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In der inneren Welt (Band 2): Eine neue Heimat im Reich von Agartha

In der inneren Welt (Band 2): Eine neue Heimat im Reich von Agartha

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In der inneren Welt (Band 2): Eine neue Heimat im Reich von Agartha

Länge:
601 Seiten
8 Stunden
Freigegeben:
15. März 2017
ISBN:
9783961450558
Format:
Buch

Beschreibung

Das Leben von Wolfgang geht weiter. Er muss lernen die Realität anzuerkennen. Dafür bekommt er unerwartete Hilfe. Fortan lebt er in zwei Welten und beide möchte er nicht missen. Doch auch das sollte nur eine Episode in seinem Leben sein. Diese Fortsetzung der Erlebnisse in der inneren Welt erklärt, wie ein Umzug nach Agartha vonstatten gehen kann und welche „Überraschungen“ uns dort erwarten könnten. Der Roman versucht zusätzlich Licht in das Dunkel der Existenz von Außerirdischen zu bringen. Gibt es diese überhaupt? Wenn ja, hatten oder haben sie Kontakt zu uns und der Erde? Um solche Kernfragen geht es zum Teil in diesem Werk.
Freigegeben:
15. März 2017
ISBN:
9783961450558
Format:
Buch

Über den Autor


Buchvorschau

In der inneren Welt (Band 2) - Hero Leander

Hero Leander

In der inneren Welt

In der inneren Welt (2)

Eine neue Heimat im Reich von Agartha

Engelsdorfer Verlag

Leipzig

2017

Bibliografische Information durch die Deutsche Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbiografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.de abrufbar.

Copyright (2017) Engelsdorfer Verlag Leipzig

Alle Rechte beim Autor

Hergestellt in Leipzig, Germany (EU)

www.engelsdorfer-verlag.de

Inhaltsverzeichnis

Cover

Titel

Impressum

Das Leben geht weiter

Diana

Ein neues Zuhause

Die Herbergsschule

Besuch in Neuschwabenland

Vorstellen der Völker

Reise zum Sirius-System

Ausflug in die äußere Welt

Ein neuer Anfang

Nachwort

Das Leben geht weiter

Als der Winter vorbei war, dachte Wolfgang daran, dass ja sein erlebnisreicher Ausflug nach Posid nun schon ein dreiviertel Jahr her war. Alle Erinnerungen daran verblassten langsam und hatten in ihm schon fast einen unwirklichen Eindruck erreicht. Nur die beiden Rosen in seinem Schlafzimmer erinnerten ihn täglich an seinen Schlafraum im Wohntrichter des Bergkristall-Clans und an Diane.

Seine Waldspaziergänge waren inzwischen zur Gewohnheit geworden. Am Wochenende ging er ständig vormittags in den Wald, zu dem er ja inzwischen nur fünfzehn Minuten zu Fuß hatte. Im Februar war Wolfgang in den Leipziger Stadtteil Leutzsch zurückgezogen, in dem er ja auch großgeworden war. Hier in Waldnähe fühlte er sich wohl und konnte bei seinen Spaziergängen stets frische Kraft für die neue Arbeitswoche tanken. Zusätzlich hatte er sich so auch seinen Traum von Weihnachten zum Teil erfüllt. Wolfgang wohnte jetzt wirklich in der Nähe eines Waldes, welcher fast so dicht war, wie der, den er in Posid kennengelernt hatte.

Bei seinen Wanderungen durch den frühlingshaften Wald begegnete ihm immer öfter eine etwa dreißigjährige Frau, die ihn dabei stets leicht anlächelte, wenn sie ihn erkannte. Manchmal aber, wenn sie ihn nicht bemerkte, strahlte ihre ganze Erscheinung große Traurigkeit aus.

Anfangs wunderte sich Wolfgang nur über diese Frau. Doch mit der Zeit wurde er neugierig, denn er traf sie relativ häufig und immer allein. Es verging kaum ein Wochenende, an dem sie sich nicht begegneten.

Einmal im Mai sah er sie auf einer Bank neben der großen Waldwiese sitzen, auf der auch einige Spielgeräte für Kinder standen. Hier hatte Wolfgang als Kind ebenfalls oft gespielt. Damals gab es hier noch die Gaststätte Der wilde Mann, in der es wunderbare Fassbrause für zehn Pfennige gab. Daran erinnerte sich Wolfgang oft, wenn er hier vorbeikam. Doch an diesem Maivormittag traf er hier diese unbekannte Frau. Da niemand weiter in der Nähe war, ging Wolfgang davon aus, dass die Frau auch diesmal wieder ganz allein hier war. Nun grüßte er sie freundlich und fragte, ob er sich mit auf die Bank setzen dürfe.

Sie nickte und meinte: „Die Bank gehört mir nicht. Sie ist für alle da."

„Das stimmt schon, aber … na ja, ich wollte Sie nicht stören."

„Sie stören mich nicht."

Nun suchte er krampfhaft einen Gesprächsstoff, um ein sinnvolles Gespräch mit ihr in Gang zu bringen. „Sie sind oft hier im Wald."

„Ja, es gibt nichts Schöneres als die Ruhe des Waldes."

„Da haben Sie recht. Mir gefällt es hier auch sehr. Vor allem die angenehme Ruhe tut mir gut."

Da sah sie ihn verwundert mit ihren traurigen Augen an und meinte: „Es ist ungewöhnlich, dass sich Männer nach der Ruhe des Waldes sehnen."

„Diese Ruhe im Wald hat so etwas Besinnliches in sich. Deshalb gehe ich lieber vormittags hierher, wenn es nur wenige Spaziergänger gibt. Geht das Ihnen auch so?"

Sie nickte und ihr Gesicht zeigte wieder diese Traurigkeit, die er schon öfter bei ihr gesehen hatte. Um sie aufzumuntern, sagte er: „Ist es nicht seltsam, dass wir uns so oft hier im Wald begegnen. Und jetzt sitzen wir hier, als würden wir uns schon lange kennen. Übrigens, ich heiße Wolfgang."

Sie lächelte jetzt etwas und erwiderte: „Ich weiß."

Ruckartig dreht er sich jetzt ganz zu ihr und starrte sie an. In ihrem Gesicht war aber nichts zu erkennen, was ihn an irgendeine Begebenheit erinnerte. „Sie kennen mich?", fragte er unsicher.

Sie nickte. „Sie sind hier in Leipzig-Leutzsch in die Schule gegangen?"

„Ja! Sie etwa auch?"

Wieder nickte sie. „Ich war genau wie Sie im Schulchor."

Völlig überrascht antwortete Wolfgang: „Was denn, Sie waren … Du warst … im Schulchor?" Wieder suchte er in ihrem Gesicht und auch in seinem Gedächtnis nach Erinnerungen, aber er fand nichts.

„Sie werden sich nicht an mich erinnern. Sie waren damals sechzehn und ich erst zehn Jahre alt."

