Genießen Sie diesen Titel jetzt und Millionen mehr, in einer kostenlosen Testversion

Nur $9.99/Monat nach der Testversion. Jederzeit kündbar.

Vorschau lesen

Länge:
165 Seiten
2 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Jan 21, 2014
ISBN:
9783957770240
Format:
Buch

Beschreibung

Auf ihrer Flucht vor den Truppen des Majors kommen die Pilger immer näher an das zerstörte Köln. Sandra zieht sich immer weiter von der Gruppe zurück, denn dunkle Ahnungen von großen Verlusten ihrer kleinen Schar machen ihr zu schaffen.

Gleichzeitig ist auch die Armee des Majors weiter in Richtung Süden unterwegs. Jörg ist verblüfft, als der Major befiehlt, geradewegs nach Köln zu marschieren. Er muss den Befehlen des Totlebenden aber Folge leisten, um keinen Verdacht zu erregen. Der Major scheint mehr zu wissen, als er seinem Adjutanten sagen will und einen geheimen Plan zu verfolgen.

Als auch Patrick Stark und der ewige Wanderer Longinus mit ihrem Gefolge aus Untoten an die Stadtgrenzen kommen, glaubt Patrick seine wahre Bestimmung zu erkennen. Es scheint, als hätten unbekannte Kräfte die Toten und die Lebenden hier zusammengeführt, damit sie ihren letzten Kampf ausfechten können.

Es wäre die Schlacht um den sicheren Weg nach.
Eden
Herausgeber:
Freigegeben:
Jan 21, 2014
ISBN:
9783957770240
Format:
Buch

Über den Autor


Ähnlich wie Eden

Ähnliche Bücher

Buchvorschau

Eden - D. J. Franzen

Szene

Kapitel I

»Ahnungen«

Das ist jetzt das zwölfte kleine Notizbuch, in das ich jetzt schreibe. Meine Finger werden immer steifer und ungelenker. Bald sieht meine Sauklaue aus, wie die von Martin. Warum mache ich das überhaupt? Warum, zur Hölle, schleppe ich die Tagebücher mit mir herum und suche bei Gelegenheit nach weiteren und nach Stiften? Wenn ich ehrlich zu mir selber bin: Weil ich Angst habe. Ich habe Angst, dass ich irgendwann eines von diesen anderen Dingern werde. Vielleicht hält mich so etwas Menschliches, wie das Führen eines Tagebuchs ja davon ab.

»Totlebende benötigen keinen Schlaf im eigentlichen Sinn«, hat Steins zu mir gesagt. »Sie werden nur ab und zu in eine Art Trance fallen, die sich aber wie normale Müdigkeit ankündigt.« Bisher hat er recht gehabt. Aber warum habe ich dann seit einiger Zeit das Gefühl, ich sei ständig müde und kann trotzdem nicht schlafen oder in Trance fallen? Kann man als Totlebende überhaupt an Schlafmangel leiden? Ich weiß, dass Menschen mit Schlafmangel zu Halluzinationen neigen, wenn dieser Mangel dauerhaft oder wenigstens auf längere Zeit fortgesetzt wird. Und ich weiß, dass ich nicht begabt bin. Also habe ich definitiv keine Visionen wie die Heilige Jungfrau Johanna von Orleans! Sind es also Halluzinationen, die ich sehe? Manchmal, wenn ich die Augen schließe, sehe ich schreckliche Bilder. Zähne und Klauen, Blut und Eingeweide. Ich höre Schmerzensschreie und ich habe Angst. Angst um die Kinder. Es sind nicht meine, aber ich fühle mich für sie verantwortlich, so als wären sie mein Fleisch und Blut. In mir ist seit ein paar Tagen eine Unruhe, die ich mir nicht erklären kann. Wir kommen einfach zu langsam vorwärts, was sich auch auf die Stimmung der anderen legt. Wir bräuchten ein Flugzeug. Dann kämen wir schneller nach Süden, könnten uns ausruhen und wären weg vom Major und seiner Armee der neuen Ordnung. Marion kann fliegen. Jörg konnte auch fliegen. Aber er ist nicht hier und wir müssen eben sehen, wie wir zurechtkommen! Trotzdem frage ich mich, ob ich ihn je wiedersehen werde. Was mag er jetzt eigentlich tun? Wo ist er? Wie geht es ihm? Gott muss ein Sadist sein! Der erste Mann in meinem Leben, der ehrlich und zärtlich zu mir war, und dann wird er mir genommen. Ich sehne mich nach seinen Händen, seinen Augen und seiner Stimme. Er fehlt mir so sehr!♥♥♥

