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Fernsehen aus Adlershof: Das Fernsehen der DDR vom Start bis zum Sendeschluss

Fernsehen aus Adlershof: Das Fernsehen der DDR vom Start bis zum Sendeschluss

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Fernsehen aus Adlershof: Das Fernsehen der DDR vom Start bis zum Sendeschluss

Länge:
410 Seiten
5 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Oct 21, 2016
ISBN:
9783958415294
Format:
Buch

Beschreibung

Ob Ein Kessel Buntes oder Polizeiruf, das Sandmännchen oder die Aktuelle Kamera – das Fernsehen aus Adlershof gehörte in der DDR zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen bei Jung und Alt. Klaus Behling erzählt erstmals die gesamte TV-Geschichte zwischen Propagandamaschine und Pantoffelkino. Er sprach mit Zeitzeugen, wertete früher geheime Einschaltquoten aus und fand in den Akten Gründe, weshalb vor 25 Jahren trotz vieler Proteste endgültig abgeschaltet wurde. Behling erinnert an bekannte TV-Gesichter und große Straßenfeger, aber auch an zensierte Filme und politische Querelen hinter den Kulissen. Er untersucht, welchen Einfluss das West-Fernsehen in der DDR wirklich hatte und wie darauf reagiert wurde. Herausgekommen ist ein faktenreiches und unterhaltsames Buch für alle, die das Fernsehen mögen, sich gern erinnern und neue Einblicke gewinnen möchten. Ein spannender Rückblick vor und hinter die Kulissen des DDR-Fernsehens.
Herausgeber:
Freigegeben:
Oct 21, 2016
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9783958415294
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Buch

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Fernsehen aus Adlershof - Klaus Behling

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1. Abenteuer Fernsehen

Eben noch sang Zarah Leander »Davon geht die Welt nicht unter« und versicherte »Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen«, doch Letzteres blieb aus, und die Welt ging unter.

Dass die Leute bis fünf Minuten nach zwölf dabei­blieben, verdankten die Nazis nicht zuletzt ihrer Propagandamaschine aus Rundfunk und Filmindustrie. Deren Macht kannten auch die Sowjets, die nun in Ostdeutschland regierten. Bereits zwei Tage nach der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht befahl der sowjetische Stadtkommandant in Berlin, Nikolai Erastowitsch Bersarin, die Wiederinbetriebnahme des öffentlichen Rundfunks in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ). Mit Befehl Nummer 78 vom 27. September 1945 gestattete der Chef der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD), Marschall Georgi Konstantinowitsch Schukow, den Rundfunkempfang in der Sowjetischen Besatzungszone »zum Zwecke der rechtzeitigen und regelmäßigen politischen Informierung der deutschen Bevölkerung«. Drei Monate später unterstellte er das gesamte Rundfunkwesen in der SBZ der am 10. August 1945 gebildeten »Deutschen Zentralverwaltung für Volksbildung«. Dort entstand unter Leitung des mit der »Gruppe Ulbricht« im Gefolge der Roten Armee nach Berlin gelangten kommunistischen Funktionärs Hans Mahle ein eigenes Referat für Rundfunkfragen. Am 15. August 1946 wurde es in die »Generalintendanz des deutschen demokratischen Rundfunks bei der Deutschen Zentralverwaltung für Volksbildung« umgewandelt, und der nunmehrige »Generalintendant« Mahle erließ am 18. Dezember 1946 Richtlinien, die die zen­trale Lenkung und Kontrolle des Rundfunks durch seine Dienststelle sicherten.

Gleichzeitig träumte er vom Aufbau eines Fernsehens. Dass die Technik dafür längst erfunden und bereits mit Erfolg erprobt worden war, wussten nur noch wenige.

Begonnen hatte alles am 22. März 1935 in Berlin vor ein paar flimmernden Bildschirmen. Dennoch verkündete »Reichssendeleiter« Eugen Hadamovsky­

den »Volksgenossen« zur Eröffnung des »regelmäßigen Fernseh-Programmbetriebes« großspurig: »In dieser Stunde wird der Rundfunk berufen, die größte und heiligste Mission zu erfüllen: nun das Bild des Führers unverlöschlich in alle deutschen Herzen zu pflanzen.« Propagandaminister Joseph Goebbels sagte dem Fernsehen zwar »eine märchenhafte Zukunft« voraus, vertraute aber eher auf den Film als erfolgreicheres Medium für bewegte Bilder. Überdies behagte ihm sein eigenes Abbild auf dem Bildschirm nicht so, wie unter den Fanfarenstößen auf der Kinoleinwand. Das neue Fernsehen war in ein paar Dutzend »Fernsehstuben« in Berlin, später auch in Leipzig, zu sehen. Den Volksgenossen gefiel es. Am 28. Juli 1939 wurde der »Einheits-Fernsehempfänger E 1« mit einem rechteckigen 20 mal 23 Zentimeter messenden Bildschirm vorgestellt. Nach dem »Volkswagen« und dem »Volksempfänger« sollte er nun der »Volksfernseher« werden. 10 000 Stück wollte man bauen, mit 650 Reichsmark würde er dreimal billiger als die ersten Modelle werden. Doch der Krieg machte all diese Pläne zunichte. So entstanden schließlich nur rund fünfzig Geräte, und die »Fernsehstuben« schlossen 1943. Das Programm konnte danach nur noch in den etwa achtzig Berliner Lazaretten gesehen werden.

