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Torn 31 - Das Killerkorps

Torn 31 - Das Killerkorps

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Torn 31 - Das Killerkorps

Länge:
274 Seiten
3 Stunden
Freigegeben:
15. Apr. 2013
ISBN:
9783955726317
Format:
Buch

Beschreibung

»Mein Name ist Torn. Ich habe das Ende der Menschheit gesehen und trachte danach, es zu verhindern. Dies ist meine Geschichte ...«

Während im Rat der Dämonen eine dunkle Verschwörung ihren Lauf nimmt, kennt Mathrigo nur noch ein Ziel: den Wanderer zu finden und endgültig zu vernichten. Zu diesem Zweck ruft der Herrscher des Bösen eine alte Institution zurück ins Leben, die schon in den Tagen des Großen Krieges Angst und Schrecken verbreitet hat. Fünf Dämonen werden ausgeschickt, um Torn zu töten – unter ihnen die teuflische Carnia, der Folterer Torcator und ein alter Feind, der aus Torns Vergangenheit zurückkehrt. Gemeinsam bilden sie das Killerkorps ...
Freigegeben:
15. Apr. 2013
ISBN:
9783955726317
Format:
Buch

Über den Autor


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Torn 31 - Das Killerkorps - Michael J. Parrish

Band 31

Das Killerkorps

von Michael J. Parrish

© Zaubermond Verlag 2013

© Torn – Wanderer der Zeit by Michael J. Parrish

Die Veröffentlichung dieses Werkes erfolgt auf Vermittlung der Autoren-

und Verlagsagentur Peter Molden, Köln.

Titelbild: Günther Nawrath

eBook-Erstellung: story2go

http://www.zaubermond.de

Alle Rechte vorbehalten

Inhalt

Das Killerkorps

Was bisher geschah

Prolog

1. Kapitel

2. Kapitel

3. Kapitel

4. Kapitel

5. Kapitel

6. Kapitel

7. Kapitel

8. Kapitel

Epilog

Vorschau

Glossar

Was bisher geschah

Mein Name ist Torn.

Ich war der letzte der Wanderer.

Dies ist meine Geschichte ...

Der Elitesoldat Isaac Torn nimmt an einem Zeitreiseexperiment teil und stößt damit unwissentlich das Tor zum Subdaemonium auf, wodurch das Heer der dämonischen Grah'tak entfesselt wird und über die Welten der Sterblichen herfällt. Von den Lu'cen, den mächtigen Richtern der Zeit, kann der Untergang in letzter Sekunde abgewendet werden.

Als Wiedergutmachung wird Torn in ihre Dienste gestellt: Als Nachfolger der legendären Wanderer reist er durch Raum und Zeit, um gegen die verbliebenen Grah'tak zu kämpfen.

Ausgestattet mit einer Plasmarüstung, die ihre Gestalt wandeln kann, und seinem Lux, dem Schwert des Lichts, ist es seine Mission, die Sterblichen zu beschützen – die Festung am Rande der Zeit wird dabei seine neue Heimat.

Doch Torn leidet unter der Einsamkeit, die ihm auferlegt wurde. Als er seiner Vergangenheit, die die Lu'cen aus seinem Gedächtnis löschten, näher kommt, bricht er das Gesetz der Wanderer: Er schont das Leben von Mathrigo, dem Herrscher der Grah'tak, um die Sterbliche Callista zu retten. Daraufhin verbannen ihn die Lu'cen aus der Festung, und eine gefährliche Odyssee durch Raum und Zeit beginnt.

Torn ist noch immer ein Wanderer, doch sein Weg ist unbestimmt. Er ist ein Ausgestoßener, ein Pendler zwischen den Dimensionen. Einst begleitete ihn der Gardian, der Mantel der Zeit, doch jetzt irrt Torn ziellos durch Zeiten und Welten. Sein Lux wurde ihm genommen, ebenso wie seine große Liebe. Dazu verdammt, das Leben eines Sterblichen zu führen, befindet er sich auf einer Odyssee durch Raum und Zeit. Sein Kampf gegen die Grah'tak jedoch geht weiter ...

