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Zwölf Schritte der Heilung: Gesundheit und Spiritualität

Zwölf Schritte der Heilung: Gesundheit und Spiritualität

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Zwölf Schritte der Heilung: Gesundheit und Spiritualität

Länge:
195 Seiten
3 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Jul 11, 2013
ISBN:
9783451345944
Format:
Buch

Beschreibung

Gesundheit und Heilung heißt Freiwerden von Abhängigkeiten: Richard Rohr erschließt das Zwölf-Schritte-Programm von Selbsthilfe-Gruppen wie den "Anonymen Alkoholikern" als spirituellen Weg für alle Suchenden. Die Zwölf Schritte können nicht nur Menschen retten, die in Abhängigkeiten unterzugehen drohen. Sie sind ein Weg, der allen Suchenden Mut zu neuer Lebendigkeit schenkt.

Wir alle sind in irgendeiner Form abhängig – ob von offensichtlichen Suchtmitteln wie Alkohol oder subtiler von Anerkennung, Erfolg und unseren täglichen Routinen, selbst wenn diese uns nicht guttun. Richard Rohr spürt den erstaunlichen Parallelen zwischen dem Evangelium und dem Zwölf-Schritte-Programm nach und macht so die heilende Wirkung der Lehre Jesu ganz praktisch erfahrbar.

In einer von Abhängigkeit und Überforderung bestimmten Gesellschaft inspiriert Richard Rohr dazu, das eigene Leben selbst in den Griff zu nehmen. Das Zwölf-Schritte-Programm der Selbsthilfegruppen ist Amerikas bedeutendster Beitrag zur Spiritualität.

Als Ergänzung zu diesem Buch hat Richard Rohr auch ein Praxisbuch herausgegeben.
Herausgeber:
Freigegeben:
Jul 11, 2013
ISBN:
9783451345944
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Zwölf Schritte der Heilung - Richard Rohr

RICHARD ROHR

Zwölf Schritte der Heilung

Gesundheit und Spiritualität

Aus dem Amerikanischen

von Ulrike Strerath-Bolz

Impressum

Als deutsche Bibelübersetzung ist zugrunde gelegt:

Die Bibel. Die Heilige Schrift

des Alten und Neuen Bundes

Vollständige deutschsprachige Ausgabe

© Verlag Herder GmbH, Freiburg im Breisgau 2005

Titel der amerikanischen Originalausgabe

Breathing Under Water: Spirituality and the Twelve Steps

© Richard Rohr 2011. Alle Rechte vorbehalten

Veröffentlicht von Franciscan Media (davor:

St. Anthony Messenger Press), Cincinnati/Ohio, USA

Für die deutschsprachige Ausgabe

© Verlag Herder GmbH, Freiburg im Breisgau 2013

Alle Rechte vorbehalten

www.herder.de

Redaktion: Beate Vogt

Umschlaggestaltung: agentur ID ee

Umschlagmotiv: © shutterstock

Autorenfoto: © Franciscan Media

ISBN (E-Book) 978-3-451-34594-4

ISBN (Buch) 978-3-451-32395-9

Inhalt

Einleitung

Erstes Kapitel

  Machtlosigkeit

Zweites Kapitel

  Verzweifeltes Begehren

Drittes Kapitel

  Süße Unterwerfung

Viertes Kapitel

  Ein gutes Licht

Fünftes Kapitel

  Verantwortungsübernahme und Nachhaltigkeit

Sechstes Kapitel

  Wer war zuerst da, die Henne oder das Ei?

Siebtes Kapitel

  Warum müssen wir bitten?

Achtes Kapitel

  Zeit der Abrechnung

Neuntes Kapitel

  Geeignete Mittel

Zehntes Kapitel

  Zu viel des Guten?

Elftes Kapitel

  Ein neuer Geist

Zwölftes Kapitel

  Was wir empfangen haben, geben wir weiter

Ein unerwartetes Nachwort

  Nur ein leidender Gott kann retten

Die Zwölf Schritte

Anmerkungen

Literaturverzeichnis

Bibelstellenregister

Zum Autor

Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken.

