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Torn 8 - Sand des Todes

Torn 8 - Sand des Todes

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Torn 8 - Sand des Todes

Länge:
307 Seiten
3 Stunden
Freigegeben:
Jan 1, 2013
ISBN:
9783955726089
Format:
Buch

Beschreibung

»Mein Name ist Torn. Ich habe das Ende der Menschheit gesehen und trachte danach, es zu verhindern. Dies ist meine Geschichte ...«

Torns Suche nach dem geheimnisvollen "Daemonichron" geht weiter: Eine neue Spur führt den Wanderer der Zeit in den afrikanischen Dschungel. Beim Versuch, den Schlüssel zu finden, kommt er mit den Betreibern eines Versuchslabors in Konflikt, die einer geheimnisvollen Organisation angehören, befehligt von einer ominösen Machtgestalt. Gleichzeitig lässt das Schicksal Torn auf einen aus dem Labor geflohenen, intelligenten Gorilla treffen – doch diese erste Begegnung wird nicht die letzte sein …

Der rote Planet – Mars – ist Torns nächstes Ziel. Die einst blühende Kultur des Planeten steht kurz vor dem Untergang, ein Bürgerkrieg scheint kaum noch abwendbar zu sein. Torn wird bei seiner Suche in die Angelegenheiten der Sterblichen gezogen, als sich eine Partei des Marsvolkes mit den Grah'tak verbündet. Torn schlägt sich auf die Seite der Kaste der Wissenschaftler, um deren finstere Feinde zu bekämpfen …
Freigegeben:
Jan 1, 2013
ISBN:
9783955726089
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Torn 8 - Sand des Todes - Michael J. Parrish

Glossar

Was bisher geschah

»Mein Name ist Torn. Ich habe das Ende der Menschheit gesehen und trachte danach, es zu verhindern. Dies ist meine Geschichte …«

Im Jahr 1999 gerät der Elitesoldate Isaac Torn während eines Einsatzes in einen Hinterhalt. Ein unheimlicher Hüne, der sein Gesicht hinter einer sonderbaren Schädelmaske aus Metall verbirgt, bringt Torns Gefährten um und foltert ihn.

Aus unerklärlichen Gründen überlebt Torn und kann entkommen, doch seine Karriere ist zerstört, die Beziehung zu seiner Verlobten Rebecca nahezu zerbrochen – er gibt sich die Schuld am Scheitern der Mission. Als er eines Tages von Pentagon-Mitarbeitern zu einem Zeitreise-Experiment eingeladen wird, ist er zunächst unschlüssig. Durch den unerwarteten Mord an Rebecca sieht sich Torn jedoch gezwungen, an dem Versuch teilzunehmen.

Doch das Experiment hat fatale Folgen: die Realität, in die Torn schreitet, ist dem Chaos verfallen. Regierungen existieren nicht mehr, die Menschen vernichten sich gegenseitig, und grausame Dämonen ziehen mordend umher. Torn ist machtlos.

Inmitten seiner Resignation wird er in eine andere Dimension getragen. Weise Wesen, die Lu'cen, offenbaren ihm, dass Torn durch das Überqueren der Zeitengrenze ein Tor in die finstere Dimension der Dämonen aufgestoßen hat – die Welten der Sterblichen drohen vernichtet zu werden.

Ausgerüstet mit einer Plasmarüstung wurde er von den Lu'cen als Wanderer zur Erde zurückgeschickt, um das Experiment zu verhindern. Doch dies scheitert ebenso wie der Versuch, entgegen der Warnungen der Lu'cen, den Mord an Rebecca zu verhindern.

Es scheint nur noch eine Lösung zu geben: Der Wanderer Torn muss zeitgleich mit seinem menschlichen Ebenbild das Vortex durchschreiten. Mathrigo kann dies beinahe verhindern, doch der Lu'cen Aeternos greift ein und opfert sich selbst – der Untergang der Menschheit wurde abgewendet.

