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DIE RITTER DES VATIKAN: Thriller

DIE RITTER DES VATIKAN: Thriller

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DIE RITTER DES VATIKAN: Thriller

Bewertungen:
4/5 (1 Bewertung)
Länge:
439 Seiten
8 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
10. Juni 2020
ISBN:
9783958351868
Format:
Buch

Beschreibung

Sie sind Elitesoldaten der ganz besonderen Art, denn sie stehen allein im Dienste Gottes:
DIE RITTER DES VATIKAN
Wann immer die Grundfesten der Welt oder das Leben gottesfürchtiger Menschen in Gefahr ist, wird diese geheime, unter dem Zeichen des Tatzenkreuzes vereinte Spezialeinheit ausgesandt, die Ordnung wiederherzustellen. Bewaffnet mit dem modernsten Waffenarsenal und verborgen vor der Öffentlichkeit stellen sich die Ritter des Vatikan unermüdlich den zerstörerischen Kräften dieser Welt entgegen.
"Rick Jones ist die Zukunft des Thrillers." - Richard Doetsch (Bestseller-Autor von THE THIEVES OF FAITH und THE 13th HOUR)
Während eines Besuches in den Vereinigten Staaten wird Papst Pius XIII von einer Terrorgruppe entführt, die sich selbst ›Soldiers of Islam‹ nennt. Man droht, den Papst hinzurichten, wenn die USA deren Forderungen nicht erfüllen.
Als FBI-Spezialistin Shari Cohen den Auftrag erhält, die Terrorgruppe aufzuspüren, muss sie feststellen, dass sie damit nicht allein ist. Denn der Vatikan entsendet sein eigenes geheimes Elitekommando – die Ritter des Vatikan. Deren Mission lautet: Den Papst lebend zurückbringen.
Gemeinsam stoßen Cohen und die Ritter auf eine Verschwörung innerhalb des Weißen Hauses, die bis in höchste Regierungskreise reicht. Als Shari Cohen kurz davor steht, die Wahrheit über die Entführung des Papstes herauszufinden, wird sie zur Zielscheibe von Mächten im eigenen Land, die dieses Geheimnis um jeden Preis bewahren wollen. Doch wer ihrer habhaft werden will, muss erst an den Rittern des Vatikan vorbei …
DIE RITTER DES VATIKAN ist der Auftakt der actiongeladenen Bestseller-Reihe um das schlagkräftige Elitekommando des Vatikan und ihrem charismatischen Anführer Kimball Hayden.
Herausgeber:
Freigegeben:
10. Juni 2020
ISBN:
9783958351868
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

DIE RITTER DES VATIKAN - Rick Jones

Die Ritter des Vatikan

Rick Jones


This Translation is published by arrangement with Rick Jones

Title: The Vatican Knights. All rights reserved. First published 2012.

Diese Geschichte ist frei erfunden. Sämtliche Namen, Charaktere, Firmen, Einrichtungen, Orte, Ereignisse und Begebenheiten sind entweder das Produkt der Fantasie des Autors oder wurden fiktiv verwendet. Jede Ähnlichkeit mit tatsächlichen Personen, lebend oder tot, Ereignissen oder Schauplätzen ist rein zufällig.

Impressum


zweite überarbeitete Ausgabe

Originaltitel: THE VATICAN KNIGHTS

Copyright Gesamtausgabe © 2016 LUZIFER-Verlag

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Cover: Michael Schubert

Übersetzung: Peter Mehler

Dieses Buch wurde nach Dudenempfehlung (Stand 2020) lektoriert.

ISBN E-Book: 978-3-95835-186-8

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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Inhalt


Die Ritter des Vatikan

Impressum

Prolog

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Kapitel 35

Kapitel 36

Kapitel 37

Kapitel 38

Kapitel 39

Kapitel 40

Kapitel 41

Kapitel 42

Kapitel 43

Kapitel 44

Kapitel 45

Kapitel 46

Kapitel 47

Kapitel 48

Kapitel 49

Kapitel 50

Kapitel 51

Kapitel 52

Kapitel 53

Kapitel 54

Kapitel 55

Kapitel 56

Epilog

Über den Autor

Prolog


Washington, D.C. | Vor fünfzehn Jahren


Zu jener Zeit, als Shari Cohens Großmutter in Auschwitz inhaftiert war, regnete es unablässig Asche vom Himmel.

Auf dem Höhepunkt seiner Existenz wurden in dem Konzentrationslager täglich über 20.000 Juden umgebracht und in den Verbrennungsöfen eingeäschert. Eine Tragödie, an welche die vielen Fotos an den Wänden und die Galerien von Schaukästen im Holocaust Memorial Museum in Washington D.C. erinnerten.

