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Rock Your Idea: Mit Ideen die Welt verändern
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eBook331 Seiten4 Stunden

Rock Your Idea: Mit Ideen die Welt verändern

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Über dieses E-Book

Wie man ein Ideen-Rocker wird!
Gute Ideen begeistern - doch wie wird man wirklich kreativ und wie kommt man auf eine zündende Idee? Martin Gaedt beschreibt den Rhythmus, mit dem man Ideen rockt, er erzählt von persönlichen Aha-Erlebnissen und von Misserfolgen. Und er provoziert, denn harmonische Systeme sind dumme Systeme. Kritik, Widerspruch und Neugier sind die Basis für gute Ideen - gepaart mit Humor, Überraschung und Risiko. Das Neue braucht Menschen, die lachend Grenzen überschreiten, fest an ihre Vision glauben und Ideen gegen alle Widerstände durchboxen. Innovation ist Regelbruch!
SpracheDeutsch
Erscheinungsdatum2. Juli 2016
ISBN9783867745420
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    Buchvorschau

    Rock Your Idea - Martin Gaedt

    Impressum

    Start!

    Mit Ideen fängt alles an. Unsere ganze Geschichte besteht aus Ideen, für die sich Menschen eingesetzt, für die sie gekämpft haben und die schließlich umgesetzt wurden. Ideen bereichern unser Leben. Sie sind ein Schatz, und sie sind nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Alltäglich. Ständig haben Menschen Ideen. Kleine und große. Was ziehe ich heute an? Was kochen wir morgen? Welcher Wein passt zum Gericht? Was hältst du von dieser Farbe? Wäre der Text so verständlicher? Könnte dieses Medikament mehr Menschen von Krebs heilen? Ideen können die Welt verbessern oder verheerende Folgen haben. Es liegt an jedem Menschen, ob Ideen Gutes oder Böses bewirken.

    Ideen begeistern mich! Mein Feuer für Neues möchte ich teilen. Genauso wie mein Wissen über Ideen. Ich möchte Ihnen den Rhythmus zeigen, mit dem Sie Ideen rocken. Und ich möchte von der Ideenpraxis berichten. Ich erzähle von meinen Aha-Erlebnissen und auch von meinen Misserfolgen. Ich provoziere, denn harmonische Systeme sind dumme Systeme. Kritik, Widerspruch und Neugier sind die Basis für Ideen, gepaart mit Humor, Überraschung und Risiko. Und Innovation ist Regelbruch. Das Neue braucht Menschen, die lachend Grenzen überschreiten, fest an ihre Vision glauben und Ideen gegen alle Widerstände durchboxen. Im Weg steht dabei häufig das menschliche Bedürfnis nach Sicherheit und Harmonie, das beharrlich am Bewährten klebt. Setzen wir auf Ideen-Rocker! Lachen wir lauthals über »geht nicht« – die unsinnigste Aussage. Dieselben Leute, die »geht nicht« sagen, nutzen selbstverständlich die Errungenschaften, für die andere Menschen gekämpft haben. Alles, was wir im Alltag verwenden, waren mal verrückte Ideen.

    Meine Faszination für gezielte Ideenentwicklung begann 1997, als ich hörte, wie ein Professor der Technischen Universität Berlin pauschal kritisierte: »Die Studierenden von heute haben gar keine Visionen mehr.« Ich fragte ihn, was er denn tue, damit junge Menschen Ideen entwickeln. Er schaute mich entgeistert an: »Wieso ich? Nichts.« Seine tatenlose Kritik löste bei mir und einigen Freunden eine Welle aus. Wir starteten die Seminarreihe Von der Idee zum Projekt. Das las eine Wiener Künstlergruppe, die mit Frauke Hehl und mir die workstation ideenwerkstatt berlin gründete. 1999 professionalisierten Matthias Klopp und ich die Ideenproduktion. Mit der Ideenagentur Knack die Nuss lösten wir Probleme immer anders als von Kunden erwartet. Einer unserer Kunden, Björn Benz, wurde mein neuer Kreativpartner. Wir kreierten Methoden für den Ideenprozess wie Ideen6, die Innovationsschaukel A&O, SUBVERSIV VERKNÜPFT und MADNET, die ich in diesem Buch vorstelle. Wir trainierten Backmittelhersteller, Biochemiker und Stipendiaten der Civil Academy. Mit einer eigenen Idee gründeten wir mit Kathinka Alexandrow Sweet Souvenir und verkauften mehrere Tonnen Fruchtgummis in Form des Brandenburger Tors.

