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Carl Friedrich Ferdinand Böhme Tagebuch 2te Periode (I): vom 21.06.1812 bis mit 09.11.1812

Carl Friedrich Ferdinand Böhme Tagebuch 2te Periode (I): vom 21.06.1812 bis mit 09.11.1812

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Carl Friedrich Ferdinand Böhme Tagebuch 2te Periode (I): vom 21.06.1812 bis mit 09.11.1812

Länge:
137 Seiten
1 Stunde
Herausgeber:
Freigegeben:
Apr 20, 2017
ISBN:
9783744823609
Format:
Buch

Beschreibung

Carl Friedrich Ferdinand Böhme machte den Feldzug 1812 als Sousleutnant und Verpflegungs-Offizier im Grenadier-Bataillon von Spiegel (Grenadier-Kompanien der Regimenter Prinz Max und v. Rechten) mit. Er focht mit dem Bataillon bei Podobna (18.10.1812), an der Lesna (11.10.1812) und bei Biala (18.10.1812). Sein Tagebuch enthält neben interessanten Einblicken in den Verpflegungs- und Truppendienst einen gezeichneten Plan zur Schlacht bei Podobna.
Herausgeber:
Freigegeben:
Apr 20, 2017
ISBN:
9783744823609
Format:
Buch

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Carl Friedrich Ferdinand Böhme Tagebuch 2te Periode (I) - Books on Demand

Beiträge zur sächsischen Militärgeschichte zwischen 1793 und 1815

Heft 45

Abb. 01 – Deckblatt

Vorwort

Der Originaltitel der Aufzeichnungen lautet:

Die Beschreibung meiner Tage seit den unruhigen und traurigen Zeiten vom Jahr 1811 bis 1818 – Zweide Periode gehalten von Carl Friedrich Ferdinand Böhme.

Böhme (15.07.1782 – 18.04.1827) wurde zu Annaberg als Sohn eines pensionierten Hauptmanns geboren. Mit 14 trat er als Gemeiner in das Regiment Prinz Maximilian ein, in welchem auch sein Vater 42 Jahre gedient hatte. Als Fähndrich (Patent vom 19.08.1805) wohnte er 1806 den Gefechten bei Saalfeld und Jena bei. Als Sous-Leutnant (Patent vom 06.04.1808) machte er 1809 den Feldzug gegen Österreich mit und wurde in der Schlacht bei Wagram durch beide Beine geschossen. Bereits von den französischen Wundärzten aufgegeben, rettete ihn ein sächsischer Arzt. Für Wagram erhielt er den Militär St.-Heinrichs-Orden (beliehen am 04.08.1809). Mit dem Grenadier-Bataillon Spiegel zog er 1812 in den russischen Feldzug¹.

Am 06.06.1813 zum Premier-Leutnant befördert, geriet er am 28.08.1813 bei Luckau in preußische Gefangenschaft. Böhme kehrte nach der Leipziger Schlacht nach Sachsen zurück und diente im 2ten Linien-Regiment / 2te Kompanie. Mit seiner Einheit stand er bis 1818 bei der Okkupations-Armee. Im Jahre 1821 erhielt die nachgesuchte Entlassung mit Hauptmanns-Charakter.

Böhme hat seine Erinnerungen in 9 Oktavbänden (incl. eines Bandes mit Aktenstücken, Tagesbefehlen, Zeitungsausschnitten zu den Vorfällen von 1815) für die Jahre 1811 – 1818 festgehalten.

Der im nachfolgenden wiedergegebene Band seines Tagebuches aus dem Feldzug von 1812 befindet sich heute in Privatbesitz. Wo sich die anderen Bände befinden, ist nicht bekannt. Darüber hinaus muss er noch ein Tagebuch zum Feldzug von 1809 geführt haben, dessen Verbleib aber bereits 1827 nicht bekannt war.

Der Text selbst ist so originalgetreu wie möglich wiedergegeben, jedoch der heutigen Rechtschreibung angepasst. Verwendete Namen, Begriffe und Ortsbezeichnungen werden, insofern zweifelsfrei identifizierbar, zum besseren Verständnis in der exakten Begrifflichkeit wiedergeben. Sonst wurde die Schreibweise des Tagebuches beibehalten.

