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Der verratene Himmel: BsB_Fliegerroman aus dem Zweiten Weltkrieg

Der verratene Himmel: BsB_Fliegerroman aus dem Zweiten Weltkrieg

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Der verratene Himmel: BsB_Fliegerroman aus dem Zweiten Weltkrieg

Länge:
666 Seiten
7 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Dec 4, 2014
ISBN:
9783864661303
Format:
Buch

Beschreibung

Sommer 1944 an der polnisch-russischen Front. Das letzte Aufgebot der deutschen Jagdflieger wird in die hoffnungslose Endphase des Luftkriegs geschickt: junge Männer, der Schulbank kaum entwachsen. Sie haben das ganze Leben noch vor sich und jede Sekunde den Tod vor Augen. Fliegen aus Leidenschaft und Idealismus – Sterben "für Führer, Volk und Vaterland".

Michael Braack ist einer dieser jungen Männer, in deren Gesichtern das Grauen des Krieges seine Spuren hinterlassen hat – einer jener verratenen Generation, die um ihre Jugend betrogen wurde. Auch er ist ein begeisterter Flieger, doch aus seiner Liebe zum Fliegen wird im blutigen Alltag der Alarmstarts und Abwehrschlachten gegen die Übermacht der alliierten Bomberverbände der unheroische Kampf ums nackte Überleben. Seine Kameraden schießen den anonymen Gegner ab, um nicht selbst abgeschossen zu werden, ja, einige von ihnen brüsten sich sogar – aus Verzweiflung oder Verblendung – ihrer Siege und Auszeichnungen. Für sie ist Braack, der sich dagegen wehrt, den längst überfälligen Abschuss zu "liefern", ein verdächtiger Außenseiter – schon seine zukunftslose Liebe zu der Luftwaffenhelferin Maryla, die trügerische Idylle in den masurischen Wäldern, ist Verrat in einer Männerwelt, in der der Einzelne zur Tötungsmaschine reduziert wird.

Rudolf Braunburg, der selbst als Zwanzigjähriger Jagdflieger an der Ostfront und nach dem Zweiten Weltkrieg Transatlantikkapitän bei der Lufthansa war, hat mehr als dreißig Jahre gebraucht, bis er 1978 diesen erschütternden Erlebnisroman der Jagdflieger aus dem Zweiten Weltkrieg schreiben konnte. Michael Braack ist eine fiktive Gestalt; das Jagdgeschwader 99 und den Feldflughafen Grojecko hat es so nicht gegeben. Doch es gab die mörderischen Kurvenkämpfe, die Todesängste und das Sterben im Cockpit der Jagdeinsitzer. Rudolf Braunburg war dabei. Dieses Buch stellt die Summe seiner Erfahrungen dar – es ist ein authentischer Kriegsroman gegen den Krieg, wirklichkeitsnäher als so manches Sachbuch.
'Ich habe die negative Seite des Krieges kennengelernt – es gibt keine positive', sagt Rudolf Braunburg.
Herausgeber:
Freigegeben:
Dec 4, 2014
ISBN:
9783864661303
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Der verratene Himmel - Rudolf Braunburg

B.

Ach, Mutter, im Traum

Habe ich einen Engel

mit weißen Flügeln gesehen,

Der Gewehre zerlegt,

Kanonen zerschlägt,

Sie alle in Brand setzt,

Zu Asche werden lässt.

Ach, Mutter, im Traum

Habe ich einen Engel

mit weißen Flügeln gesehen,

Er nahm die Asche in die Hand,

Verstreute sie im ganzen Land.

Plötzlich begann die Asche zu leben,

Als Taube am östlichen Himmel zu schweben.

Gasub Sirchan, 14

Aus dem arabischen Dorf Kfar Jaffia

Vorwort

Herbst 1944: Im Westen hat die alliierte Invasion begonnen. Im Osten stehen sowjetische Verbände zum Kampf um Ostpreußen bereit. Ein britisches Geschwader von 200 Bombern hat Königsberg angegriffen. Der Bombenterror über Deutschland erreicht seinen Höhepunkt.

Das Jagdgeschwader 99 dieses Romans hat es nicht gegeben. Der polnische Ort Grojecko ist nicht mit dem Ort der Romanhandlung identisch. Aber es gab die jungen Jagdflieger, die sinnlos gegen die Übermacht der Bomberpulks eingesetzt und in eine verlorene Schlacht geworfen wurden. Es gab die mörderischen Kurvenkämpfe, die Todesängste und das Sterben im Cockpit der Jagdeinsitzer. Der Autor war dabei; dieses Buch stellt die Summe seiner Erfahrungen dar.

Wo heute noch lebende Persönlichkeiten erwähnt werden, geschieht dies weder zum Zweck der Diffamierung noch der Heroisierung. Die geäußerten Meinungen über diese Persönlichkeiten erheben keinen Anspruch auf objektive Wahrheit. Sie sollen aber die damaligen Stimmungen, Proteste und Gerüchte wiedergeben und sind in diesem Sinn authentisch.

Der Autor dankt seinen zahlreichen Freunden, die ihn unterstützten und die im Unterschied zu den wenigen, noch heute populären Ritterkreuzträgern mit den zahlreichen Abschüssen immer nur selber abgeschossen wurden. Er hat, wie sie, die negative Seite des Krieges kennengelernt und ist der Meinung es gibt keine positive.

»Flieger sind in allen Armeen der Welt feine Leute, extravagante Tiere; sie haben einen Sonderstatus, der nicht nur durch die Kostspieligkeit ihrer Ausbildung bedingt ist, auch durch die Romantik, die gelegentliche Kühnheit und das in vielen Fällen unverkennbare Sportliche ihres Tuns und Seins.

Heinrich Böll

»Flieger fühlen sich als Elite...«  Georg Leber

»Hitler glaubte, dass die Jägerpiloten ein feines Leben hatten. Sie lebten in ihren Messen, um gelegentlich zu fliegen und dann und wann mit dem Gegner ein ritterliches Duell auszutragen.«

General Milch an Adolf Galland

»Der Jagdflieger bleibt, bis er entweder seine Munition verschossen, den Gegner abgeschossen hat, er selbst abgeschossen wurde oder seine Maschine fluguntauglich geworden ist.

Dienstvorschrift luftkampftaktik der Royal Air Force

Von dem Jagdeinsitzer Focke-Wulf 190 wurden während des Krieges 20001 Maschinen produziert.

Im Zweiten Weltkrieg verlor die Deutsche Luftwaffe 44065 Flugzeugbesatzungen. Weitere 28000 Piloten wurden verwundet, 27610 gefangengenommen oder vermisst.

Erstes Buch

»Ich habe meine Auszeichnungen abgelegt. Ich werde sie nicht wieder anlegen, bevor die deutsche Luftwaffe sich so einsetzt und schlägt wie damals, als ich hohe Auszeichnungen dafür erhalten habe. Es bleibt aber dabei; ich befehle: die Jägerei setzt sich ein bis zum letzten Mann. Das werde ich rücksichtslos durchsetzen. Tut sie dies nicht, dann geht sie in den Infanteriekampf. Um die Verluste der Jäger kümmert sich das deutsche Volk einen Dreck.«

Reichsmarschall Hermann Göring am 7. 10. 43 auf dem Obersalzberg

1. 

