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Der Herzstein: Band 1

Der Herzstein: Band 1

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Der Herzstein: Band 1

Länge:
299 Seiten
4 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Oct 20, 2016
ISBN:
9783959590389
Format:
Buch

Beschreibung

Der Brief verändert alles.
Celee ist eine Außenseiterin, der Bücher und Computerspiele wichtiger sind als das reale Leben. Denn das ist nichts als gähnend langweilige Routine.
Und dann kommt der Brief.
Eine Tante, von deren Existenz Celee zuvor nie etwas gehört hatte, vermacht ihr ein Erbe – ein Erbe, das ihr merkwürdige Träume beschert. Wachträume, die sie unvermittelt überfallen, Wachträume, in denen sie fürchterliche Hilfeschreie hört.
Total verängstigt sucht Celee Beistand. Aber anstatt Hilfe zu bekommen, findet sie sich plötzlich in einer anderen Welt gefangen. Zudem scheint sie hier eine völlig andere Person zu sein, eine Person, die so ist, wie sie es sich immer erträumt hat.
Ist diese Welt wirklich, oder bildet Celee sich das alles nur ein? Kann sie den Weg nach Hause finden? Will sie das überhaupt?
Herausgeber:
Freigegeben:
Oct 20, 2016
ISBN:
9783959590389
Format:
Buch

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Der Herzstein - Kathi Wallace

978-3-95959-038-9

Kapitel 1

Der Elf schlich mit gespanntem Bogen durch die Höhle. Er mied die Nähe der Höhlenwände, die sich feucht und schleimglatt über ihn erhoben. Der glitschige Boden strahlte pure Bosheit aus. Unter seinen Füßen knirschten Knochen, und kleine Steinchen sprangen zur Seite, um in unermesslich tiefen Abgründen zu verschwinden. Hastig duckte er sich unter den dunklen Schwingen der Kreaturen, die aus dem Dunkel herabstießen, doch nicht schnell genug, ihre Klauen hinterließen blutige Striemen auf seiner Haut.

Das war allerdings nicht seine größte Sorge. Lodindrial suchte verzweifelt, ob sich ihm irgendwo ein Ausweg aus diesem Labyrinth bot, in das die Höhle sich verwandelt hatte. Was früher das geräumige, luftige Heim der Drachen gewesen war, hatte sich in eine deprimierende Schlangengrube voll Orks und Goblins verwandelt, die schlimmsten Feinde der Elfen.

Seit Tagen suchte der Elf schon vergeblich nach einem Ausweg, und so langsam wurden ihm Zeit und Kräfte knapp. Jeder Schritt schien ihn tiefer in den Berg geführt zu haben. Nicht mehr lange, und seine Jäger würden ihn finden.

Ein Geräusch ließ ihn herumfahren. Noch in der Drehung riss er seinen Bogen hoch. Mehr als ein Dutzend Orks jagten brüllend und mit ihren klobigen Speeren fuchtelnd auf ihn zu. Die Todesangst verlieh Lodindrial noch ein letztes Mal Kraft. Pfeil um Pfeil fand seinen Weg aus dem Köcher auf seinen Bogen, einer nach dem anderen fielen die Orks, von diesen Pfeilen durchbohrt, bis die Hand des Elfs ins Leere griff. Mit einem wütenden Fauchen schleuderte Lodindrial den jetzt nutzlosen Bogen auf den nächstbesten Ork. Dann zog er seine beiden Kurzschwerter, schwang sie hoch, so dass die Klingen wie Mondsicheln aufblitzten, und rief mit kristallklarer Stimme: „Für das Elfenreich!"