Bedanken möchte ich mich unbekannterweise beim heutigen Besitzer des Werkes, der die Veröffentlichung erst ermöglicht hat.

Natürlich möchte ich mich auch bei Ihnen, verehrter Leser, dafür bedanken, dass Sie sich zum Kauf dieses Buches entschlossen haben. Insofern Sie Anregungen und Kritiken haben oder mir einfach nur mitteilen wollen, ob Ihnen das Buch gefallen hat, so können Sie mich via email unter sachsen-titze@t-online.de erreichen.

Ihr

Jörg Titze


¹ Für nähere Informationen zum sächsischen Korps im russischen Feldzug möchte ich auf mein Werk „1812 – Die Sachsen in Russland" (No. 19 dieser Serie) verweisen.

Die

Beschreibung meiner Tage

seit

den unruhigen und traurigen

Zeiten vom Jahr

1811 bis 1818

Zweite

Periode

gehalten

von

Carl Friedrich Ferdinand Böhme

Legende zur Abbildung auf den Seiten → und →

Schlacht bei Podowna am 12ten August 1812

Anm. des Hrsg.: Die Stellung EE befindet sich im Längsknick der Karte und ist daher nur andeutungsweise rechts neben dem Weg nach Kobryn zu sehen.

Podawna = Podobna

Auf! Auf!

Der Sturm bricht los!

Die Kriegs-Fackel leuchtet!

Der Kampf muss nun beginnen;

Lasset uns siegen,

Gehet zu sterben,

Nur dieses sei unser Ziel.

1 Bemerkung

Endlich sollten wir nun dem entgegen gehen, was uns schon seit Jahresfrist vor Augen gestanden, und weswegen in dieser Zeit auch schon so manche Veranstaltung mit so mancher Geld-Aufwand geleistet worden war.

Die Armee war vollzählig, gut verpflegt, an Märsche schon gewöhnt, und kurz in so einem herrlichen und vortrefflichen Zustand, als man solche gewiss selten so finden wird; - wahrscheinlich werden sie länger nun nicht mehr so bleiben; - dies war jetzt das Wort eines Jeden, und leider musste das Ende dieser Periode solches schon be- 2 stätigen; ein früheres Vermuten von einer gänzlichen Auflösung dieser Legionen würde gewiss einen Jeden des Wahnsinns beschuldigt haben. –

So weit gehen Möglichkeiten! – so ist Gottes Schickung!

3 Den 21ten Juni 1812

Die Notwendigkeit, für das Bataillon abermals Geld zu erheben, gebot mir, diesen Mittag ein Reise nach Warschau anzutreten, welches ich in Begleitung unseres Marketenders, welcher diesen Weg wegen des Einkaufs mehrerer Genüsse schon mehrere Male gemacht hatte, und solchen also genau wusste, vollzog; ich hatte mir ein recht flinkes Fuhrwerk aus meinen Vorspann-Bauern, welche im Lager behalten und nicht entlassen wurden, herausgesucht, womit ich nun mit Bequemlichkeit und auch mit Geschwindigkeit meinen Weg fortsetzen konnte.

4 Wir fuhren mehrere Stunden in den Wald, kamen dann auf einen ohngefähr eine halbe Stunde freien Platz, wo wir einige ganz zerstörte Häuser nebst einem großen und gewiss ehemals schönen Posthaus und einen Judenkrug fanden, welches noch alles die besonderen Merkmale der rücksichtslosesten Aufführung und Plünderung der daselbst gestandenen westphälischen Truppen deutlich bewies; den Namen des Orts konnte ich für diese Zeit nicht erfahren, da Niemand zugegen war; man fand mehrere angelegte Biwaks, von Reisig erbaut und daneben leere und zum Teil zerstörte Häuser; es waren keine Truppen 5 mehr zugegen, die wohl in voller Masse hier gestanden haben mochten und vorwärts gegangen waren; es war dieser Ort ein Grenzort gegen das russische Polen. Bald führte uns der Weg wieder in den Wald, in welchem wir wiederum mehrere Stunden fuhren; als wir wieder ins Freie kamen, sahen wir die noch einige Stunden entfernt liegende Residenzstadt Warschau, wenigstens in ihrer Kontur und Mengen von Türmen, ausgebreitet vor uns liegen.