Der Tag beginnt wie eine Bombe: Peng, mitten hinein in die Frühstücksrunde. Leibnizkeks und echter Bohnenkaffee wirbeln mit Mann und Maus und Milchsuppentellern durcheinander. Wir stürzen an die Maschinen. Alarmstart!

Der Befehl dazu kommt aus den allgegenwärtigen Lautsprechern. Sie hängen in den Kasinos, an den Barackendächern, in den Linden der Horststraße und, natürlich, am Platzrand. Eben war da noch eine nassforsche Evelyn Künneke, die ihr Sing, Nachtigall, sing über die nachtigallosen, nach Desinfektionsmitteln stinkenden Dachpappendächer rauschen ließ. Dann schaltete sich der Drahtfunk ein: Feindliche Kampfverbände dringen von Süden in den Raum Kattowitz und Oppeln vor...

Und jetzt ist da das Scheppern, Knarren und Knacken des aufgeschalteten Stabs-Gefechtsstandes, der im internen Geschwaderjargon BK -m – BE heißt: Blinde Kuh mit Blecheimer. Denn so weitsichtig sind oftmals seine futuristischen Planungen, so akustisch ansprechend würgt sich die Befehlsstimme durch Draht und Äther. Keine Nachtigall mit Gold, sondern eine Krähe mit Weißblech in der Kehle.

Und wir also hinaus in den betörenden Frühherbstmorgen, hinein in die Kombi, Rückenfallschirm umgelegt, die immer hilfreichen Ersten Warte halten, hieven hoch, helfen nach... Und da ist Ketsch neben mir, verstellt mir schon fast den Weg. »Sie doch wohl nicht, Braack!«

Mein hochaufgesprudelter Unternehmungsgeist fällt schnell zusammen. Eine neckische Parkfontäne, der die Städtischen Wasserwerke den Saft abdrehen.

»Ich fühle mich durchaus...«

»Wie ein junger Gott mit Doppelsternmotor. Wissen wir. Aber Ihr Urlaub geht erst morgen früh zu Ende!«

»Geschenkt!«

»Sie steigen mir in keine Hundertneunzig, bevor Sie nicht durch meine Hände gegangen sind. Das ist ein Befehl!« Ketsch, Staffelkapitän, sieht ungeduldig hinter den Vorbeispurtenden her. »Mann, Sie waren zehn Tage weg. Sie wissen doch kaum noch, wo der Steuerknüppel sitzt. Dies hier ist kein Sandkastenspiel! Kein Netz, kein doppelter Boden! Keine Himbeersoße – das Blut ist echt! Sie haben bis zu meiner Rückkehr Startverbot! Ist das klar?«

Jetzt müsste ich ihn mit strahlenden Augen fest anblicken und ein zackiges Bekenntnis loslassen, das Protest und Verpflichtung gleichermaßen ist. Irgendeinen markigen Satz mit sehr viel Leben, Opferbereitschaft und Dasmachenwirschon – diese Art von fotogener Propaganda-Kompanie-Tour. Statt dessen würgt der niedere Teil meines gespaltenen Ichs derartige Äußerungen im Keim ab.

»Kapiert?« drängt Ketsch.

Niederes Ich an alle übrigen Ichs:

»Jawohl, Herr Hauptmann!«

Sie hat sich im Dunst des heraufdämmernden Morgens aufgelöst, meine Staffel.

Sie ist querfeldein mit anderen Staffeln über den Feldflugplatz gedonnert. Pulle rein und dem Feind entgegen, und nach dem Abheben hat man sich gesammelt, hat mühsam Fast-Zusammenstöße vermieden; einer hat aus purer Nervosität zu früh die Bordwaffen entsichert und aus Versehen schon mal auf alle Knöpfe gedrückt: kleiner Feuerzauber zum schrecklichen Ergötzen der Umfliegenden.

Einer ist überhaupt erst gar nicht gestartet: Brenneisen aus der 1. Staffel. Kleiner Motorbrand beim Anrollen, der Wart kommt mit dem Löscher dazu und hält drauf, als wolle er einen ganzen Pulk russischer Panzer vernichten. Für Brenneisen ist der Krieg für heute schon wieder aus.

Ich wende mich vom Rollfeld ab und schlendere die Horststraße zurück zum Ausgang und auf meinen Lieblingshügel, von dem aus man den ganzen Fliegerhorst überblicken kann: Grojecko, Feldflugplatz für das Jagdgeschwader JG 99 Steppenadler. Lenz und ich haben uns auf den Namen >Thymianhügel< geeinigt. Während des Sommers waren seine Hänge mit violetten Blüten übersät. Jetzt strecken sich nur noch die langstieligen, spindeldürren goldgelben Blüten des Zindelkrauts in die Morgenluft. Sie ist kühl, der Himmel klar.

Ich lausche hinter dem Geschwader her wie auf geheimnisvoll geflüsterte Botschaften: was wird ihm dieser Morgen, dieser Start, dieser Einsatz bringen? Vor mir liegt der Fliegerhorst wie eine flüchtig hingekritzelte Fünf. Am unteren Ende Eingang und Wache.

Vor drei Stunden, als ich ankam, hat der Posten gefordert: »Ausweis, bitte!«

Soldbuch gezückt und vorgezeigt.

»Oberfähnrich Braack, dritte Staffel.«

Der mickrige Obergefreite vom Bodenpersonal, Akne im missmutigen Gesicht, hat mir seltsame Blicke zugeworfen, das Soldbuch nicht beachtet.

Die Horststraße zieht sich von diesem unteren Anfang der Fünf mit Schwung und einer einzigen Kurve westwärts. In ihrer Krümmung sind die wichtigsten Unterkünfte eingeschlossen: Kasino, Lehrsäle, Baracken, Horstkommandantur. Dahinter knickt die Straße senkrecht und kerzengrade nordwärts, um dann genauso rechtwinklig zum waagerechten Strich der Fünf nach Osten abzubiegen. Daran grenzt der Flugplatz, seine Sumpfgraspiste leicht von Südwest nach Nordost gestreckt. Aber im Alarmfall, wie soeben, wird aus allen Richtungen gestartet, sozusagen aus dem Stand heraus; denn die Jagdmaschinen sind geradezu minuziös gleichmäßig um den ganzen Platz verteilt.

Dies ist meine Welt.

Besser: dies wird meine Welt erst richtig werden! Grojecko liegt wie eine Insel in der Gabelung der Piliza, die irgendwo weiter nordöstlich von hier und nördlich von Radom der Weichsel ungetrübtes Wasser zuführt. Die Piliza wirkt von meinem hochgelegenen Beobachtungsposten aus wie ein breiter Bach mit Miniatursandbänken. Brackiger Boden, versumpfte Erlenwiesen umgeben die Insel Grojecko, ihre Fünf treibt wie auf modrigem Untergrund. Die einzige Verbindung mit dem Festland, mit der äußeren Welt, bildet die Zufahrtsstraße an der Wache vorbei.

Ich schlinge die Arme um die angezogenen Knie. Hinter meinem Rücken schlängelt sich die Bahnlinie nach Petrikau weiter. Hier bin ich vor drei Stunden aus der asthmatischen Kleinbahn gesprungen. Grojecko ist keine Bahnstation, nicht einmal für ein Lokalbähnle. Leinenkoffer und Rucksack raus, nichts wie hinterher. Wozu haben wir wochenlang Fallschirmabsprung, federndes Aufsetzen und Rolle vorwärts geübt, wenn auch nur primitiv und wenig realitätsgerecht an Sprungturm und Sandkasten?

