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Emerenz Meier in Chicago: Auswanderung und Leben ihrer Familie in Amerika
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eBook209 Seiten1 Stunde

Emerenz Meier in Chicago: Auswanderung und Leben ihrer Familie in Amerika

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Über dieses E-Book

Emerenz Meier, die Dichterin aus dem Bayerischen Wald ist in den in den letzten Jahren wiederentdeckt und im ersten Auswanderungsmuseum Bayerns umfassend dargestellt geworden. Die bisherige vita incognita ihrer Biographie, ihr Leben und das ihrer Familie in Chicago, wird hier erstmals anhand neuester Forschung und intensiver Kontakte zu den heutigen Nachfahren beleuchtet.
Der Aufbruch der Emerenz aus dem 300-Seelen-Dorf im Bayerischen Wald, ihre Überfahrt über den Atlantik, die umfangreichen Einreiseformalitäten, ihre Ankunft in der Fremde, aber doch im Familienverband des bayerwaldlerischen Viertels in Chicago, ihr Leben mit und gegen die Familie sowie ihre Haltung zu Wirtschaft, Politik und Literatur werden mit ihren Briefen aus Amerika veranschaulicht und anhand bisher unbekannter amerikanischer Dokumente und zahlreicher Abbildungen lebendig illustriert.
SpracheDeutsch
Erscheinungsdatum11. Jan. 2017
ISBN9783942509800
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    Buchvorschau

    Emerenz Meier in Chicago - Friedemann Fegert

    Abbildungsnachweis

    Die „Wirtssenz: „narrische Vers’lmacherei

    Emerenz Meier wird am 3. Oktober 1874 in Schiefweg am „Goldenen Steig" (Fegert 1991, 1995, 1997), dem mittelalterlichen Handelsweg nach Böhmen, in eine bäuerliche Welt hineingeboren. Als Tochter des Landwirts, Vieh- und Güterhändlers Josef Meier lernt sie früh, in der Landwirtschaft mit anzupacken.

    DORFKERN VON SCHIEFWEG IM 19. JAHRHUNDERT (Archiv Fegert).

    Direkt an der Kreuzung der Dorfstraßen liegt das Elternhaus der Emerenz. Der im 17. Jahrhundert in einem Erbrechtsbrief genannte „Fuchsenhof wird 1835 bei einem Konkurs „zertrümmert. Nach fünfmaligem Besitzerwechsel hat dann 1866 Josef Meier aus Manzenberg, der Vater der Emerenz, den „Restkomplex", also den Gasthof mit einem kleinen Scheunenteil, gekauft.

    Der Herausgeber von Emerenz Meiers einziger Buchveröffentlichung zu ihren Lebzeiten im Jahre 1897, der Preßburger Oberrealschul-Professor für deutsche Sprache und Literatur Karl (Franz Joseph Weiß-) Schrattenthal, gibt einen wichtigen Hinweis auf die Impulse, die Emerenz durch ihre älteste Schwester Petronella erfahren hat. Dies ist umso bemerkenswerter, da Petronella auch für Emerenz‘ Auswanderung und ihr Leben in Amerika eine Rolle spielen wird.

    GEBURTSHAUS DER EMERENZ MEIER IN SCHIEFWEG UM 1890 (StA Waldkirchen).

    Das Wirtshaus direkt an der Straßenkreuzung war das Kommunikationszentrum im Dorf.

    „Von den Geschwistern, deren fünf am Leben sind, war Petronella die älteste und mußte schon mit fünfzehn Jahren die Stelle der Magd vertreten. Sie war ein ungewöhnlich gescheidtes und energisches Mädchen und wußte sich die Herrschaft über die jüngeren bald zu sichern; sie war es auch, welche den Bildungsgang unserer Emerenz am allermeisten beeinflußte. Die Leidenschaft zum Lesen und zum Schriftstellern schien ihr ebenso angeboren wie der jüngeren Emerenz, nur mit dem Unterschiede, daß sie nicht den Mut hatte derselben zu fröhnen. Sie durchstöberte die halbe Pfarrei nach Büchern aller Art und las ganze Nächte hindurch. Und weil sie es that, that es Emerenz auch. So kam es, daß letztere mit zehn Jahren schon Werke von Schiller und Goethe und unzählige Romane, gute wie schlechte, gelesen hatte. In der Schule war sie die beste Schülerin, außer derselben mußte sie auf dem Felde arbeiten, als Kellnerin mithelfen oder Kühe und Gänse hüten. Letzteres war ihr die angenehmste Beschäftigung, da ihr dadurch Gelegenheit und Zeit wurde, ihrer Neigung zu fröhnen und in der freien Natur zu sein.

