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Camping hoch³

Camping hoch³

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Camping hoch³

Länge:
338 Seiten
4 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
1. Apr. 2013
ISBN:
9783945344002
Format:
Buch

Beschreibung

Camping hoch ³ - das Urlaubsbuch! Unterhaltsames Lesevergnügen über eine liebenswerte Familie und ihre kleinen Abenteuer beim "Campingreisen". Ein technisch eher unbegabter Familienvater, eine daheim gebliebene Schwiegermutter, die gerne Pläne durchkreuzt, unternehmungslustige Kinder, ein sensibler Hund und eine Mama, die alles mit Ruhe und Humor bewältigt - das ist Familie Scherer. Sie gehen auf Tour - 3 Reisen mit dem Wohnwagen - ganz alltäglich - aber was ist im Urlaub schon alltäglich?

Alles beginnt damit, dass Onkel Karl einen altertümlichen Wohnwagen als großzügiges „Geschenk am Haken“ präsentiert. Doch die Vorstellung die gewohnte Ferienwohnung mit dem schäbigen Vehikel zu tauschen, stößt bei Hannah und Franz auf wenig Begeisterung. Das ändert sich erst, als klar wird, dass der Wohnwagen nur über vier Schlafplätze verfügt und damit eine hervorragende Gelegenheit bietet, einmal ohne Oma im Gepäck auf Tour zu gehen. Das wird abenteuerlicher als erwartet, denn Camping hat seine eigenen Regeln! Doch alle kleinen Widrigkeiten, die Besonderheiten auf französischen Campingplätzen und ein kriminelles Erlebnis können nichts daran ändern, dass alle am Urlaubsende finden: „Camping macht Spaß“.

Es wird ein moderner Gebrauchter angeschafft, aber wegen besagter Oma, die neuerdings stets zur Urlaubszeit kränkelt, kann die nächste Reise erst einige Jahre später stattfinden. Als diese bei einem ihrer Arztbesuche einen älteren Herren kennen lernt und gemeinsam mit ihm eine Busreise bucht, steht der Tour nach Italien nichts mehr im Wege - abgesehen von den Hindernissen auf der Hinfahrt, die alle vor ungewohnte Herausforderungen stellen. An der Adria sorgt der Familienhund für eine Zusammenstoß mit der Staatsgewalt und ein Ausflug nach Venedig birgt auch so seine Tücken.

Die Zeit vergeht, die Kinder werden älter, die Interessen ändern sich, aber noch immer steht Campingurlaub bei der Familie hoch im Kurs. Auch ein „Fliegender Wechsel" mit kleinen Problemen kann daran nichts ändern. Franz wird verdächtig mit einer Blondine im Heidi Klum Look zu flirten, und der mittlerweile erwachsene Filius hat Schwierigkeiten seine Freundin von der Zweisamkeit im Wohnwagen zu überzeugen. Franz beginnt von einem Wohnmobil zu träumen und Hannah von einer Kreuzfahrt…

Zum ersten Mal mit dem Wohnwagen verreisen! Das stellt Hannah, Franz, Klein-Judith und Sohn Oliver vor ganz neue Herausforderungen – Camping hat seine eigenen Regeln. Offen und ehrlich, ohne Angst sich wegen seiner Blauäugigkeit zu blamieren, nimmt Franz die Leser mit auf die Reisen nach Südfrankreich, Italien und Österreich, von denen es allerhand zu erzählen gibt.
3 Geschichten in einem Band: "Das Geschenk am Haken", "Camping macht Spaß" und "Der fliegende Wechsel".
Herausgeber:
Freigegeben:
1. Apr. 2013
ISBN:
9783945344002
Format:
Buch