Die erste Station seines Exils führte Torn ins Rom des Kaiserreichs, wo er sich auf die Suche nach dem alles vernichtenden Pal'rath begab. Nach gefahrvollen Abenteuern kam es auf der Affenwelt Mrook zum Kampf zwischen Torn und dem Grah'tak Distrigor, und mit Hilfe seines Waffenbruders Krellrim gelang es Torn, Mrook von der Herrschaft des Bösen zu befreien. Seine nächste Mission führte Torn ins sagenumwobene Atlantis, der letzten Kolonie der alten Wanderer. Die Grah'tak versuchten, Atlantis – und damit die Zukunft der gesamten Menschheit – zu vernichten, doch mit Hilfe neuer Freunde und Verbündeter gelang es Torn, den Angriff der Grah'tak zu stoppen. Nach dieser Mission trug das Vortex Torn ins alte Japan, wo er auf der Suche nach Darkon dem Schwertmeister den Weg des Kriegers beschritt und dabei seinen schlimmsten Gegner fand – sich selbst. Doch das Gute in Torn gewann, und durch eine List der Lu'cen gelang es, die Grah'tak glauben zu machen, Torn sei tot.

Dadurch ermutigt, setzte Mathrigo, der Herrscher der Dämonen, zu einem Versuch an, nicht nur die Menschheit zu vernichten, sondern auch seine Gegner in den Reihen der Grah'tak. Mit Hilfe eines Weltenvernichters, einer riesigen Kampfmaschine, die in der Lage ist, ganze Planeten zu zerstören, wollte Mathrigo alle seine Feinde mit einem entscheidenden Schlag vernichten – im letzten Moment jedoch kehrte Torn zurück, und mit Hilfe einer Abteilung Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg und der außerirdischen Marassi gelang es, Mathrigos Vorhaben zu vereiteln. Nun sinnt der Herrscher des Bösen auf Rache ...

Peragor, vien Ascalotan, ibidan viden iacon, com lex imperu. –

Wanderer, kommst du nach Ascalot, sage ihnen, du hättest

uns hier liegen gesehen, wie unser Gesetz es uns befahl.

Aus der Geschichte des Großen Krieges

Mein Name ist Torn.

Ich habe das Ende der Menschheit gesehen und setzte alles daran, es zu verhindern. Ich schwor, die Dämonen zu bekämpfen, die die Welten der Sterblichen heimsuchten.

Ich habe versagt, denn der Mensch in mir ist zu stark gewesen. Die Mächte, die mich dazu bestimmten, gegen das Böse zu kämpfen, haben mich verstoßen, und so bin ich erneut auf der Suche.

Verloren auf einer kosmischen Odyssee.

Zerrissen zwischen den Dimensionen.

Ein Suchender, dürstend nach Gerechtigkeit.

Ich war der letzte der Wanderer.

Dies ist meine Geschichte ...

Prolog

Niederlagen.

Mathrigo, der Herrscher der Grah'tak, hatte sie kennen gelernt – in beinahe jeder Form.

Zuerst, als er noch ein Sterblicher gewesen war, ein Wanderer in den Diensten der Allianz, vor vielen Äonen. Als er hatte mit ansehen müssen, wie Welt um Welt dem Ansturm der Horden des Bösen zum Opfer gefallen war.

Das war Mathrigos erste Niederlage gewesen.

Die nächste erfolgte, nachdem er die Seiten gewechselt hatte. Er hatte es nicht ertragen, zu den Verlierern zu gehören, hatte den Mächten des Bösen die Hand zum Bund gereicht und war einer von ihnen geworden – ein Grah'tak, ein Dämon, ein lebendes Schreckbild.

Sein Äußeres hatte sich verändert, und er war zu einer abscheulichen, unansehnlichen Kreatur geworden, deren Anblick Sterbliche kaum ertrugen. Ein vollwertiger Grah'tak war er dadurch jedoch nicht geworden.

Denn jene, die dem Subdaemonium entsprangen, der düsteren Dimension, die der Ursprung des Bösen war, hatten ihn als Glu'takh verspottet, als einen Sterblichen, der zum Dämon geworden war. Sie hatten ihn missachtet und als Verräter behandelt – Mathrigos zweite Niederlage.

