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Die Haremsdame und der Tempelritter: Die Geheimmission des Tempelritters, #3

Die Haremsdame und der Tempelritter: Die Geheimmission des Tempelritters, #3

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Die Haremsdame und der Tempelritter: Die Geheimmission des Tempelritters, #3

Länge:
360 Seiten
4 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Dec 19, 2016
ISBN:
9781386665458
Format:
Buch

Beschreibung

Die Haremsdame und der Tempelritter

 Die dritte Geheimmission des Tempelritters Johannes

 Für Genießer von Historischen Romanen und Liebesromanen

 Rätsel, Geheimnisse und Abenteuer in Jerusalem

 Eine Liebe, die endlich Erfüllung findet

 Der mörderischer Kampf um Kairo

 Abgefeimte Intrigen in einem ägyptischen Harem

 Geheime Einweihungen

 Liebes-Praktiken, die Allah eigentlich verbietet

Herausgeber:
Freigegeben:
Dec 19, 2016
ISBN:
9781386665458
Format:
Buch

Über den Autor


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Die Haremsdame und der Tempelritter - Frank Fabian

Frank Fabian

Die Haremsdame und der Tempelritter

Historischer Roman

Die dritte Geheimmission des Tempelritters Johannes

© Copyright by Frank Fabian, 2016 All rights reserved

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung vorbehalten. Kein Teil des Buches darf in irgendeiner Form durch Fotokopien, Mikrofilm oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet oder verbreitet werden.

Erster Teil

Aufstand in Jerusalem

1

"Ich werde dir heute das erste Mal beiliegen, ich meine so beiliegen, wie ein Mann mit einer Frau normalerweise zusammen ist, teilte Johannes, der ehemalige Tempelritter, einigermaßen verlegen der früheren Nonne mit. „Aber du musst mir beistehen und mich anleiten. Ich weiß noch immer nicht, wie man sich einem Weib gegenüber verhält, wenn man …Liebe macht. Johannes schluckte und erklärte: „Als ich noch dem Orden der Templer angehörte, verlangte es der Kodex, dass ich einer Frau nicht einmal ins Antlitz sehen durfte."

Er sah Angela flehend an, die ehemalige Nonne, die er jetzt als seine Frau betrachtete und die der Grund dafür war, dass er einst aus dem Templerorden ausgetreten war.

Angela riss die Augen weit auf. Dann begann sie innerlich zu beben, obwohl es vielleicht keine stärkere Frau gab als sie. „Vier Jahre lang hast du mich nicht angerührt", versetzte sie schließlich langsam. „Und jetzt, hier in Jerusalem, 1165, im Jahre des Herrn, willst du…?

Sie versuchte, sich ihre Aufregung nicht anmerken zu lassen und ihre Gefühle niederzukämpfen. „Worauf ist dein plötzlicher Sinneswandel zurückzuführen?"

Johannes blickte sich suchend in dem Raum um, als wolle er den Stuhl oder den Tisch um Hilfe bitten und sich an ihnen zumindest mit seinen Augen festhalten. Dann gestand er: „Ich habe die größte Sünde auf mich geladen, die es in meinem Orden gibt. Ich habe den Mantel abgelegt und bin aus der Bruderschaft der Tempelritter ausgetreten. Ein Austritt aus diesem Eliteorden wird nicht verziehen, es handelt sich um den höchsten Verrat, der vorstellbar ist." Johannes atmete tief ein, voller Erinnerungsschmerz, und fuhr fort: „Aber heute werde ich meinen Makel abwaschen. Ich habe endlich einen Priester gefunden, hier in der heiligsten Stadt auf dem Erdenrund, in Jerusalem, der mir die Beichte abnehmen wird. Er wird mich von meiner Todsünde freisprechen, so Gott will, von meinem Verrat. Vor dieser Beichte konnte ich mit dir das Lager nicht teilen, es wäre nicht Recht gewesen, obwohl ich mich nach dir verzehrt habe."