Über den Autor

Gabriele Färber, geboren in Wiesbaden, lebt mit ihrer Familie seit 2011 im Kreis Starnberg. Die Veröffentlichung des ersten Teils ihres Urlaubsromans "Camping hoch³" (Der geschenkte Pirat) als zwölfteilige Serie in der Zeitschrift Caravaning und die Gewinne bei Autorenwettbewerben der Landeshauptstadt Wiesbaden waren der Startschuss zu ihrem Engagement als freiberufliche Schriftstellerin. Danach folgten der Wiesbaden-Regional-Roman „Die Glücksanglerin“ - eine Erzählung im autobiografischen Stil über eine Endvierzigerin, die erstmal nur weiß, dass sie mit Singledasein, Job und überhaupt mit allem nicht mehr zufrieden ist. Unversehens entpuppt sich ein alter Bekannter als übler Geselle und sie schließt enge Bekanntschaft mit einer deutschen Miss Marple, die in einem kriminellen Komplott eine tragende Rolle spielt; der Ausflug ins politische Deutschland „Die schweigende Mehrheit hat eine Stimme“, über eine Familie, die vieles über Ernährung, Tierschutz und Soziales im Jahr 2013 zusammenträgt. Erkenntnisse und Zahlen, die auch heute noch Bestand haben bzw. interessante Schlüsse zu gegenwärtigen Veränderungen ermöglichen; der Urlaubsroman „Big Mac und Niagara-Fälle“, in dem in selbstironischer Art Franz, der Erzähler aus „Camping hoch³“ über die Erlebnisse, Mitreisende, Pannen sowie seine Vergesslichkeit während einer Busreise von New York nach San Francisco berichtet. Natürlich ist auch Ehefrau Hannah dabei, die mit ihrem Göttergatten nicht immer zufrieden ist; der Stadtführer „Reiseführer München Smartphone ready“ und die E-Book Version „München CityGuide mit vielen QR-Codes für Smartphone-Nutzer“ sind aktuell publiziert worden, und speziell zum bequemen Navigieren mit dem Smartphone zu Sehenswürdigkeiten und Events in München konzipiert. Außerdem gibt es für die Weihnachtszeit das zauberhafte Kinderbuch „Leonie und das Weihnachtsengelchen“ mit Zeichnungen eines 6jährigen Kindes, die Kinder inspirieren sollen, selbst Pinsel und Stift zur Hand zu nehmen um ihrer Phantasie freien Lauf zu lassen.


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Buchvorschau

Camping hoch³ - Gabriele Färber

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Inhaltsverzeichnis

Kapitel I

Das Geschenk am Haken

Kapitel II

Camping macht Spaß

Kapitel III

Der fliegende Wechsel

Teil I

Wie alles begann

Das Geschenk am Haken

Zu dieser Episode

Ferien auf dem Campingplatz – eine Urlaubsform, die viele Anhänger hat. Familie Scherer gehört nicht dazu. So ist von Begeisterung keine Spur, als Onkel Karl einen altertümlichen Wohnwagen als großzügiges „Geschenk am Haken" präsentiert. Das ändert sich erst, als klar wird, dass der Wohnwagen nur über vier Schlafplätze verfügt und damit eine hervorragende Gelegenheit bietet, einmal ohne Oma im Gepäck auf Tour zu gehen. Die Nichtcamper Hannah, Franz, Töchterchen Judith, Sohn Oliver und auch Hund Gustav, haben mit allerlei neuen Erfahrungen zu kämpfen – Camping hat seine eigenen Regeln. Offen und ehrlich, ohne Angst sich wegen seiner Blauäugigkeit zu blamieren, nimmt Franz die Leser mit auf die Reise nach Südfrankreich, von der es allerhand zu erzählen gibt.

Camping Leben in freier Natur, Sonnenbaden, abendliches Grillvergnügen in der untergehenden Sommersonne, grenzenlose Freiheit einmal hier und einmal dort ein paar Tage zu verbringen. Gehören auch Sie zu den Zeitgenossen, die bei diesem Wort ins Träumen geraten - und gleichzeitig Gespann samt Beladungsmöglichkeiten, zulässiger Achslast und neu erworbener Schlingerkupplung vor sich sehen? Sie schließen die Augen und geraten in Urlaubsvorfreude.

Beneidenswert! Diese phantastische Vorstellungskraft war mir bis vor kurzem völlig fremd.  35 Jahre meines Lebens sind vergangen, ohne dass der Begriff Camping eine Gefühlsregung ausgelöst hätte. Zumindest keine positive. Nicht selten sind wir bei einem unserer Sonntagsausflüge mit dem Auto durch den Rheingau oder am Ufer der Lahn von Regen überrascht worden. Meist kamen wir gerade in diesen Momenten an einem feuchten, düster wirkenden Campingplatz vorbei. Nicht besonders einladend.

„Schau nur, wie schrecklich! Meine Familie und ich waren in solchen Augenblicken stets einer Meinung. „Und dann wundern sich die Leute, wenn sie Rheuma haben.

Wir haben unsere Urlaube in einer festen Behausung verbracht, im Hotel oder wie in den letzten Jahren mit unserem Nachwuchs, Schwiegermutter und Hund in einer Ferienwohnung.

Doch manches fügt das Schicksal, was man sich nicht erträumt. Und so nahte jene Einladung zum achtzigsten Geburtstag von Hannahs Onkel nach Düsseldorf. Familienfeiern sind uns ein Gräuel, und wir ersannen angestrengt gute Gründe für eine berechtigte Absage. Leider hatte in diesem Fall Schwiegermama Luise das letzte Wort.

