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Wer waren Jesus und Muhammad?: Ihr Leben im Vergleich

Wer waren Jesus und Muhammad?: Ihr Leben im Vergleich

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Wer waren Jesus und Muhammad?: Ihr Leben im Vergleich

Länge:
498 Seiten
5 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Aug 10, 2011
ISBN:
9783451338939
Format:
Buch

Beschreibung

Was genau unterscheidet beide Religionsstifter? Gibt es Verbindendes? Was trennt Sie? Erlaubt die Forschungslage ein klares Urteil? Wie sieht es aus? Gnilka bringt nüchtern und ohne Spekulationen das Wesentliche auf den Punkt, wenn er die Biographien von Jesus und Muhammad gegenüberstellt: mit höchster Sachlichkeit, Verlässlichkeit und präzisen Analysen. Keine Verunglimpfungen, kein Gegeneinander-Ausspielen, sondern überzeugende Fakten. Gnilka untersucht akribisch das vorhandene Material und präsentiert den Lesern Einsichten zu beiden Religionsstiftern, die die eigene Urteilsfähigkeit schärfen und in der Vielfalt der Meinungen einen klaren Standpunkt ermöglichen.
Herausgeber:
Freigegeben:
Aug 10, 2011
ISBN:
9783451338939
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Wer waren Jesus und Muhammad? - Joachim Gnilka

Joachim Gnilka

Wer waren Jesus und Muhammad?