Erleichtert sagte Wolfgang: „Oh! Dann wundert es mich nicht. Ich kann mich wirklich nicht erinnern. Können wir trotzdem beim Du bleiben?"

Wieder nickte sie.

„Darf ich fragen, wie du heißt?"

„Marina."

„Wohnst du immer noch in Leutzsch?"

„Ja, wieder. Ich wohne in der Nähe des Diakonissenhauses. Und du?"

„Ich wohne in der Phillip-Reis-Straße. Kennst du sie?"

Jetzt lachte sie kurz auf. „Ich habe als Kind in der Gaußstraße gewohnt. Das ist gleich bei deiner Straße. Das Haus gibt es jetzt aber nicht mehr. Inzwischen ist dort eine große Wiese."

„Jetzt verstehe ich auch, weshalb du immer gelächelt hast, wenn wir uns begegnet sind. Du hast mich erkannt."

Sie nickte und stand auf. „Ich müsste jetzt wieder zurück."

„Darf ich dich noch ein Stück begleiten?"

Sie zuckte mit den Schultern. „Ja."

Auf dem Weg tauschten sie jetzt Erinnerungen an die Zeit im Schulchor aus, bis sie den Wald verließen. Da meinte sie: „Du musst jetzt nach rechts und ich geradeaus."

Wolfgang nickte. „Heute ist Sonntag. Treffe ich dich am Sonnabend wieder?"

Sie hob erneut ihre Schultern und sah ihn dabei in die Augen.

„Sagen wir 10.00 Uhr wieder auf der Bank am ehemaligen Wilden Mann?", fragte er zum zweiten Mal.

Sie nickte nur stumm, verabschiedete sich und ging in ihre Richtung. Wolfgang lief langsam nach Hause. Was war das? Da begegnete er einer Frau, die ihn schon seit der Schulzeit kannte. Vielleicht war das gar kein Zufall, dass sie sich so oft trafen? Vielleicht wollte sie ihm hier im Wald begegnen, da sie ihn ja kannte. Und allein schien sie auch zu sein. Nun dachte er über sie nach und stellte fest, so verkehrt sah sie gar nicht aus. Anfangs fand er sie eher unscheinbar, doch jetzt sah sie in seinen Augen durchaus attraktiv aus. Als er bei sich zu Hause war, stand es für ihn fest. Diese Frau musste er näher kennen lernen. Aber wie?

Die ganze Woche überlegte er, wie er es anstellen könnte, diese Marina besser kennenzulernen, ohne aufdringlich zu wirken. Doch alles, was ihm dazu einfiel, waren billige Anmachversuche, die er ablehnte.

Am Sonnabendvormittag regnete es. Auch das noch, dachte Wolfgang. Vielleicht kommt sie bei diesem Wetter gar nicht. Da hat es sicher wenig Sinn in den Wald zu gehen. Aber wenn sie vielleicht doch kommt und umsonst auf mich wartet? Dann verpassten sie sich ja! Das wollte Wolfgang auf keinen Fall. Also zog er sich wetterfest an, nahm seinen Regenschirm und ging so los, dass er kurz vor 10.00 Uhr an der verabredeten Stelle ankommen würde.

Als er im Wald um die letzte Ecke bog, sah er, wie neben der Bank eine Gestalt unterm Regenschirm stand. Sie ist also doch gekommen! Ein Glück, dass ich nicht auf meine Bequemlichkeit gehört habe. Da merkte er, wie trotz des Wetters Freude in ihm hoch kam.

Mit den Worten: „Das ist vielleicht ein blödes Wetter. Muss denn das ausgerechnet heute regnen?", begrüßte er sie.

Marina hob wortlos ihre Schultern und sah ihn erwartungsvoll an.

„Hier hinten ist gleich eine große gemauerte Eisenbahnbrücke. Gehen wir am besten dort hin. Darunter ist es wenigstens trocken."

Sie nickte und so gingen sie die 150 Meter bis zur Brücke. Hier staunten sie nicht schlecht, denn auch unter der Brücke stand eine alte Gartenbank. Sicher hatte die mal irgendjemand bei Regen hierher getragen. Sie schlossen ihre Schirme und setzten sich.

Nun erzählten sie wieder über ihre Erlebnisse in der Schule und im Schulchor, über die Lehrer, die sie mochten und die, auf die sie damals sehr gern verzichtet hätten.

Nach einer Stunde sagte sie: „Mir ist kalt. Ich muss nach Hause."

Auch Wolfgang kroch die Nässe langsam unter die Sachen. Er nickte und antwortete: „Ich habe Zeit und bringe dich nach Hause." Gespannt wartete er ihre Reaktion ab. Doch sie nickte nur. Also standen sie auf und verließen den Wald in ihre Richtung.

Vor ihrem Haus fragte er sie: „Darf ich mich bei dir etwas aufwärmen? Meine Schuhe sind durch."

Marina holte tief Luft, sah ihn traurig an und erwiderte: „Ich verstehe dich, aber ich bin nicht auf Besuch vorbereitet."

„Aber das macht doch nichts. Darf ich mich trotzdem etwas aufwärmen?"

Verständnisvoll nickte sie. Auf der Treppe erklärte sie ihm, dass sie mit zwei Studentinnen in einer Wohngemeinschaft leben würde und nur ein Zimmer hätte. Dabei beobachtete sie ihn ängstlich, wie er wohl darauf reagieren würde. Doch Wolfgang sagte nur lächelnd: „Hauptsache es ist warm und trocken."

Eine der beiden Studentinnen begrüßte ihn in der Wohnung mit zusammengezogenen Augenbrauen. Ihre Ablehnung ihm gegenüber war deutlich zu spüren. In Marinas Zimmer sah sich Wolfgang um und wunderte sich, wie spartanisch sie doch lebte.

Als ob sie es erraten hatte, erklärte sie ihm: „Wundere dich bitte nicht. Ich erkläre dir gleich, warum ich hier so einfach eingerichtet bin. Erst einmal koche ich uns einen Kaffee zum Aufwärmen."

„Mir bitte nicht. Ich trinke keinen Kaffee."

„Was trinkst du dann?"

„Tee, aber bitte keinen Schwarzen."

„Kräutertee?"

„Ja gern."

Marina verschwand in die Küche und Wolfgang sah sich noch einmal in ihrem Zimmer um. Hier stand wirklich nur das Notwendigste, ein Schrank, eine Couch, ein Tisch, zwei Stühle, ein Computertisch mit Schreibtischstuhl und ein kleines Schränkchen, auf dem ein Kofferradio stand. Er setzte sich auf die Couch und überlegte, wie er das Mittagessen lösen könnte. Schließlich war es schon nach 13.00 Uhr und sein Magen meldete sich langsam. Doch da kam Marina schon mit zwei dampfenden Tassen herein und setzte sich neben ihn.

