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Torn 39 - Herrscher des Cho'gra

Torn 39 - Herrscher des Cho'gra

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Torn 39 - Herrscher des Cho'gra

Länge:
275 Seiten
3 Stunden
Freigegeben:
May 1, 2013
ISBN:
9783955726393
Format:
Buch

Beschreibung

»Mein Name ist Torn. Ich habe das Ende der Menschheit gesehen und trachte danach, es zu verhindern. Dies ist meine Geschichte ...«

Mit Mühe und unter großen Opfern ist es den Wanderern gelungen, die Bedrohung abzuwenden – jedoch sind tiefgreifende Veränderungen die Folge, die das Omniversum in seinen Grundfesten erschüttern.
An welchem finsteren Ort ist Mathrigo gestrandet? Was wird der entmachtete Herrscher der Grah'tak dort vorfinden? Und wie werden die Grah'tak auf den neuen Machthaber reagieren, der den Knochenthron bestiegen hat?
Herrscher des Cho'gra lautet der Titel des nächsten Bandes, den Christian Montillon nach einer Story von Michael J. Parrish verfasst hat – ein neues Abenteuer, das in düstere Welten führt.
Freigegeben:
May 1, 2013
ISBN:
9783955726393
Format:
Buch

Über den Autor


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Torn 39 - Herrscher des Cho'gra - Michael J. Parrish

39

Herrscher des Cho'gra

von Michael J. Parrish & Christian Montillon

© Zaubermond Verlag 2013

© Torn – Wanderer der Zeit by Michael J. Parrish

Die Veröffentlichung dieses Werkes erfolgt auf Vermittlung der Autoren-

und Verlagsagentur Peter Molden, Köln.

Titelbild: Günther Nawrath

eBook-Erstellung: story2go | Die eBook-Manufaktur

http://www.zaubermond.de

Alle Rechte vorbehalten

Inhalt

Herrscher des Cho'gra

Was bisher geschah

Prolog

1. Kapitel

2. Kapitel

3. Kapitel

4. Kapitel

5. Kapitel

6. Kapitel

7. Kapitel

8. Kapitel

9. Kapitel

10. Kapitel

11. Kapitel

12. Kapitel

Epilog

Vorschau

Glossar

Was bisher geschah

Mein Name ist Torn.

Ich war der letzte der Wanderer.

Dies ist meine Geschichte ...

Der Elitesoldat Isaac Torn nimmt an einem Zeitreiseexperiment

teil und stößt damit unwissentlich das Tor zum Subdaemonium auf, wodurch das Heer der dämonischen Grah'tak entfesselt wird und über die Welten der Sterblichen herfällt. Von den Lu'cen, den mächtigen Richtern der Zeit, kann der Untergang in letzter Sekunde abgewendet werden.

Als Wiedergutmachung wird Torn in ihre Dienste gestellt: Als Nachfolger der legendären Wanderer reist er durch Raum und Zeit, um gegen die verbliebenen Grah'tak zu kämpfen. Ausgestattet mit einer Plasmarüstung, die ihre Gestalt wandeln kann und seinem Lux, dem Schwert des Lichts, ist es seine Mission, die Sterblichen zu beschützen – die Festung am Rande der Zeit wird dabei seine neue Heimat. Doch Torn leidet unter der Einsamkeit, die ihm auferlegt wurde. Als er seiner Vergangenheit, die die Lu'cen aus seinem Gedächtnis löschten, näher kommt, bricht er das Gesetz der Wanderer: Er schont das Leben von Mathrigo, dem Herrscher der Grah'tak, um die Sterbliche Callista zu retten. Daraufhin verbannen ihn die Lu'cen aus der Festung, und eine gefährliche Odyssee durch Raum und Zeit beginnt ...