Im Moment gehen wir drei Schritte vorwärts und zwei zurück. Es ist zum Mäusemelken! Die Stimmung unter den anderen ist auch im Eimer. Ich habe das Gefühl, als würde sich über unseren Köpfen ein riesiger Eimer voll Jauche ansammeln. Ich glaube, ich sollte Martin bei Gelegenheit die Tagebücher, die er so hochtrabend Chroniken genannt hat, zurückzugeben. Vielleicht liest sie eines Tages jemand. Und ich werde das Gefühl nicht los, dass ich dann nicht mehr da sein werde. Aber vorher sollte ich sie noch schnell durchsehen. Muss nicht jeder alles von mir wissen, selbst wenn ich nicht mehr da bin.

Genug der kleine-Mädchen-Spielereien! Fehlt nur noch, dass ich Sticker mit Blümchen und Herzchen suchen gehe! Der Morgen dämmert. Wir müssen los. Ich muss die Kinder in Sicherheit bringen, und wenn ich dabei draufgehe!

Kapitel II

»Hunger«

»Mir geht dieses Lied einfach nicht aus dem Kopf.« Martin trat lustlos nach einer kleinen Schneewehe. »High Hopes. Große Hoffnungen. Was, wenn Eden auch nur eine große Hoffnung ist, die sich als Seifenblase entpuppt?«

Tom sah ratlos auf. Die beiden hatten die Wache bis zum Morgengrauen übernommen. Hinter ihnen standen die Humvees wie ein Wall Tür an Tür. Eine Wagenburg wäre einem schnellen Aufbruch hinderlich gewesen. Also hatte Sandra angeordnet, dass sie die Fahrzeuge in einer Reihe quer über die vierspurige Landstraße aufstellen sollten, auf der sie Rast machten.

»Das ist doch schon zwei Tage her, Martin«, sagte Tom. »In Wahrheit geht dir doch viel mehr durch den Kopf, oder?«

»Ja«, murmelte Martin verdrossen. »In Bonn, als ich bewusstlos war, da habe ich irgendwie ein … Tor? Ja, es war ein Tor. Ich habe es erschaffen. Dadurch konnte Stefan raus aus der Zelle. Warum kann ich das jetzt nicht mehr? Warum kann ich uns nicht einfach wie in einem Science-Fiction-Film von hier wegbeamen? Am besten direkt nach Eden!«

»Weil du das noch nie konntest«, erklang Lemmys Stimme aus dem Gebüsch am Straßenrand. Es raschelte und der Mann kam ächzend und leise fluchend aus der Umarmung der knorrigen Büsche heraus.

»Ich würde alles dafür geben, mal wieder auf 'nem ordentlichen Thron mein Morgengeschäft zu erledigen! In die Büsche kacken wie 'n Trapper? Keine Zeitung, keine Fluppe und der Wind bläst dir eiskalt durch die Muffe. Pah!«

Tom kicherte leise und deutete auf Lemmys linken Fuß.

»Du hast da ein Mitbringsel.«

Lemmy starrte an seinem Bein herunter und seine Laune sank noch weiter, sofern das überhaupt möglich war. Knurrend rieb er seinen Schuh am Boden, um das Stück Papier, das sich an seiner Sohle festgeklebt hatte, abzustreifen.

»Scheiße!«

»Aber total«, feixte Tom. »Soll ja Glück bringen, wenn man da rein tritt.«

Martin sah Lemmy die ganze Zeit ernst an und ging auf die Alberei nicht ein. Er neigte wie fragend den Kopf.