„Das ist doch wohl die Höhe, dass ihr nicht zum Geburtstag meines einzigen Bruders gehen wollt., ereiferte sich die Oma, die seit unserem Einzug ins eigene Haus bei uns wohnt. „Ihr begleitet mich. Das wäre ja noch schöner!!

Die Angelegenheit war somit entschieden. Unsere beiden Sprösslinge Oliver und Judith wurden von der fürsorglichen Schwiegermutter „ordentlich" zu diesem Anlass ausstaffiert und wir sollten uns auf den Besuch freuen, wurde uns aufgetragen. Schließlich sei Onkel Karl unser Erbonkel. Was er uns vererben sollte, war mir schon damals schleierhaft.

Einige Samstage später fuhren wir also am frühen Nachmittag Richtung Norden. Die Entfernung ist nicht allzu groß, und wir trafen, was in unserer Familie eine Seltenheit ist, pünktlich ein. Herzlich wurden wir von Onkel und Tante begrüßt, die ich nur flüchtig von unserer Hochzeit kannte, die Ewigkeiten zurück liegt.

„Eure Zimmer für die Nacht habe ich schon hergerichtet. Tante Wilma wies uns den Weg durch die dunkel getäfelte Diele. „Wir hoffen, dass ihr euch bei uns wohl fühlt. Oliver und die Kleine haben wir im Nachbarzimmer untergebracht. Das ist euch doch recht, oder? Sie nickte uns freundlich zu, ohne eine Antwort zu erwarten und drehte sich dann zu unserem Sohn: „Du bist ja schon ein großer Bub mit deinen zehn Jahren und kannst gut auf das Schwesterchen aufpassen. Wie alt ist denn die Kleine?"

„Ich bin schon zwölf." Oliver zog eine beleidigte Schnute.

„Judith ist zweieinhalb. – Du hast das prima arrangiert, Tante Wilma. Wenn sie nicht durchschläft, hole ich sie zu uns ins Bett." Hannah, meine Frau, legte ihre Jacke auf den Stuhl in unserem Gästezimmer.

„Stellt rasch euer Gepäck ab, es wird allmählich Zeit ins Lokal zu fahren, sonst sind  unsere Gäste vor dem Geburtstagskind da." Wilma wurde unruhig.

Als Logierbesuch bei fremden Menschen zu residieren, ist nicht mein Geschmack, aber auch hier hatte sich Luise durchgesetzt. Die eine Nacht würde ich aushalten, und so sparten wir eine teure Übernachtung im Hotel. Überraschenderweise  entwickelte  sich  der Abend recht unterhaltsam. Das reservierte Seitenzimmer in einem gutbürgerlichen Gasthof strahlte rustikale Gemütlichkeit aus, und wir saßen in netter Gesellschaft: „Allein schon wegen des üppigen Essens hat sich die Fahrt gelohnt", flüsterte ich Hannah zu.

„Stimmt Franz. Und für euch Herren gibt es nun zum Nachtisch noch etwas zu schauen. Des Onkels Vereinskameraden haben eine Bauchtanzgruppe engagiert." Meine Frau lächelte.

Nach der Tanzeinlage wurden noch von Freunden und Bekannten diverse Gedichte und Vorträge zum Besten gegeben, was viel Gelächter und Applaus nach sich zog. So waren wir rechtschaffen müde, als wir weit nach Mitternacht unter unsere Steppdecken krochen.

„Das war ein richtig netter Abend. Hannah räkelte sich in dem alten Holzbett, dessen Matratze bei jeder Bewegung knarrte. „Mir war völlig entfallen, dass du so gut tanzt, schmeichelte sie. „Ich finde es schön, die Familie nach langer Zeit wieder zu sehen. Da kann man interessante Beobachtungen anstellen. Hast du gesehen, wie ausdauernd die Verwandtschaft aus Wuppertal den ganzen Abend gestritten hat? Und die Kinder  die sind ja megafrech."

„Hauptsache unsere haben sich benommen. Deine Mutter hätte sich sonst in Grund und Boden geschämt." Insgeheim wunderte ich mich, dass weder Judith noch Oliver ihre Sonntagsmontur  mit Soßenspritzern oder Eiscreme garniert hatten und keines  der Getränke umgekippt worden war. 

„Stimmt, jetzt müssen wir nur noch den morgigen Vormittag überstehen. Sie lachte. „Andernfalls wird vielleicht doch nichts aus dem Geschenk. Wilma hat eine Andeutung gemacht, aber ich bin nicht klug daraus geworden. Ich bin gespannt, was es sein wird.

