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Werde, was du kannst!: Wie man ein ungewöhnlicher Unternehmer wird

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Werde, was du kannst!: Wie man ein ungewöhnlicher Unternehmer wird

Länge:
341 Seiten
4 Stunden
Freigegeben:
Sep 24, 2014
ISBN:
9783867743969
Format:
Buch

Beschreibung

Dieses Buch ermutigt, die eigenen Fähigkeiten zu nutzen, um Ideen unternehmerisch erfolgreich umzusetzen. 21 Kurzporträts zeigen Menschen, die aus eigener Kraft ungewöhnliche Unternehmen aufgebaut haben. Erst- und Seriengründer, Aus- und Umsteiger, Querdenker und Abenteurer des Selbst.
Vom Marketingmanager zum Transformationstherapeuten, vom Juristen zum Parfümeur, vom Dirigenten zum Qigong-Meister, vom Mechaniker zum Lodge-Betreiber, vom Bankdirektor zum Internetunternehmer.
Es geht um mutige Schritte und neue Trends, die Leben und Arbeit verändern. Im Zentrum steht: Wie man durch einen Perspektivenwechsel das Beste aus seinen Fähigkeiten, Kenntnissen und Talenten macht.
Freigegeben:
Sep 24, 2014
ISBN:
9783867743969
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Werde, was du kannst! - Kerstin Gernig

Kerstin Gernig

Werde, was du kannst

Wie man ein ungewöhnlicher Unternehmer wird

Kreativer Imperativ

Werde, was du kannst! – Das sagt sich so leicht. Aber wie setzt man das um? Viele werden denken: Ich muss mit meinem Beruf Geld verdienen. Und Geld bekommt man nun einmal nicht dafür, dass man sich selbst verwirklicht. Doch wer seine Talente und Fähigkeiten mit einer interessanten Geschäftsidee verbindet, bringt beides miteinander zusammen. Das zeigen die in diesem Buch porträtierten Menschen.

In 21 Porträts stelle ich ungewöhnliche Unternehmerinnen und Unternehmer vor, die aus eigener Kraft, als Aussteiger oder Umsattler, als Querdenker und Abenteurer des Selbst traditionelle Berufe vom Bestatter bis zum Parfümeur neu erfunden oder auch ganz neue Berufe erschaffen haben, vom Gedankendopingexperten bis zum Querdenkologen: 21 Ideen, die – mit viel Mut und Selbstvertrauen, gegen Widerstände und Bedenkenträger – unternehmerisch erfolgreich umgesetzt wurden. Dafür haben sie Trends genutzt, die in einer Zeit des rasanten Wandels ganz neue Chancen für ein selbstbestimmtes Leben und Arbeiten bedeuten. 21 Porträts, 9 Trends, 3 Gründe für ein selbstbestimmtes Leben: Wir leben in Zeiten, die nie besser waren, um ein selbstbestimmtes Leben zu führen – frei von verbindlichen Traditionen und Konventionen, Autoritäten und Normen. Wir leben so gesehen in einer neuen »Gründerzeit«.

Dieses Buch ist für all diejenigen geschrieben, die die Chancen und Trends dieser Gründerzeit nutzen wollen, die neue Wege suchen, die sich von ungewöhnlichen Menschen inspirieren lassen, die mehr Angst vor Routinen als vorm Scheitern haben, die ihr Leben und ihre Arbeit selbst gestalten wollen, die sich von mutigen Schritten faszinieren lassen und die vielleicht nur noch einen kleinen Anstoß brauchen, um die eigene Chance zu ergreifen. Und diese Chance ist heute – im Zeitalter der digitalen Revolution – greifbarer denn je.