In ehrfurchtsvoller Stille wanderten die Besucher von einem Schaukasten zum nächsten durch die große Halle, vorbei an Eisernen Kreuzen und deutschen Luger-Pistolen. Unter vertäfelten Lampen hingen deutsche und jüdische Flaggen sowie gerahmte Gemälde, welche das Nazi-Regime von den vorherigen jüdischen Eigentümern beschlagnahmt hatte.

Am Ende des Korridors lief Shari an einer Gedenkwand voller unzähliger Schwarz-Weiß-Aufnahmen entlang und studierte jede Einzelne von ihnen sorgfältig.

Und dann fand sie es – ein schwarz-weißes Foto einer Gruppe von Häftlingen, die beieinanderstanden, in Kleidungsstücken, unter denen sich ihre spindeldürren Arme und Beine abzeichneten. Die Verzweiflung in ihren Gesichtern war offenkundig und ihre von unendlicher Trauer überquellenden Augen sprachen Bände.

Vorsichtig fuhr Shari mit dem Finger die Konturen einer jungen Frau ab, die stolz ihren Kopf erhoben hatte. Ihre hervorstehenden Schultern und Wangen, ihre bleiche Haut und die tiefen Augenringe zeugten von ihrem Willen und ihrem Mut im Angesicht der Not. Das Foto zeigte Sharis Großmutter.

Unwillkürlich spürte sie, wie Tränen in ihren Augen brannten, und ihr Kummer und ihr Mitgefühl mischten sich mit dem überwältigenden Stolz, den sie empfand.

Ohne Eile lief sie die Exponate ab, studierte jedes Foto und versuchte sich die Gräuel vorzustellen, die sie abbildeten. Eines der Bilder zeigte leblose Körper, die von Galgen herabhingen. Shari erinnerte sich, wie ihre Großmutter erzählt hatte, dass man die Leichen dort oft für Tage hängen ließ, um den anderen Juden im Lager ihr drohendes Schicksal vor Augen zu führen.

Wer dem jüdischen Glauben angehörte, so berichtete ihre Großmutter, sah sich dem sicheren Tod gegenüber. Ohne Ausnahme.

Selbst jetzt noch, in diesem Augenblick, konnte Shari den leichten, liebenswerten Akzent ihrer Großmutter hören. Die Art, wie sie von diesen Dingen sprach, mit jenem Mut und dem Stolz, eines der dunkelsten Kapitel der Weltgeschichte überlebt zu haben, war für sich allein schon ein Beweis für die ungeheure innere Willensstärke dieser alten Frau.

Damals, als Shari noch zu jung war, um die Tragweite des Leids ihrer Großmutter wirklich verstehen zu können, aber gleichzeitig an der Schwelle stand, etwas darüber zu lernen, hatte ihre Großmutter ihr die schablonenhaften Nummern auf ihrem Unterarm gezeigt. Las man sie von der einen Seite, stand dort 100681, betrachtete man den Unterarm jedoch von der anderen Seite, wurden die Ziffern 189001 daraus. Die gleiche Tätowierung, aber unterschiedliche Nummern. Ihre Großmutter nannte sie immer ihre magischen Zahlen.

Shari lächelte. In Gedanken sah sie, wie ihre Großmutter ebenfalls lächelte, amüsiert von Sharis erstauntem Gesicht, als sich die Nummern vor ihren Augen veränderten.

Dann verschwand Sharis Lächeln. Ihre Lippen formten wieder eine gerade Linie. Jene Frau, die ihr schweres Schicksal in Auschwitz so mutig und standhaft ertrug, war vor einer Woche im Alter von neunundsiebzig Jahren in einem Krankenhaus in D.C. an Herzversagen gestorben. Shari vermisste sie unendlich.

Sie lief weiter an den Displays entlang und betrachtete noch andere Aufnahmen, darunter Fotos von verkohlten und gebrochenen Knochen aus den Verbrennungsöfen.

Wie es ihrer Großmutter gelungen war, bei Verstand zu bleiben, war Shari unbegreiflich. Wie konnte überhaupt jemand unter dieser Wolkendecke von Auschwitz leben, wo man sich täglich fragen musste, wann es die eigene Asche sein würde, die vom Himmel fiel und das Land mit einem grässlichen Grauschleier überzog?

Noch nicht einmal ansatzweise konnte sie sich dieses Martyrium ausmalen.

Beim Betrachten der Fotos erkannte Shari eine zeitliche Abfolge der Ereignisse in ihnen, die sie daran erinnerte, dass das tolerante Land, in dem sie als Jüdin lebte, auch nicht frei von Vorurteilen war. Sie musste an die Worte ihrer Großmutter zwei Jahre zuvor denken, als Shari gerade sechzehn geworden war.

