denkt an das ständig überhebliche Gesicht seines Bruders, der nichts mehr hasst, als bestohlen zu werden. Sicher wird der Bruder ihm morgen wieder eines seiner missionarischen Plauderstündchen aufdrängen, die immer nur ein Zur-Rede-Stellen sind: die Krankheit des pensionierten Schuldirektors. Jede Kontaktaufnahme durch den Bruder ist automatisch eine Herablassung.

   Den Cognac im Schwenker beschnuppert Popala ausgiebig, dann trinkt er ihn in kleinen, schmatzenden Schlucken. Bevor er sich den alkoholischen Pflaumen widmet, blättert Popala mit großen Augen in einem dicken anatomischen Buch aus der Sammlung des Bruders. Der gemeinsame Alltag ist ohne Überraschungen und Geheimnisse.

   Das Glas mit den Pflaumen verschließt ein breiter Korken, auf dem mit einer Stecknadel ein verziertes Kärtchen befestigt ist: „Wirkung verblüffend" steht da in violett gestempelten Blockbuchstaben. Popala reißt das erste Päckchen auf, beißt vorsichtig in die Schokoladehülle, saugt den Rum ein, bevor er die Pflaume verzehrt. Die zweite schiebt er ganz in den Mund und beißt sie durch. Durch seine Brust zuckt der letzte Schmerz. Popala kann sich nicht einmal mehr ans Herz greifen. Ein kurzer Schrei endet röchelnd. Popala fällt vom gepolsterten Sessel auf die Knie und dann mit dem schon toten Körper auf den Teppich: immerhin ein echter Bokhara.

(Konversation mit sich selbst.)

Pilch: Gegen Kottan läuft ein Disziplinarverfahren. Den Dezernatsleiter werde ich in die Frühpension ekeln. Schrammel ist mit der Neufassung von Protokollen eingedeckt. Der befohlene Zwang zur Fitness trifft alle. Glücklich ist nur, wer die Anzahl seiner Opfer nicht kennt.

Der Gymnastikraum des Sicherheitsbüros befindet sich im Keller. Der Zeiger der Uhr neben der Tür hüpft mit dumpfem Geräusch auf acht Uhr dreißig. Polizeipräsident Pilch wird jeden Augenblick zur Kontrolle erwartet. Deswegen schlägt Schrammel auf dem ächzenden Rudergerät mit Widerstandsstufe sechs ein beachtliches Tempo an. Major Kottan macht Klimmzüge an der Sprossenwand, obwohl Übungen für sein durch einen gelähmten Fazialnerv beeinträchtigtes Gesicht vernünftiger wären. Sogar Dezernatsleiter Schremser trainiert teilnahmslos mit gummierten Damenhanteln.

   Heribert Pilch erscheint tatsächlich im dunklen Seidenanzug mit weißen Sakkoaufschlägen. Der Schweißgeruch der untrainierten Körper verzieht ihm das gerötete Gesicht. Trotzdem ist ihm dieser aufsässige Geruch, der auf seine Anordnung zurückgeht, fast ein Volksfest. Das Wandtelefon neben ihm klingelt. Er hebt sofort ab.

   ››Bitte?‹‹

   ››Ich hätte gern mit Herrn Schremser gesprochen.‹‹

   ››Ein Dienstgespräch?‹‹

   ››Ja.‹‹

   ››Wen darf ich melden?‹‹, fragt der Präsident wie eine eifrige Telefonistin.

   ››Verbinden Sie mich.‹‹ Die Stimme klingt plötzlich autoritär.

   ››Für Sie‹‹, sagt Pilch zum heranrückenden Dezernatsleiter und streckt ihm den schweren Hörer hin.

   ››Schremser.‹‹

   ››Hier ist Harald.‹‹

   ››Welcher Harald?‹‹

   ››Harald Popala.‹‹

   Schremser kennt sich aus. Am letzten Donnerstag im Monat spielt er mit drei Männern im Café Grillparzer Bridge. Einer der Männer ist der pensionierte Gymnasialdirektor Popala.

