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Torn 40 - Auge in Auge

Torn 40 - Auge in Auge

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Torn 40 - Auge in Auge

Länge:
273 Seiten
3 Stunden
Freigegeben:
May 1, 2013
ISBN:
9783955726409
Format:
Buch

Beschreibung

»Mein Name ist Torn. Ich habe das Ende der Menschheit gesehen und trachte danach, es zu verhindern. Dies ist meine Geschichte ...«

Ein neuer Herrscher hat den Thron des Cho'gra bestiegen, die Grah'tak sind im Aufruhr. Carnia ist auf der Erde der Zukunft gestrandet und Torn und Nroth befinden sich auf der Flucht – bedeutet dies General Nagors absoluten Triumph?
Wird es Callista und den anderen Wanderern gelingen, Torn zu finden? Was hat es mit dem geheimnisvollen Fund auf sich? Was bezweckt Meister Machiel? Und wer verbirgt sich hinter der »Stimme«?
Auge in Auge mit dem Bösen sehen sich Torn und seine Gefährten im nächsten Band der Saga, verfasst von Christian Montillon nach einer Story von Michael J. Parrish.
Freigegeben:
May 1, 2013
ISBN:
9783955726409
Format:
Buch

Über den Autor


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Torn 40 - Auge in Auge - Michael J. Parrish

40

Auge in Auge

von Michael J. Parrish & Christian Montillon

© Zaubermond Verlag 2013

© Torn – Wanderer der Zeit by Michael J. Parrish

Die Veröffentlichung dieses Werkes erfolgt auf Vermittlung der Autoren-

und Verlagsagentur Peter Molden, Köln.

Titelbild: Günther Nawrath

eBook-Erstellung: story2go | Die eBook-Manufaktur

http://www.zaubermond.de

Alle Rechte vorbehalten

Inhalt

Auge in Auge

Was bisher geschah

Prolog

1. Kapitel

2. Kapitel

3. Kapitel

4. Kapitel

5. Kapitel

6. Kapitel

7. Kapitel

8. Kapitel

9. Kapitel

Epilog

Vorschau

Glossar

Was bisher geschah

Mein Name ist Torn.

Ich war der letzte der Wanderer.

Dies ist meine Geschichte ...

Der Elitesoldat Isaac Torn nimmt an einem Zeitreiseexperiment teil und stößt damit unwissentlich das Tor zum Subdaemonium auf, wodurch das Heer der dämonischen Grah'tak entfesselt wird und über die Welten der Sterblichen herfällt. Von den Lu'cen, den mächtigen Richtern der Zeit, kann der Untergang in letzter Sekunde abgewendet werden. Als Wiedergutmachung wird Torn in ihre Dienste gestellt: Als Nachfolger der legendären Wanderer reist er durch Raum und Zeit, um gegen die verbliebenen Grah'tak zu kämpfen.

Ausgestattet mit einer Plasmarüstung, die ihre Gestalt wandeln kann und seinem Lux, dem Schwert des Lichts, ist es seine Mission, die Sterblichen zu beschützen – die Festung am Rande der Zeit wird dabei seine neue Heimat.

Doch Torn leidet unter der Einsamkeit, die ihm auferlegt wurde. Als er seiner Vergangenheit, die die Lu'cen aus seinem Gedächtnis löschten, näher kommt, bricht er das Gesetz der Wanderer: Er schont das Leben von Mathrigo, dem Herrscher der Grah'tak, um die Sterbliche Callista zu retten. Daraufhin verbannen ihn die Lu'cen aus der Festung, und eine gefährliche Odyssee durch Raum und Zeit beginnt ...

Die erste Station seines Exils führte Torn ins alte Rom, wo er sich auf die Suche nach dem alles vernichtenden Pal'rath begab, und schließlich nach Japan, wo er auf der Suche nach Darkon dem Schwertmeister den Weg des Kriegers beschritt und dabei seinen schlimmsten Gegner fand – sich selbst. Das Gute in Torn behielt jedoch Oberhand, und durch eine List der Lu'cen gelang es, die Grah'tak glauben zu machen, Torn sei tot.