Jesus (Lukas 5,31)

Das lateinische Wort für «Alkohol» ist «spiritus»: Sie können also dasselbe Wort gebrauchen für die höchste spirituelle Erfahrung ebenso wie für das zerstörerischste aller Gifte.

C. G. Jung in einem Brief an Bill Wilson, 1961, kurz vor Jungs Tod

Einleitung

Der Rest ist Rhetorik, Getue, Farce.

José Ortega y Gasset

Vor fast fünfundzwanzig Jahren hielt ich in Cincinnati eine Reihe von Vorträgen, in denen es darum ging, das Zwölf-Schritte-Programm der Anonymen Alkoholiker mit der Weisheit dessen in Verbindung zu bringen, was Franz von Assisi das «Mark des Evangeliums» nennt.¹ Die Ausarbeitung dieser Vorträge ging mir leicht von der Hand, denn Parallelen und Gemeinsamkeiten waren ganz offensichtlich. Ich wunderte mich nur, dass sie noch niemand gesehen hatte – in keinem der beiden Themenfelder. Mit diesem Buch möchte ich Sie einladen, das, was eigentlich auf der Hand liegt, mit mir zu entdecken.

Die Teilnehmer des Zwölf-Schritte-Programms der Anonymen Alkoholiker trafen (und treffen) sich häufig in kirchlichen Räumen, oft im Keller, wobei sie das Gefühl beschleichen mag, dass sie für die Treffen die Kirche verlassen und «in den Keller» gehen. Dass die «Leute mit Problemen» ins Untergeschoss wandern, ist für manche Menschen, die sich in den oberen Räumen der Kirche bewegen, nahe am Allerheiligsten, ein vermeintliches Sinnbild dafür, dass ihre «höheren» Belange mehr Beachtung verdienen als die «niederen».

Ich bin mir allerdings sicher, dass die Botschaften beider Lehren, auf beiden «Ebenen», sich denselben Inspirationsquellen verdanken: dem Heiligen Geist und dem kollektiven Unbewussten. Ich bin überzeugt davon, dass auf der praktischen Ebene das transformatorische Potenzial, das von der Botschaft Jesu ausgeht, dem des Zwölf-Schritte-Programms von Bill Wilson gleicht, auch die Impulse stimmen bis ins Detail überein, was ich im Folgenden zeigen werde. Ich werde Bill Wilson als offiziellen Autor der Zwölf Schritte und des sogenannten «Blauen Buchs» der Anonymen Alkoholiker oft zitieren, aber mir ist durchaus klar, dass an der Autorschaft im Detail Zweifel bestehen, deshalb nenne ich im Folgenden den oder die Autoren stets Bill W.²

Meine Vorträge trugen seinerzeit den Titel Breathing under water («Unter Wasser atmen»), ein Titel, der sich von einem vielsagenden Gedicht der Sacré-Cœur-Schwester Carol Bieleck ableitete, das die gemeinsame Botschaft sehr gut zusammenfasst. Ich will es hier vollständig wiedergeben:³

Unter Wasser atmen

Ich habe mein Haus am Meer gebaut.

Nicht auf Sand, wohlgemerkt,

nicht auf Treibsand.

Ich habe es aus Stein gebaut.

Ein starkes Haus

an einem starken Meer.

Und wir haben uns aneinander gewöhnt,

das Meer und ich.

Gute Nachbarn.

Nicht dass wir viel gesprochen hätten.

Wir trafen uns schweigend.

Respektvoll, auf Abstand bedacht,

aber mit Blick auf unsere Gedanken

durch den Zaun aus Sand.

Stets mit dem Zaun aus Sand als Grenze,

stets den Sand zwischen uns.

Aber eines Tages,

und ich weiß immer noch nicht, wie es geschah,

da kam das Meer.

Ohne Warnung.

Auch ohne Einladung.

Nicht plötzlich und schnell,

sondern eher wie Wein

sich durch den Sand einen Weg bahnt,

weniger wie Wasser fließt

eher wie ein Strömen von Blut.

Langsam, aber stetig.

Langsam, aber strömend wie eine offene Wunde.

Und ich dachte an Flucht und an Ertrinken

und an Tod.

