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Wahre Halluzinationen
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eBook344 Seiten8 Stunden

Wahre Halluzinationen

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Über dieses E-Book

Im Jahre 1971 macht sich eine Gruppe junger amerikanischer Anthropologen und Botaniker auf ins Amazonasgebiet, um die Wirkung von halluzinogenen Pflanzen auf das Weltbild der eingeborenen Schamanen zu erforschen. Die Einnahme dort wachsender Psilocybin-Pilze versetzt zwei von ihnen, Terence McKenna und seinen Bruder Dennis, selbst in den Zustand, den sie an visionssuchenden Schamanen untersuchen wollten. Dieses Erlebnis überzeugte McKenna, dass die Welt der ekstatischen Trance des Schamanen, die visionäre
Welt des Psilocybins und die Welt, in der man Ausserirdische antrifft, verschiedene Aspekte ein und derselben paradoxen Realität sind. In den Jahren danach festigte sich seine Ansicht, dass man Psilocybin dazu benutzen kann, das Verhältnis von Geist und dem Unbekannten zu erforschen. Als Forscher einer neuen Generation erkundete er die nicht rationalen Teile der Psyche und entwickelte mit Hilfe seiner rationalen wissenschaftlichen Ausbildung eine "Quantenpsychologie". Sein Buch liest sich so spannend wie ein Bericht über die Erkundung eines fremden Kontinents.
SpracheDeutsch
Erscheinungsdatum3. Jan. 2017
ISBN9783037885277
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    Buchvorschau

    Wahre Halluzinationen - Terence McKenna

    HALLUZINATIONEN

    1

    DAS GEHEIMNIS RUFT

    Tausende von Jahren sind die Visionen, die die halluzinogenen Pilze schenken, ein wirkliches Geheimnis gewesen. Meine Gedanken der vergangenen zwölf Jahre bestanden zum Großteil darin, Namen dafür zu finden und darüber nachzudenken. Scharf bewacht von den verrückt mit Juwelen geschmückten Engeln – «Jeder Engel ist schrecklich», schrieb Rilke, und heilig und profan zur gleichen Zeit – erhebt sich der Pilz in meinem Leben, so wie er sich möglicherweise an irgendeinem zukünftigen Punkt in der Geschichte der Menschheit erheben wird. Ich habe mich entschieden, die Sache literarisch anzugehen. Der Pilz ist Meister von Ort und Raum, Zeit und Geist, doch die Suche nach einer einfachen Form, das zu vermitteln, brachte mich dazu, der Tradition zu folgen; das heißt, eine chronologische Erzählung zu schreiben:

    Anfang Februar des Jahres 1971 durchquerte ich das südliche Kolumbien, unterwegs mit meinem Bruder und Freunden zu einer Expedition in das kolumbianische Amazonasgebiet. Unsere Reise führte uns durch Florencia, die Provinzhauptstadt des Departmento Carquetä. Dort machten wir ein paar Tage Pause und warteten auf ein Flugzeug, das uns zum Punkt unserer Einschiffung am Rio Putumayo bringen sollte, ein Fluß, dessen ungeheure Weite die Grenze zwischen Kolumbien und dessen zwei südlichen Nachbarn, Ekuador und Peru, bildet.

    Der Tag war besonders heiß, und wir hatten die bedrückende Enge unseres Hotels in der Nähe des lauten Zentralmarktes und des Busbahnhofs verlassen. Wir gingen in südwestlicher Richtung, vielleicht eine Meile zur Stadt hinaus. Hier, hinter wogenden Weiden, flossen die warmen Fluten des Rio Macha. Nachdem wir im Fluß geschwommen und in den tiefen, vom warmen Strom in das schwarze Basaltflußbett gegrabenen Tümpeln geplanscht hatten, kehrten wir über dieselben Weiden zurück. Jemand, der vertrauter mit dem Aussehen von Stropharia cubensis war als ich, wies auf ein einziges großes Exemplar davon hin, das hochgereckt und alleine in einem Rest alten Kuhdungs stand. Spontan und auf Anraten meiner Freunde aß ich den ganzen Pilz. Das alles dauerte nur einen Moment, und dann stapften wir, ermüdet vom Schwimmen, weiter – den Osthang der Kordilleren entlang, wo Florencia liegt, kam ein tropisches Gewitter auf uns zu. Vielleicht eine halbe Stunde lang gingen wir schweigend dahin. Erschöpft ließ ich den Kopf hängen, fast hypnotisiert von dem Anblick der regelmäßigen Bewegung, mit der meine Stiefel durchs Gras schnitten. Um den Rücken zu strecken und meine Lethargie abzuschütteln, hielt ich inne und reckte mich, wobei ich einen prüfenden Blick über den Horizont schweifen ließ. Zum ersten Mal überfiel mich das Gefühl für die Gewaltigkeit des Himmels, das ich inzwischen mit Psilocybin zu verbinden gelernt habe. Ich bat meine Freunde um eine Pause und ließ mich schwer zu Boden fallen. Ein stummer Donner schien die Luft vor mir zu erschüttern. Mit einer neuen Präsenz und Bedeutung zeichneten sich die Dinge ab. Es kam und verschwand wie eine Welle, während die erste Wut des tropischen Gewitters über uns hereinbrach und wir klatschnaß wurden.

