Genießen Sie diesen Titel jetzt und Millionen mehr, in einer kostenlosen Testversion

Nur $9.99/Monat nach der Testversion. Jederzeit kündbar.

Kannibalen unter uns: Next Door's Madness

Kannibalen unter uns: Next Door's Madness

Vorschau lesen

Kannibalen unter uns: Next Door's Madness

Länge:
612 Seiten
9 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Jun 10, 2014
ISBN:
9783955779313
Format:
Buch

Beschreibung

Jordan Chandler spürt in sich ein Verlangen, das er sich nicht erklären kann: denn er wünscht sich, mit jemandem Eins zu werden, den er von ganzem Herzen liebt. Im Grunde ein Wunsch, der nicht besorgniserregend ist ... bis er jedoch auf eine Möglichkeit stößt, sich diesen Wunsch erfüllen zu lassen, in dem er bereit ist, ein Tabu zu brechen. Im Maple Drive geschehen sonderbare Dinge, und ein neuer Nachbar wirft mehr Fragen auf, als er beantworten kann. Allerdings wird dieser Mann zu Jordans Verbündeten und ein Wahnsinn nimmt seinen Lauf, der sich nicht mehr aufhalten lässt! Es wird zum jüngsten Gericht geladen!
Herausgeber:
Freigegeben:
Jun 10, 2014
ISBN:
9783955779313
Format:
Buch

Über den Autor


Ähnlich wie Kannibalen unter uns

Buchvorschau

Kannibalen unter uns - Marlon Baker

www.facebook.com/MarlonBakerFanpage

Alles beginnt mit einem Traum

Es war ein eisiger Tag. Ein Tag, an dem du dir wünschst, nicht nach draußen gehen zu müssen. Aber hatte der Junge eine Wahl? Das Los war auf ihn gefallen. Zahlreiche weitere Kandidaten hatten sich zwar aufstellen lassen, da es eine große Chance war, wenn einem das Los auserwählt. Doch jetzt, als auch der Junge begriff, welche Tragweite seine Entscheidung bedeutete, gab es kein Zurück mehr.

In wenigen Augenblicken sollte alles vorüber sein, und der Junge hoffte, dass auch das Rennen in wenigen Augenblicken vorüber wäre. Alle fieberten diesem Ereignis entgegen. Hinter dem schweren Eichentor konnte der Junge den aufgebrachten Mopp hören, der nur darauf wartete, dass er den ersten Schritt hinaus trat.

Sie lauerten auf ihn, als wäre er ein Stück Vieh, das es galt, einzufangen. Ihre Fäuste pochten gegen das Holz und jeder Schlag versetzte den Jungen in noch größere Aufregung, aber auch in Erregung. Nicht zuletzt hatte er sich aus freien Stücken dafür entschieden. Niemand schrieb ihm vor, das alles auf sich zu nehmen. Doch heute war sein großer Tag!

Die Türen zur dunklen Kammer öffneten sich. Das Licht durchflutete den Raum. Seine Augen schmerzten, da sie ihn solange in der Dunkelheit hatten warten lassen. Die eisige Kälte von draußen drang herein und spannte seine Haut. Noch immer saß er auf dem kleinen Schemel, auf dem sie ihn platziert hatten. Hier sollte er warten, bis die Zeremonie begann. Das Sonnenlicht blendete ihn, aber dennoch konnte er sie sehen, die vielen Hände, die sich nach ihm verzehrten.

Am liebsten hätte jedes dieser Händepaare den Jungen für sich allein beansprucht. Denn wenn der Junge erst einmal auf seinem Weg durch die Straßen war, schien es unerreichbar, beide Hände auf seine nackte Haut zu legen. Viele versuchten es daher erst gar nicht.

Wozu die Mühe? Wozu die Anstrengung?

Das Ritual sah vor, dass es ausreichte, den Jungen lediglich flüchtig zu berühren, was in den meisten Fällen einem Streifen gleich kam.

Der Junge richtete sich auf, holte nochmals tief Luft und schloss die Augen. Insbesondere seine Augen hätte er am liebsten verschlossen gehalten und sie nie wieder aufgetan. Doch er wollte wenigstens sehen, wer ihm da all seine Sünden auflud, wenn er jetzt durch die Straßen gepeitscht wurde.

Das Ritual war schon seit vielen hundert Jahren immer gleich verlaufen: Der Junge hatte durch die Straßen zu ziehen, während jeder Mann dieser Stadt seine Hände auf ihn legen konnte — in der stillen und oft verzweifelten Hoffnung — dass er somit alle Schuld und jegliches Fehlverhalten mit hinaus nahm auf das große Feld, das auch das Ende seines Weges markierte. Man erzählte sich zwar, dass diejenigen, die es vollbracht hatten, das barbarische Ritual zu überstehen, anderenorts weiterleben durften, doch genauso gut gab es zahlreiche Gerüchte, die das glatte Gegenteil behaupteten. So erzählten sich einige hinter vorgehaltener Hand, dass die auserkorenen Jungs danach geopfert wurden. Schließlich könne man sie danach unmöglich wieder in die Gemeinschaft aufnehmen. Erst einmal den Weg als Opferlamm eingeschlagen, bedeutete dies, letztendlich auch von dieser Gesellschaft geopfert zu werden, was nicht zuletzt bedeutete, von den aufgebrachten Männern, deren Sünden und Schuld man auf sich geladen und aus der Stadt hinausgetragen hatte, getötet zu werden. Dem Jungen waren aber auch noch völlig andere Geschichten zu Ohren gekommen, die man sich bestenfalls am Stammtisch erzählte.

Und an diese sonderbaren Geschichten musste er jetzt denken, als er wieder seine Augen öffnete und dem aufgebrachten Mopp in die Augen sah. Es war ihm zwar unter Androhung harter Strafen verboten worden, den Männern direkt ins Gesicht zu starren, aber er wollte wissen, wem er sein unausweichliches Schicksal zu verdanken hatte — am Ende dieses langen Tages wohl doch noch in einem der großen Kochtöpfe zu landen. Denn das war es doch, was man ihm berichtet hatte:

Das man ihm nach dem Ritual das Fell hinter die Ohren zöge, ihn ausweiden und dann sein Fleisch unter den Männern aufteilen würde. Und unter den Männern gab es bereits Absprachen, wer welches Stück von ihm bekäme. Dem Meistbietenden, der zumeist auch der Sündigste unter ihnen war, hatte ein Vorrecht auf sein Herz erworben, das mit so viel Liebe erfüllt zu sein schien, das man glaubte, sich diese einverleiben zu können.

Dies war eines der zahlreichen Mythen und Legenden, die dem Volk vorzugaukeln versuchten, sie täten hier keinerlei Unrecht, den Jungen regelrecht zur Schlachtbank zu führen. Doch das Leben an sich war kein allzu kostbares Gut in dieser sonderbaren Stadt, insbesondere dann nicht, wenn man nicht dem entsprach, wie einem das Völkchen hier gern haben oder sehen wollte. Der Junge war aber nur einer von einem Dutzend Jungen gewesen, die für dieses Los vorgesehen waren. Die Selektion hatte immer striktere Auswahlkriterien vorgesehen. Jetzt genügte es schon, anders zu sein, und man war zu einem Kandidaten dieser menschenverachtenden Rituale geworden, die doch nur abgehalten wurden, weil es die uralten Statuten der Stadt so vorsahen. Und niemand stellte sie je infrage.

