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Zutrauen!: Ideen statt Ideologien - Was mir in der Politik wichtig ist
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eBook179 Seiten2 Stunden

Zutrauen!: Ideen statt Ideologien - Was mir in der Politik wichtig ist

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Über dieses E-Book

Im Gespräch mit Volker Resing und Martin Rupps gibt Julia Klöckner, die dynamische Spitzenkandidatin bei der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz 2016 Auskunft über ihr Verständnis von Politik. Deutlich tritt neben der zupackenden Persönlichkeit Klöckners die Frau mit ihrer biografischen Prägung, ihren Werten und ihren politischen Zielen hervor.
Ein besonderes Buch über eine politische Ausnahmeerscheinung: Früher eine Seiteneinsteigerin, heute eine Hoffnungsträgerin – und morgen?
SpracheDeutsch
HerausgeberVerlag Herder
Erscheinungsdatum8. Okt. 2015
ISBN9783451809262
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    Buchvorschau

    Zutrauen! - Julia Klöckner

    978-3-451-31114-7_PF01_U-1.jpg4344.jpg

    © Verlag Herder GmbH, Freibung im Breisgau 2015

    Alle Rechte vorbehalten

    www.herder.de

    Umschlag-Foto: © Tobias Koch

    E-Book-Konvertierung: Daniel Förster, Belgern

    ISBN (E-Book) 978-3-451-80926-2

    ISBN (Buch) 978-3-451-31114-7

    Inhalt

    Vorwort 

    Hoffnungsträgerin – Der Weg in der Politik

    Jahrgang 1972 – Herkunft und Heimat

    Grundlagen – Der Glaube und der Zeitgeist

    Parteiarbeit – Werte und Wandel

    Gesellschaft im Umbruch – Was ist Familie?

    Bildung, Digitalisierung, Wirtschaft – Abschied von der »Gießkanne«

    Flüchtlinge – Heimat und Not

    Wozu Politik? Über Bürger und Politiker

    Fragebogen – Julia Klöckner persönlich

    Die Autorin - in Kürze

    Die Autorin - ausführlich

    Die Gesprächspartner

    Vorwort 

    Es ist hellhörig in den Kölner Messehallen. Bundesinnenminister Thomas de Maizière muss seinen Redefluss immer wieder unterbrechen, weil ihn der donnernde Applaus und die Heiterkeit aus dem Nebenraum übertönen. Sein Publikum nimmt es mit Gelassenheit. »Das ist unsere Julia«, sagt jemand, halb entschuldigend, halb stolz. Der Innenminister grinst und fährt fort.

    Er weiß: Gegen Julia Klöckner kommt keiner so recht an. Nicht einmal die Parteifreunde, nicht auf einem CDU-Parteitag wie nun in Köln im Herbst 2014. Julia Klöckners Charisma entfaltet seine Wirkung. Allerdings muss man zugeben, dass sich die stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende und rheinland-pfälzische Landesvorsitzende für das Parteitagsforum, das in verschiedenen Räumen abläuft, etwas Hilfestellung organisiert hat. Als Vorsitzende der Nachhaltigkeitskommission steht Klöckner mit dem Kabarettisten und Fernsehstar Eckart von Hirschhausen auf der Bühne. Darauf muss man erst einmal kommen, und das muss man sich zutrauen: trockenen Politikstoff unterhaltsam zu vermitteln. Diskutieren und lachen. Diese Art, mit politischen Inhalten umzugehen, kommt offenbar gut an.

    Die CDU-Politikerin und der Humorist Hirschhausen sind ein ungleiches und doch passendes Duo. Beide verstehen es in ihrem Metier, Botschaften zu verpacken. Und sie verstehen es, wichtige Inhalte auch einmal mit Leichtigkeit und Humor zu transportieren. Eine besondere Gabe.