Als ich vor zehn Tagen den Horst verlassen habe, hat bleigrauer Staub Bäume, Gräser und Dächer verschmiert. Ging die Sonne auf, hat sie sich sofort entsetzt wieder im Dunst verkrochen, der schwer die Flussniederung verhängte.

Jetzt ist die Sicht endlos, der Himmel weit.

Ich atme tief durch: erster Herbsttag. Eigentlich hätte ich – sechstes Kriegsjahr, totaler Krieg, Frauen in Munitionsfabriken und Jägerleitstellen, Krüppel und Kinder an der Front – nach vier Urlaubstagen wieder zurück sein sollen. Statt dessen knallte mir auf dem heimatlichen Gutshof meine Mutter ein Rübensaftfass dermaßen wirksam auf den linken Fuß, dass der seit dreißig Jahren für unser Haus zuständige Arzt, ein Dr. Balzulat aus Lötzen, meinen Rücktransport nicht verantworten zu können glaubte.

Erschöpft, übelgelaunt und nervös in den Himmel horchend, rupfe ich Gräser aus. Durch meine verspätete Rückkehr zur Staffel haben sich Gräben aufgetan. Eine einzige Woche Verzögerung, und kein Zweifel: ich habe Jahre verträumt.

Die Alten sind nicht mehr die alten. Man spürt das nach dem ersten Händedruck, dem ersten blöden Landserwitz auf der Doppelbettkante in der Baracke. Dazu der Blick des Postens mit dem französischen Beutegewehr – als hätte man den Jagdschein und Idiotenfreiheit! Ist im Horst die Pest ausgebrochen und die totale Isolation ausgerufen worden? So etwa fühlt man sich, wenn man die ganze Nacht im Fronturlauberzug verbracht hat, mit Fliegeralarm bei Allenstein und Umwegen, weil Warschau schon in russischer Hand sein soll, und Anquetschen, Angrapschen und Abtasten. Rucksack an Rucksack, Schweißgeruch an Schweißgeruch. Sie hieß Adelheid und roch nicht besser als Landser und Flieger – aber wenigstens weiblich.

Mein Gesicht fühlt sich verdreckt und klebrig an. Meine Seele, sozusagen, auch. Der junge Adler kehrt heim! Vier Wochen habe ich hier schon in der Ausbildungsgruppe durchgebracht. Waffenlehre: die Maschinenkanone MK 108, das Maschinengewehr MG 51. Bewaffnung einer russischen Yak-7 Schießlehre: Beschleunigung, Vorhaltewinkel. Technik: der BMW – 801-Doppelsternmotor... Urlaub vor dem Fronteinsatz. Rückkehr... Und da ist Lenz, der mir, kurz vor dem Frühstück mit eingebautem Alarmstart, zugeflüstert hat, es sei alles, alles ganz anders.

Hinter dem Platz dehnen sich Steppen und Wälder bis zum Horizont. Und jetzt, wie eine lautlose Vibration zunächst, erregt mich etwas, das aus dieser Endlosigkeit im Morgenglast heranzukommen scheint. Fremd und vertraut zugleich... Eine Hundertneunzig! Rückkehr vom Einsatz? Eine Anton-Acht, wie wir sie jetzt fliegen, hat eine Reichweite von mehr als 800 Kilometern. Sie kann über zwei Stunden in der Luft bleiben, die Staffel noch nicht zurückkehren.

Kein Zweifel, eine Hundertneunzig nähert sich. Wegen dieser Maschine hat mir der verlängerte Urlaub, haben mir Bärenfang und Räucherschinken nicht mehr geschmeckt. Sie ist das Instrument, mit dem ich meinen Kindheitstraum verwirklichen kann.

Aufspringen, zurückrennen zum Platz. Die Asphaltstraße wölbt und ringelt sich wie der gepanzerte Rücken eines Sauriers. Die Hitze des polnischen Trockensommers von 1944 hat Blasen abgelöst, die jetzt wie Warzen und Geschwüre wuchern.

Das Summen schwillt an. Leichter Dauerlauf, vorbei an den Steinbauten der Kantine, der Unterrichtsräume, des Offizierskasinos. Der Backsteinbau der Lehrsäle vornehm zurückversetzt. Vor dem Kasino die ewige Pfütze vom Dienst. Leichter Schilfbewuchs an zahlreichen Sumpflachen erinnert daran, dass hier ein Bach geflossen und eingetrocknet ist. Kein Wunder bei den verdammten Staubsommern, wie sie in Polen häufig sind. Vorbei an der eigenen Baracke, nichts rührt sich. Die ganze Staffel irgendwo fern am eisengespickten Himmel.

In den Pappeln davor, in den Kasinolinden und verwilderten Moorbirken singt eine ganze Armee von Amseln.

Als ich den Platzrand erreiche, sehe ich sie.

Sie hängt schon querab und kurvt zur Landung ein. Inzwischen hat sich auch die Sonne frei und ungetrübt über die höchsten Dächer und Baumwipfel erhoben. Da steigt sie, die Sonne Polens, und erhellt den Feldflugplatz Grojecko. Geduckt schleichen die letzten Dunstschleier über der Flussniederung davon. Der wolkenlose Morgen ist endgültig da. Septembertag im sechsten Kriegsjahr 1944.

Jetzt erkenne ich unser Staffelzeichen: zusätzlich zum Geschwader« Steppenadler die Moorbirke, eine Idee von Ketsch, der wie ich aus Masuren stammt. Der Pilot ist ein Könner, das sieht man. Wie er gezielt in die richtige Landeposition drückt – kein Zaudern, kein Nachkorrigieren: druff und hinein!

Tief und gekonnt an den Platz rangezogen, nach feiner Jägerart. Wuchtig wächst die steil auf gerichtete Motorhaube heran. Fahrwerk aus über der Birkengruppe am Schwansee. Genau dort, wo auch ich die Beine rausgeschmissen hätte.

Kurzer Seitenblick auf den Windsack: abgeschlafft wie nach langer Weibernacht; Tendenz lustlos.

In fünf Sekunden, spätestens, wird sie aufsetzen, die Hundertneunzig, mein Traumflugzeug. Aus welchen Gründen auch immer.

Und dann, in vorletzter Sekunde, erkenne ich alles. Tausend Gründe!

Tragflächen-Vorderkanten, Fahrwerkverkleidungsbleche und Motorhaube sind schlimmer durchlöchert als das Teesieb meiner Mutter. Das alles ginge noch, offenbar lässt sich damit leben, damit fliegen. Schlimmer ist: die Fahrwerkbeine sind gar nicht eingerastet, können gar nicht einrasten, weil die kurzen Verriegelungsstreben fehlen. Zerschossen, zerfetzt.

Wild winkend springe ich auf die Piste.

»Ziehen!« schreie ich.

Der Unglücksstoffel zieht auch. Aber nur, um möglichst sanft aufzusetzen. Er setzt auch sanft auf, aber nur, um nicht ganz, ganz langsam zu Boden zu gehen; denn er weiß nichts von seinem Glück – die optische Anzeige scheint nicht zu funktionieren, und die Tragfläche ist schließlich nicht durchsichtig wie Plexiglas.

