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Die schönsten russischen Märchen: Mit Illustrationen von Iwan Bilibin

Die schönsten russischen Märchen: Mit Illustrationen von Iwan Bilibin

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Die schönsten russischen Märchen: Mit Illustrationen von Iwan Bilibin

Länge:
225 Seiten
3 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
11. Nov. 2016
ISBN:
9783959587341
Format:
Buch

Beschreibung

Ihr Reiz des Geheimnisvollen speist sich aus dem Reichtum der russischen Erzähltradition: Märchen voller Fantasie, die schon Generationen verzauberten. Diese großartige Sammlung der schönsten und wichtigsten Märchen aus der Feder bekannter Erzähler präsentiert sie zusammen mit romantischen, zauberhaften und prächtigen Illustrationen des berühmten Ivan Bilibin. »Baba Jaga«, »Bruder und Schwester«, »Der Zarensohn und sein Diener«, »Wassili und der graue Wolf« und viele weitere zeigen eindrucksvoll, welch grandioser Schatz in den Erzählungen liegt. Ein Lesevergnügen für Jung und Alt!
Herausgeber:
Freigegeben:
11. Nov. 2016
ISBN:
9783959587341
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Die schönsten russischen Märchen - Volksmund

Bild und Heimat

eISBN 978-3-95958-734-1

1. Auflage

© 2015 by BEBUG mbH / Bild und Heimat, Berlin

Umschlaggestaltung: Marc Eberlin, BEBUG

Umschlagabbildung: Iwan Bilibin

Ein Verlagsverzeichnis schicken wir Ihnen gern:

BEBUG mbH / Verlag Bild und Heimat

Alexanderstr. 1

10178 Berlin

Tel. 030 / 206 109 – 0

www.bild-und-heimat.de

Snegúrotschka

Es war vor langer Zeit. Da lebte der Bauer Iwan mit seiner Frau Maria auf einem schönen Bauernhof in einem abgelegenen kleinen Dorf, fern von Moskau, weit hinten in der sibirischen Provinz. Sie liebten sich und waren sich von Herzen zugetan. Aber leider hatten sie keine Kinder. Die Zeit verging, und sie wurden alt und immer älter. Sie konnten von dem, was sie anbauten und verkauften, gut leben. Doch das leere Kinderzimmer im Haus machte sie beide traurig. Das Einzige, was ihnen Freude bereitete, war, anderen Kindern beim Spielen zuzusehen. Doch so sehr sie sich auch ein Kind wünschten, es wollte sich einfach keines einstellen.’

Es war wieder Winter geworden und in der Nacht hatte es geschneit. Alle Kinder im Dorf rannten nach dem Frühstück auf die Straße und spielten im Schnee. Iwan und Maria setzten sich ans Fenster und schauten den Kindern zu, wie sie herumtollten. Das lustige Treiben auf der Straße machte sie froh und ließ sie für einen Moment ihr eigenes Leid vergessen. Die Kinder begannen einen Schneemann zu bauen. Iwan sagte zu Maria: »Komm, meine geliebte Frau, lass uns auch einen Schneemann bauen!« Maria freute sich über die Idee ihres geliebten Mannes: »Ja, das wird schön. Aber was hältst du davon, keinen Schneemann zu bauen, sondern ein Schneemädchen? Ich wünsche mir schon so lange ein Mädchen, da können wir uns wenigstens eines aus Schnee machen.« – »Du hast recht, geliebte Frau«, erwiderte Iwan, zog sich an, wartete, bis Maria sich ebenfalls angezogen hatte, dann gingen sie gemeinsam hinaus auf die Straße.

Sie formten aus Schnee einen Körper mit Armen und Beinen und einem Kopf. »Gott zum Gruß«, sagte ein Passant. »Was macht ihr da?« – »Sieh selbst ... darf ich vorstellen? Das ist Snegúrotschka«, antwortete Maria und lachte. Sie formte ein Näschen, einen Mund, Augen, Ohren und betrachtete zufrieden ihr Werk. Zum Schluss gab sie dem Schneemädchen einen Kuss auf den Mund. Und plötzlich – fing es an zu atmen. Iwan schaute erstaunt, wie das Schneemädchen die blauen Augen öffnete und mit seinen roten Lippen freundlich lächelte. Die Snegúrotschka bewegte den Kopf, als ob sie lebendig wär, und strampelte mit Beinen und Armen. »Was geht hier vor? Das ist ein Wunder!«, murmelte Iwan und bekreuzigte sich. »Ach, Iwan, Iwan!«, rief Maria aus und strahlte vor Freude. »Gott hat unsere Gebete erhört und uns ein Kind geschenkt!« Der Schnee fiel von dem Mädchen ab wie die Schale vom Ei, und ein lebendiges kleines Mädchen stand vor ihnen. »Meine geliebte Snegúrotschka!«, freute sich Maria und führte das Mädchen freudestrahlend ins Haus. Iwan war immer noch verblüfft über das Wunder und folgte ihnen langsam.