Dadurch ermutigt, versuchte Mathrigo, der Herrscher der Dämonen, mit Hilfe eines Weltenvernichters die Erde zu zerstören. In letzter Sekunde gelang es Torn, Mathrigos Pläne zu vereiteln und den Ragh'na'rakh zu zerstören. Auf Rache sinnend, musste Mathrigo erkennen, dass ihm aus den eigenen Reihen Feinde erwachsen waren. Im Rat der Dämonen von seinem Rivalen Kerok Ghul herausgefordert, setzte der Herrscher der Grah'tak alles auf eine Karte und rief das »Killerkorps« ins Leben. Mit Hilfe der verräterischen Menschenfrau Carnia und des Wanderers Nroth gelang es ihm, sich seiner Gegner in den eigenen Reihen zu entledigen und einen erfolgreichen Angriff auf die Festung am Rande der Zeit durchzuführen, während sein Erzfeind Torn im 20. Jahrhundert der Menschheitsgeschichte in eine Falle gelockt wurde.

Im Kampf um New York, das von einer gigantischen Kreatur aus dem Subdaemonium überfallen wurde, traf Torn auf Ceval von Atlantis, seinen Verbündeten und Freund aus alter Zeit. Unterdessen organisierten die Lu'cen Custos und Callista auf der Festung am Rande der Zeit den Widerstand gegen die Grah'tak. Mit Unterstützung der Geister der Wanderer, die vor Urzeiten im Kampf um die Festung ihr Leben gelassen hatten, gelang es schließlich, Mathrigo und sein Heer in einer verlustreichen Schlacht zu vertreiben.

Nur drei Kämpfer des Lichts – Torn, Callista und Ceval – blieben übrig. Sie gründeten das neue Korps der Wanderer, zu dem sich mit dem intelligenten Menschenaffen Krellrim von Mrook und dem mit geheimnisvollen Tätowierungen versehenen Tattoo zwei neue Mitstreiter gesellten. Doch kurz danach muss Ceval im Kampf sein Leben lassen – und Mathrigo wird von Torn durch das Vortex an einen unbestimmten Ort verbannt, wo er seinem totgeglaubten Meister Machiel begegnet. Währenddessen bricht Torn auf, um seinen Sohn Nroth zu retten, welcher gegen General Nagor einen Bürgerkrieg unter den Grah'tak entfesselt, der das Gesicht des Immansiums komplett zu verändern droht ...

»Obvien pavorain.

Eviden imicon isain.«

»Stelle dich deiner Angst.

Und finde den Feind in dir selbst.«

Ausspruch des Wanderermeisters Machiel

Mein Name ist Torn.

Einst war ich der letzte der Wanderer, einsam und ausgestoßen, zerrissen zwischen den Dimensionen – aber das ist nun vorbei. Denn im Laufe meines Kampfes gegen die Dämonen, die die Welten der Sterblichen zu überrennen drohen, habe ich Verbündete gefunden, Freunde und Waffenbrüder, die mich im Kampf gegen die Grah'tak unterstützen. Seite an Seite fechten wir in dem Krieg, der durch die Zeiten und Welten tobt.

Das Korps der Wanderer wurde neu gegründet, und wie vor Äonen ist es seine Aufgabe, die Welten der Sterblichen vor den Mächten des Chaos zu beschützen. Der Kampf ist hart und entbehrungsreich und fordert immer neue Verluste. Aber wir geben nicht auf, denn wir sind Wanderer und haben den Eid des Lichts geleistet.

Prolog

Der Thronsaal des Cho'gra

»Iss gratuliere euss, Meister, gratuliere euss!« Der Dokat warf sich vor dem Knochenthron nieder. Der schwarze Stoff der Kutte raschelte auf dem steinernen Boden, der von träge fließenden Lavaadern durchzogen war.

General Nagor nahm die Huldigung ungerührt entgegen. Seit er Nroth, den Narren, hinweggefegt hatte, waren wichtigere und bedeutendere Dämonen vor ihn getreten, um ihm ihre Ergebenheit kundzutun.

