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Torn 57 - Doppelgänger

Torn 57 - Doppelgänger

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Torn 57 - Doppelgänger

Länge:
275 Seiten
3 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
1. Juli 2013
ISBN:
9783955726577
Format:
Buch

Beschreibung

»Mein Name ist Torn. Ich habe das Ende der Menschheit gesehen und trachte danach, es zu verhindern. Dies ist meine Geschichte ...«
Vieles aus Tattoos Vergangenheit wurde ans Licht gebracht – aber die Rätsel um Carfeli werden immer größer. Was hat es mit dem mysteriösen Wanderer aus der Zeit des Großen Krieges auf sich? Welches Geheimnis verbirgt er, dass es ihn aus seiner Zeit offenbar nicht nur nach Shanghai – sondern auch nach Calah verschlagen hat, dem Planeten, der immer mehr zu einem Dreh- und Angelpunkt des Geschehens zu werden scheint?
Torn kehrt zum Bruchstück der Festung am Rande der Zeit zurück, wo der Kampf gegen Mathrigos Horden tobt. Eine unglaubliche Begegnung steht ihm bevor ...
Herausgeber:
Freigegeben:
1. Juli 2013
ISBN:
9783955726577
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Torn 57 - Doppelgänger - Michael J. Parrish

Band 57

Doppelgänger

von Michael J. Parrish & Lars Urban

© Zaubermond Verlag 2013

© Torn – Wanderer der Zeit by Michael J. Parrish

Die Veröffentlichung dieses Werkes erfolgt auf Vermittlung der Autoren-

und Verlagsagentur Peter Molden, Köln.

Titelbild: Günther Nawrath

eBook-Erstellung: story2go | Die eBook-Manufaktur

http://www.zaubermond.de

Alle Rechte vorbehalten

Inhalt

Doppelgänger

Was bisher geschah

Prolog

1. Kapitel

2. Kapitel

3. Kapitel

4. Kapitel

5. Kapitel

6. Kapitel

7. Kapitel

8. Kapitel

9. Kapitel

10. Kapitel

11. Kapitel

Epilog

Vorschau

Glossar

Was bisher geschah

Mein Name ist Torn.

Ich war der letzte der Wanderer.

Dies ist meine Geschichte ...

Der Elitesoldat Isaac Torn nimmt an einem Zeitreiseexperiment teil und stößt damit unwissentlich das Tor zum Subdaemonium auf, wodurch das Heer der dämonischen Grah'tak entfesselt wird und über die Welten der Sterblichen herfällt. Von den Lu'cen, den mächtigen Richtern der Zeit, kann der Untergang in letzter Sekunde abgewendet werden.

Als Wiedergutmachung wird Torn in ihre Dienste gestellt: Als Nachfolger der legendären Wanderer reist er durch Raum und Zeit, um gegen die verbliebenen Grah'tak zu kämpfen. Ausgestattet mit einer Plasmarüstung, die ihre Gestalt wandeln kann und seinem Lux, dem Schwert des Lichts, ist es seine Mission, die Sterblichen zu beschützen – die Festung am Rande der Zeit wird dabei seine neue Heimat.

Doch Torn leidet unter der Einsamkeit, die ihm auferlegt wurde. Als er seiner Vergangenheit, die die Lu'cen aus seinem Gedächtnis löschten, näher kommt, bricht er das Gesetz der Wanderer.

Er schont das Leben von Mathrigo, dem Herrscher der Grah'tak, um die Sterbliche Callista zu retten. Daraufhin verbannen ihn die Lu'cen aus der Festung, und eine gefährliche Odyssee durch Raum und Zeit beginnt …

Zahlreiche Abenteuer führen schließlich zur Neugründung des Wandererordens – Torn führt seinen verzweifelten Kampf nicht mehr alleine. Nach und nach gesellen sich Mitstreiter auf die Festung am Rande der Zeit.

Die Mitstreiter im neuen Korps:

Callista: Torns Geliebte, sein Symellon, die vorübergehend eine Lu'cen war und wieder zur Sterblichen wurde.

Ceval: Nur für kurze Zeit war der »andere Wanderer«, der lange Zeit auf eigene Faust die Erde behütete, Mitglied im neuen Wandererkorps, denn er ließ sein Leben im Kampf gegen die Grah'tak.

