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Der Couchrebell: Streifzüge durchs wahre Leben

Der Couchrebell: Streifzüge durchs wahre Leben

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Der Couchrebell: Streifzüge durchs wahre Leben

Länge:
200 Seiten
2 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Jun 9, 2015
ISBN:
9783451803932
Format:
Buch

Beschreibung

Frank Schäfer hat es geschafft. Frau und Kind und Haus und vielleicht auch noch der eigens gepflanzte Baum. Und selbst beruflich läuft es ganz passabel. Kein Grund zu klagen also, oder? Aber war da nicht noch was? Während Attac, Occupy, Piraten und Wutbürger sich empören, erinnert sich der einstige Heavy-Metal-Musiker Frank Schäfer an sein eigenes Rebellentum, damals, in den Achtzigern und Neunzigern. Frank Schäfer erzählt Geschichten davon, wie er sein Rebellentum herüberzuretten versucht in seinen ganz normalen Alltag, irgendwo zwischen Malle und Wacken.
Herausgeber:
Freigegeben:
Jun 9, 2015
ISBN:
9783451803932
Format:
Buch

Über den Autor


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Der Couchrebell - Frank Schäfer

Frank Schäfer

Der Couchrebell

Streifzüge durch das wahre Leben

Herder Logo

Impressum

© Verlag Herder GmbH, Freiburg im Breisgau 2015

Alle Rechte vorbehalten

www.herder.de

Umschlaggestaltung: Designbüro Gestaltungssaal

Umschlagmotiv:© Shutterstock

E-Book-Konvertierung: le-tex publishing services GmbH, Leipzig

ISBN (E-Book) 978-3-451-80393-2

ISBN (Buch) 978-3-451-31302-8

Inhalt

Vorwort

Der Mensch wird erst ganz Mensch infolge einer Rebellion

Der Rebell möchte aussehen wie ein Rebell

Der Rebell möchte eine neue Welt gründen

Der Rebell hat ein Problem mit dem Altern

Der Rebell ist unhöflich. Sein Verhalten unterscheidet sich von dem »bei Hofe«

Der Rebell entspricht nicht der Norm. Er vertritt Werte, die mit dem kollektiven Konsens nicht übereinstimmen

Man kann sich seine Rebellion nicht aussuchen

Der Rebell macht sich die Welt, wie sie ihm gefällt

In jeder Rebellion liegt ein Problem verborgen

Der Rebell ist immer auch Projektionsfläche kollektiver Sehnsüchte

Der Rebell ist immer in Gefahr, domestiziert zu werden

Der Rebell ist rücksichtslos gegen sich und andere

Der Rebell will nicht erwachsen werden

Für Heike und Oscar

von ihrem größten Fan

Vorwort

Wir hatten uns an einem Samstag im Mai getroffen, um wieder einmal im süßen, lauwarmen Sud der Nostalgie zu baden. Wir, das war die beste Schwermetall-Band der Welt, die mich Schwachstromgitarristen damals in den goldenen Achtzigern mitspielen ließ. Vielleicht bin ich den anderen deshalb so viele Jahre später noch so herzlich zugeneigt. Nicht jeder hätte das getan.

Es wurde wie stets ein schwer durchgeistigter Abend, in dessen Verlauf wir noch einmal all unsere Siegestrophäen auf Hochglanz polierten. Den vorletzten Platz beim NDR-Hörfest etwa, der uns im Landkreis Gifhorn weltberühmt machte – als Komiker. Den Plattenvertrag, der dem zuständigen A&R-Manager schon bald seinen Job kosten sollte, uns aber ein Album bescherte, das als Heavy-Metal-Juxrakete auf dem Kuriositätenmarkt immer wieder hohe Wiederverkaufspreise erzielte. Der Auftritt bei Tele 5, der das Taschengeld eines halben Jahres verbrannte, dafür aber auch die Verkaufszahlen um volle 17 Exemplare hochschnellen ließ. Es hätte ein perfekter Abend werden können, wenn die hübsche Bedienung im ledernen Tank-Top uns nicht beharrlich gesiezt hätte.