»Du bist jetzt eine junge Frau«, hatte sie ihr erklärt. »Alt genug, um die Dinge zu verstehen, die eine junge Frau wissen sollte. Was ich dir jetzt also mit auf den Weg geben werde, meine Kleine, ist die wundervollste Gabe von allen. Die Gabe der Erkenntnis und der Weisheit.« Dann hatte sich ihre Großmutter näher zu ihr herübergebeugt und sie zu sich gewunken, ganz so, als würde man das Folgende nur flüsternd weitergeben können. »Ich gehöre dem jüdischen Glauben an«, fuhr sie fort. »Genau wie du. Aber ich war stolz und lehnte es ab, ihm zu entsagen. Als Jude in Auschwitz inhaftiert zu sein, bedeutete den sicheren Tod. Doch wenn man damit kämpft«, sagte sie und legte sich ihre flache Hand auf die Stelle über ihrem Herzen, »wenn man wirklich stolz darauf ist, wer man ist, dann wird man überleben. Aber du darfst eine Sache nie vergessen: Dort draußen in der Welt gibt es furchtbare Menschen, die nur deshalb danach trachten, dich zu zerstören, um das Werk des Bösen verrichten zu können. Wenn du zulassen möchtest, dass das Böse die Oberhand gewinnt, dann sieh einfach nur dabei zu. Aber wenn du etwas verändern möchtest, dann kämpfe, damit wir alle im Licht leben können. Verstehst du irgendetwas von dem, was ich dir sage?«

Shari erinnerte sich noch an das verwirrte Gesicht, das sie zog. Deshalb streckte ihre Großmutter ihren Unterarm aus, wo die Tinte der magischen Zahlen zu einem Olivgrün verblasst war.

»Weil ich Jüdin war, gab man mir dieses Zeichen – und das, obwohl ich ein liebes Mädchen war, das niemals jemandem etwas zuleide tat. Meine Eltern, deine Urgroßeltern, waren gute Menschen, die dieses Zeichen nicht bekamen, aber nur deshalb, weil man ihnen befahl, sich links einzureihen. In Auschwitz bedeutete das den schnellen Tod in den Gaskammern. Ich sah sie nie wieder.« Sie lächelte. Ihr Gesicht wurde dadurch noch faltiger, doch jede Falte strahlte eine ungeheure Wärme und Schönheit aus. Die Falten einer Frau, die das Leben über alle Maßen liebte.

Dann griff sie nach Sharis Hand und umfing sie mit mütterlicher Güte. »Da ist viel Gutes in dir«, erklärte sie. »Ich kann es spüren. Es sind Menschen wie du, die etwas für das Leben aller verändern können, ganz egal, ob es sich dabei um Juden handelt oder nicht. Dieses Zeichen an meinem Arm erinnerte mich immer wieder daran, dass es Menschen gab, die in der dunkelsten Zeit des Lebens wegschauten und nichts taten, um mir oder den anderen zu helfen. Deshalb mussten Unzählige sinnlos ihr Leben lassen – weil man dem Bösen erlaubte, zu obsiegen. Aber in dir, meine Kleine, lodert ein Feuer, das so heiß brennt, dass ich es in deinen Augen sehen kann. Du möchtest Gutes für die tun, die sich nicht selbst beschützen können, nicht wahr?«

In diesem Moment wurde Shari klar, dass sie das tatsächlich wollte, auch wenn ihr neuentdeckter Eifer mindestens genauso sehr von dem Wunsch genährt wurde, ihre Großmutter glücklich zu machen, wie durch den Entschluss, die Wehrlosen zu schützen. Dieses Gefühl war neu für sie, denn trotz allem war sie erst sechzehn Jahre alt gewesen, und ihre größten Sorgen hatten bisher nur Jungen gegolten.

Das Lächeln ihrer Großmutter wurde breiter. »Mach dir keine Gedanken«, beruhigte sie das Mädchen. »Merke dir nur, dass eine Zeit kommen wird, in der es Widrigkeiten geben wird. Aber gib nicht auf. Entschlossenheit und Beharrlichkeit werden dich stets ans Ziel bringen. Ich war entschlossen, Auschwitz zu überleben. Und das tat ich. Nun liegt es an dir, dafür zu sorgen, dass das, was mir geschah, niemals wieder geschehen darf.«

Shari hob den Arm ihrer Großmutter, drehte ihn herum und strich mit ihren Fingern sanft über die ausgeblichene Tätowierung. »Niemand sollte so leiden müssen, wie du es getan hast, Großmutter. Und ich werde dafür sorgen, dass es niemandem wieder so ergehen wird.«

Ihre Großmutter lächelte sie weiter gütig an.

