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Mit weitem Herzen: Die Kraft des Mitgefühls stärken

Mit weitem Herzen: Die Kraft des Mitgefühls stärken

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Mit weitem Herzen: Die Kraft des Mitgefühls stärken

Länge:
158 Seiten
1 Stunde
Herausgeber:
Freigegeben:
20. März 2017
ISBN:
9783958830622
Format:
Buch

Beschreibung

"Die Lektüre dieses Buches wird Ihnen, wie ich hoffe, zu einem Grundverständnis des Buddhismus und jener Schlüsselmethoden verhelfen, mit denen buddhistische Praktizierende im Laufe ihres Lebens Mitgefühl und Weisheit entwickelt haben." Der Dalai Lama

In diesem Buch erläutert der Dalai Lama die Techniken der Geistesschulung und zeigt, wie wir zu einem Leben voller Mitgefühl finden können. Mit weitem Herzen bietet so eine klare und einfache Einführung in den buddhistischen Weg zur Erleuchtung.
Mit einem Nachwort von Khyongla Rato und Richard Gere
Herausgeber:
Freigegeben:
20. März 2017
ISBN:
9783958830622
Format:
Buch

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Mit weitem Herzen - Dalai Lama

EINFÜHRUNG

CENTRAL PARK, NEW YORK, 15. AUGUST 1999

Brüder und Schwestern, guten Morgen.

ICH GLAUBE, DASS JEDER MENSCH den Wunsch in sich trägt, glücklich zu sein und nicht zu leiden. Und unser eigentlicher Lebenszweck besteht meiner Ansicht nach darin, dieses Glück zu erfahren. Jeder von uns verfügt, so glaube ich, über das gleiche Potenzial, inneren Frieden zu entwickeln und dadurch Glück und Freude zu empfinden. Unabhängig davon, ob wir reich sind oder arm, gebildet oder ungebildet, schwarz oder weiß, aus dem Osten oder aus dem Westen kommen, unser Potenzial ist gleich groß. Wir alle gleichen einander in geistiger und emotionaler Hinsicht. Manche von uns haben zwar eine größere Nase, und es kann gewisse Unterschiede in der Hautfarbe geben, doch im Grunde genommen sind wir physisch gleich. Die Unterschiede spielen eine eher untergeordnete Rolle. Geistig und emotional sind wir gleich beschaffen. Darauf kommt es an!

Jeder von uns hat Emotionen, die ihm oder ihr Probleme bereiten; ferner positive Empfindungen, die uns innere Kraft geben und heiter und gelassen stimmen. Ich halte es für wichtig, dass wir uns über unser Potenzial im Klaren sind und daraus Selbstvertrauen schöpfen. Manchmal betrachten wir die Dinge von ihrer Schattenseite und fühlen uns entmutigt. In meinen Augen ist dies die falsche Perspektive.

Wunder habe ich Ihnen nicht anzubieten. Falls jemand über Wunderkräfte verfügen sollte, werde ich ihn oder sie um Hilfe bitten. Offen gesagt bin ich skeptisch, wenn Menschen erklären, ihnen stünden übernatürliche Fähigkeiten zur Verfügung. Allerdings können wir unsere Auffassungen oder Einstellungen verändern, indem wir uns unentwegt bemühen, unseren Geist zu schulen. Dadurch wiederum kann sich unser Leben entscheidend verändern.

Mit einer positiven inneren Einstellung werden wir unsere Geistesruhe nicht verlieren – selbst wenn wir von Feindseligkeit umgeben sind. Ist unsere innere Einstellung hingegen eher negativ, von Furcht, Misstrauen, Hilflosigkeit beeinflusst oder von Abscheu vor uns selbst, so werden wir sogar im Kreis unserer besten Freunde und in behaglicher Umgebung nicht glücklich und zufrieden sein. Die innere Einstellung hat also einen ganz hohen Stellenwert: Von ihr hängt entscheidend ab, ob und wie sehr wir glücklich und zufrieden sind.