Entgegen bisherigen Auffassungen erkannte die Nazi-Führung durchaus das Propagandapotential des Fernsehens. Neueste Archivfunde belegen, dass es Live-Übertragungen von den »Reichsparteitagen« ab 1936 gab, rund 160 000 Zuschauer verfolgten begeistert die Olympiade in Berlin im gleichen Jahr am Bildschirm, und Fernsehberichte lieferten Einblicke in NS-Organisationen, zu denen es in den perfekt designten Propagandafilmen keine Entsprechung gab. Gerade diese Authentizität – technisch bestimmt durch wenig Schnitte, unkontrollierbare Originaltöne und eine ausführliche Beobachtung des Geschehens – führte neben den kriegsbedingten Einschränkungen bei der technischen Weiterentwicklung jedoch dazu, dass die »bewährte« Massenpropaganda per Film vorgezogen wurde. Das Interesse der Nazis am neuen Medium ließ nach.

Das war in Moskau anders. Hans Mahles Träume vom Fernsehen korrespondierten durchaus mit dem Interesse Stalins an einem neuen Propagandainstrument. In der Sowjetunion wurde bereits Anfang der dreißiger Jahre mit dem Fernsehen experimentiert. Der 1. Oktober 1931 galt seither offiziell als Geburtstag des Nationalen Fernsehens, doch technisch verfolgte es zunächst ein mechanisches Prinzip, das sich – wie auch das Paul Nipkows in Deutschland – nicht durchsetzte.

Nachdem eigene Entwicklungen in Richtung Elektronik neue Wege wiesen und die USA elektronische Empfangsgeräte und damit das nötige Know-how nach Moskau geliefert hatten, entstand ein riesiges Interesse am Medium der Zukunft. Der Nationale Rat der Kommissare beschloss Ende 1936 die Errichtung eines Radio- und Fernsehzentrums. Am 9. März 1937 fand die erste experimentelle Funkübertragung aus der Straße Shabolovka statt, und am 31. Dezember 1938 wurde das Moskauer TV Zentrum (MTVC) Teil des Moskauer Rundfunks. Die Sendungen waren zwar nur im Umkreis von sechzig Kilometern zu empfangen, aber die neue Technik galt als zukunftsträchtig. Wegen des Kriegsausbruchs stellte das MTVC 1941 seine Übertragungen ein und verlagerte die Ausrüstungen nach Swer­dlowsk, doch bereits 1944 gingen die Arbeiten weiter. Am 7. Mai 1945 nahm das Moskauer TV Zentrum als erster Sender Europas den regulären Betrieb auf.

Das Fernsehen galt als Beleg für die Überlegenheit des Sozialismus. Deshalb war es kaum erstaunlich, dass Moskau nun auch in seiner deutschen Besatzungszone die neue Technik förderte. Schon vor Gründung der DDR beauftragte die SMAD ostdeutsche Rundfunkverantwortliche ihres Vertrauens mit wichtigen Funktionen. Fünf Tage nach Gründung des Staates am 7. Oktober 1949 wurde die Kontrolle des Rundfunks unter sowjetischer Aufsicht an das neue Amt für Information beim Ministerpräsidenten der provisorischen Regierung der DDR übertragen.

Nunmehr trieb auch Hans Mahle seine Pläne für ein eigenes ostdeutsches Fernsehen voran. Zum 1. Oktober 1949 stellte er Ernst Augustin als Oberingenieur im »Zentrallaboratorium der Generalintendanz des Rundfunks« ein. Der 1902 geborene Techniker hatte eine Karriere als leitender Ingenieur bei der Radiotelefonie AG gemacht, 1931 wurde er Technischer Leiter des Rundfunkbetriebs Berlin und 1936 des Paul-Nipkow-Fernsehsenders. Ab 1941 arbeitete Augustin für die Tobis Film AG. Nun baute er für 60 Millionen Mark – nach westlichen Angaben – das großzügig geplante ostdeutsche Fernsehstudio auf. Die DDR hatte den Fachmann mit einem gutdotierten »Einzelvertrag« gelockt und bei Erfolg den »Nationalpreis« in Aussicht gestellt. Das Bauprojekt für die Gebäude des Fernsehzentrums Berlin (FZB) in Berlin-Adlershof verantwortete der freie Architekt Wolfgang Wunsch. Bereits während des Baus begannen am 13. Mai 1950 die Fernseh-Sendeversuche.

