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Die Vorarlberger Burgen

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Die Vorarlberger Burgen

Länge:
376 Seiten
2 Stunden
Freigegeben:
13. Jan. 2017
ISBN:
9783703009259
Format:
Buch

Beschreibung

Burgenkarges Land Vorarlberg?
Vorarlberg gilt als "burgenkarges" Gebiet. 32 Objekte können sicher nachgewiesen werden, nur mehr vier werden in Teilen ihres ursprünglichen Bestands bewohnt bzw. bewirtschaftet. Dennoch lohnt sich ein Blick auf die Vorarlberger Burgenlandschaft und die regionale Adelsgeschichte, der sie ihre Ausformung verdankt. Burgen als für das Mittelalter charakteristische Repräsentations-, Wehr- und Wohnbauten wurden dort errichtet, wo es galt, Herrschaftspräsenz zu zeigen, vor allem in Gebieten, die eine Gemengelage an Gütern und Rechten rivalisierender Herrschaftsträger aufwiesen.
Der mit Farbbildern, Karten und Plänen reich illustrierte Band bietet - vorrangig aus der Sicht des Historikers - eine Zusammenstellung aller dieser Bauwerke auf Vorarlberger Boden, ihrer Geschichte und ihrer adeligen Bewohner. Er ergänzt damit auch Alois Niederstätters unlängst erschienenes Buch "Vorarlberg im Mittelalter".

Behandelte Burgen:
Bludenz: Burg Bludenz; Bregenz: Burg Bregenz, "Großes Haus" (Stadtburg); Bürs: Burg Bürs (heute "Rosenegg"), "Balme" Hohlenegg (später "Rosenberg"); Dalaas: Namenlose Anlage im Wald a. A.; Dornbirn: Feste Dornbirn ("Oberdorfer Turm"); Eichenberg: Ruggburg; Feldkirch: abgegangene Burg am Blasenberg, Schattenburg (vormals "Schloss Feldkirch"), Burg Tosters; Frastanz: Burg Frastanz (heute "Frastafeders"); Fußach: Burg Fußach; Göfis: Heidenburg, Burg Siegberg; Götzis: Burg Neu-Montfort; Hohenems: Burg Alt-Ems, Burg Glopper; Hohenweiler: Burg Neu-Schönstein; Koblach: Neuburg; Lauterach: Feste Lauterach; Lochau: Burg Hofen, Burg Lochen (heute "Alt-Hofen"); Möggers: Burg Alt-Schönstein; Nenzing: Burg Welsch-Ramschwag; Nüziders: Burg Sonnenberg (vormals "Nüziders"); Satteins: Burg "Schwarzenhorn"; Schlins: Burg Jagdberg; Thüringerberg: Burg Blumenegg; Weiler: Burg Alt-Montfort; Wolfurt: Burg Oberfeld, Burg Wolfurt.
Freigegeben:
13. Jan. 2017
ISBN:
9783703009259
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Die Vorarlberger Burgen - Alois Niederstätter

Vorwort

Angesichts der freundlichen Aufnahme, die mein 2014 erschienenes Buch »Vorarlberg im Mittelalter« fand, nahm ich die Anregung gerne auf, es durch einen knappen, für ein breites Publikum bestimmten Katalog der hiesigen Burgen zu ergänzen. Ob erhalten oder als Ruinen werden sie ja zu jenen Relikten gezählt, die diese Epoche am unmittelbarsten repräsentieren. Vorrangig sollte aus der Sicht des Historikers Bilanz gezogen, also vorgestellt werden, was die schriftliche Überlieferung über diese Bauwerke und ihren Adel berichtet.

Dass es dieses Unterfangen an mancher Stelle notwendig machte, den Quellenbefund vom Ballast über lange Frist tradierter Irrtümer und spekulativer Argumentation zu befreien, soll und kann die Verdienste vorangegangener Forschergenerationen nicht schmälern.