Am Morgen darauf begann ich, mit blutunterlaufenen Tieraugen, aber immer noch beseelt von Glamour und Gloria der frühen Jahre, meinem Sohn am Frühstückstisch auseinanderzusetzen, was für ein total verrückter Haufen wir doch waren damals, dass der Spießbürger sich verdammt noch mal in Acht zu nehmen hatte vor uns, denn die Band war Rock ’n’ Roll und sonst gar nichts, und Rock ’n’ Roll auch nur ein anderes Wort für Rebellion. Das biedersinnige Establishment konnte uns mal gern haben, dem rammten wir mit unserer Musik nämlich den steifen Mittelfinger voll in den … Meine Frau hob argwöhnisch die Braue. Egal, war ja auch nur symbolisch gesprochen.

Der Sohn sah nicht auf von seinem Hörnchen und fragte unbeeindruckt, nicht weil es ihn wirklich interessierte, sondern einfach nur, weil er so ein feiner und höflicher kleiner Kerl ist: »Papa, was ist Establishment?«

Viele niedliche Lachfältchen umspielten da die Augen meiner lieben Gefährtin, und sie bekam dieses Blitzen in den Augen, das als Vorwarnsystem für innereheliche Bosheiten noch nie versagt hat.

»Frag doch deinen Vater, diesen Mordskerl, mal, wann er zu Hause ausgezogen ist!«

Mein Sohn ließ Hörnchen Hörnchen sein. Auf einmal war er voll da.

»Papa?«

»Möchtest du noch etwas Kakao?«

»Paaapa?«

»Habt ihr vielleicht Lust auf eine Radtour? Ist doch so schön draußen. Wir könnten einen Picknickkorb packen und dann einfach drauflosfahren, so weit die Räder rollen …«

»Wann, Papa?«

»Keine Ahnung, woher soll ich das wissen. Spät halt.«

»Mit 28!«, antwortete sie für mich. Häme entstellte ihr schönes Gesicht.

»Ganz schööön spät.«

»Na und? Spielt das eine Rolle?«, rief ich und vielleicht donnerte meine geballte Faust sogar ein akustisches Ausrufungszeichen auf den Küchentisch, das die Frage unmissverständlich beantwortete. Aber ich erinnerte mich auch sogleich einer Szene aus dem Film »Crossroads«, wo der weiße Protagonist Eugene, der ein echter Blueser werden will, seinem alten schwarzen Lehrmeister Willie beichten muss, woher er kommt, aus Long Island nämlich, was der alte Mann mit entsprechendem Hohn quittiert. »Ein Bluuuesman aus Long Island!«

Ich fühlte mich wie Eugene. Mit 28 noch zu Hause gewohnt zu haben, das entsprach unter Rebellen etwa dem, was man im Blues mit einer Herkunft aus Long Island verband.

»Wer mit zwanzig kein Rebell gewesen ist, hat kein Herz. Wer es mit vierzig noch sein will, hat keinen Verstand.« So oder so ähnlich lautet das bekannte Sprichwort. Beides schien auf mich zuzutreffen. Oder etwa nicht? Ließen sich in meiner Vita vielleicht doch Rudimente dingfest machen, die von echtem Rebellentum zeugten? Und was sollte das eigentlich sein – echtes Rebellentum? Warum fühlte ich mich immer noch so hingezogen zu den bekannten Rebellenfiguren aus Pop- und Kulturgeschichte? Könnten sie mir als Vorbilder gedient haben – oder sind sie das am Ende immer noch? Und wie lässt sich der dezidiert postheroische Alltag eines schreibenden Sitzriesen überhaupt mit all diesen Fragen in Einklang bringen? Ich musste mir Klarheit verschaffen

»Was ist nun mit der Radtour?«, fragte schließlich meine Frau.

»Geht nicht, ich muss arbeiten.«

»Jetzt ist er wieder mucksch«, flüsterte ihr mein Sohn.