Ich dämmerte sanft dem ersten Schlaf entgegen. Der Onkel hatte kurz zuvor als perfekter Gastgeber noch drei bis vier hausgemachte Obstbrände als Betthupferl hervorgekramt. Müde und vom Alkohol beseelt waren mir zu dieser Stunde alle Geschenke der Welt egal. Erst der Morgen brachte mir Hannahs Äußerung wage ins Gedächtnis zurück. Wir saßen gemeinsam am Frühstückstisch. Luise hielt uns eine Standpauke darüber, dass es verantwortungslos gewesen sei, die Kinder bis zwölf Uhr nachts im Lokal mitfeiern zu lassen. Mir dröhnte der Kopf und jeder Widerspruch überforderte meine Kräfte. So schwieg ich still. Bevor Hannah zu einer passenden Entgegnung ansetzen konnte, ergriff der Onkel unsere Partei.

„Luischen, sei doch nicht ein solcher Griesgram. Wie ich sehe, haben es beide überlebt. Bei meinem neunzigsten, sind sie alt genug, die Nacht durchzumachen. Er grinste vergnügt. „Weißt du eigentlich schon, welche Überraschung wir für Hannah und ihre Familie ausgeheckt haben? Schelmisch blinzelte er seiner Frau zu. „Ursprünglich war unser Plan, das gute Stück zu vererben, aber bei meiner Kondition wird es hoffentlich bis zum Sankt-Nimmerleinstag noch eine Ewigkeit dauern, und das ist uns nur recht, gelt Wilma! Aber, so lange wollen wir euch nicht warten lassen."

Beim besten Willen und bei aller Phantasie und kritischer Betrachtung des wackeligen Häuschens konnte ich mir nicht vorstellen, was die alten Leutchen entbehren wollten. Abgesehen von einem massiven, mit Schnitzereien versehenen Dielenschrank und einer wertvollen altdeutschen Truhe, in der allerhand unterzubringen war, fiel mir nichts ein. Aber immerhin, das wären praktische Geschenke, die man dankbar akzeptieren konnte. Der Transport würde vielleicht etwas schwierig zu bewerkstelligen sein, doch die Lösung dieses Problems traute ich mir zu.

Sie ahnen längst, was jetzt kommt, doch mich traf völlig unvermittelt, was der Onkel offenbarte, nachdem er eine Riesenportion Rührei verspeist hatte. Zielstrebig führte er uns, gemeinsam mit der Tante,  in den hintersten Winkel des Gartens zu einem morschen Holzschuppen, an dessen verwittertem Tor er sich umständlich zu schaffen machte. Lautstark zwitscherten die Vögel in den Bäumen, und Gustav unser Hund legte neben meinen Füßen erwartungsvoll den Kopf auf die Vorderpfoten, um des Onkels Tun interessiert zu beobachten. Was verstaut man denn in einem solch geräumigen Verschlag?

Bevor ich weiter darüber sinnieren konnte, wandte Tante Wilma sich an mich: „Franz, jetzt musst du Karl helfen. Resolut führte sie das Kommando: „Alleine schafft er ihn nicht heraus.

Das Tor schwang mir entgegen, noch hatte ich nicht die geringste Idee, was mich dahinter erwartete. Vielleicht einer jener blinkenden Oldtimer, für die ich seit Kindertagen schwärme!  Ein alter Bentley, ein Ford oder eine Isetta, mindestens ein Motorradgespann. Auf mein Gesicht schlich sich ein Lächeln. Und wenn wir das Prachtstück selbst nicht nutzen würden, könnte ich es gewinnbringend verkaufen. 

„Ist schon alles vorbereitet. Karl war sichtlich aufgeregt. „Wir brauchen ihn nur nach draußen zu schieben.

Mein Traumgefährt!

Ich arretierte die Hälfte des Torflügels auf meiner Seite unter einem Holzkeil und lugte gespannt um die Ecke. Die Ernüchterung folgte auf den Fuß. Was uns da entgegen lachte, sah zwar nicht gerade super neu aus, aber von einem wertvollen Oldtimer  mit Sammlerwert war es weit entfernt. Leicht verstaubt und in vergilbtem weiß schien er mich hämisch anzugrinsen  ein Wohnwagen  oh, Schreck! 

Mir blieb kaum Zeit rasch zu Hannah hinüber zu spähen, da der Onkel mich in Trab hielt, das Monstrum ins Freie zu manövrieren, was uns schließlich nach dem Kampf mit einer verrosteten Feststellbremse gelang. Tante und Onkel schauten erwartungsfroh in die Runde. Schwiegermama Luise stöhnte entsetzt, Hannah bemühte sich krampfhaft um ein frohes Gesicht, und ich versuchte eine möglichst neutrale Miene aufzusetzen. Gustav knurrte das Vehikel drohend an. Allein Oliver ließ sich zu Begeisterungsstürmen hinreißen.