Aber er hatte nicht aufgegeben. Je dunkler sein Herz geworden war, desto größer wurde sein Hass. Sein Hass auf alles, was lebte. Sein Hass auf alles, was schön war. Sein Hass auf alles, was ihn in seiner Freiheit einschränkte.

Der Hass war sein ständiger Begleiter geworden, hatte ihn stark und unverwundbar gemacht. Unverwundbar gegen die Klingen der Wanderer, gegen die er nun kämpfte, unverwundbar aber auch gegen den Spott der Grah'tak.

Der erste Grah'tak, den er vor aller Augen getötet hatte, indem er seinen Schädel mit einem raschen Hieb zerschmetterte, war ein Dokat gewesen, ein Angehöriger der Gelehrtenkaste. Keine große Tat, aber eine, die ihm Anerkennung eingebracht hatte. Als Nächstes hatte er seinen Kommandanten herausgefordert, einen weißen Morg'reth, dem er das Rückgrat gebrochen hatte. Und schließlich war er seinem General gegenübergetreten, einem Stacheldämon mit dem Namen Fasok.

Im Duell mit Brak'tar-Klingen hatte Mathrigo Fasok besiegt und ihm sein Runenschwert abgenommen, das Zeichen seines Standes. Mit der Runenklinge in der einen und Fasoks Haupt in der anderen Hand hatte sich Mathrigo zum General ausgerufen. Von da an hatten die Grah'tak ihn gefürchtet.

Indem er siegreiche Schlachten schlug und das Heer der Sterblichen immer noch weiter zurückdrängte, gewann er die Anerkennung der Kardinaldämonen, und sie gaben ihm sein eigenes Rakh, das er zu verwalten und zu verteidigen hatte. Alles entwickelte sich so, wie Mathrigo es stets beabsichtigt hatte – aber dann geschah es.

Als die Wanderer fast besiegt und nur noch wenige von ihnen übrig waren, griffen die Mächte der Ewigkeit in den Konflikt ein, der in den Zeiten und Welten tobte. Mit ihren unvorstellbaren Kräften trieben sie das Heer des Bösen zurück und verhinderten, dass die sterblichen Rassen vernichtet wurden. Mehr noch, der größte Teil der Grah'tak wurde ins Subdaemonium zurückgedrängt und das Dimensionstor verschlossen. Der Rest blieb im Immansium, gestrandet auf unzähligen Welten, unter ihnen Mathrigo.

Die nächste große Niederlage seines Lebens.

Aber wieder hatte er nicht aufgegeben. Sein Hass hatte ihm geholfen, am Leben zu bleiben, und er hatte die Jahrmillionen dazu genutzt, um aus den verbliebenen Grah'tak ein neues Heer zu formen. Er hatte sich selbst zum Heerführer ausgerufen und jeden Widerstand im Keim erstickt. Die Akul'rak und Shikan'tar, die Dokaten und Lupanen, Vampyre und Khor'makh – sie alle hatten sich ihm beugen müssen. Wer es nicht getan hatte, den hatte er grausam bestraft.

Nicht wenige Feinde hatte er in den Schlund des Ma'thruk geworfen, hatte Gegner reihenweise abgeschlachtet, um den Platz an der Spitze zu behaupten. Und im Lauf von Jahrtausenden und unzähligen blutigen Schlachten war es ihm gelungen, sich zum Herrscher aller Grah'tak im Immansium aufzuschwingen.

Als Hauptquartier hatte er sich die Erde ausgesucht, einen blauen Planeten, der weit entfernt war von den Welten der alten Allianz. Hier hatte er das Cho'gra errichtet, die Hölle auf Erden, die tief in den Eingeweiden dieser noch jungen Welt lag und außerhalb der sterblichen Zeit existierte.

Von hier aus hatte er begonnen, das Heer des Bösen erneut zu ordnen und auf zwei Ziele hinzuarbeiten: Auf die Rückeroberung des verlorenen Terrains – und darauf, das Siegel zu brechen, mit dem das Tor zum Subdaemonium einst verschlossen worden war, den Tag der Vergeltung anbrechen zu lassen.

Es war nicht leicht gewesen, sich in dieser langen Zeit gegen seine Feinde zu behaupten.