Warum auch?

Trotz besseren Wissens, das man mit den Ritualen weder neue Sünden noch Verfehlungen aufhalten konnte, wurde an ihnen festgehalten. Und insgeheim erzählte man sich, dass es genau diese Rituale waren, warum so häufig und frevelhaft gesündigt wurde. Konnten die Männer doch all ihre Sünden auf das Opferlamm packen und danach ihre Hände wieder in Unschuld waschen. Dabei war ihr Schuldenkonto aber erst durch die Rituale größer und schlimmer geworden. Denn an all ihren Händen klebte das Blut dieser unschuldigen Kinder, die sich ihren Weg durch diese Menschenmassen bahnen mussten.

Der Junge konnte kaum noch sagen, was die schlimmste Tortur von allen war: Dass er hier völlig nackt und wehrlos durch die Straßen getrieben wurde wie ein Stück Vieh, das man zu seinem Schlachter peitschte, oder der Schmerz, der fast unerträglich wurde, als er auf das kalte Kopfsteinpflaster der Straßen losgelassen wurde, das ihm die Füße aufriss und sie blutig werden ließ. Eine unangenehme Taubheit zog sich durch seinen gesamten Körper, die ihn regelrecht lähmte und ihn träge werden ließ. Er spürte nicht mehr, wie er in die Scherben von zerbrochenen Flaschen und Gläsern trat, auch fühlte er nicht mehr, wie ihm die Männer mit Zweigen und Stöcken schlugen.

Doch eines wusste er genau: Wenn er jetzt stürzte, wäre es um ihn geschehen! Er hätte nie wieder aufstehen können und wäre an Ort und Stelle zerfleischt worden. Er sah es den Männern an, welche große Schuld sie auf sich geladen hatten, wann immer er von einer dieser abertausenden Hände berührt wurde; und weil es zumeist gleich ein Dutzend Hände waren, die ihn berührten, schossen ihm die Bilder durch den Kopf wie Revolverkugeln. Es gab keine Sekunde mehr, in der er nicht Frevel, Leid und Schrecken sah.

Die Verlogenheit der Männer entlud sich auf ihn, sowie ihre Doppelmoral und Vorstellungen von einem Leben nach der großen Schuld. Der Verstand des Jungen trübte mit jedem Bild, das wie ein Feuerwerk in ihm hochgeschossen wurde. Seine eigenen Gedanken hatten sich in die hintersten Regionen seines Wesens verzogen. Jetzt funktionierte er nur noch, war zu einer Art deux ex machina geworden, mit vorgegebenem Ziel und Bestimmung. Wie ein von allen guten Geistern verlassenes Wesen taumelte er durch die Straßen, und wahrscheinlich war es genau diese Verlassenheit, die sich die Männer zunutze machten — er war nicht länger mehr ein Mensch! Er war nur noch ein Lamm, das zum Opfern freigegeben worden war.

Je weiter sie ihn aus der Stadt hinaustrieben, umso aufgebrachter wurde der Mopp, weil es nur noch wenige Augenblicke gab, seine Schuld loszuwerden. Niemand in der Stadt wollte nach diesem Ritual nach Hause zurückkehren müssen, ohne seine Schuld entladen zu haben. Durch die gesamte Stadt hatten sie ihn getrieben, durch Straßen und Gassen, mitten durch die brüllenden Zuschauer und Zeugen dieses Spektakels hindurch.

Alle glaubten sich im Recht, dies mit dem Jungen tun zu dürfen. Dann, nach einer ewig andauernden Prozession, stürzte der Junge auf ein feuchtes Rasenstück außerhalb der Stadt — von allen mindestens einmal berührt und mit den Sünden beladen, die er aus der Stadt hinaustragen sollte. Zahlreiche Versprechungen hatten sie ihm gegeben, das danach alles besser für ihn werden würde. Sein Leben wollten sie ihm schenken …

Und just in dem Augenblick, als der Junge wieder aufstehen wollte, um sich zu entfernen, da der Mopp ihm den Rücken zugewandt hatte, geschah das Unbegreifliche: Einer der Männer riss einen Stein aus dem Kopfsteinpflaster und warf ihn nach dem Jungen. Der Stein traf den Jungen am Bein, was verursachte, das der Junge erneut zu Boden fiel.

Sie hatten also nie vorgehabt, ihm das Leben zu schenken, geschweige denn sich an die anderen verlockenden Versprechungen zu halten, mit denen sie ihn geködert hatten. Zuerst glaubte der Junge, der Mann, der den Stein geworfen hatte, wäre nur nicht dazu gekommen, ihn zu berühren, ihn mit seiner Schuld zu beladen … Doch als auch noch weitere Männer anfingen, Steine aus dem Kopfsteinpflaster zu reißen, da wusste der Junge, das sein Schicksal besiegelt war. Gerade als ein großer Stein genau auf sein Kopf zuflog, verlor der Junge sein Gleichgewicht. Ihm wurde schwarz vor Augen, was ihm letztendlich ersparte, sehen zu müssen, wie sich das grüne Gras unter seinem geschundenen Leib blutrot verfärbte …

Plötzlich — ein undefinierbarer Ton. Es klang wie das Zuschlagen eines Kofferraums. Schlagartig riss der Junge seine Augen auf. Noch immer glaubte er sich auf dem Rasenstück liegen, auf das ihn die Männer getrieben hatten. Doch es war finstere Nacht. Hektisch blickte er sich um. Er konnte sich nicht erklären, warum er hinter dem Haus auf dem Rasen lag; splitternackt und zitternd. Sein ganzer Körper vibrierte vor Kälte und seine Lippen waren spröde und aufgerissen.

Wie lange habe ich hier schon gelegen?

Bin ich mal wieder schlafgewandelt?

Eigentlich glaubte er, besiegt zu haben, dass er in Vollmondnächten auf Wanderschaft ging. Ihm war es peinlich, hier draußen zu liegen, auch wenn in diesem Teil der Stadt nicht allzu viele Leute wohnten, und er womöglich von niemanden gesehen worden war.

Das große Anwesen neben ihrem Haus war schon seit Jahren unbewohnt. Das dunkle Haus mit seiner ebenso dunklen Vergangenheit war sogar einst der Auslöser gewesen, warum er damit begonnen hatte, ins Bett zu machen und im Schlaf umher zu wandeln, als ihn ein paar Typen aus der Schule in dieses Haus geschickt und dann alle Türen verriegelt hatten. Ganz allein auf sich gestellt, hatte es eine Ewigkeit gebraucht, sich aus diesem Haus zu befreien. Und dabei hatte er Dinge gesehen (oder auch nur eingebildet, wie der Psychologe seinen Eltern gesagt hatte), die ihm die Nackenhaare aufgestellt und zu dem hatten werden lassen, was er heute war: Ein Teenager, der sich vor der Dunkelheit fürchtete, aber vor allem auch vor dem Alleinsein.

Und es war weitaus mehr als nur eine Furcht. Wann immer der Junge alleine war oder sich im Dunkeln aufhielt, wurde er von einer Panik ergriffen, die ihm nicht länger Herr seines eigenen Körpers sein ließ. Dass Bettnässen war von allen Übeln noch das Geringste.

