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Fantastische Realitäten 7: Tod und ewiges Leben

Fantastische Realitäten 7: Tod und ewiges Leben

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Fantastische Realitäten 7: Tod und ewiges Leben

Länge:
347 Seiten
3 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Nov 23, 2016
ISBN:
9783956521867
Format:
Buch

Beschreibung

Folgen Sie dem Autor auf einer siebten Reise in die faszinierende Welt zwischen Tod und ewigem Leben. Wieder gibt es eine Reihe von Reise-Etappen in der weiten, weiten Welt der fantastischen Realität. Wie formulierte Albert Ein-stein so treffend? "Das Schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnisvol-le." Oscar Wilde schrieb: "Das wahre Geheimnis der Welt liegt im Sichtbaren, nicht im Unsichtbaren." In der Tat, so ist es! Aber wir neigen dazu, das deut-lich vor uns liegende Sichtbare zu übersehen, wenn uns die gelehrte Schulwissenschaft erklärt, dass wir nur wahrnehmen dürfen, was es nach aktueller Lehrmeinung geben darf. Die fantastische Realität allerdings hält sich nicht an Verbote. Es ist ihr vollkommen gleichgültig, was heute noch als "wissenschaftlich" gilt. Echte Wissenschaft ist revolutionär! Werner Heisenberg: "Wirkliches Neuland in einer Wissenschaft kann wohl nur gewonnen werden, wenn man an einer entscheidenden Stelle bereit ist, den Grund zu verlas-sen, auf dem die bisherige Wissenschaft ruht, und gewissermaßen ins Leere zu springen."
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Nov 23, 2016
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9783956521867
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Über den Autor


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Fantastische Realitäten 7 - Walter-Jörg Langbein

Autor

1. Vorwort: Eva, Adam, Gilgamesch

„Vieles auf Erden ist uns verborgen. Als Ersatz dafür wurde uns ein geheim- nisvolles, heimliches Gefühl zuteil von unserer pulsierenden Verbindung mit einer anderen Welt, einer erhabenen und höheren Welt, und auch die Wurzeln unserer Gedanken und Gefühle sind nicht hier, sondern in anderen Welten." Fjodor Michailowitsch Dostojewski

Adam und Eva waren ur- sprünglich unsterblich. Weil sich Eva aber von der bösen Schlange verführen ließ, wurde ihnen die Gabe des ewigen Lebens genommen. Was bewahrte Adam und Eva im Paradies vor dem Tod? Waren es die Früchte vom „Baum des Lebens"?

Abb. 1.1: Erschaffung Evas aus Adam. Schedelsche Weltchronik 1493

Im „Schöpfungsbericht" lesen wir (1) „Gott, der Herr, ließ aus dem Ackerboden allerlei Bäume wachsen, verlockend anzusehen und mit köstlichen Früchten, in der Mitte des Gartens aber den Baum des Lebens und den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse." Einer dieser beiden Bäume war absolut Tabu (2): „Dann gebot Gott, der Herr, dem Menschen: Von allen Bäumen des Gartens darfst du essen, doch vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse darfst du nicht essen; denn sobald du davon isst, wirst du sterben." Gegen dieses eine göttliche Verbot verstieß Eva, von der bösen Schlange verleitet. Sie biss beherzt in eine Frucht vom Baum der Erkenntnis und verleitete auch Adam, gegen Gottes Vorschrift zu verstoßen. Sie starb nicht sofort, sie wurde aber sterblich.

Die Strafe folgte auf dem Fuße. Gott wusste natürlich sofort vom Tabubruch seiner ersten Menschen. Erst „sofort? Gott, der Allmächtige soll doch allwissend sein. Dann war ihm schon vor der Schöpfung bekannt, dass Eva und Adam sein Verbot missachten würden. Wie dem auch sei: Nachdem der ominöse „Apfel angebissen war, erschien Gott aus seinem Versteck und verbannte Adam und Eva aus dem Paradies. Engel (Mehr- zahl) wurden von Gott als Wachposten eingesetzt. Von nun an musste Eva unter Schmerzen gebären, Adam hatte auf kargem Land zu schuften (3): „Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du zurückkehrst zum Ackerboden; von ihm bist du ja genommen. Denn Staub bist du, zum Staub musst du zurück."