Neben dem Thron häuften sich die Geschenke und Zeichen der Ehrerbietung. Einige der Kreaturen, die ihm zu diesem Zweck geopfert worden waren, zuckten noch schwach, während die Poren des Steinbodens ihr Blut aufnahmen. Es schien Nagor, als hätte die Präsenz des Bösen im Cho'gra zugenommen und als raune ein geisterhaftes Wispern durch die Halle.

»Ihr sseid wunderbar und mässtiss, mässtiss!«

»Ja«, stimmte Nagor gelangweilt zu und ergänzte aus einer spontanen Laune heraus: »Nicht zuletzt dank deiner Hilfe.«

Der Dokat sprang auf. »Gebieter! Wie kann ich euss danken, Gebieter, dass Ihr an miss denkt und ...?«

Schon bereute der Perr'agkar seine Worte. Zwar hatte gerade dieser Dokat in einer schwierigen Operation dafür gesorgt, dass sein neuer Arm so tadellos funktionierte wie sein alter, den er im Duell mit Gorgon eingebüßt hatte, aber was bedeutete das schon? Es wog noch nicht einmal die Tatsache auf, dass Nagor gezwungen war, sich das erbärmliche Lispeln dieser Kreatur anhören zu müssen, die zu allem Überfluss auch noch jedes zweite Wort wiederholte. »Verschwinde!«

Sein Sklave verbeugte sich und ging dabei rückwärts dem Ausgang des Thronsaals entgegen. Die bulligen Ock'mar-Wachen stießen grunzende Laute aus, als der Dokat sie passierte.

General Nagor lachte dröhnend. Er hatte sein Ziel erreicht – die Spitze. Mit weniger war er nicht zufrieden gewesen. Schon lange, seit Jahrtausenden, hatte er auf den richtigen Augenblick gewartet.

Bis vor kurzem war er einer der obersten Heerführer Mathrigos gewesen; eine mächtige Position, in der er über Millionen Grah'tak gebot und sie in die Schlacht gegen die Sterblichen schicken konnte ... doch das hatte ihm nicht gereicht, musste er sich doch stets rechtfertigen. Vor Mathrigo, der seit Jahrmillionen auf dem Knochenthron gesessen und in den letzten Jahren Fehler um Fehler begangen hatte. Außerdem war Mathrigo ein jämmerlicher Glu'takh gewesen; kein reinrassiger Grah'tak, sondern einst ein Sterblicher, der erst zu einer Kreatur der Finsternis geworden war.

Mathrigo entstammte nicht dem Subdaemonium, war also unrein ... und doch hatte er sich angemaßt, über die Reinen zu gebieten. Das war vielen ein Dorn im Auge gewesen, doch seine Feinde hatten sich niemals zusammengeschlossen, um ihn vom Thron zu fegen. Niemals? Einmal wohl schon, und es musste Mathrigo zugute gehalten werden, dass er diesen Aufstand niedergeschlagen hatte.

Doch schließlich war ihm seine Unfähigkeit zum Verhängnis geworden. Das Machtspiel um den Ersten der neuen Wanderer – Torn – und dessen Sohn Nroth war außer Kontrolle geraten. Torn hatte Mathrigo vernichtet, Nroth die Gunst der Stunde ergriffen und auf dem Knochenthron Platz genommen.

Nagor indessen hatte die Zeichen der Zeit richtig gedeutet, sich zum Angriff gewappnet, in einer riskanten Aktion den Math'ra'krat auf seine Seite gebracht und mit der Unterstützung des Rates der Dämonen Nroth und dessen Getreuen einen erbarmungslosen Vernichtungskrieg geliefert.

Nun waren Torn und Nroth tot – und General Nagor der unangefochtene Herrscher im Cho'gra. Niemand konnte ihm mehr gefährlich werden. Die Schwärme der Dämonen, die ihm Treue schworen, rissen nicht ab.

Ein weiterer Grah'tak betrat den Thronsaal.