Aber Jordan, den die meisten nur Jordy riefen, schwieg über all die anderen Dinge, die diese Panik bei ihm auslösten. Er war auch schon so bei den meisten durchs Raster gefallen. Niemand gestand sich freiwillig ein, mit ihm befreundet zu sein, und dabei war dies vor wenigen Jahren noch völlig anders gewesen. Doch Jordy hatte sich in den letzten Jahren stark verändert. Er hatte eine Art Metamorphose durchlaufen. Aus der anfangs noch hässlichen Raupe war mit der Zeit ein wunderschöner Schmetterling geworden. Und genau diese Schönheit und die damit verbundene Attraktivität verstörte die meisten, die ein Auge auf ihn warfen. Sie konnten sich nicht erklären, warum sie derart fasziniert von ihm waren.

Ganz gleich ob Mann oder Frau, Junge oder Mädchen, keiner konnte sich seiner Schönheit entziehen. Doch in seiner ganzen Pracht und Größe auf dem Rasen hinter dem Haus zu stehen, war etwas, auf das er gut und gern verzichten konnte. Vor allem deshalb, da er glaubte, schon seit mehreren Minuten beobachtet zu werden. Irgendjemand hatte seine Blicke auf ihn gerichtet und konnte sie nur schwer wieder von ihm lösen. In ihm stieg allmählich wieder diese Furcht auf, ausgeliefert zu sein — wem auch immer! Und bevor aus dieser Furcht eine gar grässliche Panik werden würde, wollte er dem einen Riegel vorschieben. Galt es doch, selbst Beobachtungen anzustellen. Schließlich war im Haus gegenüber, nach all den Jahren der Dunkelheit, mal wieder ein Licht entzündet worden. Die Fenster des leer stehenden Hauses waren schon vor langer Zeit mit Zeitungspapier und Seife zugekleistert worden, und hatten so die Sicht nach innen genommen, wodurch der Junge jetzt nur einen Schatten wahrnehmen konnte, der sich offenbar im Haus bewegte.

Immerzu schritt die Person im Haus auf und ab, verrückte Gegenstände und Möbel, die von den Vorbesitzern zurückgelassen worden waren, ganz so, als wolle sich da jemand neu einrichten. Und der Schatten lief zu einem Auto, das in der Einfahrt stand, und dessen Scheinwerfer die Front des Hauses anstrahlte und somit recht sonderbar erscheinen ließ.

Das Haus hatte schon immer die Angewohnheit besessen, alle Blicke auf sich zu ziehen; insbesondere dann, wenn es Vollmond war. Denn zu einer bestimmten Zeit, wenn der Mond hinter das Haus tauchte, wirkte es wie eine uneinnehmbare Burg — wie eine Festung, von denen sich die Kinder der Stadt erzählten, das Haus sähe dann aus wie eine rote Burg. Das Haus hatte schon so viele Familien beherbergt, dass all ihre Namen sicherlich ein ganzes Buch füllen konnten. Einige behaupteten sogar, dass das Haus schon immer da gewesen sei, noch bevor die Stadt entstanden war, und noch bevor das Haus die Menschen in seinen Bann gezogen hatte.

Auch Jordan musste sich eingestehen, dass er diesem Bann ausgesetzt war. Und vor allem wollte er herausfinden, wer sich da ab sofort sein Nachbar nennen würde. Ungetrübt der Tatsache, dass er noch immer nackt war, wollte er dies in Erfahrung bringen. Allerdings traute er sich nicht aus seiner Deckung heraus — heute jedenfalls nicht!

Jordan blieb einfach in dem Busch hocken, in dem er Zuflucht gefunden hatte, und beobachtete die Person, wie sie zahlreiche Koffer und Kisten ins Haus schleppte. Doch das Gesicht des Mannes, und er war sich sicher, dass es nur ein Mann sein konnte, der den Mut aufgebracht hatte, in dieses Haus zu ziehen, bekam er nicht zu sehen. Er fragte sich jedoch, warum der Mann ausgerechnet mitten in der Nacht in das Haus einzog; doch gleiches hätte wohl auch der Mann diesen Jungen fragen können: Warum hockst du in einer Vollmondnacht nackt in einem Rhododendronbusch, beobachtest mich, wie ich in mein neues Zuhause einziehe … Bist du etwa ein Werwolf, der es nicht mehr geschafft hat, in sein eigenes Haus zurückzukehren?

Und auch Jordan stellte sich diese Frage: Warum gehe ich nicht einfach wieder zurück in mein Zimmer, krabble in mein Bett zurück und versuche, noch etwas Schlaf zu bekommen? Schließlich habe ich noch keine Ferien!

Die letzten drei Schultage mussten noch gemeistert werden. Eine Hürde, die dem Jungen zu schaffen machte. Bezeichnete er die Schule doch als jenen Ort, an denen er tagtäglich mehrere kleine Tode starb. Doch darüber wollte er jetzt keinen einzigen Gedanken verschwenden. Viel zu aufregend war es, dieser mysteriösen Person dabei zuzusehen, wie er das Haus in Besitz nahm, und wie er die zahlreichen Fenster von dem Zeitungspapier und der Seife befreite; galt es doch, dem Haus wieder Leben einzuhauchen und die Sicht auf das Umliegende wiederherzustellen.

Aber auf was?

Was würde das Haus oder die Person schon sehen können, in dieser rabenschwarzen Nacht, in der allein der Mond sich mühte, etwas Licht zu spenden? War Jordan etwa schon erspäht worden, wie er zitternd vor Kälte in dem Gestrüpp hockte und überlegte, ob er sich dem Mann zeigen sollte … Alles Licht wurde plötzlich aufgesaugt. Alles um den Jungen wurde schlagartig dunkel und verlor sich in Schatten … bis er aufschreckte und auf die Zeiger des Weckers blickte.

››Grünspan und Entendreck! Schon kurz nach acht!‹‹

Jordan wusste, dass es längst zu spät war, noch pünktlich in die Schule zu kommen. Allerdings konnte er sich nicht erklären, warum seine Füße so dreckig waren, das selbst das Leintuch im Bett aussah, als würde jemand versuchen, darauf ein Biotop anzulegen. Die Tatsache, dass er nackt in seinem Bett lag, war weiter nicht verwunderlich. Nur allzu gern schlief er, ohne etwas am Leibe zu tragen, das er ohnehin wieder ausziehen müsste. Und auch, dass er das Biotop in seinem Bett bewässert hatte, konnte ihn nicht wirklich aus der Bahn werfen. Das war schon zur täglichen Routine geworden. Doch da gab es etwas, das ihm den Kopf zerbrach, als er genauer darüber nachdachte: War all das, was er gestern Nacht erlebt hatte, nur bloße Einbildung gewesen; ein Traum, der sich in fast jeder Nacht wiederholte, und Chancen hatte, ein gar grässlicher Albtraum zu werden?

Gewiss nicht!

Auch wenn er alles daran setzte, die Erinnerungen der letzten Nacht, all die schrecklichen Berührungen … aus seinem Kopf zu verbannen, so gelang es ihm kaum, sich dieser Flut an Bildern zu entziehen. Doch Verdrängung war schon immer ein probates Mittel gewesen, um mit solchen Dingen fertig zu werden. Somit musste er es nicht erst aufarbeiten oder daran denken, wenn ihm der Schulpsychologe mal wieder auf Dinge ansprach, über die er nicht reden wollte. Es gab einfach Dinge im Leben eines Teenagers, die man besser für sich behielt, die man niemals aussprach, geschweige denn jemandem außerhalb der Familie erzählte oder gar anvertraute.