Außerhalb des Paradieses war die Unsterblichkeit perdu, vermutlich, weil der „Baum des Lebens" für Adam und Eva von nun unerreichbar war. Offenbar befürchtete Gott, Adam und Eva würden – vielleicht gar gewalt- sam – versuchen, ins Paradies zurückzukehren. Das wusste der Allmäch- tige zu verhindern (4): „Er (Gott) vertrieb den Menschen und stellte östlich des Gartens von Eden die Kerubim auf und das lodernde Flammenschwert, damit sie den Weg zum Baum des Lebens bewachten. Unklar bleibt, wie viele Engel denn nun wie lange Wache schoben. Unklar ist, was wir uns unter dem „Flammenschwert vorzustellen haben. Es ruhte jedenfalls nicht als Waffe in der Hand eines der Engel. Es stand östlich von Eden, von Gott selbst positioniert. War es ein Feuer speiender Berg?

Die vielleicht schönsten Illustrationen zum Themenkreis „Adam, Eva und die Schlange – Sündenfall und Vertreibung aus dem Para- dies erschienen bereits 1493 in der „Schedelschen Weltchronik. Gedruckt hat das Mag- num Opus Anton Koberger (*1440, †1513) in Nürnberg. Die Kosten für den Verleger waren immens. Der erhoffte finanzielle Gewinn blieb aus. Mehr Glück hatte Koberger mit einer deut- schen Übersetzung der Bibel, die bereits 1483 – lange vor der Lutherschen – erschien.

Abb. 1.2: Adam und die Schlange am Baum. Schedelsche Weltchronik 1493

18 deutsche Bibeldrucke gab es vor Luther, dessen Übersetzung weder die erste, noch die beste frühe Bibel-Ausgabe in deutscher Sprache war. Viel exakter, näher am Original, ist die „Piscator-Bibel" von Johannes Piscator aus den Jahren 1602 bis 1604.

Zurück zu Adam und Eva. Das sprichwörtlich paradiesische Leben hatte abrupt ein Ende gefunden. Zu- rück in den „Garten Eden war der Weg durch Engel und Flammen- schwert versperrt. Die ersten beiden Menschen mussten sich in der von Gott verordneten harten Realität zu- rechtfinden. Außerhalb des Paradie- ses musste für Nachwuchs gesorgt werden, wenn die „Menschheit nicht mit Adam und Eva gleich wie- der aussterben sollte.

Abb. 1.3: Vertreibung aus dem Paradies. Schedelsche Weltchronik 1493

Verschämt umschreibt die Bibel den ersten Sex zwischen den ersten Menschen in der neuen, harten Realität (5): „Adam erkannte Eva, seine Frau; sie wurde schwanger und gebar Kain. Da sagte sie: Ich habe einen Mann vom Herrn erworben. Sie gebar ein zweites Mal, nämlich Abel, seinen Bruder. Abel wurde Schafhirt und Kain Ackerbauer."

Wie war das eigentlich mit den Tieren? Die wurden ja von Gott (6) ge- schaffen, um Adam die Zeit zu vertreiben. Demnach lebten sie zunächst nur mit Adam im Paradies. Wurden die Tiere nach dem ominösen „Sün- denfall von Gott auch aus dem Paradies verjagt? Waren auch die Tiere vor dem Sündenfall unsterblich? Wie dem auch sei: Nach dem verbotenen Griff zum „Apfel war es aus mit dem Paradies, die „Erbsünde" war in die Welt gekommen. Das führte unweigerlich zur Notwendigkeit des Opfertodes Jesu am Kreuz, für die Sünden der Welt.