Und jetzt scheppert Metall gegen Stein, die malträtierte Luftschraube wühlt sich ins Gras. Erdbrocken wirbeln. Sandfontänen strudeln. Dann, wie im Zeitlupentempo, richtet sich das Heck auf wie der trotzige Stummelschwanz eines aufgeregten Terriers. Überschlag, dumpfer Aufprall, die Maschine knallt auf den Rücken. Es splittert mit grässlichen Knartsgeräuschen. Stille. Tödliche Stille. Endlos lange Stille. Endlos lange, tödliche Stille.

Dann steigt eine Wolke von Staub auf. Dann flattert ein Fetzen Metall wie eine Feder herab. Dann gleitet die Cockpithaube spät und sanft ins Gras.

Ich löse mich aus der Erstarrung und renne los. Das Feld ist nass und sumpfig. Unsinnige Fragen beim Vorwärtsjagen: Woher kommt der viele Staub? Hat der Pilot Mehlsäcke transportiert? Lässt sich die Cockpithaube noch als Ersatzteil für andere Maschinen verwenden? Krampfhafte Verdrängung der Hauptfrage.

Ich erreiche die unglückselige Maschine, da plumpst der Pilot wie ein Sack aus den Gurten. Bleibt eine Schrecksekunde lang reglos unter der Maschine liegen. Schiebt sich seitlich unter dem Wrack hervor. Springt auf die Beine und klopft sich – immer fein aussehen und Haltung wahren – die Kombi ab. »Alles in Ordnung, Mann?«

Da ist es Lenz. Wir fallen uns, mehr unfreiwillig als freiwillig, in die Arme. Da kommt auch, endlich, die Horstfeuerwehr herangejagt. Gott schuf die Erde in sechs Tagen; von Beeilen hat er nichts gesagt.

Und Lenz, mit leicht verglastem, geschocktem Blick, fragt: »Kann ich jetzt endlich in Ruhe zu Ende frühstücken?« Zurück zu Dauerwurst, Kommissbrot, Leibnizkeks. Die Küche hält noch immer einen Nachschlag Milchsuppe mit Nudeleinlage bereit.

Aber wie sehen die Leute aus, die nach bestandenem Luftkampf eintrudeln! Gesichter in allen Schattierungen von Nachtschattengrau bis Leichenkotzgrün. Nur das frisch-fröhliche Morgenrosa eines begeisterten Vaterlandskämpfers fehlt. Die matten Augen haben sich in tiefe Höhlen zurückgezogen.

Und weil sie noch in ihren Kombis sind, stinken sie auch ganz ordinär nach Schweiß. Nein, nicht nur nach Körperschweiß. Da vibriert etwas mit, das ihre Seele ausgeschwitzt hat: Angst. Ich schiebe Lenz Brot und Rübensaft und Zementwurst zu; und Lenz redet zusammenhangloses Zeugs, das mit seinem bestandenen Kampf, seinem Bruch weniger zu tun hat als eine amerikanische Fortress-Formation mit einem Friedensengel. »Mensch... Unbeschriebene Blätter sind wir doch... Wir brauchen keine Knarre durchs Gelände zu schleppen... Prima, was? Keine durchgelatschten Fußlappen, keine primitiven Latrinen mit Donnerbalken!«

»Komm, friss!«

Meine Käseportion kriegt er auch noch. Sie zerbröckelt unter dem Messer wie zusammengepfuschter Mörtel, der zu lange in der Sonne gelegen hat. Dafür gibt er mir von seinem Bohnenkaffee ab, er würde lieber Tee trinken, wenn er nur welchen hätte. Der Bohnenkaffee ist zwar so ausgedünnt, dass er wie Muckefuck schmeckt, aber das Attribut echter schwebt in den Dampfkringeln wie der heilige Geist über den Wassern von Babylon.

»Wir brauchen hier auch keinen Vorbeigang in grader Haltung zwecks Ehrenbezeigung durch Anlegen der rechten Hand an die Kopfbedeckung zu üben... Mann, Michael, weißt du noch, wie wir mal Blutsbrüderschaft getrunken haben?«

»Himmel! Daran hab ich heute schon mal denken müssen!« »Du hast mir schwören müssen, Pilot wie ich zu werden. Nur, damit wir auch im Krieg zusammenbleiben können! Eigentlich wärst du viel lieber bei deinem Lehrerberuf geblieben. Und bei deinen Gedichten und Tagebüchern.«

»Immerhin, heute bin ich ein begeisterter Pilot...«

Ich versuche mir die Bilder ins Gedächtnis zurückzurufen – wie wir damals als zwölfjährige Pimpfe unter dem Kruschkenbaum . . Ich komme nicht weit. Die Sirene heult los, als ob sie von einem ganzen Rudel Waldfaune vergewaltigt wird. Fliegeralarm !

Alles stürzt fluchend wieder los. Was jetzt?

Lenz knallt die Faust auf den Tisch. Sogar der klebrige Rübensaft schwappt über.

»Gott verdammt und heiliger Ikarus, kann man denn hier nie in Ruhe frühstücken?«

Ich spurte erst mal mit los, Richtung Feld.

»Ikarus war kein Heiliger, sondern ein waghalsiger Pilot, der den ersten Flugunfall Griechenlands verursacht hat!«

Diese Geistreichelei hilft mir auch nicht an der Erkenntnis vorbei, dass ich noch immer kein Flugzeug und noch dazu Startverbot habe.

»Wir starten auch nicht«, erläutert Lenz. »Wir rollen nur unsere Maschinen in die Splitterboxen! Das sind Russen, die da im Anmarsch sind!«

Wir keuchen nebeneinanderher.

»Und die Russen, die greift ihr nicht an? Nur die Amibomber?«

»Richtig. Wohin rennst du eigentlich? Mach, dass du in den Keller kommst!«

»Aber das ist doch Wahnsinn! Statt mit fünfzig Maschinen querbeet in die Splitterboxen zu rollen, braucht ihr doch nur mit einer einzigen Staffel zu starten, um die paar russischen Tiefflieger zu erledigen. Dafür sind wir doch mal ausgebildet worden!«

»Das ist nicht Wahnsinn. Das ist Steffen!«

Das ist Steffen, unser Geschwader-Kommodore. Den Namen habe ich heute schon ein paar mal murmeln hören: Ist es auch Wahnsinn, hat es doch Methode. Hat es Methode, so ist es Steffen .

Da sind die Russen. Ab in den Keller! Drei Jäger preschen, Bäumchen, Häuschen, Maulwurfshügel, im Tiefstflug heran. Die Hunde sollen ja meine geliebte Birkengruppe am Nordostrand nicht mitnehmen! Ich lasse die Herren Obergefreiten, Hauptfeldwebel, Küchenbullen und Furiere vorbei in den Keller ziehen und beobachte fasziniert das Schauspiel, wie drei Russen mehr als vierzig Focke-Wulf in ihre Splitterboxen scheuchen. Vierzig Piloten, die sich eben noch mehr oder weniger tapfer mit amerikanischen Bomberpulks herumgeschlagen haben, ergreifen die Flucht und holpern mit ihren unbeholfenen Monstern über Feld – und Wiesenwege, um sie einen halben Kilometer weiter zwischen verfaulten Getreidegarben, verstoppelten Äckern und Schafställen in die Boxen zu rollen.