    Mehrfach bin ich ins Risiko der Unternehmensgründung gegangen und habe viel Zeit und Geld investiert. Die Frage-Antwort-Plattform askabit wurde vom Wettbewerber gutefrage.net überholt und abgehängt. Die Schüler-Azubi-Community Younect wurde hoch gelobt, gewann Preise, blieb aber wirtschaftlich erfolglos. Wir waren zu früh im Markt, heute sind andere Firmen auf diesem Feld erfolgreich. Meine eigenen Innovationen waren für mich die härtesten Nüsse und ein extremes Ideenfitness-Programm, das ich Ihnen weitergeben möchte. Denn: »Ideen hat man, oder man hat sie nicht« – das ist ein dummer Spruch, er ist hohl und falsch. Jeder Mensch kann seine Ideenfitness trainieren. Ideenerzeugung ist ein Prozess, der über mehrere Stufen führt – wie ein Parcours. Wer den Parcours beherrscht und sich regelmäßig darauf übt, der steigert seine Ideenfitness.

    Viele Ideen scheitern daran, dass sie nie umgesetzt werden. Häufig fehlen Mut und Ausdauer, bis zum Ideengipfel zu gehen. Innovationen entstehen nie in einem genialen Moment, sondern jede Neuerung besteht aus vielen Schritten. Günter Faltin spricht davon, dass bis zu 50 000 Informationen verarbeitet werden müssen, ehe eine gute Geschäftsidee verwirklicht ist. Und eines Tages ist man dann am Ziel. Beim Blick zurück staunt man über das Erreichte. Es war doch nur ein Schritt, nur ein Puzzleteil pro Tag! Das kann jeder schaffen, und jeder kann sich darin üben. Wir können alle Ideenfitness trainieren und ein großes Innovationsfeuerwerk entfachen. Deshalb führe ich Sie über den Parcours, aber ich sage nicht, nur dies ist der Weg zur Idee, es geht nur so und so. Mein Buch ist auch kein Katalog von Kreativitätsmethoden, obwohl ich ein paar nenne. So etwas finden Sie in großer Ausführlichkeit anderswo. Mir geht es um etwas anderes: Mein Buch dient Ihrem Ideentraining und Ihrer Inspiration, loszugehen. Die Welt zu rocken!

    Erwecken wir gute Ideen zum Leben. Jede Idee ist eine Reise ins Unbekannte, Neue, Unentdeckte. Jede Frage, jede Innovation führt zu neuen Orten, wo vorher niemand war. Es gibt so viel zu entdecken.

    To rock – der Rhythmus

    Großartige Ideen entstehen nicht nach Rezept. Es gibt keine Zauberformel. Keinen einfachen Trick. Aber es gibt Erfahrungen, wie man Ideen rockt. Ich habe mich lange damit beschäftigt, wie man den Ideenprozess gestalten kann, damit nützliche und schöne Ideen entstehen. Zur Kreativität und Innovation sind bereits viele Methoden im Umlauf. Warum also noch ein Buch?

    Ganz einfach: Mir geht es im Kern nicht um Methoden. Denn: Ideen zu rocken ist mehr als eine Methode. Es braucht dafür vor allem himmelhoch jauchzende Begeisterung und hektoliterweise ungestillten Fragen-Durst. Und es braucht Wissen darüber, wie man richtig fragt. Fragen unterscheiden sich nämlich gewaltig. Es gibt offene Fragen »O« genauso wie analytische Fragen »A«. Mit A-Fragen und O-Fragen beginnt der Rhythmus, um Ideen zu rocken. Offenheit, O, gepaart mit Klarheit, A. Für Ideen brauchen Sie das weite Spinnen O ebenso wie die glasklare Kritik A. Das ist kein Entweder-oder. Es ist ein Miteinander und Zusammenspiel. Innovation lebt von der Unterschiedlichkeit von A & O. Daraus entsteht Spannung. Keine Entwicklung ohne A, kein Schritt ohne O. Es ist ein permanenter Prozess, ein schwingendes Pendel vom A zum O zum A zum O. Das Schaukeln bringt die Idee in Schwung. Diese Energie kann die Welt verändern!