Ich habe das Buch auch geschrieben, um Menschen zu begegnen, die dort waren, wo ich hinwollte. Ich komme aus einer Familie, in der berufliche Sicherheit immer an oberster Stelle stand. Kein Wunder: Als »Babyboomerin« hatte ich Eltern, die wie Millionen andere Deutsche die Schrecken und Verheerungen des Zweiten Weltkriegs in ihrer eigenen Kindheit erlebt hatten. Das wirkte nach, und es wirkt bis heute. Immer noch steht der Wert der »Sicherheit« in Umfragen in Deutschland auf der Prioritätenliste ganz weit oben. So habe auch ich erst die klassische Wegstrecke zurückgelegt: Studium, erstes Staatsexamen, zweites Staatsexamen, Auslandsaufenthalte, Promotion, Universitätskarriere. Aber wir Babyboomer waren überall die viel zu vielen. Wo wir auch hinkamen, hieß es: »Du hast keine Chance, aber nutze sie.« So entmutigend das klang, so ermutigend war es zugleich, einen eigenen Weg zu gehen: Man musste eben erfinderisch sein und manchmal auch den Sprung ins kalte Wasser wagen.

Für mich war das der Wechsel von der Universität in die Wirtschaft. Und nicht nur das: Als Geschäftsführerin des Kuratoriums Deutsche Bestattungskultur beim Bundesverband Deutscher Bestatter arbeitete ich in einem Bereich, der zu den letzten großen Tabus in unserer Gesellschaft gehört. Es war für mich erstaunlich zu erleben, wie stark der Umgang mit dem Tod in unserer sonst so aufgeklärten Gesellschaft immer noch verdrängt und stigmatisiert wird. Und es war genau diese Erfahrung in einer für eine Germanistin zunächst exotischen Branche, mit einem Thema, das jeden angeht, das aber niemand wahrhaben will, die zu meinem Interesse an ungewöhnlichen Lebensläufen und Querdenkern geführt hat. Und so habe ich selbst mit Ende vierzig den Sprung in die Selbständigkeit gewagt: neugierig, mutig, unvorbereitet.

Rasch wurde mir klar, dass all die Diplome, die ich erworben hatte, für die Selbständigkeit Makulatur waren. Was mir half, war die Fähigkeit, Neues zu lernen und zu erkennen, was ich lernen musste und wollte. Da ich kaum Selbständige kannte, beschloss ich, das zu ändern. Motiviert durch Brüche im eigenen Leben habe ich mich auf die Suche nach Menschen gemacht, die – wie ich selbst – den Mut hatten, vorgebahnte Pfade zu verlassen, um ihren eigenen Weg zu gehen. Die nicht als Erben in die Fußspuren anderer treten konnten, sondern die aus eigener Kraft ein Unternehmen aufgebaut haben. Und so beschloss ich, dieses Buch über ungewöhnliche Unternehmer zu schreiben, die mir in Interviews sehr persönliche Einblicke gewährt haben in ihr Leben und Schicksal, ihre berufliche Entwicklung und ihre Erfolgsgeheimnisse, ihre Motive und Wünsche, aber auch ihre Probleme und Herausforderungen. Ich habe die Porträts um neun Trends unserer Zeit ergänzt, nicht mit dem Anspruch einer umfassenden Trendanalyse unserer Zeit, sondern als Ergebnis der Recherchen auf der Suche nach Modellen der beruflichen Selbständigkeit jenseits klassischer Ausbildungswege und Diplome.

Denn genau diese Trends waren für den Erfolg der Geschäftsmodelle der ungewöhnlichen Unternehmer ausschlaggebend: der Trend der Selbstermächtigung durch mentale Coaching-Techniken, der Trend der Renaissance der Handwerkskunst nach dem Industriezeitalter, der Trend der Digitalisierung aller Lebensbereiche, der Trend der zunehmenden Individualisierung der Lebenswelten, der Wellness-Trend von der Lust am Genuss über die Freude an der Entdeckung bis zur Suche nach Exotik, der Trend der Vernetzung durch Social Media & Co., der Trend der Nachhaltigkeit und sozialen Verantwortung, der nicht mit Verzicht und Verbot, sondern mit Ästhetik und Spaß verbunden ist, der Trend einer neuen »Humanität«, der in Zeiten der Effizienzsteigerung neue Verbindungen zwischen Menschlichkeit und Wirtschaftlichkeit schafft – und nicht zuletzt der Trend der abnehmenden Bedeutung traditioneller Institutionen zugunsten offener »Communitys«, die gewissermaßen voraussetzungslos zugänglich sind. Es sind diese Trends, die Abenteurer des Lebens und Abenteurer des Selbst ermutigen, ungewöhnliche Schritte zu wagen.

