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Warum bin ich eigentlich nicht glücklich?: Wege zu einem richtig guten Leben

Warum bin ich eigentlich nicht glücklich?: Wege zu einem richtig guten Leben

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Warum bin ich eigentlich nicht glücklich?: Wege zu einem richtig guten Leben

Länge:
370 Seiten
4 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Sep 29, 2004
ISBN:
9783864152993
Format:
Buch

Beschreibung

Es gibt einige wenige Grundregeln, die man im Leben einhalten kann, um sich sein Rückgrat und seine Lebenslust zu erhalten. Mit vielen sensibel porträtierten Fallbeispielen zeigt Dr. Krag diese auf, und zeigt uns einen Weg in ein selbstbestimmtes Leben voller Freude und Glück.
Herausgeber:
Freigegeben:
Sep 29, 2004
ISBN:
9783864152993
Format:
Buch

Über den Autor


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Warum bin ich eigentlich nicht glücklich? - Werner Krag

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie.

Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Für Fragen und Anregungen:

krag@mvg-verlag.de

6. Auflage 2011

1. Auflage 2003 unter ISBN 3-478-08333-8

© 2003 by mvg Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH, Nymphenburger Straße 86

D-80636 München

Tel.: 089 651285-0

Fax: 089 652096

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Umschlaggestaltung: Kristin Hoffmann, München

Umschlagabbildung: iStockphoto

Satz: HJR, Sandra Wilhelmer, Landsberg am Lech

Druck: Konrad Triltsch GmbH, Ochsenfurth

Printed in Germany

eBook ISBN 978-3-86415-299-3

Weitere Infos zum Thema:

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Für Chiho

Vorwort zur zweiten Auflage

„Ich befand mich bei der Lektüre Ihres Buches gerade in einer sehr schwierigen Lebensphase. Meine Beziehung ging in die Brüche und ich verlor meinen Arbeitsplatz. Eigentlich hatte ich gar keine Lust mehr zu irgendetwas. Nach der Lektüre Ihres Buches sah ich plötzlich den Silberstreif am Horizont und spürte neuen Lebensmut. Ich habe es seitdem noch mehrmals gelesen. Dadurch ist es mir gelungen, meinem Leben eine Wende zu geben, wie ich es vorher nie geglaubt hätte. Plötzlich öffneten sich Türen, Kontakte kamen zustande und neue Chancen traten in mein Leben. Nicht zuletzt habe ich auch wieder einen neuen Partner gefunden."

Dies ist der Brief einer Leserin, den ich – mit Genehmigung – auszugsweise wiedergebe. Briefe wie diese erfüllen mich mit tiefer Freude und zeigen mir, dass viele Menschen für ihr ganz persönliches Glück von diesem Buch profitieren. Es empfiehlt nicht den einfachen Weg. Es ist kein Rezeptbuch nach dem Motto: „Wie werde ich möglichst schnell und einfach glücklich?" Die hier aufgezeigten Wege bringen aber langfristig mehr Befriedigung und mehr Lebensfreude als viele der beliebten psychischen Ablenkungen. Aber gerade der höhere Anspruch scheint viele Leser anzuziehen, die ihrem Leben eine neue kraftvolle Wendung, einen neuen Sinn geben wollen.

Diese zweite Auflage ist schon nach relativ kurzer Zeit notwendig geworden. Der Text wurde komplett durchgesehen und überarbeitet. Ich hoffe, dass Sie dadurch das Buch mit noch mehr Freude lesen, auf dem Weg zu einem erfüllteren und glücklicheren Leben.