Krellrim: der intelligente Menschenaffe ist der Letzte seines Volkes, das auf dem Planeten Mrook ein schreckliches Ende fand.

Tattoo: ein junger Mann, der mit geheimnisvollen Tätowierungen übersät ist, die angeblich seine Zukunft voraussagen.

Max Hartmann, Nara Yannick und Cassius Alienus: sie sind die neusten Mitglieder im Wandererkorps. Max stammt aus der Zeit des Ersten Weltkriegs und traf schon früher einmal auf Torn, wartete ungeduldig auf seine Rückkehr. Nara hingegen lebte im 23. Jahrhundert der Menschheitsgeschichte, ehe sie in das Geschehen um Mathrigo und Torn gezogen wurde. Cassius war Gladiator im Alten Rom.

Auch Nroth, Torns und Callistas Sohn, gesellte sich zum Wandererkorps. Er kehrte dem Bösen den Rücken zu, zu dem Mathrigo ihn erzog, nachdem er den Embryo mit brutaler Gewalt aus dem Mutterleib riss und das Kind im Cho'gra aufzog. Nroth verliebte sich in Nara, was den Ausschlag gab, die Seiten zu wechseln und sich von den Grah'tak abzuwenden.

Mathrigo, der Herrscher aller Cho'gra im Immansium, wird von Torn in einem dramatischen Duell besiegt … zumindest glaubte der Erste Wanderer dies. Dass er sich täuschte, muss er schmerzlich eingestehen, als er seinem Erzfeind schließlich wieder gegenübersteht.

Torn erfährt eine entsetzliche Geschichte und lüftet das Geheimnis seiner Herkunft. Torn ist ein Klon Mathrigos, den dieser schuf, um den perfekten Krieger zu kreieren – den Mesh'rul, der als sagenhafter Vernichter der Sterblichen gilt. Torn stand vor einer schweren Aufgabe: Er musste über Krellrim richten, da der den Pfad der Blutrache beschritt, indem er seine Waffenbrüder belog und täuschte. Mit radikalen Mitteln gelang es ihm, Carnia zu töten, ehe Torn und die anderen ihn auf die Festung am Rande der Zeit zurückholten – dort wartete er auf seine Verurteilung. Mathrigo hingegen überlebte Krellrims Attacke; allein, ohne Carnia, blieb er im Alten Rom zurück und begab sich auf den Weg ins Cho'gra, wo er sich General Nagor zum Schein unterwarf.

Die Grah'tak starteten inzwischen eine Invasion des Planeten Calah. Fast alle Wanderer reisten hin – und es gab Opfer. Alle halten Nara Yannick für tot. In Wirklichkeit konnte sie sich zusammen mit dem jungen Calahi-Krieger Gwarain in ein unterirdisches Felsenlabyrinth retten.

Etwas später bricht Torn nach Calah auf. Unter seiner Führung formiert sich das Heer der Calahi noch einmal zur Schlacht gegen die Grah'tak – das Bündnis ist siegreich, und unter Torns Hand stirbt Sarim.

Mathrigo unterdessen nutzt Sarims Tod, um die Legion des Grauens zu reaktivieren und reist dazu auf den Exilplaneten Keforia. Dort lässt er sich schließlich zum Alleinherrscher Grah'tak ausrufen und baut Keforia zu seinem neuen Machtzentrum aus. Damit einher geht die Zerstörung des Cho'gra im Immansium.

Nach dem Bruch Torns mit den Lu'cen muss sich das Wandererkorps einem drohenden Kollaps des Zeitenflusses widmen und reist dazu auf die Erde zur Zeit der Antike. Im alten Rom treffen sie schließlich auf ihren alten Feind Shizophror, der aber ins Cho'gra flüchten kann und in einem unbarmherzigen Duell General Nagor tötet.

Die Zerstörung des Cho'gra auf Erden erschüttert das Omniversum wie seit Äonen nicht mehr, sodass selbst die Zeitenfeste zerbricht und die Mitglieder des Wandererkorps voneinander trennt.

Auch die Grah'tak bekommen die Veränderung zu spüren: Der Zusammenbruch des Cho'gra schleudert Shizophror ins Shanghai des Jahres 1880. Carnia, die in dessen Innern die Kontrolle über den Killerdämon übernommen hat, beginnt mit einem blutigen Feldzug.