Die Geschichte einer mehr oder weniger systematischen Beschäftigung mit der regionalen Burgenlandschaft beginnt bereits mit den Nachrichten, die Johann Georg Schleh (1581 – nach 1645) in seiner 1616 erschienen, als »Emser Chronik« bekannten »Hystorischen Relation« bietet. 1788 versah der Kapuzinerpater Anicet (Joseph Anton Riedinger, 1740 – 1818) seine »Topographische Beschreibung von Vorarlberg und dem Rheinthale« nicht nur mit Darstellungen von Burgruinen, sondern auch mit phantasievollen Rekonstruktionen abgegangener Anlagen. Wenig bekannte Ansichten des Bestandes um 1830 stammen von der Tiroler Zeichnerin und Schriftstellerin Johanna Isser von Gaudententhurn (geb. Großrubatscher, 1802 – 1880). Nach jahrelangen Recherchen hatte der Priester Franz Josef Weizenegger (1784 – 1822) eine Materialsammlung zusammengetragen, die der Präfekt des Feldkircher Gymnasiums, Meinrad Merkle (1781 – 1845), 1839 ergänzt und überarbeitet unter dem Titel »Vorarlberg« in drei Bänden herausgab. Was sich hier und in der wenig später erschienenen Beschreibung Tirols und Vorarlbergs von Johann Jakob Staffler (1783 – 1868) an Burgenkundlichem findet, klingt im lokalen Bereich teils bis heute nach. Ähnliches gilt auch für die Quelleneditionen und die historischen Arbeiten des in Wien wirkenden gebürtigen Hittisauers Joseph von Bergmann (1796 – 1872). Einen Höhepunkt erlebte die Vorarlberger Mittelalterforschung im ausgehenden 19. und in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts – nicht zuletzt durch den Wettstreit zwischen liberalen und katholischkonservativen Historikern. Die moderne, positivistisch ausgerichtete akademische Forschung liberalen Zuschnitts repräsentierten die Gymnasiallehrer Hermann Sander (1840 – 1919) und Josef Zösmair (1845 – 1928). Auf den wesentlich jüngeren Adolf Helbok (1883 – 1968) gehen neben den – bedauerlicherweise nie fortgesetzten – »Regesten von Vorarlberg und Liechtenstein bis zum Jahr 1260« auch wichtige adelsgeschichtliche Studien zurück. Ihre Konkurrenten kamen großteils aus der Geistlichkeit. Zu nennen sind Pfarrer Josef Grabherr (1856 – 1921), der sich vor allem mit dem Walgauer Adel und seinen Burgen beschäftigte, und vor allem der Priester und Kirchenarchivar Andreas Ulmer (1880 – 1953). Sein 1925 erschienenes, 1978 nachgedrucktes Buch »Die Burgen und Edelsitze Vorarlbergs und Liechtensteins« wurde für viele Jahrzehnte zum ebenso häufig herangezogenen wie ausgebeuteten Standardwerk.

Den Kenntnisstand teils spektakulär verbessernde Ergebnisse liefern nunmehr auch andere Wissenschaftszweige: Der Archäologie kann die Entscheidung vorbehalten sein, ob weitgehend abgegangene Anlagen überhaupt als mittelalterliche Burgen anzusprechen sind. Sie legt verborgene Strukturen frei und birgt Artefakte, die zur Altersbestimmung dienen oder Hinweise auf die damaligen Lebensverhältnisse geben können. Einschlägige Grabungen unternahmen in der jüngeren Vergangenheit etwa Dr. Wilhelm Sydow, Mag. Gerhard Grabher, Mag. Karsten Wink, Mag.a Christina Kaufer und Mag.a Maria Bader; mit dem Fundgut befasste sich Mag.a Anja Rhomberg. Dazu gesellen sich Bauforschung und Dendrochronologie, die nicht nur erstaunlich präzise Datierungen liefern, sondern selbst anhand bescheidener Reste die nicht selten komplizierte Baugeschichte entschlüsseln helfen. Die Geologie schließlich liefert Aussagen über die Herkunft des Baumaterials. Die von diesen Disziplinen gewonnenen und publizierten Erkenntnisse können im Rahmen dieses Buches selbstverständlich nur referiert werden. Erarbeitet haben sie die Bauforscher Dr. Martin Bitschnau – einer der Pioniere dieser Disziplin –, Dr. Gerhard Seebach † und Dipl.-Ing. Raimund Rhomberg, der Dendrochronologe Dr. Klaus Pfeifer und der Geologe Dr. J. Georg Friebe. Als engagierter Vertreter einer zeitgemäßen, gerade auch den Burgen geltenden Denkmalpflege ist Mag. Georg Mack, der stellvertretende Leiter der Abteilung für Vorarlberg des Bundesdenkmalamts (Landeskonservatorat für Vorarlberg), zu nennen. Mit ihren Forschungen, durch Gespräche und Hinweise sowie durch die Beistellung von Plan- und Bildmaterial trugen sie zum Entstehen dieser Übersicht bei. Dafür sei ihnen herzlich gedankt.