Werner Krag

1   Das tägliche Mittelmaß … oder der Weg zu den Quellen geht gegen den Strom

Herr Leisetreter sitzt in seinem bescheidenen Büro, links und rechts türmen sich die Akten, der halb verwelkte Gummibaum in der Ecke passt in die seltsam freudlose Atmosphäre. Das Telefon klingelt: „Schon wieder will jemand etwas von mir. Vermutlich ist es vollkommen unwichtig, denkt er. Trotzdem hebt er grummelnd den Telefonhörer ab. Der Chef wartet auf eine Vorlage, das Ganze möglichst gestern. Dabei hat Herr Leisetreter ganz andere Ziele im Kopf: Er wartet nun schon seit fünf Jahren auf seine Beförderung. Denn das kleine muffige Büro und die sich auftürmenden Aktenstapel sind auf die Dauer doch irgendwie bedrückend. Die Kollegen suchen zwar seinen Rat in fachlichen Fragen, er weiß auch, dass er auf seinem Fachgebiet kompetent ist, er versteht sich gut mit Mitarbeitern und Vorgesetzten – doch mit der Karriere tut sich nichts. Immer wieder werden Mitarbeiter vorgezogen, die weniger qualifiziert sind und auch im Umgang mit Kollegen und Kunden nicht gerade Begeisterungsstürme auslösen. Aber Herr Leisetreter sitzt immer noch hinter seinem alten, in langen Dienstjahren inzwischen abgewetzten Schreibtisch und wundert sich: „Warum übersehen die mich immer wieder? Eigentlich bin ich doch längst dran, grübelt er weiter. Gesagt oder getan hat er aber nichts. „Da kann man nichts machen", denkt er in sich versunken.

Früher hatte er noch einen Traum: Er wollte einmal im Leben mit einem Segelboot die Karibik befahren. Dafür wollte er sich ein Jahr Zeit nehmen. Die ausgelaugte Seele baumeln lassen und vom Deck seines Segelbootes die nächtlichen Sterne am Firmament funkeln sehen, dem sanften Plätschern der Wellen lauschen und das rhythmische Schaukeln des Bootes spüren. Mit freundlichen Menschen am Strand sitzen und den Saft der Kokosnuss aus der frischen Frucht trinken. Ein Jahr lang die erschöpften Batterien wieder aufladen. Seine Frau wollte das auch. Früher mal. Aber sie reden nicht mehr darüber. Denn diesen Traum hat er seit Jahren in die hintersten Ecken seiner Psyche vergraben und nur in Momenten wie diesen lugt der Traum als klitzekleine Spur, ganz tief im Innersten verborgen, kurz hervor. Vor Jahren wollte er sich auch noch beruflich verändern, denn seine eigentlichen Talente und Fähigkeiten kann er hier an diesem Arbeitsplatz nicht ausleben, sie liegen brach und verkümmern. Er fühlt sich wie eine verdorrende Blume, die immer zu wenig Sonne und Wasser bekommt. Die anfängliche Begeisterung für die Arbeit ist schließlich im Laufe der Jahre vom lodernden Feuer zu einem toten Häuflein Asche geworden. Das Gefühl dominiert, nur ein winziges Rädchen in einer großen Maschine zu sein, hier eigentlich gar nichts Sinnvolles zu tun. Neuerdings denkt er öfter an die Rente. Vielleicht wird dann alles anders. Soll das denn schon alles gewesen sein? Bei diesem Gedanken hebt sich der Kopf von Herrn Leisetreter, sein Blick wird seltsam starr und traurig und er schaut über den Gummibaum in seinem Zimmer in die Ferne und in den blauen Himmel. Dann hört er Schritte auf dem Gang und es klopft an die Tür. Geschäftigkeit vortäuschend, nimmt er eine neue Akte vom Stapel.

Ortswechsel. Irene ist seit zehn Jahren verheiratet. „Glücklich, wie sie sagt. Ihr Ehemann Peter hat eine gute Stellung bei der örtlichen Sparkasse. Sie haben zwei Kinder. In den letzten Jahren ist der Sex, den sie anfänglich sehr erfüllend fand, immer langweiliger geworden und wird von ihr nur noch als reine Pflichterfüllung empfunden. Peter hat jetzt Karriere gemacht und ist Kandidat für den Leiterposten der Sparkasse geworden. Da muss er Überstunden machen und kann sich daher auch nicht groß um die Kinder kümmern. Früher waren noch Wochenendausflüge und lange, anregende Gespräche an der Tagesordnung. Dafür scheint jetzt gar keine Zeit mehr zu sein. Peter kommt nach Hause und ist müde und geschafft. Alle Begeisterung und Leidenschaft ist allmählich einem frustrierenden Gefühl der Routine und der Gleichgültigkeit gewichen. Jeder Tag scheint so abzulaufen wie der gestrige. Morgen wird das auch nicht anders ein. „Aber so ist das wohl nach zehn Jahren Ehe, denkt Irene resignierend. Gesagt oder getan hat sie aber bisher nichts. Sie denkt vielmehr, dass eine treue Ehefrau dies wohl in Kauf nehmen muss. Die Waschmaschine piepst, die Wäsche muss auf die Leine.