Die Erwartung zu hegen, unsere Probleme ließen sich durch Geld oder mittels materieller Annehmlichkeiten lösen, halte ich für falsch. Anzunehmen, aus einer bloßen Äußerlichkeit könne etwas Positives resultieren, wäre unrealistisch. Gewiss, unsere materielle Situation spielt eine wichtige Rolle und kann uns weiterhelfen. Doch unsere inneren, geistigen Einstellungen sind genauso wichtig – wenn nicht wichtiger. Wir müssen lernen, uns von dem Streben nach einem Leben im Überfluss frei zu machen, da es unsere Praxis behindert.

Manchmal kommt es mir so vor, als sei es heute in Mode, dass die Menschen der materiellen Entwicklung allzu große Bedeutung beimessen, die inneren Werte hingegen vernachlässigen. Wir müssen demnach ein besseres Gleichgewicht zwischen der Beschäftigung mit materiellen Belangen und der inneren, spirituellen, Entwicklung herstellen.

Meines Erachtens ist es ganz natürlich, dass wir als gesellschaftliche Wesen handeln. Unsere guten Eigenschaften bestehen in dem, was ich als wahrhaft menschliche Werte bezeichnen würde: Wir sollten uns darum bemühen, solche Eigenschaften zu stärken und zu fördern – zum Beispiel die Bereitschaft, mit anderen zu teilen und uns um andere zu kümmern. Auch müssen wir die Rechte anderer Menschen respektieren. Dadurch tragen wir der Tatsache Rechnung, dass unser künftiges Glück und Wohlergehen von den vielen anderen Mitgliedern unserer Gesellschaft abhängen.

Im Alter von 16 Jahren habe ich meine Freiheit verloren, und im Alter von 24 Jahren musste ich meine Heimat verlassen. Die letzten vier Jahrzehnte habe ich als Flüchtling verbracht – als ein Flüchtling mit schwer wiegender Verantwortung. Blicke ich zurück, so war mein Leben nicht leicht. Allerdings habe ich gelernt, Mitgefühl zu entwickeln, die Fähigkeit, am Geschick anderer Menschen Anteil zu nehmen. Diese Geisteshaltung hat mir innere Stärke verliehen.

Eines meiner Lieblingsgebete lautet:

Solange der unermessliche Raum Bestand hat

und solange noch empfindende Wesen da sind,

will auch ich da sein,

um zu helfen, um zu dienen,

um meinen Beitrag zu leisten.

Die Besinnung darauf verleiht innere Stärke, und man gewinnt Selbstvertrauen. Durch sie hat mein Leben eine klare Ausrichtung gewonnen. Wie schwierig oder verwickelt die Dinge auch sein mögen – mit solch einer Geisteshaltung können wir inneren Frieden haben.

Wir sind gleich, das muss ich noch einmal hervorheben! Vielleicht hat der eine oder die andere von Ihnen den Eindruck, der Dalai Lama sei irgendwie anders. Völlig falsch! Ich bin ein Mensch wie jeder von Ihnen. Wir verfügen alle über das gleiche Potenzial.

Spirituelle Weiterentwicklung setzt nicht zwangsläufig Religiosität voraus. Lassen Sie uns daher über ethische Werte in einem weltlichen Verständnis sprechen.

Die Methoden zur Stärkung unseres Altruismus – unserer Fähigkeit, Mitgefühl für andere zu empfinden und jene Einstellung zu entwickeln, die uns eigene Anliegen weniger wichtig nehmen lässt als die der anderen – gehören meiner Ansicht nach zum Gemeingut aller großen religiösen Überlieferungen. Zwar können wir feststellen, dass es Unterschiede in den philosophischen Auffassungen und in den Riten gibt. Aber in ihrer Grundaussage stimmen die Religionen weitgehend überein. Sie alle fordern uns auf, liebevoll miteinander umzugehen, mitfühlend zu sein und einander zu vegeben. Und selbst wenn Menschen sich zu keinem religiösen Glauben bekennen, so können sie doch erkennen, welche Qualitäten den menschlichen Grundwerten innewohnen.