Zu würdigen ist insbesondere auch Franz Josef Huber. Über Jahrzehnte als Obmann des Burgenausschusses des Vorarlberger Landesmuseumsvereins wie kaum ein Zweiter in die Materie eingearbeitet, brachte er durch Vorträge, Führungen sowie Veröffentlichungen die Vorarlberger Burgenlandschaft unzähligen Menschen näher und setzte sich mit großem Erfolg für den Erhalt gefährdeter Objekte ein.

Zu Dank verpflichtet bin ich meinem Kollegen Universitätsdozent Dr. Manfred Tschaikner (Vorarlberger Landesarchiv) für die kritische Durchsicht des Manuskripts, dem Universitätsverlag Wagner, namentlich Frau Mag.a Sandra Gründhammer, für die wie immer höchst professionelle Betreuung sowie dem Land Vorarlberg, das einen finanziellen Beitrag zur Drucklegung des Buchs gewährte.

Inhalt

Einleitung

Was sind Burgen?

Regionale Herrschaftsverhältnisse und der Ausbau der Burgenlandschaft

Zum Burgenbau in Vorarlberg

Burgnamen

Ausstattung

Katalog der Burgen

Bludenz

Burg Bludenz

Bregenz

Burg Bregenz

Das »große Haus« Stadtburg

Bürs

Burg Bürs heute : »Rosenegg«

»Balme« Hohlenegg später: »Rosenberg«

Dalaas

Namenlose Anlage in Wald am Arlberg

Dornbirn

Feste Dornbirn »Oberdorfer Turm«

Eichenberg

Ruggburg

Feldkirch

Die abgegangene Burg am Blasenberg

Schattenburg vormals : Schloss Feldkirch

Burg Tosters

Frastanz

Burg Frastanz heute: Frastafeders

Fußach

Burg Fußach

Göfis

»Heidenburg«

Burg Siegberg

Götzis

Burg Neu-Montfort

Hohenems

Burg Alt-Ems

Burg Glopper

Hohenweiler

Burg Neu-Schönstein

Koblach

Neuburg

Lauterach

Feste Lauterach

Lochau

Burg Hofen

Burg Lochen heute : »Alt-Hofen«

Möggers

Burg Alt-Schönstein

Nenzing

Burg Welsch-Ramschwag

Nüziders

Burg Sonnenberg vormals : Nüziders

Satteins

Burg »Schwarzenhorn«

Schlins

Burg Jagdberg

Thüringerberg

Burg Blumenegg

Weiler

Burg Alt-Montfort

Wolfurt

Burg Oberfeld

Burg Wolfurt

Offene Fragen, nicht gesicherte Anlagen und historische Fiktionen

Das urbs -Muntefort -Problem

»Horwa«

»Kujen« und »Knüwen«

»Lorünser-« oder »Diebs-Schlössle«

»Schloss Montafon«

Mühlebach Dornbirn

Niedegg Bregenz später: Riedenburg

Rankweil

Schwarzach

Valkastiel

Anhang

Bildnachweis

Verzeichnis der gedruckten Quellen und der Literatur

Orts- und Personenregister

*Die Abkürzung VLA steht im gesamten Buch für Vorarlberger Landesarchiv.

Geschützrondell im Süden der Neuburg, um 1500.

Einleitung

Was sind Burgen ?