Angela sah ihn mit ihren dunklen, schönen, langbewimperten Augen aufmerksam an, die jetzt aufglänzten. Dann trat sie auf ihn zu und umarmte ihn, so dass er ihre vollen Brüste durch das Gewand spüren konnte. Sie wusste, sie fühlten sich weich an. Ihre sanft geschwungenen Lippen befanden sich jetzt direkt vor seinem harten, rissigen Mund, doch er küsste sie nicht. Angela versetzte, unversehens sehr praktisch denkend: „Was machen wir mit dem kleinen Johannes, unserem Sohn? Wir werden ihm kaum erlauben können, uns …dabei zuzuschauen." Sie lächelte auf einmal schelmisch; ja, sie mussten den kleinen Johannes behüten, der erst 12 Lenze zählte.

„Wir werden eine Lösung finden, versprach Johannes, der vormalige Templer. „Wir sollten ihn zu einem Waffenschmied schicken, damit er sich ein Kurzschwert aussuchen kann. Nichts interessiert ihn mehr als das Waffenhandwerk!

Angela nickte versonnen. Dann presste sie erneut ihren Körper, der nach wie vor ansehnliche Rundungen besaß, an den Ritter, während sie es nicht verhindern konnte, dass ihr gesamter Leib auf einmal in Flammen stand. Plötzlich hatte sie nur noch einen einzigen brennenden, sengenden Wunsch: Johannes in sich aufzunehmen, tief in sich aufzunehmen und ihn in sich zu spüren. Ihr Unterleib fühlte sich auf einmal an wie ein riesiger schwarzer Magnet, der diesen Mann einfach in sich aufsaugen wollte. Eine übergroße Liebe stieg in ihr auf, zumal er so bescheiden und schüchtern vor ihr stand. Alles in ihr brannte, obwohl sie Johannes noch nicht einmal geküsst hatte.

Rasch schob sie das drängende, fordernde Gefühl in ihrem Leib beiseite, sie wedelte es fort. Sie musste ihrem Mann, der wegen ihr und dem Kind den mächtigsten Orden des gesamten Erdenrundes den Rücken gekehrt hatte, etwas bieten, das er nie wieder würde vergessen können, denn er war der unglaublichste und bemerkenswerteste Mann der Welt. Unauffällig musterte sie seine harten Muskeln und seinen wohl gestalteten Körper. Sie musste ihn auf dem Lager so intensiv verwöhnen, dass… die Vorstellungen gingen mit ihr durch. Bilder der Vergangenheit rasten plötzlich an ihrem geistigen Auge vorbei. Sie war zunächst eine Liebesdienerin gewesen, wenn auch wider Willen, um ihr nacktes Überleben zu sichern. Dann hatte sie die Nonnentracht genommen, um die Sünden der Vergangenheit abzuwaschen. Schließlich war sie hoch aufgestiegen, bis zur Leiterin eines Hospizes. Ihr gemeinsames Kind, den kleinen Johannes, hatte sie zu verantworten, denn als der große Johannes, der bedeutende Tempelherr, eines Tages auf dem Krankenbett gelegen war, dem Tode nahe, hatte sie sich ihm in fleischlicher Lust genähert und seinen Samen in sich aufgenommen, ohne dass er es bemerkt hatte.

Schließlich hatte er ihretwegen und auch wegen ihres gemeinsamen Sohnes, der aus dieser Verbindung entsprungen war, seinem Orden, den er über alles liebte, den Rücken gekehrt.

Ja, sie musste ihrem Mann, gerade wegen der langen Wanderzeit, die sie durch zahlreiche Städte des griechisch-byzantinischen Reichs geführt hatte, etwas bieten, das er nie wieder vergessen würde. Aber es würde ihr leicht fallen, denn sie selbst war ausgehungert, er hatte sie nach seinem Austritt aus dem Orden nicht ein einziges Mal angerührt. Vier lange Jahre! Oder waren es bereits fünf?

Jesus, Maria und Josef! , dachte sie plötzlich. Sie fühlte sich auf einmal wie eine durstige Gazelle, die zu lange durch eine Wüstenlandschaft gehetzt war und kein Wasser gefunden hatte. Gleichzeitig kam sie sich wie eine ausgehungerte Löwin vor.