Seitdem lebte Snegúrotschka bei Iwan und Maria. Sie wuchs schnell und von einem Tag zum andern wurde sie immer schöner. Von da an waren Iwan und Maria glücklich über alle Maßen. Das Haus war immer voller Kinder, die Snegúrotschka besuchten. Die Mädchen spielten verschiedene Spiele und sangen mit ihr, lehrten sie alles, was sie selbst wussten. Snegúrotschka lernte alles außerordentlich rasch. So ging es dreizehn Jahre lang. Als es dann wieder Frühling wurde, überfiel eine große Traurigkeit Snegúrotschka. »Was ist dir?«, fragte Maria sie. »Was hast du denn?«, wollte Iwan wissen. Doch Snegúrotschka schüttelte nur den Kopf.

Sie war jetzt ein sehr kluges dreizehnjähriges Mädchen, schön wie ein Kindertraum. Ihre Haut war weiß wie Schnee, die Augen von der Farbe von Veilchen, ihr blonder Zopf reichte bis zum Gürtel, und sie hatte eine wunderschöne Stimme. Oft sang sie bei der Hausarbeit oder auf dem Weg zur Schule, und immer blieben die Leute stehen, um ihre überirdische Stimme noch einen Moment zu hören. Zudem war sie äußerst freundlich gegenüber jedermann und sehr bescheiden. Im Haushalt half sie Maria bei allen Arbeiten. Ihre Eltern waren sehr glücklich. »Schau, Iwan«, sagte Maria zu ihrem Mann, »was für ein Geschenk wir von Gott bekommen haben.« Iwan antwortete: »Gott sei Dank! Die Freude ist nicht ewig, aber der Kummer auch nicht unendlich.«

Die Märzensonne wärmte schon die Erde. Auf den Wiesen brachen die Grasspitzen durch die Schneedecke und die Vögelchen zwitscherten lustig. Die Mädchen sammelten sich auf einer Wiese außerhalb des Dorfes und tanzten einen Chorowod (traditioneller Rundtanz). Sie sangen: »Schöner Frühling, sag uns doch, woher kommst du geflogen?« Snegúrotschka tanzte nicht mit, sie saß abseits und blickte zu Boden. Bald ging sie nach Hause. Als Maria ihre traurige Miene sah, fragte sie: »Was ist denn mit dir, mein Lieblingskind? Bist du krank? Warum bist du so traurig? Hat dich ein böser Bub gekränkt?« Snegúrotschka antwortete ihr jedes Mal: »Es geht mir gut, liebe Mutter. Mach dir keine Sorgen. Ich bin gesund.«

Der Frühling vertrieb den letzten Schnee mit warmen Tagen. Auf den Wiesen, in den Gärten erblühten die ersten Blumen, die Nachtigall sang ihr Lied. Nur die arme Snegúrotschka suchte Schatten, wie ein Maiglöckchen unterm Baum. Sie war traurig und mied die Freundinnen. Eine einzige Sache bereitete ihr noch Freude: sich in der kalten Quelle unter der Weide zu baden. Eines Tages kamen kalter Wind und dicke Wolken. Große Hagelkörner fielen vom Himmel. Snegúrotschka war so froh darüber, als ob es Perlen wären. Als der Hagel aber unter den Sonnenstrahlen bald zu tauen begann, weinte Snegúrotschka bitterlich, wie eine Schwester um ihre Brüder.

