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Ein Jahr in Wien: Reise in den Alltag

Ein Jahr in Wien: Reise in den Alltag

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Ein Jahr in Wien: Reise in den Alltag

Länge:
204 Seiten
3 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Feb 27, 2014
ISBN:
9783451801006
Format:
Buch

Beschreibung

Wien rangiert ganz vorn in Sachen Lebensqualität, Österreich auf Platz 8 der glücklichsten Länder. Das Essen ist besser, die Menschen gemütlicher und Jobs besser bezahlt. Tausende Deutsche wandern deshalb jedes Jahr nach Österreich aus. Dass die Deutschen sein Land mögen, mag auch der Österreicher. Er schätzt es, für den großen Bruder nebenan endlich attraktiv zu sein. Dafür hat er sich an die sächselnde Bedienung in Skihütten, an Fiaker-Fahrer aus Bochum und den preußischen Ton in Chefetagen gewöhnt. Aber es ist immer noch sein Land und es sind seine Regeln. Ein Jahr in Wien begann für Tonja Pölitz deshalb ganz und gar nicht wie im Bilderbuch, sondern mit Kaffee-Knigge, Tüten-Aufsicht und mit der Frage: Was wäre Wien ohne Wiener?
Herausgeber:
Freigegeben:
Feb 27, 2014
ISBN:
9783451801006
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Ein Jahr in Wien - Tonja Pölitz

Tonja Pölitz

Ein Jahr in Wien

Reise in den Alltag

Impressum

© Verlag Herder GmbH, Freiburg im Breisgau 2014

Alle Rechte vorbehalten

www.herder.de

Umschlagkonzeption: Agentur R∙M∙E Roland Eschlbeck

Umschlaggestaltung: Verlag Herder

Umschlagmotiv: © Evelyn Rois & Bruno Stubenrauch/laif

E-Book-Konvertierung: le-tex publishing services GmbH, Leipzig

ISBN (E-Book): 978-3-451-80100-6

ISBN (Buch): 978-3-451-06681-8

Inhalt

Vorneweg

Sechs Wochen vorher

August

Wien ist anders

September

Vorsicht, Piefke-Bashing!

Oktober

No Austrians, please!

November

Was wäre Wien ohne Wiener!

Dezember

Austria – the better Germany

Jänner

Habedehre

Februar

Badewannentango

März

Schaumamal

April

Deutsche made in Austria

Mai

Friede, Freude, Apfelstrudel

Juni

Wien, nur du allein

Juli

Lieblingspiefke

Hinterher

Was man als Piefke in Wien wissen sollte

Kleiner Vokabeltrainer

„Von mir gibt’s in Deutschland zehn,

und ich muss hier alles alleine machen."

EIN ÖSTERREICHER,

NACH DIRK STERMANN

Meinen Eltern

und Andreas,

weil ich mit euch immer da ankomme,

auch ohne zu wissen, wohin ich will.

Vorneweg

Sechs Wochen vorher

AUSGERECHNET DER ROSAROTE Plüschbademantel meiner Mutter. Es gibt Momente im Leben, da hätte man besser keinen rosa Plüsch getragen. Wann immer ich nun zurückdenke, an den entscheidenden Moment, dann ist da auf immer und ewig zuerst dieser Bademantel.

Es war ein Vormittag, an dem ich überzeugt sein durfte, das Beste vom Tag schon längst hinter mir zu haben. Die Nacht war, was man als erlebnisreich bezeichnen würde. Endlich war ein Dreh mit versteckter Kamera geglückt. Der Bericht über chinesische Menschenhändler würde einschlagen wie eine Bombe. Gehüllt in eine Portion Übermut, wie nach einem Banküberfall, und, wenig vorteilhaft, im XXL-Bademantel meiner Mutter, stand ich auf der Terrasse meiner Eltern. So ganz in Rosa entsprach ich jetzt natürlich nicht auf Anhieb dem Abbild einer aufstrebenden investigativen Journalistin nach gelungenem Coup. Mit Kaffeetasse und Handy in der Hand sah ich gerade eher aus wie eines von den Teletubbies in der Betriebskantine.