    Durch Petronella angeregt, die Geschichten in phrasenvollem Romanstile verfaßte, versuchte sie sich zuerst in kurzen Gedichten und dann in Bauerngeschichten. Das wurde allerdings insgeheim betrieben, denn die Eltern fanden es für nötig, diesem Beginnen zu steuern. Bei Emerenz war es zu spät, denn sie begann sich in ihrem Stande einsam, unbehaglich und unverstanden zu fühlen. Sie ließ sich’s allerdings vor den Leuten nicht merken, daß sie ‚lese und schreibe‘ und das nahmen die Landsleute übel. […] Vor drei Jahren sandte sie heimlich eine kurze Erzählung an die Redaktion der ‚Donau-Zeitung‘; sie wurde angenommen und honoriert. Bald darauf wurde ein Aufsatz über die ‚bäuerische Dichterin‘ in einem bayrischen Blatte veröffentlicht, Briefe von allen Seiten fanden den Weg in die Einsamkeit, ja sogar an Besuchern fehlte es nicht – mit einem Worte: alles geschah, um dem strebsamen Wäldler-Mädchen den Weg, der ihr durch Geburt und Erziehung vorgezeichnet war, als den nicht eben richtigen erscheinen zu lassen."

    (SCHRATTENTHAL 1897,VI F.)

    Schrattenthal weiß weiter zu berichten, Emerenz versorge „zehn Stück Rinder dreimal täglich und bearbeitet mit ihren drei noch im Hause anwesenden Geschwistern und einem Knecht zweiundfünfzig zum Hofe gehörende Tagwerk Felder und Wiesen und entspricht noch den Forderungen, die Haus und Herd an sie stellen."

    Andererseits weiß ihre Freundin Auguste Unertl zu berichten:

    „Das heranwachsende Mädchen mußte manch scharfen Tadel ihres Vaters über sich ergehen lassen, wenn er über die ‚narrische Verslmacherei‘ kam, die sie insgeheim betrieb. […] Sie verschlang nächtlicherweise alle möglichen Gattungen von Lektüre, die ihr nur irgend erreichbar waren. […] Sie schaffte mit neuerwachter Freude bei den Feld- und Waldarbeiten im Vaterhause mit, mit der stillen Hoffnung im Herzen, daß ein klingender Erfolg ihrer geistigen Arbeiten es ihr ermöglichen werde, daheim im geliebten Wald ihrem schriftstellerischen Talente leben zu können."

    (UNERTL 1924)

    Emerenz Meier lebt also in der Spannung, einerseits im Stall und auf dem Acker kräftig mitarbeiten zu sollen, andererseits mit dem inneren Drang, Verse und Gedichte zu schreiben. Doch ihr Vater hat dafür kein Verständnis.

    Unverbesserlich

    Der Vater verbot mir das Dichten,

    Das Mütterchen stimmte mit ein:

    Ich soll nach dem Stande mich richten,

    Die Bücher dem Backofen weih‘n.

    Wohl hab‘ ich es heilig versprochen,

    Zu tun, was ihr Wille gebeut,

    Das Wort hundertmal doch gebrochen,

    Das Schwören noch öfters bereut.

    Doch gestern, zu Tränen gerühret,

    Erneut‘ ich es nochmals bei Gott,

    Durch Bitten und Drohen verführet

    Und weiter durch peinlichen Spott.

    Ich ging in die dunkelste Kammer,

    Hielt über die Verse Gericht,

    Verfaßte dann in meinem Jammer

    Verstohlen dies Klagegedicht.

    Im Alter von 22 Jahren gelingt ihr mit dem „Juhschroa" eine tiefsinnig-tragische Geschichte aus dem Leben der einfachen Leute im Bayerischen Wald.

    ELTERNHAUS DER EMERENZ MEIER IN OBERNDORF UM 1920 (StA Waldkirchen).

    Im „Ihäusl (Hintergrund) hat Emerenz ihre Stube, in der sie ihre Geschichten schreibt, mit der Türaufschrift: „Zu Emerenz Meiers Zimmer. Zutritt verboten!