    In dem durchweichten Rückzug schwand der kurze Moment, der unserer hektischen Flucht vorausging, dahin, ohne daß ich ein Wort darüber verlor. Ich erkannte, daß der Pilz mein Erlebnis ausgelöst hatte, doch ich wähnte mich in einer Suche nach Halluzinogenen anderer Art im tiefen Dschungel engagiert; und zwar handelte es sich um oral aktive Drogen, die DMT enthielten, und yagé und die Pflanzen, die man ihm beimischt. Ich hakte also das Pilzerlebnis als etwas ab, dem ich ein andermal nachgehen wollte. Leute, die schon lange in Kolumbien lebten, versicherten mir, daß der Pilz ausschließlich auf dem Dung des Zeburindes vorkommt, und ich nahm an, im Dschungel des Landesinneren, wo ich mich in Kürze aufhalten sollte, seien keine Rinder oder Weiden zu erwarten. In Vorahnung der Härten der Fahrt den Rio Putumayo hinunter zu unserem Ziel, einer entlegenen Mission namens La Chorrera, schlug ich mir die Pilze aus dem Kopf.

    Warum waren Leute wie wir zu den dampfenden Dschungelwäldern des kolumbianischen Amazonasgebietes gekommen? Wir waren eine Gruppe von fünfen. Freundschaft, eine extravagante Phantasie, Naivität und die Begeisterung am Reisen und an exotischen Erlebnissen verband uns. Ev, unsere Dolmetscherin, war das einzige Mitglied der Gruppe, das nicht seit Jahren mit uns allen bekannt war. Wie wir war sie Amerikanerin und hatte einige Jahre in Südamerika gelebt und war im Osten gereist (wo ich ihr einmal am Flughafen in Katmandu begegnet war – doch das ist eine andere Geschichte). In Kolumbien hatte sie sich gerade aus einer langen Beziehung gelöst, und da sie nichts Besseres zu tun hatte, schloß sie sich unserer Gruppe an. Als wir in La Chorrera ankamen, waren sie und ich seit kaum drei Wochen ein Paar. Die anderen Mitglieder unserer Gruppe waren mein Bruder Dennis, der Jüngste und am wenigsten Gereiste von uns, Student der Botanik und langjähriger Kumpel; Vanessa, eine alte Studienfreundin von mir aus dem experimentellen Kollege in Berkeley, gelernte Anthropologin und Fotografin und Alleinreisende; und Dave, ein weiterer Freund von mir, schwuler Meditierer, Töpfer, Besticker von Bluejenas und, wie Vanessa, New Yorker.

    Vier Monate vor unserem Abstieg in die wäßrige Unterwelt des unteren Putumayo war meinem Bruder und mir das Leid widerfahren, daß unsere Mutter gestorben war. Davor war ich drei Jahre in Indien und Indonesien herumgereist und hatte in Japan und dann in Kanada gearbeitet. Dort waren wir auch alle zusammengekommen und hatten diese Amazonasexpedition geplant, um die Tiefen der psychedelischen Erfahrung zu ergründen.

