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Conny Cöll - Ohne Gnade

Conny Cöll - Ohne Gnade

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Conny Cöll - Ohne Gnade

Länge:
219 Seiten
3 Stunden
Freigegeben:
Nov 14, 2016
ISBN:
9783874116077
Format:
Buch

Beschreibung

„Ohne Gnade" ist randvoll geladen mit der Härte und Unerbittlichkeit einer oft tragisch-heroisch anmutenden Romantik, auf die man in den Weststaaten Nordamerikas in den ersten Jahrzehnten des letzten Jahrhunderts noch häufig stieß, deren anscheinende Gnadenlosigkeit sich jedoch in diesem Buch zum Schluss wandelt zu einem Hohen Lied echten Menschentums und hilfsbereiter Nächstenliebe, die neue Hoffnung schenkt und das Dasein zukunftsgläubig bejaht.
Der Erzähler macht den Leser vertraut mit der verzweiflungsvollen Not europäischer Auswanderer, die von einem gewissenlosen Agenten betrogen und um ihre letzte Habe gebracht worden sind. Sie glaubten, fruchtbaren Ackerboden erworben zu haben, fanden aber bei ihrer Ankunft am Cumberland-River in Kentucky völlig wertloses versandetes Gelände vor. Sie erleben Conny Cöll von einer neuen, menschlichen Seite. Ihn und seinen Kameraden Neff Cilimm, den „Gentleman". Sie greifen entscheidend in Schicksale ein. Sie verhelfen der Gerechtigkeit zum Sieg. Das Geschehen ist eingebettet in charakteristische Einzelheiten von typisch amerikanischer Eigenart – so wird z.B. eindrucksvoll das unvorstellbare Wüten eines Blizzards, eines verheerenden Schneesturmes geschildert.
Freigegeben:
Nov 14, 2016
ISBN:
9783874116077
Format:
Buch

Über den Autor


Ähnlich wie Conny Cöll - Ohne Gnade

Buchvorschau

Conny Cöll - Ohne Gnade - Konrad Kölbl

Ohne Gnade

von Conny Cöll

Inhalt

Ralph Harrod

Clifford Strong

Die Einwanderer

Ein Jahr gebe ich dir Zeit!

Die Jagd ohne Gnade

Die Wölfe

Der Hilfssheriff

Ralph Harrod

Um den Rancher Ralph Harrod ganz und richtig verstehen zu können, muss berücksichtigt werden, dass schon sein Vater George Harrod ein verrücktes Huhn gewesen war. Nicht, dass George Harrod nur Allotria trieb. Nein, seine Ranch hatte er in geradezu musterhafter Ordnung, und dass er es im Laufe vieler arbeitsreicher Jahre zu einem großen Wohlstand gebracht hatte, war nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass er von der Rinderzucht mehr als mancher andere Ranchbesitzer verstand. Und dann waren da noch Harrods Pferde gewesen! Nirgends in ganz Kentucky wurden solche Pferde gezüchtet wie auf Harrods Ranch Hammonia. Vollblüter edelster Rasse, die durch sorgfältigste Auslese immer höher gezüchtet wurden.

Damals, als von den verwegenen Langjägern Kentucky, das „Grasland, entdeckt worden war, erschien als einer der ersten Ansiedler ein Vorfahre George Harrods, sah das fruchtbare, üppig grüne Land, das zur Pferde-und Rinderzucht wie geschaffen war, warf vor Begeisterung seine lange Flinte hoch in die Luft, schrie irgendeinen verrückten Ruf schrill und gellend gegen den wolkenlos blauen Himmel, fing die Flinte geschickt wieder auf und lachte sein Weib an: „Mabel, grinste er, „hier ist’s richtig! Hier wollen wir bleiben!"

Und er war geblieben. Trotz den zahlreichen Überfällen der Osage-Indianer, trotz der Not der ersten Jahre, bis seine Siedlung ihre ersten Erträge abwarf und die immer zahlreicher werdende Familie nicht nur von den oftmals kümmerlichen Erträgnissen der Jagd zu leben gezwungen war ...

Es kamen noch mehrere Generationen Harrods. Sie alle blieben auf ihrer Ansiedlung, rodeten, brachen um, schufen Weideland, bauten Ställe und Schuppen und züchteten Rinder, die sie zwar mühevoll, aber gewinnbringend in Louisville verkauften. Und der Wohlstand mehrte sich.