Genau zu bestimmen, was unter dem Begriff »Burg« und den im Mittelalter dafür verwendeten Varianten (u. a. Feste, festes Haus, Schloss, castrum, castellum) zu verstehen ist, fiel schon den Zeitgenossen nicht leicht und beschäftigt die einschlägige Forschung seit Generationen.[¹]

Es handelte sich jedenfalls um multifunktionale Objekte: Sie waren Wohnsitze (adeliger) Personen oder Familien bzw. herrschaftlicher Amtsträger, boten durch bestimmte Arten der Befestigung einen gewissen Schutz und fungierten als Zentren auf sie bezogener Rechte und damit als Mittelpunkte für die Ausübung verschiedener Formen von Herrschaft. Die moderne Burgenforschung betont ihre Funktion als Ausdruck adeligen Selbstverständnisses, als repräsentative, nicht selten geradezu protzige Symbole der Macht und relativiert den früher betonten militärischen Aspekt: »[…] die Vorstellung, von einer Burg aus habe man eine in der Nähe vorbeiführende Durchgangsachse, etwa eine Paßroute, militärisch ›beherrscht‹ oder ›gesperrt‹, ist in den meisten Fällen aus der Luft gegriffen, da für derartige Aufgaben weder Bewaffnung noch Besatzung ausgereicht hätten«.[²] Die Beobachtung, dass von mindestens zwanzig aus den mittelalterlichen Quellen erschließbaren, gegen Vorarlberger Burgen gerichteten Kriegshandlungen nur ein Unternehmen misslang, fügt sich in dieses Bild.

Weil das Spektrum von einfachen Türmen bis zu weit ausgedehnten, überaus komplexen Anlagen reicht, Burgen an entlegener, exponierter Stelle ebenso errichtet wurden wie in der Ebene, weil Topographie, technischer Fortschritt, Modeströmungen, regionale Ansprüche oder die zur Verfügung stehenden Materialien unzählige Varianten hervorbrachten und mit »Burg« auch rechtliche Aspekte verknüpft waren, entwickelte die Burgenkunde zahlreiche Fachbegriffe, auf deren Verwendung im Folgenden weitgehend verzichtet wird.[³]

Das mittelalterliche Burgenwesen entstand im Gefolge der seit der Wende vom 10. zum 11. Jahrhundert rasch voranschreitenden Feudalisierung der Gesellschaft. Auf Vorarlberger Boden wurden die ältesten Objekte vor der Mitte des 12. Jahrhunderts errichtet, die letzten Neubauten etwa 200 Jahre später – also noch vor dem Ende des Mittelalters.

Für die Verwaltung, für obrigkeitliche bzw. persönliche oder familiäre Repräsentationsbedürfnisse nutzbare Burgen wurden freilich noch über lange Zeit instand gehalten und immer wieder adaptiert, einige wenige auch zu frühneuzeitlichen Festungen ausgebaut.

Regionale Herrschaftsverhältnisse und der Ausbau der Burgenlandschaft

Vorarlberg gilt als »burgenkarges« Gebiet.[⁴] Tatsächlich lassen sich innerhalb der modernen Landesgrenzen gerade einmal 32 Objekte sicher nachweisen, von denen heute nur mehr vier nach teils massiven baulichen Eingriffen und Veränderungen bewohnt bzw. bewirtschaftet werden. Auf je 100 km² Landesfläche trifft es im Durchschnitt etwa 1,2 Burgen.[⁵] Da aber weite Teile Vorarlbergs – der Bregenzerwald, der Tannberg, die beiden Walsertäler und das Montafon – offenbar burgenlos sind, ergibt sich für die anderen Landesteile eine deutlich höhere Dichte. Allein der Walgau zählt auf einer Strecke von etwa 20 Kilometern elf Anlagen. Ähnlich verhält es sich im Rhein- und im Leiblachtal.

Burgen wurden primär dort errichtet, wo es galt, Herrschaftspräsenz zu zeigen, vor allem in Gebieten, die eine Gemengelage an Gütern und Rechten verschiedener Machtträger aufwiesen. Auch die zahlreichen Erbteilungen der Dynastengeschlechter ließen neue Anlagen entstehen. Um die Ausformung der Vorarlberger Burgenlandschaft zu verstehen, ist also ein Blick auf die regionale Herrschaftsgeschichte hilfreich.

Seit etwa 800 dominierten nördlich wie südlich des Bodensees bis ins heutige Graubünden Angehörige eines Geschlechts, das nach dem häufigsten Namen als »Udalrichinger« oder »Ulriche« bezeichnet wird. [⁶] Es geht auf den 778 erstmals erwähnten Ulrich I., einen Bruder Hildegards, der dritten Frau Kaiser Karls des Großen, zurück. Meist führten sie den Titel »Graf« (lateinisch comes), der zunächst noch nicht Adelsprädikat, sondern Amtsbezeichnung war. In einem oder mehreren Sprengeln, den »Grafschaften«, hatten sie Friede und Recht zu wahren, Gericht zu halten, den Heerbann aufzubieten und unter Umständen auch das Königsgut zu verwalten.