Ihr Leben im Vergleich

Impressum

© Verlag Herder GmbH, Freiburg im Breisgau 2011

Alle Rechte vorbehalten

www.herder.de

Umschlaggestaltung: Finken & Bumiller, Stuttgart

Konvertierung Koch, Neff & Volckmar GmbH,

KN digital - die digitale Verlagsauslieferung, Stuttgart

ISBN (

E-Book

) 978-3-451-33893-9

ISBN (Buch) 978-3-451-34118-2

Inhaltsübersicht

Einleitung

1. Erste Annäherung an einen Vergleich Jesus – Muhammad

2. Historische Haftpunkte

3. Die Bildersprache als Annäherung

4. Kennzeichnende Eindrücke des Lebens und Wirkens Jesu und Muhammads

Kapitel 1 Positionen in der Jesus- und Muhammad-Forschung

I. Jesus-Forschung

1. Albert Schweitzer – die konsequente Eschatologie

2. Rudolf Bultmann – Reduktion auf die Verkündigung

3. John Dominic Crossan – die Deutung Jesu aus dem Blickwinkel der kynischen Philosophie

4. Rainer Riesner – Jesus der Lehrer

5. Jesus in der Sicht neutestamentlicher Theologien

6. Joseph Ratzinger / Benedikt XVI. – Jesus der Sohn Gottes

7. Romano Guardini – Jesus der Herr

8. Gerd Theißen und Annette Merz – Der historische Jesus

9. Hubert Frankemölle – Jesus der Jude

10. James D. G. Dunn – Der erinnerte Jesus

11. Wolfgang Stegemann – Jesus der Judäer

Überblick – Auswertung

Die hermeneutische Frage

The Third Quest

II. Muhammad-Forschung

1. Hartmut Bobzin – Mohammed, Historie und Legende

2. Tor Andrae – Mohammed, sein Leben und sein Glaube

3. Marco Schöller – Muhammads Konflikt mit den Juden

4. Gregor Schoeler – Muhammads erstes Offenbarungserlebnis und der Aischa-Skandal

5. Hans Jansen – Suche nach dem Kern

6. Martin Lings – der Muhammad-Roman

7. Patricia Crone – Der mekkanische Handel und die Entstehung des Islam

8. Edouard-Marie Gallez – Muhammad, der Prophet des Messias

9. Christoph Luxenberg und Karl-Heinz Ohlig – Muhammad1 und Muhammad2

10. Tilman Nagel – Mohammed, Allahs Liebling

Überblick – Auswertung

Kapitel 2 Das Leben Jesu und Muhammads im Vergleich

I. Jesus

1. Die Wurzeln in Nazaret

2. Johannes der Täufer und Jesus

3. Die Armen und die Jüngerschaft

4. Die Reich-Gottes-Verkündigung

5. Wunder

6. Ethik

7. Der Konflikt

8. Der Abschied

9. Das Ende am Kreuz

10. Ostern

11. Wer war Jesus?

II. Muhammad

1. Infragestellung der Infragestellung

2. Die Zeit vor dem Wirken

3. Die Berufung

4. Die Ankündigung des nahen Endes

5. Die Gerichtspredigt

6. Auseinandersetzung mit den ungläubigen Polytheisten

7. Auseinandersetzung mit den Schriftbesitzern, den Juden und Nazarenern (Christen)

8. Der Blick auf Muhammad

9. Der Krieger

10. Die Vita Muhammads

Schlussbetrachtung: Parallelbiografien

Literatur

Anmerkungen

Register der Bibel- und Koranstellen

Thematisches Register

Personen- und Autorenregister

Einleitung

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Wenn ich in diesem Buch Jesus und Muhammad einander gegenüberstelle, so sind für mich die Zeitläufte in erster Linie ausschlaggebend. Durch die Mischung der Kulturen, durch die Anwesenheit von Millionen von Muslimen in Europa und in unserem Land sind auch Jesus und Muhammad enger zusammengerückt. Vor hundert oder auch noch vor fünfzig Jahren wäre es kaum einem Theologen, Philosophen oder Religionswissenschaftler eingefallen, sich dieser Gegenüberstellung anzunehmen. Karl Jaspers klammerte in seinem Buch »Die maßgebenden Menschen«

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Muhammad aus und sah in Sokrates, Buddha, Konfuzius und Jesus die Maßgeblichen. Auch wer dieses Urteil teilen mag, kann nicht umhin, zu sehen, dass über eine Milliarde Menschen auf dieser Welt der Lehre Muhammads anhängen und dass viele Christen sich für Muhammad interessieren und dass auch Muslime, wenn auch zaghafter, sich für Jesus zu interessieren beginnen.

Einen Anstoß für die Gegenüberstellung von Jesus und Muhammad gab mir auch das antike Vorbild der Parallelbiografie. Das bekannteste Beispiel lieferte Plutarch. Doch auch in der modernen Literatur gibt es Beispiele. Ich verweise auf die Doppelbiografie von Alan Bullock, Hitler und Stalin. Parallel Lives, erschienen im Jahr 1991. Es ist zu fragen, welche Voraussetzungen gegeben sein müssen, um einen Vergleich anzustellen. Ein Auftreten zur gleichen Zeit braucht nicht vorhanden zu sein, wie das bei Hitler und Stalin der Fall ist. Plutarch hat in seinen zweiundzwanzig Paaren mit einer einzigen Ausnahme – dies ist Philopoimen und Flaminius, die beide im 2. Jahrhundert vor Christus lebten – Persönlichkeiten zusammengestellt, die zeitlich voneinander getrennt waren, wie Alkibiades und Coriolan, Lysandros und Sulla, Dion und Brutus, Demosthenes und Cicero, Alexander den Großen und Caesar. Dabei kann es durchaus sein, dass der Jüngere um die Existenz des Älteren wusste oder sich sogar auf ihn bezieht. So soll Caesar bei der Lektüre eines Buches über Alexander in Spanien voller Schmerzen ausgerufen haben: »In meinem Alter war Alexander bereits der König über ein umfassendes Reich. Und ich habe noch nie eine glänzende Tat vollbracht.«

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Die wichtigste Voraussetzung für den Vergleich ist natürlich die Vergleichbarkeit. Plutarch vergleicht Menschen miteinander, die auf dem gleichen Feld tätig waren, als Politiker, Regenten, Rhetoriker herausragende Persönlichkeiten ihrer Zeit. Die besondere Intention, die er dabei verfolgt, kommt in der Auswahl klar zum Ausdruck, indem er jeweils einen Griechen einem Römer gegenüberstellt. Selbst ein Grieche, will er seinen Landsleuten, die militärisch von den Römern überwunden worden waren, den Rücken stärken und ihnen bewusst machen, dass sie kulturell den Römern überlegen geblieben sind. Holger Sonnabend

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sagt zu Recht, dass Plutarch seinen Zeitgenossen eine politische und kulturelle Botschaft übermitteln wollte. Daneben verfolgt Plutarch die Absicht der moralischen Belehrung, die gelegentlich übertrieben gesteigert erscheint. Er greift überwiegend auf positive, aber auch auf negative Beispiele wie Alkibiades und Coriolan oder Demetrios und Antonius zurück. Mit welchen Mitteln der Darstellung er arbeitet, sagt er selbst zu wiederholten Malen. So erklärt er am Beginn seiner Alexander-Biografie, nachdem er sich bei seinem Leser dafür entschuldigt hat, dass er nicht alles erzählen und das Einzelne nicht in die Länge ziehen will, es käme ihm darauf an, den tiefer gelegenen Kennzeichen des inneren Wesens nachzugehen und nach diesen ein Lebensbild des einzelnen Mannes zu entwerfen, so wie ein Maler, der, ohne sich um die übrigen Teile zu kümmern, die Ähnlichkeit seines Porträts vom Gesicht und den charakteristischen Zügen der Physiognomie entnimmt. So erzählt Plutarch immer wieder Begebenheiten, die im Blick auf ein großes Ganzes geringfügig erscheinen mögen, Momentaufnahmen, schlagfertige Antworten, bloße Scherze, die den Charakter eines Menschen deutlicher verraten würden.