Es gibt viele Männer wie Herr Leisetreter oder Frauen wie Irene unter uns. Viele Menschen, deren Leben so oder ähnlich abläuft. Die eigentlichen psychologischen Katastrophen in unserer Gesellschaft sind nämlich nicht die große Konfrontation, das berühmte „Mobbing oder sonstige dramatische Formen des Streitens oder Kämpfens, nicht die großen Konflikte und Auseinandersetzungen. Was viel schlimmer ist, sind die ständigen kleinen, unmerklichen Frustrationen, Kränkungen und Negativerlebnisse über viele Jahre und Jahrzehnte mit dem Partner, den Freunden, mit den Kindern, den Vorgesetzten, den Mitarbeitern. Für sich genommen und isoliert betrachtet, sind das alles nur Kleinigkeiten. Aber steter Tropfen höhlt den Stein. Unsere Persönlichkeit wird von diesen Erlebnissen negativ beeinflusst, geradezu deformiert, wenn wir keine Gegenstrategien parat haben. Jeder kennt diese Beispiele und jeder hat sie in irgendeiner Form schon einmal erfahren: Der Müller hat mir meine Unterlagen nicht wiedergebracht, obwohl ich es ihm schon drei Mal gesagt habe. Der Chef hat meinen genialen Vorschlag unter den großen Stapel gelegt, wo er jetzt schon seit Monaten sanft schlummert, und schon wieder ist ein Kollege befördert worden, obwohl ich doch eigentlich viel besser geeignet wäre. Wieder einmal ist der geplante Konzertabend wegen „dringender Geschäfte ausgefallen. Wieder einmal fällt die Traumreise aus, weil gerade „im Moment" die Zeit dafür ungeeignet ist. In ein paar Monaten ist sicher alles viel besser. Wieder einmal … Wollte ich nicht diesen langweiligen und öden Job verlassen und mir etwas Besseres suchen? Wollte ich nicht endlich die Traumreise in die Südsee machen? Ist die Zeit für eine Trennung von einem als destruktiv erlebten Partner, mit dem man nur noch die Fassade einer Beziehung lebt, nicht längst gekommen? Aber leider, im Moment ist die Zeit gerade nicht günstig, denn jetzt geht es auf keinen Fall. Und morgen sieht es auch nicht viel besser aus, nächste Woche auch nicht, denn da sind wichtige Termine.

So schreitet das Leben fort, Tag für Tag, Monat für Monat, Jahr für Jahr. Heimlich, still und leise sind die ehemals großen Pläne und spannenden Vorhaben, die für ein besseres und zufriedeneres Leben vorhanden waren, zerbröselt und bis zur Unkenntlichkeit vernachlässigt worden. Die Lebensfreude schrumpft immer mehr und ist zum Fremdwort geworden. Das Wort „Begeisterung kennt man nur noch vom Hörensagen oder ist längst vergangene persönliche Geschichte ohne Relevanz in der Gegenwart. Frust und Ödnis werden hingegen immer größer und kriechen in jede Ecke unserer Existenz. Wenn so die Jahre vergehen, kommt irgendwann der wehmütige Blick zurück: „Hätte ich doch damals … wäre es nicht besser gewesen … aber jetzt ist es ja zu spät. Kurz und schlecht: Wir bekommen vom Leben nicht das, was wir wirklich wollen, das, was wir uns wirklich erträumen und erhoffen. Vielmehr haben wir tief in unserem Inneren ein unbestimmtes und nagendes Gefühl der Unzufriedenheit. Soll das schon alles gewesen sein?