Nach dem Zerfall der Festung am Rand der Zeit, geht ein Bruchstück davon auf dem fremden Planeten Ceyffar nieder, wo es von den Grah'tak bereits seit mehreren Jahrhunderten erwartet wurde. Die Wanderer können eine Eroberung ihres Stützpunkts abwehren, finden sich aber mit einer Reihe rätselhafter Fragen konfrontiert.

Woher hatten die Dämonen ihr Wissen von der bevorstehenden Katastrophe? Und was hat es mit der »Ewigen Prophezeiung« auf sich, von der sich auch eine Abschrift in unmittelbarer Nähe der Lichtkrieger befinden soll? Schnell wird klar, dass der Schlüssel zur Lösung dieser Fragen in Tattoos Vergangenheit liegt …

Auf Calah unterdessen erwacht der alte Wanderer Carfeli aus einem Jahrtausende überdauernden Schlaf, und gemeinsam mit Nara Yannick, die sich zusehends in eine Mutation aus Mensch und Schlange verwandelt, stürzt er das Volk von Calah in einen blutigen Bürgerkrieg.

Auf dem zweiten Festungsbruchstück trifft North schließlich auf Krellrim und Sarjina. Doch die Wiedersehensfreude währt nur kurz – das Bruchstück droht von drei Sonnen zerstört und von mutierten Grah'tak überrannt zu werden. Es bleibt nur das Abschalten der Festung. Sarjina bleibt zurück, während Nroth und Krellrim nach Calah fliehen …

Während Torn und Tattoo der Bestie von Shanghai nachspüren, treffen sie auf einen mysteriösen Mann, der der Urheber von Tattoos Körperbemalung ist. Das dessen Schicksal auch mit dem Shizophrors verbunden ist, ahnt niemand – und nur mit großer Mühe gelingt es den Wanderern, zu überleben und zu entkommen.

»Eiden proi spiroi, sei viden speculon.

Nai altrai malum poi stan swanocula.«

»Sei reinen Geistes, wenn du in den Spiegel blickst.

Denn ansonsten könnte dir das Böse Aug in Aug gegenüberstehen.«

Inschrift auf der Eingangspforte

des Kristalltempels auf Cendoyy-13

Mein Name ist Torn.

Einst war ich der letzte der Wanderer, einsam und ausgestoßen, zerrissen zwischen den Dimensionen – aber das ist nun vorbei. Denn im Lauf meines Kampfes gegen die Dämonen, die die Welten der Sterblichen zu überrennen drohen, habe ich Verbündete gefunden, Freunde und Waffenbrüder, die mich im Kampf gegen die Grah'tak unterstützen. Seite an Seite fechten wir in einem Krieg, der durch die Zeiten und Welten tobt.

Das Korps der Wanderer wurde neu gegründet, und wie vor Äonen ist es seine Aufgabe, die Welten der Sterblichen vor den Mächten des Chaos zu beschützen. Der Kampf ist hart und entbehrungsreich und fordert immer neue Verluste. Aber wir geben nicht auf, denn wir sind Wanderer und haben den Eid des Lichts geleistet.

Dies ist unsere Geschichte …

Prolog

Ceyffar

Einschlagkrater des Festungsbruchstücks

Das Kollektiv der NaaZ-Unum hat sich beinahe vollständig zusammengefunden. Zehntausende gallertartige Kugelleiber haben unzählige Extremitäten aus der Oberfläche ihrer Körper wachsen lassen, mit denen wir nun untereinander Kontakt aufnehmen. Gemeinsam sind wir zum Großen Gremium verschmolzen.

Alleine sind wir nichts – nur vereint sind wir stark.

