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Der Mensch und das liebe Vieh: Ethische Fragen im Umgang mit Tieren
Der Mensch und das liebe Vieh: Ethische Fragen im Umgang mit Tieren
Der Mensch und das liebe Vieh: Ethische Fragen im Umgang mit Tieren
eBook524 Seiten5 Stunden

Der Mensch und das liebe Vieh: Ethische Fragen im Umgang mit Tieren

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Über dieses E-Book

Tiere nehmen in unserer Gesellschaft sowie im Leben vieler Menschen einen wichtigen Stellenwert ein. Der Umgang mit ihnen ist aber zutiefst ambivalent. Manche Tiere werden geliebt und gehätschelt, andere hingegen unter tierquälerischen Bedingungen gehalten und geschlachtet. Immer mehr Menschen sind für das Tierleid sensibel, mit dem die intensive Tierhaltung bzw. die Massentierhaltung vielfach verbunden sind. Sie wählen einen Lebens- und Ernährungsstil, bei dem sie bewusst auf den Konsum von tierischen Produkten verzichten oder darauf achten, dass dieser aus ökologisch verantworteter und artgerechter Tierhaltung stammt.
Dieses Buch setzt sich mit der Frage auseinander, wie der Umgang mit Tieren so gestaltet werden kann, dass der Mensch den artspezifischen und individuellen Bedürfnissen, Fähigkeiten und Vermögen eines Tieres gerecht wird. Nach einem geschichtlichen Streifzug und der Auseinandersetzung mit den wichtigsten gegenwärtigen philosophischen Positionen in der Tierethik wird auf die Haus- und Nutztierhaltung und die Jagd eingegangen. Auch theologische Aspekte wie der biblische Herrschaftsauftrag an den Menschen oder das Schicksal der Tiere nach dem Tod werden behandelt.
SpracheDeutsch
HerausgeberTyrolia
Erscheinungsdatum13. Juni 2017
ISBN9783702236359
Der Mensch und das liebe Vieh: Ethische Fragen im Umgang mit Tieren
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    Buchvorschau

    Der Mensch und das liebe Vieh - Martin M. Lintner

    Martin M. Lintner

    DER

    MENSCH

    UND DAS

    LIEBE

    VIEH

    ETHISCHE FRAGEN IM

    UMGANG MIT TIEREN

    Mit Beiträgen von

    Christoph J. Amor und Markus Moling

    Gedruckt mit Unterstützung der Südtiroler Landesregierung / Abteilung Deutsche Kultur

    Mitglied der Verlagsgruppe „engagement"

    2017

    © Verlagsanstalt Tyrolia, Innsbruck

    Umschlaggestaltung: stadthaus 38, Innsbruck

    Layout und digitale Gestaltung: Tyrolia-Verlag

    Druck und Bindung: FINIDR, Tschechien

    ISBN 978-3-7022-3634-2 (gedrucktes Buch)

    ISBN 978-3-7022-3635-9 (E-Book)

    E-Mail: buchverlag@tyrolia.at

    Internet: www.tyrolia-verlag.at

    INHALT

    VORWORT

    EINFÜHRUNG

    1.Zielsetzung und Aufbau dieses Buches

    a) An wen wendet sich das Buch?

    b) Warum ein weiteres Tierethikbuch?

    2.Von der Selbsterkenntnis des Menschen durch das Tier

    3.Von Tierethik, Tierschutz, Tierwohl und Tierrechten

    a) Was ist Ethik?

    b) Die Moralfähigkeit als „anthropologische Differenz"

    c) Tiere als Mitglieder der moralischen Gemeinschaft

    4.„Weh dem, der vor dem Leid eines Tieres die Augen verschließt …"

    TEIL 1: GRUNDFRAGEN ZUM VERSTÄNDNIS DER NATUR UND DER STELLUNG DES MENSCHEN IN IHR

    1.Der Mensch – weder Mittel- noch Höhepunkt der Schöpfung Ein verantwortungsethisches Verständnis der Gottebenbildlichkeit