Torns Aufgabe ist es nun, zu allen Zeiten und in allen Welten die Sterblichen vor den Übergriffen der Grah'tak und ihres Anführers Mathrigo zu schützen, denn diese versuchen weiterhin, das Immansium ins Chaos zu stürzen. Um gewappnet zu sein, erhält Torn neben seiner Plasmarüstung das Lux, genannt das Schwert des Lichts, sowie einen Gardian, der ihm das Reisen durch Raum und Zeit ermöglicht.

Und so kommt es, dass Torn in seiner ersten Mission die Chance erhält, sich am Mörder Rebeccas zu rächen: Im Kampf schlägt Torn dem Grah'tak Morgo den Kopf ab.

Torn, dessen Menschlichkeit und Erinnerungen von den Lu'cen ausgelöscht wurden, lebt nun auf der Festung am Rande der Zeit. Dort beginnt er, einen Teil der Geheimnisse der Zeitenfeste aufzudecken, und erfährt die Geschichte des Wanderers Ferrotor, dem Verräter – der sich später Mathrigo nennen wird.

Später erfährt Torn von einem unermesslichen Wissensschatz, in dem alles Wissen über die Grah'tak gespeichert ist: dem Daemonichron. Da dieses Artefakt dem Wanderer im Kampf gegen die Finsteren unschätzbare Dienste leisten kann, macht er sich auf die Suche nach den fünf Schlüsseln, die ihm den Weg zum Daemonichron weisen sollen …

Im Auftrag der Lu'cen durchstreift der Wanderer von nun an einsam die Zeiten und Welten des Immansiums, trifft neue Freunde und bekämpft gefährliche Feinde, zerrissen von Schuldgefühlen und immer auf der Suche nach seiner wahren Vergangenheit.

Der Gott des Dschungels

von

Michael J. Parrish

»Dort drüben muss er sein! Irgendwo dort im Gebüsch!«

»Zwei Mann auf die linke Flanke! Er darf uns nicht entkommen!«

»Verstanden!«

Der dumpfe Tritt ihrer Stiefel ließ den weichen, feuchten Boden des Dschungels erbeben, steigerte den heftigen Pulsschlag der Kreatur, die sich im Schutz der Dunkelheit in das Dickicht geflüchtet hatte.

»Da sind Spuren! Er muss dort entlanggekommen sein!«

»Vergesst nicht, dass der Doktor ihn lebend will! Verwendet nur Betäubungsgeschosse!«

»Verstanden, Commander! Er muss ganz in der Nähe sein.« Die Nüstern des Tieres blähten sich, während es mit wachen Augen aus dem Dickicht spähte. Mondlicht fiel auf die Lichtung, und es konnte die dunklen, bedrohlichen Gestalten sehen, die sich ihm näherten, spürte instinktiv die Gefahr, die von ihnen ausging. Dann, einem jähen Impuls gehorchend, sprang es aus seinem Versteck, brach durch das Dickicht. »Da ist er!«, brüllte eine der Stimmen – und eine gnadenlose Jagd entbrannte.

1. Kapitel

Dschungel von Südostafrika

1941 A.D.

Der Pulsschlag des Tieres steigerte sich zum lärmenden Stakkato, das eins wurde mit dem Schlag der Trommeln, die dumpf über dem Dschungel lagen.

Rasend schnell huschte das Tier durch den Wald, floh panisch vor seinen Jägern, die ihm unbarmherzig auf den Fersen blieben. Weder verstand es, wer sie waren, noch wusste es, was sie von ihm wollten.

Nur eines war ihm klar.

Dass es ihnen entkommen musste, um zu überleben.

Seine Muskeln waren gelähmt vom Schmerz, den sie ihm zugefügt hatten. Der bittere, fremde Geruch und die panischen Schreie seiner Artgenossen lagen ihm noch in den Ohren, ängstigten den Primaten trotz seiner imposanten Gestalt.