Schnell stellte sich heraus, dass es ohne Hilfe aus der Sowjetunion nicht gehen würde. Deshalb verkündete Armeegeneral Wassili Iwanowitsch Tschuikow, derweil Vorsitzender der Sowjetischen Kontrollkommission (SKK) in Deutschland, mit Befehl Nummer 24 vom 15. Februar 1952 Maßnahmen, die der Ministerrat der UdSSR zur Unterstützung des Fernsehfunks der DDR beschlossen hatte. Dazu gehörte die Ausbildung von Fachkräften, technische Hilfe durch in sowjetischer Hand befindliche Betriebe und die Freigabe von 200 der im VEB Sachsenwerk Radeberg gefertigten Fernsehempfänger »Leningrad« aus Reparationslieferungen an die Sowjetunion für die Nutzung in der DDR. Die Zeit drängte, denn auch im Westen liefen die Vorbereitungen für ein eigenes Fernsehprogramm auf Hochtouren.

Start zu Stalins Geburtstag

Am 16. Dezember 1952 verkündete das Zentralorgan der SED, Neues Deutschland, im üblichen amtlichen Stil: »Auf einer Pressekonferenz teilte am Montag der Leiter des Fernsehzentrums Berlin, Hermann Zilles, mit, dass das offizielle Versuchsprogramm ab 21. Dezember, dem Geburtstag J. W. Stalins, täglich von 20.00 Uhr bis 22.00 Uhr laufen wird …«

Anfang der fünfziger Jahre hatten viele Leute andere Sorgen, als ausgerechnet Zeitung zu lesen. Deshalb fiel nur wenigen auf, dass nun auf einmal Hermann Zilles Chef des Fernsehzentrums und Ulbrichts Rundfunkmann Hans Mahle stillschweigend verschwunden war.

Er war drei Tage nach dem ersten Spatenstich für das Fernsehzentrum am 11. Juni 1950 in die Mühlen innerparteilicher »Säuberungen« der SED geraten. Der Vorwurf lautete »mangelnde ideologische Klarheit«, als Anlass diente sein Wohnsitz in Westberlin. Der eigentliche Hintergrund war jedoch die Suche nach Sündenböcken für Schauprozesse in Stalinscher Manier. Sie reichte bis in die Parteiführung und betraf etliche hohe Funktionäre, wie zum Beispiel SED-Politbüromitglied Paul Merker, Reichsbahnchef Willy Kreikemeyer oder den damaligen Chefredakteur des Zentralorgans Neues Deutschland, Lex Ende. Unter Anschuldigungen wie, »kein Vertrauen zur Sowjetunion« zu besitzen und »Befehle amerikanischer Imperialisten befolgt« zu haben, rollten in Budapest und Prag bereits Köpfe. Mahle verlor zunächst nur seinen Posten, blieb aber für den Aufbau des Fernsehzentrums und des dazugehörigen »Zentrallabors« verantwortlich.

Im Mai 1952 zerstörte ein Brand das gerade fertiggestellte, erste Ansagestudio. Ohne die polizeilichen Untersuchungen abzuwarten, denunzierte der damals 42-jährige und sehr karrierebewusste Generalintendant des DDR-Rundfunks, Kurt Heiß, in einem Brief an die Staatssicherheit Hans Mahle. Er forderte, ihn für den Brand »mit allen Konsequenzen verantwortlich« zu machen. Noch am gleichen Tag wurde Mahle abgelöst und »zur Bewährung in die Produktion« nach Schwerin geschickt. Dort blieb er auch, nachdem sich herausgestellt hatte, dass der Brand ohne seine Schuld durch Fahrlässigkeit und einen technischen Defekt entstanden war. Hans Mahle wurde erst am 24. Februar 1959 offiziell rehabilitiert und arbeitete danach als Chefredakteur der Zeitung Die Wahrheit in Westberlin. Ab 1962 fungierte er als Mitglied des Parteivorstands der Sozialistischen Einheitspartei Westberlins (SEW), einem Ableger der SED, den es nur in der geteilten Stadt Berlin gab. Hans Mahle starb 1999.

Seinen Posten als Verantwortlicher für den Aufbau des Fernsehzentrums in Adlershof übernahm bereits 1952 der bisherige Hauptabteilungsleiter für Programmplanung des Rundfunks, Wolfgang Kleinert. Über ihm residierte nun Kurt Heiß, der am 15. September 1952 zum ersten Vorsitzenden des Staatlichen Komitees für Rundfunk ernannt wurde. Seine Qualifikation hatte Kurt Heiß in der Sowjetunion erworben. Dort war er nach seiner Emigration 1935 bei Radio Moskau tätig gewesen.

Neuer Chef des Fernsehzentrums und erster »Intendant« des Fernsehens wurde ab August 1952 Hermann Zilles. Zuvor hatte er in leitenden Positionen beim Deutschlandsender und beim Berliner Rundfunk gearbeitet. Auf den Chefsessel hatte ihn seine antifaschistische Vergangenheit gebracht.