Sie würde ihm, dem großen Johannes, wenn er erst nackt neben ihr lag, dermaßen intensiv …Wieder dachte sie den Gedanken nicht zu Ende, er war unkeusch! Sie versteifte sich unwillkürlich. Es würde ungeheuerlich sein! Sie kannte alle Tricks auf dem Lager, auch jene, um die ein vor dem Altar angetrautes, braves Eheweib nicht einmal vom Hörensagen wusste. Sie würde ihm…

Rasch schob sie die unerhörten, unerlaubten Gedanken endgültig beiseite. Sie durfte sich jetzt nicht von ihrer eigenen Lust auffressen lassen.

Sie bemerkte plötzlich, wie Johannes sich nur mit äußerster Mühe davor zurückhielt, sie zu küssen, denn sie hatte in der Erinnerung unwillkürlich die Lippen gespitzt und schwer geatmet.

Bestimmt schob sie ihn auf Armlänge von sich hinweg, obwohl es ihr nicht leicht fiel. Für Johannes würde es das erste Mal sein, das erste bewusste Mal, verbesserte sie sich sofort insgeheim. Sie würde ihm ein Festmahl auf dem Lager bereiten und trotzdem nicht darauf verzichten, dass auch sie auf ihre Kosten kam. Sie würde dem gefräßigen Tier in ihrem Unterleib endlich Futter geben. Bei der Heiligen Dreifaltigkeit! Wie hatte sie sich danach gesehnt, mit diesem Mann Liebe zu machen!

Jetzt endlich war es soweit.

Sie tippte ihm lächelnd mit dem Zeigefinger gegen den Brustkorb und bestimmte: „Geh` jetzt zu deinem Priester! Beichte! Ich bin sicher, der HERR wird dir vergeben, er wird uns vergeben. Gott ist barmherzig. Er hat größeren Sündern als dir verziehen. Er wird auch dich wieder in den Schoß der allein seligmachenden Kirche aufnehmen. Jesus Christus wird sich deiner und meiner annehmen."

Sie konnte sich nicht davor zurückhalten, Johannes einen viel versprechenden Blick durch ihre langbewimperten Augen zuzuwerfen. Er konnte Männer wild machen vor Begierde, wie sie wusste. Ein Blick war wie eine Leimrute, die man auslegte. Himmel! Zunächst musste sie alles vorbereiten, das Lager vor allem, aber auch der Raum musste ansprechend hergerichtet werden. Alles, alles musste stimmen.

Johannes nickte gehorsam. Ja, der Tag der Tage war gekommen. Er würde ein vollständig neues Leben beginnen, heute, hier und jetzt. Er würde nicht nur im Traum einer leibhaftigen Frau beiliegen, seiner Frau.

Hoch gestimmt schaute er sich noch einmal in der bescheidenen Unterkunft um, in der sie Herberge genommen hatten. Dann verließ er beschwingten Schrittes den Raum.

Momente später befand er sich inmitten des Gewühls von Jerusalem, zwischen Turbanträgern und Christenmenschen.

Tief sog er den Atem ein. Es roch herrlich. Keine Stadt, die er je betreten hatte, war so bunt, aufregend und weihrauchgeschwängert wie Jerusalem.

Jerusalem, Jeruschalajm! Im Arabischen sprach man von al-Quds asch-Scharif, wenn man auf Jerusalem deutete, was so viel bedeutete wie „die Heilige". Aber man nannte Jerusalem auch Al Kuds, was ebenfalls „Heiligtum" hieß.

Jerusalem, auf Hebräisch Jeruschalajm, Urusalimmu oder Yerusalayim genannt,

griechisch Hierosólyme, bedeutete wörtlich „Stadt des Friedens" oder „Schau des

Friedens". Er interessierte sich noch immer brennend für die Herkunft und die wahre Bedeutung von Wörtern, sowie überhaupt für andere Sprachen, die er glücklicherweise spielend leicht erlernen konnte, sie flogen ihm nur so zu.

Jerusalem war zwar die „Stadt des Friedens", aber auf der anderen Seite hatten in keiner anderen Stadt furchtbarere Kriege stattgefunden. Wörter verrieten nicht immer die Wahrheit, sie konnten im Gegenteil sogar beschmutzt werden oder absichtlich in die Irre führen.