Der Mensch wird erst ganz Mensch infolge einer Rebellion

Rebellion gehört zu den menschlichen Urphänomenen, zum archaischen Grundbestand des Humanen. Die Menschheitsgeschichte beginnt mit einer Rebellion. Adam und Eva essen vom Baum der Erkenntnis (1. Moses, 3), werden von Gott aus dem Paradies vertrieben und lernen jetzt erst, was es heißt, Mensch zu sein. Es ist eine elende Plackerei, ziemlich schlecht für die Bandscheibe, die Natur zeigt ihre hässliche Fratze, meistens Regen, gelegentlich Glatteis, wenn man nicht verdammt aufpasst, wird man von einem Mammut überrannt, und auch wer alles richtig macht, immer links, rechts und dann wieder links guckt, bevor er über die Straße geht, nur einmal in der Woche Fleisch isst und Dornkaat meidet, landet dermaleinst sechs Fuß unter der Grasnarbe, um dann, dem Herrn sei’s gedankt, nicht mehr mitansehen zu müssen, wie sich die Würmer ihre Sabberlätzchen umbinden.

Man streitet im Grunde bis heute darüber, aber es gibt Stimmen, die meinen, es habe sich trotzdem gelohnt. Martin Luther zum Beispiel: »Und Gott der Herr sprach: Siehe, Adam ist geworden wie unsereiner und weiß, was gut und böse ist.«

Wer Verstand und Bewusstsein will, wie unsereiner, muss irgendwann Småland verlassen. Was die Bibel hier gleichnishaft formuliert, ist eine anthropologische Konstante. In der Onto- spiegelt sich bekanntlich die Phylogenese, in der Individual- die Stammesgeschichte. Jeder Mensch verliert im Laufe der Sozialisation zwangsläufig seine Unmündigkeit – und das äußert sich zunächst mal darin, dass er den Eltern widerspricht. Wer heranwachsende Kinder hat, weiß, wie Gott sich gefühlt haben muss. Es nervt mitunter ganz gewaltig.

Auch bei den ganz alten Griechen, noch vor der Bibel, gibt es die Vorstellung, dass erst die Rebellion den ganzen, vernunftbegabten Menschen macht: im Prometheus-Mythos. Bei Hesiod ist Prometheus – nicht ohne Grund heißt er »der Vorausdenkende« – der Ur-Rebell, der Menschen formt aus Ton, ihnen von seiner Freundin Athene Leben einhauchen lässt, sie unterrichtet und schließlich den Göttern sogar das Feuer stiehlt, damit sich seine Geschöpfe entwickeln können. Zeus straft Prometheus fürchterlich, lässt ihn an eine Felswand im Kaukasus schmieden und schickt einen Adler, der Tag für Tag seine Leber frisst, die nachts wieder nachwächst.

Wahrscheinlich ist er so erbost, weil er ahnt, dass sich dessen Erdenkloß-Mischpoke als ein ebensolches Rebellengesindel entpuppen wird wie ihr Schöpfer. Goethe hat Hesiod in gewisser Weise zu Ende gedacht, wenn er in seinem gleichnamigen »Prometheus«-Gedicht einen selbstbewussten, aufgeklärten Stürmer und Dränger aus ihm macht, der die Götter am besten gleich gänzlich abschaffen will.

Hier sitz’ ich, forme Menschen

Nach meinem Bilde,

Ein Geschlecht, das mir gleich sei,

Zu leiden, weinen,

Genießen und zu freuen sich,

Und dein nicht zu achten,

Wie ich.

Goethes Prometheus übt sich in Ungehorsam. Das war immer schon erste Rebellenpflicht. Und seitdem es die Jugend gibt, das heißt, sobald man sie als eigene soziale, wenn auch transitorische Gruppe wahrnahm, etwa seit Beginn des 20. Jahrhunderts, hat sie sich diese prometheische Attitüde zu eigen gemacht und die Autoritäten – vertreten vor allem durch die Elterngeneration – mit entschiedener Nichtachtung gestraft.