Der Start des Versuchsprogramms am 21. Dezember 1952 schlug gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Den Regelbetrieb des Fernsehens im Westen begann der Nordwestdeutsche Rundfunk (NWDR) erst vier Tage später, am 25. Dezember 1952, und dem Generalissimus im Osten wurde die ihm gebührende Ehre zum Geburtstag erwiesen. Dass das neue Medium es damals auch als Aufgabe sah, die Deutschen zu vereinen, bewies das Fernsehzentrum Berlin aus Adlershof gleich am Heiligabend 1952. Unter dem Titel »Deutsche Glocken rufen zur Weihnacht« erklang das Geläut der »Maria Gloriosa« vom Erfurter Dom und des »Dicken Pitter« aus Köln, ergänzt von der neuen »Friedensglocke« aus Frankfurt an der Oder.

Die damals 27-jährige Ansagerin Margit Schaumäker erklärte den paar Hundert Zuschauern in Berlin, davon 75 Privatleuten, was sie künftig zu erwarten hatten: »Verehrte Fernsehfreunde! Das Staatliche Rundfunkkomitee, Fernsehzentrum Berlin, eröffnet sein offi­zielles Versuchsprogramm. Von heute ab wird Abend für Abend der Bildschirm Ihres Empfängers aufleuchten – für zwei Stunden kommt das Leben unserer Republik, aber auch das Leben ferner Länder über den Äther in Ihr Heim und in den Kulturraum Ihres Betriebes …«

Später erinnerte sie sich an die gut fünfzig Grad im Studio und daran, dass sie stehen musste – sitzen galt dem unsichtbaren Publikum gegenüber als unhöflich. Trotzdem ließ die Schauspielerin, 1951 in einer Hauptrolle des DEFA-Films Modell Bianca zu sehen, ihren Vertrag am Dresdner Staatsschauspiel sausen, denn ihr Mann wollte nicht aus Berlin weg. »Darum war ich froh, als das Angebot vom Fernsehen kam.« Und gut verdient wurde dort von Anfang an auch. Für zehn Ansagen gab es rund 1.500 Mark, das Fünffache eines normalen DDR-Lohns, der damals bei etwa 300 Mark brutto im Monat lag. Margit Schaumäker erschien bis 1964 auf dem Bildschirm, danach arbeitete sie als Kulturredakteurin und bei »Prisma«. Sie starb im November 2012 im Alter von 87 Jahren.

Sehr viel zu sehen gab es auf der »Postkarte« des Empfängers »Leningrad« für die Zuschauer nicht. Die einzige Kamera, ein Telefunken-Vorkriegsmodell, arbeitete nur zwanzig Minuten am Stück, bevor sie zu heiß wurde, und das Fernsehzentrum verfügte gerade einmal über drei Kurzfilme: einen über das Segelschulschiff Wilhelm Pieck, einen weiteren unter dem Titel Pferde und schließlich eine Anleitung zur richtigen Zahnpflege. Zu den Nachrichten flackerten mehr oder weniger aktuelle Fotos auf dem Bildschirm. Günter Puppe, einer der Regisseure der ersten Stunde, erinnerte sich später: »Wir produzierten fleißig Sendungen, die hauptsächlich aus Dia-Serien bestanden … Unsere S-Bahn, die hat Schwung hieß eine, bei der wir mit viel ›Schwung‹ etwa vierzig Dias über den Sender jubelten. Die entsprechenden Texte wurden vorher auf Band aufgenommen.« Eigene Filme gab es noch nicht und auch kein Budget für den Ankauf. Den »Premieren-Film« für das ostdeutsche Fernsehen, Die steinerne Blume, besorgte Programmchef Wolfgang Kleinert direkt vom sowjetischen Filmvertriebsvertreter in der DDR – gegen ein »Geschenk« von drei Flaschen Adlershofer Wodka.

Das erste »richtige« Programm, und das auch noch in der »Ferne« Leipzigs zu sehen, lief zur Herbstmesse 1953. Der Opernfilm Boris Godunow gehörte dazu, und es wurden fernsehgerechte Literaturadaptionen und schließlich am 9. September 1953 eine zweistündige Revue gesendet.

Wichtiger war jedoch, dass es derweil selbstent­wickelte und länger laufende Ikonoskop-Kameras, ein erstes Studio und die Möglichkeit von »Gastspielen« im Filmstudio Johannisthal gab. Am 11. September 1953 spielte das Berliner Ensemble Brechts Die Gewehre der Frau Carrar. Prinzipalin Helene Weigel hatte Bedenken gegen die geplanten Nahaufnahmen: »Man muss von den Schauspielern immer auch die Füße sehen können. Mitunter sagen die mehr als das Gesicht.« Doch Bertolt Brecht gefiel, was er bei der Abnahmevorführung zu sehen bekam. Fernsehpionier Hans Müncheberg: »Alle Mitarbeiter hatten ein schlechtes Gefühl. Neuland war die Verfilmung eines Theaterstückes immer noch, Film ab – alle Angst schien umsonst. Der große Meister ließ Zustimmung und Anerkennung für das Kollektiv laut werden. Wir waren glücklich. Wenn Brecht etwas lobte, so musste es wirklich akzeptabel sein.«

Noch war das neue Medium nicht besonders wirksam, doch dass es eine große Zukunft haben würde, war längst klar. Und der Westen ärgerte sich, dass er am Start nur Zweiter war.