Shari fragte sich oft, ob ihre Großmutter der Ansicht war, dass ihre Versprechen nur die leichtfertigen Versprechungen einer Sechzehnjährigen waren, die einer alten Frau genau das versprach, was diese hören wollte, oder ob sie tatsächlich glaubte, dass Shari von ihren Worten überzeugt war. Denn das war sie. Die Liebe zu ihrer Großmutter war nie so groß gewesen wie zu jenem Zeitpunkt, auch wenn sie erst sechzehn und viel zu sehr mit Jungs beschäftigt war. Gute Menschen wie ihre Großmutter verdienten einfach etwas Besseres.

»Dann ist das mein Geschenk an dich, mein Liebling. Manchmal sind Ratschläge die besten Geschenke. Also nutze sie weise.«

Shari hatte die Lektion ihrer Großmutter zu ihrem sechzehnten Geburtstag nie vergessen können.

Nun, zwei Jahre später und achtzehn Jahre alt, hatte Shari ein Stipendium an der Georgetown Universität erhalten. Weniger an Jungs und mehr an ihrer Karriere interessiert, arbeitete Shari auf ihr Ziel hin, niemals wieder zuzulassen, dass jenen solche Gräueltaten widerfuhren, die »sich nicht selbst beschützen konnten«, indem sie sich für Kurse in Strafrecht einschrieb, dabei aber größeres im Auge hatte.

Rechts von ihr bemerkte Shari drei Teenager in ungefähr ihrem Alter, schwarz gekleidet, mit dazu passendem schwarzen Lippenstift und Nagellack, kohlrabenschwarz gefärbten Haaren und gespenstisch weiß gepuderten Gesichtern. Sie unterhielten sich lautstark und kommentierten die Fotografien mit Adjektiven wie geil, abgefahren oder cool. Worte, die sie tief verletzten.

Und Shari wunderte sich. Ob sie es wohl immer noch geil, abgefahren und cool gefunden hätten, wenn man sie den gleichen Torturen und dem gleichen Leid wie in den Aufnahmen ausgesetzt hätte?

Sicherlich nicht.

Während sie weiterschritt und die unaufgeklärten Gleichaltrigen hinter sich ließ, dachte Shari erneut über ihre Großmutter nach und die Art, wie sie couragiert ihr restliches Leben bestritten hatte. Indem sie Auschwitz überlebte, konnte ihre Abstammungslinie fortgeführt werden. Ihre Großmutter gebar drei Kinder, die der Familie weitere sieben Enkel schenkten. Shari war die Jüngste von ihnen. Ohne den Willen ihrer Großmutter, eines der schändlichsten Kapitel der Geschichte zu überleben, wäre keiner von ihnen heute am Leben.

Danke, Großmutter.

Shari beugte sich über eine Glasvitrine, und ihr Spiegelbild starrte zu ihr zurück. Sie war attraktiv, mit einer störrischen Haarlocke, die ihr wie ein umgekehrtes Fragezeichen über der linken Augenbraue hing. Ihre Augen – von einem geradezu umwerfenden Braun, die wie frisch geprägte Kupfermünzen funkelten – sahen fragend zu ihr auf. Woher kam dieser Fanatismus, der die Ermordung von über sechs Millionen Juden rechtfertigte? Für Shari war es kaum begreiflich, dass die Menschheit nicht erwachsen genug gewesen war, um den eigenen Niedergang zu bemerken.

Seufzend sah sie an ihrem Spiegelbild vorbei und erblickte die Nazi-Flagge, die in dem Schaukasten ruhte. Das Rot und Weiß des Fahnenstoffes strahlte hell, beinahe wie neu, und das Hakenkreuz als Symbol der Intoleranz starrte sie unverwandt an.

»Man wird dich immer verfolgen, nur weil du Jüdin bist«, hatte ihre Großmutter erklärt. »Aber du darfst nie vergessen, wer du bist, und musst stolz darauf sein, denn eines Tages wirst du daran erinnert werden, wer du bist, und du wirst kämpfen müssen, um am Leben zu bleiben. Vergiss das nie, meine Kleine.«

»Das werde ich nicht, Großmutter.«

Shari lächelte ein wenig, ein sanftes Kräuseln ihrer Lippen in Erinnerung an eine bemerkenswerte Frau. Das Holocaust-Museum zu besuchen war nicht nur eine Geste für das Gedenken an ihre Großmutter, sondern auch eine Erinnerung an das, was ihre Großmutter Shari eingeschärft hatte – stolz und unerschrocken zu sein, nie zu vergessen, woher man stammte, und immer jenen zu gedenken, die ihr Leben ließen. Doch was noch wichtiger war: In schlechten Zeiten, die es immer geben würde, standhaft zu bleiben.