    Neben dem Alltagsgeschäft, der Bauernarbeit bzw. der Mitarbeit in der Gaststube, wird der „Wirtssenz das Schreiben zum Lebenssinn. Inzwischen sind Verse und kurze Erzählungen in Zeitungen und Volkskalendern abgedruckt worden. Nun ist der Vater sogar stolz auf ihre „G’schreibereien, wie ihre Freundin Auguste Unertl später berichtet (UNERTL 1924). Der junge Medizinstudent und angehende Literat Hans Carossa pilgert zu ihr in den Bayerischen Wald und im ostpreußischen Königsberg wird 1896 ihr erstes und einziges Buch „Aus dem bayrischen Wald" veröffentlicht.

    Da Emerenz inzwischen als Versl-Schreiberin bekannt geworden ist, wird sie anlässlich eines Besuchs auf Schloss Fürsteneck vom Eigentümer Wilhelm Fein geradewegs um ihren Eintrag in das Gästebuch gebeten.

    EINTRAG DER EMERENZ MEIER IN DAS GÄSTEBUCH SCHLOSS FÜRSTENECK, 1897 (Archiv Fegert).

    Die Dichterin ist sich trotz aller Bescheidenheit durchaus ihrer Bedeutung bewusst.

    „‘s is g’rad, damit i aa dasteh,

    Wann i a Versl mach‘,

    Weil i halt woaß: Mein Nam‘, dem folgt

    A liabe G’sellschaft nach."

    19. Aug. 1897

    Emerenz Meier v. Oberndorf.

    EMERENZ MEIER VOR IHREM GEBURTSHAUS IN SCHIEFWEG, 1898 (Reproduktion, Archiv Fegert).

    Da die „Senz zu dieser Zeit schon eine „gedruckte und damit bekannte Schriftstellerin ist, veröffentlicht der geschäftstüchtige Fotograf Alphons Adolph in Passau diese Postkarte, die dann auch Emerenz selbst verschickt.

    Nachdem der Vater Josef Meier im Jahre 1891 den Hof in Schiefweg seiner ältesten Tochter Petronella nach deren Heirat übergeben und sich ein Anwesen in Oberndorf gekauft hat, geht es auf dem Bauernhof dort immer schlechter. Der trunksüchtige Vater versucht der bäuerlichen Not mit spekulativen Handelsgeschäften Herr zu werden. Er muss aber schon 1897 sein Gewerbe als Güterhändler aufgeben wie auch den Viehhandel im Jahr 1901. Es kommt zur Katastrophe, als er schließlich im Jahr 1900 „abgehaust, also, seinen halben Anteil am Bauernhof in Oberndorf an seine Schwester verloren hat. Seine Schwester verkauft den gesamten Hof einschließlich dem „Ihäusl an die Brauerei Lang in Jandelsbrunn. Josef Meier ist nun bankrott und heimatlos. Emerenz kommt kurzzeitig bei den Unertls in Waldkirchen, danach als Mieterin in ihrer bisherigen Stube im Oberndorfer „Ihäusl und dann als Haushaltshilfe in Straßkirchen unter. Ihr Vater muss „im Alter noch Steineklopfen (EM2 = Emerenz Meier, Werke, Bd. 2, 11. Dezember 1923).

    Emerenz glaubt ihrerseits 1902, mit der Pacht der Wirtschaft „Koppenjäger" in Passau ihr Glück zu finden, indem sie daraus eine Künstlerkneipe machen will. Doch auch sie scheitert.

    EMERNZ MEIER MIT IHRER FAMILIE IN OBERNDORF IM HERBST 1905 (StA Waldkirchen).

    Emerenz Meier (rechts) mit ihrer Schwester Anna Gumminger (links) und den Eltern (sitzend), der Schwiegermutter der Schwester, Kreszenz Gumminger (hinten Mitte), sowie den zwei Kindern Joseph (3.8. 1900) und Johann Franz (23.1.1903) der Schwester. Annas Säugling Anna setzt man mit 11 Monaten noch nicht der frischen Luft aus. Annas Mann Joseph ist im Frühjahr schon nach Amerika vorausgereist.

    In diesen wirtschaftlich misslichen Verhältnissen keimt in der Familie Meier der Gedanke auf, nach Amerika auszuwandern. Dort kann es nur besser werden!

    Auswanderungslust

    In den Zeitungen, etwa der „Passauer Zeitung oder der „Freyunger Waldpost, konnte man immer wieder

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