Reaktionen aus dem Westen und

interne Querelen

Nach den ersten fünf Monaten der Flimmerbilder aus Adlershof kommentierte der Hamburger Spiegel im ­April 1953 wohl auch deswegen das Ereignis mit der größtmöglichen Häme: »Wenn im vierten Jahr des ›sozialistischen Aufbaus in der Deutschen Demokratischen Republik‹ der geplante Fernseh-Sender mit Richtstrahlern nach Westdeutschland auf dem Gipfel des Harzer Brockens stehen sollte, können Fernseh-Intendant Werner Pleister und seine Zauberspiegler vom Nordwestdeutschen Rundfunk wieder normal durchatmen; denn dann werden die westdeutschen Kritiker erleben, was sie bislang nicht glauben wollten: dass Fernsehen noch sehr viel schlimmer sein kann.«

Dahinter stand der Ärger, dass der Nordwestdeutsche Rundfunk trotz seiner am 27. November 1950 begonnenen Versuchssendungen bis zum Heiligabend 1952 zwar schon 31 188 Sendeminuten ausgestrahlt hatte, das »offizielle« Programm aber nach dem der »So­wjetzone« begann. Die Sendungen aus dem ehemaligen Flak-Leitbunker auf dem Heiligengeistfeld in Hamburg wurden im Kontrast zum Fernsehen im ­Osten als »unpolitisch« angepriesen. NWDR-Intendant Werner Pleister erklärte zum Start: »Das Fernsehen schlägt Brücken von Mensch zu Mensch. Von Völkern zu Völkern. So ist es wohl das richtige Geschenk gerade zu Weihnachten. Denn es erfüllt seine Möglichkeiten erst ganz, wenn es die Menschen zueinander führt und damit beiträgt zur ewigen Hoffnung der Menschheit: Friede auf Erden. In dieser Hoffnung beginnen auch wir nun unser Programm.« Um die Abwendung von der Politik zu unterstreichen, übertrug das neue Medium am zweiten Sendetag die DFB-Pokal-Partie des FC St. Pauli gegen die Sportfreunde Hamborn 07 aus Hamburg. Rund 5 000 private Zuschauer konnten dies sehen.

Gegen die ersten Fernsehschritte im Osten stichelte das Magazin Der Spiegel: »Bei ihrem kulturellen Neuaufbau fangen die Fernseh-Leute ganz unten an – auf der Mitte zwischen Hilfsschul- und Funktionärsniveau … Die Kindermärchen, die sonntagnachmittags als Puppen-Trickfilme gebracht werden, gelten als das bisher reinste Vergnügen, das Adlershof zu versenden hat. (…) Direkte Übertragungen von Aufmärschen, Sportkämpfen oder Theaterpremieren sollen, wie die Illustrierte ›Der Rundfunk‹ tröstend mitteilt, in Russland schon gebräuchlich sein. In Adlershof sind sie bisher nicht möglich. Auch Original-Fernsehspiele fehlen so gut wie ganz. Dafür wurden einige Inszenierungen auf Ostberliner Bühnen und einige Varieté-Nummern mitgefilmt und später gesendet.«

Der Kampf im Äther hatte begonnen, und das zeigten die Kommentare aus dem Westen: »Von diesem Erfolg haben sich Intendant Hermann Zilles und sein 900-köpfiger Stab im ›Fernseh-Zentrum Adlershof‹ bis heute nicht erholt. Sie produzieren jeden Tag von acht bis zehn Uhr abends ein Programm, das seiner Erzeuger so gründlich spottet, dass jedes antikommunistische Kabarett der Westberliner Konkurrenz dagegen verblasst … so entblößen die 625 flimmernden Lichtzeilen auf dem FS-Bildschirm die vernichtenden Blödeleien des Kommunismus unerbittlicher als jedes andere Medium …«

Das war in Wahrheit durchaus nicht immer der Fall. Die Fernsehmacher in Adlershof verstanden sich als Kultur-Boten und begannen ihre Mission trotz bescheidener technischer Mittel bereits mit ersten Sendungen wie »Das gute Buch« oder »Meisterwerke deutscher Kultur«. Mit Don Juan oder der steinerne Gast von Alexander Puschkin kam im Dezember 1953 das erste Stück Weltliteratur auf den Mini-Bildschirm. Der später verfemte Stefan Heym lieferte Die schwarze Liste als Vorlage für das erste Adlershofer Fernsehspiel zu Gegenwartsthemen. Es lief im April 1954. Ergänzt wurde das Angebot immer wieder von Opern- und Operettenaufführungen und den ersten Shows, die damals noch »Unterhaltungssendungen« oder »Bunter Abend« hießen.