Die Mädchen vom Dorf wollten ein paar Tage später im Wald spazieren gehen. Sie kamen zum Hof von Iwan und Maria und fragten, ob Snegúrotschka mit ihnen gehen könne. Maria aber wollte nicht, dass Snegúrotschka das Haus verlässt. Snegúrotschka­ selbst hatte auch keine Lust, in den Wald zu gehen. Doch weil ihre Tochter so oft traurig war, dachte Maria, dass ein Spaziergang die Snegúrotschka vielleicht auf andere Gedanken brächte. Sie zog Snegúrotschka schön an, küsste sie und sagte: »Geh, mein Lieblingskind. Amüsier dich bisschen mit den anderen Mädchen.« Die Mädchen bat sie, auf Snegúrotschka aufzupassen: »Seid vorsichtig mit ihr. Ihr wisst ja, dass Snegúrotschka meine einzige Freude ist.« – »Machen wir«, antworteten alle voller Vorfreude auf den gemeinsamen Spaziergang, nahmen Snegúrotschka in ihre Mitte und gingen zusammen in den Wald. Dort pflückten sie Blumen, machten Kränze daraus und kleine Blumensträußchen und sangen fröhliche Lieder. Snegúrotschka war mitten unter ihnen und schien auch wieder besserer Laune.

Als es Abend zu werden begann, zündeten die Mädchen ein kleines Feuer aus trockenem Gras und Ästen an. Dann standen sie in einer Reihe und sangen das Lied vom Feuersprung. Sie begannen, eine nach der andern, über das Feuer zu springen. Snegúrotschka war als Letzte dran. Nach und nach sprangen die Mädchen, als sie plötzlich eine klägliche Stimme hörten, die »Ach!« sagte. Sie schauten sich erschrocken um. Niemand war zu sehen. Aber auch Snegúrotschka schien wie vom Erdboden verschwunden. »Wahrscheinlich hat sie sich vor uns versteckt«, sagte eine, und sie begannen sie überall zu suchen. Die Mädchen riefen nach ihr. Niemand antwortete. »Wohin ist sie verschwunden?«, fragten die Mädchen. »Wahrscheinlich ist sie heim gelaufen«, sagte eine andere. Sie packten ihre Sachen zusammen und rannten ins Dorf zurück, aber Snegúrotschka war auch dort nicht. Man suchte sie am nächsten Tag, und auch am dritten. Der ganze Wald wurde abgesucht, jeder Baum und Strauch. Snegúrotschka aber blieb spurlos verschwunden.

Lange weinten Iwan und Maria über ihr verlorenes Glück. So rätselhaft, wie sie gekommen war, so war Snegúrotschka auch wieder verschwunden. Erst viel später stellte sich heraus, dass Snegúrotschka während des Sprunges über das Feuer geschmolzen war. Sie hatte sich in ein durchsichtiges Dampfwölkchen verwandelt und war in den Himmel aufgestiegen. Lange Zeit ging die arme Maria noch in den Wald, suchte überall nach Snegúrotschka und rief sie: »Ach, ach, Snegúrotschka! Mein liebstes Kind, komm doch zu mir zurück.« Oft schien es ihr, als antworte die Stimme von Snegúrotschka: »Ach! Ach«, aber das war nur das Echo auf ihre eigenen Rufe.

Baba Jaga

Es lebte einmal eine kleine, wohlhabende Familie mit Vater, Mutter und einer kleinen Tochter namens Mascha. Eines Tages wurde die Frau unerwartet krank und starb. Nach einer angemessenen Trauerzeit heiratete der Mann wieder. Leider war die zweite Frau ein zänkisches, übellauniges, missgünstiges, aufbrausendes Weib, das den Mann mit allerlei dunklen Künsten dazu gebracht hatte, sie trotz allem zu heiraten. Von Anfang an hatte sie nur böse Worte für Mascha, ihre neue Stieftochter, und schlug sie manchmal sogar. Das kleine Mädchen ging ihr auf die Nerven, sie wollte eigene Kinder mit ihrem neuen Mann haben, und die sollten das Erbe nicht teilen müssen. Also sann sie darauf, wie sie Mascha auf dem schnellsten Weg loswerden könne.

Der Vater musste in dieser Zeit einmal für mehrere Tage verreisen. Mascha weinte sehr, als er wegfuhr, denn sie wusste, jetzt würde es ihr richtig schlecht ergehen. Kaum war der Vater aus dem Haus, schrie die Stiefmutter das Mädchen an: »Lauf sofort zu meiner Schwester, du faules Ding. Ich brauche Nadel, Zwirn und reichlich Stoff, um mir ein neues Kleid zu nähen.« Die Schwester der Stiefmutter aber war die Baba Jaga, die böse Hexe. Mascha wagte nicht zu widersprechen und machte sich auf den Weg.