Im nächsten Moment waren die brüllenden, geifernden Orks bereits über ihm. Lodindrials Klinge entfesselte Ströme von Blut, während er hieb, stich und parierte, bis er seine Arme kaum noch fühlte. Aber er hatte keine Chance. Es waren einfach zu viele Gegner. Lodindrial wusste, dass diese Höhle sein Grab sein würde, ein dunkles Grab, ein bitterer letzter Ruheplatz für ein Kind des Lichts. Vor ihm hob ein weiterer Ork seine Klinge, und Lodindrial erkannte, dass diese Klinge seinen Seelennamen trug. Er schloss die Augen und sandte ein lautloses Gebet an die Göttin des Lichtes, die seine Seele in Empfang nehmen würde. Das war’s. Jetzt erwartete ihn nur noch der Todeshieb. Er ...

Die Hand, die sich auf Celees Schulter legte, riss sie abrupt aus der Welt ihres Computerspiels. Sie quiekte erschrocken und griff hastig nach den Kopfhörern, die sich prompt in ihren Haaren verhedderten. Ihre Brille verrutschte aus Sympathie gleich mit. Irritiert sah sie sich um, noch so im Spielmodus, dass sie halb erwartete, von Monstern umgeben zu sein. Aber da waren keine Monster, nur ihr Boss mit verrutschter Krawatte und Flecken auf dem Hemd, die eindeutig von seinem Mittagessen stammten. Er grinste ein wenig spöttisch ob ihrer Reaktion und fragte: „Na, was spielst du denn da?"

Celee holte tief Luft. Dann rückte sie ihre Brille gerade, zog vorsichtig den Kopfhörer aus den Haaren und versuchte, ihr wild klopfendes Herz mit ein paar beruhigenden Gedanken wieder zu normalisieren. Todd Breman lehnte sich über sie und holte mit dem Arm aus. Wollte er sie etwa schlagen? Entgeistert versuchte Celee, sich zur Seite zu drücken. Aber seine Hand landete nur vor ihrem Bildschirm. Sein Zeigefinger beschrieb einen zittrigen Kreis vor dem eingefrorenen Bild des Gemetzels. „Ist das eins von diesen Spielen, wo du Leute abschießen musst?, fragte er mit einer kleinen Fontäne von Spucketropfen. „Genau das, was ich liebe!

Celee versuchte, ihr Gesicht unauffällig trockenzuwischen. Vergebliche Liebesmüh. Zum einen kam sofort die nächste Spucke-Fontäne, und zum anderen hätte der Mann es vermutlich nicht einmal gemerkt, wenn sie einen Scheuerlappen geholt und den ganzen Raum gewischt hätte, so fasziniert starrte er auf das Bild. Zwei andere Angestellte, die gerade vorbeigingen, warfen einen neugierigen Blick durch die offene Bürotür. Celee wäre liebend gerne im Boden versunken. Oder, besser noch, sie hätte liebend gerne ihren Boss im Boden versinken sehen.

Irgendwie muss ich den Kerl herauskomplimentieren, dachte sie. Sie hob den Arm, sah betont auf ihre Uhr. „Todd, ich habe immer noch 45 Minuten Mittagspause übrig. Ihre Stimme klang piepsig und schüchtern. Celee hätte sich selbst treten können. Als ob das auf ihn Eindruck machen würde. Vielleicht sollte sie mal einen Konversations-Kurs machen, um sich besser ausdrücken zu lernen? So in der Art: „Lass uns Tacheles reden. Meine Zeit ist kostbar. Wenn du sie verschwendest, kostet dich das 19,95 die Stunde! Sie zwang ihre Gedanken, ins Hier und Jetzt zurückzukehren.

Breman hatte seine Hand zurückgezogen und stand jetzt in seiner üblichen Ich-bin-der-Boss-hier-Haltung vor ihr. „Also, kleines Fräulein, hör mal gut zu. Ich kriege da ein paar sehr wichtige Leute zu einem Meeting.. Er hob die Augenbrauen, um sich aufzuplustern, und senkte gleichzeitig verschwörerisch die Stimme. „Voorhees, weißt du! Die finanzieren Filme. Geld, richtig großes Geld! Er hielt inne, überlegte, während sein Blick zur Decke wanderte.

Celee nickte unbehaglich. Es hatte wohl keinen Sinn, ihn noch einmal daran zu erinnern, dass sie auch einen Namen hatte. Was das anging, schien er eine regelrechte Denkblockade zu haben.