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Auf manche dieser Momentaufnahmen wird man das italienische Sprichwort anwenden können: Se nonè vero, è ben trovato. Aber es ist für den Leser kurzweilig, wenn er etwa erfährt, als Beispiel für den unbeugsamen Charakter Alexanders, wie dieser als Knabe sein später berühmt gewordenes Pferd Bukephalos in seiner Wildheit als Einziger zu bändigen vermag

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, oder wenn er hört, wie Hannibal vor der Schlacht von Cannae im Jahr 216 v. Chr. seinem Mitstreiter Giskon, der angesichts der Größe des aufmarschierenden römischen Heeres erschrickt, witzig und stirnrunzelnd entgegenhält, dass dort kein einziger sei, der Giskon heißt.

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Wenn wir das Gesagte einmal auf die Gegenüberstellung von Jesus und Muhammad anzuwenden versuchen, so dürfte klar sein, dass sich hier das meiste ganz anders verhält. Nach den historischen Quellen Plutarchs und ihrer Glaubwürdigkeit haben wir gar nicht gefragt. Was die Quellen für Jesus – in erster Linie, nahezu ausschließlich die Evangelien – und Muhammad – der Koran und die Hadithe – betrifft, so sind diese derart, dass sich ein psychologisch geprägtes Gemälde nicht entwerfen lässt. Nach der historischen Zuverlässigkeit der Quellen wird zu fragen sein. Die Vergleichbarkeit ist darin begründet, dass sich aus dem Wirken beider zwei Weltreligionen entwickelt haben, die bis heute große Teile der Menschheit prägen. Darum hat uns der historische Jesus ebenso sehr zu interessieren wie der historische Muhammad. In beiden Fällen gab es immer wieder solche, die die Rückfrage für unbeantwortbar hielten. Im Fall Jesu sprach man vom »garstigen Graben« zwischen ihm und der späteren Entwicklung, im Fall Muhammads meldet sich verstärkt eine Forschungsrichtung zu Wort, die kritische Fragen stellt. Wir werden verschiedene Positionen vorstellen. Es kann nicht das Anliegen sein, Jesus gegen Muhammad auszuspielen. Kritische, entwürdigende, verächtliche Stimmen von Christen über Muhammad gab es in der Vergangenheit genug. Muhammad wusste von Jesus. Er hat sich nie über ihn negativ geäußert. Wohl aber konnte er die Christen, die er Nazaräer nannte, verurteilen. Dieses Bild etwa bietet der Koran. Beide, Jesus und Muhammad, schenkten der Welt eine Botschaft. Es ist keine Botschaft der Überlegenheit wie die Botschaft Plutarchs. Es ist eine Botschaft, die die Menschen retten will.

Es gibt verschiedene Bilder von Jesus und Muhammad. Diese Bilder finden wir in den vier Evangelien, auch in apokryphen Evangelien, die heute von manchen Forschern auch in die Evangelienforschung miteinbezogen werden. Wir finden sie, was Muhammad betrifft, im Koran und in den Hadithen. Diese Bilder sind geprägt. Wir benutzen sie als Einstieg, um auf eine Spur aufmerksam zu machen.

1. Erste Annäherung an einen Vergleich Jesus – Muhammad

Wir beginnen unseren Vergleich mit einer Beobachtung, die andeutet, dass die Interessenlage der Evangelien im Blick auf Jesus eine andere ist als die des Korans im Blick auf Muhammad. Jesus ist in den Evangelien ganz anders anwesend als Muhammad im Koran. Wir belegen diese sicherlich allgemein anerkannte Gegebenheit mit dem ungleich höheren Vorkommen des Jesus-Namens in den Evangelien gegenüber dem Vorkommen des Namens Muhammad im Koran. Die Zahlen sind folgende: der Jesusname findet sich 919mal im Neuen Testament, davon über die Hälfte in den Evangelien

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, der Name Muhammad findet sich im Koran 4mal. Dies kann nicht anders gedeutet werden als im Sinn eines Interesses an Jesus als historischer Gestalt. Hinzu kommt, dass Jesus mit seinem Heimatort Nazaret fest verknüpft wird. Der Ort wird ausschließlich als der Herkunftsort Jesu verwendet

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, ebenso der Begriff Nazarener/Nazaräer, der ihn geradezu stigmatisiert.

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Mit dieser Stigmatisation setzt sich das Johannesevangelium auseinander: »Kann aus Nazaret etwas Gutes kommen?« (1,45). Sagte nicht die Schrift: »Aus dem Samen Davids und aus dem Dorf Bethlehem, wo David war, kommt der Messias?« (7,42). In die Richtung eines historischen Anliegens weist auch die Beobachtung, dass das Wort »Christus«, das ja von Haus aus ein Bekenntnis ist – Jesus ist der Christus – in der neutestamentlichen Briefliteratur, im Corpus Paulinum, viel häufiger begegnet als in den Evangelien: 531mal im Neuen Testament, davon 54mal in den Evangelien. Ohne Zweifel sind auch die Evangelien von der nachösterlichen Verkündigung grundlegend geprägt worden, aber der Blick auf Jesus von Nazaret ging nicht verloren.