Ein Udalrichinger war auch jener Ulrich, von dem es heißt, er habe um 920 seinen Hauptsitz von Buchhorn (heute Friedrichshafen) nach Bregenz verlegt. [⁷] Ausdrücklich als Grafen »von Bregenz« bezeichneten sich freilich erst seine Nachkommen: 1043 Ulrich VIII. bzw. 1095 Ulrich IX.[⁸] Diesen Namen bezogen sie von der erstmals bereits 801/802 urkundlich erwähnten[⁹] Pfalz in der Bregenzer Oberstadt. 1079 habe sie der Abt von St. Gallen von seiner zwei Jahre zuvor errichteten, gemeinhin in Heerbrugg (Kanton St. Gallen) lokalisierten Hêrburch aus eingenommen und niedergebrannt.[¹⁰]

Burgen im Sinn des Hochmittelalters errichteten die Grafen von Bregenz nach derzeitigem Wissensstand weder im nachmaligen Vorarlberg noch in den anderen von ihnen kontrollierten Gebieten (→ Das urbs-Muntefort-Problem). Die beiden ältesten gehen vielmehr auf Welf VI. (1115 – 1191), Markgraf von Tuszien und Sohn des Bayernherzogs Heinrich des Schwarzen,[¹¹] zurück: die Neuburg bei Koblach und die Burg Ems (später Alt-Ems) oberhalb von Hohenems, beide noch vor der Mitte des 12. Jahrhunderts erbaut und mit seinen Dienstmannen, den Herren von Neuburg und denen von Ems, besetzt. Sowohl in Schwaben wie in Italien begütert, war Welfs Interesse an festen Positionen im Alpenrheintal groß.[¹²] Welfischen Ursprungs dürfte auch die Burg Neu-Schellenberg (nicht Alt-, sondern Neu-Schellenberg ist die ältere der beiden Anlagen) in der Liechtensteiner Nachbarschaft sein.[¹³]

Herzog Welf VI. vermachte seinen Besitz Kaiser Friedrich Barbarossa. Spätestens mit seinem Tod im Jahr 1191 fielen daher die Neuburg und Alt-Ems samt den auf ihnen ansässigen Dienstmannen an die Staufer. Zu den staufischen Positionen gehörte auch eine vollständig verschwundene Burg am Blasenberg oberhalb von Feldkirch-Heiligkreuz, die gleichfalls in der Hand der Herren von Neuburg war.

Über jene schmale adelige Oberschicht, die sich damals durch das Führen des Titels nobilis (»edelfrei«) [¹⁴] abhob und gleichfalls Burgen errichtete, wissen die Vorarlberger Quellen nichts zu berichten. Allenfalls die um die Mitte des 12. Jahrhunderts entstandene »Heidenburg« oberhalb von Göfis könnte als Sitz eines Edelfreien konzipiert gewesen sein. Wir kennen aber weder ihren ursprünglichen Namen noch den Erbauer bzw. Inhaber.

Vor 1152 starb Rudolf als letzter männlicher Spross des Bregenzer Grafenhauses. Das Erbe teilten sich sein Schwiegersohn, Pfalzgraf Hugo von Tübingen, und Graf Rudolf von Pfullendorf, [¹⁵] der einer anderen Linie der Udalrichinger entstammte und zudem über seine Mutter ein Neffe des letzten Bregenzers war. Hugo von Tübingen erhielt die Grafenrechte und den Hausbesitz im südlichen Vorarlberg und in Teilen Graubündens, Rudolf von Pfullendorf die Besitzungen um Bregenz.

Stammtafel: Die letzten Grafen von Bregenz.