Breman zog seinen Hosenbund hoch. „Wie auch immer, ich brauche jemanden, der den Konferenzraum im dritten Stock vorbereitet, du weißt schon, Kaffee und so Zeug. Er stierte wieder auf ihren Bildschirm, wo jetzt der Bildschirmschoner angesprungen war und eine fröhliche Elfenhorde auf einer Wiese zeigte. „Und weil du ja offensichtlich gerade nichts zu tun hast, dachte ich, du kannst das übernehmen.

Nichts zu tun? Celee starrte ihren Boss an. Einen Moment wanderten ihre Gedanken zurück zu ihrem Spiel. Mit der Visage würde Breman einen guten Ork abgeben. Celee stellte sich vor, wie sie ihn zum Kampf fordern würde ...

Die grazile Elfenkriegerin steht furchtlos vor dem schweinsgesichtigen Ork. „Sag meinen Namen!, ruft sie. „Wie lautet mein Name?

Breman knurrt wütend, wagt aber keinen Angriff, als sie ihr Schwert zieht und ihn hart anstarrt.

Sie hört vage Musik im Hintergrund spielen, während sie sich vorstellt, wie er beim ersten Schwertschlag aufquiekt wie ein Schwein und zu seinen Brüdern zurück flieht. Natürlich wird sie ihm großzügig erlauben, zu entkommen, er ist es nicht wert, das Schwert mit seinem, Blut zu besudeln. Sie schaut lachend hinter ihm her, sieht, wie sein speckiger Hintern in der Polyesterhose wabbelt ...

Celee zuckte zusammen, als Todds Finger direkt vor ihrer Nase schnalzten. Ein Geruch nach Schinken und Senf stieg von ihnen auf, vermutlich sein Mittagessen. Ughh, dachte sie und erweiterte umgehend die Liste seiner Untaten um Kannibalismus.

„Erde an Raumschiff, Erde an Raumschiff! He, komm zurück in die Realität, kleines Fräulein! Du wart anscheinend gerade ziemlich weit weg. Breman verzog den Mund. „Hör zu, ich treff dich in fünfzehn Minuten im Konferenzraum. Das sollte reichen, damit du in der Zwischenzeit wieder normal wirst.

Mit einer Handbewegung, die sie als Todd Bremans typischer Patentwink klassifizierte, fügte er in bühnenreifem Flüsterton hinzu: „Kannst ja vorher noch mal für kleine Mädchen gehen und dein Haar in Ordnung bringen und so."

Unwillkürlich griff Celee nach ihren braunen Haarsträhnen, die wie immer gerade herab lose auf ihre Schultern fielen. „Aber ... Herr Breman ... ich meine, Todd ..." Ihre Stimme versickerte, während sie ihm hinterhersah, als er mit gewichtigen Schritten auf den Flur zurückstampfte, um Ausschau nach seinem nächsten Opfer zu halten. Sie stieß frustriert den Atem aus und schlug mit beiden Fäusten auf ihren Arbeitstisch. Warum zum Teufel war sie auch so ein Weichei? Warum ließ sie sich immer herumschubsen, warum konnte sie nicht einfach klar und deutlich sagen, was sie wollte? Innerlich vor Wut kochend wandte sie sich wieder ihrem Laptop zu.

Ein kurzes Antippen der Leertaste, und ihre Passwortabfrage erschien. Mit spitzen Zeigefinger gab Celee das Wort „Elfen" ein. Die friedliche Szene verschwand vom Bildschirm und wurde von höhnisch lachenden, blutige Schwerter schwingenden Orks ersetzt, die gegen Lodindrials Körper traten und mit seinem abgeschlagenen Kopf Fußball spielten. War ja nicht anders zu erwarten gewesen. Mit einem Seufzer tippte Celee auf die Escape- Taste, beendete das Spiel und fuhr den Laptop herunter. Während sie ihn sorgfältig wieder in seine gepolsterte Tasche steckte, wanderten ihre Gedanken noch einmal ab. Genüsslich malte sie sich einen alternativen Verlauf des Zusammentreffens mit ihrem Boss als Ork aus. Dieses Mal erlaubte sie ihm nicht, zu entkommen. Dieses Mal stellte sie sich vor, wie ihr Schwert sich in seinen Magen bohrte, wie die ganze Fäulnis in seinem Inneren als stinkendes Gas entströmte und er selbst wie ein angestochener Ballon durch die Luft gewirbelt wurde.