„Anruf verpasst, Chefredaktion! stand da. Die rief nun wirklich selten an. Die Rückruftaste wählte sich fast von selbst, schon aus Neugier. Wie sollte ich ahnen, dass von diesem Moment an mein beschauliches wie überschaubares Leben – von nächtlichen Drehs bei chinesischen Menschenhändlern mal abgesehen – auf den Kopf gestellt werden würde! Ich hörte noch die Worte „Wien und „Wir haben da an Sie gedacht".

Dann wurde es still am anderen Ende der Leitung. Man bemühte sich, ein Fragezeichen hinterherzuschicken. Nur pro forma natürlich, denn die Botschaft war unmissverständlich: Jetzt jubeln! W i e n! Sie haben schon richtig verstanden. Und selbst wenn das ein Angebot wäre, könnten Sie es ja sowieso nicht ablehnen!

Natürlich konnte ich nicht. Wien! Das ist ein Achter im Lotto. Ich sah an mir herunter. Ausgerechnet jetzt in Bademantel und Mutterns Schlappen! So jedenfalls sieht keine coole Korrespondentin aus. Wahrscheinlich, dachte ich, könnte es jetzt nicht schaden, dankbar zu klingen.

„Und wieso ich?" Die Frage war nun wirklich typisch für mich! Da kommt aus heiterem Himmel ein Jobangebot, in einer der lebenswertesten und schönsten Städte der Welt, und ich reagierte erst mal beleidigt, als wollte man mich nicht nach Wien, sondern in die Wüste schicken.

Aber mal ehrlich! Warum ich? Ich drehte gerade an einer gefährlichen Story über die Asia-Mafia. Und ab sofort sollte ich also nur noch über Sachertorte und Opernball berichten? „Ja, servus, die Sissi!" Kaiser Franz Joseph war jetzt auch keine Hilfe. Das andere Ende der Leitung wartete.

Selbst wer mich nur flüchtig kennt, weiß, dass „sprachlos sein" ein Ausnahmezustand ist, der bei mir einfach nicht eintreten will. Sehr zum Bedauern meiner Umwelt auch nicht mal kurz nach dem Aufwachen. Ich rede sogar dann und erst recht sehr viel, wenn ich nicht weiß, was ich sagen soll. Aber ich sagte nichts.

„Es wäre jetzt natürlich die Gelegenheit, das Angebot abzulehnen!, sagte das Telefon, der Ton war leicht ins Ungeduldige verrutscht. „Mhm …, ich musste mich entscheiden, „… ja klar, … also nein, … ich meine, ich will natürlich nicht ablehnen!" Das klang nicht gerade fest entschlossen, aber es würde mir vielleicht ein letztes Quäntchen Zeit verschaffen.

Österreich kannte ich. Vom jährlichen Wanderurlaub. Und vom Skifahren. Landschaftlich sicher tadellos, etwas steile Berge vielleicht, lustiger Dialekt auf jeden Fall. Und alle Welt schwärmt doch so für Wien. Bis in die österreichische Hauptstadt hatte ich es bisher nur ein einziges Mal geschafft, exakt für drei Stunden. Eher zufällig, beim Umsteigen auf einer Bahnreise. Zwischen zwei Zugverbindungen war gerade mal genug Zeit, um mich bis zum Stephansdom vorzuarbeiten. Aber irgendwie löste Wien damals keinen sehr dringenden Wunsch in mir aus, für einen ausgedehnten Aufenthalt zurückzukehren. Schade, die Entscheidung jetzt wäre mir sicher leichter gefallen.

Wien, das waren Burgtheater und Kaiserschmarrn. Aber konnte man da die Welt verbessern? Klang das nach journalistischer Herausforderung? Der letzte exportfähige Aufreger Österreichs nach Falco hatte sich selbst aus dem Rennen genommen. Wenn auch mit fraglichen Botschaften, hatte Jörg Haider es immerhin mal über die Landesgrenzen hinausgeschafft. Seit Haiders Tod war nicht mehr allzu viel zu hören vom Nachbarn. Der Name des aktuellen österreichischen Bundeskanzlers? Taugte in jedem Fall zur Eine-Million-Euro-Frage!

