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Torn 26 - Odyssee durch Raum und Zeit

Torn 26 - Odyssee durch Raum und Zeit

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Torn 26 - Odyssee durch Raum und Zeit

Länge:
295 Seiten
3 Stunden
Freigegeben:
1. Apr. 2013
ISBN:
9783955726263
Format:
Buch

Beschreibung

»Mein Name ist Torn. Ich habe das Ende der Menschheit gesehen und trachte danach, es zu verhindern. Dies ist meine Geschichte ...«

Von den Lu’cen verstoßen, ist Torn dem Vortex ausgeliefert. Wohin wird es ihn tragen, in welche neue Welt wird es ihn bringen? Auf der Erde der Antike, in den Eiswüsten von Cars und in den dunklen Dschungeln von Mrook erlebt der Wanderer ein neues Abenteuer, als seine Odyssee durch Raum und Zeit ihn auf die Spur eines alten Artefakts führt, das dem unterdrückten Volk von Mrook die Freiheit bringen könnte …

Dies ist der spannende Auftakt des neuen, neunbändigen Zyklus'!
Freigegeben:
1. Apr. 2013
ISBN:
9783955726263
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Torn 26 - Odyssee durch Raum und Zeit - Michael J. Parrish

Glossar

Was bisher geschah

Mein Name ist Torn.

Ich war der letzte der Wanderer.

Dies ist meine Geschichte ...

Im Jahr 1999 gerät der Elitesoldate Isaac Torn während eines Einsatzes in einen Hinterhalt. Ein unheimlicher Hüne, der sein Gesicht hinter einer sonderbaren Schädelmaske aus Metall verbirgt, bringt Torns Gefährten um und foltert ihn.

Aus unerklärlichen Gründen überlebt Torn und kann entkommen, doch seine Karriere ist zerstört, die Beziehung zu seiner Verlobten Rebecca nahezu zerbrochen – er gibt sich die Schuld am Scheitern der Mission. Als er eines Tages von Pentagon-Mitarbeitern zu einem Zeitreise-Experiment eingeladen wird, ist er zunächst unschlüssig. Durch den unerwarteten Mord an Rebecca sieht sich Torn jedoch gezwungen, an dem Versuch teilzunehmen.

Doch das Experiment hat fatale Folgen: die Realität, in die Torn schreitet, ist dem Chaos verfallen. Regierungen existieren nicht mehr, die Menschen vernichten sich gegenseitig, und grausame Dämonen ziehen mordend umher. Torn ist machtlos.

Inmitten seiner Resignation wird er in eine andere Dimension getragen. Weise Wesen, die Lu'cen, offenbaren ihm, dass Torn durch das Überqueren der Zeitengrenze ein Tor in die finstere Dimension der Dämonen aufgestoßen hat – die Welten der Sterblichen drohen vernichtet zu werden.

Ausgerüstet mit einer Plasmarüstung wurde er von den Lu'cen als Wanderer zur Erde zurückgeschickt, um das Experiment zu verhindern. Doch dies scheitert ebenso wie der Versuch, entgegen der Warnungen der Lu'cen, den Mord an Rebecca zu verhindern.

Es scheint nur noch eine Lösung zu geben: Der Wanderer Torn muss zeitgleich mit seinem menschlichen Ebenbild das Vortex durchschreiten. Mathrigo kann dies beinahe verhindern, doch der Lu'cen Aeternos greift ein und opfert sich selbst – der Untergang der Menschheit wurde abgewendet.

Torns Aufgabe ist es nun, zu allen Zeiten und in allen Welten die Sterblichen vor den Übergriffen der Grah'tak und ihres Anführers Mathrigo zu schützen, denn diese versuchen weiterhin, das Immansium ins Chaos zu stürzen. Um gewappnet zu sein, erhält Torn neben seiner Plasmarüstung das Lux, genannt das Schwert des Lichts, sowie einen Gardian, der ihm das Reisen durch Raum und Zeit ermöglicht.

Und so kommt es, dass Torn in seiner ersten Mission die Chance erhält, sich am Mörder Rebeccas zu rächen: Im Kampf schlägt Torn dem Grah'tak Morgo den Kopf ab.

Torn, dessen Menschlichkeit und Erinnerungen von den Lu'cen ausgelöscht wurden, lebt nun auf der Festung am Rande der Zeit. Dort beginnt er, einen Teil der Geheimnisse der Zeitenfeste aufzudecken, und erfährt die Geschichte des Wanderers Ferrotor, dem Verräter – der sich später Mathrigo nennen wird.