Der wohltrainierte Erkennungsdienst in meinem Gehirn signalisiert: Reihenmotor mit Riesenölkühler unter Rumpf. Kein einziehbares Spornrad. Großer Lufteinlass hinter Propellernabe. Ziel erkannt, Gefahr benannt: Mikoyan-Gurevich-Jäger vom Typ MiG-3!

Graue Staubfontänen auf dem Platz. Dann erst die Akustik: die rasenden Hammerschläge der MGs. Ein Auto bäumt sich in Flammenfontänen auf: der Kübel-VW vor der Stabsbaracke. Erster Angriff schon vorbei. Kehrtwendung. Jetzt bellt auch die leichte Horstflak auf: Guten Morgen allerseits, wünsche wohl geruht zu haben!

Was werden die Iwans und Gregors und Nikolais beim zweiten Angriff schaffen? Mindestens ein halbes Dutzend unserer Hundertneunzigs, die jetzt wie aufgescheuchte Küken durch blaublühende Wald – und Wiesenwege davon holpern. Sie schaffen es, eine glühende Feuernaht mitten durch den Platz zu treiben, ohne auch nur ein einziges Flugzeug zu treffen. Wieder bellt die Vierlingsflak auf dem Betonturm neben der Flugleitung. Freilich auch, ohne einen einzigen Iwan zu treffen. Wieder geht ein VW in Flammen auf, hebt sich vorher mit allen vier Profilreifen gleichzeitig vom Boden und fällt, puff, als Feuerball farbenreich in sich und seine Bestandteile zusammen. Was haben die alten Kübelwagen den Russen getan?

Dritter Angriff. Wollen sie diesmal die Barackendächer absägen ? Die ersten Hundertneunzigs haben die Boxen erreicht; jetzt geht der Schafstall in Flammen auf. Und da waren, wer hätte das gewusst, sogar noch Schafe drin! Die springen nun mit grotesken Sprüngen blökend und bähend ins Freie, den Hundertneunzigs zwischen die Räder. Die Horstflak kann gar nicht so tief halten, wie die MiGs fliegen, und hat Angst, die eigenen Maschinen zu treffen. Eine MiG kommt ganz dicht an mir vorbeigezischt. Deutlich erkenne ich den schwarzen Haubenkopf hinter dem Plexiglas. Unter der Haube kyrillische Buchstaben aufgemalt, die ich mir einpräge:3A POflHHY.

Dann entschwinden sie ungeschoren hinter Birken und Mooren und Steppen und in den östlichen Horizont hinein. Stille und Frieden kehren zurück.

Die Hundertneunzigs mühsam genug, auch! Man sieht schon auf den ersten Blick: mindestens fünf sind steckengeblieben, haben Bruch gemacht, die Räder in die Maulwurfshügel vergraben. Eine steht auf der Nase: Luftschraube hin. So besehen, haben die Russen doch Erfolg gehabt.

An einer bestimmten Stelle, kurz vor der festen, sicheren Grasnichtsnarbe des Platzes, stoppen sie alle. Umrollen  lehmaufwirbelnd eine ganz bestimmte Stelle. Entwarnung; ich laufe hin.

Da liegt einer. Verrenkte, unnatürliche Stellung. Schreit nicht mehr. Ein Obergefreiter aus der Werft. Die Augen weit offen. Starr. Aber so strahlend im Morgenlicht, als blicke er tief durch den Himmel in eine bessere Welt hinein.

»Hier ist dein Rilke!« sage ich.

»Mein was?« sagt Schwaneweber.

Die Baracke, die Ölfarbenwände. Olivgrün mit den blutroten Tupfern erdrückter Wanzen.

Die Kameraden sind alle wieder da, heil zurück vom wievielten Fronteinsatz? Nur Lenz hat Bruch gemacht; die übrigen hatten nicht einmal Feindberührung, wie es im Jargon heißt. Adelheid im Fronturlauberzug – das war eine Berührung. Aber hier? Keine Zeit für Sophistereien; die Zeit muss Siebenmeilenstiefel angelegt haben, während ich in Masuren war. Keine Brücke mehr zurück.

Die Dielen knarren noch immer. Wenn ich meine Spindtür öffne, wackelt das Möbelstück wie bei einem mittleren Erdbeben. Die Füße der Doppelbetten stehen noch immer in Wasserschalen. Wegen der Wanzen. Dies ist meine Baracke. Dies sind meine Staffelkameraden. Sie hocken, nach dem Mittagessen aus Spinat und Spiegelei, wässerigem Nachtisch-Pudding mit künstlichem Karamellaroma, auf dem Bett oder am Wackeltisch.

Sie haben Herzlich willkommen gesagt. Gesagt, nicht gerufen. Wie hingeflüstert. Ironisch.

»Du wolltest ihn doch mitgebracht haben.«

»Rilke?« sagt Schwaneweber.

Sein schmächtiges, asketisches Gesicht ist noch bleicher als sonst. Dunkle Ringe unter den Augen. Er ist gelandet, heil, wie die ganze Staffel, meine Staffel. Nur Lenz hat die MG-Garbe einer zufällig vorbeihuschenden Mustang durchsiebt: Ölkühler, Fahrwerkschacht, Verkleidungsbleche. Nicht ihn also. Nur die Maschine. Man sagt: Es hat mich erwischt, am Leitwerk, am Benzintank, an den Reifen. Die vielzitierte Einheit von Mensch und Maschine – hier ist sie erreicht. Man blutet, wenn die Hydraulikflüssigkeit ausläuft!

»Du wolltest ihn doch mitgebracht haben!« wiederhole ich. »Natürlich. Danke.«

Schwaneweber nimmt ihn, mit bleichen, zartknochigen Fingern, legt ihn achtlos auf seine blaue Windjacke.

Da stehen, sitzen, liegen sie: Schwaneweber, Wehrmann, Wilk, Balzerat. Bächler, Rotsch, Illerts. Lenz und Lauritzen. Und ein Neuer.

»Wo ist Baltussen?« frage ich, klappe den Koffer zu und schiebe ihn mühsam zwischen mein Spind und das Schwanewebers. Meine Blicke schweifen unsicher zu dem Neuen hinüber, der vor dem Spind Baltussens steht. »Ist was passiert?«

»Eben!« sagt Rotsch, als erkläre das alles.

Schwaneweber scharrt mit den Füßen. Es knarrt bis ins schüttere Gebälk. Ich denke an den Posten. Jetzt sehen mich alle mit dem gleichen Blick an. Zehn Tage fort, und ein Fremder. Und wo ist Baltussen?

»Baltussen ist abgeschossen worden«, sagt Illerts. »Tot!« »Baltussen – tot?«

»Drei Einsätze. Sieben Tote.« Das war der Neue. »Sechs bei den anderen Staffeln. Nur einer hier. Baltussen. Ich bin der Ersatz. Krapinski.«

»Eigentlich«, ergänzt Lenz, »sollten wir uns ja freuen. Endlich Einsatz. Endlich Ende der Gammelei. Aber...«

»Baltussen«, sage ich tonlos. »Und er hat schon Anfang September lange Unterhosen angezogen, weil er sich nicht erkälten wollte.«

»Alles umsonst«, sagt Lauritzen leise. »Die haben ihm nichts genützt, die Langen.«

»Was hast du da?« frage ich.