Henry David Thureau fasst es in seinem Roman „Walden" wie folgt zusammen:

„Die meisten Menschen führen ein Leben in stiller Verzweiflung."

Genau betrachtet ist keines der hier angesprochenen negativen Einzelerlebnisse von entscheidender Bedeutung für die eigene Persönlichkeitsentwicklung oder der kritische Faktor für ein erfülltes Leben. Allerdings sind die geschilderten Erlebnisse in aller Regel heute nicht zum ersten Mal passiert, vielmehr geht es in diesem Stil schon seit Jahren so. Die exemplarisch aufgeführte Entwicklung ist nicht über Nacht gekommen, sondern nagt seit Jahren an Lebensfreude und Begeisterungsfähigkeit. Statt Lebenslust gibt's Lebensfrust. Wenn Sie jetzt nicht aufpassen und für diesen Prozess eine bewusste Aufmerksamkeit entwickeln, die Dinge nur passiv erdulden und nichts unternehmen, fällige Entscheidungen immer wieder auf morgen und übermorgen verschieben, wenn Sie die Schuld für diese Entwicklung bei den anderen suchen, werden diese Negativerlebnisse zusammengenommen und über viele Jahre hinweg eine Spur in Ihrer Persönlichkeit hinterlassen. Sie werden Ihre Lebenslust, die Motivation, Neues anzupacken, dem Leben eine neue, elektrisierende und begeisternde Wendung zu geben, scheibchenweise, dafür aber sehr effektiv auf null bringen. Und langsam, aber sicher machen die genannten Verhaltensweisen aus uns einen lustlosen, schlappen, negativen und demotivierten Menschen und vergiften gleichzeitig unsere Beziehungen. Denn:

Wir strahlen das aus, wovon wir innerlich bewegt werden.

Leben Sie mit Begeisterung und Freude, so strahlen Sie auch Begeisterung und Freude aus. Leben Sie aber mit Frust und Langeweile, so ist Ihre Ausstrahlung auch entsprechend. Glauben Sie nicht, dass die anderen das nicht merken. Es geht aber nicht in erster Linie um die anderen, sondern um Sie und vor allem darum, wie Sie das Geschilderte vermeiden und ein erfülltes Leben führen können. Denn so wie es in vielen unserer Büros aussieht, soll es Ihnen nicht ergehen: ein Heer von demotivierten, passiven „Verwaltern", zu viele Jasager und Frustrierte, die ihre Selbstverwirklichung im Kegelklub oder in der Skatrunde suchen. Gelegentliche Ausflüge zum Ballermann auf Mallorca oder ein schnelles Auto, die teure Armbanduhr oder eine neue Wohnung sollen die innere Leere kompensieren und betäuben. Dies funktioniert jedoch nur kurzfristig und danach ist es wieder da: dieses nagende Gefühl der Unzufriedenheit und inneren Leere. Die Negativität wird auch in die Familien und Partnerbeziehungen hineingetragen und wirkt sich dort wie eine seltsam bleierne Müdigkeit aus, die das Leben langsam mehr und mehr wie mit einer großen Faust zu umklammern scheint.

Ergänzt wird dieses Bild in vielen Fällen von einem erschreckenden Fehlen von wirklich gelebten Träumen, vom Nichtvorhandensein persönlicher Visionen, von klaren persönlichen Ideen von einer besseren Welt, von einer persönlichen Aufgabe, die unsere Seele zum Schwingen bringt, uns wirklich „beseelt, die uns die Begeisterung ausleben lässt, für die wir hier auf der Erde sind und wofür ein quasi unendliches Potenzial in uns schlummert. Stattdessen breitet sich ein müdes Gähnen, eine demotivierende Lustlosigkeit und nörgelnde Lethargie aus. Langeweile und Unzufriedenheit als Lebensstil. Gepflegt wird dann als letzter Ausweg nur die Illusion: „Mit der Rente wird ja alles besser.