Als sie von ihrem Schreibtisch aufstand, grinste sie breit.

„Wenn du nach dem Kerl immer noch so fröhlich sein kannst, bist du eindeutig ein besserer Mensch als ich."

Verblüfft wandte Celee sich zu der Frau um, die über die halbhohe Trennwand zwischen ihren Schreibtischen sah.

„Kleines Fräulein!", ahmte die Frau Todd spöttisch nach. Sie wollte noch mehr sagen, doch da klingelte ihr Telefon, und sie tauchte wieder hinter die Trennwand ab.

Celee senkte den Kopf etwas, um ihr Lächeln zu verbergen. Die Kollegin war echt nett. Und sie nahm nie ein Blatt vor den Mund. Verdammt, wie hieß die Frau noch mal? Ach ja, das war Amelia. Wenn sie selbst bloß etwas von der abhätte ...

Hatte sie aber nicht. Celee fühlte sich dumm und dämlich. Warum war ihr ganzes Leben bloß so frustrierend? Nie klappte etwas so, wie sie es wollte. Ihr Leben war sterbenslangweilig. Sie hatte eine blöde Arbeit und einen noch blöderen Boss. Und sie hatte noch nicht einmal einen Freund. Mit einem Seufzer schloss sie die Augen und erlaubte sich noch einmal einen kurzen Ausflug in die Welt ihrer Fantasie.

Sie wanderte durch einen tiefgrünen Wald. Vereinzelt tauchten Sonnenstrahlen durch das dichte Geäst und tauchten das Unterholz in smaragdgrünes Licht. Celee raffte ihr langes Seidengewand und ging langsam von Baum zu Baum weiter. Es war, als ob der Wald einhüllte wie ein behaglicher Mantel. Mit jedem Schritt brachen hinter ihr Blumen aus der Erde, und die Knospen der Büsche, die sie berührte, öffneten sich zu strahlenden Blüten. Ein vergänglicher Zauber, geboren aus der Freude des Augenblicks. Celee lachte auf, fühlte sich lebendig und in Harmonie mit ihrer Umgebung wie nie in ihrer realen Existenz. Selbst die Luft war lebendiger, frischer, duftender, wie eine herrliche Essenz, die sie zu genießen wusste.

Doch der Zauber hielt nicht an. Von einem Moment zum anderen wurde die Luft frostig, bekam das Sonnenlicht einen matten grauen Ton. Wind kam auf, wehte die Haarsträhnen in ihr Gesicht, und für einen Moment konnte sie nichts sehen. Im nächsten Augenblick erfüllten schreckliche Schmerzensschreie die Luft.

Verzweifelt versuchte Celee, die Haare vor ihrem Gesicht wegzuschieben. Sie wollte wegrennen, aber das Gewand, das eben noch so federleicht erschien, zog sie nun mit seinem Gewicht fast zu Boden und wollte sie zu Fall bringen. Etwas schien in der Nähe zu lauern, etwas, dass sie verfolgen, reißen und verletzen wollte ... Celee sackte in sich zusammen, begann vor Angst zu weinen ... Plötzlich war da eine Stimme. Jemand rief ...

„Celee? Was ist los mit dir? Geht es dir nicht gut?"