Wie soll man das nahezu verschwindende Vorkommen des Namens Muhammad im Koran erklären? Schauen wir uns die vier Stellen etwas näher an.

»Muhammad ist nur ein Gesandter. Schon vor ihm gingen Gesandte dahin. Werdet ihr denn, wenn er stirbt oder getötet wird, auf euren Fersen kehrtmachen?« (Sure 3,144).

»Wir gaben sie dir zur Gattin, damit für die Gläubigen kein Grund zur Bedrängnis besteht in Bezug auf die Frauen ihrer Adoptivsöhne. Es besteht für den Propheten keine Bedrängnis in Bezug auf das, was Gott für ihn festgelegt hat. Auch bei denen, die früher dahingegangen sind, ist Gott so verfahren. Was Gott verfügt, ist fester Beschluss –, bei denen, die Gottes Botschaften ausrichten, ihn fürchten und niemanden fürchten außer Gott. Gott genügt als der, der abrechnet. Muhammad ist nicht der Vater eines eurer Männer (auch wenn es sein Adoptivsohn ist). Er ist vielmehr der Gesandte Gottes und das Siegel der Propheten« (33,37 – 40).

»Denen, die ungläubig sind und vom Weg Gottes abhalten, deren Taten leitet er in die Irre. Denen aber, die glauben und tun, was recht ist, und an das glauben, was auf Muhammad (als Offenbarung) herabgesandt worden ist – es ist ja die Wahrheit von ihrem Herrn –, denen sühnt er ihre Missetaten und bringt für sie alles in Ordnung« (47,1 – 2).

»Er (Gott) ist es, der seinen Gesandten mit der Rechtleitung und der Religion der Wahrheit gesandt hat, um ihr den Sieg zu verleihen über alle Religion. Gott genügt als Zeuge. Muhammad ist der Gesandte Gottes« (48,28 – 29).

Sicherlich haben wir es bei diesen vier Koranstellen mit herausragenden Sätzen zu tun. Der erste Text äußert die Furcht, dass nach dem Tod Muhammads seine Anhänger den Glauben aufgeben könnten. Der zweite Text gehört zu jenen Weisungen, die ganz persönlich an Muhammad ergangen sind. In diesem Fall hatte er Zaynab, die Frau seines Nennsohnes (Adoptivsohnes) Zayd ibn Haritha, sich selbst zur Frau genommen, gewiss ein Ärgernis. Dieses aber wird aufgehoben durch eine Offenbarung, die ihm dieses Tun erlaubt. Er soll sich nicht in Bedrängnis bringen lassen. Gleichzeitig aber wird dieses Tun Muhammads – und darauf liegt der Akzent – zur allgemeinen Regel erhoben: »Wir gaben sie dir zur Gattin, damit für die Gläubigen kein Grund zur Bedrängnis besteht in Bezug auf die Frauen ihrer Adoptivsöhne« (33,37). Der Koran will nicht an eine Begebenheit aus dem Leben des Propheten erinnern, sondern Regeln und Gesetze aufstellen.

Der dritte Text spricht von den Wirkungen der Offenbarung, die Muhammad vermittelt hat, von ihren sühnenden und rechtleitenden Wirkungen. Der vierte Text stellt Muhammad als den letztgültigen Propheten heraus, der über allen Religionen steht. Genau in diesem Sinn ist er im zweiten Text als das »Siegel der Propheten« (33,40) bezeichnet worden. Es ist zu wenig, wenn man diese im Koran einmalige Bezeichnung im Sinn von »Beglaubiger der Propheten« versteht.

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Den gleichen Titel hat sich Mani, der Begründer des Manichäismus, im 3. Jahrhundert zugelegt.

Das geringe Vorkommen des Namens Muhammad im Koran, das im Vergleich mit der Häufigkeit des Jesusnamens in den Evangelien besonders auffällt, hat sicher damit zu tun, dass der Koran am Leben des Propheten wenig interessiert ist. Der Koran will sein Wort, die Offenbarung, die er empfangen hat, vermitteln. Die Geschichte vom Adoptivsohn Zayd ist auch nur eine von ganz wenigen, die im Koran erzählt – fast mehr vorausgesetzt als erzählt – werden und in denen ein Name, eben Zayd, vorkommt (33,37). Wir werden darauf zurückkommen. Selbstverständlich wollen auch die Evangelien verkünden, Heil und Rettung zusagen. Aber sie tun das, indem sie Geschichten aus dem Leben Jesu, seinem Wirken, erzählen. Besonders deutlich wird das im Markusevangelium, dem ältesten Evangelium, das nur wenige Reden Jesu enthält (Mk 4 und 13). Das Interesse am Leben Muhammads erwacht in den Hadithen. Wie sind sie zu beurteilen?