Lauritzen versteckt seine Hände. Aber ich habe sie gesehen. »Brandblasen«, sagt Lau ritzen kurz.

Aus dem Radio klingt ein mäßiger Swing von Willy Berking. »Maschine in Brand geraten?«

Aber Lauritzen ist nicht bereit, Auskunft zu geben.

Stattdessen sagt Illerts: »Wenn du dich auf deinen Einsatz gefreut und gehofft hast, eine faire Chance zu kriegen: Hier bist du fehl am Platz wie ein Blitzmädel im Kloster.«

»Keine Chance!« sagt auch Schwaneweber dumpf.

»Als ich hier weggegangen bin, klang das alles ganz anders. Wir wollten endlich ran und fliegen wie die Götter!«

»Wie die Götter fliegen die anderen. Wir höchstens wie die armen Teufel!«

»Wir sind verkaufte Hunde und Schweine!« ergänzt Rotsch. Ich blicke der Reihe nach in die Gesichter, die mir während des vergangenen halben Jahres so vertraut geworden sind. Lauritzen ist der Kleinste und Schmächtigste, Schwaneweber der Sanfteste und Sensibelste. Vergeblich suche ich nach einer Spur der alten Mädchenhaftigkeit in seinen Zügen. Dann Illerts und Bächler, Durchschnittsgesichter, einander ähnelnd, aber grundverschieden, sobald sie den Mund auf machen. Bächler kann seine hessische Herkunft nicht verleugnen, Illerts hat eine hohe, sich leicht überschlagende Stimme und stößt, sobald er sich erregt, mit der Zunge an. Dann Rotsch, ein hochaufgeschossener, dunkelblonder Sportstyp, dem man gern und bequem alle Siege freiwillig überlässt. Schon in der HJ hat er als erster das goldene Leistungsabzeichen erworben. Hingegen Balzerat, der einzige Feldwebel: muskulös gebaut, massige Schultern, aber zu faul, den Strick durchzuschneiden, wenn man ihn aufhängen und ihm gleichzeitig ein Messer in die Lenden drücken würde. Am dicksten befreundet mit Wehrmann, Oberfeldwebel, kaum weniger wuchtig. Dessen Gesicht ist fast immer feuerrot, das Haar schlohweiß. Der einzige, den ich lasse. Schließlich stammen wir aus dem gleichen Ort und sind schon mit drei Jahren nebeneinander in die Sandkiste gesetzt worden.

Daneben Lenz, mit dem ich aufgewachsen bin, mit dem ich Blutsbrüderschaft getrunken habe. Keine größeren Gegensätze denkbar als zwischen uns beiden und Wehrmann! Und dann ist da noch Wilks, der immer Quietschlebendige, der an jedem Finger drei Frauen hat. Seine Sorge ist, wie er sie später, nach dem Krieg, juristisch und gesellschaftlich einwandfrei auseinanderhalten soll.

Lenz hat geduldig gewartet, bis ich mit meiner Gesichterprüfung fertig bin. Fast behutsam gibt er seinen Bericht zur Lage: »In den zehn Tagen, wo du weg warst, sind von diesem Horst dreiundzwanzig Einsätze geflogen worden. Alle gegen amerikanische Bomber. Ergebnis: Sechs Notlandungen, sieben Absprünge, neun Geschwadertote. Abschüsse: keine. Wiederhole: keine!«

»Ich hab schon achtzehn Einsätze«, sagt Wehrmann und grinst. »Ich bin schon einer von den ganz Alten!«

»Wir sind alle schon ganz alt!« flüstert Schwaneweber. »So alt,

älter können wir kaum noch werden!«

»Quatsch nicht!« unterbricht Balzerat grob, im Radio spielt jetzt Die Goldene Sieben: Senhorita Carioca.

Aus dem Film Zentrale Rio, denke ich; laut sage ich:

»Wenn wir keine Chancen haben, weshalb werden wir dann eingesetzt?«

»Eingesetzt? Verheizt! Gesiebt, geschnitten und versalzen!« »Wer verheizt uns?«

»Das Geschwader! Sein Kommodore! Steffen!«

Die Bucht von Rio. Zuckerhut, Copacabana. Palmen, braune Frauen, die sich in den Hüften wiegen – ihre verheißungsvollen Blicke. Eine ganze  Welt voller Klischees zieht an meinem inneren Blick vorüber.

»Kein Ende abzusehen!« Bächler! Nur, wenn er sich gemütlich zu Hause fühlt, spricht er hessisch. »Schlag dich heute mit einer Horde Mustangs rum – morgen kommen sie mit drei Horden Lightnings. Schlag dich morgen mit drei Horden Lightnings rum – übermorgen sind sie mit drei Horden Lightnings und drei Horden Mustangs gleichzeitig da! Keine Chance. Kein Ende!«

»Da gibt's was aus der griechischen Sage...« Illerts. »Schlag ein Haupt ab, sieben wachsen nach. So ähnlich! Je mehr Verluste sie haben, um so gestärkter erscheinen sie am nächsten Tag am großdeutschen Himmel.«

»Aber sie haben ja gar keine Verluste!« Bächler wieder.

Ich versuche, mein Fantasiebild von Carioca tanzenden Brasilianerinnen zu halten.

»Und das ist noch das Gute daran, sozusagen!«

Ich hocke mich auf den Rand meines Bettes. Raues Fichtenholz; über mir Lenz, der lässt die Beine baumeln. Aber selbst dieses legere Baumeln sieht nicht mehr so kindlich-unschuldig aus wie damals in der Ausbildungsstaffel, als wir uns wie besessen in unsere Hundertneunzigs stürzten, weil wir gar nicht genug Flugstunden kriegen konnten.

Dieser Platz ist immer mein Lieblingsplatz gewesen. Von hier aus öffnet sich durch das schäbige, verstaubte Barackenfenster der Blick weit über das Vorfeld, die Startrichtung hinaus bis zum Horizont. Zum Horizont und darüber hinaus. Dahinter kann alles liegen, was wir uns einmal in unserer kindlichen Einfalt erträumt haben: Und morgen, morgen gehört uns die Welt. In der Flieger-HJ habe ich immer gehört gesungen statt da hört. Denn ich wollte wirklich die Welt erobern, sie nicht nur besingen. Freilich nicht durch Waffengewalt. Sondern durch Unternehmungsgeist, Abenteuerlust, Forscherdrang. Sven Hedin, Mark Twain, Jules Verne hießen die Männer, die meine Fantasie beflügelt hatten. Der sehr schöne und starke Raddampfer >Quaker City< ist für die Unternehmung gechartert worden und wird New York am 8. Juni verlassen ... So hatte ich jeden meiner Starts empfunden.

»Ich bin also der Neue!« sagt Krapinski in die Stille hinein. Sehr junger Fähnrich, schmale Wangenpartie, hohe Stirn. Höchstens einundzwanzig. Baltussen ist älter gewesen, mindestens dreiundzwanzig. Keiner hat ihn gut gekannt – ein sehr schweigsamer Mensch. Anders schweigsam als Schwaneweber, als ich selber. Baltussen konnte eine komplette Großbaracke mit seinem eisigen Schweigen bis zur Unerträglichkeit erstarren lassen.

»Braack, Michael. Aus Lötzen!« sage ich.