Jeder einzelne von uns ist winzig. Kaum größer als ein Wassertropfen. Erst durch den Zusammenschluss erreichen wir eine amorphe Gestalt, deren Dimension annähernd dem Format eines Trinaden, Menschen oder einer vergleichbar intelligenten Lebensform, die auf diesem Planeten beheimatet ist, gleichkommt. Trotzdem ist jedes Teilstück der NaaZ-Unum ein Individuum, das auch für sich alleine überlebensfähig ist. Aber erst im Kontakt mit unseren Artgenossen gelangen wir zu einem kollektiven Bewusstsein, in dem unser gesamtes Wissen und der Erfahrungsschatz ganzer Generationen vereint sind. Wir sind dazu in der Lage, zu sehen, zu hören, zu wittern und zu schmecken. Diese Sinne helfen uns bei der Jagd nach Beute, aber zur Kommunikation benötigen wir sie nicht. Untereinander verständigen wir uns mit Berührungen. Durch physischen Kontakt geben wir Informationen in ihrer reinsten Form weiter, ohne dass deren Inhalt durch ungenaue Formulierungen oder missverständliche Bedeutungsüberlagerungen verfälscht werden könnte. Miteinander verbunden bilden wir ein neuronales Netzwerk, dessen Kenntnisstand durch den Einsatz jedes einzelnen Mitglieds des Kollektivs immer weiter wächst.

Deine Kraft gehört der Gemeinschaft – denn nur sie kann den Fortbestand der NaaZ-Unum garantieren.

Über lange Zeit hat sich das Große Gremium im Abstand von zehn Tag-Nacht-Wechseln zusammengefunden. Doch das ist nun anders. Tiefgreifende Veränderungen unseres Lebensraums haben es notwendig werden lassen, den Rhythmus unseres Verschmelzens zu verkürzen. Eine riesige Feuerkugel ist vom Himmel gestürzt und auf dem Gebirgszug niedergegangen, der den NaaZ-Unum immer als Unterschlupf gedient hat. Das Goom-Irrit – die unterirdische Nestblase – ist eingestürzt. Dieses Schutzes beraubt, ist höchste Wachsamkeit nötig, um die Existenz des Kollektivs zu sichern. Späher sind pausenlos unterwegs, um das Große Gremium mit Informationen und Lageberichten zu versorgen.

Die Welt der NaaZ-Unum ist in Unordnung geraten. Einst war das Gebirge ein einsamer Ort, an den sich nur selten ein Einwohner der Städte und Dörfer verirrt hatte. Doch seit der Flammenkoloss den Krater in den Berg gerissen hat, hat sich das grundlegend geändert. Unsere Kundschafter haben herausgefunden, dass der niedergegangene Gigant Lebewesen in seinem Innern beherbergte. Doch deren Anzahl fällt gegen die Menge der Kreaturen, die durch den Absturz angelockt wurden, kaum ins Gewicht. Horden von ihnen drängen von allen Seiten an das gestrandete Wrack heran, dessen Bewohner nichts unversucht lassen, sich gegen die Attacken zur Wehr zu setzen. Angst und Verzweiflung hängen wie ein eisiger Hauch des Winters in der Luft. Doch der Widerstand ist in der gewaltigen Woge rasender Wut und Mordgier, die die Atmosphäre in Brand zu setzen droht, immer weniger auszumachen. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die Verteidiger des havarierten Himmelsfahrzeugs der gegnerischen Übermacht nichts mehr entgegenzusetzen haben werden.

Für einen kurzen Moment durchströmt ein Gedanke das Große Gremium: Sollen die NaaZ-Unum in das Geschehen eingreifen?

Doch die Idee wird genauso schnell wieder verworfen, wie sie zuvor aufgekommen ist. Ein Grundsatz unserer Spezies ist, uns niemals in Dinge oder Vorkommnisse einzumischen, die mit dem Schicksal der NaaZ-Unum nicht unmittelbar verknüpft sind. Jedes andere Vorgehen würde nur ein unnötiges Risiko bedeuten.

Dein Handeln ist frei – solange es keine Bedrohung für die Sicherheit des Kollektivs darstellt.

Nach unseren bisherigen Beobachtungen gelten die Aggressionen der in die Kampfhandlungen verwickelten Parteien ausschließlich dem jeweiligen Gegner. Eine Ausweitung der Gefechte auf die Gemeinschaft der NaaZ-Unum scheint – zumindest vorläufig – nicht beabsichtigt zu sein. Es besteht sogar die Möglichkeit, dass den Kontrahenten unsere Existenz bisher noch völlig verborgen geblieben ist. Diesen Vorteil dürfen wir unter keinen Umständen durch unvorsichtiges Handeln unnötig aufs Spiel setzen. Das Große Gremium kommt zu dem Entschluss, dass unauffälliges Agieren ab sofort oberste Priorität hat, um so die Gefahr einer Entdeckung durch die Invasoren so gering wie möglich zu halten.