    1.1 Gottebenbildlichkeit als Repräsentationsfunktion

    1.2 Der Herrschaftsauftrag über die Erde und über die Tiere

    a) Die Hypothek, die auf dem Herrschaftsauftrag in Gen 1,28 lastet

    b) Eine exegetische und bibeltheologische Erschließung von Gen 1,28

    c) „Macht euch die Erde untertan und herrscht über …"

    1.3 Die Stellung des Menschen in der Schöpfung aus verantwortungsethischer Perspektive

    a) Freiheit macht verantwortlich

    b) Der Eigenwert aller Geschöpfe

    c) Die Verwundbarkeit von Tieren und Menschen

    d) Eine verantwortungsethische Anthropozentrik

    1.4 Ergebnissicherung und Ausblick

    2.Ist die Schöpfung gut? Zum Problem der Übel und des Leidens in der Natur (Christoph J. Amor)

    2.1 Stellenwert und Bedeutung des christlichen Schöpfungsbegriffs

    2.2 Die Evolutionstheorie

    a) Moderne Naturwissenschaft und Physikotheologie

    b) Infragestellung klassischer Deutungsmuster

    2.3 Vorbehalte und Öffnung des Christentums gegenüber dem Darwinismus

    2.4 Das evolutionäre Weltbild und das Problem des Übels

    TEIL 2: PHILOSOPHISCHE GRUNDFRAGEN DER TIERETHIK

    1.Der schwere Stand der Tierethik in der abendländischen Tradition

    1.1 Tierethik: ein „blinder Fleck" in der Geschichte des Abendlandes

    a) Tierschutz: ein folgenschweres Defizit in der christlichen Tradition

    b) „Tiere lieben? Ja, aber …" – das Tier im christlichen Mittelalter

    1.2 Die „Entdeckung" der Tierrechte im 18. und 19. Jahrhundert

    a) René Descartes und der tierethisch verhängnisvolle Dualismus

    b) Immanuel Kant und das „Verrohungsargument"

    c) Arthur Schopenhauer und die Mitleidsethik

    d) Jeremy Bentham und der Beginn des organisierten Tierschutzes in England

    e) Die beiden Grundkonzepte von Tierschutzgesetzen

    2.Tierethische Grundpositionen in der gegenwärtigen Philosophie (Markus Moling)

    2.1 Sentientismus bzw. Pathozentrismus

    2.2 Peter Singer – Befreiung der Tiere

    2.3 Tom Regan – Tierrechte

    2.4 Martha Nussbaum – Fähigkeitsansatz

    3.Der Ansatz einer verantwortungsethischen Tierethik

    3.1 Gibt es eine Mensch-Tier-Differenz?

    a) Die evolutionsbiologische und genetische Nähe zwischen Mensch und Tier

    b) Emotionale und kognitive Fähigkeiten von Tieren

    c) Was unterscheidet den Menschen von den Tieren?

    d) Menschliche Moralfähigkeit und tierliches moralanaloges Verhalten

    e) Tierliche Agency

    3.2 Zur ethischen Relevanz von Differenz und Ähnlichkeit zwischen Mensch und Tier

    a) Die Formulierung eines tierethischen kategorischen Imperativs

    b) Empathie gegenüber Tieren: eine Ethik des Hinschauens und die Pflicht der Schmerzvermeidung

    c) Gerechtigkeit gegenüber Tieren: eine Ethik der Fairness

    3.3 Eine kritische Würdigung unterschiedlicher Aspekte von tierethischen Ansätzen

    a) Zu den Stärken und Grenzen von biozentrischen Ansätzen

    b) Zu den Stärken und Grenzen von sentientistischen bzw. pathozentrischen Ansätzen

    c) Zu den Stärken und Grenzen von anthropozentrischen Ansätzen

    4.Von der Würde des Tieres

    4.1 Kommt dem Tier Würde zu?

    a) Von der Würde des Menschen

    b) Die Differenz von bonitas und dignitas

    c) Die Achtung der tierlichen als Erfordernis der menschlichen Würde

    d) Tierwürde als Anerkennung des Eigenwertes der Tiere

    e) Tierwürde als Ausdruck der Rechenschaftspflichtigkeit von Handlungen und Eingriffen, die Tiere betreffen

    f) Abschließend: Zu den Chancen und Grenzen der Rede von der „Würde des Tieres"