Das gelernte, tradierte Wissen verändert sich in rasanter Geschwindigkeit. Was bleibt, ist die flexible Anpassungs- und Lernfähigkeit des Menschen, die ihm dabei hilft, sich immer wieder neuen Herausforderungen zu stellen. Wer sich selbständig macht, braucht keine Zeugnisse, Diplome oder Titel. Was neben der Geschäftsidee zählt, sind Wissen und Erfahrung und die Fähigkeit, sich ständig auf neue Herausforderungen als selbstlernendes System einstellen zu können. Vielleicht kommen wir dann auch endlich dazu, dass unsere Informationslogik eines Tages nicht länger dem Motto folgt »bad news are good news«. Was wir bräuchten, wäre eine Art Wiki ungewöhnlicher Unternehmer, die die Welt gestalten und zeigen, was alles möglich ist, die einladen zum Mitmachen und Mut machen zum Selbermachen.¹

In seinem Buch Die kreative Revolution. Was kommt nach dem Industriekapitalismus? schreibt Wolf Lotter: »Wir leben (…) in Zeiten der Transformation: Es gelten sowohl die Regeln der alten Ökonomie als auch der neuen Wirtschaft.«² Diese neue Wirtschaft ist vor allem eine Wirtschaft kreativer Ideen. Die in diesem Buch porträtierten ungewöhnlichen Unternehmer verkörpern eine sich immer stärker entwickelnde »kreative Wirtschaft«³. Diese Ökonomie der Kreativen folgt nicht mehr der klassischen Logik, in der sich die Erwerbstätigen in traditionelle Muster der Arbeitswelt einfügen, sondern sie folgt der Idee, sich die Arbeitswelt nach den eigenen Maßstäben und Bedürfnissen, Werten und Vorstellungen zu gestalten.⁴ Holm Friebe und Sascha Lobo haben in ihrem Buch Wir nennen es Arbeit diese neue Idee von Arbeit so auf den Punkt gebracht: »So arbeiten, wie man leben will, und trotzdem ausreichend Geld damit verdienen.«⁵

Viele halten das noch für unrealistisch. Das verwundert nicht, denn für fast 90 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland ist Arbeit gleichbedeutend mit einer angestellten Tätigkeit. Nur etwas über 10 Prozent arbeiten als Selbständige und Freiberufler.⁶ Das spiegelt immer noch die Muster der alten Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft, mit der immer mehr Menschen unzufrieden sind. Das zeigt sich nicht zuletzt daran, dass laut einer Gallup-Umfrage nur 16 Prozent der Beschäftigten in Deutschland bereit sind, sich freiwillig für die Ziele ihrer Firma einzusetzen. 67 Prozent leisten Dienst nach Vorschrift, und 17 Prozent sind emotional ungebunden und haben innerlich bereits gekündigt.⁷