Unterwegs besuchte Mascha ihre Tante Warwara, die Schwes­ter ihrer verstorbenen Mutter. »Guten Tag, liebe Tante«, sagte Mascha und schaute recht traurig drein. »Grüß Gott, meine geliebte Nichte!«, sagte ihre Tante Warwara, die das kleine Mädchen sehr lieb hatte, nahm sie in die Arme und gab ihr einen Kuss auf die Wangen. »Schön, dass du mich besuchen kommst. Aber was schaust du denn so betrübt drein?« – »Ach Tantchen, die Stiefmutter hat mir einen dringenden Auftrag gegeben. Ich muss zu ihrer Schwester gehen, dort Nadel, Zwirn und reichlich Stoff holen.« Als die Tante erfuhr, wo die Schwester der Stiefmutter wohnte, ging sie zu einem kleinen, schwarzen Schrank und nahm verschiedene Dinge heraus. »Gut, dass du vorher zu mir gekommen bist!«, sagte die Tante und reichte Mascha verschiedene Dinge. »Nimm Band, Brot, Öl und Fleisch. Wenn dich eine Birke mit ihren Ästen schlagen will, so binde ihre Äste mit dem Band zusammen. Wenn das Tor quietscht und knallt und dich nicht passieren lassen will, musst du die Türangeln ölen. Wenn die Hunde dich anbellen und beißen wollen, gib ihnen das Brot. Wenn der Kater dein Gesicht und deine Augen zu zerkratzen versucht, gib ihm das Fleisch.« Die Tante umarmte Mascha nochmals, gab ihr einen weiteren Kuss und versicherte sich, dass das Mädchen alles verstanden hatte. Mascha bedankte sich bei seiner Tante und machte sich beklommen auf den Weg.

Der Weg kam ihr endlos lang vor, er führte sie tief in den Wald hinein, der immer dunkler und unheimlicher wurde. Hinter einem großen Zaun sah sie schließlich eine wundersame Hütte auf Hühnerfüßen stehen. Dort wohnte die Schwester der Stiefmutter, die furchtbare Hexe Baba Jaga, und webte. »Guten Tag, Großmutter«, sagte Mascha. Erst beachtete die alte, hässliche Frau Mascha gar nicht. Dann bemerkte sie sie und sagte unfreundlich: »Was willst du?« Mascha antwortete: »Meine Stiefmutter hat mich zu dir geschickt mit der Bitte um Nadel und Zwirn, damit sie sich ein Kleid nähen kann.« Die Baba Jaga grinste gemein und sagte: »Aber ja doch, du sollst alles bekommen. Aber vorher musst du ein bisschen weben für mich.« Das Mädchen setzte sich an den Webstuhl neben dem Fenster und begann zu weben.

Die Baba Jaga ging bald darauf aus dem Zimmer und befahl ihrer Magd: »Ich geh jetzt ins Bett und mache meinen Mittagsschlaf. Heize du die Waschküche, unsere Banja, und wasche das Mädchen gründlich. Nach dem Mittagsschlaf werde ich das Mädchen auffressen.« Mascha aber hörte ihre Worte durch die offenstehende Tür und erschrak sehr. Als die Baba Jaga sich in ihrer Schlafkammer hingelegt hatte, bat Mascha die Magd: »Bitte, zünde kein Feuer im Ofen an, sondern lass das Holz draußen.« Und schenkte der Magd das Tuch. Als die Baba Jaga nachmittags erwachte, schrie sie: »Mascha?« – »Ja, Tantchen?« – »Webst du, du faules Stück?« – »Aber ja, ich webe, Tantchen«, antwortete Mascha.

Währenddessen kam der Kater der Baba Jaga ins Zimmer und betrachtete Mascha misstrauisch. Die beugte sich zu ihm, streichelte ihn ein bisschen und flüsterte: »Brüderchen Kater, sag mir, wie kann ich von hier fliehen?« Dann gab sie ihm die Hälfte vom Fleisch aus ihrem Korb, damit er ihr nicht das Gesicht zerkratzte. Der Kater, dem das Streicheln und das Fleisch gut gefielen, sagte besänftigt zu ihr: »Hör gut zu. Auf dem Tisch liegen Handtuch und Kamm. Nimm beide und lauf schnell davon, so schnell du kannst. Die Baba Jaga wird dich verfolgen. Du musst laufen wie der Wind. Lege dich ab und zu hin und lege dein Ohr auf die Erde. Wenn du das Trampeln der Baba Jaga schon ganz nah hörst, so wirf den Kamm auf die Erde. An dieser Stelle entsteht sofort ein dichter Wald. Der Wald wird die Baba Jaga aufhalten. Währenddessen musst du in Windeseile weiterlaufen. Wenn du wieder hörst, dass die Baba Jaga näher kommt, dann wirf das Handtuch auf den Boden. Sofort wird an dieser Stelle ein Fluss fließen, das verschafft dir weiteren Vorsprung.« Mascha nahm den Kater auf den Arm und küsste ihn auf den Kopf. »Vielen Dank, Brüderchen Kater«, sagte sie, setzte ihn wieder ab, gab ihm den Rest vom Fleisch, nahm Kamm und Handtuch und schlich sich aus der Hütte.