Dem allwissenden Gott war klar, dass sich Adam und Eva nicht an sein Verbot halten würden. Die Götter des Jahrtausende vor dem „Alten Testa- ment entstandenen „Gilgamesch-Epos haben von Anfang an die Men- schen als sterbliche Wesen geplant. So heißt es auf Tafel X des „GilgameschEpos" (7): „Als die Götter die Menschheit erschufen, teilten den Tod sie der Menschheit zu und nahmen für sich das Leben in die Hand." In einer leicht ab- weichenden Übersetzung (8) heißt es: „Als die Götter die Menschen schufen, bestimmten sie für die Menschen den Tod, das Leben behielten sie in ihrer Hand!"

Wissenschaftler unserer Tage sind dabei, das Geheimnis des „ewigen Lebens zu erforschen. Führend sind die Experten des „Buck-Instituts für Altersforschung, San Francisco, Kalifornien, USA. (9). Sie entdeckten in einem Hefepilz 238 Gene, die für den Alterungsprozess verantwortlich sind. Deaktiviert man diese Gene, so hat dies eine deutliche Steigerung der Lebenserwartung zur Folge. Als Laie denkt man: Was interessieren uns Al- tersprobleme eines Hefepilzes. Auch wenn es vielleicht nicht als besonders schmeichelhaft empfunden werden mag: Primitive Hefepilze sind mit uns Menschen (vermeintliche „Krone der Schöpfung") organisch näher ver- wandt, als wir glauben! Just solche Gene kommen nicht nur beim Hefepilz, sondern auch bei Menschen und anderen Säugetieren vor.

2015/16 sind nun führende Wissenschaftler dabei, jene Gene im menschlichen Erbgut ausfindig zu machen, die Mensch und Tier vergreisen lassen. Der nächste Schritt wird dann sein, diese „Altmach-Gene" auszu- schalten und Mensch und Tier werden länger jung bleiben und deutlich älter werden. Das wiederum kann der erste Schritt zum ewigen Leben durch Gentechnik sein!

Vor Jahrtausenden suchte Gilgamesch nach einem Zaubermittel, das ewiges Leben schenken würde. Wissenschaftler des „Buck Institute fort Re- search on Aging suchen nun nicht nach Medizin, die länger leben lässt. Sie haben Gene im Visier, die uns altern lassen. Und die wollen sie aus- schalten. Aber wer weiß, vielleicht hat das mysteriöse Gilgamesch-Epos noch Aufschlussreiches zum Thema „ewiges Leben zu bieten? Wer weiß, wie viele bislang unentdeckte Textfragmente noch darauf warten, gefun- den zu werden? Komplett liegt das Gilgamesch-Epos nämlich bis heute im- mer noch nicht vor. So machten Ende 2015 drei unscheinbare Bruchstücke einer Keilschrifttafel weltweit Schlagzeilen. Sie waren 2011 dem irakischen Sulaimaniya Museum von Raubgräbern zusammen mit fast 100 Tontafel- fragmenten zum Kauf angeboten worden und erworben. Der Archäologe und Historiker Farouk Al-Rawi von der „University of London" erkannte die Sensation. Die drei Fragmente ließen sich zusammenfügen und ergaben zwanzig bislang unbekannte Zeilen aus dem Gilgamesch-Epos. So kann Tafel V des ältesten Epos der Menschheitsgeschichte ergänzt werden. Und nicht nur das! Auf Tafel V erfuhren wir bisher, wie Gilgamesch und sein Gefährte Enkidu Chumbaba besiegten und töteten. Bislang wurde Chumbaba als Furcht einflößendes Monster verstanden. Der neu entdeckte Text lässt ihn aber als fremden Regenten eines exotischen Hofstaats erkennen!