    Ich möchte bewußt nicht viel über uns sagen. Doch eins noch; wir waren vielleicht nicht richtig ausgebildet, doch gut ausgebildet waren wir auf jeden Fall. Die Unterschiede zwischen uns ruhten sicher auf der Überzeugung, daß jeder dazu in der Lage war, die Situation richtig zu verstehen. Oft wichen die Beschreibungen voneinander ab, doch das kommt häufig vor bei starken Persönlichkeiten oder Zeugen eines ungewöhnlichen Vorfalles. Wir waren Flüchtlinge aus einer Gesellschaft, die durch ihren Selbsthaß und ihre inneren Widersprüche vergiftet wurde. Wir waren komplexe Menschen, sonst hätten wir nicht getan, was wir taten.

    Keiner von uns war schon vierundzwanzig. Der politische Aufruhr, der die gemeinsam in Berkeley verbrachten Jahre auszeichnete, hatte uns zusammengeführt. Wir waren durchgegangen, welche ideologischen Möglichkeiten uns zur Wahl standen, und hatten entschieden, alle unsere Chips darauf zu setzen, das Potential der psychischen Erfahrung zu erforschen, der kürzeste Weg zu dem Millennium, das zu erhoffen uns die radikale Politik gelehrt hatte. Wir hatten nicht die geringste Vorstellung, was wir vom Amazonasgebiet zu erwarten hatten. Zwar hatten wir alle zur Verfügung stehenden ethno-botanischen Informationen zusammengetragen. Diese Daten sagten uns, wo wir die verschiedenen Halluzinogene zu suchen hatten, jedoch nicht, was wir zu erwarten hatten, wenn wir sie fanden.

    Ich habe etliche Gedanken auf den Versuch verwandt, zu rekonstruieren, wie prädisponiert wir möglicherweise für die Erlebnisse waren, die wir dann hatten. In einem elf Monate vor unserer Expedition geschriebenen Brief finde ich, daß Dennis sogar derjenige mit der klarsten Konzeption gewesen ist. Er schrieb mir 1970 folgendes nach Taiwan:

    Was die zentrale schamanische Suche und die Vorstellung angeht, daß ihre Lösung möglicherweise den physischen Tod mit sich bringt – in der Tat ein ernüchternder Gedanke –, würde es mich interessieren zu hören, für wie wahrscheinlich Du diese Möglichkeit hältst und warum. Ich hatte sie mir nicht als Tod gedacht, obgleich ich mir überlegt habe, daß sie uns, als lebenden Menschen, sehr wohl einen willentlichen Zugang zu der Tür geben mag, die die Toten täglich durchschreiten. Ich halte es für eine astrale Projektion der vierten Dimension, die es dem Hyperorganbewußtsein erlaubt, sich augenblicklich an jedem Punkt der Raum-Zeit-Matrix beziehungsweise an allen Punkten gleichzeitig zu manifestieren. Ein UFO ist im wesentlichen dieser vierdimensionale mobile psychische Strudel, und zum Trip mag sehr wohl auch der Kontakt mit irgendeiner Rasse von Bewohnern des vierdimensionalen Raumes gehören. Wahrscheinlich wird das ein Treffen sein, das einer «Flugstunde» ähnelt: Instruktionen im Einsatz des transdimensionalen Steins, wie man im vierdimensionalen Raum navigiert und vielleicht ein Einführungskurs in kosmisch-ökologischer Pflege. Das Beibehalten der Körperform wäre unter diesen Umständen, so scheint es mir, eine Sache der freien Wahl und nicht der Notwendigkeit, jedoch könnte das auch völlig belanglos sein, da im vierdimensionalen Netz alle existierenden physischen Manifestationen offenstünden. Ich würde sagen, die Zeit ist für das Unternehmen nicht von Bedeutung, nur insofern als der Kulturtod der Stämme, die wir suchen, in erschreckendem Maße voranschreitet.