Das bedeutet im Klartext, dass 84 Prozent nicht aus Leidenschaft arbeiten und damit auch nicht so, wie sie leben wollen. Die gute Nachricht: Es gibt Alternativen zu Routinen und Hierarchien, die häufig zu Mobbing und Frust, zu Langeweile oder Überforderung, zu Burnout, Unzufriedenheit oder auch innerer Emigration führen. Um diese Alternativen ergreifen zu können, brauchen wir ein Umdenken. Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Arbeitslosigkeit wird nicht länger als »Katastrophe« wahrgenommen, sondern als Phase der Weiterentwicklung und Umorientierung. Sie wird von der Gesellschaft nicht länger stigmatisiert, sondern als Teil eines Wandels und eines lebenslangen Lernens begriffen. Wer seinen Job aufgibt oder verliert, betrachtet sich nicht länger als Opfer von »Systemen«, sondern als Gestalter seines Lebens. Die Chancen für ein solches Szenario sind gut. Denn die Arbeitsmärkte der Zukunft werden angesichts des demografischen Wandels vielfältiger und auch flexibler. Die Unternehmen bemühen sich stärker um hochqualifizierte Fachkräfte und stellen sich mit neuen Ideen den veränderten Herausforderungen der Zeit. Viele Menschen werden auch im Alter länger arbeiten, wenn sie etwas tun, das ihnen Spaß macht und sie erfüllt.⁸Immer mehr Menschen fangen in der Mitte des Lebens – wenn die Kinder aus dem Haus sind – noch einmal ein neues Leben an. Nicht umsonst spricht man heute schon von den »Midlife-Boomern«, von Menschen, die sich in der Mitte ihres Lebens noch einmal »neu erfinden«, viele davon mit dem Weg in die Selbständigkeit.⁹

Wir erleben einen Transformationsprozess, der es möglich macht, dass immer mehr Menschen einer selbstbestimmten Arbeit nachgehen, die mit Sinn, Erfüllung, Freude, Kreativität und Selbstverantwortung verbunden ist – und erlaubt, ausreichend Geld damit zu verdienen. Mit der gestiegenen Lebenserwartung und der Zunahme an individuellen Optionen werden die Berufsbiografien farbiger und abwechslungsreicher, aber auch kurviger und unvorhersehbarer. Nach der alten Logik der nahezu vollständigen Identifikation mit dem einmal erlernten Beruf macht das Angst, weil Identitäten damit ins Wanken geraten. Nach der neuen Logik der Selbstentfaltung macht das Mut, weil sich damit ganz neue Lebenserfahrungen und Möglichkeiten ergeben. 21 Anregungen dazu finden sich in diesem Buch.

Die meisten Porträtierten sind – wie die meisten von uns – mit klassischen Vorstellungen von Berufsbiografien groß geworden: Man macht eine Ausbildung, man studiert und steigt auf der Karriereleiter auf. Doch dann kommt manchmal alles anders als gedacht, wenn sich die Herausforderungen verändern. Die Theologin, die den wesentlichen Fragen auf den Grund gehen wollte und sich dann mit dem digitalen Erbe beschäftigt; der Psychologe, der erst dem Marketing und dann sich selbst auf die Spur kommt; der Bühnenbildner, der entdeckt, dass es Lebensformen auf noch ganz anderen Bühnen der Welt gibt; der Jurist, der den richtigen Riecher für neue Duftkreationen und Vertriebswege hat, oder auch der Dirigent, der sich als Qigong-Meister neu entfaltet. Worauf es ankommt, ist, einen Neuanfang nicht als Bedrohung, sondern als Versprechen wahrzunehmen. Es geht im Kern darum, seine Möglichkeiten zu erkennen und einen mentalen Perspektivenwechsel einzuleiten.

Die Unternehmerporträts zeigen, dass eine solche Umkehr der Perspektive keine Utopie und auch kein unrealistisches Wunschdenken ist. Die digitale Revolution und die zunehmende Individualisierung der Märkte ermöglichen es, mit neuen Geschäftsideen Geld zu verdienen. Man muss sich dabei nicht an den Erfolgsgeschichten eines Mark Zuckerberg oder Steve Jobs messen, die mit Facebook und Apple börsennotierte Unternehmen geschaffen haben. Aber es ist extrem hilfreich, die Chancen, die die Möglichkeiten des Internets bieten, auch zu nutzen, ob als Pop-up-Künstler, Lodge-Betreiber oder auch Transformationstherapeut. Denn dadurch lassen sich selbst für Einzelunternehmer in Nischenmärkten enorme Reichweiten erzielen, von denen man früher nur träumen konnte. Dafür braucht es aber auch den Mut, ungewöhnliche Wege zu gehen.