»Was meinst du damit? Das konnte ich noch nie?«

Lemmy sah Martin durchdringend an. Alles Knurrige und Schnodderige war von dem alten Mann gewichen und eine Aura der Zeitlosigkeit umgab ihn plötzlich.

»Du bist noch nicht soweit, mein Junge.«

Bevor Martin etwas erwidern konnte, kam Sandra aus der Morgendämmerung auf die Fahrzeuge zu.

»Habt ihr eigentlich den Knall nicht gehört, oder geht es euch zu gut?«, zischte sie. »Ich habe euch schon in hundert Metern Entfernung gehört! Wollt ihr etwa, dass sämtliche Stinker der Umgebung auf unser kleines Picknick im Grünen hier aufmerksam werden?«

Martin sah betreten zu Boden und schüttelte den Kopf.

»Sehr gut. Nachdem wir das also geklärt haben, könnt ihr die anderen wecken. Die Straße ist auf die nächsten fünf Kilometer frei und ich habe keine Stinker sehen können.«

Als Sandra an Martin vorbeiging, hielt er sie am Arm zurück.

»Sandra, was machst du eigentlich?« Die Totlebende sah ihn mit einem undefinierbaren Blick an und Martin sah sich gezwungen, seine Frage zu verdeutlichen. »Ich meine damit deine einsamen Nachtwachen, weit ab von unserem Lager.«

»Willst du die übernehmen, Junkie?«

»Ex-Junkie. Und nein, ich will die nicht übernehmen. Ich frage mich aber, warum du es tust, warum du das Risiko eingehst, da draußen im Dunkeln ganz alleine herumzustreunen.«

Zuerst sah es so aus, als wolle Sandra wütend werden. Doch dann entspannte sie sich unter Martins Fingern, und er hatte das Gefühl, als würden alle Kraft und Entschlossenheit aus ihr heraussickern.

»Ich gehöre nicht zu euch. Jedenfalls nicht so richtig. Nicht mehr.«

»Du bist unsere Anführerin! Du bist unsere Big Mama!«

Sandra lachte leise auf.

»Big Mama? So nennt ihr mich also?«

Martin grinste schwach. »Naja, die Kids zumindest. Immerhin hast du sie bis hierhin gebracht. Sie lieben und verehren dich. Sie vertrauen dir.«

Wehmut trat in Sandras Augen. Ein Ausdruck, der Martin tiefer traf, als er es je vermutet hätte. Vielleicht deshalb, weil Sandra ihm nie sonderlich gefühlsbetont vorgekommen war. Sie jetzt so zu sehen, war … beunruhigend.

»Ja, ich habe sie bis hierher gebracht. Einmal quer durch ein totes Land und fast wieder zurück an den Ort, wo auch für mich alles begann. Und was hat es uns gebracht? Sind wir in Sicherheit? Nein. Im Gegenteil, wir sind gefährdeter als je zuvor! Wir haben schwere Verluste hinnehmen müssen, haben Freunde gewonnen und noch mehr verloren, mussten Menschen verraten und Freunde zurücklassen, um unser eigenes Leben zu retten. Und jetzt bin ich ein Freak, eine Laune der Natur, an dessen ehernen Gesetzen eine Handvoll verrückter Wissenschaftler herum gepfuscht hat!« Sandra seufzte und Martin glaubte, Tränen in ihren Augen schimmern zu sehen. »Martin, wenn ich doch wirklich so eine Big Mama bin, warum kann ich euch, ganz besonders die Kinder, nicht endlich in Sicherheit bringen?«

»Aber du gibst doch dein Bestes!«

»Ja. Das tue ich. Aber ist es auch genug?«

Ehe Martin etwas erwidern konnte, zog Sandra sanft aber mit Nachdruck ihren Arm aus seinem Griff und ging mit gesenktem Blick zu den Wagen, wo die Pilger langsam erwachten.