Celee öffnete die Augen. Einen Moment fehlte ihr jede Orientierung. Sie tastete nach hinten, fühlte erleichtert ihren Schreibtisch, ließ sich dagegen sinken, damit das schwere Metall sie wieder mit der Wirklichkeit verbinden konnte. Ihre Haut war kalt und klamm, ihr Herz raste. Mein Gott, was zur Hölle war das? Mit zitternden Fingern schob sie sich die Haarsträhnen hinter die Ohren, halb erwartend, dass sie sich sträuben und versuchen würden, sich um ihren Kopf zu wickeln und sie zu ersticken. Schaudernd blickte sie zu Amelia auf, die vor ihr stand und sie besorgt ansah. „Mir ... mir war nur einen Moment schwindelig. Jetzt geht es mir wieder gut. Wirklich! Sie zwang sich zu einem Lächeln. „Vermutlich sollte ich besser mittags etwas essen, statt nur mit dem dämlichen Computer zu spielen.

Amelia schien nicht überzeugt.

Celee stemmte sich schwerfällig hoch und streckte beide Arme aus. „Sieh doch, es ist wirklich alles in Ordnung. Meine Hände zittern nicht mehr. Einen Moment versagte ihr die Stimme, dann fuhr sie fort: „Ehrlich, Amelia, es ist alles wieder in Ordnung. Ich ... ich sollte wohl besser zusehen, dass ich zu diesem Konferenzraum komme und ihn für Breman fertigmache.

Amelia legte den Kopf schief, musterte sie noch einen Moment und lächelte dann. „Dann lass mich dir aber helfen, den Konferenzraum für dieses alte Arsch ... – ihre Hand flog zum Mund – „ upps, für Todd fertigzumachen.

Celee lächelte schwach, erleichtert, dass Amelia nicht darauf bestand, das Thema auszuwalzen. „Vielen Dank, aber ich glaube, ein paar Kaffeetassen und Zuckerstückchen schaffe ich gerade noch alleine."

Amelia ignorierte ihren Einwand, nahm Celee in den Arm und ging mit ihr zusammen zum Aufzug. Celee lauschte der vertrauten Geräuschkulisse des Großraumbüros, klingelnde Telefone, Stimmen, klappernde Türen, summende Computer, und versuchte sich daran festzuhalten, um nicht wieder in die virtuelle Welt abzugleiten. „Ich bin eine Idiotin, murmelte sie. „Nächstes Mal werde ich mindestens einen Apfel essen, bevor ich mit einem Computerspiel anfange. Vermutlich war ich schlicht unterzuckert. Erleichtert durch diese Selbst-Diagnose schenkte sie Amelia ein Lächeln, als sie zum Aufzug kamen.

Der Aufzug wirkte geradezu pompös, verglichen mit dem Büro. Auf beiden Seiten der glattpolierten Tür standen hohe Topfpflanzen Wache. Ihre glänzendgrünen Blätter schwankten leicht im Luftzug der Klimaanlage. Der Aufzug selbst war so klinisch rein, das seine Türen wie Spiegel wirkten. Celee konnte sie beide deutlich nebeneinander stehen sehen, die Verzerrungen waren minimal. Abschätzig registrierte sie ihre zu breiten, etwas wabbeligen Hüften und schürzte die Lippen. Miese Form, dachte, sie, passt zum Rest. Fett, Fett, und, welch eine Überraschung, noch mehr Fett! Sie seufzte und wandte den Blick ab.

„Celee, begann Amelia zögernd, „Ich weiß, dass wir beide uns nicht besonders gut kennen ... ich meine, du bist ja erst seit drei Monaten hier ... aber du scheinst eine richtig nette Person zu sein, und ich ... – sie zögerte und beendete dann ihren Satz eilig: „...ich würde es hassen, wenn du deinen Job hier verlierst." Sie sah verlegen weg und drückte den Rufknopf für den Aufzug.

Celee hörte ein Klicken und dann das mechanische Summen der Aufzugkabine, die zu ihnen herabsank. Ein wenig neugierig wartete sie darauf, dass Amelia ihr eine Erklärung gab.

Amelia holte tief Luft, sah sich rasch um und fragte dann leise: „Nimmst du Drogen?"