Wenn wir uns wieder den vier Muhammadstellen des Korans zuwenden, so könnten sie auch im Rückblick entstanden sein, als eine Art Zusammenfassung. Das könnte die geringe Zahl der Muhammadstellen etwas plausibler machen. Oder ist der Name Muhammad nachgetragen? Es mehren sich heute die Stimmen, die sagen, dass der Name Muhammad dem Propheten erst später gegeben wurde. Muhammad bedeutet etymologisch »der zu Preisende«. Die Wurzel h-m-d kommt in Personennamen wie Ahmad oder Mahmud vor. C. Gilliot

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meint, es sei hoffnungslos, einige vorislamische Träger des Namens Muhammad zu finden. Auch V. Popp

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versteht das Wort als Titel. T. Nagel

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bringt zwei vorislamische Träger des Namens bei. Das neugeborene Kind habe aber wahrscheinlich den Namen Qutam erhalten. Denn es gäbe Überlieferungen, in denen man den Propheten sprechen lässt: »Ich bin der Gesandte der Erquickung und der gewaltigen Schlachten. Ich bin Qutam!« – Im Anschluss daran versucht man den Namen zu deuten: »Ein qutam ist jemand, der vollkommen ist und (alle positiven Eigenschaften in sich) vereint.« Es entspräche aber heidnisch-arabischer Mentalität, einen künftigen Propheten als muhammad, einen zu Preisenden, zu titulieren. Letztlich kennen wir den Namen des Propheten nicht sicher.

Die Eindrücke der Konkretisierungen in den Evangelien und des Abstrakt-Lehrhaften im Koran verdichten sich, wenn wir topografische und die Angaben von Personennamen hinzunehmen. Ohne für die Evangelien Vollständigkeit anstreben zu wollen, ergibt sich das Bild, dass die Schwerpunkte des Wirkens Jesu in Galiläa

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, im Land am See Gennesaret, den Mk 1,16 in volkstümlich-naiver Weise das Meer von Galiläa nennt, und in Jerusalem, dem das vierte Evangelium größere Beachtung schenkt, gelegen haben müssen. Zum Mittelmeer ist Jesus nicht gekommen. Markus hat dieses Wirken als einen Weg Jesu von Galiläa nach Jerusalem dargestellt. Matthäus und Lukas sind ihm darin gefolgt. Da dieses Schema die Absicht verfolgt, die Passion Jesu in Jerusalem als Zielpunkt seines Lebens zu eröffnen, ist es nicht auszuschließen, dass er mehr als einmal die Hauptstadt besuchte und auch mehr als nur eine Woche dort tätig war. Die in den Evangelien genannten Ortschaften gruppieren sich um den See Gennesaret: Betsaida im Norden, Gerasa im Osten (Mk 5,1), Magdala, Tiberias (Joh 6,23) und vor allem Kafarnaum

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im Westen. Das Dorf Magdala lebt fort in Maria Magdalene, was so viel wie Maria aus Magdala bedeutet. Jericho ist Durchgangsstation auf dem Weg von Galiläa nach Jerusalem (Mk 10,46 par.).

Im Koran finden wir – wie kaum anders zu erwarten – die Städte Mekka und Medina in Erinnerung gerufen, daneben Badr und Hunayn, wo Muhammad Schlachten mit den Mekkanern ausfocht. Badr war ein Ort des Sieges: »Gott hat euch doch in Badr unterstützt« (3,123), Hunayn ein Ort der Niederlage, nach der Gott aber seinen Gesandten und die Gläubigen gestärkt habe (9,23 – 27). Keine Schlachtenschilderung also, sondern eine Erinnerung, die Vertrauen wecken soll.

Medina, nur in Sure 9 genannt (9, 101 und 120) – in 33,12 mit dem alten Namen Yatrib –, ist ein Ort, wo sich die Geister geschieden haben. An allen drei Stellen werden Anhänger des Propheten getadelt, die im Kampf versagt haben oder sich verweigerten: »Unter den Beduinen in eurer Umgebung wie auch unter den Bewohnern von Medina gibt es Heuchler, die in der Heuchelei geübt sind« (9,101). Der Name der Stadt Mekka erscheint zwar nur in 48,24 (Tal von Mekka). Mekka ist wohl auch mit der »Mutter der Städte« (6,92; 42,7) und »diesem Ort« gemeint (4,75; 27,91). Auch »Bakka« in 3,96 weist zumindest auf Mekka hin, auch wenn es im Sinn von »umfriedeter Bezirk« gedeutet worden ist.

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Im Kontext von Bakka ist vom »ersten Haus« und von der »Stätte Abrahams« die Rede. Das ist die Kaaba, das zentrale Heiligtum, das Ziel der Wallfahrt, die nach muslimischem Glauben von Abraham und seinem Sohn Ismael errichtet worden ist. Kaaba heißt sie (5,95 – 97), heiliges Haus (14,37), heilige Moschee (48,27). Der »Umlauf um das altehrwürdige Haus« lebt in 14,37 auf. Die Ordnung des Kultes und der Wallfahrt ist von höchster Priorität.