»Erinnere dich an meine Worte, meine Kleine. Die Zeit wird kommen. Glaube mir.«

Shari bezweifelte, dass es in einem Land, in dem die freie Religionsausübung von der Verfassung geschützt wurde, zu irgendeiner Form von Ausgrenzung kommen würde, nur weil man Jude war. Aber so ganz ließ es sich auch nicht ausschließen.

Sollte es sich einmal als Problem herausstellen, wäre es nur ein weiteres Hindernis, welches sie für das Wohl vieler überwinden würde, dachte sie bei sich. Sie wusste, dass sie ihren Weg stets beharrlich weiterverfolgen würde, denn Beharrlichkeit war ein Teil ihrer Großmutter gewesen, und damit auch ein Teil von ihr, sowohl genetisch als auch aus Überzeugung.

Während sie weiter von einem Ausstellungsstück zum nächsten schritt, verbrachte Shari die meiste Zeit damit, über all die mutigen Menschen nachzusinnen, die diese Lager überlebten, und für jene zu beten, die sie nicht überlebten.

Kapitel 1


Sechs Meilen nordwestlich von Mesquite, Nevada | 18. September, 14:16 Uhr


Zwei Humvees und ein Lastwagen mit Plane in den Farben der Wüstenlandschaft durchquerten zügig die Wüste und zogen eine Wolke aus Staub und Sand hinter sich her. Der vorderste Humvee, der für diese Umgebung wie geschaffen war, eskortierte den M-Series-Lastwagen tiefer in die Talsenke hinein, während der hintere Humvee das gleiche Tempo hielt und dafür sorgte, dass die Gefangenen im Inneren des Lastwagens nicht entflohen.

Die Humvees federten die Unebenheiten des Wüstenbodens mühelos ab, der Lastwagen aber, dem einige Eigenschaften für dieses Terrain fehlten, verhielt sich dabei weniger kooperativ. Nur mit Mühe gelang es dem Truppenführer im Inneren des Trucks, mit seiner MP5 die acht Araber in Schach zu halten, die nebeneinander mit Plastikfesseln um den Handgelenken auf den Bänken saßen.

Je weiter sie in die Wüste vordrangen, umso karger und menschenfeindlicher wurde die Landschaft.

Gewaltige Felsformationen ragten aus dem ausgedörrten Boden, über den der windgepeitschte Staub wie Meereswellen brandete. An der Oberfläche war dieser brüchig und lose geworden, wo der lehmartige Sandboden den Elementen, dem schneidenden Wind und der unnachgiebigen Hitze ausgesetzt war. Und die wenigen Bewohner – die Schlangen, Skorpione und Echsen, die sich an diese Wüstenei, die wenig mehr als kaum Regen und sengende Hitze bot, angepasst hatten – bevölkerten ein Königreich, über das niemand herrschen wollte.

Ein unbarmherziger Ort.

Nachdem die Fahrzeuge mehrere Meilen des unwegsamen Geländes bezwungen hatten und die Topografie sich allmählich ebnete, hielt der vorderste Humvee an. Die beiden Fahrzeuge hinter ihm folgten seinem Beispiel. Der Staub setzte sich. Dann entstiegen neun Angehörige des Spezialtrupps dem ersten Humvee, bekleidet mit Wüstentarnkleidung, Schutzbrillen und Helmen, und schoben Magazine in ihre Sturmgewehre.

Ein Soldat mit einem Laser YardagePro kletterte durch das offene Dach auf den Geschützturm. Der klobige Entfernungsmesser ließ das Fernglas so schwer werden, dass der Mann beide Hände benutzen musste, um damit in Ruhe den Horizont absuchen zu können. Nachdem er keine Hinweise auf Bewegungen gefunden hatte, nahm er das Fernglas wieder herunter. »Sauber!«

Daraufhin schlug der Teamführer, der im hinteren Teil des Lastwagens saß, die Plane zurück, wies mit dem Lauf seiner MP5 auf den Flecken Wüste hinter der Heckklappe und brüllte die gefesselten Insassen an, das Fahrzeug zu verlassen. Er sprach dabei in fließendem Arabisch, einer Sprache, an die er sich gewöhnt hatte. Schließlich lebte er schon fast sein gesamtes Leben im Mittleren Osten.