Da schon unsere bloße Existenz und unser Wohlergehen auf dem Zusammenwirken und auf der Mitwirkung zahlloser anderer Menschen beruhen, müssen wir – obwohl wir häufig dazu neigen, diese Grundtatsache zu vergessen – für den Umgang mit ihnen eine angemessene Einstellung entwickeln. Durch die Globalisierung der modernen Wirtschaft sind Landesgrenzen heutzutage weitgehend bedeutungslos geworden. Nicht nur Länder sind aufeinander angewiesen, sondern auch die Kontinente. Wir sind in hohem Maß voneinander abhängig.

Wenn wir uns die zahlreichen Probleme anschauen, mit denen die Menschheit heutzutage konfrontiert ist, können wir erkennen, dass wir sie hervorgebracht haben. Ich spreche hier nicht von Naturkatastrophen. Aber all die Konflikte, das Blutvergießen, die Probleme, die auf Nationalismus und dem Vorhandensein nationalstaatlicher Grenzen beruhen, sind vom Menschen verursacht.

Könnten wir vom Weltraum aus einen Blick auf die Erde werfen, so bekämen wir keine Landesgrenzen zu sehen. Wir hätten bloß einen kleinen Planeten vor Augen – einen Planeten. Allerdings brauchen wir lediglich eine Linie in den Sand zu zeichnen, und schon entsteht bei uns der Eindruck, hier seien »wir« und dort »die anderen«. Je stärker dieser Eindruck wird, umso weniger sind wir in der Lage, die tatsächliche Situation zu erfassen. In vielen Ländern Afrikas und in jüngerer Zeit auch in einigen osteuropäischen Ländern wie zum Beispiel dem früheren Jugoslawien herrscht ein sehr engstirniger Nationalismus. In gewisser Weise macht jedoch die Vorstellung von »wir« und »die anderen« inzwischen kaum noch Sinn, da die Interessen unserer Nachbarn weitgehend mit unseren eigenen Interessen übereinstimmen. Kümmern wir uns um die Interessen unserer Nachbarn, so kümmern wir uns also im Grunde genommen um unsere eigene Zukunft. Das ist heutzutage die schlichte Realität: Wer seinem Feind Schaden zufügt, kommt selbst zu Schaden.

Infolge des modernen technischen Fortschritts, der globalisierten Wirtschaft und des dramatischen Bevölkerungswachstums hat sich unsere Welt meiner Meinung nach in hohem Maß verändert: Sie ist viel kleiner geworden. Unsere Wahrnehmungen haben sich dagegen nicht im gleichen Tempo entwickelt. Wir halten weiterhin an überkommenen Landesgrenzen fest, und ebenso an den alten Gefühlen von »wir« und »sie«.

Der Krieg scheint in der Menschheitsgeschichte einen festen Platz einzunehmen. Wenn wir uns die Situation auf unserem Planeten in früheren Zeiten anschauen, so waren damals Länder, Regionen, ja selbst Dörfer wirtschaftlich voneinander unabhängig. Unserem Feind eine vernichtende Niederlage beizubringen lief unter solchen Voraussetzungen vielleicht auf einen Sieg für uns hinaus.

Heutzutage dagegen sind wir so hochgradig voneinander abhängig, dass das Konzept des Krieges ausgedient hat. In unserer Zeit müssen wir bei Problemen und Meinungsverschiedenheiten über den Dialog zu Lösungen gelangen. Der Dialog ist die einzige Methode, die uns weiterbringt. Die Vorstellung von einem einseitigen Sieg hat ihre Gültigkeit verloren. Wir müssen uns um einvernehmliche Konfliktlösungen – Konfliktlösungen im Geist der Versöhnung – bemühen und dabei stets die Interessen der anderen mit im Auge behalten. Wir dürfen unsere Nachbarn nicht vernichten! Wir dürfen ihre Interessen nicht missachten! Andernfalls hätte dies unweigerlich zur Folge, dass wir letzten Endes selbst darunter leiden müssten. Aus meiner Sicht hat das Konzept der Gewalt keinen Platz mehr in unserer Zeit. Gewaltlosigkeit ist der richtige

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