Es ist kein Zufall, dass man der Adoleszenz zunächst in den USA Aufmerksamkeit schenkte. In den explosionsartig wachsenden, administrativ überforderten Großstädten der Jahrhundertwende wie New York und Chicago waren Jugendliche ein Problem, mit dem sich vor allem die Gerichte herumzuschlagen hatten. Der erste Teenager war ein Krimineller!

Durchaus entsprechend kümmern sich in Deutschland zunächst ein Jurist und ein Seelsorger um die »jungen Kerle mit schmierigen Mützen über den fahlen Gesichtern, die elende Brut der lichtlosen Gänge und giftschwangeren Hinterhäuser«. Von Anfang an hat die aufmüpfige Jugend also auch hierzulande den Status der Delinquenz. Die Gesellschaft ist herausgefordert, etwas zu unternehmen gegen diese »Halbstarken«, pädagogisch oder eben juristisch. Der hier zitierte völkische Hamburger Richter Hermann Popert spricht in seinem Roman »Helmut Harringa« (1910) vermutlich erstmals vom »Halbstarken«.

Pastor Clemens Schultz, auch ein Hamburger, wagt sich zwei Jahre später bereits an eine detaillierte Beschreibung dieses Typs (»Die Halbstarken«, Leipzig 1912). Er ist »der geschworene Feind der Ordnung, er hasst die Regelmäßigkeit, ebenso alles Schöne und ganz besonders die Arbeit. Er hat keinen Sinn für das Lebenswerte: Heim, Familie, Freundschaft, Vorwärtsstreben, Begeisterung, und ist völlig apathisch gegen ideale Güter, Kunst, Wissenschaft, Religion. Alles Schöne und Geordnete ärgert ihn, es löst in ihm Freude am Zerstören aus«. Ein Punk avant la lettre also.

Der Ärger kulminiert in der zweiten Hälfte der Fünfzigerjahre. In Berlin kam es im September des Jahres 1956 zwei Wochen lang fast täglich zu größeren Auseinandersetzungen mit den Ordnungskräften. Von einer »regelrechten Straßenschlacht zwischen Polizisten und Halbstarken« in München berichtet die »Westdeutsche Allgemeine Zeitung« am 6. August 1956. »An die hundert Jugendliche zwischen 15 und 20 Jahren hatten sich zusammengerottet, als der Betrieb auf dem Rummelplatz schließen wollte. Die Lichter waren kaum verlöscht, als die Halbwüchsigen zu pfeifen und zu johlen begannen. Die Polizei hatte vorsorglich fünf Beamte in Zivil zum Jahrmarkt beordert, die nun versuchten, den Platz zu räumen. Immer mehr Halbstarke rotteten sich zusammen und leisteten Widerstand, selbst dann noch, als das Überfallkommando mit einem Funkstreifenwagen eintraf. Mit Gummiknüppeln wurden die Randalierenden abgedrängt. Dann gingen etwa 300 Jugendliche zum Gegenangriff über und bewarfen die Polizisten mit Pflastersteinen, wodurch u. a. die Windschutzscheibe des Streifenwagens zersplitterte und ein Beamter getroffen wurde. Schließlich trafen vom Polizeipräsidium der Wasserwerfer und ein zweites Überfallkommando ein. Danach zerstreuten sich die Jugendlichen unter Protestrufen und Pfiffen.«

Wenn man dem Medien-Hype Glauben schenkt, befindet sich die Jugend Deutschlands im Straßenkampf. Mehrere Hundert solcher Vorfälle haben die Behörden gezählt. Kein Wunder, dass man bereits 1956 – als pädagogische Standpauke getarnt – auch in den Kinos davon profitieren will.

In »Die Halbstarken« von Georg Tressler mimt der junge Horst Buchholz den rüden, skrupellosen Bandenchef Freddy Borchert. Die scharfe Lederhose sagt alles.