Später erfährt Torn von einem unermesslichen Wissensschatz, in dem alles Wissen über die Grah'tak gespeichert ist: dem Daemonichron. Da dieses Artefakt dem Wanderer im Kampf gegen die Finsteren unschätzbare Dienste leisten kann, macht er sich auf die Suche nach den fünf Schlüsseln, die ihm den Weg zum Daemonichron weisen sollen. Nach vielen aufopferungsvollen Kämpfen und durch die Hilfe der Mächte der Ewigkeit gelingt es Torn schließlich, in den Besitz dieses einzigartigen Schatzes zu kommen.

Ungewöhnliche Veränderungen im Fluss der Zeit führen Torn ins finstere Mittelalter der Erde. Dort trifft er auf die junge Frau Callista, in die er sich verliebt. Seite an Seite kämpfen sie gegen den obersten Werwolf Lupis Lupax, doch Callista wird von dessen Schergen ermordet. Von nun an sinnt Torn auf Rache!

Doch Torn erhält immer wieder Hinweise und folgt Spuren, die die Hoffnung in ihm keimen lässt, dass seine geliebte Callista doch nicht tot ist. Und so macht er sich auf, die Seele, die in komplettiert, zu finden und zu befreien.

Diese Suche wird Torn allerdings zum Verhängnis, den er bricht ein Gesetz der Wanderer: Er schont das Leben Mathrigos, dem Herrscher der Grah'tak, um die Sterbliche Callista zu retten. Daraufhin verbannen ihn die Lu'cen aus der Festung, und eine gefährliche Odyssee durch Raum und Zeit beginnt.

Prolog

Mein Name ist Torn.

Ich habe das Ende der Menschheit gesehen und setzte alles daran, es zu verhindern. Ich schwor, die Dämonen zu bekämpfen, die die Welten der Sterblichen heimsuchten.

Doch ich habe versagt.

Der Mensch in mir ist zu stark gewesen.

Jene Mächte, die mich dazu bestimmten, gegen das Böse zu kämpfen, haben mich verstoßen, und so bin ich erneut auf der Suche.

Verloren auf einer kosmischen Odyssee.

Zerrissen zwischen den Dimensionen.

Ein Suchender, dürstend nach Gerechtigkeit.

Ich war der letzte der Wanderer.

Dies ist meine Geschichte ...

1.

Rom im Jahr 58 n. Chr.

Im Audienzsaal des Kaiserpalastes war es so still geworden, dass man eine Nadel fallen gehört hätte.

Die Berater und Höflinge waren verstummt und hatten ihren Blick auf die Gestalt gerichtet, die über die breiten Stufen herab kam, eskortiert von einer Abteilung der Prätorianergarde.

Der Mann, der in eine weite Toga gehüllt war und auf dessen Haupt ein goldener Lorbeerkranz ruhte, war noch jung an Jahren, doch seine Ausstrahlung verriet unverhohlene Macht. Sein krauses Haar war rötlich, sein Teint ungewöhnlich blass für einen Römer. Unter anderen Umständen hatte man ihn vielleicht für einen peregrinus gehalten, für einen Fremden, der aus einer der Provinzen kam.

Doch Nero Claudius Caesar war kein Fremder.

Er war der Imperator des Römischen Reiches.

Die Höflinge, Senatoren und Bediensteten beugten die Häupter, als ein Fanfarenstoß die Ankunft des Kaisers ankündigte. Nero blieb stehen, schaute mit großmütiger Miene in die Runde, um sich dann auf den Thron zu setzen, der auf einem Podest errichtet worden war. Mit einer beiläufigen Geste erlaubte er den Anwesenden, sich wieder aufzurichten.

Die Höflinge wagten kaum zu atmen. Zwar hatte sich Agrippinas Sohn als weniger grausam als sein Vorvorgänger Caligula entpuppt und als weniger unberechenbar wie der wankelmütige Claudius; doch die Erfahrung hatte gelehrt, dass auch der junge Nero, der seine Erfüllung mehr in Kunst und Dichtung suchte als in Politik und Kriegsführung, mitunter gefährlich sein konnte. Vor allem dann, wenn man sich seinem Willen widersetzte ...

