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Torn 45 - Im Visier der Lu'cen
Torn 45 - Im Visier der Lu'cen
Torn 45 - Im Visier der Lu'cen
eBook270 Seiten3 Stunden

Torn 45 - Im Visier der Lu'cen

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Über dieses E-Book

»Mein Name ist Torn. Ich habe das Ende der Menschheit gesehen und trachte danach, es zu verhindern. Dies ist meine Geschichte ...«

Wie geht der Kampf um Calah weiter? Wird es Callista und Mathrigo gelingen, die Stämme des Planeten zu einen und gegen die Grah'tak in die Schlacht zu führen? Was ist mit Nara Yannick geschehen? Welcher düstere Schatten ist auf dem Weg ins alte Griechenland, und welche Strafe erwartet Krellrim?
Im Visier der Lu'cen sehen sich Torn und seine Gefährten im nächsten dramatischen Kapitel der Wanderer-Saga, das Christian Montillon wiederum nach einer Story von Michael J. Parrish verfasst.
SpracheDeutsch
Erscheinungsdatum15. Mai 2013
ISBN9783955726454
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    Buchvorschau

    Torn 45 - Im Visier der Lu'cen - Michael J. Parrish

    Band 45

    Im Visier der Lu'cen

    von Michael J. Parrish & Christian Montillon

    © Zaubermond Verlag 2013

    © Torn – Wanderer der Zeit by Michael J. Parrish

    Die Veröffentlichung dieses Werkes erfolgt auf Vermittlung der Autoren-

    und Verlagsagentur Peter Molden, Köln.

    Titelbild: Günther Nawrath

    eBook-Erstellung: story2go | Die eBook-Manufaktur

    http://www.zaubermond.de

    Alle Rechte vorbehalten

    Inhalt

    Im Visier der Lu'cen

    Was bisher geschah

    Prolog

    1. Kapitel

    2. Kapitel

    3. Kapitel

    4. Kapitel

    5. Kapitel

    6. Kapitel

    7. Kapitel

    8. Kapitel

    9. Kapitel

    10. Kapitel

    11. Kapitel

    Epilog

    Vorschau

    Glossar

    Was bisher geschah

    Mein Name ist Torn.

    Ich war der letzte der Wanderer.

    Dies ist meine Geschichte ...

    Der Elitesoldat Isaac Torn nimmt an einem Zeitreiseexperiment teil und stößt damit unwissentlich das Tor zum Subdaemonium auf, wodurch das Heer der dämonischen Grah'tak entfesselt wird und über die Welten der Sterblichen herfällt. Von den Lu'cen, den mächtigen Richtern der Zeit, kann der Untergang in letzter Sekunde abgewendet werden. Als Wiedergutmachung wird Torn in ihre Dienste gestellt: Als Nachfolger der legendären Wanderer reist er durch Raum und Zeit, um gegen die verbliebenen Grah'tak zu kämpfen. Ausgestattet mit einer Plasmarüstung, die ihre Gestalt wandeln kann und seinem Lux, dem Schwert des Lichts, ist es seine Mission, die Sterblichen zu beschützen – die Festung am Rande der Zeit wird dabei seine neue Heimat.

    Doch Torn leidet unter der Einsamkeit, die ihm auferlegt wurde. Als er seiner Vergangenheit, die die Lu'cen aus seinem Gedächtnis löschten, näher kommt, bricht er das Gesetz der Wanderer: Er schont das Leben von Mathrigo, dem Herrscher der Grah'tak, um die Sterbliche Callista zu retten. Daraufhin verbannen ihn die Lu'cen aus der Festung, und eine gefährliche Odyssee durch Raum und Zeit beginnt ...

    Zahlreiche Abenteuer führen schließlich zur Neugründung des Wandererordens – Torn führt seinen verzweifelten Kampf nicht mehr alleine. Nach und nach gesellen sich Mitstreiter auf die Festung am Rande der Zeit.

    Die Mitstreiter im neuen Korps:

    Callista: Torns Geliebte, sein Symellon, die vorübergehend eine Lu'cen war und wieder zur Sterblichen wurde.