Und dann wurde eines schönen Tages George Harrod als der künftige Herr der immer größer und reicher werdenden Ranch angesehen. George Harrod war dabei gar nicht der älteste, erbberechtigte Sohn. Vor ihm war noch Joe Harrod, ein kräftiger, sonnverbrannter Bursche von fast zwanzig Jahren. Er war der Erstgeborene. George war gute fünf Jahre jünger. Trotzdem galt George als der künftige Rancher, er war der kommende Mann.

Joe Harrod war ein Träumer. Er kümmerte sich so viel wie gar nicht um den Ranchbetrieb. Höchstens, dass er sich ab und zu ein neues, besseres Pferd aus der frei schweifenden Herde herausfing, um darauf in die Wildnis zu verschwinden.

Es war Joe Harrods Zeitvertreib, in die Wildnis zu verschwinden, zu jagen, zu fischen, zu kundschaften. Und als er einmal nach langen acht Wochen noch nicht aus den Wäldern zurückgekehrt war, wunderte sich niemand darüber. Es war schon oft genug vorgekommen, dass Joe sechs und mehr Wochen fortblieb, um dann eines Tages völlig unerwartet und beladen mit Jagdtrophäen wieder aufzutauchen. Hatte er sich einige Tage still und wortkarg auf der Ranch umhergedrückt, verschwand er wieder spurlos und ohne große Abschiedsszene ...

Die Wildnis hatte ihn mit all ihren Lockungen gepackt. Die prickelnde Gefahr, die er ständig fühlen wollte, ließ ihn nicht mehr los. Und dann hatte ihn die Wildnis behalten. Irgendein wild verwachsener Zedernbusch, vielleicht ein moorig dunkler Tümpel mitten im Urwald mochte wissen, wie Joe Harrod umgekommen war. Vielleicht hatte ihn ein Indianerpfeil getroffen oder ein Tomahawk, eine Kugel aus dem Lauf einer Büchse, die einem roten Jäger gehörte oder einem entwichenen Sträfling. Vielleicht war Joe draußen auf der Prärie unter die stampfenden Hufe einer wilden Büffelherde gekommen. Was dann von ihm übrig geblieben war ... na, erzählen wir lieber etwas anderes!

Jedenfalls kam Joe Harrod nie mehr zurück, und eigentlich wunderte sich niemand groß darüber, so tief und ehrlich auch die Sorge der Eltern um Joe war.

Nun war George Harrod, wie gesagt, der kommende Mann. Quicklebendig und stets zu tollen Streichen aufgelegt, war er von John Maine, einem elternlosen, im gleichen Alter stehenden Jungen, der auf der Hammonia-Ranch eine zweite Heimat gefunden hatte, reinweg unzertrennlich. George und John drückten gemeinsam die Schulbank in Cedar-Green, wie sich die allmählich um die Hammonia-Ranch herum entstandene Siedlung nannte, George und John schwänzten zusammen den Unterricht, wenn die Frühlingssonne über der zartgrünen, blühenden Prärie prahlte. Dann verzichteten sie großzügig auf das Wissen, das ihnen Mister Winters, der alte Lehrer, an diesem Frühlingstage beibringen wollte. Deshalb ritten sie auf ihren Ponys gleich hinter der Ranch in einem sehr scharfen Winkel nach Süden und ließen die Tiere laufen, so schnell als sie konnten! Der weiche, warme Wind strich ihnen durch das lockere Haar und kämmte die langen Mähnen der Pferde. Deerböcke wippten vor ihnen aufgeschreckt und erregt durch die hügelige Landschaft. Präriehunde sausten pfeifend und quiekend in ihre Erdlöcher, und fernab trabte mit eingezogenem Schweif ein magerer, grauer Präriewolf davon.

Später lagen sie ausgestreckt im Grase und sahen den weißen Wolken am blauen Himmel nach. Sie beobachteten die Bussarde und Goldadler, die ihre weiten Kreise hoch im Blau beschrieben. Und wenn es Abend wurde, pfiffen sie ihre Ponys herbei, schwangen sich in die Sättel und ritten heim zur Ranch. Das war wieder ein Tag gewesen, ganz voll Sonne, Frühjahr und versonnenem Jugendglück!