Die Abwicklung der Bregenzer Erbschaft hinterließ eine tiefgreifende Missstimmung, die sich 1164 in der »Tübinger Fehde«, einem großen, weite Teile Schwabens erschütternden Krieg, entlud.[¹⁶] Nachdem aus den Kämpfen kein klarer Sieger hervorgegangen war, musste sich Hugo von Tübingen auf Anordnung Kaiser Friedrich Barbarossas 1166 unterwerfen und wurde, da Welf VI. und sein Sohn Welf VII. auf der Seite des Pfullendorfers standen, auf der Neuburg in Gewahrsam genommen. Der Tod Welfs VII. im kaiserlichen Heer bei Rom beendete im folgenden Jahr Hugos Gefangenschaft. Weil auch der einzige Sohn Rudolfs von Pfullendorf in Italien gestorben war, übertrug dieser seinen Besitz dem Reichsoberhaupt, wobei zumindest Teile des Bregenzer Erbes entweder direkt oder über den Kaiser an Hugo gelangten.

Den Pfalzgrafen von Tübingen († 1182) überlebten seine Frau Elisabeth, die letzte Bregenzer Gräfin, sowie zwei Söhne, der ältere Rudolf und der jüngere Hugo. Auf Rudolf ging der Pfalzgrafen-Titel über,[¹⁷] während Hugo um 1188/90 ohne eigenen Titel mit dem Bruder gemeinsam aufscheint,[¹⁸] dann aber für etwa zwei Jahrzehnte gänzlich aus den Quellen verschwindet. Erst um 1208/09 taucht er als »Graf von Montfort« (de Munfort, de Monteforti bzw. Montiffortis) wieder auf. [¹⁹] Aus dem Jahr 1214 stammt schließlich die erste Urkunde,[²⁰] in der er sich selbst so nannte. Sein daran befestigtes Siegel trägt jedoch die Umschrift: Comes Hugo Prigantinus – Graf Hugo von Bregenz bzw. wörtlich: Hugo, bregenzischer Graf. [²¹]

Mit der Teilung des Erbes – sie wurde 1209 als längere Zeit zurückliegend bezeichnet – gründete Hugo eine jüngere Linie der Pfalzgrafen von Tübingen, deren Fahnenwappen er übernahm. Seinen Namen bezog er aber von der wohl in seinem Auftrag kurz zuvor oberhalb von Weiler als neuem Herrschaftsmittelpunkt errichteten Burg Montfort (heute: Alt-Montfort). Etwa zur selben Zeit gründete Hugo die Stadt Feldkirch.

Der Bregenzer Grafentitel spielte in dieser Konzeption nur mehr eine nachgeordnete Rolle zur Kennzeichnung der Abkunft sowie zum Aufrechterhalten von Ansprüchen. Angesichts der starken Position der Staufer als Erben Rudolfs von Pfullendorf bot Bregenz in herrschaftlicher Hinsicht vorläufig nur geringe Möglichkeiten. Außerdem war dort noch sein Bruder Rudolf begütert.[²²] Somit bleibt auch der Kontext, der wohl in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts zur Errichtung der Burg Bregenz am Gebhardsberg führte, offen. Als Bauherren kommen, wenn man noch ins späte 12. Jahrhundert ausgreifen will, Pfalzgraf Hugo von Tübingen, sein Sohn Rudolf, dann aber auch die Staufer bzw. Hugo I. und sein Sohn Hugo II. von Montfort in Betracht.

Die Anfänge des Hauses Montfort.

Um Herrschaft in einem größeren Rahmen ausüben und gegebenenfalls eine Streitmacht aufbieten zu können, bedurften Machthaber jeglicher Art – Kaiser und Könige, Herzöge, regionale Dynastengeschlechter, aber auch Bischöfe und Äbte – eines Kreises zwar adeliger, hinsichtlich ihrer persönlichen Freizügigkeit aber bis ins spätere Mittelalter eingeschränkter Dienstmannen (Ministerialen). Manche von ihnen wurden mit Burgen ausgestattet oder errichteten sich selbst solche. Auf jene, die im Auftrag der Welfen die Neuburg und die Burg Ems (Alt-Ems) innehatten, wurde bereits hingewiesen. Einer etwas jüngeren, bald nach 1200 anzusetzenden Schicht von Ministerialensitzen gehören die Burg Wolfurt, deren Inhaber zunächst vielleicht staufische Dienstmannen waren, und die St. Galler Anlage Alt-Schönstein (Möggers) an, die dem umfangreichen Klosterbesitz im Leiblachtal als Zentrum diente. Noch in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts dürften Lochen (heute »Alt-Hofen«, Lochau) und »Schwarzenhorn« (Satteins) gefolgt sein.

Wann genau Hugo I. von Montfort starb, ist

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