Die erste Station seines Exils führte Torn ins alte Rom, wo er sich auf die Suche nach dem alles vernichtenden Pal'rath begab. Seine nächste Mission führte Torn ins sagenumwobene Atlantis. Die Grah'tak versuchten, die letzte Kolonie der Wanderer zu vernichten. Mit Hilfe neuer Freunde und Verbündeter gelang es Torn jedoch, ihren Angriff zu stoppen. Nach dieser Mission trug das Vortex Torn ins alte Japan, wo er auf der Suche nach Darkon dem Schwertmeister den Weg des Kriegers beschritt und dabei seinen schlimmsten Gegner fand – sich selbst. Das Gute in Torn behielt jedoch Oberhand, und durch eine List der Lu'cen gelang es, die Grah'tak glauben zu machen, Torn sei tot.

Dadurch ermutigt, versuchte Mathrigo, der Herrscher der Dämonen, mit Hilfe eines Weltenvernichters die Erde zu zerstören. In letzter Sekunde gelang es Torn, Mathrigos Pläne zu vereiteln und den Ragh'na'rakh zu zerstören. Auf Rache sinnend, musste Mathrigo erkennen, dass ihm aus den eigenen Reihen Feinde erwachsen waren. Im Rat der Dämonen von seinem Rivalen Kerok Ghul herausgefordert, setzte der Herrscher der Grah'tak alles auf eine Karte und rief das »Killerkorps« ins Leben. Mit Hilfe der verräterischen Menschenfrau Carnia und des Wanderers Nroth gelang es ihm, sich seiner Gegner in den eigenen Reihen zu entledigen und einen erfolgreichen Angriff auf die Festung am Rande der Zeit durchzuführen, während sein Erzfeind Torn im 20. Jahrhundert der Menschheitsgeschichte in eine tödliche Falle gelockt wurde. Unter Freisetzung von Kräften, von denen er bislang nichts wusste, überlebte Torn das tödliche Inferno. Im Kampf um New York, das von einer gigantischen Kreatur aus dem Subdaemonium überfallen wurde, traf Torn auf Ceval von Atlantis, seinen Verbündeten und Freund aus alter Zeit. Unterdessen organisierten die Lu'cen Custos und Callista auf der Festung am Rande der Zeit den Widerstand gegen die Grah'tak. Mit Unterstützung der Geister der Wanderer, die vor Urzeiten im Kampf um die Festung ihr Leben gelassen hatten, gelang es schließlich, Mathrigo und sein Heer in einer verlustreichen Schlacht zu vertreiben. Nur drei Kämpfer des Lichts – Torn, Callista und Ceval – blieben am Ende übrig. Sie gründeten das neue Korps der Wanderer, zu dem sich mit dem intelligenten Menschenaffen Krellrim von Mrook und dem mit geheimnisvollen Tätowierungen versehenen Tattoo zwei neue Mitstreiter gesellten. Doch kurz danach muss Ceval im Kampf sein Leben lassen – und Mathrigo wird von Torn durch das Vortex an einen unbestimmten Ort verbannt ...

»Via duca, mordo una.«

»Macht ist zweideutig. Der Tod hingegen eindeutig.«

Zitat des jungen Ferrotor

Mein Name ist Torn.

Einst war ich der letzte der Wanderer, einsam und ausgestoßen, zerrissen zwischen den Dimensionen – aber das ist nun vorbei. Denn im Laufe meines Kampfes gegen die Dämonen, die die Welten der Sterblichen zu überrennen drohen, habe ich Verbündete gefunden, Freunde und Waffenbrüder, die mich im Kampf gegen die Grah'tak unterstützen. Seite an Seite fechten wir in dem Krieg, der durch die Zeiten und Welten tobt.

Das Korps der Wanderer wurde neu gegründet, und wie vor Äonen ist es seine Aufgabe, die Welten der Sterblichen vor den Mächten des Chaos zu beschützen. Der Kampf ist hart und entbehrungsreich und fordert immer neue Verluste. Aber wir geben nicht auf, denn wir sind Wanderer und haben den Eid des Lichts geleistet.

Dies ist unsere Geschichte ...

Prolog

Der Thronsaal des Cho'gra

»Vieles hat sich verändert.«

Die Worte hallten gespenstisch durch das Gewölbe tief im Inneren der Erde, das noch vor kurzem Schauplatz epochaler Ereignisse gewesen war. Rot glutendes Licht drang aus verästelten Spalten im Boden, und dicke Lavaströme wälzten sich träge durch die Höhle.