Natürlich verliebten sich die Zwei, als sie einige Jahre älter waren, auch in das gleiche Mädel. Da gab es dann die erste, handfeste Keilerei zwischen ihnen. Als sie sich ordentlich verdroschen hatten und beide mit blutenden Nasen und verschrammten Gesichtern auf dem Boden lagen, war es George, der mit verlegenem Grinsen auf dem braun verbrannten Gesicht sagte:

„Eh, John, wollen uns wieder vertragen, ja? Schätze, wir pfeifen auf Sally Cutter!"

John Maine hielt George die schmutzige Faust hin, die er gerade noch vorher George in die Seite gerammt hatte, und meinte: „Hast recht, George! Das Girl äugelt sowieso zu viel mit Buster Neyd! Lassen wir Sally laufen!"

Und dann schlug George Harrod lachend in John Maines Rechte ein. Die Eintracht war wieder hergestellt.

In dieser Zeit hatten beide bei dem alten Vormann Bill Rockingham schon gelernt, wie man einen Weidezaun flickt, wie man Hufe beschneidet und Riemen- und Sattelzeug ausbessert. Und sie hatten reiten gelernt! Nicht nur, dass sie aufrecht und stolz im Sattel eines galoppierenden Gaules sitzen konnten. Nein, auch ohne Sattel hielten sie sich wacker auf dem Rücken eines jeden Pferdes. Sie hingen seitlich am Gaul und ließen ihn im gestreckten Galopp dahinrasen. Sie ritten stehend auf den Pferden, und George war der erste, der sich bei dem Versuch, auf dem trabenden Pferde einen Salto zu schlagen, fast das Genick brach.

Schon immer war George Harrod darauf aus, etwas zu vollbringen, das an Tollkühnheit und an Verwegenheit grenzte. Diese Eigenschaft hat er nicht nur sein Leben lang nicht abgelegt, sondern sogar an seinen späteren Sohn Ralph vererbt!

Sobald es galt, frische Pferde einzubrechen, waren John und George zur Stelle. Die Cowboys der Ranch durften nur dabeistehen und zuschauen. Es war der Ehrgeiz Georges, dass er jeden Wildling selbst einbrach. Nur John Maine durfte ebenfalls als Zureiter auftreten. Schleuderkiste? Sagte jemand Schleuderkiste?

Für George kam dieses Marterinstrument nie in Frage! Wenn sich der Mustang nicht satteln ließ, ritt ihn George ohne Sattel zu. Den Zaum legte er ihm an, wenn das Pferd schon vor Schreck und Furcht tobend über die Prärie raste! Wenn George die freie Prärie vor sich hatte, machte er jeden noch so wilden und feurigen Gaul zahm. Da draußen war Platz. Da konnte das Pferd Kapriolen machen, wie es wollte. Es konnte seinen Rücken wie einen Katzenbuckel krümmen. Es konnte sich urplötzlich strecken. Es konnte völlig unerwartet mit allen Vieren zugleich in die Luft steigen. George Harrod blieb oben! Und wenn das Pferd merkte, dass es den Reiter nicht abzuschütteln vermochte, verlegte es sich auf die Flucht. Es schoss dahin, als würde es nicht von vier flinken Beinen, sondern von Flügeln getragen und als berührten seine kleinen, unbeschlagenen Hufe nicht mehr das Gras der Prärie. George Harrod aber saß wie festgegossen auf seinem Rücken! Jetzt lief das Pferd um sein Leben. Bald aber merkte es, dass die Lungen schäumten und kochten und dass es sich dem Reiter fügen musste, wenn es am Leben bleiben wollte. Und plötzlich gehorchte es dem Schenkeldruck des Reiters und ließ sich langsam und willig zur Ranch zurückleiten.

Und John Maine machte es ebenso! Die beiden Jungen waren Teufelsburschen!

Selbstverständlich trugen die beiden genau wie alle anderen Cowboys mächtige Colts an ihren Hüften und es verging kein Sonntag auf der Hammonia-Ranch ohne ein Preisschießen!

Es waren Jungen auf der Ranch, die ihre Fünfundvierziger sehr wohl zu handhaben wussten. Manches Herz-Ass wurde aus der auf dreißig Schritte Abstand aufgehängten Spielkarte sauber und präzise herausgeschossen.

Als George und John den Dreh heraushatten und mit dem ersten Schuss das Herz-Ass trafen, ohne lange zielen zu müssen, wurde das Spiel für George zu langweilig.