»Nun«, sagte der noch junge Kaiser und blickte herausfordernd in die Runde. »Wie schön, dass alle gekommen sind, nach denen ich verlangt habe. Wie schade wäre es gewesen, wenn ich meine Prätorianer hätte aussenden müssen, um jeden von euch einzeln zu holen.«

Er lachte laut, aber niemand wagte es, mit ihm zu lachen. Nero nannte eine seltsame Art von Humor sein Eigen, und er hatte Leute schon aus weit geringeren Gründen verhaften lassen. An diesem Morgen jedoch schien der Imperator guter Laune zu sein. Wer in seine Pläne eingeweiht war, der wusste, dass dies nur mit einer Sache zu tun haben konnte ...

»Wie steht es, mein werter Brutus?«, erkundigte sich der Kaiser bei einem der Höflinge, die ihm am nächsten standen. »Hast du die Möglichkeiten für das große Abenteuer erwogen?«

Brutus Tullius Necas, ein schlanker Mann mittleren Alters, dessen Toga purpurne Streifen trug und ihn als Mitglied des Senats auswies, verbeugte sich und nickte. »Das habe ich, mein Caesar.«

»Und zu welchem Schluss bist du gekommen?«

In Necas' schmalen Augen funkelte es listig. Seine hageren, fast knochenhaften Züge verrieten den asketischen Denker. Doch wer den Senator kannte, der wusste, dass sein Instinkt für Macht überaus ausgeprägt war.

»Es besteht kein Zweifel, mein Caesar«, gab er zur Antwort und warf sich dabei theatralisch in die Brust – als Schauspieler, der er gerne sein wollte, liebte der Imperator solche Gesten. »Das Abenteuer, das ich Euch in Aussicht gestellt habe und das alles übertreffen könnte, was Eure Vorgänger geleistet haben, ist möglich.«

»Das ist eine gute Nachricht«, sagte Nero mit einer Miene, die verriet, dass er keine andere Antwort hätte gelten lassen. »Also sollten wir nicht zögern und diese Expedition ausrüsten, die ...«

»Verzeiht, mein Imperator«, ließ sich eine andere, jüngere Stimme vernehmen.

Marcus Gallus, der junge Tribun der Prätorianergarde, war vorgetreten und verneigte sich.

»Du hast etwas zu diesem Thema zu sagen, Gallus?«, fragte der Kaiser verwundert.

»Das habe ich, mein Imperator«, versicherte der junge Mann, der die rote Tunika und den ledernen Harnisch der Garde trug und dessen Züge trotz seiner Jugend Mut und Entschlossenheit verrieten.

»Verzeiht, mein Caesar«, mischte sich Necas sofort ein. »Aber was hat die Meinung eines Prätorianers zu diesem Thema beizutragen? Wir alle wissen, dass Gallus ein tapferer Soldat ist, der auf vielen Schlachtfeldern sein Geschick bewiesen hat. Aber hat er das Recht, in dieser Runde und zu diesem Thema das Wort zu ergreifen?«

»Bei allem Respekt, mein Imperator«, sagte Gallus, ohne Necas dabei anzusehen. »Als Tribun Eurer Leibwache bin ich mit Eurer Sicherheit und Eurem Schutz betraut. Ich betrachte es daher als meine Pflicht, meine Stimme zu erheben, wenn ich um Euer Wohl fürchte.«

In Neros kleinen Äuglein flackerte etwas wie Sympathie auf. »Tust du das denn?«

»Ja, mein Imperator.«

»Und es hat nichts damit zu tun, dass Euer Vater Mitglied des Senats und Brutus' schärfster Gegner ist?«, hakte der Kaiser nach. Nero war berüchtigt für seine Eskapaden und seine jämmerlichen Versuche, als Schauspieler und Sänger zu gelten. Aber anders als seine Vorgänger war er auch ein kluger Kopf, der sich so leicht nichts vormachen ließ.

»Nein, mein Imperator«, erwiderte Gallus und schlug dazu mit seiner geballten Faust auf seinen Brustpanzer. »Ich schwöre es!«

»Nun gut, mein junger Freund«, sagte Nero zu dem Offizier, der älter war als er, »dann werde ich mir anhören, was du zu sagen hast und mich erst danach entscheiden.«

»Mein Imperator«, sagte Marcus offen, »ich bin gegen Brutus Necas' Vorschlag.«

»Wie überraschend«, versetzte derselbe säuerlich.