»Fein!« sagt Krapinski. »Aber ich muss dir erst mal sagen, weshalb ich hier bin.«

»Das wissen wir doch: für Baltussen!«

»Nein!« sagt Krapinski.

Kurt Hohenberger spielt jetzt Granada, mit einem Klaviersolo von Georg Haentzschel.

»Doch!« sage ich. »Für Baltussen!«

»Nein!« sagt Krapinski. »Zähl doch mal nach.«

Ich zähle, stelle fest:

»Ohne mich war die Staffel schon vollständig. Baltussen tot. Ich an seiner Stelle. Weshalb bist du hier?«

»Als Ersatz!« sagt Krapinski. »Für den nächsten!«

Ich melde mich beim Stab zurück.

»Sie brauchen doch erst morgen früh zurück zu sein!« wundert sich der Spieß. Der weiß nicht, wie schön fliegen sein kann. »Na, ich melde Sie mal beim Staffelkapitän.«

Zehn Minuten später stehe ich wieder vor Hauptmann Ketsch. Ketsch ist mit seinen achtundzwanzig Jahren der älteste aller Staffelkapitäne. Seine neunzehn Abschüsse hat er sich, mit vier Ausnahmen, an der Ostfront geholt. Sie seien, betont er stets, genauso schwer erworben wie die westlichen. Die Ostfrontjäger stünden immer im Schatten der Größen von der Westfront, unberechtigterweise. Seine drahtige Gestalt zeigt, dass er ein sportlich durchtrainierter Bursche ist, fanatisch-begeisterter Flieger dazu. Ketsch gilt als hart, aber gerecht. Am härtesten ist er sich selber gegenüber – kein gefährlicher Einsatz, den er einem Unerfahreneren überlassen hätte. Sein knochiges Gesicht verzieht sich zu einem breiten Grinsen, als er mich sieht. »Fliegende Läuse im Hintern, wie? Oder Krach mit der Freundin?« Ketsch hält nichts von militärischen Vorschriften; er ist durch und durch Flieger. »Machen Sie sich's bequem, Braack!« Dann, als ich in einem Sessel (stinkfeines Beutestück aus einer polnischen Villa) Platz genommen habe: »Sie wissen wahrscheinlich schon, dass hier der Deibel los ist! Ihre Kameraden sind inzwischen uralte Routiniers geworden. Sie werden es auch bald sein – leider viel zu schnell.« Er schiebt sinnlos einen Marmor-Briefbeschwerer auf seinem Tisch hin und her. »Wenn Sie demnächst in diesem Theater da oben zwischen den Pulks hängen, werden Sie sich vorkommen wie gut geräucherter Katenschinken, von dem sich jeder Bordschütze und Amipilot nach Herzenslust absäbelt.«

»Ich habe gedacht, mit den Russen in nächster Nähe ist es sinnvoller, gegen sie eingesetzt zu werden.«

»Sparen Sie sich das Denken für die Zeit nach dem Sieg auf. Hier wird gekämpft! E cosi perche e cosi. Es ist so, weil es so ist! Sprechen Sie es nach!«

»E cosi perche e cosi!«

»Immer dran denken, Braack! Es hilft Ihnen über Dinge hinweg, bei denen Sie sonst den Verstand verlieren könnten.« »Ich werde dran denken!«

»Noch was, Braack: Sie werden ab jetzt viele Schweinereien sehen, große, kleine und unvorstellbare. Die Farbe Ihrer nahen Zukunft ist Rot. Aber was immer Sie als Schlachtfest erleben, bei uns wird sauber gekämpft. Von uns soll man einmal sagen : die letzten Ritter des Krieges haben zum fairen Kampf angesetzt. Ist das klar?«

»Das ist klar!«

»Sie wissen, unsere Staffeln bestehen nur noch aus neun bis zehn Mann. Sorgen Sie mit dafür, dass wir wenigstens diese Zahl halten können. Es gibt keinen Nachschub mehr.«

»Keine siebzehnjährigen Jungen, die sich für die Fliegerei begeistern?«

»Keine, die fähig wären, eine Hundertneunzig zu fliegen. Jetzt zur Lage: Die Amis dehnen ihre Spazierflüge bis ins Generalgouvernement aus. Sie überfliegen ungeschoren das gesamte Reichsgebiet von Westen bis in den äußersten Osten. Wir sind hier, die Herren auf ihre begrenzten Möglichkeiten zu verweisen – vornehm ausgedrückt! Keine falsche Sentimentalität, Braack! Das Ganze ist zwar eine Mordsschweinerei. Ich würde Ihnen gern die Chance geben, dem Gegner eins zu eins gegenüberzustehen. Aber wir tun das, Braack, was wir zu tun haben. Klar?«

»Klar, Herr Hauptmann.«

(Lauritzens verbrannte Hände. Baltussens Schachspiel aus Elfenbein, das jetzt Bächlers Taschenspiel ersetzen wird, mit dem er immer gegen Schwaneweber gespielt hat.)

»Gut! Ich habe eine nagelneue Anton Acht für Sie. Wenn heute Nachmittag kein Alarm kommt, drehn Sie mal einen ausgedehnten Lustflug runter, um wieder vertraut mit der Maschine und der Umgebung zu werden. Der Russe ist verdammt nah gerückt.«

»Kann ich fliegen, wohin ich will?«

»Nur nicht dichter als dreißig Kilometer an die Ostfront ran. Lassen Sie sich ausgiebig auf der Flugleitung beraten. Aber das bitte ich mir aus: keine Feindberührung! Ich möchte Sie morgen erst mal selber unter meine Fittiche nehmen. Ich brauche euch alle noch dringend genug! Ist das klar, Braack?«

»Alles klar!«

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Ich stehe vor meiner fabrikneuen Anton Acht.

»Ein Gedicht!« sagt Rosenhain, Erster Wart. »Leckt sich jeder die Finger danach, die zu fliegen.«

Die Anton Acht ist die Schwerstbewaffnete aus der Familie der Hundertneunzig. Endlich hat man ein Flugzeug geschaffen, das den gewieftesten Amerikanern ebenbürtig ist! Über dem Motor zwei Maschinengewehre vom Typ MG 131, in den Flügelwurzeln zwei MG 151. Alle vier schießen durch den Luftschraubenkreis. In zwei Gondelbehältern unter den Flächen sind je zwei weitere MG 151 untergebracht. Hier können auch die stärkeren Maschinenkanonen MK103 oder MK 108 eingebaut werden.

»Vollgetankt?« frage ich, nur um etwas zu sagen.

»Bis zum Stehkragen voll«, sagt Rosenhain. »Und sie ist eine Kreissäge!«

»Kreissäge?«

»Sie schafft sich in einen Amipulk rein wie eine Kreissäge. Da fliegen die Fetzen!«

Kaum Interesse für die überragende Bewaffnung! Ich gehe um sie herum. Sie riecht noch ganz frisch nach Lack und neuem Gummi. Sie ist in meinen Lieblingsfarben getarnt: auf dem Rücken ein dunkles, grünes Grau, das sich zur Unterseite zu bläulichem Grau aufhellt, aber mit grüngrauen Tupfern gesprenkelt ist wie mit Wattebäuschchen. Unter den Flächen das reinste Himmelsblau! Die Oberseite hingegen ist in den abwechselnden Tönungen des Rumpfes gehalten, nur dass hier die einzelnen Farbfelder nicht ineinander übergehen, sondern scharflinig gegeneinander abgesetzt sind. Zu beiden Seiten der massigen Motorhaube trägt sie das Emblem der Staffel aufgemalt: eine masurische Birke, silberweiß, zart. So gar nicht zu der geballten Feuerkraft dieses Vernichtungsmonsters passend.