Nun begann sie seufzend: „Ich hatte auch mal eine kleine, aber nett eingerichtete Wohnung. Später habe ich meinen Freund kennen gelernt und bin irgendwann zu ihm gezogen. Da er eine komplette Wohnung hatte, habe ich mich von dem meisten aus meiner Wohnung getrennt. Voriges Jahr im September ist er mit seinem Motorrad tödlich verunglückt. Kurz danach haben seine Eltern darauf bestanden, dass ich möglichst bald aus seiner Wohnung ausziehen möge, aber all sein Hab und Gut dabei zurück lassen soll. So bin ich hier in der WG gelandet. Ich wohne erst seit zwei Monaten hier. Das ist alles, was ich mitnehmen durfte." Sie hob die Schultern und sah ihn wie ein Häufchen Unglück an.

„Und deine Eltern?"

„Die sind gleich, nachdem ich meine Wohnung hatte, zur Schwester meiner Mutter in den Schwarzwald gezogen., meinte sie und in ihrer Stimme schwang leichte Wehmut mit. „Ich war kein Wunschkind und das habe ich immer gespürt. Traurigkeit machte sich auf ihrem Gesicht breit. „Dann kam ein Freund und ich habe geglaubt, jetzt endlich eine richtige Familie gefunden zu haben."

„Du hast ihn sicher sehr gern gehabt?"

Sie wiegte mit dem Kopf und nickte anschließend. „Die große Liebe war es nicht. Trotzdem hatte ich ihn gern. Aber er war wohl mehr in sein Motorrad verliebt als in mich." Dann hob sie wieder ihre Schultern und sah Wolfgang fragend an.

„Da bist du vom Leben aber auch nicht gerade verwöhnt worden."

Wieder nickte sie und zuckte mit den Schultern.

Er nahm einen Schluck. Den angebotenen Zucker lehnte Wolfgang ab. Der Tee schmeckte auch so.

„Später werde ich mir auch wieder eine richtige Wohnung suchen, aber dazu muss ich erst einmal genug Geld zusammen haben."

„Und was arbeitest du?"

„Ich bin Frisörin, aber dabei kann man nicht reich werden. Deshalb wohne ich ja vorläufig hier."

„Friseuse?, sagte Wolfgang anerkennend. „Und wie sind die beiden Studentinnen?

„Ach, die sind schon in Ordnung. Aber sie leben natürlich ganz anders als ich."

„Ja klar, Studenten." Er wusste, wie Studenten leben.

„Ich kann dir nicht einmal etwas anbieten. Du bist mein erster Besuch, seit ich hier wohne."

Wieder sah Wolfgang in ihre unglücklichen Augen. Kurz entschlossen sagte er ihr: „Ich lade dich ein. Wir gehen essen."

Marina sah ihn erstaunt an und nickte leicht.

Nachdem sie ausgetrunken hatten, verließen sie die Wohnung und fuhren mit der Straßenbahn die drei Haltestellen bis zu Wolfgangs Straße. Vor seinem Haus stand sein Auto. Mit diesem fuhren sie jetzt zu einer Gaststätte, die Wolfgang recht gut kannte. Sie war abseits der Zivilisation an einem Wäldchen, in dem zu DDR-Zeiten ein Schießplatz war.

Marina wunderte sich beim Essen, dass Wolfgang vegetarisch bestellt hatte. Deshalb fragte sie: „Du isst kein Fleisch?"

Er schüttelte den Kopf. „Nicht mehr! Mir tun einfach die Tiere leid, die sterben müssen, nur damit ich Fleisch essen kann. Ich will nicht, dass sie wegen mir ihr Leben lassen müssen."

Erstaunt sah sie ihn an. „So habe ich das noch nie gesehen."

Nach dem Essen spazierten sie dann noch durch das kleine Wäldchen, welches zu einem Berg gehörte, der Bienitz hieß. Es hatte inzwischen aufgehört zu regnen und Wolfgang zeigte ihr hier, wo er als Kind oft Ski gefahren war. Marina kannte zwar den Bienitz aus den Erzählungen anderer, ist aber selbst nie hier gewesen. Abends brachte Wolfgang sie wieder nach Hause und fragte sie nach dem morgigen Sonntag.

Am Tag darauf holte er Marina nachmittags von ihrer Wohnung ab und lud sie nach dem ausgedehnten Waldspaziergang zum Teetrinken in seine kleine Zweiraumwohnung ein.

Hier bei ihm zu Hause erzählte Marina, dass die Mädchen damals im Schulchor immer ehrfürchtig zu den großen Jungs hochgeschaut hatten. Doch als er ihr vor fast zwanzig Jahren auf der Chorfahrt im Februar in der Jugendherberge eine Musikkassette repariert hatte, bewunderte sie ihn. Auf der Kassette war Musik von den Puhdys und ihr Kassettenrecorder Mira hatte beim Zurückspulen das Band zerrissen. Damals war sie unendlich traurig, weil es ihre Lieblingskassette war. Und er hatte damals viel Verständnis für sie, ließ sich die Kassette geben und brachte ihr sie in wenigen Minuten repariert zurück. Sie freute sich schon damals immer, wenn sie ihn in der Schule oder irgendwo anders zufällig traf.

Nun hatte sie ihn auch nach langer Zeit bei den Begegnungen im Wald sofort wieder erkannt.

Da versuchte Wolfgang erneut Erinnerungen an sie in sich zu finden, aber da war nichts. Deshalb fragte er: „Wo war denn das mit der Jugendherberge?"

„In den Winterferien in Goseck. Kennst du das noch?"

„Wooo? Wolfgang riss die Augen auf und glaubte falsch zu hören. Ihm lief es eiskalt den Rücken herunter. „Wo war das?

Marina antwortete verwundert: „In Goseck in der Herberge. Sie war wohl in einem Schloss. Das muss in der Nähe von Naumburg gewesen sein. Kannst du dich daran nicht mehr erinnern?"

Wolfgang schüttelte mit dem Kopf. „Goseck kenne ich gut, aber dass wir mit dem Schulchor dort waren … Immer noch schüttelte er seinen Kopf. „Ich kann mich beim besten Willen nicht daran erinnern. Jetzt ist dort im Schlosshof ein Museum und … Er sah Marina an. Sollte er ihr jetzt von seinem Urlaub in Posid erzählen? Nein! Das würde sie ganz sicher nicht glauben. Und so schwieg er.

„Das Museum ist in der Jugendherberge?", fragte Marina.

„Nein, die muss gegenüber gewesen sein."

Nun erzählte Marina, was sie von Goseck noch wusste und er nickte öfters. Das war das gleiche Goseck, was er auch kannte.

Sie aßen noch zum Abend und anschließend brachte Wolfgang seine Begleiterin nach Hause.