Es war nicht zum ersten Mal vorgekommen, dass Jordan spontan entschied, nicht in die Schule zu gehen. Bislang hatte er immer jemanden gehabt, der ihm den Rücken deckte, auch wenn er jene Personen nicht unbedingt seine Freunde nannte. Doch für gewisse Gegenleistungen waren sie bereit, ihm eine Entschuldigung für den Lehrer zu fälschen. Noch nie hatte er die echte Unterschrift seiner Eltern vorgelegt, und noch nie hatte er mit seinen Eltern prahlen können, so wie es die anderen taten. Seine Eltern waren einfach nicht kompatibel mit dieser Welt, wo sich alles nur darum drehte, wie viel Reichtum man angehäuft hatte, oder welchen Einfluss man in dieser Stadt besaß. Was hätte dieser Junge darum gegeben, seine Eltern eintauschen zu können oder sie einfach nur verschwinden zu lassen — aus seinem Leben?

Unter der Dusche hatte er schon immer die besten Ideen gehabt. Aber sie in die Tatsache umzusetzen, war etwas, wovor er sich dennoch fürchtete. Fast schämte er sich für seine oft widerwärtigen Gedanken, die er bisweilen auch in seinen Bildern festhielt, die eine dicke Mappe unter seinem Bett füllten; und die er immer dann malte, wenn es mal wieder ganz schnell etwas zu verdrängen galt.

Und waren es nicht zuletzt seine Tötungsfantasien, die ihn in den letzten Wochen immer häufiger beschäftigten? Während er malte, überfiel ihn nicht selten eine Art Blutrausch, der Bilder zutage förderte, die du einem Schulpsychologen besser niemals vorlegst und sagst:

››Das dort soll mein Vater sein, wie ich ihn in Stücke reiße … nachdem er sich an mir versündigt hat!‹‹

Erschrocken über sich selbst, als er das letzte Bild in die Mappe legte, zog es ihn danach ans Fenster. Die Stadt war mittlerweile erwacht und auf den Beinen. Seine Blicke führten ihn die Straße entlang. Er sah Mrs Biedermann, wie sie ihren Pudel ausführte und so tat, als würde es nichts ausmachen, dass dieser Köter überall auf den Rasen kackte. Mrs Biedermann wäre jedoch nie auf die Idee gekommen, den Dreck, den ihr Pudel mit großer Vorliebe in den Vorgärten der Nachbarschaft hinterließ, wegzumachen, geschweige denn in einer Plastiktüte mit nach Hause zu nehmen, um ihn dort zu entsorgen.

Und Mr Warren war ein notorischer Frühaufsteher, der aus seinem Fenster heraus den kompletten Straßenzug im Auge behielt. Seiner Aussage nach, entging ihm nie etwas, auch nicht das kleinste Detail. Ob ihm wohl schon aufgefallen ist, dass die Fenster des alten Anwesens mit Vorhängen versehen wurden?, dachte Jordan und blickte hinüber zu dem Haus, von dem er glaubte, dass es niemand mehr wagen würde, dort einen Fuß über die Schwelle zu setzen. Nicht nach all dem, was sich über dieses Haus erzählt wurde. Nicht nach all dem, was dort geschehen sein musste. Die Stadt (und ihre Einwohner) hatten dort schon viele Geheimnisse vergraben, und kein Einwohner schien frei von Schuld zu sein.

Jeder hatte seine ganz eigenen Leichen im Keller, die man besser vor allzu neugierigen Blicken verbarg; und jeder Einwohner der Stadt — Kinder und Jugendliche mit einbezogen — hatte seine sonderbaren Marotten und Eigenheiten, die ihn angreifbar und letztendlich auch verwundbar werden ließ. Jeder war sich in dieser Stadt selbst der Nächste. Alle glaubten jedoch, sie selbst wären das Maß aller Dinge und nur die anderen hätten einen Sprung in der Schüssel — wären wahnsinnig oder gar komplett durchgeknallt!

Wobei Jordan darin nicht den kleinsten Unterschied zu erkennen vermochte. Für ihn waren der Wahnsinn und das Verrücktsein wie zwei ungleiche Brüder, die zwar durch denselben Samen gezeugt wurden, aber aus unterschiedlichen Gebärmuttern gekrochen kamen. Gelegentlich räumte auch er ein, dass er selbst ein wenig verrückt war. Wenigstens ließen die anderen nichts unversucht, ihm dies jeden Tag aufs Neue einzureden. Und was hatte man ihm nicht schon alles an den Kopf geworfen oder nachgesagt. Manch einer hatte damit nicht einmal gewartet, bis er von der Bildfläche verschwunden war. Sie machten sich sogar einen Spaß daraus, es ihm direkt ins Gesicht zu sagen, dass er völlig durchgeknallt sei! Sie hatten ihn angebrüllt oder mit Schimpfwörtern torpediert, gelegentlich auch angespuckt, weil sie sich ihrer eigenen Unzulänglichkeit Luft machen wollten.

Irgendwie musste es doch möglich sein, all das zu kompensieren, auch wenn dadurch ein Junge zugrunde ging, der gerade im Begriff war, aufzublühen.

Doch man war sehr schnell dabei, wenn es darum ging, jemanden zum Opfer zu ernennen, solange man dadurch verhindern konnte, nicht selbst zum Opfer zu werden.

Wann immer Jordan besonders laut angebrüllt wurde, wusste er, dass sein Gegenüber im Grunde doch nur versuchte, seine eigenen Geheimnisse zu bewahren, die nie zur Sprache gebracht werden durften. Diese Geheimnisse, die sich über die Stadt gelegt hatten wie ein Teppich aus Schweigen, drohten allerdings jetzt, wo Jordan allen den Kampf angesagt hatte, wie Seifenblasen zu zerplatzen. Schon seit mehreren Tagen hielt er eine Namensliste in seiner Hosentasche vergraben, die er, wenn der Startschuss erst einmal gefallen war, nur noch abzuhaken brauchte. Jeden einzelnen wollte er sich vornehmen, und seinen Vater wollte er sich bis zum großen Finale aufsparen. Ihn wollte er leiden lassen, für alles, was er ihm bislang angetan hatte. Denn sein Vater würde niemals aufgeben, ihm wehzutun, solange er leben würde —

Klein Absurdistan

Mit keinem anderen Namen ließ sich unsere Stadt besser beschreiben, als mit Klein Absurdistan, und kaum noch einer nahm ihren wahren Namen in den Mund. Galt ihr Name doch als Garant dafür, eine dicke Gänsehaut auszulösen, die allmählich und dann schlagartig von dir Besitz ergreift und dich nie wieder loslässt. Insbesondere dann, wenn wir mit Außenstehenden darüber sprachen, was in unserer Stadt so dämonisch war, verschwiegen wir für gewöhnlich, das wir selbst Einwohner dieser Stadt waren; die so idyllisch in einer Bucht lag und von hohen Bergen umgeben war. Ihren Namen hier und jetzt preiszugeben, wäre daher nicht fair. Denn unsere Stadt war doch nur ein Beispiel für viele vergleichbare Orte, in denen sich ähnlich abscheuliche Dinge ereigneten.