Vor Verblüffung blieb Celee der Mund offen stehen. „Drogen? Ich dachte, du würdest etwas zu meiner Spiel-Leidenschaft sagen!" Sie musste unwillkürlich lachen, erst ein leises Kichern, das aber schnell zu einem herzhaften, lauten Lachen anschwoll, bis ihr zum Schluss fast die Tränen kamen und sie sich an der Aufzugtüre abstützen musste. Die Türen zeigten prompt ihre Fingerabdrücke, und irgendwie kam ihr der Gedanke, dass sie vermutlich die erste Person seit dem Bau des Hauses überhaupt war, die es gewagt hatte, diese makellosen Flächen zu verunzieren.

Amelia wirkte sichtlich alarmiert und wollte ihren Arm packen, aber Celee winkte nur ab, während sie versuchte, sich möglichst rasch zu beruhigen. Sie versuchte es mit tiefen Atemzügen, und als der Aufzug anhielt und die Türen sich öffneten, hatte sie sich soweit beruhigt. „Tut mir leid", presste sie hervor, während sie sich die Lachtränen von den Wangen wischte.

„Du benimmst dich reichlich verrückt, sagte Amelia leise und drängte sie in den Aufzug. Kaum dass sie beide drinnen waren, drückte sie einen Knopf, dass die Türen sich sofort schlossen und keine dritte Person mitfahren konnte. Dann packte sie Celees Kopf mit beiden Händen und sah sie an. „Celee, das ist nicht in Ordnung, dass du geistig so abwesend bist. Das ist überhaupt nicht in Ordnung. Sie schüttelte den Kopf. „Hör zu, das ist mehr als nur zu niedriger Blutzucker. Wie immer du es nennst, es ist nicht normal. Vorhin, als Breman an deinem Schreibtisch stand ... Sie hielt inne, suchte nach Worten. „Celee, er hat dir mit dem Finger ins Gesicht geschnippt, und du hast es nicht einmal gemerkt. Du warst total weg. Erneut schüttelte sie hilflos den Kopf. „Und danach ... als Breman weggegangen war ... ich habe gedacht, du wirst ohnmächtig, Mädchen!"

Erschöpft lehnte Celee ihren Kopf an die Aufzugwand und starrte die Kabinendecke an. „Amelia, ich ... Ich weiß nicht, was mit mir los ist. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich einfach die Kontrolle über mich verliere."

Der Aufzug gab mit einem leisen Klingen zu verstehen, dass sie im dritten Stock angekommen waren, und die Tür öffnete sich. Amelia nahm Celees Arm, zog sie aus dem Aufzug heraus und bugsierte sie in die nächste Damentoilette. Dort sah sie sich rasch um, vergewisserte sich, dass sie alleine im Raum waren und fragte dann besorgt: „Okay, Drogen können wir also streichen. Aber was ist es dann? Hast du Depressionen? Beziehungsprobleme? Nun rede schon! Kann ich dir irgendwie helfen?"

Bei dem Gedanken, es könne einen Mann in ihrem Leben geben, konnte Celee sich ein schwaches Grinsen nicht verkneifen. „Kein Liebesleben existent zur Zeit." Sie starrte Amelia an und kaute unschlüssig auf ihrer Unterlippe herum.

„Was ist?", fragte Amelia beunruhigt.

„Na ja ... Ich frage mich, warum du mir überhaupt helfen willst. Ich meine, wir kennen uns doch kaum." Celee merkte, wie ihr das Blut in den Kopf schoss. Musste sie immer so blamabel direkt sein? Sie wandte den Blick ab und starrte zu Boden.