    Der A & O-Rhythmus bildet den roten Faden durch das Buch. Die A-Schritte analysieren, fokussieren und setzen um. O-Schritte sprengen Freiräume auf und eröffnen brillante Potenziale, Chancen und Gelegenheiten.

    Das Ideen-Rocken im Wechsel zwischen A & O ist der Kern des Ideen6-Parcours – das ist ein Modell von Kathinka Alexandrow, Björn Benz und mir. Sie sehen es in der Abbildung. Jede der sechs Phasen Rahmen, Zutaten, Mixen, Diamanten, Schliff und Mehrwert hat A & O-Anteile. Sie befruchten sich gegenseitig. Ideen pendeln hin und her, sie oszillieren: Analyse, Aufgabe und Auswahl, das sind konkrete und zielgerichtete Anteile des Ideenprozesses. Offenheit und Optionen, das sind weite und visionäre Anteile des Ideenprozesses. Beide Pole sind absolut notwendig, sie ergänzen einander.

    Die sechs Phasen sind kein Programm zum Abhaken, sondern ein Übungsparcours. Innovation ist kein gradliniger Weg vom Rahmen zum Mehrwert, sondern kurvenreich. Mit Brüchen und Abgründen genauso wie unerwarteten Brücken und Abkürzungen. Ideen sind immer anders. Deshalb gibt es keine Formel. Wenn Sie geübt sind, wissen Sie intuitiv, wo Sie sich im Prozess befinden und was als Nächstes ansteht: zum Beispiel, ob Sie gerade Zutaten für Ideen sammeln oder eine offene Vision äußern sollten oder ob Sie ein klares, messbares Ziel brauchen. Bevor Sie Ihr Ideeninstrument richtig virtuos spielen können, müssen Sie üben. Üben. Üben. Bis Sie ein ideenfitter Profi sind. Dann rocken Sie mit Ihren Ideen die Welt im Rhythmus von A & O.

    Wer Innovation will, bringt sich mit Haut und Haaren ein. Gehen Sie »all in« mit Herz und Verstand! Lesen Sie gerne von vorne bis hinten oder steigen Sie mittendrin ins Buch ein. Jeder Schritt im Parcours steht für sich. Aber bevor wir uns im Kapitel »Rahmen« auf den Parcours begeben, geht es jetzt um Ihre Gier nach bisher nicht gestellten Fragen. Denn ohne Fragen kein Ideen-Rocken.

    Die unbequeme Gier

    Wie viele Fragen stellen Sie pro Tag? Morgens? Mittags? Abends? Ständig? Oder gar nicht? Welche Art von Fragen? Wie wird das Wetter? Was essen wir heute? Kannst du mir bitte helfen? Wie kann ich dich unterstützen? Was bewegt dich? Ist die Welt heute gefährlicher oder friedlicher als früher?

    Die Antwort auf die letzte Frage wird Sie überraschen, denn die Menschen werden immer friedlicher. Das ist ein weltweiter Trend. Der Harvard-Professor und Evolutionspsychologe Steven Pinker zeigt, dass die Zahl der Toten durch Kriege, Morde, Folter, Hinrichtungen seit dem Jahr 1300 drastisch gesunken ist. Wir leben heute in der friedlichsten Epoche seit 700 Jahren, vielleicht sogar seit Menschen existieren. Hätten Sie das gedacht? Deckt sich das mit Ihrer Wahrnehmung? Wie erleben Sie die friedlichste aller Zeiten? Pinker wurde um eine Erklärung gebeten, warum viele Menschen vom Ausmaß des Friedens überrascht sind: »Die Welt in den Nachrichten erscheint so, als würde alles nur noch schlimmer. Aber das ist eine Illusion! In den Nachrichten erfahren Sie immer nur von Dingen, die passiert sind. Nie von Dingen, die nicht passiert sind. Die Welt durch die Brille der Medien zu sehen führt systematisch in die Irre.«¹ Ähnliche Widersprüche zwischen der Wahrnehmung und den Statistiken finden Sie in deutschen Städten. Während die Zahl der Morde sinkt, fühlen sich viele Menschen bedrohter. Ist Professor Pinker der einzige Verrückte, der eine positive Entwicklung sieht? Charles Kenny, Senior Fellow am Center for Global Development, kommt zu ähnlichen Ergebnissen. »2015 war das beste Jahr in der Geschichte, und 2016 wird noch besser sein. Die Weltbevölkerung ist gebildeter, besser mit Essen versorgt, gesünder, freier und toleranter – und, so sieht es aus, auf dem Weg zu größerem Reichtum.« Nach seiner Zählung gab es 3000 kriminelle Verbrechen weniger als im Jahr zuvor und sogar 600 000 weniger als 1995, also eine Verringerung um 35 Prozent in 20 Jahren.²