Als er wieder zurück bei sich zu Hause war, ließ er alles noch einmal Revue passieren. Die Erwähnung von Goseck hatte ihn total aufgewühlt. Er war kurz vor der Wende mit dem Schulchor in Goseck. Wieso erinnerte er sich nicht daran? Das hätte ihm doch schon im vergangenen Sommer auffallen müssen. Am Ende kam er zu der Vermutung, dass das alles kein Zufall war, dass der Ausgangspunkt für das Kennenlernen von Diane und auch von Marina Goseck war. Ein recht kleines Dorf, was ohne das Sonnenobservatorium kaum von Bedeutung war. Merkwürdig!

Von nun an verbrachten sie fast jedes Wochenende zusammen. Marina gefiel ihm. Sie war ruhig und sehr einfühlsam. Von Woche zu Woche verband ihn mit ihr immer mehr und Diane verlor im Gegenzug in ihm langsam an Bedeutung. Das Leben begann für Wolfgang wieder farbig zu werden. Marina füllte die Lücke, die Diane so schmerzlich in ihm hinterlassen hatte. Bald war er genau so verliebt, wie damals in Posid. Trotzdem erzählte er Marina natürlich nichts von Diane. Was hätte er ihr auch sagen sollen? Etwa, dass er in eine Atlanterin verliebt sei, die im Inneren der Erde wohnte. Das hätte auf dieser Welt niemand verstanden und Marina ganz besonders nicht. Und so behielt er sein Erlebnis vom Sommer 2007 für sich. Die beiden Rosen aus seinem Schlafzimmer pflanzte er nun unten im Hof in die Blumenrabatte am Nachbarhaus. So waren sie immer noch in seiner Nähe, aber es ersparte ihm unangenehme Erklärungen.

Bald blieb Marina das ganze Wochenende bei ihm und im Dezember zog sie ganz zu Wolfgang. Hier in ihrer alten Heimat blühte sie wieder richtig auf.

Im folgenden Jahr heirateten Marina und Wolfgang in der zweiten Julihälfte und lebten von da an glücklich zusammen. In Marina hatte er die Frau gefunden, die er schon so lange gesucht hatte. Auch wenn sie manchmal etwas zu ruhig war, liebte er sie über alles. Jetzt zahlte sich aus, was er über bedingungslose Liebe in Posid gelernt hatte.

Marina war immer wieder glücklich über sein großes Verständnis und seine Zuneigung. Sie war so froh, dass sie die Probleme vieler anderer Frauen mit ihren Partnern mit ihrem Wolfgang nicht hatte. Er war irgendwie anders, als ob er aus einer anderen Welt käme. Aber gerade das gefiel ihr so sehr an ihm. Hatte sie doch in der Vergangenheit nicht viele gute Erfahrungen mit Männern gemacht. Um so mehr stach Wolfgang von den anderen ab. Er trug sie auf Händen und sie genoss es in vollen Zügen. Nach all den schwierigen Beziehungen der Vergangenheit kam sie sich jetzt wie im Himmel vor. Selbst wenn sie bei einer Feier mal einen anderen Mann voller Übermut einfach umarmte, hatte Wolfgang dafür immer Verständnis. Es gab deshalb nie ein böses Wort oder auch nur eine Ermahnung. Im Gegenteil! Er fand das lustig, als ob er gar nicht eifersüchtig werden könnte.

Als Marina ihn einmal darauf ansprach, antwortete er völlig untypisch für die Männer. „Warum soll ich dir diese harmlose Freude nicht gönnen? Wenn du mich liebst, dann hat der andere sowieso keine Chance. Liebst du aber einen anderen mehr, dann wäre es von mir falsch, dieser Liebe im Wege zu stehen. Ich wäre zwar traurig, aber ich würde dich nicht halten. Mir ist es sehr wichtig, dass du glücklich bist."

Nach diesen Worten liebte sie ihn noch mehr, zumal sie merkte, dass das keine leeren Worte waren. Wolfgang war der erste Mann, der auf sie keinen Druck ausübte. Er ließ ihr mehr Freiheiten, als sie gewillt war auszuleben. Immer wieder fühlte es sich an, als wäre ihr Wolfgang aus einem fernen Land, wo die Menschen ganz anders sind. Sie wusste natürlich, dass das Unsinn war. Doch zu viel unterschied ihn von den anderen Männern. Als Marina ihn darauf hin mal ansprach, winkte er nur lächelnd ab und sie war froh, dass sie diesen Mann gefunden hatte.

Ein dreiviertel Jahr nach ihrer Hochzeit wurde Marina schwanger. Nun war ihr Glück perfekt. Beide freuten sich riesig auf das Kind, welches sie erwarteten.

Als sie erfuhren, dass es ein Mädchen werden würde, suchte sie nach einem schönen Namen. Wolfgang bat seine Frau: „Lass sie uns Diana nennen, wenn es wirklich ein Mädchen wird. So sicher ist das ja auch wieder nicht."

„Diana? Warum nicht?, entschied Marina. Ihr gefiel dieser Name, obwohl ihr auch noch andere schöne Namen einfielen. „Warum willst du gerade Diana?

„Ich finde, das ist ein schöner Name. Diana klingt gut, ist kurz, leicht auszusprechen und erinnert auch an die römische Göttin der Jagd. Sie soll eine schöne Frau gewesen sein. Was kann man seiner Tochter mehr wünschen?"

Damit gab sich Marina zufrieden. Schließlich liebte sie ihren Mann über alle Maßen. „Aber wenn es doch ein Junge wird, dann soll er Wolfgang wie du heißen. Das ist zwar altmodisch, aber ich liebe diesen Brauch."

Er antwortete lachend: „Warum nicht? Ich habe einen Mädchennamen und du den Jungsnamen."

Der Zufall wollte es, dass direkt im Nachbarhaus im Erdgeschoss eine Dreiraumwohnung frei wurde. Der Balkon dieser Wohnung war direkt über seinen beiden Rosen, die er vor zwei Jahren hier ausgesetzt hatte. Wolfgang war sich nicht sicher, ob er in diesem Punkt an Zufall oder mehr glauben sollte. Auf jeden Fall setzten Wolfgang und Marina jetzt alles daran, für diese Wohnung einen Mietvertrag zu bekommen.

Im Herbst war es dann so weit. Sie zogen um und richteten auch gleich ein Kinderzimmer ein, obwohl Marina darauf bestand, dass ihr Kind das erste Jahr neben ihr im Schlafzimmer schlafen sollte. Selbstverständlich war Wolfgang damit einverstanden. Hatte er doch schon öfter gehört, dass Mütter bei ihren Kleinkindern automatisch alles richtig machen würden.

Etwas vorfristig am zweiten Weihnachtsfeiertag 2010 schenkte Marina einer Tochter das Leben. Sie gab ihr den Namen Diana, so wie sich das ihr Mann gewünscht hatte. Wolfgang besuchte sie in der Klinik so oft er konnte und verliebte sich regelrecht in seine noch so winzige Tochter.