Brennende journalistische Fragen? Spannende Geschichten? In Österreich?

Also pölitzerpreisverdächtig war das nicht gerade. Und immerhin hatte ich es schon in eine Primetime-Fernsehsendung geschafft. Gut, nicht immer mit so herausragenden Geschichten wie der Asia-Mafia („Pölitz süßsauer", scherzte meine Familie bereits). Aber sollte ich das wirklich eintauschen? Gegen Geschichten wie: Härtetest beim Apfelstrudeldiplom? Küss die Hand, g’nä Frau, und die Folgen fürs Weltklima? Der Bergdoktor und seine austherapierten Bergziegen? Und in jedem zweiten Beitrag dudelt Walzermusik! Das hält doch kein Fernsehjournalist ernsthaft ein ganzes Jahr lang durch!

Auslandskorrespondentin. Das kam sehr überraschend. Ich würde in Wien leben müssen. Das hieß umziehen. Familie und Freunde zurücklassen. Pixel, meinen Kater. Und Max. Max hasste Österreich! Er sagte das zwar nur im Scherz – seine halbe Verwandtschaft bestand schließlich aus Österreichern –, aber würde er mit nach Wien kommen? Wenn nicht, hieße das weiterhin Fernbeziehung. „Nächstes Wochenende geht’s schon wieder nicht, Liebling!" Diesen Zustand hätte ich lieber früher als später beendet. Ich wollte Familie, Kinder. Und bekam stattdessen also: Karriere! Kann man ja mal eben schnell einschieben. In vier Wochen war auch erst mein 36. Geburtstag!

„Also? Der Telefonhörer klang nach Entscheidung. Ich hatte vielleicht noch fünf Sekunden. Auslandskorrespondentin! … Noch vier … Wien! … Noch drei … Sie würden mich nie wieder anrufen … Noch zwei … Ganz sicher nie wieder!!! … Eine … „Ich mach’s!, hörte ich mich sagen.

„Prima, Sie haben sechs Wochen Zeit zum Packen. Jetzt erklären Sie das erst mal Ihrer Familie! Den Rest klären wir beide später."

Da stand ich. Wie aus dem Ei gepellt. Frisch gebackene Österreichkorrespondentin. Vielleicht sogar mit Talent. Ganz sicher ohne jede Ahnung. Kompetenter als ich in diesem Augenblick konnte man sich nicht fühlen. Und erst recht nicht in rosa Plüsch und Mutterns Schlappen.

August

Wien ist anders

„HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH! Sie haben entweder aufmerksame Freunde oder Sie sind von selbst draufgekommen: Der richtige Umgang mit Österreichern will gelernt sein!" So oder so ähnlich fingen die meisten Bücher über Wien an. Ich bin schon mal grundsätzlich kein Freund von Bedienungsanleitungen. Ich drücke lieber irgendwo drauf und warte gespannt, was dann passiert. Trotzdem hatte ich wirklich versucht, vor der Abfahrt einen dieser Wien-Reiseführer tatsächlich auch zu lesen. Zur Einstimmung und schon deshalb, weil ich ihnen in den Wochen vor meiner Abreise sowieso kaum entkommen konnte. Denn originellerweise erwiesen sich jede Menge Wien-Ratgeber gleich hinter den Sissi-Devotionalien als gefeierte Renner unter den Abschiedsgeschenken. Und jedes dieser Bücher klang sofort nach Beipackzettel. Nach Risiken und Nebenwirkungen. Und bitte, das in Österreich!

Das machte in meinen Augen ja nun gar keinen Sinn. Warum sollte ich für etwas Mühe aufwenden, von dem ich der unerschütterlichen Überzeugung war, es voll im Griff zu haben? In ein gemietetes Auto steigt man ja schließlich auch einfach ein und fährt los. Nein, keiner liest vorher erst umständlich nach, wo eventuell dieses Mal Gaspedal und Bremse versteckt sein könnten. Die sind da, wo sie immer sind! Sogar in Österreich!