Liebe Leserinnen und Leser, folgen Sie mir auf unserer siebten Reise in die faszinierende Welt zwischen Tod und ewigem Leben. Wieder gibt es eine Reihe von Reise-Etappen in der weiten, weiten Welt der fantastischen Realität. Wie formulierte Albert Einstein so treffend? „Das Schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnisvolle." Oscar Wilde schrieb: „Das wahre Ge- heimnis der Welt liegt im Sichtbaren, nicht im Unsichtbaren. In der Tat, so ist es! Aber wir neigen dazu, das deutlich vor uns liegende Sichtbare zu über- sehen, wenn uns die gelehrte Schulwissenschaft erklärt, dass wir nur wahr- nehmen dürfen, was es nach aktueller Lehrmeinung geben darf. Die fan- tastische Realität allerdings hält sich nicht an Verbote. Es ist ihr vollkom- men gleichgültig, was heute noch als „wissenschaftlich gilt. Echte Wissen- schaft ist revolutionär! Werner Heisenberg: „Wirkliches Neuland in einer Wis- senschaft kann wohl nur gewonnen werden, wenn man an einer entscheidenden Stelle bereit ist, den Grund zu verlassen, auf dem die bisherige Wissenschaft ruht, und gewissermaßen ins Leere zu springen."

Ich wünsche eine interessante Lektüre!

Recht herzlich

Walter-Jörg Langbein

Fußnoten:

1) 1. Buch Mose Kapitel 2, Vers 9

2) 1. Buch Mose Kapitel 2, Verse 16 und 17

3) 1. Buch Mose Kapitel 3, Vers 19

4) 1. Buch Mose Kapitel 3, Vers 24

5) 1. Buch Mose Kapitel 4, Verse 1 und 2

6) 1. Buch Mose Kapitel 2, Verse 18 und 19

7) „Das Gilgamesch-Epos", eBook-Originalausgabe, Moderne Zeiten 06/2014, Pos. 1364

8) Ranke, Hermann: „Das Gilgamesch-Epos: Der älteste überlieferte Mythos der Geschichte", Kindle Edition, marixverlag, Wiesbaden 2012, Seite 80, Pos. 570

9) „Buck Institute for Research on Aging", 8001 Redwood Blvd., No- vato, CA 94945, Tel: 415-209-2000, Fax: 415-899-1810, E-mail: info@buckinstitute.org

10) http://etc.ancient.eu/2015/09/24/giglamesh-enkidu-humbaba-cedar-forest-newest-discovered-tablet-v-epic/

2. Der Ritt auf zwei Eseln

Abb. 2.1: Blick auf die Marktkirche in Hannover

Es war ein düsterer Novembermorgen, als ich zusammen mit meinem Kollegen Peter Hoeft die „Marktkirche St. Georgii et Jacobi" in Hannover besuchte. Direkt vor dem altehrwürdigen Gotteshaus herrschte emsiges Treiben. Der Weihnachtsmarkt wurde vorbereitet. Ein großer Kran hob mit spielerischer Leichtigkeit Verkaufsbuden durch die Luft und platzierte sie nur wenige Meter von der ältesten Kirche Hannovers. Anno 1238 wurde sie erstmals urkundlich erwähnt. Archäologische Ausgrabungen in den Jahren 1952 und 1989 förderten Reste eines Vorgängerbaus zutage, der be- reits in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts bestand. Kunstvoll bearbei- tete Steine, darunter ein prachtvolles Säulenkapitell mit Akanthus-Blättern aus dem 12. Jahrhundert, wurden entdeckt.

Schon vor mehr als zwei Jahrtausenden tauchten Akanthus-Blätter als sakrales Motiv in Verbindung mit Buddhastatuen auf. Im Mittelmehrraum kannte man Akanthus als Symbol für Leben und Unsterblichkeit. „Unsterb- lichkeit" hatte freilich in vorchristlichen Zeiten häufig eine andere Bedeu- tung. Im zyklischen Denken gab es die ewige Wiederkehr des Lebens, Ge- burt, Leben, Tod und Wiedergeburt. Das Leben wurde als ewig angesehen, weil es immer wieder kam, blieb und ging. In heidnischen Kulten gab es Riten, die für die Anhänger des Christentums fremd waren. Und doch übernahm das Christentum altes Brauchtum in neuem Gewand.