    Ceval: Nur für kurze Zeit war der »andere Wanderer«, der lange Zeit auf eigene Faust die Erde behütete, Mitglied im neuen Wandererkorps, denn er ließ sein Leben im Kampf gegen die Grah'tak.

    Krellrim: der intelligente Menschenaffe ist der letzte seines Volkes, das auf dem Planeten Mrook ein schreckliches Ende fand.

    Tattoo: ein junger Mann, der mit geheimnisvollen Tätowierungen übersät ist, die angeblich seine Zukunft voraussagen.

    Max Hartmann, Nara Yannick und Cassius Alienus: Sie sind die neusten Mitglieder im Wandererkorps. Max stammt aus der Zeit des Ersten Weltkriegs und traf schon früher einmal auf Torn, wartete ungeduldig auf seine Rückkehr. Nara hingegen lebte im 23. Jahrhundert der Menschheitsgeschichte, ehe sie in das Geschehen um Mathrigo und Torn gezogen wurde. Cassius war Gladiator im Alten Rom.

    Auch Nroth, Torns und Callistas Sohn, gesellte sich zum Wandererkorps. Er kehrte dem Bösen den Rücken, zu dem Mathrigo ihn erzog, nachdem er den Embryo mit brutaler Gewalt aus dem Mutterleib riss und das Kind im Cho'gra aufzog. Nroth verliebte sich in Nara, was den Ausschlag gab, die Seiten zu wechseln und sich von den Grah'tak abzuwenden.

    Mathrigo, der Herrscher aller Cho'gra im Immansium, wird von Torn in einem dramatischen Duell besiegt ... zumindest glaubte der Erste Wanderer dies. Dass er sich täuschte, muss er schmerzlich eingestehen, als er seinem Erzfeind schließlich wieder gegenübersteht. Torn erfährt eine entsetzliche Geschichte und lüftet das Geheimnis seiner Herkunft. Torn ist ein Klon Mathrigos, den dieser schuf, um den perfekten Krieger zu kreieren – den Mesh'rul, der als sagenhafter Vernichter der Sterblichen gilt.

    Torn steht aktuell vor einer schweren Aufgabe: Er muss über Krellrim richten. Nachdem der intelligente Menschenaffe ein künstliches Bein erhielt und über die Vergangenheit seines Volkes verzweifelte, sagte er sich vom Wandererkorps und seiner Ethik los und beschritt den Pfad der Blutrache, indem er seine Waffenbrüder belog und täuschte. Mit radikalen Mitteln gelang es ihm, Carnia zu töten, ehe Torn und die anderen ihn auf die Festung am Rande der Zeit zurückholten – dort wartet er nun auf seine Verurteilung.

    Mathrigo hingegen überlebte Krellrims Attacke; allein, ohne Carnia, blieb er im Alten Rom zurück und begab sich auf den Weg ins Cho'gra, wo er sich dem aktuellen Herrscher General Nagor unterwarf – zum Schein, denn er will zurück an die Macht.

    Die Grah'tak starten inzwischen eine Invasion des Planeten Calah; die Calahi sind ein Volk, das im Großen Krieg die Wanderer unterstützte und von den Dämonen im Gegenzug fast ausgerottet wurde. Sie überlebten nur, weil sie sich in unterirdische Kavernen zurückzogen, dort viele Generationen verbrachten und irgendwann an die Oberfläche zurückkehrten. Inzwischen hatten sie ihre Herkunft und die überragende Technik, über die sie einst geboten, vergessen.

    Fast alle Wanderer reisen nach Calah – und es gibt Opfer. Alle halten Nara Yannick für tot. In Wirklichkeit konnte sie sich zusammen mit dem jungen Calahi-Krieger Gwarain in ein unterirdisches Felsenlabyrinth retten.

    Callista, Nroth, Tattoo und Max versuchen inzwischen, die Stämme der Calahi zu einen – dabei hilft es, dass sie von einigen für sagenhafte prophezeite Helden gehalten werden.

    Torn selbst blieb auf der Festung am Rande der Zeit zurück und überlegt, wie er mit Krellrim verfahren soll. Der Lu'cen Severos erschien und forderte eine Entscheidung. Andernfalls würden die Lu'cen eigenmächtig handeln ...