Außerdem würde ich mich dort ohne Probleme verständigen können. Man spricht in Wien ja nicht Kisuaheli, sondern Deutsch. Alles wird gut, auch ohne Bedienungsanleitung. Ich war davon sogar so sehr überzeugt, dass ich bereit war, bei meiner künftigen Berufsbezeichnung „Auslandskorrespondentin auf das „Ausland zu verzichten. Als Deutsche in Österreich, mal ehrlich, da musste „Korrespondentin reichen. Alles andere fühlte sich maßlos übertrieben an und kam mir glatt wie Hochstapeln vor. Auslandskorrespondenten arbeiten schließlich unter richtig harten Bedingungen. Sie müssen sich mit kommunistischen Diktatoren oder mit klimatisch bedingtem Sauerstoffmangel herumschlagen. Sie müssen damit rechnen, im Supermarkt als Geisel genommen oder an einer roten Ampel wahlweise ausgeraubt und/ oder erschossen zu werden. Und falls nicht, dann haben sie es wenigstens mit gefährlichen Krankheitserregern im Essen oder im Trinkwasser zu tun. Kriege, Katastrophen, Seuchen, Hungersnöte. Bitte sehr! Wie sollte denn da Wien und sein Sachertortenklima mithalten? Schnitzeltod? Mozartkugelmassaker? Bakteriell verseuchte Handküsse? Damit ließ sich doch nun wirklich nicht angeben. Wien war eine Weltstadt, groß, schön, voll mit Kultur. Und ich sollte dafür auch noch bezahlt werden. Also lieber nicht so dick auftragen und „Ausland weglassen.

Trotzdem, liebe Österreicher, bevor Sie jetzt gleich den Protestfüller anwerfen, um meinen Briefkasten elektronisch zu verstopfen, natürlich und selbstverständlich sah ich Österreich als Ausland an. Wie übrigens fast alle Deutschen. Nur eben als eines, das sich nicht so anfühlte wie richtiges Ausland. Jedenfalls von Weitem, von Deutschland aus, nicht. Ein Fehler, ich weiß!

Ja, ich gebe es ja zu, ich war eine von diesen Einwanderungsignorantinnen. Denn noch bei der Einreise ins Nachbarland, am Tag des Grenzübertritts, habe ich doch tatsächlich angenommen, nur in wirklich exotischen Ländern würde man mit Sprachschwierigkeiten zu kämpfen haben, mit unentzifferbaren Schriftzeichen etwa oder komplizierten Begrüßungsriten. Kennt man ja: in Indien die linke Hand beim Essen weglassen, aber in Japan unbedingt mit beiden Händen zur Visitenkarte greifen. Kniffelige kulturelle Hindernisse wie essen mit Stäbchen, Nasenküsse, Linksverkehr oder Kopfschütteln, wenn ich „Ja!" sagen will, usw.

Denken Sie jetzt auch, mit all dem wäre frühestens am Ende der Welt zu rechnen? Ihnen fallen auf Anhieb keinerlei Einwanderungsschwierigkeiten in Österreich ein? Als Tourist haben Sie sich dort stets willkommen gefühlt? Das würde in Wien auch nicht anders laufen?

Und wie es das tat!

Dass es mit der touristischen Komfortzone in Österreich ab sofort vorbei sein würde, hat mir dann Elfie beigebracht. Es war mein zweiter Tag in Wien und ich war mit der mir anvertrauten Freundin meiner Eltern, einer kleinen, properen und fröhlichen Urwienerin mit ständigen Geldsorgen, auf Wohnungssuche.

Warum man zum Beispiel als doofer Tourist einen Milchkaffee bestellen darf, aber auf keinen Fall mehr, wenn man vorhat, in Wien mehr als zwei Wochen zu verbringen, habe ich erst nicht verstanden. Der Wiener jedenfalls muss eine feine Antenne haben. Wo er die hat, weiß ich nicht. Er registriert jedoch umgehend, welcher Teutone sich nur zeitweise über einen Stadtplan beugt und welcher sich entschieden hat, länger als zwei Wochen in der Stadt zu bleiben.