Einige schwer bewaffnete Kreuzritter, die gerade an ihm vorbeimarschierten, mit baumelnden Schwertern an der Seite, schienen seine Erkenntnis zu bestätigen.

Johannes beschattete die Augen und schaute auf den Stand der Sonne, um die Zeit einzuschätzen. Er musste sich beeilen, er durfte den Priester keinesfalls warten lassen. Rasch tauchte er in eine der Gassen ein, die in die richtige Richtung führte, zu seiner kleinen Kapelle.

Überall erblickte er jetzt Araber, in weißen Kaftanen, mit Fez oder Turban. Allah-Anbeter waren sie allesamt, aber sie wurden inzwischen von den Christen geduldet. Neben ihnen bewegten sich wie selbstverständlich schwarzgewandete christliche Priester und Nonnen durch die Gassen. Aber Johannes sah auch Juden, mit ihren langen Bärten, den zu Zöpfen geflochtenen Haaren und der unverwechselbaren Kopfbedeckung. Jerusalem beherbergte alle möglichen Völkerschaften und jedes Glaubensbekenntnis. In keiner anderen Stadt der Welt gingen die Vertreter der drei großen Religionen so friedlich miteinander um – die Juden, die Christen und die Muselmanen. Aber wahrscheinlich trog der Schein. Unter der Decke brodelte es, jeder verteidigte seine Religion bis aufs Messer. Ein Rabbi, ein jüdischer Lehrer, mit seinen geflochtenen, gedrehten Zöpfen, die sich im Wind bewegten, hastete an ihm vorüber, ohne ihn zu beachten.

Verflixt, er durfte sich nicht ablenken lassen und nicht verlaufen, in all den Gassen und Gässchen und in der Menschentraube konnte man sich verirren. In der Kapelle, die hundert oder zweihundert Schritt hinter dem Hauptquartier der Templer lag, wartete der Priester sicherlich schon auf ihn. Er würde ihn hoffentlich von seinen Sünden befreien, sie lagen wie ein Felsbrocken auf seiner Seele.

Johannes` Herz klopfte plötzlich härter. Es war nicht auszuschließen, dass er auf dem Weg zu der Kapelle einigen Tempelrittern über den Weg lief. Das galt es zu vermeiden. Vielleicht sollte er einen Umweg machen? Nein, er musste der Wirklichkeit ins Auge sehen.

Ein anderer Duft kroch in seine Nase. Johannes schnupperte, während er stramm weitermarschierte. Der verführerische Geruch wehte zu ihm herüber, eine seltsame Mischung aus Gewürzen, Hühnchen und Lamm. Aber ja! Dort drüben gab es einen Markt. Alles, was der Magen begehrte, wurde dort feilgeboten, Obst, Feigen, Granatäpfel, leckere Fleischstückchen und seltene Gewürze, die es im Abendland nicht oder selten gab, wie Ingwer, Sesam oder Schwarzkümmel. Johannes atmete den Geruch tief ein.

Plötzlich erblickte er in einiger Entfernung tatsächlich einen Tempelritter. Johannes erstarrte einen Moment lang. Himmelherrgott, seine Befürchtung wurde wahr. Aber etwas stimmte nicht, etwas stimmte ganz und gar nicht. Der Templer trug zwar ein rotes Tatzenkreuz auf seinem Mantel, aber der Mantel war pechschwarz, nicht weiß. Das gab es nicht, das durfte es nicht geben! Die Kleiderordnung bei den Templern war genau vorgeschrieben, nur weiße Mäntel waren erlaubt. Was hatte das zu bedeuten? Ein schwarzer Tempelherr? Johannes versuchte mit seinem außergewöhnlich entwickelten Gehörsinn mehr in Erfahrung zu bringen, aber er vernahm nur die schweren, sich entfernenden Schritte des schwarzen Tempelherrn auf den unebenen Steinen. Trotz der metallenen Rüstung, die unter dem schwarzen Gewand sichtbar wurde, bewegte sich der Templer leicht und schnell über das Pflaster. Er schritt in einiger Entfernung an ihm vorüber, ohne ihn zu beachten. Momente später verlor er ihn aus den Augen.