    Julia Klöckner ist eine Ausnahmeerscheinung in der Politik. Durch sie wird Politik nicht völlig anders, nicht ganz neu, aber sie kommt oft mit einem anderen Ton daher und prägt so auch die inhaltlichen Akzentuierungen. Das kann jeder auch auf Parteitagen beobachten: Kaum jemand wird von so vielen Kameras belagert wie sie. Außer die Kanzlerin vielleicht. Es lohnt sich also, Klöckner näher kennenzulernen.

    Wer ist diese Frau, die Winzertochter von der Nahe, die Geisteswissenschaften studierte, als Journalistin und Chefredakteurin arbeitete, eher zufällig in politische Ämter geriet, sich selbst als wertekonservativ bezeichnet und doch beständig dabei ist, dem Profil der Partei mehr Modernität zu verleihen? Sie will 2016 Ministerpräsidentin von Rheinland Pfalz werden und gilt als Hoffnungsträgerin der Bundes-CDU.

    Die Gespräche für dieses Buch wurden nicht in ihrem Mainzer Abgeordnetenbüro geführt, sondern draußen, »an der frischen Luft«. Der Sommer 2015 stand in seinem Zenit, der wilde Garten noch bunt voller Blüten. Julia Klöckner hatte zu sich nach Hause, nach Bad Kreuznach, eingeladen und so einen offenen Rahmen geschaffen, in dem auch kontrovers diskutiert wurde und es zu einem lebhaften Austausch kam. Das passte zu dem Bild, das man von ihr haben kann – und wies darüber hinaus.

    Entstanden ist dieses Buch mit dem Titel »Zutrauen! ­Ideen statt Ideologien – Was mir in der Politik wichtig ist«. Es erklärt, wie Julia Klöckner Politik versteht, und es beschreibt auch ihren Weg, was sie geprägt hat, wer sie ist. Sie sagt, dass sie unverbrauchte Ideen schätzt, etwas machen und anpacken will. Eine politische Unternehmerin? Dann könnte sich einiges ändern.

    Wir wünschen eine anregende Lektüre.

    Berlin/Mainz, im September 2015

    Volker Resing         Martin Rupps

    Hoffnungsträgerin – Der Weg in der Politik

    Sie waren Bundestagsabgeordnete und Staatssekretärin in Berlin. Eigentlich nicht schlecht. Und doch sind Sie zurück nach Rheinland-Pfalz gegangen und wollen dort nun bereits zum zweiten Mal Ministerpräsidentin werden. Wie lebt es sich eigentlich auf Jahre im »Amt« der CDU-Hoffnungsträgerin?

    Das ist in Ordnung. Hoffnung ist etwas Positives. Sie drückt Zuversicht aus.

    Und doch steigen die Erwartungen. Wie gehen Sie mit dem Erfolgsdruck um?

    Ich mache meine Arbeit, bleibe auf dem Boden. Meine Familie, die mir dabei hilft, und glücklicherweise ehrliche Freundinnen und Freunde sind auch an meiner Seite. Mein unbestechlichster Kritiker ist dabei mein Partner. Durch ihn werde ich immer wieder geerdet. Er sagt, wenn er etwas nicht gut findet.

    Kommt das oft vor?

    Gelegentlich. Es wäre ja auch sehr verwunderlich, wenn man ernsthaft glauben würde, perfekt zu sein. Das ist ja keiner von uns. Lernfähig müssen wir sein, gerade in der Politik.

    Was passiert, wenn der Erfolg ausbleibt?

    Zum Leben gehören Erfolge und Misserfolge. Das sind Prozesse. Und mit Blick auf die nächste Landtagswahl: Hier werbe ich für einen Regierungswechsel, mein Ziel ist, Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz zu werden. Ich möchte gerade in meiner Heimat zeigen, dass wir es besser machen. In dieser Aufgabe fühle ich mich angekommen und auch von ganz vielen getragen. Beim Thema Hoffnung stellt sich eher die grundsätzliche Frage, ob unsere Gesellschaft generell Personen braucht, in die sie ihre Hoffnung immer wieder setzen können.

    Manch ein Hoffnungsträger scheiterte, etwa Karl-Theodor zu Guttenberg ...