Am Stamm eines großen, von Schlingpflanzen überwucherten Baumes hielt er inne. Eine flüchtige Erinnerung überkam ihn, und kurzerhand schwang er sich an einer der Lianen empor, erkletterte den Baum mit katzenhafter Gewandtheit.

Oben verharrte er auf einem der dicken Äste, blickte hinab ins Dickicht.

Er sah grelles Licht aufblitzen, sah die dunklen Gestalten, die ihm folgten. Er hörte ihr Geschrei und das schreckliche Schnauben ihrer Maschinen, mit denen sie durch den Dschungel pflügten.

Dann wurde es still.

Die Männer, die nach ihm suchten, hatten sein Versteck passiert. Der Gorilla keuchte, verhielt sich völlig still. Seine Gliedmaßen bebten, sein schwarzes Fell war nass von Schweiß. Seine Instinkte drängten ihn dazu, weiterzufliehen, doch ein anderer Impuls – jener, der ihn vorhin dazu getrieben hatte, den Baum zu erklimmen – hielt ihn zurück.

Er musste abwarten, bis sie sich noch weiter von ihm entfernt hatten. Erst dann konnte er sicher gehen, von ihnen nicht mehr gefunden zu werden.

Der Gorilla sank in sich zusammen, begann, die vielen schmerzenden Stellen seines Körpers zu versorgen, sie zu lecken und mit Speichel zu bestreichen. Er wusste nicht, weshalb er es tat, tat es einfach, weil die Natur ihm dazu riet.

In seinem Inneren herrschte Wirrnis. Immer wieder sah er Bilder vor Augen, schreckliche Bilder, die ihm das Blut in den Adern gefrieren ließen. Er sah seine Artgenossen, sah, wie sie abgeschlachtet wurden, sah Berge, die aus ihren Knochen errichtet wurden und Lebenssaft aus ihren leblosen Körpern fließen – und ein tiefes, dumpfes Knurren entrang sich seiner Kehle.

Später, als weit und breit nichts mehr zu hören war – selbst der Schlag der Trommeln war verklungen –, erhob er sich aus seinem Versteck, glitt an den Schlingpflanzen hinab. Vornüber gebeugt, sich mit seinen langen Vordergliedmaßen auf den weichen Boden stützend, verschwand der Primat im Dickicht, huschte durch Farn und dichtes Unterholz.

Er ließ das Tal der Schmerzen hinter sich, folgte dem Lauf eines Flusses, in dessen Wasser er seine Wunden kühlte. Danach gehorchte er weiter seinen Instinkten, die ihn immer weiter weg von seinen Feinden führten, weg von jenem schrecklichen Ort, von dem er nur mit Mühe entkommen war.

Die Angst trieb ihn immer weiter, trotz der Erschöpfung und der Schmerzen, die ihn heimsuchten. Als es schließlich zu dämmern begann und die Sonne ihre ersten Strahlen über den Horizont schickte, hatte er eine weite Strecke zwischen sich und seine Peiniger gebracht – doch die Furcht beherrschte ihn noch immer.

Unruhig rollten seine weißen Augen in ihren Höhlen umher, spähten wieder wachsam um sich, während er versuchte, Witterung aufzunehmen.

Keine Spur von seinen Verfolgern.

Endlich verlangsamte der Gorilla seinen Schritt. Erneut erklomm er einen Baum, setzte sich auf einen der Äste, ließ sich die Sonne auf seinen breiten Rücken scheinen, auf dem sich ein silbergrauer Ansatz zeigte.

Wäre dieser Gorilla in freier Wildbahn aufgewachsen, wäre er vermutlich Anführer seiner Sippe geworden. So aber waren die Käfige des Labors alles, was er je gekannt hatte. Nur seine Instinkte, das Erbe voran gegangener Generationen, ermöglichte es ihm, sich in dieser grünen Welt zurechtzufinden, die ihm fremd und zugleich vertraut erschien.