Alles zusammengenommen, lässt sich daraus keine zusammenhängende Geschichte entwickeln, hätten wir nicht die Hadithe. Wenn wir bei der Gegenüberstellung von Evangelien und Koran bleiben, so setzen sich die Beobachtungen bei den auftretenden Personen fort. Eine Fülle von Menschen, Männer und Frauen, Nahe- und Fernstehende, Bedeutende und meist Unbedeutende beleben die Szene des Evangeliums. Wir wollen nur ein paar namentlich Genannte in Erinnerung rufen: an erster Stelle die zwölf Apostel, an deren Spitze die Brüderpaare Simon und Andreas, Jakobus und Johannes stehen, von deren Berufung erzählt wird, aber auch Frauen, zu denen Maria von Magdala gehört, von der wir bereits hörten, Johanna, die Frau des Chuza, Susanna, die Jesus begleiteten und unterstützten (Lk 8,3), seine Mutter Maria und seine namentlich genannten Brüder Jakobus, Joses, Judas und Simon (Mk 6,3) und viele andere.

Bemerkenswert sind für uns auch jene, deren Auftreten mit einem bestimmten Ort verbunden ist, wie der blinde Bettler Bartimäus in Jericho (Mk 10,46) und vor allem Persönlichkeiten der Geschichte wie Pontius Pilatus, Herodes Antipas, Kajafas, mit denen wir uns noch beschäftigen müssen.

Nur zwei Namen überliefert der Koran neben dem Namen des Propheten: Zayd (33,37) und Abu Lahab (111,1). Aber noch mehr als das geringe Vorkommen verblüfft jeweils der Grund, warum sie erwähnt werden. Zayd, der Adoptivsohn Muhammads, ist uns bereits bekannt. Muhammad hatte an der Frau Zayds Gefallen gefunden und sie nach Absprache seinem Harem einverleibt. Gott aber legitimiert in Sure 33 Muhammads Vorgehen und gibt ihm grundsätzliche Bedeutung in Bezug auf die Gattinnen der Adoptivsöhne der Gläubigen.

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Abu Lahab ist eine noch weniger rühmliche Gestalt. In der ihm gewidmeten Sure 111, die am Schluss des Korans zu den kürzesten gehört, wird er verflucht: »Dem Verderben preisgegeben seien die Hände des Abu Lahab und dem Verderben preisgegeben sei er! Nicht nützt ihm sein Vermögen und was er erworben hat. Er wird in einem lodernden Feuer schmoren und seine Frau, die Brennholzträgerin. Um ihren Hals hängt ein Strick aus Palmenfasern.« Abu Lahab soll Muhammad das Verderben gewünscht haben, als dieser über die Auferstehung und das Gericht predigte. Abu Lahab, eigentlich hieß er ‘Abd al‘Uzza, war ein Onkel des Propheten, Halbbruder seines Vaters. Muhammad soll ihn als »Vater des Höllenfeuers«, Abu Lahab, geschmäht haben.

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Handelt es sich um eine Ätiologie?

Wenn wir jetzt noch auf ‘Aischa, die Lieblingsfrau des Propheten, »Mutter der Gläubigen« und wichtige Traditionsträgerin, zu sprechen kommen, obwohl ihr Name im Koran nicht begegnet, so tun wir es, um schon jetzt auf ein grundsätzliches Problem aufmerksam zu machen. Es ist das Verhältnis des Korans zur mündlichen Tradition, zu den Hadithen. Spiegeln Koranverse Situationen aus dem Leben des Propheten wider, wie es die traditionelle Auffassung ist, oder wurden Koranverse und Tradition sekundär nebeneinandergesetzt oder wurden Geschichten aus Koranversen heraus gesponnen, wie es der Auffassung mancher kritischer Koraninterpreten entspricht?

Es handelt sich um die berühmte Affäre mit der Halskette, die ‘Aischa in arge Verlegenheit brachte. Wir müssen später darauf zurückkommen. Traditionellerweise wird Sure 24,11 mit der Affäre in Verbindung gebracht: »Die die Lüge vorgebracht haben, sind eine Gruppe unter euch. Meint nicht, es sei ein Übel für euch. Nein, es ist gut für euch. Jedem von ihnen wird angerechnet, was er an Sünde begangen hat. Und der Haupttäter hat eine mächtige Strafe zu erwarten.« Fast alle Kommentatoren ergänzen oder kommentieren im Anschluss an »Die die Lüge vorgebracht haben« (Paret: »von dem angeblichen Fehltritt der ‘Aischa«; Zirker: »über Aischa, Mohammeds Frau«; Henning-Hofmann: »bezieht sich auf die sogenannte Halsbandaffäre«; Khoury bringt in einer Anmerkung die Geschichte in knapper Form). Natürlich wurzelt diese Verbindung in der islamischen Überlieferung. Für die historische Bewertung ist die Bestimmung des Verhältnisses Koran-Hadith, die recht schwierig ist, von erheblicher Bedeutung.