Dennoch war es kalt. Eiskalt.

»Vollkommen verändert«, korrigierte der Herrscher des Cho'gra. Er saß auf seinem Knochenthron und trug die Schädelmaske, die ihm wie angegossen passte, als sei sie eigens für ihn gefertigt worden. Aber vor ihm hatte sie eine Ewigkeit lang ein anderer getragen.

Dicht an einer der Lavaadern stand eine Frau, den Blick gebannt auf eine Stelle gerichtet, die sich scheinbar durch nichts von ihrer Umgebung unterschied. Vor nicht allzu langer Zeit hatte dort völlig hilflos und dem Tod nahe derjenige gelegen, der sich nun stolz Herrscher aller Grah'tak im Immansium nannte. Er war durch die Luft geschleudert worden und gegen die schreckliche Wand aus ineinander verschmolzenen Skeletten geprallt. Noch immer zeugten winzige abgebrochene Knochensplitter auf dem Boden davon.

»Hörst du mir überhaupt zu, Carnia?«

Die Angesprochene drehte sich zu dem Maskierten um. »Ich dachte gerade an deinen triumphalen Sieg, Nroth.«

Einige Sekunden herrschte Stille, nur unterbrochen durch ein leises Zischen, als von einem der Stalaktiten ein großer Wassertropfen in die Lava fiel und verdampfte.

Nroths Hände krallten sich um die Seitenlehnen seines Throns. Carnia kannte ihn gut genug, um zu wissen, dass hinter der Maske, die jede Emotion ihres Trägers verbarg, Wut und Ärger kochten. »Machst du dich über mich lächerlich?«, fragte er schließlich gefährlich leise.

»Sollte ich das?«

»Du solltest vor allem eins, und das ist, deine Worte mit Bedacht wählen!«

»Dann lass es mich anders sagen: Liegt ein Grund vor, mich über dich lächerlich zu machen?«

»Du verstehst es, deine Worte geschickt zu wählen, aber du vergisst, mit wem du redest!«

»Das weiß ich ganz genau.« Sie trat näher an Nroth heran, ein wissendes Lächeln im Gesicht. »Ich kenne selbst die verborgensten Winkel deines Körpers, so wie du die meinen. Oder erinnerst du dich nicht mehr an unsere gemeinsamen Nächte?«

»Das war nur ein Teil unserer Beziehung«, erwiderte der neue Herrscher des Cho'gra kühl.

»Das Ziel unserer Partnerschaft war klar umrissen«, stimmte Carnia zu. »Es galt, Mathrigo zu entmachten. Dies ist dir gelungen. Du hast seinen Platz eingenommen. Aus welchem Grund sollte ich mich also über dich ...«

»Weil ein anderer Mathrigo vernichtete!«, unterbrach Nroth sie scharf. »Der einzige, den ich noch mehr hasse als ihn.«

»Torn«, meinte Carnia nachdenklich. »Dein Vater.«

Nroth erhob sich ruckartig. »Er mag sich als meinen Vater bezeichnen, doch für mich ist er Abschaum! Ein Werkzeug, dessen ich mich bediente, als ich es brauchte.«

»Dessen wir uns bedienten. Ohne mich wärst du nicht da, wo du jetzt bist.« Sie ging nicht darauf ein, dass dem Namen nach nicht Torn, sondern Nroth das Werkzeug war, denn genau das bedeutete sein Name in der Sprache der Grah'tak.