Erneut fühlte sich Johannes unangenehm an seine Todsünde erinnert. Er blickte nach innen. Ja, er hatte dem Templerorden, den er über alles liebte, den Rücken gekehrt und ihn schmählich verraten. Ein Gefühl von Scham und Schuld durchströmte ihn. Es gab keine schlimmere Verfehlung, als seine Brüder im Stich zu lassen.

Aber hatte er nicht genügend gebüßt? Beinahe fünf Jahre lang war er durch die byzantinischen Länder geirrt, zusammen mit Angela, die ihm Halt gegeben hatte. Doch er hatte sie absichtlich nie angerührt, obwohl alle Sinne in ihm nach ihr und ihrem Leib schrien. Er hatte sich diese Qual selbst auferlegt, denn er musste für seine Verfehlung büßen.

Seine Gedanken flatterten wie Schmetterlinge weiter. Ja, es war richtig gewesen, nach Jerusalem zu pilgern, hierher. Jerusalem war der Mittelpunkt der Welt, keine Stadt war heiliger. Al Kuds das Heiligtum! Nur hier konnte er Vergebung finden, in der ehrwürdigsten aller Städte. Nicht umsonst befand sich selbst das Hauptquartier der Templer an diesem Ort.

Johannes schritt unwillkürlich noch kräftiger aus. Der Priester, der Priester! Er passierte einige Basare, wo vergoldete Gefäße zum Verkauf feilgeboten wurden.

Unwichtig! Wichtig waren nur die Beichte und Jesus! Unversehens wurde er sich des Bodens unter seinen Füßen bewusst. Bei der Heiligen Dreifaltigkeit, auf diesem Boden war einst Jesus Christus selbst gewandelt, der HERR, seine heiligen Sandalen waren über diese Steine geschlurft, die auch er gerade berührte. Ein erhebendes Gefühl durchströmte ihn plötzlich. Aber auch viele andere Propheten hatten den Boden hier geheiligt, mit ihren nackten Zehen und Fußsohlen.

Ja, es war richtig, dass ihn seine Pilgerfahrt hierhergeführt hatte. Trotzdem war es durchaus möglich, dass er sich durch seinen Austritt aus dem Orden das Himmelreich verscherzt hatte. Würde der Priester ihm wirklich die Absolution erteilen?

Johannes überquerte jetzt den Platz vor dem Hauptquartier der Templer. Bei der

Heiligen Maria, der gebenedeiten Jungfrau! Das Hauptquartier der Templer! Hier liefen alle Fäden zusammen. Kurz bestaunte er das Bauwerk mit seinen dicken Quadern; allein die riesigen Steine verkörperten bereits Macht.

Aber er durfte sich nicht von seinem Vorhaben ablenken lassen. Die Zeit drängte. Johannes schritt rasch an dem mächtigen Bau vorüber. Endlich. Da, dort stand die Kapelle. Er eilte darauf zu. Kurz blickte er sich nach allen Seiten um, aus alter Gewohnheit, denn als Verteidiger der Christenheit hatte er früher hinter jedem Strauch und Baum einen Feind vermutet. Einige Gestalten fielen ihm auf. Mönche? Warum befanden sich hier so viele Klosterbrüder? Alle Mönche trugen Kapuzen, die ihre Gesichter verbargen. Einer hob den Kopf, als er vorüberhastete. Jesus, welch eine krumme Nase! Außerdem war er so braunhäutig wie ein Allah-Anbeter. Handelte es sich um einen Muselmanen, den ein Priester zum Christentum bekehrt hatte? Gleichgültig! Das alles durfte ihn im Moment nicht interessieren.