»Eine Expedition, wie Necas sie vorschlägt, würde nicht nur Unsummen von Geldern verschlingen, sondern auch unnötig viele Soldaten binden.«

»Nur eine Legion«, erwiderte Necas mit einer wegwerfenden Handbewegung.

»Eine Legion«, setzte Marcus diesen Gedanken fort, »in einer Zeit, in der die Grenzen unseres Reiches unruhig sind wie selten zuvor. Der Konflikt mit den Parthern ist noch immer nicht entschieden, mein Imperator. Noch immer sind unsere Feinde stark genug, um uns zu zerschmettern.«

»Das ist Unsinn!«, wandte Necas ein, der sich kurzerhand zum Anwalt des Kaisers ernannt hatte. »Jeder weiß, dass Caesars Macht tausendmal größer ist als die dieser Barbaren.«

»Ist das so?«, fragte Marcus scharf. »Seid Ihr denn draußen auf dem Schlachtfeld gewesen, Senator? Habt ihr den Feind gesehen, seine Reiter und seine Bogenschützen? Sie sind so schnell und so tödlich wie die Pfeile, die sie abschießen. Keine Armee kann ihnen auf Dauer widerstehen, auch die unsere nicht. Alles, was das Reich auf Dauer sichern kann, ist ein gezielter Feldzug. Das ist das Abenteuer, das auf Eure Legionen wartet, mein Imperator – nicht die Hirngespinste, von denen Senator Necas spricht.«

»Hirngespinste?«, fragte Necas schnaubend. »Ist das der Respekt, den du den Älteren entgegen bringst, Marcus Gallus? Meine Absichten sind ehrenwert, mein Wille nur, dem Caesar zu dienen. Weshalb beleidigst du mich?«

Die Blicke des Senators und die des jungen Prätorianers trafen sich, und man brauchte kein Seher zu sein, um die gegenseitige Abneigung zu erkennen, die darin lag. Nicht wenige der Höflinge blickten verschämt zu Boden, als hätten sie Angst, der Zorn des Imperators könnte auch sie treffen.

Doch Nero schien an diesem Morgen nicht zu einem Zornesausbruch aufgelegt zu sein. Im Gegenteil. Der Streit zwischen seinem ersten Günstling und dem Anführer seiner Prätorianer schien ihn zu amüsieren.

»Es freut mich«, sagte er grinsend, »dass zwei so treffliche Männer besorgt um mein Wohlergehen sind, wenn auch auf so unterschiedliche Art und Weise. Was aber soll ich nun tun? Wie soll ich mich entscheiden?«

»Tut es nicht, mein Imperator«, sagte Marcus Gallus leidenschaftlich. »Lasst nicht zu, dass Necas' eitle Pläne die Sicherheit des Reiches gefährden.«

»Schweig, Grünschnabel!«, fuhr der Senator ihn an. »Der Caesar mag selbst entscheiden, was gut ist für das Reich und was nicht. Die Parther rennen von jeher gegen unsere Grenzen an, ohne sie ernstlich zu bedrohen. Im Süden jedoch, im tiefsten Herzen Afrikas, harrt ein Abenteuer, dem der Imperator sich nicht entziehen kann. Denkt nur an die alten Schriften, mein Caesar. An die Schätze, von denen darin die Rede ist ...«

»Die Schätze der Dido«, sagte Nero und trommelte nachdenklich mit seinen beringten Fingern auf den Armlehnen des Throns. »In Liedern und alten Gesängen habe ich davon gehört, aber ich hätte nie geglaubt, dass sie wirklich existieren.«

»Es gibt sie wirklich«, wandte Necas mit sich überschlagender Stimme ein. »Das Studium der alten Schriften, die einst aus Karthago erbeutet wurden, lässt keinen Zweifel zu. Die legendäre Gründerin jener Stadt hat einst gelebt, mein Caesar. Doch während sie den Weg jedes Sterblichen gegangen ist, sind ihre Schätze noch immer da draußen in der Wüste und warten darauf, von jemandem gehoben zu werden, der würdig und wert ist, ihr Erbe anzutreten. Und wer anders könnte das sein als Ihr, mein Caesar?«

Über Neros blasse Züge huschte ein Lächeln. Es war unschwer zu sehen, dass ihm die Schmeicheleien des Senators gefielen. Zudem war es kein Geheimnis, dass der Imperator seine Freude an alten Sagen und Geschichten hatte und dass er sich selbst am liebsten als Nachfolger antiker Helden vom Schlage eines Hercules oder Aeneas sah. Sich auf die Suche nach einem Schatz zu begeben, der vor undenklich langer Zeit von jenen Heroen hinterlassen worden war und damit aller Welt zu zeigen, dass er ihr wahrer Erbe war, stellte eine nicht zu unterschätzende Verlockung dar ...