    Ich liebe Fragen, die zu völlig unerwarteten Ergebnissen führen. Hätte sich Herr Pinker nie gefragt, ob die Zahl der Gewaltverbrechen steigt oder sinkt, dann hätte er nie angefangen, die Sache zu erforschen. Seine Fragestellung war die Grundlage der neuen Erkenntnis. Mit Fragen schauen wir hinter die Kulissen des Offensichtlichen. Neue Antworten sind nicht immer beliebt, denn oft sind sie unbequem. Wer ändert gerne seine Meinung? Wer gibt gerne zu, sich geirrt zu haben? Eine Frage ist der erste Schritt auf der Suche nach neuen Ideen und unbequemen Antworten. Fragen öffnen uns für neues Wissen und für Unbekanntes. Sie bauen auf dem Interesse auf, etwas wissen zu wollen. Bildung und Wissen haben grundsätzlich einen hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft. Fragen auch? Etwas wissen zu wollen und immer weiter zu hinterfragen ist häufig nicht willkommen. Viele Menschen fühlen sich durch Fragen persönlich angegriffen, sie fühlen sich hinterfragt und kritisiert. Fragen können daher sogar Streit auslösen. In jedem Fall stören Fragen die Ruhe und Routine. Der Drang, tiefer zu bohren, um mehr zu sehen und Neues zu erkennen, steckt zum Glück tief im Menschen. Fragen bringen Ideen und Veränderung.

    Wir laufen Gefahr, dass neue Antworten unsere Vorurteile und Illusionen zerstören. Kommt eine unerwartete Antwort wie zum Beispiel »Es herrscht Frieden auf Erden wie nie zuvor«, wird die eigene Meinung ergänzt und der alte Standpunkt geändert. Warum sollte man an veralteten Meinungen festhalten, wenn man es jetzt besser weiß? Wäre das nicht Zeit- und Energieverschwendung? Tatsächlich werden kreative Menschen so beschrieben, dass sie häufiger als andere ihre Meinung ändern. Sind kreative Menschen unbeständig? Flatterhaft? Wechselwillig? Gar opportunistisch? Pauschale Antworten sind hier sicherlich falsch, da jeder Mensch auf seine Art kreativ sein kann. Doch eins ist klar: Wer viele offene Fragen stellt, wird häufiger vom Ergebnis überrascht. Fragende Menschen bekommen viel häufiger einen Anlass, die Meinung zu ändern. Offene Menschen hören zu. Neue Kenntnisse bereichern das eigene Sortiment der Meinungen. Da kreative Menschen nicht aufhören, Fragen zu stellen, wächst ihre Erkenntnis immer weiter.

    Wer nicht fragt, bleibt dumm, das lernte ich schon in der Kindersendung Sesamstraße. Kreative können gar nicht anders. Sie müssen Fragen stellen. Das ist ein wunderschöner innerer »Zwang«. Auch Neugier genannt. Die Gier nach Neuem. Kreative sind gierige Menschen. Gierig nach Wissen, Ideen, anderen Sichtweisen, spannenden Geschichten und neuen Puzzleteilen zum Weltbild. Mehr Fragen, mehr Überraschungen, häufiger neue Meinungen. Zum Beispiel, dass wir in der friedlichsten Zeit der Menschheitsgeschichte leben. Zack. Meinung geändert. Das ist kein Opportunismus, sondern die Bereitschaft zur Veränderung. Mit jeder Frage droht die Gefahr der Überraschung, die Gefahr einer neuen Erkenntnis, die alles auf den Kopf stellt. Und das ist gut so.