Wären die hier porträtierten Unternehmerinnen und Unternehmer von der Industrie- und Handelskammer aufgefordert worden, einen klassischen Businessplan zu erstellen, um einen Antrag auf einen Existenzgründerkredit zu stellen, wären sie vermutlich von der Bank mit einem Kopfschütteln abgewiesen worden. Denn wie soll man für etwas werben, das es noch nicht gibt, für das kein Referenzmodell vorliegt und das vielleicht auf den ersten Blick auch verrückt klingt wie zum Beispiel ein Online-Parfümeur oder ein Querdenkologe. Aber genau das ist der Reiz, dass sich die neue Ökonomie der Kreativen nicht mit konventionellen Maßstäben messen oder beurteilen lässt. Das bedeutet nicht, ein völlig neues Geschäftsmodell oder einen ganz neuen Beruf entwickeln zu müssen. Häufig genügt es schon, traditionelle Geschäftsmodelle mit neuen kreativen Ideen weiterzuentwickeln. So können, wie die Beispiele in dem Buch zeigen, auch Altenpfleger, Bestatter, Köche oder Täschner zu ungewöhnlichen Unternehmern werden.

Das Spektrum der kreativen Ökonomie ist nicht auf die klassischen Kreativbereiche wie Architektur, Design, Fashion, Handwerk, Kunst oder Kunsthandwerk beschränkt, sondern spielt in allen Bereichen der Gesellschaft eine zunehmende Rolle: ob Beratung oder Coaching, Pflege oder Bestattung, Gastronomie oder Tourismus, Internethandel oder Dienstleistungen, Spiritualität oder Wellness – überall tragen Kreativunternehmer zu einer Arbeitswelt der Zukunft bei.

Was die Unternehmer verbindet, ist die Suche nach dem Wesentlichen und nach dem Möglichen. Als Abenteurer des Selbst brechen sie auf zu neuen Ufern und begegnen dabei erstaunlich schnell Gleichgesinnten und Menschen, die sie unterstützen. Leidenschaft motiviert die Kreativen, die mit Ideen experimentieren, neue Produkte und Dienstleistungen erfinden, damit neue Märkte erschließen und Lösungen für Probleme entwickeln, die erfrischend anders sind. Was ihnen Rückenwind gibt: Noch nie war die Zeit so gut für Außenseiter und Individualisten, Erfinder und Entdecker, Innovatoren und Querdenker. Durch die Entwicklungen von Digitalisierung, Globalisierung und Individualisierung sind sie in ihrem Element. Im Mittelpunkt der neuen Zeit stehen Ideen, Informationen und Innovationen. Das heißt nicht, dass dieser Weg immer einfach ist. Viele verzichten auf klassische Karrieren und die damit verbundenen Privilegien, in der Gründungsphase oft auch auf Sicherheit, Komfort und materiellen Besitz. Aber die scheinbaren Umwege führen, wie die Porträts zeigen, oft viel direkter zum Ziel, Lebenszufriedenheit und Wohlstand zu erreichen. Das scheinbare Paradox lautet also, wie es der Philosoph Georg Lukács treffend formuliert hat: »Wirf weg, damit du gewinnst.«

Ungewöhnlich an den Porträtierten ist, dass sie wagen, mit neuen Ideen neue Wege zu gehen. Dabei gehen sie von unterschiedlichen Voraussetzungen aus: Ob Highschool-Abschluss in Amerika oder Selbständigkeit in Zeiten des Sozialismus vor dem Mauerfall, ob Studium oder Ausbildung, ob aus einem Arbeiter- oder Akademikerhaushalt stammend – kein Leben gleicht dem anderen. Manche haben ihre Berufung als ungewöhnlicher Unternehmer früh gefunden wie Juliana Blanke, Thomas Klußmann, Matti Niebelschütz oder auch Martin Klüsener. Andere haben sich nach einer erfolgreichen Karriere als angestellter Manager, Direktor, Redakteur oder Geschäftsführer neu erfunden und für die Selbständigkeit entschieden wie Robert Betz, Axel Baudach, Mario Crisolli oder Dirk Müller-Remus.