Nagor kannte seine Rasse nicht. Verfaulte Fetzen stinkenden Fleisches hingen an den schwarzen Knochen des dreibeinigen, weit über zwei Meter großen Scheusals. Die Augenhöhlen glommen in düsterem Blau, und mit knarrender Stimme verkündete es: »Nagor, mein Herr, ich und die Meinen werden dir dienen. Nimm dies als Zeichen unserer Treue und Ergebenheit.«

Eine der vier nahezu vollständig skelettierten Hände hob sich. Jetzt erst bemerkte der Herrscher des Cho'gra, dass sich darin eine pelzige Kreatur wand. Das nur etwa zwanzig Zentimeter große unscheinbare Wesen starrte den Perr'agkar aus geweiteten Augen an, die ringförmig um den ganzen Leib angeordnet waren. Es stieß ein ängstliches Fiepen aus.

Noch während Nagor sich fragte, was es mit diesem Geschenk auf sich haben mochte, redete der hünenhafte Grah'tak weiter. »Ich, Surrag, bin auf die Jagd gegangen, um dir einen der letzten noch existierenden Bas-Heflek zu bringen.«

Nagor ließ sich seine Überraschung nicht anmerken.

Ein Bas-Heflek?

Eine jener legendären Kreaturen, die angeblich jenseits der Zeit lebten und deshalb auch durch Kha'tex-Reisen in die Vergangenheit nicht ausfindig gemacht werden konnten?

»Ein wahrhaft angemessenes Geschenk«, sagte er nur.

Der Skelettartige schritt bis direkt vor den Knochenthron, streckte Nagor das zappelnde Wesen entgegen. Im Augenkranz des Bas-Heflek spiegelten sich Angst und Entsetzen. Mit seinem rechten Arm – demjenigen, der einst Gorgon gehört hatte, das neueste Körperglied des aus vielen Teilen zusammengesetzten Perr'agkar – packte Nagor die pelzige Kreatur.

Das Wesen besaß einen kugelförmigen Leib ohne sichtbare Extremitäten. Außer stumpfgrauem Fell waren nur die Augen und ein halb offen stehender Mund zu sehen, aus dem dünner Dampf quoll.

Nagor inhalierte tief. Er glaubte, sein Nasengang müsse verbrennen, und hätte beinahe vor Schmerz und Überraschung wütend aufgeschrien. Im letzten Augenblick beherrschte er sich. Er durfte vor seinen Dienern keine Schwäche zeigen.

Dann setzte die Wirkung des Dampfs ein. Nagor fühlte sich seltsam erhaben und kräftiger als je zuvor. Seine Kehle weitete sich, etwas floss in seinen Mund. Er spuckte einen Batzen Schleim in eine der Lavaadern. Es zischte, und eine grünliche Wolke stob davon.

»Sei dir der Unterstützung durch meine Sippe gewiss«, wiederholte Surrag.

»Ich werde an euch denken, wenn ich mich des Bas-Hefleks bediene«, versicherte Nagor und schleuderte die pelzige Kugel in eine Ecke des Thronsaals. Sie prallte gegen die Wand aus miteinander verschmolzenen Knochen, fiel zu Boden und rollte ein Stück weit. Bas-Hefleks galten als nahezu unverwüstlich – und sie boten den unschätzbaren Vorteil, dass sie exquisite Gefangene darstellten. Ohne Extremitäten konnten sie nicht fliehen ...

Grußlos wandte sich das stinkende Skelett vom Knochenthron ab und stampfte aus dem Thronsaal.

Nagor rief einen Ock'mar zu sich. »Ich werde einige Zeit keinen Besuch mehr empfangen.«

Das Mitglied seiner Leibwache bestätigte und wandte sich wieder um. Jeder Schritt des bulligen Grah'tak hallte in der steinernen Gewölbehalle wider.

Nagor wusste, dass er sich auf die Ock'mar verlassen konnte. Sie würden so lange keinem Zugang zum Thronsaal gewähren, wie er es forderte.