Wir „reisen gemeinsam in vorchristliche Zeiten, in die altbabylonisch- sumerische Welt, Jahrtausende vor der christlichen Ära begegnen wir frem- den Göttinnen und Göttern. Da erfährt Inanna von Schöpfergott Enki, dass sie die Geheimnisse von Tod und Leben nur ergründet kann, wenn sie selbst Leben, Tod und Wiedergeburt durchleidet. Inanna muss heiraten und in die Unterwelt hinab steigen. Unzählige Varianten der „Heiligen Hochzeit gibt es schon seit Jahrtausenden. Sie sind oftmals sehr komplex, basieren aber in der Regel auf dem gleichen Ritual. Himmelskönigin und weltlich-irdischer König heiraten, der Gemahl der Göttin stirbt, und wird von der Göttin aus der Welt des Todes wieder ins Reich der Lebenden zu- rückgeholt. Unvoreingenommen betrachtet spielt sich im zyklischen Kir- chenjahr Ähnliches ab: Geburt Jesu, Leben, Sterben und Wiedergeburt. Man kann noch einen Schritt weitergehen und die Lebens- und Leidensge- schichte Jesu so sehen: Geburt, Leben, heilige Hochzeit mit Maria Magda- lena, Tod Jesu, Maria Magdalena besucht das Grab Jesu („Unterwelt"), Je- sus kehrt aus der Unterwelt in die irdische Welt der Lebenden zurück.

Diese Interpretation mag strenggläubigen Christen unserer Tage als ketzerisch erscheinen. Wie weitestgehend alle Theologen lehnen sie derlei Überlegungen zum Thema „Ewiges Leben ab. Leider wissen die meisten Zeitgenossen im christlichen Abendland ein Privileg nicht hinreichend zu würdigen. Wir leben in einer säkularisierten Welt, in der Religionsfreiheit herrscht. Bei uns gibt es keine fanatischen Fundamentalisten, die alle An- dersdenkenden vor „Gericht zerren können, wo die Todesstrafe droht. Re- ligion ist bei uns Privatangelegenheit und wird nicht von staatlicher Seite überwacht, schon gar nicht bestraft. Unbestreitbar sind unsere Wurzeln, auch kulturell, christlich. Allerdings scheint auf christlicher Seite das Wis- sen über die nach wie vor größte Weltreligion rapide zu schwinden. Es be- steht fraglos die Gefahr, dass immer mehr Zeitgenossen zunehmend die Orientierung verlieren.

Imposant ragt der auf uralten Fundamenten stehende rote Backstein- bau der „Marktkirche St. Georgii et Jacobi von Hannover in den Himmel. Über dem Westportal besiegt zur Linken ein reichlich martialischer Heili- ger Georg den Drachen. Zur Rechten pilgert Jacobus der Ältere. Die Statuen beider Namenspatrone der Marktkirche wurden 1992 vom Braunschweiger Bildhauer Jürgen Weber geschaffen. Der „alte Jacobus wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Dem „alten Drachentöter hatte der Zahn der Zeit so stark zugesetzt, sodass man ihn „aufs Altenteil in den nördlichen Chor versetzte. Man wollte ihn nicht länger der giftigen Umwelt aussetzen, die selbst Stein zersetzt. In dieser Zeit religiöser Unsicherheit werden funda- mentalistische Glaubensrichtungen, allen voran der Islam, wachsenden Zustrom finden. Während die christliche Theologie immer vager wird, bie- tet der Islam präzise Vorschriften für das alltägliche Leben. Nicht weniger Menschen empfinden es als „Freiheit", wenn ihnen die Mühe erspart bleibt, selbst zu entscheiden.