»Und deswegen bist du die Geliebte des mächtigsten Wesens im Immansium! Ist dir das nicht genug?«

Sie warf noch einmal einen Blick in jenen Bereich des Thronsaals, in dem Nroth fast gestorben wäre. Nur ein Zufall hatte ihn auf festen Boden und nicht in einen Lavastrom stürzen lassen. »Lass uns später darüber reden. Ich denke über etwas anderes nach. Noch immer wissen wir nicht, auf welche Weise Torn Mathrigo besiegt hat.«

»Wir haben mit eigenen Augen gesehen, wie der verfluchte Wanderer ohne jegliches Hilfsmittel das Vortex geöffnet hat. Der Schlund hat ihn und Mathrigo verschlungen.«

Carnia verzog spöttisch das Gesicht. »Aber das kann nicht alles gewesen sein. Das Vortex hat sie irgendwo wieder ausgespuckt.«

»Und dort hat Torn Mathrigo vernichtet.«

»Aber wie? Und wie wurde die Zeitlinie wiederhergestellt? Hätte der Tod eines so einflussreichen Wesens wie Mathrigo in dieser Situation nicht für weiteres temporäres Chaos sorgen müssen?«

»Die Dokaten werden uns diese Fragen früher oder später beantworten. Sollen sie sich die Köpfe darüber zerbrechen! Sie haben bereits einige Andeutungen gemacht. Sie reden davon, dass Mathrigo nicht getötet, sondern entfernt worden ist.« Er stieß einen abschätzigen Laut aus. »Haarspaltereien und Ausflüchte! Sie wissen selbst nicht, welche Teufelei Torn sich dieses Mal wieder ausgedacht hat. Mir ist es gleichgültig. Das Ergebnis zählt: Mathrigo ist nicht mehr.«

»Bei der Wiederherstellung der Zeitlinie muss der Tod des Wanderers Ceval von entscheidender Bedeutung gewesen sein.« Carnias Stimme klirrte wie Eis. »Der Wanderer Tattoo hätte an seiner Stelle sterben sollen!«

Nroth umfasste ihre Schultern und fuhr an ihren Armen herab, strich beinahe zärtlich über den vernarbten Stumpf, in dem ihr rechter Arm endete. »Ein hübsches Andenken«, meinte er. »Tattoo hat ...«

»Schweig!« Carnia entzog sich ihm. »Es wird die Zeit kommen, in der Tattoo dafür büßen wird, dass er mich verstümmelt hat. Bis dahin ist das ganz allein meine Angelegenheit.«

»Was immer du sagst, Gefährtin.« Nroth nahm die Schädelmaske ab, packte Carnias Kinn und zwang sie, ihn anzusehen. »Der Schmerz macht dich rasend, nicht wahr?«

»Manchmal«, erwiderte sie leise, »fühle ich Schmerzen, die mit nichts zu vergleichen sind, was ich jemals zuvor erlebte. Und das, obwohl mir Schmerzen nicht fremd sind. Ich kenne sie. Ich weiß alles über sie.«

»Du warst die Meisterin der Qual«, stimmte Nroth zu. »Aber du fügtest diese Pein stets anderen zu.«

»Manchmal glaube ich jetzt zu verstehen, was meine Opfer fühlten, wenn ich sie folterte.« Ihre Miene war ausdruckslos; die Augen blitzten hart und grausam. »Einmal setzte ich einem jungen Sterblichen die Fresswürmer an, direkt in seinem Magen. Anfangs ernährten sich von dem, was sie darin vorfanden. In diesen Minuten lag in den Augen des Menschen nichts weiter als Angst. Aber dann ...«

Nroths Hand strich begierig über Carnias Körper. »Dann?«, verlangte er zu wissen.

Carnia schloss die Augen. »Dann suchten einige Würmer den Weg durch seine Gedärme, während andere die Magenwand durchstießen. Solch einen Ausdruck im Gesicht meines Opfers sah ich danach nie wieder. Leider ging alles schnell, viel zu schnell. Ich hätte seine körperliche Widerstandskraft vorher stärken sollen, um seine Reaktionen beobachten zu können.«

»Die Körper der Menschen sind schwach.«

»Das sagst gerade du?«

Seine Hände fanden ihre Brüste. »Wir mögen zwar als Menschen geboren worden sein, aber wir haben deren Beschränkungen abgelegt! Wir haben uns weiterentwickelt.«

»Wir sind Glu'takh.« Sie wählte diese Worte ganz bewusst als Überleitung auf ein leidiges Thema.