Ein Gefangener nach dem anderen sprang von der Laderampe und blinzelte gegen das grelle, gnadenlose Sonnenlicht an, während die übrigen Soldaten auf Englisch Befehle bellten, von denen sie wussten, dass die Gefangenen sie kaum verstehen würden. Doch die Mündungen ihrer Waffen, mit denen sie sie immer wieder anstießen und die Araber auf diese Weise zu einem Wüstenabschnitt mit ein paar toten Büschen und ausgedörrtem Lehm geleiteten, waren allgemeinverständlich genug. Vom Ende des Frachtraumes aus sah der Teamführer unbeeindruckt dabei zu, wie seine Einheit die Geiseln zu einer Steinstruktur in der Form einer halben Muschel führte, deren Oberfläche von den Winden glatt geschmirgelt worden war. Dann wandte er sich den beiden Arabern zu, die noch immer auf den Holzbänken saßen. Ihre Fußgelenke waren an einen mit dem Boden verschweißten Stahlring gekettet. Ungerührt richtete der Teamführer seine Waffe auf sie.

»Heute ist der Anfang vom Ende«, erklärte er ihnen. Dann neigte er kurz den Kopf in die Richtung, wo die Brüder der beiden vor der halben Muschel aufgereiht standen. »Deshalb können sich die dort glücklich schätzen.« Mit mechanischer Langsamkeit wies er mit seiner Waffe gen Himmel. »Ich fürchte jedoch, dass Allah euch beiden ein großartigeres Schicksal zugedacht hat, weshalb das Paradies noch etwas auf euch warten muss.« In seinem Tonfall lag keine Spur von Zynismus. Es war einfach nur die simple Feststellung, dass für jeden der Tod seine Zeit hatte und ihre Zeit einfach noch nicht gekommen war.

Dann besann er sich auf die Heilige Schrift des Islam und der bislang noch so selbstbeherrschte Teamführer klang plötzlich aufgebrachter.

»Wenn Allah wirklich eure Gebete erhört, dann solltet ihr ihn jetzt besser um eurer Brüder Willen um göttliche Intervention bitten. Und wenn er wirklich eurer Erlöser ist, dann soll er mich mit seiner unendlichen Macht jetzt und hier vor euch niederstrecken. Ich gebe ihm dafür eine Minute.« Dann hob er den Zeigefinger. »Er hat eine Minute. Keine Sekunde mehr.«

Als Nächstes sprang er unvermittelt aus dem Lastwagen und schlug als Zeichen seiner Verbitterung die Ladeklappe zu. Er lief zu der halben Muschel, musterte dabei unentwegt die Araber und gab seinen Männern dann das Zeichen, die Gefangenen in die Knie zu zwingen.

Als er sich wieder einigermaßen in der Gewalt hatte, packte der Teamführer seine Waffe fester und ließ den Blick über seine Feinde schweifen, zeigte aber wenig Mitleid mit den Männern, die um Gnade flehten. Ihr Flehen schien auf taube Ohren zu stoßen, was ihm ein kurzer prüfender Blick in den Himmel bestätigte.

Weniger als eine Minute, Allah.

Die Araber vor ihm flehten ihn inständig an, entweder um Gnade oder um sie endlich ins Paradies zu entlassen.

Er nahm seine Brille und seinen Helm ab, dann legte er seinen Kopf in den Nacken und ließ warmes Sonnenlicht auf sein Gesicht, das seine bleichen Gesichtszüge erhellte, die in starkem Kontrast zu seinem rabenschwarzen Haar und seinen noch schwärzeren Augen stand. Am unteren Ende seines Kinns war eine keilförmige Narbe zu sehen – ein Andenken an einen Selbstmordattentäter, der sich ein paar Jahre zuvor in Ramallah vor ihm in die Luft gesprengt hatte. Die Narbe diente ihm als tägliche Erinnerung an seinen immerwährenden Kampf.

Nachdem er sich den Helm wieder auf den Kopf gesetzt und die Brille unter seinen Schulterriemen geklemmt hatte, legte der Teamführer seine Waffe für den tödlichen Schuss an, woraufhin er hysterisches Betteln von zweien der Araber erntete, die ihn um Vergebung anflehten. Der Wunsch, das Paradies zu betreten, hatte sie wohl verlassen.

Als die Minute verstrichen und Allah noch immer nicht erschienen war, schwenkte er den Lauf seiner MP5 langsam von einem Araber zum nächsten, so als müsse er sich erst noch entscheiden, wen von ihnen er als Erstes ins Paradies entsenden würde, und sprach sie auf flache und gefühllose Weise an.

»Wenn Ihr Allah seht, dann richtet ihm aus, dass Yahweh euch geschickt hat«, sagte er. Dann betätigte der Teamführer ohne zu zögern oder einer Spur von Reue den Abzug.

Als alles vorbei war, hallten die Gewehrschüsse noch durch die Talsenke, bis sich ihr Echo in der Ferne verlor und nichts weiter außer dem sanften Rauschen des Wüstenwindes zu hören war.

Der Teamführer schloss seine Augen, sog tief den Geruch von Kordit, der schwer und metallisch in der Luft hing, durch die Nase ein und genoss den Moment.