Die Entscheidung über das weitere Vorgehen ist gerade gefallen, als sechs Späher von ihrem Erkundungsflug zurückkehren. Sie verschmelzen innerhalb von Sekunden mit dem Rest des Kollektivs. Sofort breitet sich die Kenntnis der von ihnen gesammelten Informationen in der Gesamtheit des Großen Gremiums aus.

Über die in die Kämpfe verstrickten gegnerischen Parteien gibt es keine neuen Erkenntnisse. Doch die Kundschafter haben eine andere Entdeckung gemacht, die unsere Gemeinschaft in einen Zustand freudiger Erregung versetzt.

Sie sind auf eine Nahrungsquelle unvorstellbaren Ausmaßes gestoßen.

Aas.

Eine Köstlichkeit.

Seit jeher haben sich die NaaZ-Unum bevorzugt von den sterblichen Überresten anderer Lebewesen ernährt. Je weiter das Stadium der Zersetzung dabei fortgeschritten war, desto besser. Oft hatten einzelne Mitglieder der Gemeinschaft lange Strecken zurückgelegt, um an einen solchen Leckerbissen zu kommen. Umso erfreulicher ist die Nachricht, dass sich die Fundstelle in unmittelbarer Nähe der Felsennische befindet, in die sich das Große Gremium nach der Zerstörung des Goom-Irrit zurückgezogen hat. Die Späher haben herausgefunden, dass diejenigen Kämpfer der von außen heranrückenden Horden, die den Angriff auf das niedergestürzte Himmelsschiff nicht überleben, einem rasanten Zerfallsprozess unterworfen sind. Nach ihrem Tod zersetzen sie sich in innerhalb weniger Augenblicke in zähflüssigen Schleim. Eine Substanz, die dem Gallert, aus dem wir selbst bestehen, nicht unähnlich ist. Die Aussicht, Nahrung zu uns nehmen zu können, ohne dass dabei aufwendige Verdauungsvorgänge notwendig werden, ist mehr als verlockend. Gerade nach dem Verlust der Nestblase ist Futterbeschaffung, bei der der dabei investierte Energieaufwand auf ein Minimum reduziert werden kann, für das Kollektiv von existenzieller Bedeutung.

Der Beschluss, zu der Bodenkuhle aufzubrechen, in der sich der Schleim bereits zu einem kleinen See gesammelt hat, wird augenblicklich getroffen.

Der Einzelne ist entbehrlich – die Gesamtheit des Schwarms darf keinen Schaden nehmen.

Um das Risiko, bei einem überraschenden Angriff vernichtend geschlagen zu werden, so gering wie möglich zu halten, werden die Mitglieder unserer Gemeinschaft den Weg zur Futterstelle allein auf sich selbst gestellt zurücklegen. Die Extremitäten lösen sich voneinander.

Obwohl sich an meinem Bewusstsein nichts ändert, scheint die Welt um mich herum plötzlich größer zu werden. Bedrohlicher. Ohne die direkte Verbindung zum Kollektiv wird mir meine eigene Verletzlichkeit plötzlich schmerzhaft bewusst. Ich sehne mich danach, wieder mit der Gemeinschaft zu verschmelzen. Aber ich bin mir auch über die Verantwortung im Klaren, die ich gegenüber meinen Artgenossen trage. Was immer ich auch tue, mein oberstes Ziel muss es sein, alles in Erfahrung zu bringen, was Einfluss auf den Fortbestand unserer Gemeinschaft nehmen könnte.

Um mich herum haben unzählige meiner Gefährten bereits Flügel aus ihren Körpern wachsen lassen und sich in die Luft erhoben. Ich tue es ihnen gleich, dann schließe ich mich ihnen an. Wir finden ohne jede Schwierigkeit zum Futterplatz, denn die Späher haben den Weg dorthin nach ihrer Rückkehr in unser kollektives Bewusstsein eingepflanzt. Am Rand des Tümpels sinken wir auf den feuchten Stein. Der Boden erbebt unter dem Kampfgetümmel, das rings um uns tobt. Doch da es keine Anzeichen für eine unmittelbare Bedrohung gibt, forme ich einen Teil meiner Außenhülle zu einem rüsselartigen Fortsatz. Das vordere Ende in den dickflüssigen Schleim getaucht, beginne ich zu saugen.