Ein erster Eindruck vom Vergleich Evangelien – Koran ist sicherlich der, dass wir es mit sehr verschiedenen »Literaturgattungen« zu tun haben. Wir kommen ohne die Hadithe nicht aus. Selbstverständlich werden wir sie miteinbeziehen. In den Evangelien ist die Anwesenheit Jesu anders gelagert als die Anwesenheit des Propheten im Koran, obwohl es beiden um ihren »Gründer« geht. In den Evangelien hat er einen Namen, der wegen seiner Bedeutung so oft wiederholt wird.

Doch zunächst fragen wir nach Haftpunkten in der Geschichte außerhalb der Evangelien und des Korans.

2. Historische Haftpunkte

Wir fragen nach Aussagen über Jesus und Muhammad, die sich außerhalb des christlichen beziehungsweise islamischen Milieus aus dem Mund von Zeitgenossen finden. Wir fragen auch nach (ausgewählten) Äußerungen und Darstellungen, die uns das Umfeld ihres Wirkens etwas näher bringen können.

Zeitgeschichtliche Aussagen über Jesus bietet Josephus Flavius (37 / 38 – ca. 100), der uns wertvolle Einblicke in das erste Jahrhundert und das Leben in Palästina bietet, ohne die es unmöglich wäre, eine neutestamentliche Zeitgeschichte zu schreiben. Er äußert sich zweimal über Jesus. Beide Stellen sind umstritten. Wir beginnen mit der relativ Leichteren.

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Sie handelt vom gewaltsamen Tod Jakobus’ des Herrenbruders und erwähnt auch Jesus. Der amtierende Hohepriester Hannas, der nur drei Monate im Amt war (im Jahr 62), ein Sohn des aus der Passionsgeschichte bekannten Hohenpriesters Hannas, nach Josephus ein Mann von heftiger und verwegener Gemütsart, offiziell nicht mit dem ius gladii ausgestattet, benutzte die Vakanz zwischen den römischen Prokuratoren Porcius Festus und Albinus, um einige seiner Feinde durch tumultuarischen Spruch verurteilten und steinigen zu lassen: »Er versammelte das Synhedrion zum Gericht und stellte vor dasselbe den Bruder Jesu, der Christus genannt wird, mit Namen Jakobus, und einige andere, gegen die er Anklage wegen Gesetzesübertretung erhob und zur Steinigung auslieferte« (ant. 20,200).

Wir halten die Stelle für echt. Sie enthält kein Christusbekenntnis, zu dem ein christlicher Interpolator die Stelle benutzt haben dürfte. Die knappe Aussage über Jesus lässt vermuten, dass Josephus schon an vorausgehender Stelle sich über Jesus ausführlicher geäußert hat.

Damit kommen wir zum zweiten Text, der wesentlich schwerer zu beurteilen ist. Er lautet: »Um diese Zeit lebte Jesus, ein weiser Mann, wenn man ihn überhaupt einen Menschen nennen darf. Denn er war der Vollbringer unglaublicher Taten, Lehrer der Menschen, die mit Freude die Wahrheit aufnehmen. Und er zog viele Juden, aber auch viele Griechen an sich. Er war der Christus. Und obwohl ihn auf Anklage der ersten Männer bei uns Pilatus zum Kreuz verurteilte, hielten ihm jene, die ihn von Anfang geliebt hatten, die Treue. Denn er erschien ihnen am dritten Tag wieder lebend, wie gottgesandte Propheten und tausend andere wunderbare Dinge es vorausgesagt hatten. Noch bis jetzt hat der Stamm der Christen, die sich nach ihm benennen, nicht aufgehört (zu existieren)« (ant. 18,63 f.).

Die Meinungen über diesen Text sind vielfältig. Manche akzeptieren ihn, manche halten ihn für eine christliche Interpolation. Die Mehrheit rechnet damit, dass ein von Josephus stammender Text christlich überarbeitet wurde. Dieser Meinung wird man sich anschließen können. Nachdem Josephus sich relativ ausführlich über Johannes den Täufer ausgelassen hat, ist eine Stellungnahme zu Jesus zu erwarten. »Wenn man ihn überhaupt einen Menschen nennen kann« und »er war der Christus« sind christliche Bekenntnisse. Hingegen ist die Kennzeichnung Jesu als »weiser Mann« untypisch. G. Vermes und F. Millar

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haben darauf aufmerksam gemacht, dass die Kurzdarstellung des Prozesses Jesu – Pilatus ist der Hauptverantwortliche, die ersten Männer der Juden erheben Anklage – vom Trend der Evangelien abweicht, den Juden die Schuld und die Initiative zuzuschreiben. Auch die Rede vom »Stamm der Christen« wäre als christlicher Sprachgebrauch ungewöhnlich. Dass die Christen von der Auferstehung des Gekreuzigten reden, kann Josephus gegen Ende des ersten Jahrhunderts bekannt geworden sein.