Johannes betrat die kleine Kapelle, sein Herz klopfte jetzt härter. In einer dunklen Ecke befand sich der Beichtstuhl. Schnell benetzte Johannes seine Stirn mit dem Weihwasser und schlug das Kreuzzeichen. Dann begab er sich zu dem hölzernen Gehäuse seines Beichtigers, der sicher schon auf ihn wartete. Nur drei Nonnen befanden sich in der Kapelle, die demütig nach vorn gebeugt mit ineinander verschränkten Händen beteten. Er erreichte den Beichtstuhl und kniete sofort nieder. Ja, der Priester, den er vor ein paar Tagen gebeten hatte, ihm die Beichte abzunehmen, befand sich bereits im Mittelteil des Holzgehäuses. Das Antlitz des Mannes lag halb im Schatten, aber er erkannte ihn sofort, sein Schattenriss zeichnete sich deutlich in dem Licht der flackernden Kerzen ab.

Johannes seufzte tief. Dann stieß er die Worte aus: „Vater, ich habe gesündigt, schwer gesündigt!"

Er fühlte das harte Holz unter seinen Knien und blickte durch das karoförmige Holzgitter. Schwer atmend fügte er hinzu: „Ich habe die verwerflichste Sünde gegen meinen Orden begangen, die überhaupt vorstellbar ist."

Johannes hielt den Atem an, es ging hier um nichts weniger als um seine ewige Seligkeit.

In diesem Moment ertönten dumpf die Worte jenseits des Gatters: „Erleichtere dich, mein Sohn. Welche Schuld hast du auf dich geladen?"

Auf einmal brach in Johannes ein Damm, die Worte sprudelten nur so aus ihm heraus. Er berichtete alles. Er erzählte von dem Eintritt in den Orden. Von seinem Aufenthalt in Deutschland, das man auch Ostreich nannte, weil es vom Gesichtspunkt der Franzosen aus im Osten gelegen war. Seinen ersten Prüfungen. Und den Kämpfen. Er berichtete über seine erste Geheimmission, die ihn bis nach Persien geführt hatte. Manchmal stockte er, doch dann fielen die Worte wieder aus ihm heraus, ungeordnet und voller Emotion. Unterbrochen wurde Johannes nur von seinem eigenen Atem, denn zwischendurch musste er immer wieder Luft holen. Er berichtete von seiner zweiten Geheimmission. Von Zypern. Von der Übernahme einer Burg, die er in eine Templerfestung verwandelt hatte. Die Worte hörten nicht auf, einfach aus ihm herauszubrechen, wie ein Sturzbach. Er berichtete, wie er ungewollt, ohne sein Zutun, auf dem Krankenlager, dem Tod nahe, eine Nonne geschwängert hatte. Fieberhaft eilten seine Augen immer wieder zu dem Beichtiger, der jedoch nur zuhörte. Sein Wortschwall überschlug sich. Er erzählte immer schneller. Von seinem Sohn, dem kleinen Johannes. Von dem Kampf gegen den Sklavenhändler Makarios. Von dem Sieg. Und dem Schock, den er erlitten hatte, als er erfuhr, dass er Vater eines Kindes war. Er beschönigte nichts. Dann berichtete er von seinem Austritt aus dem Orden, um Verantwortung für seinen Sohn zu übernehmen.

Der Priester hinter dem Karogatter hörte aufmerksam zu.

Johannes sprach weiter. Er verriet jedoch nichts von den geheimen Einweihungsgraden der Templer, denn das zählte nicht zu seinen Sünden. Er berichtete nur von der Aufnahmezeremonie, da er sich verpflichtet hatte, nur noch dem Orden zu dienen. Und er beichtete erneut voller Scham, dass er schließlich den Mantel abgelegt und dem Orden den Rücken gekehrt hatte. Er wand sich in Qual, als er auf seine Irrfahrt durch das byzantinische Reich zu sprechen kam. Er erzählte von seiner selbst auferlegten Buße, die darin bestanden hatte, sein Weib nicht anzurühren. Johannes krächzte und flüsterte. Einmal musste er sich zusammenreißen, um nicht laut seine Sünden in die kleine Kapelle herauszuschreien. Fünf Jahre Seelenschmerzen brachen aus ihm heraus.

Sein überscharfes Gehör verriet ihm auf einmal, wie sich eine der Nonnen in dem Kirchlein bewegte. Erhob sie sich? Schlug sie ein Kreuzzeichen? Er hörte ein Kratzen, das eigentlich nicht in eine Kapelle gehörte. Etwas knirschte. Ein Ton wie ihn nur Stahl verursachen konnte, gelangte an sein Ohr.