Und während ich noch dachte, stieg das Meer höher,

bis es meine Tür erreichte.

Und da wusste ich, es gab keine Flucht, keinen Tod,

kein Ertrinken.

Wenn das Meer kommt und nach dir ruft,

gibt es keine gute Nachbarschaft mehr,

als ob ihr euch gut kennt und freundlich-distanziert bleibt.

Du tauschst dein Haus ein gegen ein Schloss aus Korallen,

und lernst, unter Wasser zu atmen.

Mitschnitte meiner Vorträge waren jahrelang im Umlauf, und fünfzehn Jahre später entstand daraus eine zweite Vortragsreihe mit dem Titel «How do we breathe under water». Immer wieder ermutigte man mich, einige dieser Ideen in schriftlicher Form festzuhalten. Und dieser Versuch liegt nun vor Ihnen, mit Ergänzungen versehen, die sich meiner persönlichen Entwicklung und gewachsener Erfahrung verdanken. Ich hoffe, dass ich uns alle lehren kann, wie das Atmen unter Wasser funktioniert – für eine Kultur und eine Kirche, die (den Eindruck gewinnt man häufig) im Ertrinken begriffen sind, ohne es zu bemerken. Doch es gibt keinen Grund zur Verzweiflung.

Verbindungslinien zwischen dem Evangelium und den Zwölf Schritten

Ich will meinen Blick in diesem Buch vor allem auf das gefangene Individuum richten, aber ich will auch auf die Parallelen zu Institutionen, Kulturen und Nationen aufmerksam machen. Wie die Organisationsberaterin und Psychotherapeutin Anne Wilson Schaef vor vielen Jahren sagte, zeigt unsere Gesellschaft alle Symptome klassischer Suchterkrankungen. Könnte Sucht die moderne Metapher für das sein, was die biblische Tradition als «Sünde» bezeichnet?

Ich persönlich bin davon überzeugt, und dies könnte die erste grundlegende Verbindung zwischen dem Evangelium und dem Zwölf-Schritte-Programm sein. Es ist nämlich ausgesprochen hilfreich, die Sünde wie die Sucht als Krankheit zu sehen, als besonders zerstörerische Krankheit, und nicht so sehr als etwas Schuldhaftes, was bestraft werden muss, weil es «Gott betrübt». Wenn die Sünde Gott traurig macht, dann deshalb, weil Gott sich nichts so sehr wünscht wie unser Glück und unsere Bereitschaft, gesund zu werden. Der Dienst Jesu als Heiland müsste das glasklar gemacht haben: Er war ständig damit beschäftigt, zu heilen, und seine Lehre handelt vom Heilwerden auf jeder Ebene. Eigentlich erstaunlich, dass dieser Punkt nicht ganz oben auf sämtlichen kirchlichen Tagesordnungen geblieben ist.

Wie Carol Bieleck in ihrem Gedicht sagt: Wir können den anströmenden Fluten unserer Sucht und Abhängigkeit fördernden Kultur nichts entgegensetzen, sondern müssen versuchen, die Realität so zu sehen, wie sie ist; wir können nur versuchen, uns mit geeigneten Mitteln abzugrenzen, indem wir «ein Schloss aus Korallen» bauen und lernen, «unter Wasser zu atmen».

Das Neue Testament spricht in diesem Zusammenhang von Erlösung und Erleuchtung – das Zwölf-Schritte-Programm nennt diesen Prozess Genesung. Das Problem ist, dass die meisten Christen die große Befreiung in die nächste Welt verschoben haben und dass viele Mitglieder der Anonymen Alkoholiker sich damit zufriedengeben, «trocken» zu bleiben, statt eine wirkliche Veränderung ihres Selbst anzustreben. Deshalb sind wir alle Verlierer und warten auf eine Erlösung nach dem Tod, statt uns viel früher in unserem Leben am Festmahl Gottes zu erfreuen.