»Dennoch, Caesar«, wandte der junge Marcus ein und verlieh damit einmal mehr Neros anderer Seite Stimme. Der des Vernunftmenschen, des Politikers, zu dem er von seinen Lehrern erzogen worden war. »Ihr dürft für ein solches Abenteuer nicht die Sicherheit des Reiches riskieren. Wir können keine Legion entbehren, um nach versunkenen Schätzen zu suchen. Das Imperium braucht den Schutz jedes einzelnen Soldaten.«

»Findet Ihr nicht, Marcus, dass Ihr Eure Kompetenzen als Offizier der Garde ein wenig überschreitet?«, fragte Necas mit listigem Grinsen.

»Keineswegs. Ich bringe nur zum Ausdruck, was der größte Teil des Senats und des römischen Volkes denkt. Ich weiß, dass Caesar ein offenes Wort schätzt und dass ...«

»Des Senats?«, fragte der andere nach, und Marcus wusste, dass er einen taktischen Fehler begangen hatte. »Mein Caesar«, wandte sich Necas lamentierend an den Imperator, »gerade hat Marcus Gallus gestanden, dass er entgegen seiner Beteuerungen doch nur das Sprachorgan seines Vaters ist, der im Senat noch immer gegen mich und Euch intrigiert.«

»Das ist nicht wahr!«, begehrte Marcus auf.

»Habt Ihr es nicht soeben selbst zugegeben, Marcus? Dass Ihr hier vor dem Caesar die Meinung des Senats vertretet? Die Meinung Eures Vaters, dem der Imperator verboten hat, jemals wieder vor ihm zu erscheinen?«

»Doch nur, weil Ihr ihn verleumdet habt«, kam es dem heißspornigen Prätorianer über die Zunge, und unter den Höflingen setzte aufgeregtes Getuschel ein.

Dass sich die Berater und Günstlinge des Kaisers zankten, war an der Tagesordnung, und oft genug hetzte Nero sie zu seinem eigenen Gefallen selbst dazu auf. Eine Beleidigung wie diese konnte jedoch nicht ungeahndet bleiben, das war allen Anwesenden klar.

»Mein Caesar«, wandte sich Necas an Nero, ohne den jungen Offizier auch nur noch eines Blickes zu würdigen. »Ihr habt gehört, was vorgefallen ist. Ohne Provokation hat sich Marcus Gallus zu einer Beleidigung übelster Art hinreißen lassen, die ich so nicht hinnehmen kann. Ich bitte Euch daher, einen Schiedsspruch zu fällen.«

Neros kleine Äuglein zuckten in ihren Höhlen umher, blickten bald zu Necas, bald zu seinem jungen Widersacher, dessen Brust sich unter dem ledernen Panzer heftig hob und senkte. Allen Anwesenden war klar, dass es hier um mehr ging als um einige unbedachte Worte, die im Zorn geäußert worden waren.

Um viel mehr.

In den zurück liegenden Wochen hatte Brutus Necas es mehr und mehr geschafft, über den noch jungen Kaiser Macht zu gewinnen, während der Kreis um den weisen Seneca und den Präfekten Burrus, der ihm zu Beginn seiner Regierungszeit hilfreich zur Seite gestanden hatte, immer mehr an Einfluss verlor. Der besonnene Politiker, der Nero gewesen war, wich zusehends dem impulsiven Künstler, der er so gerne sein wollte, und die treibende Kraft hinter all dem schien Brutus Necas zu sein.

Als Brutus Necas und Marcus Gallus in diesem Augenblick vor dem Thron standen, schienen sie um die Seele des Kaisers zu kämpfen; darum, welches Gesicht Neros Regierung in den kommenden Jahren annehmen würde. Und welchem Geschick das Reich entgegen gehen würde ...

Der Kaiser ließ sich mit seiner Entscheidung Zeit.

Sein Schiedsspruch würde dem Streit, der zwischen den Familien Necas und Gallus schwelte, ein für alle Mal ein Ende bereiten, konnte über Tod und Leben entscheiden. Doch auch Nero wusste, dass eine solche Entscheidung nicht übers Knie gebrochen werden konnte.