Der neue Herrscher des Cho'gra musste nachdenken. Angeblich steigerten gewisse Bestandteile der Ausdünstungen eines Bas-Hefleks die eigenen Fähigkeiten kurzzeitig ins Extrem. Genauere Untersuchungen gab es nicht, oder zumindest kannte Nagor sie nicht – er war kein Grah'tak der Wissenschaft, sondern des Kampfes.

Er ahnte, dass sich das Geschenk des Skelettartigen noch als sehr nützlich erweisen würde. Mehr als all die anderen Gaben und Opfer, die sich neben seinem Thron stapelten.

»Dokaten zu mir!«

Um mehr musste er sich nicht kümmern. Ein Bote setzte sich bereits in Bewegung und überbrachte seinen Befehl an die gelehrten Grah'tak.

Der Perr'agkar stand auf und trat vor den Thron. In dem blutigen Haufen Opfergaben lebten nur noch wenige Kreaturen. Er stieß mit seinem linken Fuß zu, der Kralle eines Srukh'nar, die er seit Jahrmillionen trug. Er bohrte sie in den Brustkorb eines Gayoradain, einem der letzten Überlebenden eines einst stolzen Volkes, das zwischen die Fronten des Bürgerkriegs unter den Grah'tak geraten war.

Der Humanoide zuckte, stieß einen gurgelnden Laut aus und spuckte Blut. Nagor zog ihn aus dem Opferberg, bückte sich und tat sich an seinem noch schwach durchbluteten, leidlich frischen Fleisch gütlich.

Es schmeckte schal.

Wahrscheinlich gab es nur einen Teil, der noch halbwegs anregend wirkte. Der Perr'agkar knackte die Schädeldecke und schlürfte das Gehirn.

Besser als nichts.

»Gebieter«, tönte hinter ihm eine Stimme. »Du hassst miss gerufen?«

Nagor erhob sich und wandte sich um. »Dich und deinesgleichen. Es gibt etwas zu besprechen.«

»Erlaubt mir, Euss zuvor zu versissern, dass alle Dokaten auf Eurer Sseite sstehen, auf Eurer Sseite. Wir begrüßen Euss als Herrsser des Cho'gra.« Ein Sabberfaden tropfte aus dem Dunkel der Kapuze und versickerte im rauen Stoff der Kutte.

»Ihr könnt mir einen Dienst erweisen, um eurer Unterstützung Ausdruck zu verleihen.«

Nagor wies auf das reglose Fellbündel in der Ecke des Gewölbes, und der Dokat zischelte überrascht.

1.

Irgendwo auf der Erde,

genauer Zeitpunkt unbekannt

Torn lehnte sitzend am knorrigen Stamm eines hoch aufragenden Baumes, in dessen Krone Vögel saßen. Die Sonne brannte heiß, und seit einigen Minuten nahm der Wind zu. Die hohen Grashalme neigten sich. Eben verlor eine Wildblume direkt vor dem Ersten Wanderer ein Blütenblatt. Es trieb in einer Bö, stieg auf und trudelte schließlich aus Torns Sichtfeld.

Wie soll es jetzt weitergehen?, fragte sich der Wanderer.

Hier sitze ich, zusammen mit meinem Sohn, der die Schlacht um das Cho'gra verloren hat und nur dank meiner Hilfe in letzter Sekunde dem sicheren Tod an Bord seines explodierenden Flaggschiffs entkommen konnte. Doch wird er mir dafür Dank erweisen? Nein ... ich weiß nicht, woran ich bei ihm bin. Vielleicht wird er mich unterstützen, mir vielleicht aber auch bei der ersten sich bietenden Gelegenheit in den Rücken fallen ...

»Grübelst du wieder?«, spottete Nroth. Der Dunkle Wanderer, der einst die rechte Hand Mathrigos und danach für kurze Zeit sein Nachfolger gewesen war, trug nach wie vor die metallische Schädelmaske, die seine Mimik vollständig verbarg.

»Willst du hier auf der Erde mit diesem Ding rumlaufen?«, giftete Torn zurück, aggressiver als er es eigentlich beabsichtigt hatte. Die Situation fraß an ihm, verursachte Unruhe.