„Das ist das schönste Weihnachtsgeschenk, das du mir gemacht hast. Jetzt sind wir eine richtig kleine Familie." Dabei strahlte er und Marina war in so einem Moment überglücklich. Sie dankte dem Himmel für diesen Mann. Wenn Marina allein mit ihrer Diana war, dachte sie darüber nach, was sie doch für ein Glück mit ihrem Wolfgang hatte. Manch andere Frau wurde von ihrem Mann schief angesehen, weil es nur eine Tochter war, was sie zur Welt gebracht hatte. Bei ihrem Wolfgang aber sah sie ganz deutlich, dass er sich über ihr gemeinsames Kind sehr, sehr freute.

Silvester feierte Wolfgang mit seiner Frau in der Klinik, so weit das die Vorschriften zuließen. Erst im neuen Jahr kam Marina mit der kleinen Diana nach Hause in ihre neue Wohnung.

Als Wolfgang seine Tochter das erste Mal nicht eingewickelt sah, meinte er erstaunt: „Mein Gott, ist sie noch klein."

Marina schmunzelte nur und schüttelte den Kopf. „Mir war sie bei der Geburt groß genug!" Sie lächelte. Wusste sie ja, dass er noch nie mit einem so kleinen Kind zu tun hatte.

Nachdem ihre Diana abends im Bett lag, setzten sie sich in ihre Sesselecke und ließen den Tag ausklingen. Dazu brannte Wolfgang eine Kerze an und sie stießen mit alkoholfreiem Sekt an, weil Marina ja stillte.

So verging die Zeit. Diana wurde größer und nach einem reichlichen Jahr schlief sie dann auch in ihrem Kinderzimmer. Das hielt sie aber nicht davon ab, am Wochenende früh mit zu ihren Eltern ins Bett zu schlüpfen, bis diese aufstanden.

Diana

Seit Dianas Geburt sind inzwischen über vier Jahre vergangen. Die kleine Tochter machte ihren Eltern viel Freude. Manchmal dachte Marina an die Zeit vor Wolfgang zurück, als sie eher ziellos dahin lebte. Doch seit sie mit ihm zusammen war, schien für sie ständig die Sonne. Es war einfach schön. Das konnten auch keine kurzen Unstimmigkeiten über die Erziehung von Diana trüben. Sie waren zu dritt sehr, sehr glücklich.

Es ergab sich, dass es im März noch einmal schneite. So machten die drei bei ihrem sonnabendlichen Waldspaziergang auf der Wiese vor der Bank, an der sie sich zum ersten Mal trafen, eine kleine Schneeballschlacht. Papa gegen den Rest der Familie. Natürlich unterlag Wolfgang der Übermacht. Er machte das so echt, dass es seiner kleinen Tochter gar nicht auffiel. Bei dieser Schneeballschlacht hatte die kleine Diana so viel Schnee nach ihm geworfen, dass ihre Handschuhe ganz nass waren. Zum Glück hatte ihre Mama aus kluger Voraussicht noch ein zweites Paar mit. Die zog sie nun über die kalten Hände ihrer Tochter.

Nach dem Mittagessen ging Diana erst einmal schlafen. Danach gab es ein paar Kekse und Kakao. Dazu hatte Wolfgang den Fernseher angemacht und eine DVD eingelegt. Passend zum Wetter sahen sie nun alle zusammen das Märchen Die Schneekönigin von Hans Christian Andersen. In diesem Märchen wurden die Kinder Gerda und Kai für lange Zeit getrennt. Auf einmal musste Wolfgang wieder an die beiden Rosen auf der Blumenrabatte unterm Balkon denken. Dann kamen auch all die Erinnerungen an Diane wieder hoch. Genau wie in diesem Märchen wurden auch sie plötzlich getrennt. Im Märchen konnte nur Gerda zu ihrem Kai finden und nicht er zu ihr. Und Wolfgang wurde auf einmal wieder bewusst, dass genau so wie in diesem Märchen auch nur Diane zu ihm finden konnte, er zu ihr nie. Er hatte gar keine Chance.

Diese Parallelen von Gerda und Kai zu Diane und ihm ließen all die verdrängten Erlebnisse vom Sommer 2007 wieder in ihm hochkommen. Aber was wäre, wenn seine Diane jetzt plötzlich auftauchen würde? Wie würde er sich jetzt entscheiden? Würde er sich von Marina und Diana trennen? Niemals! So gingen ihm viele Gedanken durch den Kopf und er saß wie abwesend vorm Fernseher. Seine Gedanken wanderten immer mehr in die innere Erde. Alles war wieder so frisch, wie kurz nach seinem Urlaub in Posid. Erst als das Märchen zu Ende war, kam er wieder in die Wirklichkeit zurück. Seine Marina musterte ihn etwas, aber sagte nichts. Dafür schimpfte die kleine Diana um so mehr über die böse Schneekönigin. Plötzlich aber fragte sie: „Kann ich auch zwei Rosen haben?"

„Für wen soll denn die zweite Rose sein?", fragte ihre Mutter mit gespielter Neugier, während Wolfgang seine Tochter anstarrte, unfähig etwas zu sagen.

Doch Diana zuckte mit den Schultern. So blieb ihr Wunsch erst einmal offen.

Zwei Wochen später wurde Marina Freitagfrüh zeitiger als sonst munter. Ein merkwürdiger Traum hatte sie aus dem Schlaf gerissen. Als ihr Wolfgang auch munter war, berichtete sie ihm: „Ich habe jetzt vielleicht etwas Merkwürdiges geträumt. Du hast mir gestanden, dass du in eine andere Frau verliebt bist. Dann sprang sie lachend auf die Knie, drückte mit ihrer rechten Hand leicht auf seinen Brustkorb und sagte übertrieben ernst: „Gestehe! Mit wem betrügst du mich?

Doch Wolfgang blieb sehr ernst. Sofort war das Lachen aus Marinas Gesicht verschwunden. „Es ist also wahr?" Sie sah ihn ängstlich mit großen Augen an.

Jetzt umarmte er sie und schüttelte mit dem Kopf. „Nicht so, wie du das denkst. Es ist völlig anders. Er drückte seine liebe Frau ganz fest an sich. „Ich habe nie darüber gesprochen, weil es unsere Liebe nicht betrifft. Ja, es gibt eine Frau, an die ich immer noch denke. Ich habe sie sehr geliebt, aber das war alles vor deiner Zeit. Die Umstände haben uns getrennt und es ist mir unmöglich sie wieder zu sehen. Es berührt unsere Liebe überhaupt nicht.

Marina sah ihn darauf hin lange an. „Ist das wirklich war? Du hast sie nie wieder gesehen?"

„Darauf kann ich jeden Eid schwören."

Das beruhigte Marina. Sie war überzeugt, dass Wolfgang sie nie anlügen würde. „Wie hast du sie denn kennen gelernt", fragte sie neugierig.

„Es war … eine Art Urlaubsbekanntschaft, die ich 2007 hatte. Sie hieß Diane."

Jetzt stockte Marina. „Wolltest du deshalb, dass unsere Tochter Diana heißen sollte?"

Wolfgang nickte und Tränen standen in seinen Augen.