Dabei könnte alles ganz anders ein. Aber warum unternehmen so wenige etwas? Warum ergreifen so wenige die Initiative, um dem Leben eine neue Richtung, neuen Schwung, einen neuen Sinn zu verleihen? Ein Leben, für das wir gern morgens aus dem Bett springen und für das es sich nach unserer ureigensten Überzeugung zu leben lohnt? Ein Leben, das unsere Lebendigkeit, unsere Kreativität und unser lustvolles Tätigsein herausfordert und uns täglich spüren lässt, dass wir tatsächlich lebendig sind, und zwar nicht nur im medizinischen Sinne, sondern im Sinne von Lebensfreude und Tatendrang. „Reden Sie nur!, höre ich da die skeptische Stimme im Hintergrund. „Das ist alles graue Theorie. Ich brauche die Kohle und kann mir das Aufmucken nicht leisten. Und überhaupt: „Das geht alles nicht. Da kann man nichts machen. So ist das halt. Man muss der Realität ins Gesicht sehen."

Da haben wir's. Das große Generalargument für alle unbefriedigenden Lebenslagen: „Das geht nicht. Da kann man nichts machen. So ist das halt. Die so genannte „Realität muss herhalten. Punkt, aus, Schluss! Das Leben mit der bedrückenden Perspektive einer engen und grauen, ins Nichts führenden Sackgasse. Soll das wirklich alles gewesen sein? Auch hier gilt der berühmte Satz „Wehret den Anfängen! Später kommen uns dann resignierende Einsichten: Hätte ich nicht damals eine wirklich herausfordernde berufliche Perspektive ergreifen sollen? Hätte ich nicht beim ersten Mal höflich, aber bestimmt auf Missstände hinweisen bzw. mich weigern sollen, diese zu akzeptieren? Vielleicht beim ersten Mal einen Vorschlag zur Verbesserung der Situation machen sollen? Vielleicht dem Partner sagen sollen, worüber ich mich besonders freue? Die schlechte Gewohnheit schon vor zwanzig Jahren aufgeben sollen? Die ewig erträumte Weltreise mit dem Camper? Wann kommt sie endlich? Der sprachliche Gebrauch von „ich hätte sollen ist jetzt inflationär und gleichzeitig lähmend. Die Analyse des eigenen Lebens ist nicht mehr nach vorn, sondern nach rückwärts gerichtet. Denn Sie haben vielleicht alle diese Dinge nicht getan. Vielleicht haben Sie gewartet und sich angepasst, sich mit den Verhältnissen arrangiert, geschwiegen, verharmlost, abgewiegelt und verschoben auf den Sankt-Nimmerleins-Tag. Vielleicht wird ja beim nächsten Mal alles besser. Oder spätestens beim übernächsten Mal. Ganz sicher aber nächstes Jahr. Und so ziehen die Jahre dahin. Die Haare werden grauer und die Falten tiefer. Es ändert sich aber nichts, ganz im Gegenteil: Körper und Geist werden durch Nichtstun nicht besser, sondern schlechter.