Einige Unternehmer sind, bevor sie neu durchstarteten, durch persönliche Krisen gegangen: Ehekrisen, Sinnkrisen, Gesundheitskrisen. Andere mussten Krisen nach der Gründung bewältigen, die es in sich hatten, weil sie als Quereinsteiger Platzhirsche in etablierten Märkten gereizt haben oder auch weil sie ihrer Zeit mit ihrer Idee voraus waren. Entscheidend ist also nicht die Herkunft oder der Berufsweg, sondern vor allem die eigene Haltung: lieber zu gestalten, als Bestehendes zu verwalten, lieber zu verändern, was einem nicht gefällt, als darüber zu klagen, lieber unbeirrt den eigenen Weg zu gehen und damit vielleicht auch manche Regel zu brechen, als auf ausgetretenen Pfaden zu wandeln. Alle haben den Mut gehabt, tradierte, konventionelle Strukturen zu verlassen, um neue, eigene, unkonventionelle Ideen zu verwirklichen, und sind das Risiko eingegangen, damit auch scheitern zu können. Denn für sie war klar: Nicht das Scheitern ist das Problem, sondern es gar nicht erst versucht zu haben. Werde, was du kannst! Das heißt auch: Wage, was du kannst! Die Porträtierten sind keine Tagträumer, sondern Menschen, die ihren Traum verwirklicht haben, auch wenn das manchmal ganz schön anstrengend sein kann. Doch die selbst gewählten Anstrengungen lassen sich leichter bewältigen als die fremdbestimmten. Und das ist genau das Geheimnis ihres Erfolgs. Sie sind konsequent dem kreativen Imperativ gefolgt: Werde, was du kannst!

Die neuen Möglichkeiten der Digitalisierung treffen auf die Chancen von hochgradig individualisierten Ego-Märkten in Zeiten, in denen Menschen keine 08/15-Produkte und -Dienstleistungen mehr wollen. Werde, was du kannst! ist kein Ratgeber, wie man ein ungewöhnlicher Unternehmer wird, sondern ein Mutmachbuch, das zeigt, dass jeder aus seinen individuellen Fähigkeiten und Talenten etwas Außergewöhnliches machen kann, in alten oder neuen Berufen, mit oder ohne akademische Ausbildung, als digitaler Eingeborener oder digitaler Immigrant, als Handwerker oder IT-Experte, mit Anfang zwanzig oder auch in der Mitte des Lebens. Mut wird belohnt. Werde, was du kannst!

1 http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Ausbildungsberufen; http://www.bmwi.de/DE/Themen/ausbildung-und-beruf.html, zuletzt geöffnet am 13.5.2014. Im Folgenden wird das Datum der letzten Öffnung hinter dem jeweiligen Link angegeben.

2 Lotter, Wolf: Die kreative Revolution. Was kommt nach dem Industriekapitalismus?. Hamburg 2009, S. 12.

3 Die Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft der Bundesregierung zählt 247 000 Unternehmen in der Kreativwirtschaft mit einer Million Erwerbstätigen und knapp 143 Milliarden Euro Umsatz. http://www.kultur-kreativ-wirtschaft.de/, 13.5.2014.

4 http://de.statista.com/statistik/daten/studie/155779/umfrage/meinung-zum-sich-beruflich-selbststaendig-machen/, 13.5.2014.

5 Friebe, Holm; Lobo, Sascha: Wir nennen es Arbeit. Die digtale Bohème oder Intelligentes Leben jenseits der Festanstellung. München 2006, S. 15.