Plötzlich erweckte etwas seine Aufmerksamkeit.

Es war ein seltsam geformter Baum, der sich in nicht allzu weiter Ferne über das Dickicht des Dschungels erhob und von Schlingpflanzen überwuchert war. Rings um ihn schien es noch mehr solcher Bäume zu geben, einige davon waren beschädigt, ihr Inneres schimmerte im Licht der Morgensonne. Was mochte das sein?

Im gleichen Moment hörte ein dumpfes, durchdringendes Geräusch. Infernalisches Getöse, wie der Wald es nicht zustande brachte, sondern nur jene, aus deren Gefangenschaft er entkommen war.

Seine Feinde!

Diejenigen, die ihn jagten!

Der Pulsschlag des Affen steigerte sich schlagartig. Gehetzt blickte er sich um, schaute zum morgenroten Himmel empor, um etwas zu erblicken, das ihm wie ein riesiges, lärmendes Insekt erschien und das rasch näher kam.

Der Gorilla wusste nicht, dass es ein Helikopter war, der sich ihm näherte, und selbst wenn er es gewusst hätte, hätte ihm dieses Wissen nichts genützt. Doch derselbe Impuls, der ihn dazu gedrängt hatte, seine Fesseln abzuschütteln und der Gefangenschaft zu entfliehen, trieb ihn jetzt dazu, vom Baum zu klettern und sich in den Schutz des Dickichts zu flüchten.

Das Brummen kam immer näher, war plötzlich direkt über ihm. Der Gorilla blickte nach oben, konnte den dunklen Schatten sehen, der einem Raubvogel gleich über den Bäumen schwebte.

Er musste sich verstecken – aber wo?

Die großen Bäume, die er von seinem Versteck aus gesehen hatte, kamen ihm in den Sinn, und er setzte sich in Bewegung, durchbrach mit seinem massigen Körper das Dickicht. Das Kreischen von Vögeln war zu hören, die verschreckt aufflatterten, als das lärmende Monstrum sich ihnen näherte.

Der Gorilla blickte nach oben, sah, dass ihm das Ding auf den Fersen blieb. Sein Schatten fiel über ihn, und er beschleunigte seinen Schritt, hetzte durch den erwachenden Dschungel. Immer weiter kämpfte er sich durch das Unterholz, bis es so dicht wurde, dass er sich mit aller Kraft dagegenwerfen musste, um das dichte Gewirr von Lianen und Schlingpflanzen zu durchdringen.

Dann, plötzlich, stand er auf einer Lichtung, vor ihm die Bäume, die er aus der Ferne gesehen hatte. Sie waren riesenhaft und seltsam geformt, von Wurzeln und Schlingpflanzen übersät. Der Geruch, der von ihnen ausging, ließ den Gorilla zurückweichen. Er behagte ihm nicht, weckte böse Erinnerungen – doch ihm blieb nichts anderes übrig, als dort nach einem Versteck zu suchen.

Kaum betrat er das freie Feld, gewahrten ihn seine Verfolger. Das laute Brummen verstärkte sich, und der riesige Raubvogel senkte sich auf ihn herab, flog über ihn hinweg. Es gab einen lauten, peitschenden Knall.

Der Gorilla schlug einen Haken, merkte, wie sich etwas unmittelbar neben ihn in den weichen Boden des Dschungels grub. Dann hatte er den vordersten der Bäume erreicht, der aus dem gleichen Material gefertigt zu sein schienen wie die Berge, die er auf seiner nächtlichen Flucht überwunden hatte.

Rasch flüchtete er sich in die dunkle Öffnung, die darin klaffte. Es gab einen weiteren Knall, wieder flog etwas heran, verfehlte ihn nur um Haaresbreite. Dann war er in dem Spalt verschwunden.