    »Sol morto, perdica«

    »Nur wer tot ist, verliert«

    In eine Schädelplatte des Knochenthrons geätzt

    Mein Name ist Torn.

    Einst war ich der letzte der Wanderer, einsam und ausgestoßen, zerrissen zwischen den Dimensionen – aber das ist nun vorbei. Denn im Laufe meines Kampfes gegen die Dämonen, die die Welten der Sterblichen zu überrennen drohen, habe ich Verbündete gefunden, Freunde und Waffenbrüder, die mich im Kampf gegen die Grah'tak unterstützen. Seite an Seite fechten wir in dem Krieg, der durch die Zeiten und Welten tobt.

    Das Korps der Wanderer wurde neu gegründet, und wie vor Äonen ist es seine Aufgabe, die Welten der Sterblichen vor den Mächten des Chaos zu beschützen. Der Kampf ist hart und entbehrungsreich und fordert immer neue Verluste. Aber wir geben nicht auf, denn wir sind Wanderer und haben den Eid des Lichts geleistet.

    Dies ist unsere Geschichte ...

    Prolog

    Das Jahr 62 v. Chr.

    Griechenland

    Der Seemann starrte in die Weite.

    Die Ebene erstreckte sich in die Ewigkeit, und doch ahnte er in der Ferne, hinter diesigen Nebelschleiern verborgen, die Spitzen anderer Berge. Er kicherte. Vielleicht würde ihm die Entfernung gar nicht mehr so gewaltig erscheinen, wenn er sich erhob.

    Dennoch kroch er weiter, schob sich wie eine Schlange über den rauen, knochentrockenen Felsboden des Hochplateaus. Ein scharfkantiger Stein schlitzte seine ohnehin nur aus einem alten Lumpen bestehende Hose auf und zog einen zentimeterlangen Schnitt in das Fleisch seines Oberschenkels. Er hob unwillig das Bein, tastete über die Wunde und spürte warmes, klebriges Blut zwischen seinen Fingern.

    Schmerz fühlte er nicht, aber es ärgerte ihn dennoch. Es bedeutete einen weiteren Kraftverlust, und die Stimme in seinem Kopf sagte, das wäre nicht akzeptabel. Er wischte die Hand auf dem Felsboden trocken und hinterließ schmierige Spuren. Sie glänzten rot, weil sich das klare, erbarmungslos herabbrennende Sonnenlicht daran brach.

    Der Seemann war über und über in Schweiß gebadet. Die mörderische Hitze dörrte ihn immer weiter aus. Seine Zunge fühlte sich an wie ein lederner Fetzen, die Kehle war pulvertrocken. Die Haut spannte im Gesicht, und seine Augen hatten längst aufgehört zu tränen, obwohl ständig Sand in sie peitschte.

    Er quälte sich auf die Beine. Zuerst stand er wankend, doch etwas in ihm gab ihm das Gleichgewicht zurück.

    Etwas an ihm.

    So war es. Die Kraft dazu kam nicht aus ihm selbst. Etwas wirkte auf ihn ein. Genau dasselbe, das immerzu und unablässig in seinem Kopf flüsterte. Die Stimme gab keine Ruhe. Sie hatte ihn von Rom nach Griechenland getrieben, dann in das öde Land, die Berge hinauf ... bis er auf diesem Plateau angekommen war. Und die Reise war noch nicht zu Ende.

    Ein Blutstropfen rann über sein Knie und fiel auf seinen Fuß, suchte sich den Weg zwischen den schäbigen Überresten dessen, was einst eine Sandale gewesen war.

    Weiter.

    So sagte es ihm sein Verstand, der letzte kleine Rest seines Verstandes, denn er musste Schutz suchen vor der glühenden Hitze und Wasser finden.

    Weiter.

    So trieb ihn aber auch die Stimme in seinem Kopf. Er war auf der Suche. Nach etwas. Oder nach jemandem. Irgendwo. Er wusste es nicht, und das trieb ihn beinahe in den Wahnsinn, genau wie das Wispern und Säuseln in seinem Kopf.