6 https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesamtwirtschaftUmwelt/Arbeitsmarkt/Erwerbstaetigkeit/Erwerbstaetigkeit.html, 13.5.2014.

7 http://www.gallup.com/strategicconsulting/168164/pm-gallup-engagement-index-2013.aspx, 13.5.2014.

8 Statistik zu Selbständigenquoten im Ländervergleich des Statistischen Bundesamtes: https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/LaenderRegionen/Internationales/Thema/Tabellen/Basistabelle_Selbststaendigenquote.html, 13.5.2014.

9 Heckel, Margaret: Die Midlife-Boomer. Warum es nie spannender war, älter zu werden. Hamburg 2012.

I Alles eine Frage der GedankenBeratung, Coaching, Therapie

1 / Vom Topmanager zum Transformationstherapeuten

Wie Robert Betz jährlich Tausende aus den Tiefen führt, durch die er selbst gegangen ist

Als erfolgreicher Manager in einem amerikanischen Industriekonzern für Ladendiebstahl-Sicherung war er auf der Karriereleiter weit oben angekommen. Er war als »Vice President Marketing Europe« die rechte Hand vom Chef, hatte die Verantwortung für das europäische Marketing, gehörte zu den Topverdienern, fuhr einen schnittigen Dienstwagen und arbeitete täglich bis spät in die Nacht. Seine Erfolge motivierten ihn zu Höchstleistungen, und so steckte er seine ganze Energie in die Arbeit. Er war jung, wollte zeigen, was in ihm steckte, und beweisen, dass er das Geld wert war, das er verdiente. Ein Leben im Rausch von Endorphinen und Adrenalin. Doch auf dem Höhepunkt seiner Karriere setzten plötzlich nächtliche Panikattacken ein. Mitten in der Nacht wachte er schweißgebadet auf und fühlte sich von Ohnmachtsgefühlen wie gelähmt. Er war neununddreißig und fühlte sich dem über die Jahre gewachsenen Druck in seiner Firma mit einem Mal nicht mehr gewachsen. Was macht man als erfolgreicher Manager in einer Situation, auf die man nicht vorbereitet ist? Robert Betz tat einen beinahe unvorstellbar radikalen Schritt.

Wie alles anfing

Nach seiner Ausbildung als Industriekaufmann hatte Robert Betz ein Studium als Diplompsychologe abgeschlossen. Schon während seines Studiums jobbte er im Bereich Marketing und arbeitete anschließend einige Jahre in PR-Agenturen. Nach dem Wechsel in das amerikanische Industrieunternehmen im Jahr 1986 ging seine Karriere steil nach oben. Er führte ein Leben, das ihm damals normal erschien. Bei seinen Kollegen war er beliebt, denn mit seinem Interesse am Menschen gehörte er zu denjenigen, die genauer hinschauten und auch einmal hinter die Fassaden blickten. Sein ausgeprägtes Interesse am Menschen und an den Zusammenhängen menschlichen Handelns konnte er jedoch in seiner Funktion nur bedingt ausleben.

Und so verwundert es nicht, dass jemand wie Robert Betz, mit der Vitalität und Leidenschaft, mit der er heute wirkt, als Manager in einer Diebstahlschutz-Sparte irgendwann an den Punkt kam, an dem er den Eindruck hatte, nicht mehr im richtigen Film zu sein. Fast drei Jahre führte er mit eiserner Selbstdisziplin eine Doppelexistenz: Tagsüber funktionierte er, so dass ihm niemand etwas anmerkte, nachts stand er innerlich am Abgrund. All das theoretisch erworbene psychologische Wissen nutzte ihm in seiner Situation wenig. So suchte er professionelle Hilfe bei einem Psychoanalytiker, der ihm jedoch auch nicht weiterhelfen konnte. Panikattacken und Ohnmachtsgefühle blieben und führten bis zu Selbstmordgedanken.