Im Inneren des Turms herrschte Dunkelheit. Nur spärliches Sonnenlicht fiel von oben herab, schmale Streifen von Licht, durch die der Gorilla huschte. Er jagte einen schmalen Gang entlang, dessen Wände von Lianen und Wurzeln überwuchert waren.

An manchen Stellen war die Mauer aus Stein eingebrochen und er konnte nach draußen sehen, gewahrte ringsum noch mehr Mauern und Türme, von denen manche eingestürzt waren, andere sich baufällig in den Himmel reckten.

Das schreckliche Geräusch des Monstervogels, der ihn verfolgte, schwebte noch immer über ihm, und er floh weiter, immer tiefer ins Innere der Anlage.

Bis seine Flucht plötzlich ein jähes Ende fand.

Unvermittelt fand sich der Menschenaffe in einem kreisrunden Raum gefangen, das Innere eines der seltsamen, steinernen Türme.

Das Dach war zur Hälfte eingestürzt, sodass spärliches Licht herein drang, und immer wieder gewahrte der Gorilla den dunklen, lärmenden Schatten, der den Himmel verdunkelte.

Panisch blickte er sich um, starrte an den senkrecht aufragenden Wänden empor.

Er saß in der Falle.

Zurück konnte er nicht – draußen lauerten die Jäger, deren schrecklicher Gefangenschaft er entkommen war. Und aus dem Turm schien es keinen Ausweg zu geben.

Mit dem Mut der Verzweiflung fasste der Gorilla eine der Lianen, die an der Innenwand des Turms herab wuchsen, schaffte es, ein Stück daran empor zu klettern. Dann jedoch riss die Pflanze unter seinem immensen Körpergewicht, und er schlug dumpf zu Boden.

Knurrend sprang der Gorilla auf. Namenlose Wut brachte seine Muskeln zum Schwellen. Die Zähne gefletscht, nahm er Anlauf und warf sich gegen die Wand des Turms – doch der uralte Stein, der Jahrtausenden getrotzt hatte, gab nicht nach.

In seiner Rage brachte das Tier mehrere Versuche damit zu, sich immer wieder von neuem gegen die massive Wand aus Stein zu werfen, an immer neuen Stellen.

Ohne Erfolg.

Keuchend und außer Atem dämmerte dem Primaten schließlich, dass es keinen Ausweg gab, als plötzlich etwas Helles, Glitzerndes seine Aufmerksamkeit weckte. Etwas, das unter dem dichten Bewuchs von Farn und Moos verborgen war, der den Boden des Turms bedeckte.

Der Gorilla schnaubte, legte seinen Kopf schief, während er zu ergründen versuchte, was ihn einen Augenblick lang geblendet hatte.

Da war es wieder!

Sich auf seine kräftigen Arme stützend, eilte er an die Stelle, wo er das Funkeln gesehen hatte, begann am Moos zu schaben und das dichte Blattwerk zu entfernen. Unter den Schichten von Grün kam eine glitzernde Fläche aus Metall zum Vorschein, die glatt war und anders als alles, was der Gorilla je zuvor in seinem Leben gesehen hatte.

Er schnupperte daran, stellte fest, dass es keinen Geruch besaß. Weder roch es nach seinesgleichen noch nach den Feinden, die außerhalb dieser Mauern auf ihn lauerten.

In die Mitte der Fläche war eine Vertiefung eingelassen, die sofort die Aufmerksamkeit des Affen erregte – schon deshalb, weil sie eine Form besaß, die ihm irgendwie vertraut erschien. Er betrachtete seine rechte Pranke, und jener Impuls, der ihm bereits einige Male das Leben gerettet hatte, stellte fest, dass es Übereinstimmungen gab. Die Form seiner Hand und die Vertiefung ähnelten einander.