Kaum ist es wohl zu glauben, dass man in der Nähe der größten, schönsten und prachtvollsten Stadt einer Monarchie nicht mehr Kultur, nicht mehr Wohlhabenheit verspüren soll- 6 te? Zwar soll es jenseits der Weichsel, wo die Gegend noch etwas angenehmer wie hier ist, nicht so ganz den Mangel aller deutschen Annehmlichkeiten enthalten. Wir fuhren demnach bis fast in das diesseits liegende Städtgen Praga, wobei wir vorher einige alte Feld-Verschanzungen, Überbleibsel von den früheren polnischen Revolutions-Kriegen, passieren mussten; soweit waren wir schon in den Umgebungen von Warschau gekommen, ohne vorher etwas anderes als einige alte, halb zerfallene, kleine, die Unreinlichkeit ausdrückende, und in diesem Lande gewöhnliche Dörfer, mit einigen Edelhöfen, zu finden; war früher keine Be- 7 wunderung für Schönheit in mir geregt worden, so wurde es eben so wenig in Praga, indem ich in ihr weiter nichts als eine gewöhnliche Judenstadt fand. Als wir die Verschanzungen des Brückenkopfes der vor uns liegenden Weichselbrücke, passiert hatten, sahen wir einen großen Teil der Stadt in amphitheatralischer Lage vor uns, und ob sich dieses gleich in der Entfernung und durch die Menge großer Gebäude, welche rechts und links des Ufers in bedeutender Entfernung fort gingen, recht gut ausnahm, so wollte in der Nähe die so auffallende Verschiedenheit das Auge doch nicht so recht erfreuen; große und antike Gebäude zieren zwar öfters auch eine Stadt und impo- 8 nieren sogar, allein wenn man zugleich neben ihnen wieder niedrige, schlechte und schmutzige Hütten sieht, wie dieses hier größtenteils der Fall ist, so vergisst man öfters das Schöne durch die danebenstehende Beleidigung desselben, wenigstens bei mir war das der Fall, dass mir die gewiss auch hier zu erwartende Bewunderung unterdrückt wurde.

Nachdem man die über die Weichsel angelegte Schiffbrücke passiert hat, geht man etwas steil durch eine Straße, welche in die Krakauer Vorstadt führt, die, sowie die so genannte neue Welt recht schön, und von allen Straßen, davon 300 sind, am besten gebaut ist, denn außerdem 9 findet man wie schon bemerkt, so eine Mannigfaltigkeit der Bauart, die den Augen eine Beleidigung verschaffen muss. Warschau, außer Praga, zählt 76.000 Einwohner unter welchen 20.000 Juden sein sollen, man denke sich diese Lebhaftigkeit auf den Straßen, und dieses mannigfaltige Gewühl, das Begegnen der Armut mit der Pracht, der höchsten Reinlichkeit mit der Schweinerei! – Dieser Ort ist übrigens noch von einer bedeutenden Menge von Fremden fast stets, aber vorzüglich in den Wintermonaten von denen weit und breit daher reisenden Magnaten, Starosten u.s.w. angehäuft, welche wenigstens immer den Fasching hier erwarten, daselbst in größ- 10 ter Pracht leben, bis diese vielleicht längst hierauf gesparte Summe beendigt, und sie nun auf ihren stillen Landsitz zurück kehrend, den Sommer oder längere Zeit wieder in größter Einfachheit leben. Daher findet man in Warschau auch den größten Luxus, wie man sich ihm nur denken kann, Bälle, Konzerte, Komödien, und eine Menge anderer Belustigungen, wechseln sich, besonders im Winter ununterbrochen ab; will man fahren, so findet man auf mehreren Punkten der Stadt Lohnkutscher, wo man für 1 Stunde 1 höchstens 2 Gulden polnisch bezahlt /: 1 polnischer Gulden hält 4 Groschen :/ und dieser fährt nun wohin man will, nämlich doch für diese Preis in

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