Er stand seinem Sohn gegenüber, der ihn verachtete und als Feind ansah, mit dem er sich aber notgedrungen verbündet hatte. Sein Sohn, der auf der dunklen Seite stand und nicht nur ihn, sondern auch seine Mutter Callista hatte töten wollen. Es überforderte Torn, diesmal keinen dämonischen Gegner zu haben, den er bekämpfen und vernichten konnte, sondern ...

»Ja, du grübelst«, riss Nroth ihn aus den Gedanken. »Einer deiner zahlreichen Fehler, Vater. Du solltest weniger denken und mehr handeln. Was hättest du nicht alles erreichen können, wenn du nach dieser Maxime gehandelt hättest.«

»Nach deiner Maxime, ja?« Torn erhob sich und verschränkte demonstrativ die Arme. »Vorwärts kommen um jeden Preis, alles und jeden verraten, der sich in den Weg stellt?«

»Verrat hat in unserer Familie große Tradition.« Nroth lachte hämisch. »Du hast mich verraten und mich den Klauen Mathrigos überlassen, damit er sich um mich kümmert

Die Antwort, die Torn auf den Lippen lag, schluckte er hinunter. Er hatte diesen Punkt schon so oft mit Nroth diskutiert – in Wahrheit hatte er nichts von der Existenz seines Sohnes gewusst.

Hätte er geahnt, dass Mathrigo den Jungen dem schützenden Mutterleib entrissen hatte, ihn in einer verderblichen Grah'tak-Maschine wie in einem Brutkasten reifen ließ und ihn zu seinem Schergen heranzog, hätte er alles getan, ihn zu befreien. So wie er vor wenigen Tagen aufgebrochen war, um ihm eine letzte Chance zu geben, ihn aus den Konflikten der Grah'tak herauszuholen, die sonst unvermeidlich zu seinem Tod geführt hätten.

Der Dunkle Wanderer schlug gegen den Baumstamm, so dass ein kleines Stück der Rinde abgerissen wurde. »Ich will nicht vergessen, dass wir Verbündete sind. Zwangsverbündete, bis sich weisen wird, was die Zukunft bringt. Wir haben einen gemeinsamen Feind – General Nagor, der sich unrechtmäßig auf den Knochenthron gesetzt hat und von sich glaubt, nun die Grah'tak beherrschen zu können.«

Er versucht, mich zu reizen.

Nicht mehr und nicht weniger.

Im Grunde ist es ihm völlig egal, wer über das Cho'gra herrscht. Er ist daran nicht interessiert, Macht auszuüben – in Wirklichkeit ging es ihm stets nur um mich. Und vielleicht noch um Mathrigo und auf eine gewisse Art auch um Carnia ...

Wenn ich nur wüsste, welches Verhältnis die beiden wirklich verbindet. Zwei, die einst Menschen waren und auf völlig verschiedene und doch auch gleiche Weise zu Glu'takh wurden. Zwei, die stets Intrigen schmiedeten und Karriere unter den Grah'tak machten, bis sie am Ende vor dem Nichts standen und Gejagte waren, denen alle Macht aus den Händen gerissen wurde.

»Sagst du nichts?« Nroth umfasste die Ränder der metallisch glänzenden Schädelmaske. »In einem hast du jedenfalls Recht. Die Maske können wir nicht mitnehmen, wenn wir diesen gastlichen Ort mitten im Nichts verlassen. Irgendwann werden wir auf Menschen treffen, und die würden sich wundern.«

Nroth zog die Maske vom Kopf. Darunter kamen unauffällige Gesichtszüge zum Vorschein – blaue Augen, ein schmaler Mund, eine gerade Nase ... keine besonderen Merkmale, nichts Markantes. »Wie findest du es? Die Plasmarüstung gibt mir ein Aussehen, das in unserer Situation geradezu perfekt ist. Keiner, der mich sieht, wird sich später noch daran erinnern. Niemand wird mich beschreiben können.«

Und außerdem verbirgst du dich dadurch auch vor mir. Genauso wenig wie dein Äußeres zeigst du

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