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Der Fall Schenk und Schlossarek: Arbeitsmarkt, diversifiziert
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eBook53 Seiten21 Minuten

Der Fall Schenk und Schlossarek: Arbeitsmarkt, diversifiziert

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Über dieses E-Book

Lukrativ für den Anbieter, letal für den Kunden: Wie gut ein privater Arbeitsmarkt funktioniert, auf dem Arbeit wie eine Ware gehandelt, gekauft und verkauft wird. Ein Beispiel aus Wien.
SpracheDeutsch
Herausgebercc-live
Erscheinungsdatum15. Juli 2016
ISBN9783956165733
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    Buchvorschau

    Der Fall Schenk und Schlossarek - Christian Lunzer

    Impressum

    Arbeitsmarkt diversifiziert

    Die drei Herren, die am Abend des 11. März 1883 im Extrazimmer des „Schwarzen Adler" im Wiener Vorort Rudolfsheim beisammen saßen, ließen es sich, wie zu sehen und zu hören war, gut gehen. Das Feinste aus Küche und Keller, was das traditionsreiche Gasthaus zu bieten hatte, war aufgefahren worden. Einen Anlass für diese fröhliche Feier gab es durchaus: Hugo Schenk, der Herr mit dem Schnauzbart, etwa Mitte dreißig, der in der Mitte saß und meist das Wort führte, hatte endlich, nach zwei schweren Jahren, seine Freiheit wieder. Vom Wiener Landesgericht war er, wegen Betrugs und Heiratsschwindels zu dieser Strafe verdonnert worden, die er, da es nicht die erste war, in voller Länge im Gefangenenhaus Stein an der Donau abzubüßen gehabt hatte.

    Heute entlassen war er von seinem Bruder Karl, das war der schmächtige Herr links, und dem Freund aus gemeinsamer Haft, dem 26 Jahre alten Maschinenschlosser Karl Schlossarek, rechts mit Vollbart, vom Bahnhof abgeholt worden. Schlossarek war schon seit zwei Monaten frei – er hatte nur 22 Monate wegen Einbruchs abzusitzen gehabt.

    Eine Geldsendung in der nicht unbeträchtlichen Höhe von 200 Gulden, zur Verfügung gestellt von Hugo Schenks in Mähren lebender Ehefrau, sicherte den Erfolg des Abends.

    Aber nicht nur der fröhlichen Feierlichkeit sollte die Zusammenkunft gewidmet sein. Sie galt auch kommerziellen Zwecken. In der trauten Gemeinsamkeit der Zelle hatten Hugo Schenk und Karl Schlossarek einen Plan angedacht, der eine unfehlbare Methode zu dem so allgemein ersehnten Geschäftsprinzip – möglichst wenig Einsatz, möglichst wenig Arbeit und größtmöglicher Gewinn – darstellte. Es mussten nur mehr Details besprochen werden. Die Grundidee war einfach und klar.

    Erwerbsarbeit, die den Lebensunterhalt sichert, war – und ist heute wieder – ein seltenes und daher kostbares Gut. Was die Arbeitgeber natürlich auch damals schon wussten und entsprechend nützten, hinsichtlich der Arbeitsbedingungen und der Arbeitszeit, aber auch in einem viel direkterem Weg. Für besonders lohnende, daher „Vertrauensstellung" genannte Anstellungen forderte der Arbeitgeber vom Arbeitnehmer eine Kaution, ein Deposit,

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