Im Math'ra'krat, dem Rat der Dämonen, stellten die Akul'rak die stärkste Partei. Da sie mit den Shikan'tar und den Khor'makh bis aufs Blut verfeindet waren, hatte Mathrigo es stets verstanden, sie gegeneinander auszuspielen. Aber in jüngster Zeit formte sich Widerstand – und dieser Widerstand hing mit Torn zusammen, dem letzten der Wanderer.

Am Anfang war Torn nicht mehr gewesen als eine Idee. Eine Laune. Ein Mittel zum Zweck. Mathrigo hatte sich seiner bedienen wollen, um das Siegel zum Subdaemonium zu brechen und die Macht des Bösen erneut zu entfesseln. Aber Torn hatte sich als äußerst widerspenstig erwiesen – zumal, als die Lu'cen ins Spiel gekommen waren, die Diener des Lichts, die selbst einst Wanderer gewesen und zu Wesen aus reiner Energie geworden waren.

Sie hatten den Sterblichen Isaac Torn in die Geheimnisse des Kodex eingeweiht und ihn zum Wanderer gemacht – zum letzten Abkömmling des Ordens, zu einer blassen Erinnerung des Glanzes von einst. Anfangs hatte Mathrigo darüber nur gelacht – bis Torn begonnen hatte, ihn zu bekämpfen und seine Pläne zu durchkreuzen.

Mit allen Mitteln hatte Mathrigo Torn bekämpft. Zunächst hatte er ihn im offenen Kampf zu bezwingen versucht, dabei aber keinen Erfolg gehabt. Deshalb hatte er es mit Intrigen versucht, mit List und mit Täuschung. Er hatte erreicht, dass Torn von den Lu'cen verstoßen wurde und seine Heimat, die Festung am Rande der Zeit, verlassen musste – seinen Kampf gegen die Grah'tak hatte der Wanderer aber nicht aufgegeben.

Wieder und wieder hatte er Mathrigo geschadet – sowohl bei der Suche nach dem Pal'rath als auch im Kampf um Atlantis. Niederlagen, immer wieder. Und je mehr Niederlagen Mathrigo erlitten hatte, desto mehr Widerstand hatte sich im Math'ra'krat gegen ihn formiert.

Die Akul'rak wurden unruhig, und es gab nicht wenige, die seine Absetzung forderten. Mehr noch, ihr Hass auf Mathrigo war offenbar so groß, dass sie bereit waren, ihre jahrtausendealte Fehde mit den Shikan'tar darüber zu vergessen.

Wenn seine Feinde sich einig wurden und gegen ihn verbündeten, war Mathrigos Zeit abgelaufen, das war ihm klar – also hatte er nach einer Lösung gesucht, sich seiner Gegner zu entledigen.

Im Geheimen hatte er mit dem Bau eines Weltenvernichters begonnen, einer riesigen Kampfmaschine, wie sie in den Tagen des Großen Krieges zum Einsatz gekommen war und die ganze Planeten zerstören konnte.

Angetrieben von einem synthetisch hergestellten Pal'rath hatte der Weltenvernichter die Erde vernichten sollen, und damit nicht nur die Menschheit, sondern auch die Mitglieder des Math'ra'krat, die sich im Cho'gra aufhielten.

Schon hatte es so ausgesehen, als würde Mathrigos Plan gelingen, als er erneut eine schwere Niederlage hatte hinnehmen müssen – und wieder hieß ihr Urheber Torn.

In buchstäblich letzter Sekunde war es dem Wanderer gelungen, den Weltenvernichter zu zerstören. Zusammen mit dem Glu'takh Torcator, der sein Handlanger und oberster Folterknecht war, war Mathrigo zwar entkommen, aber die Niederlage war nicht mehr abzuwenden gewesen – und sie war vernichtend.

Nicht nur, dass der Weltenvernichter zerstört war.

Die Akul'rak hatten im Rat auch offen Mathrigos Kopf gefordert. Es war ein offenes Geheimnis, dass er ihren Tod geplant hatte, und er wusste ganz genau, dass sie jetzt, in diesem Augenblick, sein Ende planten.

Nur etwas gab es, das die aufgebrachten Grah'tak noch einmal besänftigen und seinen Feinden den Rückhalt nehmen konnte – wenn es ihm gelang, Torn zu töten und seinen Kopf im Math'ra'krat zu präsentieren.