    Geh weiter ...

    Da waren nicht nur die Worte. Auch Gefühle strömten in ihn, breiteten sich in ihm aus und brannten in ihm, als wären es seine eigenen. Oder waren sie das tatsächlich? Bildete er sich das alles nur ein, weil er die Wahrheit nicht akzeptieren wollte? Weil er nicht glauben wollte, dass der Hass und der Wunsch nach Rache seine eigenen Gefühle waren?

    Er musste diesem Hass Erfüllung gönnen, die Rachsucht stillen.

    So ist es richtig. Und darum geh weiter!

    Der Seemann schleppte voran. Er hatte es von Rom nach Griechenland geschafft und vom Hafen aus hierher. Er kam seinem Ziel näher, immer näher ...

    1.

    Im Thronsaal des Cho'gra

    Mathrigo sah sich zufrieden um. Kraftströme durchpulsten ihn.

    Während er Schritt für Schritt durch den Thronsaal stapfte, fühlte er die eisige Kälte, die seinen neuen Klonkörper durchdrang. Sie verlieh ihm ein Gefühl der Erhabenheit. Wie angenehm sie auf der Haut prickelte, bis in die Knochen hinein spürbar. Die Kälte der Bosheit.

    Der ehemalige Herrscher aller Grah'tak im Immansium genoss den Triumph, sich wieder frei im Cho'gra bewegen zu können. Er war zurückgekehrt an die Stätte seiner Macht. Nur gehörte ihm diese Macht, über die er jahrmillionenlang geboten hatte, nicht mehr. Ein anderer saß auf dem Knochenthron im Zentrum des Thronsaals; ein anderer dirigierte als unangefochtener Gebieter die Legionen der Dämonen; ein anderer nahm den Platz ein, der ihm, Mathrigo, gebührte.

    Ein anderer ...

    General Nagor, der Perr'agkar, der die Wirren des Bürgerkriegs genutzt und sich nach Mathrigos angeblicher Vernichtung durch den verhassten Torn an die Spitze der Hierarchie geschwungen hatte. Dort regierte er mit einer Brutalität und Launenhaftigkeit, die sogar diejenige Mathrigos übertraf. Unwillen regte sich unter den Grah'tak ... zumindest glaubte Mathrigo das.

    Es war bittere Ironie, dass Nagor vor einer Ewigkeit nur deshalb von den Dokaten aus Grah'tak-Körperteilen zusammengesetzt worden war, weil Mathrigo es so befohlen hatte. Die Kreatur hatte sich über ihren Schöpfer erhoben. Und Mathrigo hatte keine Möglichkeit, das zu ändern.

    Noch nicht.

    Er hatte einen gefahrvollen Weg zurückgelegt, um an diesen unheilvollen Ort zurückzukehren. Er war alleine gekommen, und waffenlos, denn gegen Nagor im Zentrum seiner Macht mit Gewalt vorgehen zu wollen, wäre völlig aussichtslos gewesen. Der Perr'agkar hatte ganze Legionen hinter sich. Er war der neue Herrscher. Er gebot, und es geschah.

    Zunächst war Mathrigo gekommen, um die Lage zu beobachten, um zu sondieren und zu taktieren, um abzuschätzen, was möglich war und was nicht. Nach Carnias Tod wusste er niemanden mehr auf seiner Seite. Zwar glaubte er, dass manche Grah'tak, die im Geschehen rund um den Thronsaal auf die eine oder andere Weise Bedeutung erlangt hatten, ihm signalisierten, dass sie ihn gerne wieder auf dem Thron sehen wollten – aber noch blieb alles unbestimmt. Kein Grah'tak wagte, sich offen zu äußern.

    Darüber hinaus war Mathrigo nicht bereit, einen Putsch zu versuchen. Er war vor Nagor getreten und hatte sich ihm bedingungslos unterworfen. Entsprechend dieser Unterwerfung würde er sich auch verhalten. Offiziell. Vorerst.