„Mein Gott! So sehr liebst du sie noch?"

Jetzt nickte er und drückte seine Marina dabei wieder ganz fest an sich. „Bitte glaube mir. Es ist völlig anders, als du denkst. Sie stört unsere kleine Familie in keinster Weise. Es ist nur eine Erinnerung, die ich in mir trage."

„Und warum habt ihr euch denn getrennt, wenn du sie so sehr liebst. Hat sie Schluss gemacht?"

„Nein. Sie hat mich genau so sehr geliebt, wie ich sie. Vielleicht tut sie es heute noch. Ich weiß es nicht. Bitte habe dafür Verständnis. Ich weiß, ich verlange da viel von dir. Doch ich kann nur immer wieder betonen, dass das nichts mit dir und mir zu tun hat. Diane ist ein Sonderfall."

„Ein Sonderfall? So so! Ist das nicht vielleicht doch nur eine Ausrede?", fragte Marina immer noch beunruhigt.

„Nein. Diane hat zwar seit dem einen Platz in meinem Herzen, aber du hast den größeren Anteil. Ich würde dich nie für sie hergeben und Diana genauso wenig. Heute ist Diane für mich wie eine liebe Schwester, die, sagen wir, auf dem Mars lebt. Damit ist sie für mich unerreichbar."

„Auf dem Mars lebt sie aber bestimmt nicht." Argwöhnisch betrachtete Marina ihren Mann.

„Das stimmt schon, aber trotzdem gibt es keinen Weg zu ihr. Das kannst du mir wirklich glauben."

„Sie ist mit einem anderen verheiratet?"

„Nein, das glaube ich nicht. Es waren wirklich andere Umstände, die uns trennten."

„Aber du hast doch mit ihr geschlafen?", bohrte Marina weiter.

Wolfgang schüttelte leicht den Kopf. „Ich sagte doch, es ist ein Sonderfall. Aber jetzt müssen wir erst einmal aufstehen. Ich verspreche dir, wenn Diana heute Abend im Bett liegt, werde ich dir die Geschichte erzählen. Einverstanden?"

„Gut! Aber dann auch alles!", entgegnete Marina nun doch wieder misstrauisch.

„Das werde ich. Auch auf die Gefahr hin, dass du mich für verrückt hältst."

Marina sah ihn verwundert an. „Wie kommst du denn darauf?"

„Warte es ab. Heute Abend wirst du wissen, warum ich das sage."

Sie standen auf und gingen ihren täglichen Geschäften nach. Marina und Wolfgang gingen auf ihre Arbeit und Diana in den Kindergarten.

Während ihrer Arbeit war Marina unkonzentriert. Sie glaubte ihrem Wolfgang, aber trotzdem war da eine andere Frau, die er noch liebte. Das hatte sie deutlich gespürt. Daran konnten auch seine Beteuerungen nichts ändern. Marina hatte Angst um das Glück in ihrer kleinen Familie. Wer war diese Frau, die Wolfgang immer noch liebte und wieso beteuerte er, dass das nichts mit ihr zu tun hätte. Das ergab keinen Sinn.

Als Marina ihre Tochter am Nachmittag vom Kindergarten abholte und mit ihr anschließend nach Hause ging, fragte die kleine Diana: „Mama! Warum bist du so traurig? Ich war doch ganz lieb."

Da blieb Marina stehen, ging in die Hocke und drückte ihre kleine Tochter ganz fest an sich. Tränen liefen über ihr Gesicht.

„Mama, meine liebe Mama, ich war wirklich lieb." Und Diana umarmte ihre Mama ganz toll.

„Ja, du warst ganz lieb. Ich weiß. Es hat nichts mit dir zu tun, mein kleiner Engel."

„Aber du bist ganz traurig. Ist es schlimm?"

„Ich weiß es selbst nicht, Diana. Aber mach dir darüber keine Gedanken. Mit dir hat das wirklich nichts zu tun. Komm, wir gehen schnell nach Hause."

Marina stand auf, nahm die kleine Hand ihrer Tochter und sie gingen weiter. Unterwegs kauften sie noch Verschiedenes ein und Marina versuchte ihre innere Unruhe so gut sie konnte zu verbergen. Doch sie hatte Angst vor dem, was Wolfgang ihr erzählen würde. Sie hatte Angst vor der fremden Frau, die Wolfgang noch so viel bedeutete. Auch wenn er betonte, dass das ihre Beziehung nicht berühren würde. Marina sah das anders. Ihr Glück, ihre ganze Zukunft war plötzlich nicht mehr so sicher, wie sie bis dahin dachte. Auch wenn Wolfgang ihr versicherte, dass er sie gar nicht treffen kann. Was ist, wenn er dieser Frau zufällig wieder begegnete? Auf dem Mars war sie nicht. Also könnten sich doch ihre Wege rein zufällig kreuzen. Vor diesem Zufall hatte Marina große Angst.

„Mama. Seit wann essen wir Margarine?" Marina kam wieder in die Wirklichkeit zurück und starrte auf ihre Hand, in der sie eine Margarine hielt. Schnell legte sie diese zurück ins Regal. Dann sah sie in ihren Einkaufswagen und überflog alles noch einmal. Ja, der Rest war in Ordnung.

Nun gingen sie durch die Kasse und anschließend nach Hause. Hier bereitete Marina das Abendbrot vor und spielte mit ihrer Tochter bis Wolfgang kam.

Als er seine Frau beim Abendbrot genauer ansah, erschrak er leicht. Wie hatte sich seine Marina doch verändert. Ganz ängstlich sah sie ihn an. Er nahm ihre Hand und streichelte sie.

„Bitte vertrau mir. Es ist nicht so, wie du glaubst", versicherte er ihr aufs Neue.

Gern hätte sie ihm geglaubt, aber die Zweifel nagten ständig an ihr. Wenn er diese Frau noch so liebte, dann irrt er sich vielleicht selbst? Voller Ungeduld erwartete Marina den Moment, an dem Diana ins Bett ging.

Als es dann so weit war, setzte sich Marina in ihre Sesselecke und wartete auf Wolfgang. Er brachte völlig unerwartet eine Flasche Wein und zwei Gläser. Dann stellte er noch eine Kerze mit auf den kleinen Tisch und brannte sie an. Nun schenkte er die Gläser ein und setzte sich.

„Lass uns zuerst anstoßen", begann er das Gespräch.

Sie erhoben ihr Glas und stießen an, aber auf was. Marina wusste es nicht. Ihr ganzer Körper war in Unruhe. Ihre Hand zitterte leicht.

Da begann Wolfgang. „Eines musst du mir glauben, Marina. Ich könnte Diane nicht einmal treffen, wenn ich es wollte. Ihre Welt ist mir verschlossen."

„Das verstehe ich nicht", entgegnete sie verwundert.

„Weißt du, es begann ganz harmlos, als ich vor acht Jahren, also 2007, einen einfachen Wanderurlaub machen wollte." Und er erzählte von Wassili und der Empfehlung, das Sonnenobservatorium in Goseck zu besuchen.