Vor der Hütte schlugen die gefährlichen Hunde der Baba Jaga an und wollten das Mädchen in Stücke reißen. Mascha gab ihnen das Brot, daraufhin ließen die Hunde sie in Ruhe. Sie kam zum Tor und wollte es öffnen, doch es quietschte schrecklich laut und wollte sich sofort wieder schließen. Das Mädchen goss Öl auf die Türangeln, das Quietschen hörte auf, und das Tor ließ sie freundlich passieren. Außerhalb des Zauns standen viele Birken, die breiteten ihre Äste aus, um Mascha aufzuhalten. Doch das Mädchen knotete die Äste der Birken mit dem Band zusammen. Die Birken konnten sie nun nicht mehr aufhalten. Mascha rannte los, so schnell sie konnte, ohne zurückzuschauen. Inzwischen hatte sich der Kater an den Webstuhl neben dem Fenster gesetzt und begann zu weben. Die Baba Jaga schreckte kurz hoch und schrie: »Webst du, Mädchen? Webst du?« Der Kater antwortete mit verstellter Stimme: »Ich webe, Tantchen, ich webe.«

Doch die Baba Jaga erkannte, dass das nicht Maschas Stimme war. Sie stand auf, lief ins Zimmer und blieb voller Zorn stehen. Da saß der Kater am Webstuhl neben dem Fenster und webte. Die Baba Jaga schrie: »Du Betrüger, du elender Wicht! Wo ist das Mädchen?« Der Kater entgegnete in aller Gemütsruhe: »Die ist weg.« Die Baba Jaga schien vor Wut fast zu platzen. Sie brüllte: »Warum hast du das Mädchen nicht festgehalten? Weshalb hast du ihr nicht das Gesicht zerkratzt? Das wäre deine Aufgabe gewesen. Du hast mich enttäuscht. Und du weißt, was mit denen passiert, die mich enttäuschen.« Der Kater antwortete: »Ach Baba Jaga. Ich diene dir nun schon seit vielen Jahren. Aber noch nie hast du mir etwas zu essen gegeben, außer stinkende alte Reste. Das Mädchen aber hat mir ein Stück köstliches Fleisch geschenkt. Verstehst du den Zusammenhang?« Die Baba Jaga schaute ihn zornerfüllt an und sah so aus, als wolle sie ihn gleich in Stücke reißen. Doch das Mädchen zu fangen war jetzt erstmal wichtiger.

Die Baba Jaga lief zu den Hunden, die vor der Hütte angebunden waren, und schrie sie an: »Warum habt ihr das Mädchen nicht in Stücke gerissen, warum habt ihr sie nicht hundertfach gebissen?« Die Hunde entgegneten gelassen: »Baba Jaga, wir stehen schon seit vielen Jahren in deinen Diensten. Doch du gabst uns immer nur verdorbene Reste zu essen. Das Mädchen aber hat uns frischgebackenes Brot hingelegt. Verstehst du den Zusammenhang?« Die Baba Jaga winkte wütend ab und lief zum Tor: »War­um hast du nicht gequietscht, nicht geknallt? Warum hast du das vermaledeite Mädchen durchgelassen?« Das Tor antwortete ruhig: »Ach Baba Jaga. Ich diene dir schon seit vielen Jahren. Doch du hast mir nicht einmal die Angeln geschmiert. Das Mädchen aber hat frisches Öl über die Zapfen gegossen. Verstehst du den Zusammenhang?«

Die Baba Jaga lief weiter zu den Birken: »Warum habt ihr das Mädchen nicht mit euren Ästen festgehalten?« Die Birken antworteten: »Wir dienen dir schon seit vielen Jahren. Doch du schenkst uns keinerlei Aufmerksamkeit. Das Mädchen aber hat uns ein hübsches Band um die Äste gebunden. Verstehst du den Zusammenhang?« Die Magd war der Baba Jaga hinterhergelaufen, um sich das Spektakel anzuschauen. Da drehte sich die Baba Jaga um und begann nun die Magd zu beschimpfen: »Du dummes

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