    Politiker sind keine Übermenschen. Karl-Theodor und ich sind zur selben Zeit in den Bundestag eingezogen und gehörten gemeinsam der Jungen Gruppe in der CDU/CSU-Fraktion an. Aber unsere Herkunft und Lebenswege sind völlig verschieden. Er kommt aus einer adeligen Familie mit politischer Tradition. Ich komme aus normalen Verhältnissen, bin ganz anders aufgewachsen.

    Nicht ausweichen: Sie sind eine Hoffnungsträgerin ...

    (Lacht) Dass Hoffnungen in Politiker gesetzt werden, ist normal. Vor allem, wenn sie zum Führungspersonal gehören. Das darf aber nicht vom Wesentlichen ablenken. Im Kern kommt es in der Politik darauf an, Probleme zu lösen, Konzepte für die Zukunft zu haben, das Land voranzubringen. Das gilt auch für mich. Rheinland-pfälzische Politik muss endlich aus ihrer Lähmung befreit werden. Als Ministerpräsidentin will ich dafür sorgen, dass die Menschen hier wieder zukunftsfreudiger sind, sie sollen wieder darauf hoffen können, dass neue Arbeitsplätze entstehen und wir bei der Gründerszene und der Patentanmeldung nach vorne kommen.

    Das klingt nach Wahlkampf. Bei der zurückliegenden Wahl, die Sie verloren haben, wollten sie das auch. Wie gehen Sie mit Niederlagen um?

    2011 hat ein halbes Prozent gefehlt. Natürlich lernt man daraus. Ich kenne das Gefühl, auf einem Feld etwas bewegen zu können, und ich kenne genauso das Gefühl, dass die bessere Idee, die bessere Initiative nicht zum Zug kommt, weil die Mehrheit fehlt.

    Also konkreter: Was machen Sie heute anders?

    Im Laufe des Politikerlebens habe ich verschiedene Erfahrungen gemacht, aus denen ich Kraft schöpfe. Deswegen ist jetzt einiges anders. 2011 haben uns nur 8000 Stimmen, ein halbes Prozent gefehlt. Während die SPD rund zehn Prozentpunkte eingebrochen war, legte die CDU zu. Dennoch hat es nicht für die Regierungsübernahme gereicht, die Grünen haben die alte SPD gestützt und ihr noch einmal über die Ziellinie geholfen. Die Probleme sind danach geblieben. Man kann das eine Niederlage nennen, ich nenne es die Ermunterung zu einem neuen Anlauf.

    Wie stark lassen sich Erfolg und Niederlage beeinflussen?

    Viel und wenig zugleich. Viel, weil es an uns als Bewerber liegt, wie wir auftreten, und wenig, weil die Gesamtstimmung auch immer eine Rolle spielt. Klar wird auch viel davon abhängen, ob ich meine Aufgabe als Spitzenkandidatin ordentlich mache.

    Wie denn?

    Jeder Schritt von mir, jeder Satz, auch unser Gespräch natürlich wird vom politischen Mitbewerber beobachtet, weil er etwas zu verlieren hat. Wählerstimmen, Macht. Und natürlich will man eine starke CDU treffen, indem einige versuchen, mich anzugreifen.

    Wie gehen Sie damit um?

    Sportlich-gelassen.

    Wirklich?

    Ja, Politik ist auch ein Handwerk, jedenfalls kein Ferienparadies. Persönlicher Angriff ist aber immer Ausdruck von Angst und Hilflosigkeit. Mein Stil ist das nicht. In der Sache konsequent, aber im Umgang verbindlich, das ist mir wichtig.

    Haben Sie ein Beispiel?

    Wenn der SPD-Landesvorsitzende mich »Shitstorm auf Pumps« nennt, ist er stolz, dass ihm nach vielen Tagen des Überlegens etwas eingefallen ist, um von seinen Problemen abzulenken: insolventer Nürburgring, insolventer Flughafen Zweibrücken, insolventes Schlosshotel Bad Bergzabern. Alles SPD-Projekte, die schiefgingen. Dass eine Opposition so etwas aufgreift, ist nicht nur klar, sondern notwendig. Also wollte er zum Gegenschlag ausholen mit einem frauenspezifischen Witz, über den aber allenfalls Herren seiner Liga lachen konnten. Das ging nach hinten los, ich bekam zahlreiche Solidaritätsbekundungen von Frauenverbänden.