Nroth deutete sie richtig und entfernte sich von Carnia. »Worauf willst du hinaus?«

»Es gefällt vielen Grah'tak nicht, dass ihr neuer Anführer einst ein Sterblicher war, sogar der Sohn ihres Feindes. Sie sähen lieber einen reinrassigen Dämon auf dem Thron.«

Nroth spuckte aus. »Schon Mathrigo war ein Glu'takh!«

Carnia trat an Nroth heran, und jetzt war sie es, die die Initiative ergriff. Verlangend drängte sie sich an ihn. »Im Verborgenen schwelt schon lange ein Konflikt«, flüsterte sie. »Du weißt, dass gewisse Elemente schon immer lieber einen der ihren als Herrscher gesehen hätten.«

»Aber du bist anderer Meinung, nicht wahr?«

»Ich bin selbst eine Glu'takh. Wer könnte mir als mein Anführer näher sein als du?« Sie öffnete den Verschluss ihrer hautengen Kluft aus Dämonenleder, die an ihr herabglitt und nackte Haut enthüllte.

»Und deshalb ...«

»Deshalb werde ich für dich Augen und Ohren offen halten, mein Geliebter und mein Herr. Danach.«

Sie sanken auf dem Steinboden nieder, und ihre Körper vereinigten sich im glutroten Licht der Lava. Carnia genoss es, doch ihre Gedanken schweiften ab.

Wann, so fragte sie sich, würde der Krieg ausbrechen?

Die Zeichen standen auf Sturm. Die Machtverhältnisse im Cho'gra hatten sich geändert.

Das Spiel begann gerade erst ...

1.

Die Festung am Rande der Zeit

Die Waffe raste auf Torns Gesicht zu.

»Tot!«, schrie sein Gegner.

Der Wanderer schlug einen rückwärtigen Salto. Die Klinge verfehlte ihn knapp. Er landete perfekt auf den Füßen. Doch das nützte ihm nichts.

Ein Tritt schmetterte ihm die Beine weg. Er stürzte, hob noch im Fallen das Lux zur Abwehr. Ein Schlag riss ihm die Waffe aus der Hand. Sein Gegner sprang auf ihn, drückte ihn mit seinem ganzen Gewicht auf den Boden. Und legte ihm die Plasmaklinge an den Hals.

»Was ist los mit dir?« Callistas Stimme spiegelte eine Vielzahl von Emotionen wider. Enttäuschung, Mitleid, aber auch Sorge. Vor allem Letzteres. Sie deaktivierte ihr Lux und wandte sich ab.

Torn schwieg und erhob sich. Die Halle, in der sie sich befanden, diente nur einem Zweck: dem Kampftraining. Die Wände bestanden aus spiegelndem Metall, das zahlreiche Schrammen und verbrannte Stellen aufwies. Nur an einer Stelle war eine große, deplatziert wirkende Zielscheibe befestigt. Dort übte Tattoo in letzter Zeit häufig mit den Plasmadolchen, die ihm in Anerkennung seiner Dienste verliehen worden waren. Er hatte seine Fähigkeiten mit diesen Waffen bis zur Virtuosität gesteigert.

Callista legte ihrem Symellon die Hand auf die Schulter. »Der Kampf lief schlecht für dich«, sagte sie. »Du warst unkonzentriert.«

»Ich weiß.«

»Ich weiß? Ist das alles, was du zu sagen hast? Wenn dies ein echter Einsatz gewesen wäre, wärst du jetzt tot!«

Torn nickte.

Es gibt Momente, dachte er, in denen ich mir wünschte, ich wäre es. Oder ich wäre schon vor langer Zeit gestorben, noch ehe all das begann und ich Einblick in die Geheimnisse meines Leben erlangte. Wobei dieser Einblick höchst flüchtig ist, wie ich immer deutlicher merke. Es gibt so vieles, das ich nicht weiß, und das ich nach Mathrigos Ende wohl nie erfahren werde.

War er mein Vater?

Und wer bin ich überhaupt?

Torn, der Erste Wanderer, der Anführer des neuen Wandererkorps ...

Hohle Worte.

Leere Bezeichnungen.