Betrachten wir etwas genauer, wie das Unglück seinen Lauf nimmt. In der Partnerschaft, im Unternehmen und überall sonst, wo Menschen zusammenleben, haben Sie häufig am Anfang die besten Möglichkeiten, die Dinge in Ihrem Sinne zu beeinflussen. Je länger Sie damit warten, desto schwieriger wird es. Die Anfangssituation ist durch ein relatives Machtvakuum gekennzeichnet, das sich erst nach und nach füllt. Häufig überwiegen am Anfang noch ein erhebliches Maß an Kooperationsbedürfnis, gegenseitiger Rücksichtnahme und eine gewisse Narrenfreiheit. Dem Reiz des Neuen unterliegen die meisten Beteiligten. Dadurch haben Sie die Chance, Ihre Ideen und Vorstellungen durchzusetzen oder wenigstens wichtige Weichen zu stellen. Betriebsblindheit und Bequemlichkeit bzw. die reine Routine ohne große innerliche Beteiligung haben noch nicht Besitz von Ihrem beruflichen oder privaten Leben ergriffen. Denn bald danach spielen sich häufig subtile Machtkämpfe ab, die ganz klein beginnen und das psychische Terrain für mögliche Auseinandersetzungen oder Diskussionen abstecken. Hier haben Sie nur eine Chance, wenn Sie von Anfang an ihre Position klar und deutlich artikulieren und wenn jeder weiß, was Sie an Stil und inhaltlichen Positionen erwarten. Dazu müssen Sie sich aber selbst im Klaren sein, was Sie wollen und wo die Reise hingehen soll. Erst dann zollt man Ihnen Respekt, den Sie natürlich genauso anderen entgegenbringen sollten, den Sie aber auch für sich selbst einfordern können. Die Amerikaner sagen: „Kill the monster while it is small." Eine klare Positionierung – besonders am Anfang – bewirkt, dass Sie und die anderen wieder Zeit und Kraft für die eigentliche Aufgabe bekommen, für Produktivität, Spaß und Faszination an der Aufgabe, Arbeit als Selbstverwirklichung, Freude an der Partnerschaft, Freude am gemeinsamen Leben. Diese Verhaltensweisen muss man allerdings üben und sie erfordern Mut. Sie fallen nicht automatisch vom Himmel und sind leider nicht angeboren. Sie wirken übrigens am besten, wenn Sie höflich und mit Wertschätzung für Ihr Gegenüber vorgetragen werden. Auch das ist eine Kunst, die man lernen kann.

Wenn Sie also ein selbstbestimmtes Leben führen wollen, Erfüllung im Privat- und Berufsleben suchen, so brauchen Sie den Mut, mit Einfühlungsvermögen, aber auch sicherer Beharrlichkeit Ihre Position zu erkennen, dann für sich zu entscheiden und mit Ihrer Umgebung auszuhandeln. Will ich diese Situation weiter ertragen oder entscheide ich mich neu? Dabei können Sie durchaus Kompromisse schließen. Die Zeit, sich ans Steuerrad Ihres eigenen Lebens zu setzen, ist aber jetzt und nicht in zehn oder zwanzig Jahren. Jetzt ist die Zeit, Ihr eigenes Projekt, Ihren eigenen Traum, Ihre eigene Vision in die Tat umzusetzen. Warten ist auch eine Strategie, aber meist nicht die beste. Mit jedem kleinen Schritt, den Sie in die neue Richtung gehen, verbessern Sie ihre psychische Lage und werden in Ihrer Position sicherer und klarer. Dies wiederum lässt Sie in neuen, aber vergleichbaren Situationen entschiedener und klarer handeln. Wie Sie in Kapitel 4 sehen werden, hat Glückserfahrung wenig mit Zufall oder den äußeren Lebensumständen zu tun. Sehr viel aber mit Entschiedenheit, mit der Bereitschaft, fällige Entscheidungen auch zu treffen und nicht vor sich her zu schieben, sowie mit dem Mut, Konflikte auszuhalten und Risiken einzugehen, denn:

Der Weg zu den Quellen geht gegen den Strom.

Dieses Buch will Ihnen helfen, den Übergang zu einem neuen, erfüllteren Leben, zu einem neuen kraftvollen Anfang zu finden. Es will Ihnen Mut zu machen, sich an Ihre alten Träume zu erinnern oder neue zu träumen. Das zu tun, was Sie schon immer tun wollten, das Ruder herumzureißen und die grandiosen Chancen Ihres Lebens endlich zu erkennen und in die Tat umzusetzen und sie nicht nutzlos und ohne Konsequenzen vom Treibsand der Geschichte zuwehen zu lassen. Endlich wieder die Lebensfreude und die Hingabe zu leben, für die Sie hier auf die Erde gekommen sind. Ihre spezielle Rolle zu finden, für die Sie ganz besonders geeignet sind und die kein anderer auf der ganzen Welt in gleicher, einzigartiger Weise ausfüllen kann. Dies ist Ihre Aufgabe, und zwar jetzt, nicht nächstes Jahr oder in fünf Jahren.