    Was ist Ihre Antwort?

    Gelassenheit. Nicht verbissen darauf reagieren, meine Arbeit weiter machen, nicht an jeder Talkshow teilnehmen, sondern im Land unterwegs und vor Ort präsent sein, Fragen beantworten, Ideen vorstellen. Die Rheinland-Pfälzer merken, dass es mir wirklich um das Land geht, und sie schätzen es, wenn sie merken, dass sie wichtiger sind als Talkshow-Termine.

    Fernsehtauglichkeit ist schon wichtig ...

    Das liegt im Auge des Betrachters. Sie oder er muss ein Typ sein. Deutschland wird nicht wie die USA werden, zum Glück führen wir anders Wahlkampf, nicht dermaßen durchgestylt, familieninszeniert und typbereinigt. Wir in Deutschland mögen Charaktere, authentische, nicht unbedingt makellos glatte. Das Telegene ist austauschbar, ein Typ nicht.

    Welcher Typ sind Sie?

    Am besten andere fragen.

    Ihre Antwort?

    Ich bin eher der geländegängige Typ. Zwischen Gummistiefeln und Pumps, zwischen humorvollem Weinfest und akribischer Schreibtischarbeit, zwischen Tradition und Moderne. Politisch schlägt mein Herz in der Mitte.

    Der Nachteil eines Typen ist, dass man ihn nicht überall einsetzen kann?

    Stimmt. Ich würde nicht als Erste Bürgermeisterin nach Bremen passen. Ich komme aus einem Flächenland. Ein Stadtstaat wie Bremen hat andere Themen, andere Probleme. In der Bundespolitik ist es wieder etwas anderes, da brauchen Sie ja gerade einen überregionalen Blick auf die Dinge.

    Wie wird man Hoffnungsträgerin? War Ihnen der Landesvorsitz der CDU Rheinland-Pfalz nach den Krisen in der Partei auf dem Silbertablett serviert worden?

    Mir wurde die Spitzenkandidatur, nicht der Landesvorsitz angetragen. Der Landesvorsitz war meine Bedingung. Ich habe gesagt: Wenn ich mich ganz für Rheinland-Pfalz entscheide, brauche ich die bestmöglichen Bedingungen für einen Erfolg. Da gehören Fraktions- und Landesvorsitz in eine Hand.

    Welche Rolle spielte, dass Sie eine Frau waren?

    Die Stunde der Frauen schlägt häufig in Krisenzeiten der Parteien. Angela Merkel übernahm die Bundes-CDU in einer Krisenzeit, Hannelore Kraft kam in der SPD-Krise in Nordrhein-Westfalen.

    Zu Frauen ist das Zutrauen in der Krise größer?

    Oder es finden sich in einer Krise keine Männer. Wegen drohender Aussichtslosigkeit hält sich das Engagement in Grenzen. Generös wird gerne einer Frau der Vortritt gelassen, und dann ist man erstaunt, wie gut es läuft.

    Das klingt jetzt aber bitter ...

    Nüchtern. Ich handle nicht nur gern, ich beobachte auch gern. Meinen politischen Weg in Rheinland-Pfalz verdanke ich ebenfalls Krisensituationen. Die erste war im Kreis Bad Kreuznach/Birkenfeld, als es aussichtslos schien, der SPD den Wahlkreis abzunehmen. Die zweite herrschte in der Landes-CDU, die keine Perspektiven für einen Machtwechsel nach parteiinternen Auseinandersetzungen sah. Noch immer müssen wir in der Politik zuerst mit dem Latein am Ende sein, bevor sie an etwas denken, woran bislang niemand gedacht hat, nämlich eine Frau und Seiteneinsteigerin zu holen.

    Am Anfang aber war die Quote.

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