Amelias Stimme klang weich, besänftigend. „Du hast Recht. Wir kennen uns kaum. Es ist nur ... du erinnerst mich an meine kleine Schwester. Die ist auch etwas schräg drauf. Oh, fügte sie hastig hinzu, „Fass das bitte nicht als Beleidigung auf. Du schwebst halt genauso in höheren Regionen wie meine kleine Schwester. Lass mich raten. Du liest am liebsten Fantasy, richtig? Und weil ich gesehen habe, womit du deine Pausen verbringst, wenn du dich eigentlich etwas ausruhen und stärken solltest, weiß ich, dass du auch am liebsten Fantasy-Spiele zockst. Genau wie meine Schwester. Und du bist genauso scheu wie sie. Wenn ich dich sehe, dann sehe ich sie, und wenn Kristin in Schwierigkeiten wäre ... Amelia zuckte mit den Achseln. „Ich wünsche mir nur, dass sie dann auch einen netten Menschen findet, der sich um sie kümmert. Sieh es mal so, ich füll einfach mein Karma-Guthaben beim Universum auf und hoffe, dass sich das irgendwann und irgendwo für Kristin auszahlt."

Celee sah vorsichtig wieder hoch und nickte. So ganz konnte sie es nicht glauben, dass sich jemand Fremdes tatsächlich für sie interessierte. Andererseits ... „Du hast Recht. Ich liebe Fantasy in jeder Fasson. Und wenn ich spiele, oder sogar wenn ich nur lese, dann erlebe ich die Szenarios förmlich mit, spiel sie in meinem Kopf durch ... und bei sowas hat mich Breman vorhin aufgestört, gerade als ich mich vorgestellt habe, er wäre ein Schwein, dass ich aufspießen wollte." Bei dem Gedanken an diese Szene musste sie grinsen.

Amelia kicherte. „Kann ich mir vorstellen."

Celle wurde rasch wieder ernst. „In der letzten Zeit hat sich aber irgendwas verändert. Irgendwie ist mir diese ganze Sache außer Kontrolle geraten, und meine Fantasie spielt mir Streiche. Denn ganzen letzten Monat habe ich das schon bemerkt. Ich verliere jedes Zeitgefühl, wenn ich in Gedanken eine Szene durchspiele, und wenn ich dann wieder im Hier und Jetzt auftauche, ist womöglich eine ganze Stunde rum, und ich merke das nur, weil mein Essen kalt geworden ist oder weil die Cola, in der gerade vorher noch Eiswürfel schwammen, plötzlich zimmerwarm ist. Sie zuckte hilflos mit den Schultern. „Ich stelle mir einfach nur vor, woanders zu sein, jemand anderes zu sein, und prompt verliere ich jedes Gefühl für die Gegenwart. Aber so wie heute war das vorher noch nie ... Ihre Stimme war immer leiser geworden.

Amelia überlegte. „Celee, bist du dir darüber im Klaren, dass diese Symptome durchaus auch zu einer ernsthaften Erkrankung passen könnten, so etwas wie zum Beispiel ein Gehirntumor? Hast du dich schon mal untersuchen lassen in letzter Zeit?"

Celee schob sich, ohne zu antworten, zum Waschbecken rüber und drehte den Kaltwasserhahn auf. Ihr Kopf war heiß, sie sehnte sich danach, ihr Gesicht in kaltem Wasser zu baden. Der Wasserstrahl schoss in das Becken und verschwand in einer Spirale im Ausfluss. Sie sah auf das wirbelnde Muster und spürte, wie sie sich bereits bei dem bloßen Anblick entspannte. Das sprudelnde Wasser schien das entfernte Echo eines Liedes in sich zu tragen, ein Echo, das sie lockte, sie verführen wollte ... wozu? Die Tropfen schienen sie wie silberner Regen anzuspringen. Jemand rief sie ... Sie schloss die Augen, konzentrierte sich, versuchte, die Worte zu verstehen.

Jemand schüttelte sie heftig. Celee öffnete die Augen. Amelia stand mit leichenblassem Gesicht vor ihr. „Celee! Ich versuche seit fünf Minuten, eine Reaktion von dir zu kriegen! Du hast auf nichts reagiert, nicht auf Rufen und nicht auf Schütteln!"

Celee starrte die verängstigte junge Frau an. Fünf Minuten? Aber das konnte unmöglich wahr sein. Dann erinnerte sie sich an die kalten Mahlzeiten in ihrem Appartement, und vor allem auch die

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