Die Cowboys hatten bei den sonntäglichen Schießübungen gerne einige Flaschen Whisky dabei. Die bald geleerten, im Grase liegenden Flaschen brachten George auf eine neue Idee.

Mitchel Mount, ein guter Schütze, brachte es schon ab und zu fertig, die von einem zweiten Cowboy in die Luft geschleuderte Flasche zu treffen, sodass sie in tausend Scherben zerbarst, bevor sie den Boden erreichte. George Harrod aber war diese Leistung nicht gut genug. Er bat sich aus, dass er die Flasche selbst werfen dürfe, und er wollte erst dann, wenn die Flasche durch die Luft wirbelte, den Colt aus dem Holster holen.

Die Cowboys lachten, machten Witze über Georges Schießkünste und grinsten. Keiner glaubte, dass es möglich sei, die Flasche zu treffen, wenn der Schütze erst den Wurf machen, sich auf den Schuss konzentrieren und die Waffe aus dem Holster holen müsse.

George Harrod aber wog die Flasche in der Hand, schleuderte sie möglichst hoch empor, sah, wie das Glas in der Sonne glitzerte, zog den Colt und feuerte! Unmittelbar nach dem Knall des Schusses zerbarst mit splitterndem Geräusch die in der Luft wirbelnde Flasche und fiel in Scherben herab!

Das war nun eine Leistung, die ihm keiner der Cowboys nachmachte! Auch John Maine brachte es nie fertig, so oft er es versuchte. Später, als George Harrod längst zu den besten und bekanntesten Pferdezüchtern Kentuckys zählte, ein beachtliches Bankkonto besaß und zu allen großartigen Veranstaltungen des Landes eingeladen wurde, konnte es geschehen, dass er mitten in der feinsten Gesellschaft plötzlich vom Tisch aufstand, eine leere Flasche in die Luft warf und diese zum Entsetzen der anwesenden Ladies und zum Ergötzen der Gentlemen mit einem wohlgezielten Schuss zu tausend Scherben zerschoss!

Die Jahre gingen hin. George Harrod verheiratete sich mit Joan Barnstead. Er lebte mit ihr schon einige Jahre in glücklicher Ehe und John Maine war noch immer unbeweibt. Nach wie vor verrichtete er seinen Dienst auf der Hammonia-Ranch und war dabei zur rechten Hand des Besitzers geworden. John schien mit seinem Los zufrieden zu sein. George dagegen sann und sann, wie er seinem treuen Jugendfreunde John zu Glück und Wohlstand, zu Frau und eigenem Hausstand verhelfen könnte.

Damals brauchte die Siedlung Cedar-Green einen Sheriff. Bisher war man ohne ein besonders erwähltes Organ des Gesetzes ausgekommen, denn in der Ansiedlung selbst geschah kaum einmal etwas, was gegen das Gesetz verstieß. Es waren arbeitsame, anständige Leute, die wochentags ihrer Arbeit nachgingen und am Sonntag ihren Whiskyrausch daheim ausschliefen. Der aufblühende Wohlstand der West- und Mittelweststaaten, auch das verhältnismäßig leicht gelingende Verschwinden und Untertauchen von Leuten, die in den Oststaaten mit dem Gesetz in Konflikt geraten waren, brachten aber immer mehr und mehr Kerle in die Gegend, die es mit dem Unterschied von mein und dein nicht sehr genau nahmen. Es war schon mehrmals vorgekommen, dass dem einen oder anderen Rancher Pferde gestohlen worden waren.

So ein Strolch, der da landfremd daherzieht, macht sich keine Gedanken über ein Pferd. Er verfügt überhaupt über keinen Pferdeverstand. Er nimmt sich ein Pferd von der Weide und reitet es zuschanden. Ein zuschandengerittenes Pferd ist aber für einen Pferdezüchter ein Gräuel, denn es ist nicht mal mehr den Schuss wert, den es zur Beendung seines traurigen und unnützen Zustandes erhält. Außerdem oder hauptsächlich aber war auch damals schon ein hochgezüchtetes Rassepferd ein kleines Vermögen wert, und wer sollte sich so mir nichts dir nichts eines dieser kleinen Vermögen stehlen lassen? Bisher wurde es überall so gehandhabt: man sühnte kurzerhand einen Pferdediebstahl dadurch, dass man den Dieb an den nächsten Baumast hängte. So sollte es auch in Cedar-Green gehandhabt werden!