Im Grunde weiß ich kaum etwas über mich selbst. Vor allem nicht, seit ich die neue Rüstung trage. Oder vielleicht die neue Rüstung bin. Bin ich von der Rüstung, die meinen Körper bildet, überhaupt zu unterscheiden? Es ist undenkbar, dass ich getrennt von ihr existiere, und ich weiß kaum, wozu sie – wozu ich – fähig bin. Was ist mit Callistas Hand? Berührt sie mich, oder liegt sie nur auf einer Form, einer Hülle, die mich ebenso schützt wie gefangen hält?

Blaue Risse durchziehen das Schwarz der Rüstung, leuchtend wie das Plasma meines Lux. Als ich im Zentrum einer Atombombenexplosion stand, verschmolz mein Gardian mit mir, mit meiner alten Rüstung, und übrig blieb mein neues Erscheinungsbild. Mein neuer Körper. Mein neues Ich. Und ich frage mich, ob der Gardian dabei endgültig gestorben ist, ob er nur noch Substanz in der neuen Rüstung darstellt – oder ob sein Bewusstsein noch existiert. Irgendwo in mir, auf geheimnisvolle Weise.

Erst vor kurzem lernte ich, aus reiner Willenskraft energetische Blitze zu erzeugen, die offenbar von der Rüstung produziert werden. Danach, nur wenig später, im Cho'gra, öffnete ich ohne technische Hilfsmittel den Schlund des Vortex und transportierte Mathrigo und mich durch Raum und Zeit, bis auf den höchsten Turm der Chaosfestung in jener schrecklichen alternativen Zeitlinie, in der die Grah'tak die Erde eroberten.

Meine neu entdeckten Fähigkeiten irritieren mich, um nicht zu sagen, sie ängstigen mich. Werde ich diese Vorgänge wiederholen können, wenn es darauf ankommt? Und – der Gedanke lässt mich schaudern – was vermag ich noch? Gibt es darüber hinaus noch unentdeckte Kräfte, die in mir schlummern?

Auf der Chaosfestung gelang es mir, Mathrigo aus der Raumzeit des Omniversums zu entfernen. Es ist, als sei er nie da gewesen, obwohl die Folgen seines Wirkens nach wie vor existent sind. Ein Paradoxon? Vielleicht, aber auf einer anderen Ebene der Wirklichkeit, die jenseits jeglichen Begreifens liegt, sogar für mich und meine Waffenbrüder ...

»Sprich mit mir, Torn!«, riss Callistas Stimme den Wanderer aus seinen Überlegungen. »Ich weiß, dass du dir die Schuld am Tod Cevals gibst, aber deswegen darfst du deine Aufgabe nicht vergessen!«

»Tue ich das?«, fragte der Erste Wanderer leise. »Fühle ich mich schuldig am Sterben Cevals?«

»Ich kann dein Verhalten nicht anders deuten. Ich sehe doch deinen inneren Schmerz, deine Verzweiflung und die Leere, die immer stärker wird in dir.«

Torn blickte sein Symellon, die geliebte Seele, die seine eigene erst vervollständigte, ernst an. Sie erwiderte seinen Blick, und es schien ihm, als sähe sie bis auf den Grund seines Seins. »Letztendlich starb Ceval, weil er in Nroths Falle ging. Und diese Falle hatte ursprünglich mir gegolten. Trage ich also nicht die Schuld an seinem Tod? Nroth wollte mich töten, nicht ihn!«

»Wenn du so argumentierst«, erwiderte Callista traurig, »könnte ich sagen, dass Ceval noch immer unter uns wäre, wenn er nicht versucht hätte, mich zu befreien. Dann ist es meine Schuld, denn er rettete mich von dem schon brennenden Scheiterhaufen, und nur deswegen kämpfte er gegen Nroth und unterlag!«

»Dich trifft keine Schuld.« Erst, als er die Worte bereits ausgesprochen hatte, bemerkte Torn, wie fehlerhaft seine Gedankenkette war. Nur zwei Wesen hatten Cevals Tod verursacht: Nroth, der

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