Wieder hörte der Gorilla das schreckliche Geräusch, das das fliegende Monsterding machte. Es schien sich auf die Lichtung herab zu senken. Es kam, um ihn zu holen!

Mit seinen rudimentären Fingern und Zehen betastete der Gorilla die Fläche, stellte fest, dass sie zu einem ganzen Kasten gehörte, der halb im Boden versunken war. Immer wieder strich er darüber. Das Ding fühlte sich glatt und kühl an, trotz der schwülen Hitze, die über dem Dschungel lag.

Dann, plötzlich, berührte die weiche Fläche seiner Hand die Vertiefung, und etwas veränderte sich. Die Vertiefung begann zu leuchten und einen Herzschlag später öffnete sich die Kiste, sprang geräuschlos auf.

Der Gorilla gab ein grelles Kreischen von sich und machte einen Satz zurück. Entsetzt starrte er in das gleißende Licht, das aus der Kiste stach, sah den rätselhaften Gegenstand, der darin lag.

Im nächsten Moment stieg etwas in ihm empor, das tief in ihm geschlummert hatte. Vielleicht hätte es noch weitere Jahrmillionen geschlafen, vielleicht wäre es überhaupt nie ans Licht gekommen, hätte der grelle Schein es nicht aus dem Dämmerzustand der Evolution gerissen.

Der Gorilla spürte, wie ihn eine seltsame, nie gekannte Kraft durchströmte. Er erhob sich, richtete sich zu seiner vollen Größe auf, trommelte mit den Fäusten auf seine Brust.

Es war der Augenblick, in dem er sich seiner selbst bewusst wurde.

Das Flugzeug kreiste über der alten Tempelanlage, die unvermittelt aus dem Dickicht des Dschungels aufgetaucht war und deren Ruinen einen beeindruckenden Anblick boten. Die beiden Männer, die im Cockpit der Maschine saßen, hatten jedoch keinen Blick für die Hinterlassenschaften aus alter Zeit. Ihnen ging es nur darum, die Kreatur ausfindig zu machen, die in der vergangenen Nacht aus dem Lager entkommen war.

»Wo steckt das verdammte Biest nur?«, meinte der Pilot, während er suchend durch das Kanzelglas blickte, die Maschine dabei über dem Tempelgelände kurven ließ.

»Lass nur, wir kriegen ihn schon. Mit dem Peilsender, den sie ihm verpasst haben, kann er nicht weit kommen.«

Der Pilot lachte. »Wahrscheinlich fragt sich das blöde Vieh, wie wir es so schnell finden konnten.«

»Er hat sich seit einiger Zeit nicht bewegt«, stellte der andere Mann fest, auf das Empfangsgerät blickend, das er in Händen hielt. »Offenbar hat er sich irgendwo in der Ruine verkrochen und wartet darauf, dass wir wieder verschwinden.«

»Da kann er lange warten«, schnaubte der Pilot. »Wenn er nicht raus kommt, gehen wir eben rein und holen ihn.«

»Ich habe Collins und seinen Leuten bereits Bescheid gegeben. Wir sollten nichts unternehmen, bevor sie nicht da sind. So ein Biest kann verdammt gefährlich werden.«

»Pah.« Der Pilot schüttelte den Kopf. »Du hast doch nicht etwa Angst vor so einen dämlichen Affen? Aber bitte – warten wir eben, bis die Verstärkung da ist.«

»Eben«, pflichtete der andere ihm bei. »Davonlaufen kann er uns ja nicht, er …« Der Co-Pilot verstummte jäh, blickte ungläubig auf sein Gerät.

»Was ist?«

»D-das gibt's doch nicht!« Der Co-Pilot schüttelte den Empfänger, drückte eine Reihe von Knöpfen. »Das ist doch unmöglich!«

»Was denn, verdammt nochmal?«

»Das Signal! Es ist verschwunden!«

»Was soll das heißen?«

»Das heißt, dass es verschwunden ist. Eben noch war es da, und jetzt ist es auf einmal weg!«

»Funktioniert dein Apparat auch richtig?«, erkundigte sich der Pilot. Elektronik war ihm zuwider – er hielte es lieber mit der guten alten Mechanik.