Politische Aktualität war kaum zu leisten, und überdies gab es ja auch nur ein paar Hundert Leute, die das Fernsehen jener Jahre erreichte. Herbert Köfer erschien als erster Sprecher der »Aktuellen Kamera« auf dem Bildschirm. Die erste »Nachricht« lautete: »Guten Abend! Heute wird der beste Freund des deutschen Volkes, Generalissimus Stalin, 73 Jahre alt. Mit dem Namen Stalin ist für unser Volk für immer viel verbunden. Es verging nicht ein Jahr nach 1945, in dem uns nicht Stalin und mit ihm das große sowjetische Volk reich beschenkte.« Schon nach drei Monaten löste Intendant Zilles seinen Nachrichtensprecher Köfer mit dem Vorwurf ab: »Du sprichst die Nachrichten nicht, du spielst sie.« Der Schauspieler war zufrieden und genoss fortan ganz direkt seinen Erfolg: »Wenn mal jemand anrief, erkannte ich den Zuschauer meist schon an der Stimme. Wir hatten damals einen sehr ›direkten‹ Kontakt zum Publikum!«

Vielleicht deshalb wollte sich bei den ersten Fernseh-Schritten wohl auch kaum jemand aufs dünne politische Eis der aktuellen Ereignisse begeben. Im Frühjahr 1953 grummelte es in der jungen DDR gewaltig. Hans Müncheberg: »Auch wenn sich das Fernsehzentrum um eine halbwegs aktuelle Berichterstattung bemühte, so kann ich mich dennoch nicht erinnern, dass in dem allwöchentlichen Kommentar zum Zeitgeschehen über die Nöte jener gesprochen wurde, denen man Anfang April die Lebensmittelkarten entzog. In der Sendereihe Wussten Sie schon?, die sich, wie es damals hieß, ›operativ mit volkswirtschaftlichen Problemen‹ befasste, reagierte man auch nicht auf die Unzufriedenheit unter vielen Belegschaften, als Ende Mai die Arbeitsnormen per Dekret erhöht worden waren … Die Auseinandersetzungen vom 17. Juni haben das Gelände des FZ nicht berührt. Dennoch wurde ein ›Kampfstab‹ gebildet, eine Belegschaftsversammlung abgehalten und jedermann zu ›erhöhter Wachsamkeit‹ aufgerufen.«

Das hatte Folgen, die sich im Herbst 1953 zuspitzten. Im Oktober verhaftete die Staatssicherheit eine Mitarbeiterin des Fernsehzentrums, die am 9. November 1953 als »Westagentin« verurteilt wurde. Mit ihr fiel Intendant Hermann Zilles in Ungnade. Aus den Ermittlungen hatten sich Hinweise auf einen »moralischen Sumpf« im Fernsehen ergeben, der nun Zilles als »politisch Verantwortlichem« angelastet wurde. Obwohl zu jener Zeit hochnotpeinliche Verhöre moralisch gestrauchelter Genossen oft Gegenstand von Parteiversammlungen waren, stellte sich schnell heraus, dass es offenbar mehr um die Person Zilles statt um vermeintliche Verfehlungen ging. Nach dem III. Parteitag der SED im Juli 1950 galt die von Stalin verfügte »Bekämpfung des Sozialdemokratismus« als wichtigste politische Aufgabe der Partei. Wer sich dabei zögerlich zeigte – und dafür gab es in der erst 1946 aus der Vereinigung von KPD und SPD entstandenen SED ein großes Potential –, wurde als »Versöhnler« diffamiert. Besonders betroffen waren davon Kommunisten, die in der Nazizeit in der »Westemigration« lebten.

Hermann Zilles stammte aus Köln und war seit 1930 in der KPD aktiv. Bereits im August 1933 verhafteten ihn die Nazis und verurteilten ihn wegen »Vorbereitung zum Hochverrat« zu achtzehn Monaten Gefängnis. Nach Verbüßung dieser Strafe arbeitete er weiter für die Partei, 1936 gelang die Emigration in die Niederlande. Dort wurde Zilles nach Ausbruch des Krieges interniert und wenig später an die Gestapo ausgeliefert. 1941 verurteilte der »Volksgerichtshof« den Funktionär zu zehn Jahren Zuchthaus. Hermann Zilles überlebte die Haft im Zuchthaus Siegburg und ab 1943 im KZ Buchenwald. Dort war er Mitglied der illegalen KPD-Leitung.