Deshalb brauchte man einen Sheriff. Es musste doch jemand da sein, der den Dieben die Hanfschlinge um den Hals legte!

George Harrod war der angesehenste Rancher im Country. Er besaß die größte und beste Ranch, er hatte das schönste Bankkonto, und George Harrod war überall vertreten, wo es etwas zu beraten und zu beschließen galt. Überall verstand er es, im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses zu stehen. Seine Vorschläge waren vernünftig und wohl durchdacht. Deshalb erschien es nur recht und billig, als er zum Friedensrichter bestellt wurde. Nun hatte er ein öffentliches, geachtetes Amt zu bekleiden und er traute sich zu, dass er die Bürger von Cedar-Green dazu bestimmen könne, keinen anderen als John Maine zu ihrem Sheriff zu erwählen.

„Hör zu, John, sagte er geheimnisvoll zu Maine, als er zur Hammonia-Ranch zurückgekehrt war, „ich habe eine neue Aufgabe für dich!

„Neue Aufgabe?, fragte John gedehnt zurück. „Lass hören, was du mit mir vorhast!

„Nun, äh, um es kurz zu machen: Du musst Sheriff von Cedar-Green werden!"

„Ausgerechnet ich?, fragte John erstaunt. „Wieso kommst du zu dieser verrückten Idee?

George drückte eine Weile herum, dann platzte er heraus: „‘s ist in der heutigen Zeit nicht mehr so wie in unserer Jugend, John, ‘s ist einfach nichts mehr los, John! Denke mal daran, dass mein Bruder Joe vor wenigen Jahren noch vollkommen spurlos verschwinden konnte! So etwas gibt es ja heute gar nicht mehr! Damals gab es noch Abenteuer, damals gab es noch Gefahren. Und manchmal, John, manchmal gelüstet es mich so sehr nach Abenteuern und Gefahren, dass mir die eigene Haut zu enge wird! Da möchte ich heraus aus dem allen hier, einfach heraus aus dem Alltag, aus dem Wohlstand, aus der satten Bürgerlichkeit und nichts als reiten und reiten, irgendwohin, wo hinter jedem Baum, hinter jedem Felsbrocken eine neue Gefahr lauert. Und da – John – und da dachte ich mir eben, wenn du Sheriff würdest – und wenn ich mich dafür einsetze, wirst du Sheriff, John –, dann würde ich immer mit dir reiten, wenn du einen der Pferdediebe zu fangen hast oder wenn du sonst hinter einigen Strolchen her bist."

„Du willst also von mir, George, fragte John Maine erstaunt, „ich soll alle diese Gauner, die heute über unsere Straßen ziehen, hängen? Hast du für diese Tätigkeit keinen anderen gefunden als ausgerechnet mich?

„Nun, John, wehrte George Harrod ab, „du bist doch ein guter und anständiger Bürger von Cedar-Green, nicht wahr? Und du bist ein freier, stolzer Bürger der Staaten! Deshalb muss es dir ein sittliches Bedürfnis sein, mitzuhelfen, dieses Gesindel, diese Höllenbrut der Banditen, Wegelagerer und Pferdediebe auszurotten! Das sind doch keine vollwertigen Menschen, John! Ratten sind es, weiter nichts als Ungeziefer und Ratten! Sie gilt es zu vernichten! Es wäre vollkommen verfehlt, in ihnen ein edles Wild zu sehen, das von harten Männern gejagt wird. Allein der Glaube an die Güte des Menschen, der Glaube an das Edle im Menschen, die Überzeugung, dass unser schönes Land von diesem Gezücht der Hölle befreit werden muss, hat uns zu leiten, jeden Übeltäter an den Strang zu bringen!

„Du sagst das sehr schön, George, meinte John Maine nachdenklich, „aber muss ausgerechnet ich ...

„Ja", unterbrach ihn George Harrod eindringlich, „du bist der richtige Mann, John, den wir als Sheriff in Cedar-Green brauchen. Und – um es ehrlich heraus zu sagen – du bist mein Freund, John, und ich denke, dass du es auch bleiben wirst, solange wir zwei diese schöne Welt mit unserer Anwesenheit beglücken – ich

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