»Natürlich funktioniert er«, versicherte sein Begleiter genervt. »Die Frage ist nur, warum wir keinen Empfang mehr bekommen.«

»Ist der Sender kaputt gegangen?«

»Das ist unmöglich. Das Ding ist mit einer speziellen Legierung umhüllt. Es kann unmöglich zerstört werden, es sei denn …«

»Was?«

»Unser affiger Freund ist gleich mit draufgegangen.«

»Verdammt.« Der Pilot presste die Lippen zusammen. »Laroche reißt uns den Arsch auf, wenn das so ist.«

»Dann sollten wir besser los ziehen und das verdammte Vieh suchen, sonst … da ist er!«

»Wo?«

»Dort unten!«

Der Pilot blickte in die Richtung, in die sein Begleiter deutete. »Ich sehe ihn«, knurrte er, als er den Gorilla erblickte, der gerade aus einem Loch im Fels kletterte und sich dann auf die freie Fläche hinaus wagte, die von brüchigen Mauern umgeben war.

»Geh tiefer«, forderte der Co-Pilot auf. Kurzerhand legte er den Empfänger weg, griff dafür nach dem Gewehr, das neben seinem Sitz in einer Halterung steckte. »Ich werde ihm ein ordentliches Ding verpassen, dann kann er uns nicht mehr entwischen.«

»Einverstanden.« Der Pilot nickte, betätigte die Steuerung seiner Maschine. Das Flugzeug senkte daraufhin seine Nase und fiel wie ein Stein aus dem dämmernden Himmel, um direkt auf den Gorilla zuzufliegen.

Das Tier kümmerte sich nicht um sie, schien sie nicht einmal zu bemerken. Es wandte ihnen seinen breiten Rücken zu, schien im Gras nach Nahrung zu suchen.

»Was ist das Vieh dämlich«, meinte der Co-Pilot grinsend, während er die Fensterluke öffnete und hinaus zielte. »Er ergreift nicht mal die Flucht.«

»Vielleicht weiß er, dass er uns nicht entkommen kann«, mutmaßte der Pilot. »Die Biester sind manchmal schlauer, als man denkt.«

»Vielleicht – aber nicht dieser hier. Flieg so nah ran wie möglich und dann mach' eine enge Kurve. Der erste Schuss muss sitzen.«

»Roger.«

Der Pilot lenkte seine Maschine weiter auf den Menschenaffen zu, der trotz des infernalischen Getöses, das die Propeller verursachten, ruhig sitzen blieb. Mit sadistischem Grinsen legte der Co-Pilot an und zielte, sein Finger krümmte sich am Abzug – als plötzlich etwas geschah, womit keiner der beiden Männer gerechnet hatte.

Urplötzlich machte der Gorilla einen Satz zur Seite, wirbelte herum – und schleuderte mit seinen langen Gliedmaßen etwas von sich, geradewegs in die Flugbahn der Maschine. »Schieß doch! Schieß!«, brüllte der Pilot, und alles ging blitzschnell.

Der Co-Pilot feuerte, doch der Schuss war ungezielt und hastig, verfehlte den Gorilla, der unten auf der Lichtung stand und zu ihnen aufblickte.

Dafür traf das Geschoss, dass ihnen der Menschenaffe entgegengeschleudert hatte, umso besser. Der Stein durchschlug das Glas der Kanzel und traf den Piloten am Kopf.

»Frank!«

Entsetzt sah der Co-Pilot die klaffende Platzwunde an der Stirn seines Kumpanen, sah, wie er bewusstlos in die Gurte sank. Dabei drückte er den Steuerhebel nach vorn, die Nase des Flugzeugs neigte

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