Nun machte in der Folge der Spionageaffäre eine extra eingesetzte Untersuchungskommission des Staat­lichen Rundfunkkomitees und der SED-Parteileitung des Fernsehens dem sofort abgesetzten Intendanten Zilles Vorwürfe, die sich vordergründig auf sein persönliches Verhalten richteten. In den Protokollen der Kommission hieß es dazu unter anderem: » – Deine Auffassung Frauen und Trinken gegenüber ist nicht parteimäßig. – Es ist deine Hauptaufgabe zu stimulieren, damit das proletarische Element zum Zuge kommt …« Zeitzeugen erinnern sich daran, dass das sicher nicht alles aus der Luft gegriffen war, dennoch lag der politische Hintergrund wahrscheinlich tiefer. Hans Müncheberg: »Unter der Hand hörten wir, Hermann Zilles sei während seiner Haft im Konzentrationslager Buchenwald in ein Spannungsfeld zwischen älteren und jüngeren politischen Gefangenen geraten. Schon dort hätten sich Differenzen zwischen ihm und anderen politischen Häftlingen, die inzwischen zur Parteiführung gehörten, ergeben.« Das deutete sich auch in den Schlussfolgerungen der Untersuchungskommission an: »… Darum versöhnlerisches Verhalten, dadurch die schlechte Situation im Betrieb. Die größte Schuld messen wir dir zu, du bist die längste Zeit in der Partei …« Eine »Verwarnung wegen mangelnder ideologischer Wachsamkeit« hatte Zilles bereits weg, nun verlor er aus dem gleichen Grund seinen Chefsessel in Adlershof.

Hermann Zilles wurde mit dem Chefredakteursposten der Halbmonatsschrift Die Schatulle abgefunden. Er starb im Alter von 52 Jahren im April 1956. Die Schatulle mit einer Auflage von zuletzt über 100 000 Exemplaren wurde 1962 eingestellt. Hans Müncheberg bewertete nach dem Ende von DDR und Deutschem Fernsehfunk die frühen Querelen so: »Als aktiver Mensch von den eigenen Genossen derart rüde ins Abseits gedrängt zu werden, hat Hermann Zilles’ Lebenskraft aufgezehrt … Stalin war gestorben, seine Methoden nicht.«

Mit der Meinung stand er nicht allein. Diskutiert wurde damals nicht darüber, denn niemand wollte ebenfalls ein »Versöhnler« sein. Käthe Zilles, die Witwe des Intendanten, bekam ab Mitte der fünfziger Jahre einen Job als Ansagerin. Manche meinten, dass dabei auch ein wenig das schlechte Gewissen mitspielte. Sie war es, die als erste am 21. November 1959 das »Sandmännchen« ankündigte.

Das Fernsehen war derweil in ruhigere Fahrwasser geraten und hatte nun einen Chef, der bereits als »Kaderleiter« in Adlershof an der Absetzung Hermann Zilles’ beteiligt war und bis zum Ende der DDR die Marschrichtung überwachte.

Der Aufpasser und sein Zensor

Den Beginn seiner Karriere verdankte Heinrich Adameck, den alle immer nur »Heinz« nannten, einem kriegsmüden Feldwebel der Wehrmacht. Dass er zwischen den Klippen und Strudeln der SED-Kulturpolitik mit mehr als 35 Jahren Amtszeit der dienstälteste Fernsehchef der Welt wurde, ermöglichte ihm seine Fähigkeit, die Balance zwischen Aufpassen und Anpassen zu halten. Und wenn seine DDR und er nicht gestorben wären, ließe es Heinz Adameck heute noch flimmern.

Seine Tätigkeit als Intendant des DDR-Fernsehens und in zahlreichen anderen Leitungsgremien brachte dem »Napoleon« aus Adlershof den Ruf eines »Hardliners« ein. Das entsprach sicher den Erfahrungen vieler mit Heinz Adameck – er selbst beklagte später im kleinen Kreis die »jahrelang praktizierte Selbstzensur«, die vielen »die Luft zum Atmen nahm«. Zu Lebenszeiten der DDR störte sie ihn offenbar nicht, und er verabscheute den »Wind of Change«. Selbst als der aus Moskau kam und langsam zum Sturm wurde.

Heinz Adameck war ein Funktionär, der tat, was von ihm erwartet wurde: Er funktionierte. Seine in mehr als zwanzig Jahren Arbeit für das DDR-Fernsehen gesammelten Erfahrungen mit dem Chef beschrieb Chef­reporter Günter Herlt aus der Sicht des Insiders: »Er musste eine Nase haben, einen untrüglichen Instinkt für die Großwetterlage. Er musste riechen, welche Bilder und Worte im ›Großen Haus‹ Sodbrennen auslösen können. Er musste das seinen Mitarbeitern so nahebringen, dass diese zur Selbstverstümmelung bereit waren. Und sei es auch nur aus Mitleid mit ihm.« Die herausgehobene Position Heinz Adamecks, Mitglied des erweiterten Führungszirkels im besagten »Großen Haus«, dem Zentralkomitee der SED, gewesen zu sein, half ihm dabei wenig. Herlt: »Obwohl er ZK-Mitglied war, kassierte er Fußtritte von den Apparatschiks. Manchmal gab er die Tritte mit doppelter Wucht weiter an seine Leute. Öfter fing er sie auch ab, wenn sie nicht die Machtfrage tangierten.« Sich darüber Gedanken zu machen, verbot die Funktion, und das war ein Teil der Tragödie DDR. Für den allmächtig scheinenden Chef aus Adlershof begann sie mit dem großen Traum, den viele träumten.