Aber das durfte ihn jetzt nicht kümmern. Die Tränen strömten Johannes plötzlich stromweis über die Backen, als er ein drittes Mal seinen Verrat schilderte, aber er schämte sich seiner Tränen nicht. Endlich schwieg er erschöpft.

Der Priester antwortete noch immer nichts, aber auf einmal sah Johannes, wie er nickte. Er konnte es nicht fassen: Es gab einen Menschen auf der Welt, der ihn tatsächlich verstand. Er wurde nicht verdammt. Herrgott im Himmel, bei dem süßen Jesus! Johannes realisierte plötzlich, dass er sich selbst verdammt hatte, fünf Jahre lang. Er erkannte auf einmal, dass ihn nicht die Tempelritter mit Abscheu und Unrat übergossen hatten, sondern er hatte dies selbst getan. In einer plötzlichen Erleuchtung wurde ihm klar, dass er sich selbst vergeben musste. Wenn der HERR ihm verzieh, wenn ihm der Priester da vor ihm die Absolution erteilte, ja, dann musste er sich zusätzlich selbst vergeben.

Wieder ergriff er das Wort und redete eine kleine Weile, aber er wiederholte sich nur. Schließlich versiegte sein Redestrom.

„Ich glaube, ich habe alles gesagt", krächzte er. Dann wartete er stumm, mit angehaltenem Atem. Vielleicht würde ihm Gott vergeben.

Der Priester auf der anderen Seite nickte noch einmal. Zu seiner unendlichen Überraschung sagte er auf: „Johannes, deine Sünden sind dir vergeben. Dann fügte er die uralte Bestätigung an: „In nomine Patris et Filii, et Spiritus Sancti".

Johannes glaubte, seinen Ohren nicht trauen zu können. Schließlich presste er die die Worte hervor:„Vater, welche Buße wird mir auferlegt? Ich bin nach Jerusalem gepilgert, um die schwerste Bestrafung auf mich zu nehmen, die vorstellbar ist. Denn ich will nicht des Himmelreiches verlustig gehen."

Der Priester wandte ihm nun sein Gesicht voll zu und versetzte: „Du hast dir selbst die schwerste aller Bußen längst auferlegt. Du hast darauf verzichtet, dein Weib anzurühren. Überdies hast du dich in die heiligste Stadt der Welt begeben, trotz aller Beschwernisse, Gefahren und Hindernisse. Und du hast dich innerlich selbst zerfleischt. Ich denke, Gott ist der Meinung, dass du genug gebüßt hast. Bete drei Vaterunser und drei Ave Maria. Aber ich werde dir keine weitere Buße auferlegen, doch eine einzige kleine Aufgabe musst du noch meistern."

Johannes durchfuhr es wie ein Blitzstrahl. Also doch! Der HERR begehrte etwas von ihm. Er wartete und bemühte sich, seine Ungeduld zu bezähmen.

Schließlich räusperte sich der Priester umständlich und entschied: „Gott will es, dass du im Hauptquartier des Templerordens Bericht erstattest. Gib jedoch dem stellvertretenden Großmeister zu verstehen, dass du von deinen Sünden freigesprochen worden bist. Der Templerorden, der mächtigste, wichtigste und angesehenste Orden der Christenheit, besitzt ein Recht darauf zu erfahren, was mit dir geschehen ist. Danach magst du frei entscheiden, was du tun willst und was nicht. Du musst wissen, ich selbst bin ein Kaplan …der Templer."

Der Priester machte ein Kreuzzeichen und sagte noch einmal, diesmal auf Lateinisch: „Ego te absolvo. Ich spreche dich frei von deinen Sünden. Gott vergibt. Gehe hinaus in die Welt und tue Gutes." Er schlug ein Kreuzzeichen über sein Beichtkind.