Der Film zeigt die üblichen Ingredienzien: Unbotmäßigkeit gegenüber den Älteren, vor allem den vermeintlichen Autoritäten (»Mach ’n Mund zu, die Milchzähne werden sauer!« – »Unerhört so was, wie die Bengels heutzutage auftreten.«), ein paar gar nicht mal so übel inszenierte Schlägereien, ein bisschen Kleinkriminalität, später dann das große Ding, das den Ausweg verspricht aus der tristen Arbeitswelt. Als sein Bruder Jan, das personifizierte schlechte Gewissen, Freddy zur Rede stellt und nach den Gründen seines Verhaltens fragt, muss er erst ein bisschen überlegen, kommt dann aber schließlich doch drauf: »Warum? Weil ich nicht so ein beschissenes Leben führen will wie du oder die anderen.«

So sehr unterscheidet er sich im Kern dann aber gar nicht von den »anderen«. Drehbuchautor Will Tremper hat ein paar Spitzen eingebaut, um diese Jugendkultur nicht zu heroisieren. Als Freddy gegenüber einem Bandenmitglied, das nicht spuren will, gewalttätig wird, bemerkt er Jans Missbilligung und versucht sich zu rechtfertigen. »Mit den Brüdern musste so umgehen. Das ist Pädagogik, verstehste. Wenn du weiterkommen willst im Leben, dann darfst du dich nicht unterkriegen lassen. Wenn ich dem nicht auf den Kopf trete, tritt er mir auf den Kopf !« Jan kommt das sehr bekannt vor. Schon vorher hat ihn dessen Verhalten als Leitbulle irritiert. »Mensch, was schreist du denn immer so? Genau wie Vater!«

Die Väter waren das eigentliche Problem der jungen Generation. Sie hatte sich zunächst ohne sie zurechtfinden müssen, aber in den Fünfzigern kehrten die Alten zuhauf aus der Kriegsgefangenschaft zurück. Geschlagen, desillusioniert, traumatisiert. Sie schränkten die vorherigen Freiräume der Jugendlichen nicht nur wieder ein, sie errichteten als Kompensation des totalen moralischen Versagens im Nationalsozialismus ein so rigides Ordnungsregiment, einen formalethischen Schutzwall aus Anstand, Sauberkeit und Sittlichkeit, der so wenigstens symbolisch unter Beweis stellen sollte, dass sie doch nicht so üble Typen waren. Die Kinder sollten deren Schuld abbüßen und zahlten es ihnen heim, indem sie genau diese Wohlanständigkeit aufs Korn nahmen und sich als Gottseibeiuns in Jeans und Leder mit langen Haaren inszenierten. Und die in der USA bereits Sonderschichten einlegende Kulturindustrie, die sie als durchaus zahlungskräftige Kunden entdeckt hatte, spielte ihnen diverse Hilfsmittel zu, mit denen man den Zank am Küchentisch ordentlich befeuern konnte. Nicht zuletzt die richtige Musik.

Der gerade erfundene Rock ’n’ Roll war so eine Art Brandbeschleuniger. Wo Billy Haley auftrat, gab es Saures.

In den Sechzigern erreichte der jugendliche Protest ein neues Level – mit dem Tod Benno Ohnesorgs, der am 2. Juni 1967 während der Demonstration gegen den Schah-Besuch von dem Zivilfahnder Karl-Heinz Kurras hinterrücks erschossen wurde. Damit hatte der Staat für alle, die es sehen wollten, sein faschistisches Erbe offengelegt. Das war der Sündenfall in der Konstitutionsphase der Bundesrepublik: Man sperrte die alten Nazi-Eliten, die Fränkels und Globkes und Duensings etc. eben nicht weg, wie es sich gehört hätte, sondern glaubte auf sie als Staatssekretäre, Generalbundesanwälte, Polizeipräsidenten und Richter nicht verzichten zu können. Es hatte auch zuvor schon zaghafte Proteste gegen diese unerträglichen Kontinuitäten gegeben, aber erst der Tod Ohnesorgs und die anschließende Verdunklungskampagne, die mit dem skandalösen Freispruch von Kurras endete, sorgte dann für das nötige emotionale Feuer, das die Studentenrevolte so richtig entfachte und auch die Peripherie

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