Halten Sie kurz inne! Horchen Sie in sich hinein und spüren Sie Ihre Gefühle! Lassen Sie diese Gefühle für ein paar Minuten wirken und versuchen Sie dann, Kontakt mit Ihren Sehnsüchten nach einem besseren Leben aufzunehmen. Das, was Sie als wirkliche Sehnsucht oder ernst gemeinten Traum in Ihrem Inneren spüren, trägt bereits den Keim zur Verwirklichung in sich. Diese Sehnsüchte und Träume können nicht nur bei anderen Menschen, sondern auch in Ihrem Leben Wirklichkeit werden. Merken Sie, wie Sie allein durch das Lesen der letzten Sätze wieder etwas Mut und Zuversicht in sich wachsen sehen? Ihre Sehnsüchte und Ideen müssen nur geweckt, gefördert und ausgelebt werden. Dieses Buch will Ihnen einen praktikablen Weg zu einem Leben mit mehr Erfüllung, mehr Selbstzufriedenheit, mehr Entschiedenheit und letztlich mehr Glück zeigen. Zu einem Leben mit weniger Angst, mehr Begeisterung und mehr gelebten Träumen. Ihr restliches Leben beginnt nämlich heute. Es gibt viel zu tun, fangen Sie's an!

Jasager und Frustrierte und das Leben der Dilettanten

Ist es Ihnen auch schon einmal so gegangen: Sie steigen ins Taxi und geben eine bestimmte Straße an, aber der Taxifahrer quittiert das angegebene Fahrziel nicht mit einem freudigen Lächeln, sondern mit einem griesgrämigen Gesicht. Die Fahrt ist ihm nicht lange bzw. profitabel genug. Das lässt er Sie spüren: Widerwillig setzt er das Taxi in Bewegung, würdigt Sie keines Blickes mehr und bleibt für die Dauer der Fahrt stumm wie ein Grab. Seine Körpersprache drückt Eiseskälte und Genervtheit aus. Am Ziel angekommen, müssen Sie Ihren Koffer selbst aus dem Kofferraum holen, die Stimmung ist immer noch eisig. Vielleicht kann er sich gerade noch ein genuscheltes „Wiedersehen" abringen. Das war’s dann. Weg ist er. Verärgert stehen Sie allein mit Ihrem Koffer am Straßenrand.

Zweites Beispiel: Sie gehen in ein Modegeschäft, wild entschlossen, einen Anzug oder ein Kleid zu kaufen. Die Verkäuferin schaut Sie jedoch mit glasigen Augen an: Sie weiß nicht so recht, was Sie wollen, will es auch gar nicht wissen. Sie interpretiert Ihre Wünsche nur halbherzig und ohne emotionalen Kontakt. Sie kann Ihnen die Vor- und Nachteile des jeweiligen Modells nicht sagen und macht auch nicht gerade den Eindruck, als ob sie als Verkäuferin ihren Traumjob gefunden hätte. Sie will Ihnen eigentlich gar nichts verkaufen, auf jeden Fall nichts dafür tun. Sie verlassen das Geschäft frustriert.

Hotlines von Herstellern elektronischen Geräts sind ähnliche Beispiele: Nachdem Sie glücklich die klein gedruckte Nummer der Hotline unter allerlei fremdsprachigen Gebrauchsanweisungen, Garantiezertifikaten und sonstigen Hinweisen zwischen dem arabischen und dem japanischen Text gefunden haben, müssen Sie sich nach dem Wählen kunstvoll über mehrere Menüs weiterarbeiten („Wenn Sie X wollen, bitte drücken Sie Taste vier, wenn Sie aber Y wollen, bitte Taste fünf, mit Z kommen Sie zurück ins Hauptmenü."). Erweist man Ihnen die Gnade, nach geduldigem Warten endlich einen Menschen an der anderen Seite der Leitung zu präsentieren, was heute durchaus nicht mehr selbstverständlich ist, so beeilt sich dieser häufig gleich klarzustellen, dass er entweder für dieses Problem nicht zuständig sei, man daher leider eine andere Nummer wählen müsse oder aber er versteht Ihr Problem nicht und verspricht zurückzurufen, was leider nie geschieht. Offenbar ruft er immer nur die anderen an. Selbst kommt man komischerweise nie in den Genuss des ersehnten Rückrufs. Die Liste dieser Vorkommnisse ließe sich beliebig erweitern.