„Ein Dethleffs Pirat, Baujahr 1978., erklärte Onkel Karl stolz. „Toll in Schuss. Kein Vergleich zum Campieren mit Zelt, Gaskocher und Schlafgelegenheit auf dem Boden. Solide deutsche Wertarbeit. Kräftig schlug er mir auf die Schulter. „Das richtige Gefährt für die junge Familie. Da braucht ihr euch zukünftig nicht mehr um eine teure Ferienwohnung zu kümmern."

Die Tante nickte inbrünstig. „Und es ist alles vorhanden, was man braucht: Einbauherd, Kühlschrank, Waschgelegenheit und eine mobile Toilette! Ein bisschen Seifenwasser, und er sieht aus wie neu.", erläuterte sie eindringlich, als sie Hannahs traurigen Blick auf die trüben Fenster und auf die schmutzige Außenhaut bemerkte.

„Los, wir kuppeln ihn gleich an. Sonst geratet ihr in den Sonntagsstau." Onkel Karl zog die Arbeitshandschuhe aus und eilte voran, um mich mit meinem Kombi in den Garten zu lotsen.

„Der Wohnwagen ist prima.  Du siehst ja, er ist noch zugelassen, aber seit zwei Jahren streikt Wilma und will von Campingurlaub nichts mehr wissen. Mittlerweile habe ich die Hoffnung aufgegeben, sie rumzukriegen. Und als mir gestern Vormittag bei eurer Ankunft, die Anhängerkupplung an deinem Auto ins Auge gestochen ist, Mensch Junge, da habe ich mich ganz schnell entschlossen."

Seit letztem Sommer nach Kauf meines sechs Jahre alten Gebrauchten, hatte ich die Anhängerkupplung mehrfach verflucht, weil sie mich am sorglosen Einparken hinderte. Jetzt hätte ich sie am liebsten zum Teufel gewünscht. Mein Gesichtsausdruck muss einzigartig gewesen sein. Onkel Karls und Tante Wilmas Verabschiedung fiel dementsprechend nüchtern aus. Die Enttäuschung konnten sie kaum verbergen.

Das Gefährt war schneller angehängt, als mir lieb war, und mit ein paar mürrisch gemurmelten Tipps für die Fahrt wurden wir auf den Nachhauseweg geschickt. Zu allem Übel mussten wir den Vorort in voller Länge durchqueren, um zur Ausfallstraße Richtung Autobahn zu gelangen. Gut, ich hatte schon mal mit einem kleinen, vom Nachbarn ausgeliehenen Anhänger, Gartenabfälle zum Kompostplatz gefahren, doch dieses Riesenteil zu ziehen, war ein gewaltiger Unterschied.

„Wie viele Personen können denn in einem Wohnwagen schlafen?", erkundigte sich zaghaft die Schwiegermutter.

„Ich glaube vier!" Oliver wandte sich der Oma zu. Die Eltern seines Freundes Justus besaßen ein derartiges Wunderwerk.

„Ach, das ist ja unpraktisch. Luise fiel in tiefes Grübeln. „Eigentlich eine Unverschämtheit von Karl und Wilma euch solch ein verkommenes Ding zu schenken!

Ich lächelte still. So betrachtet, erschien die Angelegenheit in einem völlig anderen Licht. Sollte das der erste Urlaub seit fünf Jahren ohne Luises Begleitung werden?

„Sag mal, ist es normal, dass du auf die Gegenfahrbahn steuerst, wenn du um eine Kurve fährst?" Hannah meldete sich als aufmerksamer Co Pilot.

„Ja, ja, das ist in Ordnung. Immer weit ausholen hat Karl gesagt." Ich rührte am Lenker wie am Steuerrad eines Hochseedampfers und versuchte krampfhaft, das empörte Hupen des Gegenverkehrs zu ignorieren.

„Caravanfahrer sind immer unbeliebt. Das braucht einen nicht zu stören", verkündigte ich selbstbewusst, war aber trotzdem heilfroh, als ich endlich die Auffahrt der Autobahn erreichte.

„Papa, heimfah’n! Judi spielen!" Das Töchterchen wurde quengelig.

„Wir sausen mit fünfzig Stundenkilometern dahin, da wird es wohl noch ein paar Stunden dauern. Oliver beugte sich über die Lehne des Fahrersitzes. „So eine lahme Krücke. Justus‘ Vater hat einen Daimler mit 195 PS, da spürst du den Anhänger nicht mal bei 120.