Torns Tod war Mathrigos einzige Chance.

Sie musste genutzt werden.

1.

Orrochis

Fünftes Rakh von Kerok Ghul

Es war eine öde, trostlose Welt.

Schwarze Felsnadeln ragten aus blutrotem Sand, dürres Gestrüpp bildete die einzige Vegetation. Dichte Wolken verfinsterten den Himmel, und Stürme tobten über die Oberfläche des Planeten, die seit Jahrtausenden unbewohnbar war.

Tiere gab es längst nicht mehr. Die Luft war verseucht und giftig und hatte alle Spezies dieser Welt qualvoll verenden lassen. Und die Zivilisation, die auf diesem Planeten einst existiert hatte, war ausgelöscht worden im Stahlgewitter des Brak'tar und der Nekronergen-Kanonen. Nicht einmal Ruinen waren verblieben.

Jene, die nun auf dem Planeten hausten, verdienten den Namen Lebewesen nicht. Denn weder lebten sie, noch waren sie sterblich, sondern Ausgeburten einer dunklen Dimension des Grauens, die sie vor Urzeiten ausgespien, aber nicht wieder aufgenommen hatte.

Ihr Domizil war der schwarze Berg, der sich inmitten der roten Wüste erhob – eine Festung, tief in den kalten Stein des Planeten getrieben. Es war der Sitz von Kerok Ghul, dem Herrscher dieses Rakh und dem Obersten der Stacheldämonen. Aus Mathrigos Hand hatte er dieses Lehen empfangen – eine tote, wertlose Welt, die weit von der Erde entfernt war und auf der es nicht einmal mehr Leben gab, das er auslöschen konnte.

Aber vielleicht würde sich dies bald ändern ...

Kerok Ghul stand vor einem der schmalen Fenster und starrte hinaus auf die öde Wüstenei, sog die giftige Luft in seine Lungen, während er dem Streit zuhörte, der sich hinter seinem Rücken abspielte.

»Und ich sage euch, dass es ein Fehler war, hierher zu kommen. Was kann ein Akul'rak uns geben, das wir uns nicht selbst nehmen könnten?«

Kerok Ghul kannte diese Stimme. Sie gehörte Gorgon, dem tumben Anführer der Khor'makh-Sippe, den er in seine Festung hatte rufen lassen.

»Du hast Recht«, erwiderte jemand, zischelnd wie eine Schlange. »Und doch wüsste ich gerne, was Kerok Ghul vorhat. Er würde es niemals wagen, uns ohne triftigen Grund zu rufen. Das stimmt doch, Ghul, oder nicht?«

Diese Stimme gehörte Kerfatis, einer der Priesterinnen vom Orden der Shikan'tar. Einst war der Orden stark und mächtig gewesen, hatte dem Bösen gehuldigt, das im Subdaemonium herrschte. Aber je länger ihrer aller Exil in der Dimension der Sterblichen dauerte, desto mehr verblasste die Erinnerung an die Dunkelheit, und die Macht der Shikan'tar war geschwunden. Mathrigo war jetzt das Maß aller Dinge.

Kerok Ghul wand sich vor Abscheu bei dem Gedanken. Dann drehte er sich um, um die Gäste zu begrüßen.

Gorgon sah tumb und grobschlächtig aus wie immer.

Wie alle Angehörigen seiner Rasse hatte er ein großes, unförmiges Haupt, dem eines Stiers nicht unähnlich. Die Hörner, die aus seiner Stirn ragten, ließen ihn größer erscheinen, als er eigentlich war. Seine ledrige, graue Haut war von Schwielen und Narben übersät, die er in unzähligen Kämpfen davongetragen hatte und stolz zur Schau stellte.

Gorgon hatte seine Leibgarde mitgebracht – allesamt Khor'makh, jeder davon so dämlich wie ihr Anführer. Sie trugen Rüstungen und Brustpanzer aus Brak'tar, mit dem Abzeichen ihrer Clans darauf. Die Khor'makh waren eine Rasse von Kriegern. Zwischen den Akul'rak und ihnen schwelte seit Äonen eine Rivalität, die sich immer wieder in blutigen Zusammenstößen Bahn brach. Dass die beiden Spezies sich noch nicht gegenseitig ausgerottet hatten, lag vermutlich nur daran, dass sie selten aufeinander trafen.