    Selbstverständlich hegte Nagor Misstrauen gegen ihn; andernfalls wäre der uralte Perr'agkar ein Narr. Und doch war Nagor nahezu keine andere Wahl geblieben, als Mathrigos Unterwerfung zu akzeptieren. Nichts anderes stärkte seine Machtposition so sehr wie die Tatsache, dass derjenige, der eine schiere Ewigkeit lang auf dem Knochenthron gesessen hatte, ihm nun diente.

    Mathrigo kannte noch immer jeden Millimeter Boden im Thronsaal. Gelassen überschritt er eine der zahlreichen Lavaadern, ohne besonders darauf achten zu müssen. Unter ihm floss träge das glutflüssige Gestein, dessen Hitze von der Kälte der Bosheit an diesem Ort tief unter der Erdoberfläche sofort absorbiert wurde. Eine Blase zerplatzte und schleuderte brennende Tropfen, die sich wieder mit ihrem Ursprung vereinten oder zischend auf dem Gestein verdampften.

    Mathrigo näherte sich dem Thron und damit seinem Gebieter und Feind.

    General Nagor erwartete ihn. Seine Pranke umklammerte die Seitenlehne, die aus drei miteinander verschmolzenen Armknochen von Wanderern bestand, die Mathrigo während des Großen Krieges vor Äonen persönlich getötet hatte. Schon dieses Detail zeigte, dass Nagor auf diesem Thron nichts zu suchen hatte. Er gehörte ihm, Mathrigo, denn er konnte sich noch ganz genau an die Todesschreie dieser Kämpfer des Lichts erinnern, die sehr lange gedauert hatten ...

    Der Perr'agkar schnaubte verächtlich. »Beeil dich, mein Knecht, oder glaubst du, ich hätte nichts anderes zu tun als zu warten, bis du endlich vor mir stehst?«

    In Mathrigo kochte eiskalter Zorn, aber er ließ es sich nicht anmerken. Stattdessen beschleunigte er seine Schritte, ganz der unterwürfige Diener seines Meisters. »Du hast mich gerufen.« Mit den Ehrerbietungen, die er selbst stets erwartet hatte, ging er sparsam um. Er versuchte sie genau zu dosieren; so wenig wie möglich, aber gerade so viel, dass Nagors Misstrauen nicht weiter wuchs.

    »Begleite mich«, forderte Nagor. Wie immer, seit Mathrigo ihn nach seiner Rückkehr zum ersten Mal gesehen hatte, überspannte ein seltsames Ding seinen Leib, und das überall, selbst am Kopf. Hauchdünn schimmerte er in dumpfem Blau, durch das sich ein Netz aus pechschwarzen Verästelungen zog. Farb- und lichtlose Klumpen trieben über seinen Körper, als würden sie eine Wasseroberfläche durchschwimmen; sie schienen sogar jedes Licht aus der Umgebung zu saugen und in sich zu verschlingen.

    »Wohin?«

    Mathrigo fragte sich zum hundertsten Mal, worum es sich bei diesem Ding auf Nagors Leib handeln konnte. Es erinnerte in seinem Aussehen und der Aura, die es ausstrahlte, entfernt an etwas, das an einem Ort wie dem Cho'gra und am Leib eines Grah'tak nichts zu suchen hatte – an die Plasmarüstung eines Wanderers. Die positive Energie darin hätte einen Grah'tak allerdings sofort verzehrt. Nicht umsonst hatte Mathrigo die Reste der Plasmarüstung, die er als Wandererschüler Ferrotor getragen hatte, in seinem uralten Archiv verstaut, weil es ihm nicht gelungen war, sie zu zerstören. Sollte etwa ...

    Nagor riss ihn aus den Überlegungen. »Das wirst du sehen. Oder glaubst du etwa, ich bin dir Rechenschaft schuldig?« Der aktuelle Herrscher des Cho'gra fixierte seinen Vorgänger. So nannte er Mathrigo stets; dass es zwischen ihnen einen weiteren Herrscher gegeben hatte, der seine Position nicht lange hatte halten können, verschwieg der Perr'agkar. Für ihn war es, als habe Nroth, der sich letztendlich auf die Seite seines Vaters Torn geschlagen hatte, nie existiert.