Johannes aber staunte nur still. Gottes Wege waren unerforschlich. Er hatte ihn in seiner Weisheit direkt zu einem Kaplan seines früheren Ordens geführt. Damit war ihm seine Todsünde wirklich vergeben worden. Ihn erfasste Schwindel, ein Schwindel des Glücks, als er sich erhob. Kaum belastete ihn der Gedanke, in der Tempelburg vorstellig zu werden. Er würde auch diese letzte Herausforderung bestehen. Wichtiger war: Gott selbst hatte ihm verziehen.

Johannes wankte. Dann begab er sich schwankenden Schrittes zu der Kirchentür der kleinen Kapelle.

Da passierte es.

Er hatte die Kirchenpforte noch nicht ganz erreicht, als er Waffengeklirre vernahm, das von außen in das Gotteshaus hineindrang. Das Licht blendete ihn, als er die Tür aufriss. Er rieb sich ungläubig die Augen. Vor der Kirche kämpften Muselmanen gegen christliche Pilger, mitten in Jerusalem! Befand sich die Heilige Stadt nicht fest in der Hand der Christen?

Gott im Himmel! Was war mit all den Mönchen geschehen, die er zuvor gesehen hatte? Johannes traf fast der Schlag: Alle hatten ihre Kapuzen zurückgeschlagen, unter den Kutten befanden sich …Allah-Anbeter, sie waren die Angreifer!

Hinter sich hörte er ebenfalls ein Geräusch. Er wandte sich halb um. Johannes konnte seinen Augen ein zweites Mal kaum trauen. Eine der Nonnen, die scheinbar so fromm in der Kapelle gebetet hatte, zückte gerade einen Krummdolch, um ihn in seinen Rücken zu stoßen. Es handelte sich bei der Nonne um einen Mann, einen dunkelhäutigen Kerl mit einer Adlernase, die Nonnentracht war ebenfalls nur eine Täuschung. Ein Überfall, mitten in der heiligsten Stadt der Welt! In einer Kirche! Im letzten Augenblick wich Johannes zur Seite. Sein Kampfinstinkt ließ ihn automatisch reagieren. Seine Faust schnellte vor. Sie erwischte die falsche Nonne in der Magengrube. Augenblicklich krümmte sich der Kerl zusammen. Da hörte Johannes einen Schrei, der aus der Richtung des Beichtstuhls zu ihm herüberdrang. Der Kaplan, sein Kaplan! Er wurde ebenfalls bedrängt. Johannes entwand mit einem blitzschnellen Griff der falschen Nonne den Krummdolch. Dann zog er dem Kerl die Klinge über den Hals. Das Blut spritzte über die schwarze Nonnentracht. Daraufhin rannte Johannes zurück zu dem Beichtstuhl. Der Kaplan befand sich noch immer in dem Gehäuse. Die beiden anderen Nonnen, die gleichfalls nur verkleidete Muselmanen waren, stachen durch das hölzerne Karogatter von zwei Seiten auf ihn ein. Gotteslästerer! Frevler! Die Scham gebot ihnen nicht einmal, vor einem Priester haltzumachen. Sein Gehör hatte ihn also doch nicht getrogen, als während der Beichte ein metallenes Geräusch an sein Ohr gedrungen war. Heiliger Zorn loderte in ihm auf. Nacheinander massakrierte Johannes die beiden falschen Nonnen, indem er wieder und wieder auf die beiden Muselmanen einstach. Trotzdem fiel der Kaplan, der ihm noch vor wenigen Augenblicken die Absolution erteilt hatte, kopfüber aus dem Beichtstuhl, blutüberströmt. Mit einem schnellen Blick stellte Johannes fest, dass er zu spät gekommen war, der Priester war tot. Eine ohnmächtige Wut durchraste ihn. Die Worte Urbans II., des Kreuzzugpapstes, rauschten plötzlich durch sein Gehirn: Die Hunde sind ins Heiligtum gekommen. Das Mutterland der Religion hat ein gottloses Volk in seiner Gewalt. Das Allerheiligste ist entweiht. Das Volk, das den wahren Gott verehrt, ist erniedrigt. Ja, die verderbliche Lehre Mohammeds ließ die Muselmanen zu Tieren herabsinken. Die Erstgeborenen Satans wagten es jetzt sogar schon, in einer

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