    Fragende Menschen gelten als unbequem. Unbequeme Menschen stören. Sie haken nach, bis die Neugier gestillt ist. Fragen schaffen Unfrieden. Sie widersprechen. Fragen fordern heraus. Zum Denken. Zum Umdenken. Ohne Fragen steht vieles einfach fest. Klar. Unwidersprochen. Eindeutig. Das ist halt so und so. Ein neugieriges »Warum« wirkt auf So-und-so-Menschen wie Blitz und Donner. »Warum«-Ruhestörer sind unbeliebt. Stellen Sie sich bloß vor, alles wäre ganz anders. Ein Albtraum! Unklarheit? Nein danke, bloß nicht. Viele Menschen wollen Stabilität. Sicherheit, dass alles Bestand hat. In einer Zeit, in der unser Datenberg auf 40 Zettabytes wächst – das ist die 57-fache Menge aller Sandkörner auf Erden – und sich das Weltwissen alle zwei Jahre verdoppelt, ist diese Bestandssicherheit zwangsläufig eine große Illusion. Genau diese Illusion wird durch Fragen zerstört, und das will niemand. Dabei sind Fragen, die auf echtem Interesse basieren, ein großes Geschenk. Interesse ist überhaupt nicht selbstverständlich. Gleichgültigkeit gilt bei vielen Engagierten als das größte Übel unserer Zeit. Interesse hingegen bringt uns weiter. Manche Antworten können sogar Leben retten. Und dank Steven Pinkers Forschung können viele Menschen ruhiger schlafen. Sie wissen nun, dass die Welt sehr friedlich ist. Seine Antworten könnten ein kollektives Wohlbefinden auslösen, Stress mindern und Krankenkassen finanziell entlasten. Dazu müssten wir nur seine revolutionäre Sicht ernst nehmen, um nicht auf die allgegenwärtige Gewalt in den Medien hereinzufallen. Bereit?

    Alles geht anders

    Der deutsche Film Victoria wurde in einem einzigen Take gedreht. Undenkbar bis dahin. One Take. Gefilmt wurde am 27. April 2014 zwischen 4.30 Uhr und sieben Uhr in der Friedrichstraße in Berlin-Kreuzberg und Mitte. Ohne Pause. Und das Ergebnis wurde unverändert im Kino gezeigt. Kein Schnitt. Was wäre, wenn wir 133 Minuten in one take aufnehmen? »Total hirnrissig«, sagt der Regisseur Sebastian Schipper im Interview. Belohnt wurde das hirnrissige Risiko mit sechs deutschen Filmpreisen und dem Gewinn des Silbernen Bären der Berlinale 2015 für den Kameramann. Victoria ist weltweit der erfolgreichste deutsche Kinofilm seit Lola rennt. Der Erfolg von Victoria ist den beeindruckenden Schauspielern zu verdanken. Die Basis legte der Regisseur mit seiner Rebellion gegen den Stakkatoschnitt, gegen die Gleichmacherei der Filmindustrie durch immer schnellere Schnitte. Und dann kommt einer und macht 133 Minuten keinen einzigen Schnitt. Neu in der Filmgeschichte. Das Brechen von Regeln ist der erste Schritt zur Innovation.³

    Gewohnheiten zu hinterfragen bringt Neues in die Welt. Welche Gewohnheiten hinterfragen Sie? Muss das so sein? Geht es anders? Geht es in einem Take? Ist ein Film ohne Schnitt kinotauglich? Wie soll das gehen? Geht es einfacher? Geht es besser? Meistens ist es pure Gewohnheit, warum wir Dinge so tun, wie wir sie tun. Es hat sich bewährt und ist uns vertraut. Die Gewohnheit gilt es zu brechen. Jede Millisekunde wird irgendwo auf der Welt etwas neu und anders vollbracht. Wir bekommen es nur nicht mit. Unser Gehirn ist so sehr mit dem Alltag und den eigenen Gewohnheiten beschäftigt, dass wir gar keinen Platz für Neues lassen. Doch es passiert. Jetzt. Und überall.