Überall hätten die selben Charaktere aufeinandertreffen können, denn es gab schließlich keine Garantie dafür, dass du dich den Ereignissen entziehen konntest. Ehe du dich versahst, warst du nämlich auch schon mittendrin in dieser Geschichte, die hier erzählt werden will. Und glaube mir, für viele gab es nicht einmal mehr die Möglichkeit, aus dieser Stadt zu fliehen, als es noch möglich gewesen war. Alle saßen sie hier fest, wie in einer mit Speck gefüllten Rattenfalle, ob aus freien Stücken oder weil sie dazu gezwungen wurden.

Wann immer Jordan die Schule schwänzte, schlich er aus dem Haus, um dann die Straße hinaufzugehen, wo er sich einst ein kleines Refugium geschaffen hatte. Vor knapp zwei Jahren hatte er sich ganz allein ein Baumhaus errichtet, in dem er schon viele Stunden verbracht hatte, und das nicht nur an Tagen, an denen er blaumachte. Er liebte die Stille in den frühen Morgenstunden, an denen er die Geschehnisse der Straße aber auch der Stadt im Auge behielt. Besonderheiten oder außergewöhnliche Ereignisse hielt er in einem Schulheft fest, in das er fast täglich ein paar Eintragungen machte.

Dass sich unsere Stadt quasi über Nacht verändert hatte, konnte er nicht zuletzt daran erkennen, dass Mrs Biedermann bei ihrer zweiten Runde wesentlich länger vor dem alten Anwesen verharrte und die Fenster inspizierte. Eine gute Ablenkung für Mrs Biedermann, die ihrem Pudel nicht zwingend dabei zusehen wollte, wie er seine Notdurft verrichtete, und dabei den Rasen vor dem Anwesen düngte. Mrs Biedermann schien entzückt die schönen neuen Vorhänge in Augenschein zu nehmen, die jetzt die Fenster zierten, die zuvor für Jahre gespenstig ausgesehen hatten, als das Haus noch unbewohnt war.

Doch irgendetwas hielt sie davon ab, an der Tür zu klopfen und den neuen Nachbarn willkommen zu heißen. Ihrer Meinung nach musste in das Haus eine Frau eingezogen sein, die offensichtlich viel Geschmack hatte. Denn neben den schönen Vorhängen gab es auch noch zahlreiche Vasen und Zierpflanzen zu bewundern.

Fast schon zornig über sich selbst, biss sich Mrs Biedermann auf den Zeigefinger der linken Hand, weil ihre Furcht vor dem Haus noch immer größer war als ihre Neugierde. Als ihr Pudel mit seinem Geschäft fertig war (heute hatte er gleich zwei Scheißhaufen auf dem Grundstück hinterlassen, das in der Nachbarschaft als das »Tote Land« bezeichnet wurde), machte sich Mrs Biedermann auf, ihre Einladungen zu verteilen.

Sie führte einen Buchklub, dem ein Dutzend Frauen angehörte, die sie mit allerlei Schundromanen und Liebesschnulzen versorgte. Ihr war es noch nie darum gegangen, großartige Literatur zu entdecken. Viel wichtiger waren ihr all die Neuigkeiten und Gerüchte, die sich zumeist wie ein Lauffeuer in unserer Stadt verbreiteten.

Da sie noch eine Einladung übrig hatte, warf sie sie in den Briefkasten des alten Anwesens. Es konnte sicher nicht schaden, die Dame des Hauses auf ihre Seite zu ziehen, gab es doch Dinge, die sie über dieses Haus und deren Vergangenheit aus erster Hand in Erfahrung bringen wollte. Und was lag da näher, als die jetzige Eigentümerin danach zu fragen, ob ihr schon beim Einzug sonderbare Dinge aufgefallen waren.

Jordan notierte in sein Heft:

Mrs Biedermann scheint Nachwuchs für ihren Buchklub rekrutieren zu wollen. Sie hat um 8:34 Uhr eine Einladung in den Briefkasten des alten Hauses geworfen.

Jede Frau, die etwas auf sich hielt, war Mitglied in diesem Buchklub, oder jedenfalls bestrebt, darin aufgenommen zu werden. Selbst Jordans Mutter, die nur selten das Haus verließ und nur wenigen Hobbys nachging, war einst von Mrs Biedermann angeworben worden, als er darum ging, das Dutzend — den Kreis von zwölf Frauen — vollzubekommen. Nur so hatte der Buchklub einen besseren Preis bei den zahlreichen Verlagen herausschlagen können, um all jene Bücher kaufen zu können, über die dann die halbe Stadt sprach. Doch im Grunde dienten diese Versammlungen doch nur einem Ziel: Die Frauen wollten sich treffen, um ungestört ihren neuesten Klatsch und Tratsch auszutauschen. Das wusste auch Jordan, weil schon zahlreiche Treffen des Buchklubs bei ihnen Zuhause stattgefunden hatten.

Und an diesen Tagen war stets das gleiche Schauspiel zu beobachten, bevor sich die Frauen im Wohnzimmer über all die Torten und Kuchen hermachten. Seine Mutter begann schon Tage zuvor, das gesamte Haus auf den Kopf zu stellen. Das war immer eine regelrechte Putzorgie gewesen, die Jordan nicht nachvollziehen konnte, weil seine Mutter sowieso einen ausgeprägten Putzfimmel hatte, und ihr Haus einem hermetisch abgeriegelten Raum glich. Seine Mutter hatte derart Paranoia vor Dreck, dass sie jeden Morgen damit begann, das Haus durchzusaugen, die Fenster zu putzen … bis sie nach Stunden erschöpft in ihren Sessel fiel und dann eines dieser vielen nichtssagenden Bücher las, die ihnen Mrs Biedermann ausgesucht hatte.

Doch insbesondere vor Tierhaaren ekelte sich Jordans Mutter, was zur Folge hatte, dass der Junge natürlich stets mit seinem Wunsch, einen Hund oder ein anderes Haustier halten zu wollen, ob taube Ohren stieß. Absurd wurde das Ganze dann, wenn Mrs Biedermann ihren Pudel mit zu den Treffen brachte, und sich überall im Haus Folie befand: auf dem Fußboden, den Möbeln … praktisch überall! Und eher selten wurde Jordan damit beauftragt, während dieser Treffen auf den Pudel aufzupassen, was einzig und allein daran lag, dass Mrs Biedermann dem Jungen nicht über den Weg traute.

Er hatte sie schon oft sagen hören: »Dieser Junge hat den bösen Blick« oder »Dieser Junge ist von Sinnen«

Dabei hatte Jordan doch wunderschöne Augen, wie er glaubte. Sie waren stahlblau und leuchteten, wenn er im Sonnenlicht stand. Aber all das waren doch nur Ausreden, um den Jungen nicht dabei haben zu müssen. Schließlich galt es, den Kreis nicht zu stören. Und als er noch jünger war, hatte er seine Mutter immer zu diesen Treffen begleiten dürfen. Doch jetzt, wo er ein Teenager war, war er den Frauen suspekt geworden, wenn er beispielsweise die für die Frauen falschen Fragen stellte. Dabei war er doch nur darin bestrebt, seinen Horizont zu erweitern.