   ››Servus. Fällt unser Spielchen aus?‹‹

   ››Nein. Ich bin gerade erst nach Hause gekommen, sonst hätte ich dich früher angerufen.‹‹

   ››Wozu?‹‹

   ››Ich habe meinen Bruder gefunden.‹‹

   ››Im Bett?‹‹

   ››Auf dem Boden. Er ist tot.‹‹

   ››Tut mir Leid. Hast du einen Arzt angerufen und das nächste Wachzimmer?‹‹

   ››Nur dich.‹‹

   ››Ich bin der Falsche.‹‹

   ››Du bist der Richtige.‹‹

   Schremser schnauft, kratzt mit der beschlagenen Schuhsohle am Holzboden und verdreht für Pilch und Kottan die Augen.

   ››Ist er ermordet worden?‹‹

   ››Ja. Mit Gift.‹‹

   ››Hast du das festgestellt?‹‹

   ››Meine Nase. Es riecht noch immer.‹‹

   Schremser hängt den Hörer weg. Der Präsident versucht Kompetenz zu verströmen.

   ››Wien ist früher so friedlich gewesen‹‹, behauptet er.

   ››Wann?‹‹, grunzt Schremser.

   ››Auf in den Kampf‹‹, sagt Schrammel energisch, der den Ort des körperlichen Fortschritts als Letzter verlässt.

   Zurück bleibt nur der Oberst. Er liegt zusammengerollt bei der Sprossenwand. Das ist aber kein Wunder. Der Oberst ist der zwölfjährige, fett gefütterte Hauskater, der trotzdem das Sicherheitsbüro frei von Mäusen und Ratten hält.

Harald Popala reicht den mit der Polizeiärztin und den Erkennungsdienstlern eintreffenden Kriminalbeamten die rechte Hand. Bei ihm ist das Wort Händedrückung angebracht. Er führt gefasst den Gänsemarsch ins von alten Möbeln gefüllte Wohnzimmer an. Die Leiche liegt noch immer auf dem Bauch.

   ››Der ist schon gestern gestorben‹‹, sagt die Ärztin Dagmar Schett nach wenigen Sekunden.

   Schremser fixiert seinen Kartenbruder, der seinem Blick nicht ausweicht.

   ››Wo warst du in der Nacht?‹‹

   ››Nicht daheim. Genügt das nicht?‹‹

   ››Nein.‹‹

   In Schrammels Gesicht sammelt sich Empörung über den Ton, der zwischen Schremser und Popala herrscht.

   ››Ich bin bei einer Dame gewesen, Frau Professor Horny. Sie hat schon zu meiner Zeit an meiner Schule Musik unterrichtet. Und im Verhältnis zu mir ist sie eine attraktive, junge Dame.‹‹

   ››Wie alt bist du?‹‹

   ››76. Der Josef ist nur 58 geworden.‹‹

   Schrammel macht sich in seinem unvermeidlichen Taschenkalender mit einem Tintenblei Notizen. Er findet die naheliegendste Frage aus seinem Routinerepertoire.

   ››Was war er beruflich?‹‹

   ››Nichts mehr. Staatsanwalt in Frühpension.‹‹

   ››Hatte er Feinde?‹‹

   ››Er hat sich jeden Tag welche gemacht.‹‹

   ››Wie?‹‹

   ››Er ist durch die Gassen gelaufen und hat durch fremde Fenster geschaut.‹‹

   ››Ein Spanner?‹‹

   ››Korrekt.‹‹

   Ein Staatsanwalt, der auch in der Pension neugierig geblieben ist? Schrammel findet den Gedanken nicht einmal bedenklich.

   ››Nur ein Tick von ihm‹‹, erklärt Popala. ››Sein anderer war schlimmer.‹‹

   ››Behältst du ihn für dich?‹‹

   ››Er hat immer wieder kleine Diebstähle begangen. In Kaufhäusern und bei privaten Einladungen. Schon in seiner aktiven Zeit.‹‹

   ››Und dir war es peinlich ihn immer wieder auf Wachzimmern abholen zu müssen?‹‹

   ››Schon. In letzter Zeit hat er nur noch mich bestohlen. Hat ewig gedauert, bis ich ihn dazu gebracht habe. Ich habe ihm das kleine Vergnügen gelassen.‹‹

   ››Mir gegenüber hast du den Bruder nie erwähnt‹‹, sagt Schremser. ››Warum nicht?‹‹

   ››Ich war vom ersten Blick in seine Stinkwindeln überzeugt, dass der das schwarze Schaf der Familie wird.‹‹

   Jetzt mischt sich zum ersten Mal Kottan ein, der durch ein verregnetes Fenster eine blinkende Cola-Reklame studiert

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