    Roboter in Australien bauen in 48 Stunden Einfamilienhäuser. In China wird der erste Wolkenkratzer von Robotern hochgezogen. Warum in Australien und China und nicht in Europa? Haben wir kein Interesse daran? Sind wir nicht schnell genug? Oder glauben Sie, dass das nur eine vorübergehende Modeerscheinung bleibt? Drohnen überwachen bereits Baustellen, Stadtplanung und Landwirtschaft. Wann ist Ihre Branche dran? Wie verändert sich Ihr Job durch Drohnen und Roboter? Abläufe in Großprojekten wie Baustellen werden mit fliegenden Kameras deutlich effizienter koordiniert. Das ist keine Zukunftsmusik, diese Drohnen sind bereits im Einsatz. Beim Neubau des Stadions des US-Basketballteams Sacramento Kings dokumentieren autonom fliegende Drohnen den Neubau und zeigen im Minutentakt, ob der Zeitplan eingehalten wird. Die Filmaufnahmen werden in Echtzeit zu 3-D-Bildern, die mit den digitalen Bauplänen des Stadions verglichen werden. Das Programm markiert dann alle Bereiche, die hinter dem Zeitplan liegen. Das ist ein riesiger Fortschritt, denn Fehler und Verzögerungen auf großen, komplexen Baustellen führen zu enormen Mehrkosten.

    Und selbst diese große Neuerung, die noch in ihren Kinderschuhen steckt, wirkt klein gegenüber dem »Röntgenblick für jedermann«, wie n-tv.de titelte. Das MIT in Boston forscht an einem Sensor, mit dem man Menschen durch Wände hindurch beobachten und Geräte kontrollieren kann, indem man auf sie zeigt. Klingt das sinnvoll? Verrückt? Beängstigend? Gut oder schlecht? Wer entscheidet, für welche Zwecke Drohnen und Sensoren eingesetzt oder missbraucht werden? Mit Umwelt-Drohnen will die Non-Profit-Organisation BioCarbon pro Jahr eine Milliarde neue Bäume pflanzen. »Das Pflanzen von Bäumen wird so auch in unerreichbaren Gegenden radikal vereinfacht«, schreibt Bart R. auf trendsderzukunft.de. Drohnen könnten zudem die Weltmeere filmen, Wale überwachen und schützen und der Laufpartner der Zukunft werden, damit man nicht mehr alleine durch den Wald joggen muss. Drohnen könnten aber auch auf engstem Raum Spionage betreiben und die eigenen Kinder rund um die Uhr überwachen. Der negativ besetzte Begriff der »Helikoptereltern« würde sich bewahrheiten. Klar ist: Alles geht anders. Wie wir das Neue einsetzen, liegt an uns.

    Wie sieht die Versorgung mit gesunden und frischen Lebensmitteln in der Zukunft aus? Lässt sich der Logistikwahnsinn verringern, indem Menschen und Landwirtschaft wieder näher zueinanderfinden? Wie können neun Milliarden Menschen mit frischen und gesunden Lebensmitteln versorgt werden, wenn 2050 etwa vier Fünftel der Menschen in Städten leben?

    In Bujama, einer Stadt in Peru nahe Lima, war das Wasser durch Minenabfälle so schlecht, dass eine Landwirtschaft nicht möglich war. Geschaffen wurde ein Gewächshaus mit einer Luftbefeuchtungsanlage, die Wasser aus der Luft zieht. Das saubere Wasser beträufelt die Salatpflanzen. So wird frische Ernährung ohne frisches Grundwasser möglich

    .