Auch jetzt, als Kerok Ghul Gorgon erblickte, juckte es ihn in seinen Klauen, den Dolch zu ziehen und dem Khor'makh die Kehle durchzuschneiden. Aber es wäre seinen Zwecken wenig dienlich gewesen.

Im Vergleich zu den grobschlächtigen Khor'makh bildeten Kerfatis und ihre Priesterinnen einen fast anmutigen Anblick. Weite, glitzernde Gewänder umhüllten ihre schlanken und haarlosen, bleichen Gestalten, die die Khor'makh fast um zwei Köpfe überragten. Die Shikan'tar waren Kreaturen der Dunkelheit, die sich vom Blut sterblicher Wesen ernährten, ähnlich wie Vampyre – und sie waren in der Lage, gegenseitig ihre Gedanken zu lesen, was sie zu undurchschaubaren Gegnern machte.

Auch mit ihnen waren die Akul'rak verfeindet, und das seit alter Zeit. Die Shikan'tar waren keine Kriegerinnen, aber sie waren Meister, wenn es darum ging, zu lügen und zu intrigieren. Nicht wenige Akul'rak waren unter Mathrigos Henkerbeil geendet, weil Kerfatis und ihre Brut sie angeschwärzt und verleumdet hatten.

Kerok Ghul widerstand der Versuchung, seine Wachen zu rufen und die Besucher in Stücke hauen zu lassen. Er brauchte sie – vorerst. Denn ohne sie würde er nicht erreichen, was er sich vorgenommen hatte. Das Risiko, die Sache allein anzugehen, war zu groß.

»Ich grüße euch, verehrte Feinde«, sagte Kerok Ghul, und sein von giftigen Stacheln umrahmtes Gesicht verzerrte sich zu einem Grinsen.

»Erspare uns das Gerede«, erwiderte Gorgon barsch. »Was willst du? Warum hast du uns rufen lassen?«

»Warum seid ihr gekommen?«, fragte Kerok Ghul dagegen, und sein Grinsen wurde noch breiter. »Nur aus einem einzigen Grund. Weil ihr das Gefühl habt, dass etwas für euch herausspringen könnte.«

»Unsinn«, konterte Gorgon unwirsch. »Verflucht will ich sein, wenn ich darauf angewiesen bin, mit einem Akul'rak zu verhandeln.«

»Dennoch bist du hier«, hauchte Kerfatis, und ihre Schwestern wisperten wie immer nach, was sie sagte, wie ein leises, unheimliches Echo. »Wir sollten uns anhören, was Kerok zu sagen hat.«

»Danke, Kerfatis«, sagte Kerok Ghul. »Ich weiß dein Vertrauen zu schätzen, glaub mir.«

»Das tust du nicht. Und ich vertraue dir auch nicht, Kerok Ghul. Aber es muss einen Grund dafür geben, dass du deine erbittertsten Feinde zu dir rufst.«

»Und ich möchte dich warnen«, fügte Gorgon hinzu. »Meine Armee steht bereit, um Orrochis zu stürmen, sollte mir oder einem meiner Leibwächter etwas zustoßen. Du würdest nicht lange genug am Leben sein, um dich deines Sieges zu erfreuen, Kerok Ghul.«

»Das ist mir klar, Gorgon. Es wird einen so tumben Geist wie deinen überraschen, aber ich habe dich nicht kommen lassen, um dich meuchlings zu ermorden. Das mag dem Stil der Khor'makh entsprechen, aber keinesfalls dem meinen.«

»Sieh dich vor, was du sagst, Stachelgesicht. Sonst sind deine Augäpfel gepflückt.«

»Wir sollten zu einer zivilisierteren Art finden, miteinander zu verkehren. Findest du nicht, Gorgon? Ich bin sicher, die Schwestern der Shikan'tar werden mir zustimmen.«

»Allerdings«, pflichtete Kerfatis ihm bei, und Gorgon stieß eine wütende Dampfwolke aus seinen Nüstern.

»Nachdem wir das geklärt haben, wollen wir zur Sache kommen«, sagte Kerok Ghul und ließ

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