In allen diesen Fällen sind Sie an Dilettanten geraten, die zwar eine bestimmte berufliche Aufgabe übernommen haben, dabei aber das Wort „Aufgabe wohl allzu wörtlich genommen haben und es eher mit „aufgeben assoziieren. Diese Menschen haben – aus welchen Gründen auch immer – eine berufliche Entscheidung nach dem Schnellschussverfahren getroffen, nach dem Motto: Hauptsache Geld verdienen und das mit möglichst wenig Aufwand. Das Durchwursteln, Dilettieren und Getrickse ist zum beruflichen Lebensinhalt geworden. Den Dilettanten gibt es übrigens auch in unseren privaten Beziehungen. Oft sind es Männer. Es ist der Typ des Blenders und Schmeichlers, der in der Anfangsphase einer Beziehung durchaus sehr charmant und faszinierend sein kann. Er bringt Blumen und Pralinen und hat spontane Einfälle zur Freizeitgestaltung, die tief beeindrucken und anregend und amüsant wirken. Nach einigen Wochen wird ihm das Ganze jedoch zu anstrengend. Wenn die eigentliche Beziehungsarbeit beginnt, die erste rauschhafte Verliebtheit vergangen ist, sieht er sich nach etwas anderem um, weil seine Ansprüche nach kurzfristigem Lustgewinn und Streicheleinheiten ohne Probleme durch billige Effekthascherei jetzt nicht mehr so pflegeleicht und schnell befriedigt werden können. Noch bevor die untrennbar mit einer tiefen Beziehung einhergehende psychische Auseinandersetzung begonnen hat, sucht er das Weite. Bei der nächsten Frau – oder dem nächsten Mann – wird alles anders.

Oberflächliche Problemlösung ist Trumpf, alles andere ist viel zu aufwändig, dauert zu lange, ist zu anstrengend und dient nicht dem Ziel eines möglichst frühen Feierabends oder schneller Lustbefriedigung. Von Meisterschaft im Leben haben diese Menschen noch nie etwas gehört und wollen auch nichts davon hören. Sie sind dem notorischen Kurzfristdenken verfallen, das sich dadurch auszeichnet, dass das kurzfristige Wohlbefinden und das geschmeidige Durchmogeln über alles gestellt und dafür langfristige und anspruchsvolle Ziele geopfert werden. Diese Verhaltensweisen fallen zwar in erster Linie auf diese Menschen selbst zurück, denn sie haben für sich eine Wahl getroffen, die früher oder später in eine tiefe Sinnkrise führen wird. Eine allgemeine Perspektivlosigkeit rückt langsam in den Mittelpunkt des Lebens. Mit zunehmender Dauer wird es immer schwerer, das Ruder des Lebens noch einmal herumzureißen. Die Mittelmäßigkeit bzw. Niveaulosigkeit wollen sie nicht mehr verlassen, sie haben sich irgendwie mit den Verhältnissen mehr schlecht als recht arrangiert. Die tiefe Befriedigung, die die wahre Meisterschaft in einer bestimmten Fertigkeit, einem bestimmten Beruf begleitet, wird diesen Menschen möglicherweise für immer verschlossen bleiben. Angst und Bequemlichkeit regieren in subtiler aber sehr effektiver Weise. Dies alles führt dazu, dass letztlich die Persönlichkeit schwer geschädigt wird und Frustration bis hin zu tiefer Verzweiflung als wesentliches Lebensgefühl dominiert. Darauf komme ich im nächsten Kapitel noch genauer zurück.

Eine Variante der

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