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Gespräche über Gott, Geist und Geld

Gespräche über Gott, Geist und Geld

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Gespräche über Gott, Geist und Geld

Länge:
81 Seiten
1 Stunde
Herausgeber:
Freigegeben:
Nov 4, 2014
ISBN:
9783451803703
Format:
Buch

Beschreibung

Peter Sloterdijk und Thomas Macho über Gott, Geist und Geld, über die Hölle als »Verfassungsorgan«, Gottvertrauen und Geldvertrauen, über Kapitalismus als Religion, über den Zusammenhang von Geist und Geld. Der bekannteste Philosoph Deutschlands und Thomas Macho, Berliner Kulturwissenschaftler und Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste, eröffnen neue Perspektiven über Gott, Geist und Geld abseits der vorgedachten Pfade.
Herausgeber:
Freigegeben:
Nov 4, 2014
ISBN:
9783451803703
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Gespräche über Gott, Geist und Geld - Peter Sloterdijk

Peter Sloterdijk und Thomas Macho

im Gespräch mit Manfred Osten

Gespräche über Gott, Geist und Geld

Impressum

Titel der Originalausgabe: Gespräche über Gott, Geist und Geld

© Verlag Herder GmbH, Freiburg im Breisgau 2014

© Verlag Herder GmbH, Freiburg im Breisgau 2014

Alle Rechte vorbehalten

www.herder.de

Fotos im Innenteil: © Stiftung Schloss Neuhardenberg/Arianna Frickhinger

Umschlaggestaltung: Designbüro Gestaltungssaal Sabine Hanel

E-Book-Konvertierung: le-tex publishing services GmbH, Leipzig

ISBN (E-Book): 978-3-451-80370-3

ISBN (Buch): 978-3-451-30928-1

MANFRED OSTEN: Meine Damen und Herren, ich begrüße Sie herzlich zu einem Gespräch über »Gott, Geist und Geld«, wenn man es mit drei Worten zusammenfassen möchte.

Gegenwärtig scheint eine Katastrophe bevorzustehen, die vor allen Dingen auf die Begegnung von Gier und Geld zurückzuführen ist. Dabei blieb der Geist anscheinend auf der Strecke und ich glaube, wir sollten uns fragen, ob wir die Tendenzen, die gegenwärtig vor allem in der Ökonomie und den Finanzmärkten zu beobachten sind, unbedingt hinnehmen müssen oder ob wir uns vielleicht lieber Karl Valentin zuwenden, der ja behauptet hat, alle Menschen seien eigentlich gut, nur die Leute seien schlecht. Oder wie es Ödön von Horváth mal gesagt hat: »Ich bin eigentlich ein ganz anderer, ich komme nur so selten dazu.« Das heißt, wir wollen auch der Frage nachgehen, ob das Wort aus den Evangelien eigentlich noch gilt, der Geist weht, wohin er will und nicht wohin das Geld es will.

Um diesen Themen näherzukommen, habe ich zwei Gäste hier bei mir, die vermutlich jeder kennt.

Peter Sloterdijk, geboren 1947, ist Philosoph und dürfte vielen unter anderem aus dem ›Philosophischen Quartett‹ bekannt sein. Seine Bücher und Beiträge sowie Kommentare zu den Themen Religion und zuletzt zur Finanzkrise lösen immer wieder größere Debatten im Feuilleton aus.

Thomas Macho, geboren 1952, ist Kulturwissenschaftler und Philosoph. Bekannt ist er für seine Beiträge zur Religion in der Moderne und auch zu vergangenen und noch bevorstehenden Apokalypsen. Ich heiße Sie beide herzlich willkommen!

Damit möchte ich auch sogleich zur ersten Frage kommen. Lieber Herr Sloterdijk, Sie haben kürzlich in der Wochenzeitung ›Die Zeit‹ eine Möglichkeit angedeutet, dass wir aus der gegenwärtigen Geld- und Gierkrise herauskommen könnten, wenn wir das finanzpolitische Wahnsystem beseitigen könnten, das uns durch Ignoranz und guten Willen der Politiker seit ungefähr 20 Jahren verordnet ist. Wie könnten wir denn genau aus diesem ›Wahnsystem‹ wieder herauskommen?