J. Maier

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zitiert eine Version des Josephus-Textes, die der arabisch-christliche Historiker Agapius (10. Jahrhundert) überliefert hat: » … dass zu der Zeit ein weiser (hakīm) Mann war, der Ješû (Īsū’) genannt wurde, einen guten Lebenswandel aufwies und als tugendhaft (oder: gelehrt) bekannt war und viele Leute von den Juden und von anderen Völkern als Jünger hatte. Pilatus hatte ihn zur Kreuzigung und zum Tode verurteilt, aber diejenigen, die seine Jünger geworden waren, gaben seine Jüngerschaft (oder: Lehre) nicht auf und erzählten, dass er ihnen drei Tage nach der Kreuzigung erschienen sei und lebe und daher vielleicht der Messias sei, in Bezug auf den die Propheten Wunderbares gesagt hatten.« Auch hier haben wir die Charakterisierung Jesu als »weisen Mann«, die Initiative des Pilatus beim Prozess Jesu, die Anhänglichkeit der Jünger. Die Messianität Jesu, von den Propheten geweissagt, und die Auferstehung am dritten Tag werden aus der Distanz beurteilt. Wir müssen hier auf eine Rekonstruktion des Textes, der in der Überlieferung durchaus auch gekürzt worden sein kann, verzichten, möchten aber doch diese genannten Elemente als den Grundbestand des ursprünglichen Josephustextes ansehen.

Die Aussagen über Jesus stehen in den Antiquitates bei Josephus in einem Zusammenhang, der von Untaten des Pilatus gegenüber den Juden berichtet: Pilatus lässt Feldzeichen mit dem Bild des Kaisers nach Jerusalem bringen und verletzt damit das Empfinden der Juden schwer, die das Bilderverbot streng beachteten. Er verwendet Tempelgelder für den Bau einer Wasserleitung (ant. 18,55 – 62). Für Josephus würde dann Pilatus im Zentrum stehen. Es würde auch bedeuten, dass er Jesus freundlich beurteilt, weniger die Christen, deren Messiasglauben, der in seiner Darstellung aus dem Auferstehungsglauben hervorgeht, er nicht ernstnimmt.

Wir finden Jesus auch bei zwei römischen Schriftstellern, doch nicht mit seinem Geburtsnamen Jesus, sondern mit dem Namen Christus beziehungsweise Chrestos. Dieser Name wird in seiner Bedeutung als christologischer Titel nicht verstanden, sondern als Eigenname gewertet. Das wichtigere Zeugnis stammt aus den Annalen des Tacitus, abgefasst um die erste Jahrhundertwende. Die Aussage über Christus muss noch stärker als bei Josephus im Zusammenhang mit seiner Einschätzung der Christen gesehen werden. Darum bieten wir zunächst einen Auszug aus diesem Text, der vom Brand Roms spricht, der den Christen angelastet werden soll: »Daher schob Nero, um dem Gerede ein Ende zu machen, andere als Schuldige vor und belegte sie mit den ausgesuchtesten Strafen, die, wegen ihrer Schandtaten verhasst, vom Volk Chrestianer genannt wurden … und für den Augenblick unterdrückt, brach der unheilvolle Aberglaube wieder hervor, nicht nur in Judäa, dem Ursprungsland dieses Übels, sondern auch in Rom, wo aus der ganzen Welt alle Greuel und Scheußlichkeiten zusammenströmen und gefeiert werden.« Eingeschoben ist der entscheidende Satz: »Der Mann, von dem sich dieser Name (Chrestianer) herleitet, Christus, war unter der Herrschaft des Tiberius auf Veranlassung des Prokurators Pontius Pilatus hingerichtet worden« (ann. 15,44).

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Bedeutungsvoll ist für uns, dass dieses Zeugnis den gewaltsamen Tod Jesu zur Zeit des Kaisers Tiberius unter dem Prokurator Pontius Pilatus belegt und damit seine historische Existenz auf eine sehr realistische Weise. Die Formulierung erinnert sogar an das christliche Bekenntnis »Crucifixus sub Pontio Pilato«. Merkwürdig ist der Vokalwechsel von Chrestianer zu Christus.

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Diesen Wechsel können wir auch bei Sueton

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beobachten, dem zweiten Zeugnis, das allerdings weniger aussagekräftig ist. In seinen Kaiserviten, näherhin der Vita Claudii 25,4, in einem Zusammenhang, in dem er alle möglichen Maßnahmen des Kaisers für die verschiedensten Gruppierungen, Landsleute und

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