Abb. 2.2: Der Drachentöter

Abb. 2.3: Jacobus der Ältere pilgert

Betritt man die Marktkirche von Hannover, so fällt der Blick auf den Altar, der wohl schon 1470 bis 1485 fertiggestellt werden konnte. Wer ihn geschaffen hat, wir wissen es nicht. Es sind keinerlei Dokumente aus seiner Erstehungszeit erhalten geblieben. Mindestens drei Künstler schnitzten biblische Bilder in Lindenholz. Im Zentrum steht die Kreuzigung Jesu zwi- schen den beiden „Räubern. Zwanzig kleinere Kunstwerke erzählen Jesu „Geschichte vom Einzug in Jerusalem bis zu Jesus als Richter über die Le- benden und die Toten am Ende der Zeit. Angeordnet sind die fast gleich- großen Einzelbilder in zwei Reihen zu je zehn Feldern übereinander.

Abb. 2.4: Jesus reitet in die Stadt

Jesus reitet – siehe die Evangelien nach Johannes (1) und Matthäus (2) – auf einem Esel in die Stadt Jerusalem ein. Studiert man eine der beiden bib- lischen Vorlagen genauer, fällt ein Kuriosum auf. Im Evangelium nach Matthäus lesen wir (3): „Die Jünger gingen hin und taten, wie ihnen Jesus be- fohlen hatte, und brachten die Eselin und das Füllen und legten ihre Kleider darauf und er setzte sich darauf." Die schnitzenden Künstler von Hannover konnten diese Szene nicht eins zu eins umsetzen. Nach Matthäus setzte sich Jesus nicht auf einen, sondern auf zwei Esel – gleichzeitig! Des Rätsels Lösung: Der Evangelist formulierte den Text so, um eine alte biblische Prophezei- ung in Erfüllung gehen zu lassen (4): „Siehe, dein König kommt zu dir und reitet auf einem Esel, auf einem Fohlen, dem Jungen einer Eselin." Reitet der Kö- nig bei Sacharja nur auf einem Esel, so macht er sich bei Matthäus auf zwei Eseln gleichzeitig bequem.

Die Unsinnigkeit dieser Behauptung ist augenscheinlich. Niemand kann auf zwei Eseln gleichzeitig sitzen, geschweige denn reiten. Als ich in Erlangen evangelische Theologie studierte, fragte ich „meinen" Professor nach diesem Widerspruch. Der verwies mich auf den Kirchenlehrer Thomas von Aquin (*1225, †1274). „Lesen Sie mehr Thomas von Aquin als die- sen Däniken! Thomas von Aquin war zwar Dominikaner und leider kein Luthera- ner, hat aber vieles richtig gesehen. Das Ganze ist symbolisch zu verstehen. Die Eselin steht für die Synagoge, das Eselfohlen für das freie Heidenvolk. Jesus wird sinnbildlich sowohl vom alten Judentum als auch vom noch nicht bekehrten Hei- dentum getragen." Sehr überzeugend ist die Erklärung von Thomas von Aquin für mich nicht.

Die Evangelien schildern den Einzug Jesu wie den Empfang eines heu- tigen „Superstars. Aus Platzmangel müssen sich die Künstler mit zwei Männern am Tor Jerusalems begnügen, die das „jubelnde Volk darstellen. Einer der Beiden breitet seinen Umhang am Boden aus. Drei weitere Män- ner können wir als Jesu Jünger Petrus, Jakob und Johannes identifizieren. Jacobus der Ältere (links im Eck stehend) trägt bereits die Mütze, die erst viele Jahrhunderte später zur Standardausrüstung jedes männlichen Pil- gers gehören sollte. Die berühmte „Jakobsmuschel" indes fehlt.

Auf den „Einzug in Jerusalem folgt als nächste, kunstvoll geschnitzte Szene, die „Vertreibung der Geldwechsler aus dem Tempel durch Jesus.

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