    4.2 Eine abgestufte Schutzwürdigkeit von Tieren

    a) Den Tieren gerecht werden

    b) Die Berücksichtigung von artspezifischen und individuellen Bedürfnissen, emotionalen Vermögen und kognitiven Fähigkeiten

    4.3 Zur Problematik des Tötens von Tieren

    a) Zur religiösen Praxis des Schächtens

    b) Der ambivalente Umgang in unserer Gesellschaft mit dem Töten von Tieren

    c) Dürfen Tiere getötet werden?

    d) Zum Tötungsverbot von Tieren, die zu einem Selbstverhältnis in der Lage sind, das über einen rein situativen Gegenwartsbezug hinausreicht

    TEIL 3: KONKRETE HANDLUNGSFELDER

    1.Haus- und Nutztierhaltung

    1.1 Eine kurze kulturgeschichtliche Hinführung

    1.2 Tierschutzrechtliche Unterteilung der Tiere

    1.3 Ethische Grundüberlegungen in der Tierhaltung

    a) Positive Auswirkungen auf den Menschen

    b) Positive Aspekte für das Tier

    c) Mindestanforderungen an eine artgemäße und individuengerechte Haus- und Nutztierhaltung

    d) Nutztierrechtliche Verordnungen für eine artgemäße Tierhaltung

    e) Leistungsoptimierung in der Nutztierhaltung

    f) Ethische Aspekte

    1.4 Zusammenfassend: Keine „Alles-oder-nichts"-Mentalität im Bereich der Tierhaltung

    1.5 … und schließlich: die Frage des Tötens

    1.6 Exkurs: Ethische Aspekte der Tierhaltung in Zirkussen und Zoos

    a) Zirkusse

    b) Zoos und Tierparks

    c) Zum Dilemma Tierschutz versus Artenschutz

    2.Tierversuche

    2.1 Zur Situation der Verwendung von Versuchstieren

    a) Einige statistische Daten

    b) Die Differenzierung von Tierversuch und Versuchstier sowie die Verwendungszwecke von Versuchstieren

    c) Der Schutz des Tierwohls bei Tierversuchen in den Richtlinien der EU sowie in der Helsinki-Deklaration des Weltärztebundes

    2.2 Ethische Aspekte

    a) Die Berücksichtigung artspezifischer und individueller Bedürfnisse und Fähigkeiten

    b) Der Forschungsnutzen

    c) Kriteriologie für eine ethisch verantwortbare Güterabwägung

    d) Tierversuche und Gentechnik

    e) Ein Schritt in die richtige Richtung: Replacement – Reduction – Refinement

    2.3 Politische Maßnahmen gegen Tierversuche

    3.Jagdethik (Markus Moling)

    3.1 Jagd und Werte

    a) Schadensminimierung in der Forst- und Landwirtschaft und in der Kulturlandschaft

    b) Hochwertige Nahrungsmittel

    c) Gewährleistung der Verjüngung und der Schutzfunktion des Waldes

    d) Berücksichtigung der Lebensraumkapazität durch Populationssteuerung

    e) Nachhaltige Nutzung von selbst reproduzierenden Wildtierpopulationen

    f) Pflege und Erhaltung eines gesunden Wildbestandes

    g) Biodiversität

    h) Habitatpflege und Artenschutz

    i) Kulturelle Werte und Tradition

    j) Die Rückkehr von Raubtieren wie Bär und Wolf

    3.2 Welche Werte sollen die Jagdpraxis prägen?

    3.3 Ethische Reflexion der Jagdpraxis

    3.4 Die Folgen des Jagens

    3.5 Absichten des Jägers

    3.6 Haltungen des Jägers

    a) Ehrfurcht und Achtung

    b) Fairness statt Neid und Streit

    c) Tierökologische Kenntnis

    4.Ethische Aspekte beim Konsum von Tierprodukten

    4.1 Von Veganern, Vegetariern, Pescetariern und Freeganern

    4.2 Das Prinzip der Mitwirkung an einer unrechten Handlung

    4.3 Ethische Kriterien für den Konsum von tierischen Produkten

    a) Die Mitverantwortung des Konsumenten

    b) Von der Pflicht, sich zu informieren

    c) Zum Prinzip der Nachhaltigkeit bzw. der Verflochtenheit von ökologischen, ökonomischen und sozialen Fragen