Im Jahr 1995, mit 42 Jahren, beschloss er, eine vierwöchige Auszeit in der Natur zu nehmen, und wusste damals noch nicht, wie schicksalhaft diese Entscheidung für sein weiteres Leben werden würde. Vor seiner Abreise hatte ihm ein Journalist vom Handelsblatt ein Buch über Reinkarnation in die Hand gedrückt, das er im Reisegepäck hatte. So zog sich Betz in die Eifel zum Wandern zurück. Bei den Wanderungen kam er wieder zu sich, und ihm wurde klar, was er vorher nicht wahrhaben wollte: dass er kündigen musste, und zwar so schnell wie möglich, egal wie es weitergehen würde.

In der Natur hörte er nicht nur die Stimmen der Vögel, sondern endlich auch wieder die eigene innere Stimme. Er spürte, dass das Leben noch etwas anderes mit ihm vorhatte, als einen Industriekonzern erfolgreich zu managen und fand in der Natur den Mut, daran zu glauben, dass er seinen neuen Weg – auch ohne konkrete Ziele oder Businessplan – schon finden würde, wenn er sich nur auf den Weg machte. Und das tat er. Die Lektüre des Buches über Reinkarnation tat ein Übriges, denn sie berührte etwas, das bereits in ihm schlummerte. Und so führten die bei der Wanderung getroffenen Entscheidungen dazu, dass Betz seine scheinbar sichere Existenz in Düsseldorf aufgab, sich von seiner Frau trennte und nach München zog. Radikaler kann man sein Leben kaum von einem Tag auf den anderen umkrempeln. In München besuchte er Therapiesitzungen, meditierte und beschloss, angeregt durch seine Reiselektüre, eine Ausbildung als Reinkarnationstherapeut zu beginnen.

Vom BMW zurück aufs Fahrrad

Betz hatte den Mut, noch einmal von vorn anzufangen, vom BMW aufs Fahrrad umzusteigen, die Rolle des Managers aufzugeben und die Ausbildung als Reinkarnationstherapeut zu wagen. Mit dem Fahrrad radelte er durch die Stadt, um für seine ersten Vorträge die Plakate selbst aufzuhängen. Es dauerte kein Jahr, bis seine Vorträge zu Themen wie »Mich selbst lieben lernen«, »Pinke, Kohle, Mäuse« oder »Lebe dein Leben, sei du selbst« ausgebucht waren. Und so suchte er größere Veranstaltungsorte. Auf die Vorträge in Fachbuchhandlungen folgten Vorträge in immer größeren Sälen in ganz Deutschland. Seine saloppe Einladung »Bring nächstes Mal Freunde mit, wenn es dir gefallen hat« blieb nicht folgenlos. Die Zuhörer kamen in immer größeren Scharen, und sein Traum, einmal vor tausend Leuten zu sprechen, ging in Erfüllung.

Damals hatte er noch keine Ahnung von der Esoterikszene, spürte aber, dass er dorthin musste, um bekannt zu werden. Denn wenn sich irgendwo jemand für Reinkarnation interessieren würde, dann dort. So ließ er eine Broschüre drucken und besuchte die ersten Esoterikmessen. Um einen Vortrag halten zu dürfen, musste er damals noch einen Stand mieten und über 1000 Mark pro Messe investieren. Heute freuen sich Messeveranstalter, wenn sie ihn als Publikumsmagneten gewinnen können. Egal ob kleines oder großes Publikum, bei Vorträgen ist Betz in seinem Element. Das spüren die Zuhörer rasch. Und er gibt den nach Orientierung Suchenden, was sie brauchen – eine neue Einstellung zu ihrem Leben.

In Kontakt mit anderen Sphären

Das Selbstverständnis, mit dem der bodenständig wirkende, humorvolle, charismatische Betz von geistigen Welten spricht, zeigt, dass die Beschäftigung mit der Esoterikszene für ihn nicht folgenlos blieb. Er spricht über seine Verbindung zu seinem geistigen Bruder Philippo, als würde er über einen leiblichen Bruder sprechen, der ihm durch die Stimme

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