Das Zwölf-Schritte-Programm verhält sich zu den Botschaften, die Jesus uns gab, wie eine Parallele, wie ein Spiegel, überträgt sie auf eine praktische Ebene und entgeht der Gefahr, die Botschaft zu vergeistigen und ihre Auswirkungen in eine zukünftige oder metaphysische Welt zu verlagern. Im 4. Jahrhundert wurde das Christentum zur offiziellen Religion des Römischen Reiches, und seitdem müssen wir transzendenten Wahrheitsansprüchen zustimmen (Jesus ist Gott, Gott ist dreifaltig, Maria war Jungfrau usw.), statt die praktischen Schritte menschlicher Erleuchtung zu erleben, die zentrale Botschaft unserer eigenen Verwandlung in die «göttliche Natur» (2 Petrus 1,4), und eine «neue Schöpfung» auf dieser Erde zustande zu bringen (Galater 6,15). Die Theorie hat den Sieg über die Praxis davongetragen.

Seitdem konzentrieren wir uns darauf, Jesus zu verehren, statt ihm in der Praxis nachzufolgen. Dabei hat er nie davon gesprochen, dass wir ihn verehren sollen, sondern immer gesagt: «Folgt mir nach!» Kaiser, nicht etwa Päpste oder Bischöfe, beriefen die nächsten Konzilsversammlungen ein, und sie beschäftigten sich in der Regel nicht mit der Heilung der Massen, sondern mit der Einheit des Reiches. Und ganz sicher nicht mit der eindeutigen Lehre Jesu von der Gewaltlosigkeit, vom einfachen Leben und von der Heilung derjenigen, die einen Arzt brauchten – denn diese Lehre hätte das Reich aus den Fugen gebracht, wie wir bis heute sehen können.

Unsere christliche Beschäftigung mit der Metaphysik und der künftigen Welt half uns bei der Verdrängung der «Physik» und der Gegenwart. Endloses Wälzen von Theorien, Parteinahme, Meinungen über Richtig und Falsch übertrumpften die allgemein zugängliche Gabe der göttlichen Gegenwart in jedem Menschen, die echte «Inkarnation», die immer noch die Kraft hat, die Welt zu verändern.

Wie es Tertullian (166–225 n. Chr.), den man gelegentlich den ersten westlichen Theologen genannt hat, sagt: «Caro salutis cardo.»⁴ Das Fleisch ist der Dreh- und Angelpunkt der Erlösung. Wenn das Christentum sein Interesse an Materie, Physik und irdischem Dasein verliert, hat es nur noch wenig darüber zu sagen, wie Gott die Welt tatsächlich in die Ganzheit hineinliebt. Im endlosen Streit über den göttlichen Geist haben wir allzu oft die Beschäftigung mit Leib und Seele vergessen. Und deshalb leiden wir heute unter den Konsequenzen einer körperlich suchtkranken und oft geradezu seelenlosen Gesellschaft, während wir uns mit den Abstraktionen von Theologie und Liturgie abgeben und den eigentlich immer und überall zugänglichen Heiligen Geist nur an diejenigen austeilen wollen, die alle Voraussetzungen erfüllen.

In den Schmerz hineingehen

Im Zwölf-Schritte-Programm gibt es keine Parteinahme. Es geht auch nicht um einen Wettstreit in Würdigkeit. Es gibt nur einen absolut notwendigen Ausgangspunkt: Jeder von uns muss bei der Erfahrung der Machtlosigkeit beginnen. Und die Anonymen Alkoholiker sind ehrlich und demütig genug, das festzustellen, genau wie Jesus selbst immer dorthin ging, wo der Schmerz war. Wo auch immer menschliches Leiden zu finden war, beschäftigte sich Jesus damit – im Jetzt! – und mit seiner Heilung. Es ist sehr erstaunlich und sehr traurig, dass wir all das auf ein zukünftiges Belohnungssystem für diejenigen verlagert haben, die sich als «würdig» erweisen. Als wäre irgendeine oder irgendeiner von uns jemals «würdig»!

Fürchten wir uns vor diesem menschlichen Leiden? Machtlosigkeit, der Zustand des Schiffbrüchigen, ist eine Erfahrung, die wir alle teilen, wenn wir ehrlich sind, aber Bill Wilson hat herausgefunden, dass wir im Ehrlichsein nicht besonders gut sind. Er nannte das Verleugnung. Offenbar sind wir nicht frei genug, um

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