Manfred Osten, Peter Sloterdijk, Thomas Macho (v. l. n. r.)

PETER SLOTERDIJK: Wenn wir rekonstruieren wollten, aus welchen Motiven die europäischen Politiker den Euro seinerzeit entwickelt haben, mit welchen Gründen sie die Griechen als ›Mutterland der Demokratie‹ – das seit ungefähr 2200 Jahren nicht mehr weiß, was Demokratie ist – in diese Konstruktion von gutem Willen und Halbbildung hinein geschummelt haben, dann würden wir den heutigen Abend in eine Wahlveranstaltung verwandeln. Wir würden den Saal polarisieren in solche, die glauben, dass man das geringere Übel in der gegenwärtigen Situation noch identifizieren kann und solche, die glauben, dass dies nicht mehr möglich ist.

Ich habe mich kürzlich in einer öffentlichen Äußerung bloßgestellt als jemand, der aktuell unfähig ist, das geringere Übel zu sehen. Das sollte einem Intellektuellen eigentlich nicht passieren.

Einstiege in Gespräche sollten nach meinem Dafürhalten daher nicht aktuell sein. Ich glaube, man muss Gedanken immer weit herholen, denn das Wesen des Geistes besteht ja darin, dass er das Weithergeholte ist. Dieses weite Herholen ist jedoch aus dem Gebrauch gekommen in dieser Zeit, in der wir uns allesamt – um ein schönes Wort des jungen Nietzsche zu zitieren – zu ›Legionären des Augenblicks‹ haben machen lassen. Nietzsche hatte damals gerade Goethes Gespräche mit Eckermann wieder gelesen und unter dem Eindruck der darin wahrnehmbaren olympischen Jovialität gesagt, er würde seinerseits gerne tausend Tonnen Zeitgenössisches preisgeben, um auch nur eine Stunde in dieser anderen Reflexion verbringen zu dürfen.

MANFRED OSTEN: Dann zäumen wir das Pferd vielleicht etwas anders auf. Wir haben das Phänomen einer Entgrenzung in vielen Bereichen, einer Entgrenzung der Geldschöpfung, die nicht mehr mit einer Wertschöpfung in Verbindung steht, einer Schuldenakkumulation, die nicht mehr mit der Schuld in Verbindung steht. Wie ist das überhaupt möglich geworden, dass wir in solche Entgrenzungsprozesse hineingeraten sind, in denen diese Dinge nicht mehr zusammengehören? Dass also praktisch Schulden akkumuliert worden sind, bei denen überhaupt jede Möglichkeit der Tilgung außer Acht gelassen wurde?

PETER SLOTERDIJK: Dazu muss man fragen, was eigentlich in der Moderne insgesamt passiert ist – und wann es angefangen hat. Wir müssen dafür ungefähr 700 Jahre zurückgehen und dürfen den Ausdruck ›Moderne‹ nicht leichtfertig in den Mund nehmen. Wenn wir etwas technischer denken und uns fragen, von welchem Moment an Menschen in diese intensiven Steigerungen geraten sind, dann landen wir im 14. Jahrhundert.

Diese Zeit beinhaltet die Kumulation des Mittelalters und damit einhergehend eine unglaubliche Hochblüte mystischer Seelenübungstechniken. Eine große Anzahl von Europäern verschreibt sich damals der ›Imitatio Christi‹. So lautet der Titel eines Buches des Mystikers Thomas von Kempen, das eines der am meisten verbreiteten Bücher der älteren Weltliteratur war. Im Zusammenhang mit der ›Imitatio Christi‹ entdeckten die christlichen Mystiker im psychischen Bereich die sogenannte ›positive Rückkoppelung‹. Sie brachten es fertig, aus der Anweisung der Selbstvergessenheit eine Übung zu machen, die zu einer Art ursprünglicher Akkumulation von psychischer Energie geführt hat. Genau zu diesem Zeitpunkt und unter Anwendung dieser Seelenübungstechniken entstand der moderne Mensch. Er ist derjenige, der alles kann, weil er geübt hat, sich selber

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