Deutscher Typ 1 und Typ 2, ungefähr so wie bei Diabetes. Eins gefährlicher als zwei. Während Typ 2 („verschwindet wieder) seine Deutschtümelei in Wien in aller Seelenruhe ausleben und sich sogar kaffeekännchenweise einen Koffeinschock ansaufen darf, gelten für Typ 1 („bleibt länger!) ab dem Moment des Überführtseins knallharte Aufenthaltsregeln. Blöderweise ahnt man davon selbst erst mal gar nichts. Und ignoriert fröhlich lauernde Fettnäpfe, selbst wenn die die Größe von Swimmingpools haben.

Neben Elfie im „Café Eiles in der Josefstädter Straße über die Anzeigen des Wiener Wohnungsmarktes gebeugt, bestellte ich eher beiläufig beim Kellner, den Finger noch auf den Zeitungsannoncen und in mir angeborenem Hochdeutsch: „Ich hätte gern einen Milchkaffee!

Mein eigener Satz irritierte mich erst, als Elfie mich milde anlächelte, ohne die Bestellung für sich fortzusetzen, und, wie die Gratisbeilage einer Zeitung, ihrem Lächeln die Botschaft beifügte: „Du, des sogma do net!"

Der Kellner, der zu meiner Verwunderung noch gar nichts gesagt hatte, nickte nur. Er wartete geduldig und legte dabei den Kopf zur Seite, wie ein Schuldirektor am ersten Schultag, wenn er genüsslich den Eltern dabei zusieht, wie sie ihrem heulenden Ableger einzureden versuchen, dass die Schule bestimmt doch noch ganz toll werden wird.

„Wie jetzt, ‚Milchkaffee‘ sagt ihr nicht? Er versteht mich doch! Das Fragezeichen schickte ich zum schweigenden Kellner rauf und ein hilfloses Lächeln hinterher. Elfie und der Mann in Schwarz wirkten bereits so betreten, als hätte ich gerade auf einer Beerdigung beim Pfarrer Toast Hawaii für alle bestellt. Elfies rundliches Gesicht lächelte mit einem tiefen Atmer die nächste Runde „Kaffee-Knigge ein: „Scho, oba es geht a ums Prinzip!"

„Ach …? Ich verkniff mir, der offensichtlich ernsten Situation angemessen, einen Lacher. „Und bitte um welches? Diesmal antwortete der Kellner mit einem Seufzer, als hätten er und Elfie diese Szene hundertfach geprobt. Er holte ganz tief Luft und platzierte in gespielter Langeweile seine Worte aufs Ausatmen:

„Wollen’S a Melange, a’n großn Braunen oder a’n Caffè Latte?" Am Schluss hatte der Herr Ober sogar die Augen geschlossen.

„Ah, Caffè Latte!", antwortete ich und war drauf und dran, hinzuzufügen, dass das ja wohl, ja, genau, ‚Milchkaffee‘ heißen würde! Elfie kam mir zuvor.

„Für mi a Melange. Bitttä! Ihr Vorwurf folgte leise, beleidigt und sehr wohl in Hörweite für den Herrn Ober im Abgang. „Du host di mit uns Österreichern ja gor net b’schäftigt! Ihr Deitschen könnt doch net a’foch doherkumma und so tuan, als warat ihr noch z’haus!

Halb ertappt – denn beschäftigt hatte ich mich mit Österreich oder Wien nun wirklich nicht, aber ich war mir dieses eklatanten Versäumnisses bis eben auch noch nicht bewusst – und halb entrüstet über diesen pingeligen Bestellvorgang, versuchte ich, mich zu verteidigen: „Aber ich will doch nur einen Kaffee!" Jetzt hatte auch Elfie die Augen geschlossen und sprach mit letzter Kraft.

„Es haaßt do oba ‚Kaffeeeee‘!!! Und im Gegensatz zu mir betonte sie „Kaffee nicht vorn, auf „Kaff, sondern hinten, auf „fee. Dazu schüttelte der Kellner hinterm Tresen missbilligend den Kopf.

An dieser Stelle hätte es mir bereits dämmern können, aber das Licht dazu ging mir leider erst sehr viel später auf. Denn genau das hasst der Wiener! Wir Deutschen dürfen uns bei ihm wohlfühlen, sollen wir sogar. Wir sollen seine Stadt toll finden, seine

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Was die anderen über Ein Jahr in Wien denken

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