    In Japan wurde die erste autonome Gemüsefarm eröffnet. Weltweit wird experimentiert, wie in neuen Wohnanlagen und Wolkenkratzern Obst und Gemüse angebaut werden kann. Vertikale Farmen, Gewächshäuser und Ställe für kleine Nutztiere werden mit Wohnungen in einem Gebäude integriert. Ohne Frost, Hagel oder Dürre sind je nach Gemüsesorte bis zu vier Ernten pro Jahr möglich. Auch Solar- und Windanlagen sowie Wasserfilteranlagen sind Teil des urbanen Ökosystems. Weltweit verschmelzen vertikaler Salat- und Gemüseanbau mit Architektur – wie auch plakativ in dem Namen agritecture.com. Zur Expo 2015 in Mailand entstand ein ganzer vertikaler Wald, ein Hochhaus mit Bäumen bepflanzt. Entwickelt als nachhaltiges Modell für eine Stadt der Zukunft zum Erhalt der Artenvielfalt.⁵ Die Entwicklung geht weiter. Wie wäre es, urbane vertikale Landwirtschaft mit Altenpflege zu kreuzen? Beim World Architecture Festival 2015 zeigte die Firma Spark ein vertikales Gewächshaus in einem Gemeinschaftshaus für Senioren. Der Obst- und Gemüseanbau dient neben der Selbstversorgung auch dem Verkauf in der Nachbarschaft. Die Gewinne finanzieren die ärztliche Versorgung der Bewohner.⁶

    Wie geht es Ihnen mit all den Neuerungen? Sind Sie skeptisch? Wo soll das bloß hinführen? Oder sind Sie so begeistert wie ich? Ideen bäumen sich gegen die Macht der Gewohnheit auf und widerstehen dem Status quo. Geht tatsächlich alles anders? Wirklich alles? Bleibt nicht das meiste so, wie es ist? Ist es Ihr gutes Recht, dass alles so bleibt, wie es ist? Was bevorzugen Sie? Erwarten Sie Veränderung? Fordern Sie Ihre Gewohnheiten heraus? Oder haben Sie es sich bequem eingerichtet? Wie gehen Sie mit Wandel um? Erwartungsvoll freudig? Oder ängstlich ablehnend? Sind Sie skeptisch oder neugierig? Was stellen Sie noch in Frage?

    Fragen können alles verändern. Fragen öffnen. Fragen bohren tiefer und vertiefen Wissen. Fragen gehen auf den Grund und über den Tellerrand des Bekannten hinaus. Sie öffnen den beschränkten Horizont der So-und-so-Vorurteile. Fragen können Meinungen aushebeln. Einfach durch die Kraft der neuen Antwort. Ob das als Gefahr oder Gewinn betrachtet wird, liegt an jedem Menschen selbst. Für mich steht fest: Alles ist anders, wenn man sich vertieft. Fragen führen zu neuen Blickwinkeln und veränderten Einsichten.

    44 Fragen

    1.  Ist Wandel oder Stillstand normal?

    2.  Werden wir durch Veränderung stärker oder durch Kontinuität?

    3.  Gibt es immer eine Lösung?

    4.  Könnte das eigene Zuhause das Krankenhaus der Zukunft sein?

    5.  Was wäre, wenn jeder europäische Schüler ein Jahr in einem anderen Land Europas leben würde?

    6.  Was bedeuten Roboter, die in 48 Stunden ein Haus bauen?

    7.  Werden Manager in der Zukunft Roboter sein?

    8.  Warum bleibt nichts, wie es ist?

    9.  Sind Ideen wie Pizza und Puzzles?

    10.  Kommt der nächste Mark Zuckerberg aus Afrika?

    11.  Was wäre, wenn sich Studenten kein Fach, sondern eine Mission auswählen würden?

    12.  Wissen Unternehmen, wer sich nicht bei ihnen bewirbt?

    13.  WaBriMiDa?

    14.  Können Künstler mehr Resonanz erzeugen, wenn das Publikum aktiv mitmacht?

    15.  Warum werden Häuser nicht in Fabriken hergestellt und mit dem Cargolifter ausgeliefert?

    16.  Warum sind Supermärkte thematisch sortiert, aber Berufe nach A bis Z?

    17.  Wie verändert man eine Stadt?

    18.  Wie entwickelt man Strukturen, Organisationen, Städte, Kulturen weiter? 

    19.  Was machen Kfz-Versicherer, wenn es keine Menschen mehr gibt, die Autos aktiv steuern und dafür eine Versicherung brauchen?

    20.  Wieso haben E-Books eine AGB und analoge Bücher nicht?

    21.  Gibt es sichere Jobs?

    22.  Wie entsteht Mut?

    23.  Kann Mut zukünftig versichert werden?

    24.  Wer bewertet

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