Der jedoch nicht lange andauerte, denn die Stimme einer seiner Männer rüttelte ihn auf.

»Sollen wir sie begraben?«

Der Teamführer öffnete die Augen. Der Moment war verflogen. »Nehmen Sie sich zwei Männer und verteilen Sie die Leichen«, befahl er mit einem leichten Akzent in der Stimme. »Und dann begraben Sie sie tief. Das Letzte, was ich jetzt gebrauchen kann, sind Kojoten, die die Leichen wieder ausbuddeln.«

»Jawohl, Sir.«

Der Teamführer trat einen Schritt auf die Leichen zu und musterte den Ausdruck auf ihren Gesichtern. Nicht ein Einziger von ihnen schien in Frieden zu ruhen. Stattdessen schien sich auf jedem Gesicht etwas abzuzeichnen, was der Teamführer als Überraschung angesichts der eigenen Sterblichkeit deutete. Oder war es die plötzliche Offenbarung, dem jüngsten Gericht gegenüber zu stehen? Während er darüber nachsann, sah er noch einmal zum Himmel hinauf, als würde er dort Antworten suchen. Doch alles, was er bekam, war ein Streifen abnehmender Wärme, als die Sonnenstrahlen plötzlich von einer vorbeitreibenden Wolke verdunkelt wurden.

Er widmete sich wieder den Leichen der Araber und konnte sich nur fragen, ob sie wirklich glaubten, dass ihre von Gott befohlenen Handlungen mit einem Himmel voller Jungfrauen belohnt wurden.

Das war eine Vorstellung, die der Teamführer noch nie so richtig verstanden hatte. Seiner Ansicht nach hatte der Mensch von dem Moment an, da er der Ursuppe entstiegen war und aufrecht gehen konnte, auch das Selbsterhaltungsprinzip für sich entdeckt. Und doch waren diese Splittergruppen von einer selbstmörderischen Faszination getrieben, welche ganz eindeutig ihren Willen zum Überleben vernebelte. Für eine Sache zu kämpfen war das Eine; dafür zu sterben etwas anderes.

Mit dem Lauf seiner Waffe stieß der Teamführer einen der Araber an. Der Stoß ließ dessen Kopf zur Seite fallen.

»Jetzt hat die Schlacht begonnen«, raunte er dem toten Mann auf Arabisch zu. »Und jetzt verrate mir, welcher Gott wird der stärkere sein? Allah oder Yahweh?« Da er keine Antwort von dem Toten erwartete, drehte sich der Mann mit der Narbe um und lief zurück zu dem Heck des Lastwagens, in dessen Inneren er wieder die lange Rückfahrt zubringen würde.

Mit der MP5 auf seine menschliche Fracht gerichtet und während Al-Hashrie und Al-Bashrah mit neuentdeckter Dringlichkeit ihr Mantra vor sich herbeteten, sann der Teamführer über das Schicksal der beiden Männer vor ihm nach und versuchte vorauszuahnen, welchen Effekt sie auf das künftige Schicksal der zivilisierten Welt haben würden.

Ja, überlegte der Teamführer. Diesen beiden war eine weitaus größere Rolle in den Augen Allahs zugedacht.

Kapitel 2


Irgendwo über dem Atlantik | 22. September, morgens


Die Shepherd One ist die vatikanische Ausgabe der Air Force One, jedoch ohne das luxuriöse Drumherum der Privatmaschine des amerikanischen Präsidenten wie etwa einer Bar oder teuren Ledersesseln. Tatsächlich ist die Shepherd One ein gewöhnlicher Jetliner der Alitalia Airlines, der für päpstliche Reisen zur Verfügung gestellt wird. Die einzigen wirklichen Umbauten der Maschine beschränkten sich auf Sicherheitsmaßnahmen, um feindlichen Angriffen standzuhalten. Das Flugzeug verfügte über ein Ablenksystem gegen Wärmesuchraketen, Abfanggeschosse gegen Boden-Luft-Raketen und einen Laser-Jammer, mit dessen Hilfe sich besonders lasergelenkte Raketen stören ließen. Nach einem Anschlag auf das Leben von Papst Johannes Paul II. willigte der Vatikan ein, künftig für die entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen zu sorgen, die Alitalia Airlines natürlich nur allzu bereitwillig erfüllte.

Papst Pius XIII. saß im vorderen Teil der beinahe leeren 747 auf ihrem westlichen Kurs von Rom nach Dulles und studierte noch einmal den Reiseplan für seinen zweiwöchigen Besuch auf amerikanischem Boden. Immer wieder sah er dabei von seinen Aufzeichnungen auf, schaute aus dem Fenster auf die wie Glas und Lametta glitzernde Meeresoberfläche hinaus und dachte über die schwierige Aufgabe nach, die vor ihm lag.