„Ach, sei still, Oliver. Papa muss erst mal üben mit dem Wohnwagen zurechtzukommen, oder willst du im Straßengraben landen?" Hannah wurde energisch und ich begriff, dass meine fünfzehnjährige Fahrpraxis bei meiner Ehehälfte keinen hohen Stellenwert besaß.

„Also, dass Wilma das zugelassen hat, dass Karl euch so ein Geschenk macht. Schwiegermama schüttelte besorgt den Kopf. „Wie weit ist es denn noch?

Die Strecke von 230 Kilometern, die wir tags zuvor spielend bewältigt hatten, zog sich endlos in die Länge. Irgendwann gelangten wir dann doch zuhause an. Nach kurzem Familienrat wurde beschlossen, den Wohnwagen fürs erste auf der schmalen Rasenfläche in der linken Hälfte des Vorgartens unseres Reihenhauses in Wiesbaden-Bierstadt unterzubringen. Natürlich war unsere Ankunft nicht unbemerkt geblieben, und unsere direkten Nachbarn, Ehepaar Jansen, hielt es schließlich nicht mehr hinter den Gardinen. Mit vereinten Kräften, gespickt mit ersten Kommentaren und unter Luises ängstlichen Lotsenrufen, rangierte man ihn schließlich an seine vorläufige Endposition. Erschöpft bat ich die Helfer ins Haus und spendierte eine Runde Kirschwasser.

„Eigentlich würde ich gerne mal hineinschauen in das gute Stück." Frau Jansen war immer daran interessiert ihren Horizont zu erweitern.

Hannah lächelte gequält: „Wir waren selbst noch nicht drinnen."

„Na, denn mal los!" Die Nachbarin stand bereits an der Küchentür.

„Ich weiß überhaupt nicht, wo wir den Schlüssel haben." Hannah unternahm einen letzten Versuch, hatte aber die Rechnung ohne Oliver gemacht, der besagten Schlüssel eilfertig herbeibrachte und wedelnd in die Höhe hielt. Bevor ich reagieren konnte, stand er am Wohnwagen und machte sich am Schloss zu schaffen. Natürlich waren ihm alle neugierig gefolgt, und die Besichtigung musste beginnen.

„Hier stinkt's." Unser Sohn schnupperte in den Innenraum und gelangte mit einem großen Schritt als erster in den Wagen. Frau Jansen rümpfte die Nase und schaute sich kritisch um. Ich wusste genau, dass als nächstes ihr Zeigefinger über die Eckkommode streichen und eine tiefe Staubspur hinterlassen würde. Hannah betrachtete sich das Schauspiel beleidigt.

„Da ist erst mal Großreinemachen angesagt. Der Finger war schwarz. „Bis zum Sommerurlaub werden Sie das schon schaffen. Sie nickte meiner Liebsten aufmunternd zu.

Diese fühlte sich getröstet, und die Schwiegermutter warf ein, dass es gar nicht sicher sei, ob man wegen der engen Raumverhältnisse mit dem Wohnwagen verreisen würde. Der Platz im Inneren war in der Tat mittlerweile recht begrenzt, nachdem alle fünf Erwachsenen und die zwei Kinder sich hineingezwängt hatten. Irgendwie schien es dem Caravan an Standfestigkeit zu mangeln.

„Oh Gott, oh Gott, ich glaube, wir kippen um! Vorsorglich griff Luise nach Frau Jansens Arm, worauf die beiden etwas weiter Richtung Heck taumelten, und der Wohnwagen auf dieser Seite endgültig am Boden aufsetzte. Klein Judith unternahm eine Rutschpartie zwischen ihre Beine und begann erwartungsgemäß lauthals zu brüllen. Ich spürte, wie mir die Farbe ins Gesicht schoss. Irgendetwas war mir entfallen. Im Geiste sah ich den Wohnwagen bereits zerbeult, umgekippt im Garten liegen.„Alles aussteigen, los, los! Da fiel es mir ein. Ich hatte vergessen, die Stützen herunter zu drehen. Als ich mich später müde in meinen Fernsehsessel fallen ließ, hegte ich zum ersten Mal Zweifel, ob  Onkel Karls Geschenk wirklich reiner Nächstenliebe entsprungen war

In den folgenden Wochen schlug ich einen großen Bogen um den Wohnwagen und versuchte ihn möglichst zu übersehen, was an ein Kunststück grenzte. Schließlich prangte er bis zur Mitte des kleinen Vorgartens und trug nicht unbedingt zur Schönheit des Gesamtbildes bei. Auch Hannah hatte sich noch nicht zu einer Innenreinigung aufraffen können, zumal ihre Mutter kein gutes Haar an des Onkels gütiger Gabe ließ und ständig darauf drängte, doch endlich die Ferienwohnung für den Sommer zu buchen.