Er selbst war auch eine Leseratte. Er hatte schon so gut wie jedes Buch gelesen, das die kleine Bücherei der Stadt für ihn bereithielt. Auch wenn es seine Mutter ausdrücklich verboten hatte, so gehörten vor allem Krimis, Thriller und Horrorgeschichten zu seiner Lektüre. Wobei Letztere nicht unbedingt förderlich waren für einen guten Schlaf. Fachten sie doch seine Fantasie erst so richtig an, was durchaus zur Folge haben konnte, dass er nachts dann eben nicht in den Schlaf fand, sondern Türen aufstieß, die er besser verschlossen gehalten hätte.

Unsere Stadt beherbergte jedoch viele weitere skurrile Persönlichkeiten, wobei mir wichtig erscheint, Einheimische von den zahlreichen Touristen zu unterscheiden, die für wenige Monate im Jahr die Einwohnerzahl unserer kleinen Stadt verzehnfachen konnten. Dann war praktisch nur noch jeder Zehnte ein Einwohner. Und die Fremden, die das meiste Geld in die leeren Kassen der Stadt spülten, wurden bestenfalls als notwendiges Übel angesehen. Wir konnten weder ohne sie noch mit ihnen leben. Unsere Stadt hatte sich sozusagen in eine Abhängigkeit gebracht, ähnlich wie ein Baby, das an der Brust seiner Mutter nuckelt, aber nicht gleich die gesamte Frau verspeisen will. Es wird jetzt nicht mehr allzu lang dauern, und unser Städtchen wird wieder voll von ihnen sein — den abenteuerlustigen und suchenden Touristen, die zu uns kommen, weil wir oder respektive unsere Stadt dafür bekannt sind, dass es hier noch das große Abenteuer gibt.

Die Herausforderung, bis an seine Grenzen zu gehen.

Doch das war bestenfalls ein billiger Marketinggag, eine Effekthascherei, um wenigstens etwas von dem Strom der Touristen abzubekommen, die unser Land regelrecht überschwemmten. Außerhalb der Saison war unsere Stadt gähnend langweilig — beinahe eine Geisterstadt. Sie hatte sogar die Chance, unter die Top-Ten der am meisten gefürchtetsten Geisterstädte aufgenommen zu werden. Waren die Touristen erst einmal weg, so verschwand auch das Leben aus unserer Stadt. Wie eine frische Blutkur waren sie dann für uns alle gewesen, und zurück blieb ein Herz, das beinahe zu schlagen aufgehörte …

Einzig und allein die zahlreichen Gastschüler, die sogenannten Homestays, waren für viele Bewohner eine lukrative Einnahmequelle, hielten sie doch unsere Stadt am Leben. Mit ihren sehr unterschiedlichen Kulturen und Gepflogenheiten waren sie es, die Farbe in unsere Stadt brachten, aber auch ließen sie uns wissen, dass wir noch nicht tot waren.

Und Jordan freute sich immer, wenn die Familie, die schräg gegenüber wohnte, einen Gastschüler bei sich aufnahm. Seine Mutter wäre nie auf die Idee gekommen, das leer stehende Zimmer an einen Fremden — an einen von außerhalb — zu vermieten. Sie hatte das kleine Dachzimmer seit dem überraschenden Tod von Jordans älteren Bruder kaum noch betreten. Nur Jordan ging dann und wann hinein, wenn er seinem Bruder mal wieder nahe sein wollte oder sich auch nach den alten Zeiten sehnte. Seither war dieses Zimmer unberührt. Alles erinnerte noch an seinen Bruder. Seine Mutter hatte es so belassen, wie es Jordans Bruder einst verlassen hatte. Und sein Bruder war damals voller Zorn aus dem Haus gerannt, in sein Auto gestiegen … und erst Tage später hatten sie die schreckliche Nachricht erfahren, dass er mit seinem Auto verunglückt war.

Seither suchte Jordan auch darauf eine Antwort: Was hatte mein Bruder so zornig werden lassen, dass er im Streit mit den Eltern das Haus verließ und nie mehr zurückkam?

Seine Eltern schwiegen sich darüber aus, was an jenem Tag geschehen war. Jordan hatte längst aufgegeben, seine Eltern darauf anzusprechen. Nie hatte er eine Antwort darauf bekommen. Und wenn es mal wieder zur Sprache kam, dann standen sie einfach vom Esstisch auf, schauten mit ihren leeren Augen aus dem Küchenfenster, um wahrscheinlich selbst eine Antwort darauf zu finden — da draußen, in dieser verrückten Stadt!

Wenn es eines gab, was im Hause der Chandlers nicht vorhanden war, dann war das Wärme. Da konnte sich der Kamin im Wohnzimmer noch so sehr bemühen. Und wenn Jordan zwischen seinen Eltern saß, kam es ihm oft so vor, als würde er gar nicht existieren, nicht wahrgenommen werden oder bestenfalls neben zwei Eissäulen sitzen.

Aber auch sonst war das Zwischenmenschliche bei den Chandlers eher auf das Wesentliche reduziert. Küsschen und Umarmungen gehörten sich ihrer Meinung nach nicht! Und dabei war das doch genau das, wonach sich Jordan so sehr sehnte, und was für ihn oberste Priorität hatte. Er wollte einfach mal wieder in den Arm genommen werden, vielleicht auch auf Vaters Schoß sitzen, wenn er ihm etwas erklärte. Aber das waren Wünsche und Sehnsüchte, die in diesem Haus unerfüllt blieben. Und Jordan war da keine Ausnahme, sondern eher die Regel, wie die Einwohner dieser Stadt mit ihren Kindern umgingen, und es ihnen nicht gerade einfach machten, unbeschwert aufzuwachsen. Oft fühlten sich die Kinder wie Komparsen in einem schlecht besetzten Film, die man doch nur deshalb besetzt hatte, um das Bild nach außen perfekt erscheinen zu lassen: das bei uns sogenannte Bilderbuchfamilien lebten. Doch davon waren die meisten Familien meilenweit entfernt.

Ähnlich muss es wohl auch Mr Warren gehen, dachte Jordan. Noch nie hatte er erlebt, dass Mr Warren zu einer der vielen Partys oder Grillabende eingeladen worden war.

Kinder und Jugendliche waren ohnehin ausgeschlossen von den Zusammenkünften, die erst nach dem Zwielicht stattfanden, und auf Außenstehende sicherlich befremdlich wirkten. Denn hier wurde all die Nähe und Gemütlichkeit vollzogen, die man den eigenen Kindern vorenthielt. Der einzige Kontakt, den Mr Warren pflegte, war dieser Junge, der ihm alle 14 Tage den Rasen mähte. An diesem Wochenende wäre es mal wieder nötig, den klapprigen Rasenmäher anzuwerfen. Dabei konnte Jordan diesen alten Mann gar nicht so gut leiden. Er war geschwätzig wie ein Wasserfall, der, erst einmal aufgedreht, nicht mehr so schnell damit aufhören wollte, gegen alles und jeden zu wettern. Doch die schiere Geldnot trieb Jordan dazu, auch solche Tätigkeiten zu erledigen. Galt es schließlich, mit den anderen Schritt halten zu wollen.

Und seine Eltern waren davon überzeugt, dass ihr Sohn nur durch harte Arbeit erlernen konnte, was Geld in dieser Gesellschaft für einen Stellenwert hatte. Nie hatte er ein Taschengeld oder gar Geldgeschenke erhalten. Er teilte nicht das Glück, Eltern zu haben, die ihm jeden Wunsch von den Augen ablasen, oder ihm am Wochenende für seinen Fleiß in der Schule belohnten. Nein! Er musste sich jeden müden Cent hart erarbeiten.