Aber gab es nicht auch ein Edelweiß-Geschwader? Dazu das Geschwaderzeichen: den Steppenadler.

Plötzlich steht Wehrmann neben mir; Wehrmann, der schon vor einem Jahrzehnt meine stillen Stunden mit Lenz am See gestört hat. Eines Tages hatte Lenz einen toten, immer noch farbenprächtigen Wiedehopf gefunden. Wir begruben ihn feierlich unter dem Wurzelwerk einer Pappel, und Lenz sprach wie zur Beschwörung alle Beinamen aus, die der Vogel hatte: Wiesenhupper. Kuckuckslakei. Gänsehirt. Bubbelhahn. Hu – pupp. Grinsend beobachtete Wehrmann in gebührendem Abstand unser Treiben; sein weißer Wuschelkopf leuchtete wie ein Riesenblumenkohl aus dem Gesträuch. Am nächsten Morgen war das Grab zerwühlt, das Kreuz aus Birkenzweigen zum Hakenkreuz umgeknickt. Ein Zeichen, dessen Bedeutung wir damals noch nicht erfassten. Aus dem zerfledderten Vogelleib quoll dick eine Made hervor – vom gleichen nackten Weiß wie Wehrmanns Haar.

»Damit du klar siehst: hier ziehn alle an einem Strang!« »Natürlich. Was soll das?«

Er schiebt sich fettarschig zwischen mich und meine Hundertnichtsneunzig.

»Wenn hier einer nicht spurt, dann gefährdet er die ganze Staffel«.

»Mach Platz, Kommodore!« sage ich. »Ich will fliegen.« »Hier wird gespurt! Dafür werde ich sorgen. Feiglinge werden ausgemerzt!«

»Prima. Vergiss nicht wieder, vor der Landung das Fahrwerk rauszuschmeißen. Das war damals Sabotage am deutschen Wehrmachtseigentum!«

Wehrmann steckt diesen Hinweis auf seine Panne während unserer Ausbildung in Zeltweg ein, trollt sich von dannen und dreht sich noch einmal drohend um.

»Ausgemerzt!«

Ein Druck im Zwerchfell; ein Gefühl der Bedrohung kriecht in mir hoch. Als ob sich unsichtbar eine Schlinge verengt; ich muss schlucken.

Dann ist alles, mit Wehrmanns Verschwinden, fort, der alte Zustand der Euphorie hergestellt.

Sauber vernietet, das Ganze. Ich genieße jede Einzelheit: mein Flugzeug! Kennung: eine weiße 8. Ich klopfe ihm zärtlich auf die riesige Motorhaube. Darunter schlummern die 1800 PS Startleistung des BMW-8oi-D2-Doppelsternmotors.

»Und wie viel Sprit kann sie jetzt fassen?«

»Ohne Zusatztank ist ihre Reichweite achthundert Kilometer«, sagt Rosenhain. »Ihre Tanks sind vergrößert worden. Also 530 Liter plus 112 Liter für den Behälter hinter dem Funkgerätespant. Die Rumpftanks sind natürlich nach wir vor selbstdichtend.«

»Natürlich!« Ich klappe die Fußstützen für den Cockpiteinstieg herunter. Selbstdichtend, das heißt: Bei Einschlag eines Feindgeschosses in die Rumpftanks schließt der schützende Gummi hermetisch den Blechtank. Kein Tropfen Benzin kann auslaufen. Nach fast zwei Wochen Flugpause versuche ich mühsam, Zahlen zu rekapitulieren: Flugbenzinart B 4. Landegeschwindigkeit: 220 km/h; aber man setzt mit 190 km/h auf. »Helfen Sie mal mit den Gurten?«

Erste Warte sind wirklich Gold wert. Er hat mir schon die Schultergurte übergehängt, alles zurechtgerüttelt, sozusagen wie die Mutter für den Kleinen das Kopfkissen zurechtschüttelt! Obergefreite und Erste Warte sind die einzige echte Geheimwaffe des Krieges – der Vi sei es geklagt! Ja, dies ist mein Flugzeug! Damit werde ich fliegen, nichts als fliegen. Dann wird man weitersehen.

Fast streichle ich den Steuerknüppel, den schwarzen, fingergerechten Kunststoffgriff. Wieder fliegen! Aber daran sitzen die Knöpfe und Hebel für die Bordwaffen. Noch nie habe ich als Einzelperson soviel geballte Ladung in meiner Gewalt gehabt. Fliege ich, um zu schießen?

Meine Bordwaffen werden, wie die Landeklappen, elektrisch betätigt. Auf dem SZKK-4-Brett gibt es den Sicherungsschalter für die Rumpf – und Flügelwurzel-Waffen und den Schalter für die äußeren Bordwaffen. Dabei müssen streng die Prioritäten beachtet werden: die Außenwaffen dürfen frühestens 3 Sekunden nach den anderen entsichert werden. Grund: die Bordbatterie schafft sonst ihre schwere Arbeit der Armierung nicht, sie wird überlastet. Erst wenn die Innenwaffen schussbereit sind, wendet sich die Dame Batterie der nächsten Aufgabe zu. Batterie müsste man sein!

Auch am Steuerknüppel wird zwischen den beiden Waffenarten unterschieden: Knopf A für innen, Hebel B für außen. Auf der Sichtanzeige des SZKK-4 kann ich jederzeit ablesen, wie viel Munition die einzelnen Waffen verschossen haben. Im übrigen ist das MG 131 das produktivste: 400 Schuss sind vorgesehen. Das MG 151 bringt es nur auf 250, die MGs in den Waffengondeln haben sogar nur 125 Schuss.

Die MGs in den Flächenwurzeln schießen, genauso wie die in der Motorhaube eingebauten MG 131, durch den Luftschraubenkreis. Das heißt: Immer, wenn eines der drei Blätter der rasend drehenden Luftschrauben vor die Schussrichtung gerät, wird das MG blockiert. Diese komplizierte Einrichtung geht auf ein Schweizer Patent zurück: Ausgerechnet in der friedlichneutralen Schweiz hat die Firma Hispano-Suiza diese geniale Erfindung gemacht. Ob ich trotzdem nicht Angst habe, beim Schießen meine eigene Luftschraube zu zerballern ? Durchaus nicht, mir ist auch kein einziger Fall bekannt: da ist echte Schweizer Uhrmacher-Präzisionsarbeit am Werk!

Mein Revi 16 B, durch das ich ziele, wiegt 0,8 kg. Es hat eine Birne von 21 Watt, 24 Volt; und als Nachtfilter ist dunkelgrün, Tönung 71 vorgesehen.

Beim Start werden die Klappen auf 12 Grad gefahren. Allerdings gibt es diese Zahl nicht im Cockpit. Auf der linken Konsole sind nur die Stellungen aus, ein und start vorgesehen. Es macht mir Spaß, durch simplen Knopfdruck die Klappen elektrisch zu betätigen. Genauso die Trimmung, rechts daneben:

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