Der alte Wohnwagen sah wirklich erbarmungswürdig aus und verdreckte, ungeschützt drei Wochen Dauerregen ausgesetzt, mehr und mehr. Eine höhere Macht sorgte schließlich dafür, dass ihm am ersten Sonnentag die gebührende Beachtung geschenkt wurde. Die Familie war beim Sonntagsfrühstück in der Küche versammelt, als Oliver mit vollem Mund aus dem Fenster starrte und runde Augen bekam.

„Der Wohnwagen versinkt", nuschelte er zwischen den Zähnen hervor.

„Versinkt, uj." Judith hatte soeben ein neues Wort gelernt.

„Rede doch keinen Unsinn!" Ich wollte mich nicht bei meiner Sonntagslektüre stören lassen und hob nicht mal den Blick.

„Aber die Räder sind schon zur Hälfte verschwunden." Der Mund war leer und die Aussage deutlich.

Mir blieb nichts übrig, als den Realitäten ins Auge zu sehen. Mit fliegenden Hausschuhen sauste ich hinaus in den Garten.

„Das kann doch nicht wahr sein! Hannah und Oliver folgten mir zügig. „Wieso versinkt der einfach? Irritiert schüttelte meine Frau  den Kopf.

Ich zuckte die Schultern. „Es hat halt lange und viel geregnet."

„Mein schöner Rasen. Die Schwiegermutter komplettierte mit Judith an der Hand unser Beisammensein. „Wie wollt ihr den bloß da heraus bekommen?, jammerte sie und hielt fröstelnd ihre Strickjacke über der Bluse geschlossen.

„Da gibt es sicher einen Trick. Hannah verliert selten ihren Optimismus. „Das passiert jedem Camper, der einen verregneten Urlaub verbringt.

„Justus hat noch nie erzählt, dass seine Eltern den Wohnwagen ausgegraben haben. Oliver klang belehrend. „Soll ich ihn mal fragen?

Zu allem Überfluss schlenderte besagter Justus gerade frohgelaunt des Weges. Ich kann den Buben nicht ausstehen. Jetzt noch weniger als damals. Ein notorischer Besserwisser wie sein Vater. Der hatte mir gerade noch gefehlt.

„Hey, Olli, habt ihr Familienrat? Gehst du mit Fußball spielen?"

Natürlich, ich hätte darauf wetten können, wanderte der Blick des Bengels zum Wohnwagen.

„Hä, hä, was is' denn das? Hi, hi! Er klatschte sich auf die Oberschenkel und drohte vor Lachen zu ersticken. „Das ist toll!

Ich muss sagen, ich wurde wütend. Das passiert selten. Früher habe ich in solchen Momenten wilde Flüche ausgestoßen, was aber meine Mitmenschen sehr verschreckt hat, zumal das niemand von mir erwartet. Ich biss mir also auf die Lippen und ballte die rechte Hand zur Faust, wobei ich auf der Stelle wippte. Hannah kennt die Symptome und  packte mich beruhigend am Arm.

„Was ist denn hier so lustig?? Vielleicht kannst du uns aufklären!" Meine Stimme klang ungehalten.

„Tschuldigung, Herr Scherer. Etwas kleinlauter schielte der Junge in meine Richtung. „Es ist nur, weil man doch Bretter unter die Stützen legen muss. Das weiß doch jeder!

Am liebsten hätte ich es in diesem Moment meinem Wohnwagen gleichgetan und wäre im Erdboden versunken. Dazu waren also die Dinger im Deichselkasten gut. Aber es half nichts. Nun musste der sprichwörtliche Karren erst einmal aus dem Dreck gezogen werden.

„Mein Vater hat den Daimler verkauft. Wir fahren jetzt einen Jeep, einen amerikanischen mit 8-Zylindern und Mordszugkraft.  Justus gewann wieder Oberwasser. „Vielleicht hat er Zeit, Ihnen behilflich zu sein.

Ich war begeistert von diesem Großmut. Leider fiel mir keine bessere Lösung ein, zumal ich in unserem Neubaugebiet am Stadtrand keinen kenne, der einen Traktor besitzt. Da Justus‘ Vater sich wahrscheinlich weigern würde, die Aktion im Schutz der Dunkelheit und damit unter Ausschluss der Öffentlichkeit durchzuführen, schlug ich notgedrungen den nächsten Samstagvormittag als Termin vor.