Selbst für das Material seines Baumhauses hatte er lange sparen müssen, und nach dessen Fertigstellung war er mit Recht auf sich stolz, was er vollbracht hatte. Schon jetzt zählten die meisten Nachbarn in seiner Straße zu seinen Kunden, die von seinen vielfältigen Diensten gern Gebrauch machten. Vor einigen Monaten hatte er diesbezüglich einen Zettel in der Nachbarschaft verteilt, und war sich schon damals wie ein Sklave vorgekommen, der sich unter Wert verkauft. Weil er jedoch nicht der einzige Junge war, der solche Dienste anbot, hatte er die Preise ziemlich drücken müssen.

Im Klartext hieß dies, dass er für eine Stunde Gartenarbeit oder das Entrümpeln eines Dachbodens oder Kellers maximal fünf Dollar erhielt; für das Ausführen von Hunden gab es pro Köter drei Dollar, und fürs Einkaufen oder Erledigungen machen, was er aber nur handverlesenen Kunden anbot, erhielt er zumeist nur ein kleines Trinkgeld oder eine Handvoll Cookies.

Ihm war klar, dass er durch derlei Arbeiten niemals reich werden konnte. Sein Geld war wie der Sand in einer Sanduhr. Es rieselte ihm schneller durch die Finger, als er es verdienen konnte. Allerdings, und da war seine Mutter schon immer auf seiner Seite gewesen, versuchte sie, ihm stets neue Möglichkeiten aufzuzeigen, seinen Reichtum noch vergrößern zu können. Aber nicht jede Arbeit, die seine Mutter in den höchsten Tönen anpries, stellte sich dann als lukrativer Nebenverdienst heraus. Es hatte schon Jobs gegeben, bei denen Jordan sogar drauflegen musste; und es hatte Jobs gegeben, die er hasste aber dennoch auf sich nahm — des Geldes wegen.

Und zu den Jobs, die er am meisten hasste, gehörte sicherlich die Tätigkeit des Messdieners. Jeden Sonntagmorgen fragte er sich aufs Neue, warum er sich das überhaupt antat. Weder seine Familie noch er selbst waren überzeugt davon, dass es da noch etwas anderes nach dem Tode gab, als von dicken und gefräßigen Würmern verspeist zu werden. Allerdings — und das musste Jordan dem Pfaffen lassen — war der Herr Pfarrer äußerst spendabel, insbesondere dann, wenn er dazu bereit war, ihm »kleine Gefälligkeiten« zu erledigen. Für diese geheimen Gefälligkeiten bekam er ein Vielfaches von dem, was er sonst bekam, wenn er beispielsweise bei einer Beerdigung dem Pfaffen das Gebetbuch unter die Nase hielt, oder wenn er in der Messe mehr Wein als Wasser in den Kelch gab. Und er überlegte oft, welche Tätigkeit er mehr hassen sollte, die ihm an einem Sonntag sündigen ließen.

Denn außer dass die Tätigkeit als Messdiener ihm die Zeit raubte, verteilte er jeden Sonntagmorgen noch Zeitungen. Bei jedem Wetter musste er durch die Straßen ziehen, oft minutenlang vor einer Tür warten, bis der Kunde an die Tür kam, um ihn zu bezahlen. Und mit dem lausigen Trinkgeld glaubten die Leute, rechtfertigen zu können, einen Jungen um seinen wohlverdienten Schlaf zu bringen. Das unter all diesen Tätigkeiten aber vor allem seine schulischen Leistungen litten, schien seinen Eltern gleichgültig zu sein. Hier zeigte sich recht deutlich, wie ignorant oder oberflächlich die Einwohner unserer Stadt waren. Wenn es ihr eigenes Kind wäre, dass diese Tortur durchlebte, hätten sie womöglich Versuche unternommen, dies zu unterbinden, das hier ein Kind ausgebeutet wurde; aber ein fremdes Kind konnte dies alles auf sich laden, bis es an dieser schweren Last zusammenbrechen drohte …

Jordan schüttelte sich. Es gab wirklich schönere Dinge, als über die Sonntage nachzudenken, denen er mit Ekel und Entsetzen begegnete. Irgendwann wollte aber auch er diese Ausbeuterei abstellen. Ging es doch darum, keinen weiteren Schaden zu nehmen. Weder an Körper noch an Geist oder Seele.

Er kramte einen Zettel hervor, den er vor wenigen Wochen begonnen hatte, anzulegen. Er ergänzte diese Liste um zwei weitere Namen. Dann zog er es vor, wieder nach Hause zu gehen. Es war Zeit, den Unschuldigen zu geben. Seine Schritte blieben jedoch nicht unbeobachtet. Spätestens, als er das alte Anwesen erreichte, konnte er spüren, wie ihm jemand auflauerte:

»Was für ein sonderbarer Junge«, sagte die Person, die hinter dem blickdichten Vorhang stand und auf die Straße spähte.

»Die Schule liegt doch auf der anderen Seite der Stadt.«

Und als würde Jordan diese Frage hören, erwiderte er:

»Willkommen in Klein Absurdistan!«

Der ungebetene Gast

Stellvertretend für den Rest der Nachbarschaft und in ihrer Funktion als Schriftführerin des Buchklubs, versuchte Mrs Chandler auf sich aufmerksam zu machen, da sie nicht länger hinnehmen konnte oder wollte, im Unklaren zu sein, wer das alte Anwesen neben ihnen bezogen hatte. Natürlich waren auch ihr die zahlreichen Veränderungen am Haus aufgefallen, als sie heute Morgen die Milchflaschen ins Haus geholt hatte, um einen Pfannkuchenteig anzurühren.

Rasch war ein Korb mit exotischen Früchten und einem frischen Pflaumenkuchen zusammengestellt, den sie dem neuen Nachbarn übergeben wollte. Insgeheim hatte sie aber darauf gehofft, nicht allein gehen zu müssen, um das Empfangskomitee zu stellen. Doch ganz gleich, wen sie auch anrief, keiner war bereit gewesen, ihr dabei unter die Arme zu greifen.

»Hallo! Jemand zuhause?«, rief sie und versuchte, durch das milchige Glas der schweren Eingangstür etwas erblicken zu können. Aber auch dort versperrte ein dunkler Vorhang den Blick ins Innere des Hauses. Dass aber jemand zuhause war, verriet allein schon das Auto, das vor der Garage parkte.

Warum sollte jemand sein teures Auto vor der Garage stehen lassen, wenn er dann nicht zuhause ist?, dachte Mrs Chandler und streckte ihren Hals als weiter in Richtung Fenster, das ihr einen Blick ins kleine Zimmer gewähren sollte. Sie wusste, dass sich dort ein Kämmerchen befand, das die Vorbesitzer als Abstellraum genutzt hatten. Wozu es jetzt diente, war nicht so einfach herauszufinden. Die dunkelroten Vorhänge waren zugezogen, aber Mrs Chandler glaubte, gesehen zu haben, wie sich die Vorhänge noch kurz zuvor bewegt hatten.

Getraut sich da etwa jemand nicht vor die Tür?, dachte sie und klopfte erneut an die Tür. Ihr energisches Klopfen wäre bestimmt auch noch im letzten Winkel des Hauses zu hören. Ihr war es egal, wie früh oder wie spät es war. Für sie bedeutete acht Uhr morgens, das man gefälligst auf der Matte zu stehen hatte, wenn man sich schon aufgerappelt hatte, seinen neuen Nachbarn begrüßen zu wollen.