Er hatte lernen müssen, dass Religion ein Geschäft war, das Glauben verkaufte. Und seitdem Politik und Banken den Kern und Rückhalt des Vatikans bildeten, dem er als Staatsoberhaupt diente, lag es in seiner Verantwortung, für Nachfrage nach dem Glauben unter den Menschen zu sorgen. Papst Pius musste die immer größer werdende Kluft zwischen der Kirche und den Menschen schließen, denn aufgrund des aufkeimenden Liberalismus und der Weigerung der Kirche, mit ihren konservativen Werten zu brechen, blieben immer mehr den Gottesdiensten fern, und überall auf der Welt lichteten sich die Kirchenbänke.

Dafür wollte und musste Pius in die Fußstapfen seines Vorgängers treten und das Verlangen nach Religiosität neu entfachen.

Es war nicht sein Bestreben, das Wort Gottes zu kommerzialisieren, sondern den Menschen zu versichern, dass Gott seine Kinder nicht im Stich gelassen hatte und sie immer noch uneingeschränkt liebte. Weder wollte er das Fegefeuer predigen, noch lag es in seinem Interesse, Moralpredigten zu halten, wie: »Gott liebt dich. Aber er würde dich noch viel mehr lieben, wenn du zur Kirche gehen und die alten Sitten und Gebräuche befolgen würdest.«

Er wollte nicht maßregeln oder Vorwürfe predigen.

Der Papst rieb sich die Augen, dann seufzte er, als wäre ihm urplötzlich klar geworden, dass dieses Unterfangen eine zu große Aufgabe für einen Mann seines Alters darstellte. Doch obwohl er sich erschöpft und gelegentlich auch entmutigt fühlte, trieb ihn doch die tiefverwurzelte Entschlossenheit an, die Menschen wieder für den Katholizismus gewinnen zu können und dem schwindenden Glauben entgegenzuwirken. Diesem Ziel war er treu ergeben, ganz egal, wie viel es ihm abverlangen oder welche Anstrengungen es kosten würde.

Seine Herausforderung bestand darin, die Relevanz jahrhundertealter christlicher Regeln einer Welt nahezubringen, die nach Evolution gierte. Die Kirche hatte auch in der Vergangenheit schon schwierige Zeiten überstanden, und deshalb wusste der Papst, dass sie auch in der Zukunft ihren Platz haben würde. Die schwierige Frage war jedoch, wie sich Einigkeit erreichen ließ. Während sich Papst Pius XIII. wieder seinem Reiseplan und den vorgeschriebenen Reden widmete, kam er zu dem Schluss, dass es am Ende wohl auf überzeugende Worthülsen hinauslaufen würde, um die Massen zurückzugewinnen. Fünf seiner besten Redner, allesamt Bischöfe des Heiligen Stuhls, dem administrativen Arm des Vatikans, würden ihn dabei unterstützen. Die Bischöfe wurden extra für solche Aufgaben vorbereitet. Sie würden ihm als Ratgeber dienen und verschiedene Szenarien durchspielen, die sich jeder Einzelne von ihnen ähnlich einem Hollywood-Regisseur ausdachte.

Dann traf ihn jedoch die Tragweite seiner Gedanken. War es wirklich das, was aus seiner Religion geworden war? Ein Schmierentheater?

Der Papst weigerte sich, diese entmutigende Feststellung anzuerkennen und lenkte seine Aufmerksamkeit wieder auf die Zeitpläne und die Ansprachen, die ihm seine Berater vorbereitet hatten. Als er die Augen schloss und das Abbild der Dokumente sah, das sich scheinbar auf das Innere seiner Augenlider eingebrannt hatte, entschied Papst Pius XIII., lieber aus seinem Herzen zu sprechen, als sich auf die Effekthascherei der päpstlichen Volksreden zu verlassen.

Er würde seine Seele sprechen lassen.

»Eure Heiligkeit?« Die Worte waren viel zu leise gesprochen, als würde die Person bereits nur den Umstand bereuen, die Ruhe des Pontifex gestört zu haben.

Pius öffnete die Augen und sah, dass Bischof Angelo vor ihm Platz genommen hatte. Der Mann besaß ein engelsgleiches Äußeres, mit teigig-weichen Gesichtszügen, die ihm ein kindliches Aussehen verliehen, und wenn er lächelte, offenbarte er dabei eine Reihe kerzengerader und blütenweißer Zähne.

»Es tut mir sehr leid«, begann er entschuldigend. »Sie haben geschlafen, oder?«

Der Papst schüttelte den Kopf. »Ich habe nur nachgedacht.« Dann, nach kurzer Überlegung,

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