Er fing an, als seine Wehrmachtseinheit 1944 bei Rustawi in der Nähe von Tiflis den Krieg auf eigene Faust beendete. So wurde der 23-jährige Heinz kein gewöhnlicher Gefangener, sondern ein Überläufer zur Roten Armee. Er und ein Kamerad blieben die einzigen ihrer einst 30-köpfigen Klasse vom Jahrgang 1921, die den Krieg überlebten.

Heinz Adameck aus Silberhausen im Eichsfeld hatte Kaufmann gelernt und als Lagerist in einer Papierwarenfabrik gearbeitet, bevor er 1940 eingezogen wurde. Nun suchte der noch einmal mit dem Leben davongekommene Obergefreite dessen Sinn. Er fand ihn beim Nationalkomitee Freies Deutschland (NKFD) im Kriegsgefangenenlager 165 bei Taliza. Von dort schickte man ihn auf die nahe gelegene Antifa-Schule, die später zur »Zentralschule 2041« und Ausbildungsstätte vieler nachmaliger DDR-Funktionäre wurde. Nachdem Heinz Adameck sie 1949 erfolgreich abgeschlossen hatte und in die Heimat zurück durfte, warteten schon in Frankfurt an der Oder Abgesandte des Zentralkomitees der SED auf ihn. »Die Kader entscheiden alles«, hatte Stalin verkündet, und Heinz Adameck sollte dazugehören. Ein verlockendes Angebot an einen, der knapp zehn Jahre seiner Jugend verloren hatte.

Der inzwischen fast Dreißigjährige wurde »Kaderleiter« im Thüringer Innenministerium, verantwortlich für sämtliche Landesbedienstete, die die neue Verwaltung aufbauen würden. Dabei »bewährte« er sich, so dass ihm »die Partei« mit Gründung der DDR eine neue Aufgabe übertrug. Sie ordnete Adameck zum Rundfunk ab, um dort »in kürzester Frist die Position der Partei der Arbeiterklasse auszubauen«. Das dürfte ein kompliziertes Unterfangen gewesen sein, denn in dem hoch spezialisierten Bereich konnte niemand von heute auf morgen das Personal auswechseln und durch Parteifunktionäre ersetzen. Viele der Leute, die dort ihr Handwerk verstanden, hielten zuvor die Propagandamaschine der Nazis am Laufen, die »fortschrittlichsten« unter ihnen hatten sich ihre bürgerlich-humanistische Gesinnung bewahrt. Andere verdienten sich ihre Sporen an verschiedenen Theatern. Gab es bei einigen »politische Bildung«, stammte sie zumeist aus den Kriegsgefangenenlagern in der Sowjetunion. Doch viele hatten nur den Willen, nach dem verheerenden »Zusammenbruch« einen radikalen Neuanfang zu wagen. Als Kaderleiter der Generalintendanz des Rundfunks ab Januar 1951 sorgte Heinz Adameck zunächst dafür, dass die richtigen Leute dazu die Chance bekamen. Das tat er offenbar erfolgreich, denn 1954 wurde Adameck Intendant des Deutschen Fernsehfunks, was ihm ab 1963 auch einen Sitz im ZK der SED und die Präsidentschaft im Verband der Film- und Fernsehschaffenden einbrachte.

Heinz Adameck erinnerte sich rückblickend an den Beginn seiner Laufbahn bei dem neuen Medium, von dem damals noch niemand ahnte, dass es bald die Massen mehr als der bisherige Rundfunk beeinflussen würde: »Es gab die prinzipielle Erkenntnis, mit unserem Fernsehen wächst ein politisches, künstlerisches Instrument ersten Ranges heran, dessen sich jede Gesellschaft bedienen wird, und wir müssen uns rechtzeitig darauf einstellen. Es war dafür eine Konzeption erforderlich, die Ausgangspositionen dafür zu schaffen hatte, was das Fernsehen heute als politisches In­strument der Arbeiterklasse ist … Was ich mitbrachte, war eine klare Vorstellung, wohin grundsätzlich so ein Instrument geführt werden muss. Was ich aber nicht wusste, war, wie Fernsehen gemacht wird.«

Letzteres lernte der arbeitsame Mann schnell. Zeitzeugen berichten, dass er oft in den Studios und Redaktionen auftauchte und jede Möglichkeit zur Diskussion mit den Fachleuten nutzte. Später blieb das die seltene Ausnahme. In Fernstudiengängen qualifizierte sich Heinz Adameck zum Diplom-Rechtswissenschaftler und zum Diplom-Journalisten. Viel wichtiger war aber wohl, dass er verstanden hatte, Publizistik und Kunst der Parteilinie unterzuordnen und so seinen Beitrag im »Klassenkampf« zu leisten. Dass dazu beides eine Einheit bilden müsse, erklärte er nach dem Bau der Mauer: »Wir können nicht darauf verzichten, mit

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