»Geht«, verlangte er leise.

»Was, mein Caesar?«, fragte Necas staunend, der sich seiner Sache sehr sicher gewesen war.

»Ich möchte, dass Ihr beide geht«, wiederholte der Imperator ruhig. »Verlasst meinen Hof und kehrt morgen um die gleiche Zeit zurück. Dann werde ich euch meine Entscheidung wissen lassen. Nur einer von euch kann in dieser Sache Recht behalten, und es will wohl erwogen sein, wer von euch das ist.«

»Aber, mein Caesar ...«

»Geht!«, verlangte Nero energisch, und zu Marcus, der sich bereits verbeugt und abgewandt hatte, gesellte sich auch der wütend schnaubende Brutus Necas.

Vorbei an den Höflingen, die ihnen verstohlene Blicke zuwarfen, verließen die beiden den Audienzsaal, passierten das Tor und die Prätorianer, die davor Wache hielten. Die Wege der beiden Männer trennten sich, ohne dass sie einander noch eines Blickes würdigten.

Während sich Marcus auf sein Quartier zurückzog, schlug Brutus die Richtung zum Ausgang ein. Über die breite Treppe passierte er das Portal und gelangte in den Innenhof, wo die große Sänfte bereit stand, mit der er gekommen war. Sein Diener, der ihm auf Schritt und Tritt folgte, schlug den Vorhang beiseite, und Necas stieg ein. Sofort hoben die schwarzen Nubier-Sklaven die Sänfte an, und die holprige Reise durch die überquellenden, vor Leben pulsierenden Straßen Roms begann.

Im Inneren der Sänfte war von der stickigen Hitze dieses Junimorgens wenig zu spüren. Hier war es kühl. Brutus Necas fröstelte, während er auf seinem gepolsterten Sitz hin und her rutschte.

Er wusste, dass die Kälte, die er spürte, nicht natürlichen Ursprungs war.

Sie stammte von demjenigen, der ihm im schattigen Halbdunkel der Sänfte gegenüber saß, in einen weiten Mantel gehüllt, dessen Kapuze sein Gesicht verdeckte.

»Nun?«, fragte der Fremde nur. Seine Stimme klang seltsam fern und automatenhaft.

»Noch nicht«, erstattete Necas mürrisch Bericht. »Der Kaiser hat die Entscheidung vertagt.«

»Schon wieder?«

»Es war nicht mein Fehler«, beeilte sich Necas zu erklären. Obwohl er sich Mühe gab, keine Furcht zu zeigen, war unübersehbar, dass sein unheimliches Gegenüber ihn ängstigte. »Dieser vorlaute Jüngling Gallus trägt Schuld daran. Ich hatte den Kaiser fast so weit, unserem Vorhaben zuzustimmen, als Gallus mir dazwischen kam.«

»Und?«, fragte der Vermummte nur.

»Gallus ist der Spross einer einflussreichen Familie. Selbst jetzt, da ich seinen Vater beim Kaiser in Misskredit gebracht habe, verfügt seine Sippe noch immer über großen Einfluss, über den ich mich nicht einfach hinwegsetzen kann.«

»Dann muss er sterben«, schnarrte der andere tonlos.

»Sterben?« Necas lachte freudlos. »Wie stellt Ihr Euch das vor? Als Ihr zu mir kamt und mich um Hilfe batet, versicherte ich Euch, dass ich Euch helfen könnte. Aber ich sagte auch, dass ich kein Blut an meinen Händen will. Ich, Brutus Necas, mag ein Meister der Intrige und politischen List sein. Aber ich bin kein Mörder.«

»Du bist, was immer ich von dir verlange«, sagte der andere schlicht, und es lag etwas in seiner Stimme, das keinen Widerspruch zuließ.

Brutus Necas zuckte zusammen. Für einen Moment war es ihm so vorgekommen, als wäre dort, im Dunkel der Kapuze, einen Lidschlag lang ein glühendes Augenpaar aufgeflammt. Oder hatte er sich nur geirrt? Der Gedanke, dass er noch nie gesehen hatte, was sich unter der Kapuze befand, dass er noch nie ins Gesicht seines unheimlichen Verbündeten geblickt hatte, beunruhigte ihn plötzlich.

»Du tust, was ich dir sage«, schärfte der Vermummte ihm erneut ein. »Vergiss nicht, Brutus Necas, dass du mir

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