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Röschs Theater: Roman

Bewertung:
188 Seiten2 Stunden

Zusammenfassung

Ist das nun leidvoll ödipales Drama eines elementaren Vater-Sohn-Konflikts von Paul Rösch, gesteigert durch das Trauma der Verlusterfahrung mit dem Suizid seiner Frau Eva, oder entpuppt sich „Röschs Theater“ als tiefgründig psychologischer Krimi, in dem Hauptkommissar Roland Fach als Ermittler bei der Mordkommission in Stuttgart agiert? Dass die beiden Protagonisten engste Jugendfreunde sind, macht diesen rasant erzählten Roman zum intelligenten Rollenspiel im Spannungsfeld von Eros und Thanatos, dargeboten auf Stuttgarts Bühne dortiger Originale: Der Altstadt und dem angrenzenden Bohnenviertel. Wäre da nicht die Heimatbühne von ‚Röschs Theater‘: Das Cafe Venezia in Niergolzingen, dem Lebensort des Ich-Erzählers, genau jener Ort, an dem der Roman erst geboren wird. So wird im doppelbödigen Spiel von Erzählebenen zwischen spannendem Thriller und humorvollem Vergnügen dieses erstaunliche Romandebüt mit seinen überraschenden Wendungen zum besonderen Leseerlebnis.
Dieser Roman ist ein kunstvolles Spiegelgefecht, seine dramatischen Spielorte bilden Stuttgart, daneben die Trabantensiedlung bei Gärtringen oder die Psychiatrische Landesklinik ‚Reichenau‘ am Bodensee, sowie Fignano, ein kleiner Ort in den Bergen hinter Arezzo. Doch der dramaturgische Quellpunkt von ‚Röschs Theater‘ ist das ‚Cafe Venezia‘ in Niergolzingen, dem Lebensort des Ich-Erzählers. Genau der Ort, an dem der vorliegende Roman geboren wird. Und als der Ich-Erzähler, im bürgerlichen Beruf Psychotherapeut, am Abend sein Haus betritt, trifft er in seiner Schreibstube die eben neugeborene Romanfigur ‚Paul Rösch‘ an, die dort auf ihn gewartet hat, um ihm ihre tragische Geschichte zu erzählen, eben die komplette Rahmenhandlung des Romans, jedoch aus einer beschränkten Sicht des subjektiven Erlebens.
Was daraus entsteht, ist am Ende eine Gratwanderung, ein literarisches Kabinettstück: Die Abgründe einer außerordentlichen Beziehung zweier Romanfiguren, Ich-Erzähler und Paul Rösch. Eine Gemengelage, die den Ich-Erzähler dazu führt, letztlich zwei in sich verschlungene Geschichten zu erzählen. Im Laufe dieses Unterfangens findet er sich zunehmend in Abgrenzungsnot („Ich bin nicht Rösch“), kämpft mit zügelloser Projektion, schnöder Leugnung und fragwürdiger Mythenbildung. Dieses Ringen wird zum poetischen Kern, zum literarischen Kairos des Romans, mit überraschendem Ausgang.

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