    4.4 Von der Macht und Ohnmacht des Konsumenten

    a) Die unterschiedlichen Handlungsebenen

    b) Einige notwendige Maßnahmen

    c) Zur „Politik mit dem Einkaufswagen"

    TEIL 4: EINE ETHIK DER MITGESCHÖPFLICHKEIT

    1.Tier und Mensch als Gefährten

    1.1 Sind Tiere die besseren Menschen – und Menschen die schlechteren Tiere?

    1.2 Das Tier Tier, den Menschen Mensch sein lassen

    a) Tier und Mensch als Gefährten und Freunde

    b) Die Tiere als Mitgeschöpfe

    c) Kurzer Exkurs: zur Bedeutung von Tieren im Leben von Heiligen

    d) Tiere als Ersatz für menschliche Beziehungen?

    e) Zur Problematik der Zoophilie

    1.3 Abschließend: Aspekte einer christlichen Spiritualität der Mitgeschöpflichkeit

    2.Kommen Tiere in den Himmel? (Christoph J. Amor)

    2.1 Bestattungs- und Trauerkultur im Wandel

    2.2 Die Stellung der Tiere in der Gesellschaft heute

    a) Umweltkrise und ökologische Sensibilität

    b) Herrschafts- und Bewahrungsauftrag

    c) Schöpfungsspiritualität

    d) Evolution des Menschen

    2.3 Eschatologie der Tiere

    a) Klassische Anthropologie auf dem Prüfstand

    b) Bibeltheologisches Argument aus dem Tier-Mensch-Verhältnis

    c) Schöpfungs- und bundestheologisches Argument

    d) Anthropologisches Argument

    e) Argument aus dem Leid der Tiere

    2.4 Offene Fragen und Ausblick

    ANMERKUNGEN

    LITERATUR- UND QUELLENVERZEICHNIS

    VORWORT

    Erinnerungen und prägende Erlebnisse

    Auf einem Bergbauernhof in den südlichen Dolomiten in Südtirol aufgewachsen, wurde mir die Liebe zur Natur und zu den Tieren in die Wiege gelegt. In meinen frühen Kindheitserinnerungen tummeln sich viele Tiere des elterlichen Hofes. Es sind dies nicht einfach Rinder oder Schweine, Katzen oder Hühner …, sondern ganz konkrete Tiere: eine Kuh, die besonders gutmütig war, sodass wir Kinder sie gerne streichelten oder das Ohr an ihren Bauch hielten, um den Verdauungsgeräuschen zu lauschen; eine andere, vor der wir gehörigen Respekt hatten, weil sie leicht reizbar war und ihre Drohgebärden, wenn wir ihr zu nahe kamen, uns sehr einschüchterten. An eine der vielen Katzen erinnere ich mich noch sehr lebendig, einen wunderschön getigerten Kater, den ich nach seinem plötzlichen Verschwinden tagelang in der Umgebung des Hofes suchte und miauend durch die nahen Wälder streifte, in der Hoffnung, ihn zu locken – bis ich ihn in einem Gestrüpp fand: erschossen. Oder an ein kleines Kätzchen, das wenige Wochen nach der Geburt verendet war – aufgrund eines Geburtsfehlers, sein Kopf war überdimensional groß und es konnte kaum laufen – und das ich in einem Wäldchen oberhalb des Hofes begraben habe. Noch heute weiß ich, bei welchem Baum das kleine Katzengrab liegt.

    Auf einem Bergbauernhof lebt man nicht nur eng eingebunden in den Rhythmus der Natur und der Jahreszeiten, sondern auch in einer engen Gemeinschaft mit den Tieren. Sie sind der Obhut der Bauernfamilie anvertraut. Das Wohlbefinden und Gedeihen des Viehs hängt davon ab, wie es behandelt wird. Tiere sind aber auch die Lebensgrundlage der Bauern, eben Nutztiere. Das Wohlergehen der Bauern hängt deshalb auch vom Gedeihen der Tiere ab. Tier und Mensch bilden eine Art Schicksalsgemeinschaft. Die Tiere werden deshalb nicht nur als