    Mathrigo gönnte seinem Gegenüber den Triumph und verneigte sich knapp. »Selbstverständlich nicht.«

    Nagor griff nach der gewaltigen Streitaxt aus Brak'tar, die seitlich an dem Thron lehnte. Er schleifte sie mit sich, dass die Schneide über den Boden schrammte. Funken flogen, bis Nagor die Waffe hob und durch die Luft schwingen ließ. Das durchdringende Pfeifen hätte anderen wohl Angst bereitet.

    Mathrigo nahm es gelassen. Ihm lag auf der Zunge zu fragen, was dieses Spiel sollte, doch er schwieg. Er glaubte nicht, dass Nagor ihn attackieren würde. Das triumphierende Gehabe war ihm offenbar in Fleisch und Blut übergegangen. Vielleicht bemerkte er nicht einmal, wie sehr er seine Macht zur Schau stellte.

    Als sie den Thronsaal verließen, strafften die bulligen Ock'mar-Leibwächter ihre Haltung. Ihr Anführer trat einen Schritt vor. »Meister, soll ich Euch ...«

    »Maul halten«, schnarrte Nagor den Grah'tak an. »Wenn ich dich benötige, werde ich es dich wissen lassen.«

    Schweigend ging der Ock'mar zurück in die Reihe seiner Artgenossen. In den feisten Augen seines grünschuppigen Gesichts funkelte es.

    Nagor und Mathrigo legten wenige Schritte zurück. Der Perr'agkar spuckte einen Batzen Speichel aus, der an der Felswand nach unten rann und eine rötlich-grüne Spur hinterließ. »Schleimige Kröten sind sie, diese Ock'mar.«

    Mathrigo hoffte, dass die Ock'mar es noch hörten. Jeder Unfriede zwischen Nagor und seinen Untergebenen konnte ihm nur recht sein. Er wartete ab, bis sie auch für die feinen Ohren der bulligen Grah'tak außer Hörweite waren. Erst dann erwiderte er: »Sie sind nützlich als Leibwächter. Ergebene Kreaturen, aber schwach. Carnia hat einige von ihnen mit bloßen Händen überwältigt.«

    »Carnia«, wiederholte Nagor. »Ein Weib, wie es in den Tiefen des Cho'gra kein zweites gab. Ihr Tod ist bedauerlich.«

    Seit seiner Rückkehr hatte Nagor noch nie solches Interesse an Mathrigos Worten gezeigt. Mathrigo sah seine Stunde gekommen. »Du hast sehr schnell erkannt, wie du die Ock'mar einzuschätzen hast. Immerhin waren sie seit Äonen meine Leibwächter, und ein anderer als du hätte denken können ...«

    Nagor wirbelte herum und schmetterte seine Faust gegen Mathrigos Brust. Dieser ächzte und taumelte zurück, stieß gegen die Höhlenwand.

    »Schmeichle dich nicht ein«, verlangte der Perr'agkar. »Spar dir die Mühe. Oder bist du so kriecherisch wie tausend andere jämmerliche Kreaturen, die hoffen, dass ich ihnen mehr Macht übertrage?«

    Mathrigos Brust brannte, als würden glühende Eisen daran gepresst. Er spürte noch immer die Wucht des Schlages und fühlte etwas heiß über seinen Körper rinnen. Die Brak'tar-Verstrebungen, die Nagors Fingerspitzen und den Handrücken überzogen, hatten seine Kleidung zerfetzt und Wunden gerissen. Oder hatte es mit jenem seltsamen blau-schwarzen Gespinst um Nagors Leib zu tun?

    Ein flüchtiger Blick zeigte Mathrigo, dass sich sein Klonkörper mit jeder weiteren Sekunde in den Tiefen der Bosheit des Cho'gra mehr und mehr in einen Dämonenleib verwandelte. Die Wunden heilten bereits, das schwärzliche Blut verkrustete. Früher hätte er eine derart geringfügige Verletzung nicht einmal wahrgenommen.

    »Gehen wir weiter«, forderte Mathrigo. Er gab sich nicht die Blöße, auf den Zwischenfall einzugehen, aber irgendwann

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