Eigentlich oblag es ja dem Zugezogenen, sich nach einer gewissen Zeit der Akklimatisierung bei den anderen vorzustellen. Vielleicht sogar mit einer kleinen Housewarming-Party. Nichts Besonderes, aber jedenfalls ein Willkommen …

Plötzlich hörte Mrs Chandler eine Stimme, die jedoch nicht aus dem Haus kam, in das sie so dringend eingelassen werden wollte, sondern von gegenüber. Mrs Biedermann war gerade dabei, ihren Pudel um die Häuser zu jagen. Wahrscheinlich hatte sie sich den Pudel auch nur wegen des Vorwands angeschafft, dadurch auf fremde Grundstücke gehen zu können, ohne gleich erschossen zu werden. Es war eine Absicht dahinter erkennbar, warum sie ihren Pudel ohne Leine führte und daher ziemlich oft davon Gebrauch machte, auf die jeweiligen Grundstücke zu laufen, die sie interessierten, oder um in die Fenster zu spähen, nicht aber, um ihren Drecksköter davon abzuhalten, seinen Scheiß in die Vorgärten zu verteilen.

»Ach, Liebes! Diese Familie hält sich wohl für was Besseres, oder für unnötig, sich uns anzuschließen«, sagte Mrs Biedermann, als sie in ihrem Morgenmantel eingehüllt und mit Lockenwicklern in den feuerroten Haaren zu ihrer Freundin geeilt kam. »Ich habe es auch schon versucht. Vor etwa einer halben Stunde. Die sind entweder Langschläfer oder einfach nur faul, wie die Früchte, die zu Boden fallen und von Versagern zertreten werden.« Mrs Biedermann besaß die Angewohnheit, nicht lange darüber nachzudenken, wem sie was sagte, oder sich ein Urteil über Menschen erlaubte, die sich noch gar nicht kennengelernt hatte.

»Sie werden sich sicher noch vorstellen«, sagte Mrs Chandler und stellte den Korb vor der Tür ab, den sie nur ungern zurückließ, ohne ihn persönlich übergeben zu haben.

Wer weiß, ob die Nachbarn diese Geste erwidern werden?

»Niemand zieht in unsere Stadt, um sich dann hinter den Türen seines Hauses zu verbarrikadieren.« Ein letztes, gut gemeintes Klopfen, und damit war besiegelt, dass sie um jeden Preis in Erfahrung bringen wollten, wer dieses Anwesen erworben hatte. Denn für sie gab es nichts Schlimmeres, als ein Haus, in dem sie nicht willkommen waren.

»Lass nur! Sie werden schon noch angekrochen kommen, und um die Aufnahme in unseren Kreis betteln«, sagte Mrs Biedermann und blickte hinüber zu ihrem Pudel, als wolle sie ihm befehlen, hier an Ort und Stelle einen möglichst dicken Haufen zu hinterlassen. Spätestens dann müsste es doch eine Reaktion geben. Schließlich war der Köter drauf und dran, seinen Haufen direkt vor der Eingangstür zu scheißen. Kichernd wie zwei Schulmädchen verzogen sich die beiden, weil sie von sich selbst überzeugt waren, nichts Unrechtes getan zu haben. Lediglich aufmerksam hatten sie auf sich gemacht. Und für den Bruchteil einer Sekunde flammte die Erinnerung auf, wie sie damals schon zu Schulzeiten die Stadt fest in ihrem Griff hatten. Damals hatten sie jedoch noch andere Geschütze aufgefahren, wenn sie auf sich aufmerksam machen wollten …

Und während seine Mutter einen teuflischen Streich ausheckte, den sie ihm sicher nie eingestehen würde, wünschte sich Jordan mal wieder, er wäre unsichtbar.

»Nur noch zwei Tage«, flüsterte er, »nur noch zwei Tage, und sie werden …«

»… ein blaues Wunder erleben, Mr Chandler, wenn sie nicht sofort an diesem Seil hochklettern und die Glocke schlagen«, riss ihn der Coach aus seinen Gedanken, in die er nur allzu gern versank, wenn sie Schulsport hatten, und er auf der Bank darauf wartete, übersehen zu werden. Doch der Coach schien regelrecht erpicht darauf zu sein, Jordan das Leben auf der Erde zur Hölle zu machen. Natürlich wusste der Coach, dass es Jordan niemals bis hinauf zur Glocke schaffen würde — dass hatte er noch nie geschafft! Aber das machte dieses Spiel, das Jordan »Treibjagd« nannte, ja erst so amüsant. Längst waren alle anderen aus der Klasse am Seil nach oben gekrochen, selbst der fette Marcel hatte dies unter zwei Minuten geschafft, aber Jordan würde einfach nur wie ein nasser Sack am Seil hängen und solange darauf warten, bis der Coach ein Nachsehen mit ihm hatte — oder die Schulglocke ertönte, und diese Tortur so ein Ende fand.

Aber heute dauerte dies besonders lang. Bis zum Pausenschlag waren es noch knapp vier Minuten. Vier Minuten, die für Jordan alles bedeuteten. Denn mal wieder stand alles auf dem Spiel: sein Ruf, seine Ehre und allem voran sein Selbstwertgefühl. Doch weder sein Ruf noch seine Ehre waren ihm etwas wert. Einzig und allein seines Selbstwertgefühls wegen versuchte er, am Seil hochzuklettern.

Seine Mitschüler hatten sich in einem Kreis um ihn herum versammelt, einen Kreis, zu dem er niemals dazugehören würde, dass wusste er mit Sicherheit. Nicht nach alldem, was in den letzten Wochen und Monaten geschehen war. Er hatte praktisch jede Möglichkeit vertan, in diesem Kreis aufgenommen zu werden, auch wenn er alles versucht hatte, von den anderen akzeptiert zu werden. Doch je mehr er versuchte, von den anderen akzeptiert zu werden, umso mehr entfernte er sich auch von ihnen …

»Das schafft der nie!«

»Du Lusche!«

»Geh doch nach Hause und erschieß dich!«

»Komm schon runter, bevor ich bereue, dich überhaupt dort hochgeschickt zu haben«, sagte der Coach, als die Beleidigungen der Jungen Jordan unter der Gürtellinie trafen, und beendete somit eine unsäglich lange Liste von Beleidigungen, die ihm zugeworfen wurden, als er am Seil hing und über Tötungsvarianten nachdachte.

Das war in letzter Zeit zu einer Art Passion geworden, sich für die unterschiedlichsten Tötungsarten zu interessieren. Vor allem aber interessierte sich Jordan für jene Möglichkeiten, die unentdeckt blieben: für den perfekten Mord!

Was auch immer er darüber in seine Finger bekam, sammelte er in einer Schachtel, die er in seinem Baumhaus aufbewahrte. Denn

Sie haben das Ende dieser Vorschau erreicht. Registrieren Sie sich, um mehr zu lesen!
Seite 1 von 1

Rezensionen

Was die anderen über Kannibalen unter uns denken

0
0 Bewertungen / 0 Rezensionen
Wie hat es Ihnen gefallen?
Bewertung: 0 von 5 Sternen

Leser-Rezensionen