Wie ich befürchtet hatte, fand die Bergung unter reger Anteilnahme der gesamten Umgebung statt. Und wie erwartet, sparte Justus‘ Vater nicht mit gut gemeinten Ratschlägen unter dem Motto: Wir Camper müssen zusammenhalten.

„Also, ich will ihnen ja nicht zu nahe treten, Herr Scherer, aber Ihr Wohnwagen ist nicht mehr das neueste Modell, erklärte er mir überflüssigerweise. „Der wird aber noch gute Dienste für Ihre Zwecke leisten.

Anscheinend galten wir in der Nachbarschaft als anspruchslos.

„Aber  die Reifen, die sollten sie schleunigst erneuern. Da können Sie von Glück sagen, dass Sie von Düsseldorf heil heruntergekommen sind. Sie... Der Motor des Geländewagens heulte gequält auf und ersparte mir den restlichen Kommentar. Trotz der viel gepriesenen Mordszugkraft tat sich das Fahrzeug schwer, den Wohnwagen aus dem Lehm zu befreien. Es ging ein großes Aufatmen durch die Familie, als das Gefährt endlich auf festem Untergrund, nämlich auf dem Asphalt  der Straße vor unserem Haus, stand und sich die Versammlung allmählich auflöste. Der Rasen glich einem umgepflügten Acker und musste komplett neu eingesät werden. Das würde ich in der folgenden Woche in Angriff nehmen, um die Jammertiraden der Schwiegermutter schnellstmöglich zu beenden. Da der Tag sowieso verdorben war, entschied sich Hannah, sogleich mit der Intensivreinigung des Innenraums zu beginnen, und ich schleppte eine Leiter herbei um meinen Teil an der Säuberungsaktion im Außenbereich beizutragen. Außerdem musste ich wohl oder übel Justus’ Vater  recht geben: Die Lauffläche der Reifen sah wirklich nicht sehr vertrauenerweckend aus. Ich machte mich also ans Abmontieren, was problemlos klappte. Von drinnen vernahm ich alle paar Minuten die entnervten Stoßseufzer meiner Frau. Zuerst flogen die Polster heraus, die draußen in der freien Natur auch nicht weniger stanken und deren Bezüge schon weitaus bessere Zeiten erlebt hatten. Dann kamen die gelbstichigen Gardinen an die Reihe und schließlich erklang Hannahs verzweifelter Ruf: „Der Teppichboden ist ganz und gar eklig. Den schmeißen wir raus. - - Und sieh mal, was ich hier habe: des Onkels ollen Campingklo, die so genannte mobile Toilette! Igitt!!

Ich richtete mich auf: „Der gehört doch unter das Waschbecken in unserem Sanitärbereich, den wir mit Vorhang und Schranktür abtrennen können."

„Ja, ganz toll. Du sitzt auf dem Klo, und wir beim Essen. Wie appetitlich, wenn dann die Düfte an uns vorbeiziehen. Nee, also das Ding wird entsorgt!"

Mir war zwar nicht klar, wieso gerade ich als abschreckendes Beispiel herhalten musste, aber die herannahende Luise nahm mir jede Möglichkeit zur Gegenargumentation.

„Scheußlich das alte Zeug. Dass Wilma und Karl euch das angetan haben. Sie stand inmitten der Bescherung und schüttelte wieder einmal den Kopf. „Jetzt sind auch noch die Reifen kaputt  was das kostet! Lohnt sich das denn Franz, wenn wir die Ferienwohnung buchen? Ihr wollt dieses Monstrum doch sowieso verkaufen! Ein strenger Blick traf Hannah: „Gibt’s heute nichts zu essen? Es ist schon halb eins und die Kinder brauchen etwas in den Magen."

„Mach halt eine Büchse Eintopf auf und nimm bitte die Gardinen mit zur Waschmaschine. Klang die Stimme meiner Frau etwa unwirsch?? „Oliver isst heute bei Justus, Judith bekommt Zwieback weil sie Bauchweh hat, und ich habe keinen Hunger.

Gereizt bebte ihre Stimme. Jetzt war Solidarität angesagt. „Ich will auch nichts essen." Mein Magen hing zwar in den Kniekehlen, aber solch günstige Gelegenheiten gegen die Schwiegermama aufzutrumpfen, ergibt sich selten.

„Na gut, esse ich eben alleine eine Suppe. Geregelte Mahlzeiten sind das A und O für eine gesunde Lebensführung. Aber das ist ja heute alles nicht mehr so wichtig", ärgerlich stapfte sie davon.

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