„Goseck? Das gleiche Goseck, in dem wir mit dem Chor waren?"

„Ja, Marina. Es ist das gleiche Goseck. Deshalb hatte ich mich auch so gewundert, als du damals davon erzählt hattest. Das Sonnenobservatorium hat man aber erst so um die vergangene Jahrtausendwende entdeckt und nachkonstruiert. Als wir mit dem Chor dort waren, wusste von der Existenz dieser Anlage noch niemand etwas."

Dann erzählte Wolfgang von der Meditation und davon, dass er dadurch in Posid landete. So erfuhr Marina die ganze Geschichte bis zum Schluss, als er sich von Diane und den anderen trennen musste.

Es war inzwischen schon nach Mitternacht, als Wolfgang endlich seine Erzählung beendete. Marina sah ihn anschließend ungläubig an. Durch diese Geschichte ging sie etwas auf Abstand zu Wolfgang. „Du bist dir sicher, dass du dir das alles nicht nur einbildest? Die Erde ist doch innen flüssig. Das weiß doch jedes Kind!"

Wolfgang schüttelte den Kopf. „Das habe ich auch einmal gedacht. Warte! Er stand auf und verließ das Zimmer. Kurz darauf kam er mit einem kleinen Kästchen wieder. Er öffnete es und entnahm ihm ein gläsernes Schmuckstück. „Weißt du, was das ist?

„Ja. Das liegt so lange ich dich kenne in deinem Nachttisch."

„Ja. Aber was ist das?"

„Eine gläserne Sonne würde ich sagen. Was ist daran so besonders?"

Wolfgang nickte so vor sich hin. „Das ist kein Glas. Es ist Bergkristall in einer Reinheit, wie sie auf unserer Welt überhaupt nicht vorkommt. Und dieses Amulett ist die Sonne von Atlantis. Es ist von ihr."

Marina merkte, wie dieses Schmuckstück ihren geliebten Mann stark bewegte. „Wirf es doch weg, wenn es in dir solche Erinnerungen weckt."

„Niemals! Es ist die einzige Erinnerung, die ich an sie habe. Bitte versuche das zu verstehen."

Nun hatte Marina wirklich Angst um ihn. Aber nicht, weil er eine andere liebte, sondern weil sie glaubte, dass er geistig verwirrt war.

„Du glaubst mir nicht? Morgen ist Sonnabend, da kann ich es dir beweisen. Jetzt gehen wir aber besser schlafen."

Marina wusste nicht, warum für ihn der Sonnabend so wichtig war. Und sie wusste auch nicht, was er mit Beweisen meinte. Auf eine Art hoffte sie, dass ihr Wolfgang doch nicht geistesgestört war, aber das, was er erzählt hatte, konnte unmöglich wahr sein.

Als sie am nächsten Früh aufstanden, sah Wolfgang verändert aus, als hätte er geweint. Marina war erschrocken. So hatte sie ihren Mann noch nie gesehen. Trotzdem fragte sie ihn nicht. Es konnte ja nur mit dieser Diane zusammen hängen. Und dieses Thema wollte Marina unbedingt vermeiden.

Nach dem Frühstück lud Wolfgang seine Familie zu einem Stadtbummel ein. Sie fuhren mit der S-Bahn in die Innenstadt von Leipzig und dort steuerte er ein führendes Juweliergeschäft an. In dem Geschäft ließ er sein Amulett schätzen. Die Verkäuferin meinte, dass das nur der Chef machen könne. Sie ging nach hinten und ein älterer Mann kam mit ihr nach vorn.

„Sie wollen diesen Glasschmuck schätzen lassen?", fragte dieser etwas gelangweilt.

„Das ist kein Glas. Es ist Bergkristall!"

„Was? Wollen Sie mich auf den Arm nehmen? So sauberen Bergkristall gibt es gar nicht!"

„Bitte überprüfen Sie es!"

„Na, dann geben Sie mir mal ihr tolles Schmuckstück."

Wolfgang gab es ihm. Er drehte es in der Hand. Hielt das Amulett gegen das Licht.

„Da hat Ihnen der Verkäufer dieses Amuletts aber einen schönen Bären aufgebunden. Das ist reines Gla … Moment mal!"

Plötzlich sah sich der Juwelier das Schmuckstück genauer an. Nahm aus einem Schubfach eine Lupe und betrachtete das Amulett damit intensiv.

„Das … das gibt es ja gar nicht!, entfuhr es ihm. „Bitte warten Sie hier. Er legte die Sonne von Atlantis auf den Tresen und ging nach hinten. Gleich darauf kam er mit einem speziellen Mikroskop zurück und betrachtete dadurch das Material des Amuletts.

Nach weiteren Minuten schüttelte der Juwelier den Kopf und starrte Wolfgang völlig entgeistert an. „Das ist einfach nicht möglich. Wo haben Sie dieses Schmuckstück her?"

„Ich habe es geschenkt bekommen. Weshalb fragen sie?"

Wieder betrachtete er das Amulett durch sein Mikroskop und schüttelte erneut mit dem Kopf. Folgende Gedanken gingen ihm dabei durch den Kopf: Es ist tatsächlich Bergkristall, aber in einer Reinheit, die es eigentlich gar nicht gibt. Nur die berühmten Kristallschädel sollen aus solchem reinen Kristall sein. Keinerlei Bearbeitungsspuren. Genau wie es bei den Kristallschädeln sein soll. Zu Wolfgang aber sagte er: „Bitte überlegen Sie genau. Wo haben Sie dieses Schmuckstück her?"

„Ich sagte Ihnen doch bereits, ich habe es geschenkt bekommen."

„So etwas verschenkt man doch nicht einfach. Wieder sah er durch sein Mikroskop. „Wollen Sie es verkaufen. Ich zahle Ihnen einen hohen Preis.

„Nein. Warum wollen Sie es kaufen?"

„Dies ist wirklich Bergkristall. Aber er ist so rein, wie er gar nicht sein dürfte. So reinen Bergkristall gibt es überhaupt nicht! Und Sie würden sich nicht überreden lassen, das Schmuckstück zu verkaufen?"

Wolfgang schüttelte den Kopf, nahm seine Sonne von Atlantis und sagte zu seiner Familie: „Kommt! Lasst uns gehen."

„Ich zahle Ihnen jeden Preis!", rief der Chef des Ladens noch hinterher.

„Nein, Danke!", erwiderte Wolfgang, als er den Laden verließ. Draußen meinte er zu Marina: „Was sagst du jetzt? Ich habe dieses Amulett, kurz nachdem ich von meiner Reise 2007 zurück war, genau so schätzen lassen wie heute. Es war das gleiche Ergebnis. Deshalb wusste ich, wie der Juwelier reagieren würde. Glaubst du mir jetzt, dass ich wirklich in der inneren Erde war? Solch einen reinen Bergkristall gibt es auf unserer Welt nicht. Das hat der Juwelier ja bestätigt. Deshalb würde er vermutlich wirklich jeden Preis bezahlen. Vielleicht ist diese Sonne von Atlantis hier wer weiß wie viel wert. Ich weiß es nicht. Aber so lange ich lebe wird es nicht verkauft! Bitte versprich mir, dass du das nie tun wirst."