Kaum habe ich die ersten Moleküle der Mahlzeit in mich aufgenommen, setzt eine Wirkung ein, deren Intensität mich vollkommen unvorbereitet trifft.

Mein Inneres scheint zu explodieren.

Für einen Sekundenbruchteil fürchte ich, dass ich mich vergiftet habe. Ich suche verzweifelt nach einer Möglichkeit, meine Artgenossen vor der drohenden Gefahr zu warnen. Doch dann begreife ich, dass ich mit meiner ersten Einschätzung falsch gelegen haben muss. Eine Vergiftung hätte zweifellos eine Schwächung oder Zerstörung meines Organismus zur Folge. Aber ich fühle Stöße ungeheurer Energie durch meinen Leib fluten, wie ich sie noch niemals zuvor verspürt habe. Es ist nicht die Art von Kraftschub, die Nahrungsaufnahme gewöhnlicherweise mit sich bringt.

Ich fühle mich, als würde mein Innerstes vollständig zerstört – nur, um dann im nächsten Moment durch etwas Anderes wieder aufgebaut zu werden. Es ist stark. Es ist fremd. Und es ist … widersprüchlich. So wie ein schwarzes Feuer, dessen dunkle Flamme alles, was mit ihr in Berührung gerät, in eisiger Kälte verbrennt. Gleichzeitig setzt Hunger ein. Eine rasende Gier tobt durch jede Faser meines Körpers. Eine Gier, die danach brüllt, mehr von dem zu bekommen, wodurch sie entstanden ist: der Schleim aus dem Tümpel.

Ich sehe mich um und entdecke, dass es meinen Artgenossen genauso ergangen ist, wie mir selbst. Sie drängen von allen Seiten an den See heran, um sich an der wabernden Masse zu laben. Dieser Anblick lässt mich vor Aggression erbeben. Wenn sich die restlichen Schwarmmitglieder mit rauschhafter Besessenheit über den Schleim hermachen, wird dann genug für mich übrigbleiben? Dieses Risiko werde ich auf keinen Fall eingehen!

Zusätzlich zu dem Rüssel lasse ich mehrere spitze Dornen aus meinem Körper wachsen. Dann dränge ich mich durch die Reihen meiner Konkurrenten, um mir meinen Anteil an der Mahlzeit zu sichern. Dass ich dabei mehrere meiner Artgenossen aufschlitze, ist mir gleichgültig. Endlich habe ich mir einen Platz erkämpft, an dem ich freien Zugang zu den zähflüssigen Überresten der gefallenen Krieger habe. Ich tauche den Rüssel tief hinein und beginne zu saugen. Jeder Schluck wird zu einem köstlichen, verbotenen Genuss. Ein Feuerwerk aus schwarzem Licht lässt die Umgebung rings um mich verschwimmen.

Ich weiß nicht wie viel Zeit vergangen ist, als ich schließlich wieder wie aus einem Traum erwache. Der Schleim ist vollständig verschwunden. Aufgefressen. Dafür ist der Bereich des Felsenbeckens nun übersät von unzähligen meiner toten Artgenossen. Umgebracht von Ihresgleichen bei einem rücksichtslosen Kampf um das Futter. Nur den Stärksten ist es gelungen, ihren Hunger zu stillen.

Die Gemeinschaft der NaaZ-Unum ist um die Hälfte dezimiert, als wir kurz darauf erneut zum Großen Gremium verschmelzen. Die Extremitäten grob ineinander verhakt, erkennen wir, dass jedes Mitglied des Kollektivs dieselbe Erfahrung durchlebt hat: Zügelloser Appetit, der in einer alle Sinne betörenden Ekstase gipfelte. Obwohl die Zahl der Schwarmmitglieder stark abgenommen hat, spüren wir keine Anzeichen von Schwäche. Im Gegenteil, die NaaZ-Unum fühlen sich stark wie niemals zuvor. Denn etwas Dunkles, Mächtiges hat sich über unser Bewusstsein gestülpt und versorgt uns von dort mit pulsierender Energie.

HASS!

1.

Ceyffar

»Es ist ein Triumph.« Mathrigos Rücken

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