»Es ist genug, Sandra«, flüsterte Martin ihr hinterher. »Du große Mutter, die ihre Kinder in der Nacht auf einsamer Wache beschützt, damit sie eine Hoffnung auf ein neues Leben haben.«

In diesem Augenblick wurde der mentale Ruf, den alle Begabten spürten, wieder stärker. Martin verglich es mit dem Bild einer Bake, die ihre Strahlen im Kreis in die Nacht warf, um die Seeleute sicher in den Hafen zu lotsen. Wohin würde diese Bake sie führen? Warum schien dieser Ruf zugleich auch die Stinker zu aktivieren und machte aus ihnen grausige Zugvögel, die auf ihrem Weg nach Süden alles fraßen, das lebendig war? Martin seufzte und kämpfte gegen den Drang an, umgehend dem Ruf zu folgen. Je näher die Pilger in Richtung Süden kamen, um so drängender wurde dieser Sog. Was würden sie vorfinden, wenn sie dort angekommen waren? Lag dort wirklich Eden?

Plötzlich zuckte Martin zusammen. Je näher sie dem Ursprung des Rufes kamen, um so verschlossener wurde Sandra. Gab es da einen Zusammenhang? Martin beschloss, Sandra beizeiten auch darauf anzusprechen.

***

Sandra hielt sich im Hintergrund, als die Gruppe der Pilger sich für den Aufbruch vorbereiteten. Sie war satt und hatte die Wut in ihrem Inneren wieder unter Kontrolle.

Ein trockenes Würgen schoss ihr in die Kehle.

Ja, sie war satt. Sie hatte gegessen.

Totes Fleisch, das sie auf ihrer nächtlichen Jagd erlegt hatte. Einer Jagd, die die anderen als einsame Nachtwache ansahen. Ihre Augen brannten, aber es kamen keine Tränen aus ihren reanimierten Augen. Wie lange noch, bis sie ihre Wut und ihren Hunger nicht mehr unter Kontrolle halten konnte?

Steins hatte unrecht gehabt. Und auch van Hellsmann hatte total danebengelegen. Sie war nichts Besonderes. Auch sie benötigte eine permanente Zufuhr an Nährstoffen und Sedativa, um die Bestie in ihrem Inneren unter Kontrolle halten zu können. Wie lange noch, bis sie keine untote Beute mehr fand und ihre Gier nicht mehr stillen konnte? Dieser Hunger nach frischem Fleisch, der immer schlimmer wurde, je näher sie ihrem Ziel kamen. Dieser Ruf, dieses auf- und abschwellende Brummen in ihrem Kopf, dass ihr klares Denken überlagerte, schwoll langsam wieder ab. Aus irgendeinem Grund assoziierte sie mit diesem Brummen das Bild eines kleinen Leuchtturms in der Nacht. Das Brummen wurde in diesem Bild zu einem langen Arm aus purem Licht. Und wenn er am stärksten war, sie direkt anblickte und ihr Denken blendete …

Tom rief leise ihren Namen und holte Sandra aus ihren Grübeleien. Die Gruppe war abmarschbereit. Mit Beinen, die nicht ihr zu gehören schienen, ging Sandra auf den vordersten der Humvees zu. Und die Bestie in ihr murmelte unruhig im Schlaf, wartete auf den Ruf, der sie wieder wecken würde und träumte von einem Bissen warmen Fleisches.

***

Patrick Stark und Longinus schritten gemächlich eine Autobahn entlang. Sie konnten nebeneinander gehen, da dieser Teil vor der Katastrophe abgesperrt worden war. An den Leitplanken standen noch die schweren Maschinen einer Wanderbaustelle, die wie metallische Dinosaurier in der Kälte vor sich hin dösten. Den beiden einsamen Wanderern folgte eine schier endlose Herde von Untoten. Die Stinker hielten respektvollen Abstand zu den beiden Männern, die in ihre Gedanken vertieft schienen. Plötzlich blieb Patrick stehen und seufzte tief. »Mein Freund, wenn ich mich richtig orientiere, sind wir auf dem Weg nach Köln.«

Longinus

Sie haben das Ende dieser Vorschau erreicht. Registrieren Sie sich, um mehr zu lesen!
Seite 1 von 1

Rezensionen

Was die anderen über Eden denken

0
0 Bewertungen / 0 Rezensionen
Wie hat es Ihnen gefallen?
Bewertung: 0 von 5 Sternen

Leser-Rezensionen