„Ich weiß nicht, wenn es doch so viel wert ist?", bemerkte sie unsicher.

„Bitte! Wenn du es tust, ist es für mich genau so wie für dich, wenn ich unsere Tochter verkaufen würde. Du könntest mir das nie verzeihen und ich könnte es im umgekehrten Fall auch nicht!"

„So sehr liebst du sie?", fragte Marina traurig.

„Ja, wie unsere Tochter. Auf sie bist du doch auch nicht eifersüchtig."

„Aber das ist doch ganz was anderes!"

„Wirklich? Für mich ist das sehr ähnlich." Dann nahm er seine Marina in den Arm und küsste sie.

„Wolfgang! Hier vor all den Leuten!"

„Marina! Ich liebe dich. Ich liebe dich sogar sehr. Lass mir einfach diese Erinnerung, die unserer Liebe ja gar nicht schaden kann."

Marinas Welt war wieder einigermaßen in Ordnung, obwohl sie diese Sache mit seiner Diane schon noch weiter beschäftigte.

In der folgenden Nacht träumte Wolfgang plötzlich wieder von Diane. Sie sagte ihm im Traum, dass sie sich wieder sehen, aber es werden noch Jahre bis dahin vergehen. Im Traum umarmte sie ihn und sagte ihm auch, er solle seine Familie von ihr grüßen und seiner Frau ausrichten, dass sie nie ihre kleine Familie stören würde.

Als er aufwachte, wusste er nicht, ob er das nur geträumt oder erlebt hatte. Wolfgang empfand es aber doch für besser, von Diane nichts zu erzählen und richtete so auch die Grüße vorläufig nicht aus.

Tage später recherchierte Marina im Internet und kam zu verblüffenden Ergebnissen. Da gab es Berichte von Menschen, welche alle anderen auslachten, die an eine bewohnte innere Erde glaubten. Sie hielten diese Spinner für hoffnungslose Deppen. Aber es gab auch andere Berichte über Aussagen von Polarforschern, die eine innere Erde für real hielten. Die Krönung allerdings waren zwei Berichte, die vom Leben in der inneren Erde berichteten. Ein Bericht war von dem Norweger Olaf Jansen und ein anderer vom US-Admiral Richard E. Byrd. Auch wenn Marina immer noch skeptisch gegenüber Wolfgangs Erzählung war, so musste sie zugeben, dass sich vieles, was er erzählt hatte, mit den Berichten der anderen deckte.

Wolfgang und Marina vermieden ab sofort dieses Thema und sie lebten weiterhin glücklich zusammen.

Die Jahre vergingen. Wolfgangs Erinnerungen an Diane zogen sich immer tiefer in sein Herz zurück. Er versuchte nicht mehr an sie zu denken. Nur wenn er die beiden Rosen unter dem Balkon pflegte, dachte er wehmütig an Diane in der inneren Erde und an die anderen in ihrem Clan, die ihm dort in Freundschaft begegnet waren. Auch Dianes Mitschüler in der Herbergsschule vermisste er in diesem Moment genau so sehr, wie Toni, Sira und die Kleinen. Sein Herz krampfte sich zusammen, wenn er an sie dachte.

Natürlich liebte Wolfgang seine Familie über alles. Aber ein Stück seiner Herzensliebe gehörte auch weiterhin Diane, obwohl er davon ausging, dass er sie nie wiedersehen würde. Ihm blieben nur die Erinnerungen an eine vergangene Zeit, die wunderschön war. Aber das alles war nun schon lange her.

Ein neuer Anfang

Seit dem Geständnis von Wolfgang über seine Liebe zu Diane waren inzwischen zwölf Jahre vergangen. Sie hatten nie wieder über diese Diane gesprochen. Marina lebte immer noch glücklich mit ihrem Wolfgang zusammen und hatte auch nie wieder Grund zur Eifersucht gehabt. Ihre Tochter Diana war inzwischen zu einer selbstbewussten Jugendlichen heran gewachsen.

Die allgemeine Situation hatte sich im Land drastisch verändert. Die Wirtschaft brach immer mehr zusammen. Der Dollar hatte keinen Wert mehr. In vielen Ländern kamen völlig andere Regierungen mit neuen Zielen an die Macht. Wie sollte das nur weiter gehen? Zum Glück hatte es Marina und Wolfgang noch nicht mit Arbeitslosigkeit getroffen, wie so viele andere. Sie hofften inständig, dass dieses Chaos bald vorüber wäre. Und Wolfgang dachte in letzter Zeit immer öfter an die Zukunftsprognosen, die er beim Bergkristall-Clan gehört hatte. Hatten sie dieses Chaos gemeint? Aber das konnten sie doch damals noch gar nicht wissen! Oder doch? Wolfgang war hin und her gerissen. Konnte er sich doch mit niemand darüber unterhalten. Besonders das bedrückte ihn am meisten. Seiner Familie gegenüber gab er sich jetzt stets optimistisch. Er erzählte seinen Frauen, dass die alten Mayas dieses Chaos vorausgesagt hatten und ebenso prophezeiten, dass hinterher ein goldenes Zeitalter anbrechen würde. Also müsse man sich keine großen Sorgen machen, denn alle Prophezeiungen der alten Mayas hatten sich in der Vergangenheit erfüllt. Dann würden sie auch diesmal recht behalten.

Freitagabends beim Abendbrot fragte Diana ihren Papa plötzlich: „Sag mal, glaubst du, dass es Außerirdische gibt?"

Wolfgang hatte sofort ein zynisches Lächeln im Gesicht. Doch dann besann er sich, dass er ja mit seiner unerfahrenen Tochter sprach. „Ich glaube schon. Wie kommst du darauf?"

„Na so meine ich das nicht. Sicher gibt es irgendwo welche. Ich meine, ob du glaubst, dass sie schon auf unserer Erde waren?"

„Sicher waren sie das. Es gibt genug Artefakte, die eindeutig darauf hinweisen, dass Außerirdische schon mal auf der Erde waren."

Auf Dianas Stirn bildeten sich Falten und ihr Papa meinte lachend: „Willst du Falten im Gesicht haben?"

„Was? Nein! Und schon waren die Falten wieder verschwunden. Doch dann fragte sie erneut: „Was für Artefakte?

Wolfgang winkte ab. „Da gibt es unheimlich viele. Denke nur mal an die Pyramiden in Ägypten, bei denen man bis heute nicht glaubwürdig erklären kann, wie sie gebaut worden sind. Alle Erklärungsversuche halten einer Hinterfragung nicht stand. Oder auch

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