    Wie vielfarbig unsere Phantasien auch waren, unsere Arbeitsinteressen drehten sich doch in erster Linie um Drogen des Typs DMT (Dimethyltryptamin). Und zwar ganz einfach deswegen, weil ihre Wirkung, wenn auch sehr kurz, uns die intensivste aller uns bekannten Halluzinogene schien. Sogar Psychonauten der Innenwelt haben nicht gerade häufige Erfahrung mit DMT, und daher muß ich ein paar Worte darüber verlieren. In seiner reinen synthetischen Form ist es eine kristalline Paste beziehungsweise ein Puder, und als solcher wird es ohne Beimischung in einer Glaspfeife geraucht. Nach ein paar Zügen, nach etwa fünfzehn Sekunden bis einer Minute, wird man von dem Erlebnis überrollt. Das so bewirkte halluzinogene Erlebnis dauert drei bis sieben Minuten und ist eindeutig intensiv. Es ist so bizarr und intensiv, daß sogar die eifrigsten aficionados von Halluzinogenen es für gewöhnlich links liegen lassen. Und doch ist es das gebräuchlichste und am weitesten verbreitete der natürlich vorkommenden Halluzinogene und Basis, wenn nicht gar einziger Bestandteil der meisten von den Eingeborenen im tropischen Südamerika benutzten halluzinogenen Stoffe. In der Natur, als Produkt des pflanzlichen Stoffwechsels, kommt es natürlich in nichts auch nur annähernd so konzentriert vor wie es aus dem Labor kommt. Aber die südamerikanischen Schamanen suchen, indem sie sich auf verschiedenste Weise für seine Wirkung empfänglich machen, genau die Stufe einer der Realität auslöschenden Intensität, die mit reinem DMT zu erreichen ist. Seine Fremdartigkeit und Kraft überschreitet die anderer halluzinogener Stoffe in einem solchen Maße, daß DMT schließlich die maximale Entfaltung der halluzinogenen Dimension erschließt, zu der es ohne ernsthaftes Risiko für den Organismus kommen kann.

    Unseres Erachtens sollte unsere phänomenologische Beschreibung der halluzinogenen Dimension damit beginnen, daß wir eine stark DMT-haltige einheimische Pflanze fanden, und dann wollten wir offenen Geistes die schamanischen Zustände erkunden, die sie zugänglich macht. Zu diesem Zweck hatten wir die Literatur über tryptaminhaltige Drogen im oberen Amazonasbecken durchforstet und festgestellt, daß yagé und ayahuasca – das Gebräu aus Banisteriopsis caapi mit DMT-Beimischung – über ein weites Gebiet bekannt ist, desgleichen verschiedene Arten von DMT-haltigen Schnupfmitteln, es indes ein DMT-haltiges Halluzinogen gab, dessen Gebrauch stark eingeschränkt war.

    Oo-koo-he wird aus dem Harz der Myristicaceus-Art Virola hergestellt, das man mit den Aschen anderer Pflanzen vermischt und zu Kügelchen rollt. Bei der Schilderung dieser Droge fiel mir auf, daß der Stamm der Witoto, der alleine das Geheimnis ihrer Herstellung kennt, es benutzte, um mit «kleinen Männchen» zu reden und Wissen von ihnen zu erhalten.

    Diese kleinen Leute bilden eine Brücke zwischen den Motiven des Kontaktes mit dem Außerirdischen und den traditionellen seltsamen Vorfällen in den Wäldern, bei denen Feen und Elfen eine Rolle spielen. Die weltweite Tradition der kleinen Leute wird in dem Buch The Fairy Faith in Celtic Countries von W. E. Evans-Wentz gründlich untersucht, ein Buch, das die UFO-Suche von Jacques Vallee wie auch unsere eigene beeinflußt hat. Die Erwähnung kleiner Männchen ließ etwas bei mir anklingen, denn in Berkeley, bei eigenen Experimenten mit dem Rauchen von synthetisch hergestelltem DMT, hatte ich den Eindruck gehabt, in einen von fröhlichen elfengleichen, sich selbst transformierenden Maschinenwesen bewohnten Raum zu platzen. Das durch dieses Erlebnis hervorgerufene Gefühl, sich buchstäblich in einer anderen Dimension zu befinden, hatte den Ausschlag dazu gegeben, daß wir uns auf Tryptamindrogen konzentrierten. Beim Durchforsten der Literatur über die Tryptamin-Halluzinogene stießen wir schließlich auf den Artikel von Richard Schultes, Virola as an Orally Adminstered Hallucinogen (Virola, als ein oral zu nehmendes Halluzinogen)1. Seine Beschreibung der Verwendung des Harzes von Virola theiodora als oral aktive DMT-Droge war faszinierend, ebenso die Tatsache, daß der halluzinogene Stoff anscheinend nur in einem sehr kleinen Gebiet verwendet wurde. Was Schultes über das Halluzinogen oo-koo-he schrieb, war

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