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Conny Cöll - Norton II. Kaiser von Amerika

Conny Cöll - Norton II. Kaiser von Amerika

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Conny Cöll - Norton II. Kaiser von Amerika

Länge:
218 Seiten
3 Stunden
Freigegeben:
Jun 13, 2017
ISBN:
9783874116060
Format:
Buch

Beschreibung

Die turbulente Handlung dieses Westernromans entführt uns in eine Welt, die wie das Produkt einer überschäumenden Fantasie wirkt ... doch Joshua A. Norton, Kaiser von Amerika und Protektor von Mexiko von eigenen Gnaden hat tatsächlich gelebt! Und San Franzisko – die große Stadt am Golden Gate ging damals bereitwilligst auf die Hirngespinste dieses wohl einmaligen Sonderlings ein.
Aber in dieser Stadt werden Verbrechen verübt – und Norton II. ist der Auslöser für Conny Cöll und Neff Cilimm sich darum zu kümmern. Das Phänomen rankt sich in geheimnisvoller Weise um die verbrecherische Gestalt des Bettlerkönigs von Frisko. Man glaubt sich in jene Epoche zurückversetzt, lebt mit den wunderlichsten Gestalten, atmet echtes Milieu, erlebt Existenzen, die in unseren nüchternen Tagen einfach undenkbar wären. Sie sind aber in aller Lebensechtheit der pulsierenden Vitalität der großen Stadt an der pazifischen Küste entnommen!
Freigegeben:
Jun 13, 2017
ISBN:
9783874116060
Format:
Buch

Über den Autor


Ähnlich wie Conny Cöll - Norton II. Kaiser von Amerika

Buchvorschau

Conny Cöll - Norton II. Kaiser von Amerika - Konrad Kölbl

Norton II. – Kaiser von Amerika

von Konrad Kölbl

Inhalt

1. Unglaublich – aber wahr!

2. Eine Stadt horcht auf

3. Geheimnisvolle Vorgänge

4. Alarm

5. Überall war Nacht

1. Unglaublich – aber wahr!

Es war eine verrückte, jedoch großartige Epoche, jene Zeit, als Joshua A. Norton, knapp dreißig Jahre alt, in San Franzisko ankam. Vierzigtausend Dollar betrug sein Vermögen, als er die aufblühende Stadt am Golden Gate betrat. Mit Fleiß und glücklicher Hand gelang es ihm später, diese stattliche Summe zu versechsfachen. Als er sich dann aber mit Spekulationen in Reis versuchte, verließ ihn die Göttin des Profits. Er verlor, was er in jahrelanger Arbeit geschaffen hatte, und eines schönen Tages befand sich nur noch ein einziges Centstück in seiner Tasche, das ihn daran gemahnte, wie unberechenbar doch das Glück sein konnte. Ein kleines Centstück nur war ihm von seinem Reichtum geblieben. Ein Märchen? Nein, ein alltäglicher Fall im Land des ewigen Frühlings und des Goldrauschs, in der Stadt der sieben Hügel. Vielen ist’s so ergangen, die da glaubten, mit leichten Geschäften schnell und mühelos reich zu werden. Die einen rafften sich auf und begannen wieder von vorn, andere warfen ihr Leben von sich wie einen ausgedienten Regenschirm. Doch von einem weiß die Historie zu berichten, dass er weder das eine noch das andere tat …, eben dieser Joshua A. Norton.

Anfänglich befiel ihn tiefe Resignation. Dann aber suchte er die Abgeschiedenheit der Wälder auf, um in der Einsamkeit neue Kraft zu sammeln. Er begann mit den Bäumen zu reden, mit den Vögeln zu jubilieren, obwohl er keinen Grund zu lauter Freude hatte. Er sprach mit sich selbst. Zuweilen schrie er seine Fragen in das schattige Dickicht und gab sich selber Antwort. Der Lebensmut kam langsam zurück, doch die Form war verzerrt. Eines strahlenden Morgens sah er ein unwirklich helles Licht zwischen zwei mächtigen Hickorystämmen leuchten. Er liebte das warme, stark duftende Holz des Waldes, und im Anblick der rauen, hartborkigen Stämme stiegen sie herauf … George Washingtons Wohnsitz Mount Vernon war aus Holz gebaut, und der große Lincoln wurde in einer primitiven, aus Eichenstämmen zusammengefügten Blockhütte geboren. George Washington – Lincoln …, welch große Namen! Er schrie sie jeden Tag laut in den Urwald hinein, und immer kam die Antwort zurück … die gleichen Worte – – George Washington … Lincoln …! Sie entboten ihm also ihren Gruß. Folglich war er größer als die beiden. Vielleicht so mächtig wie Andy Jackson, der Abgott der Farmer und Arbeiter, den das Volk „Old Hickory nannte, der ruhmreiche Feldherr, der zum Symbol der ganzen Nation geworden war; „Uncle Sam – wer kannte diesen Namen nicht? Und die Gestalt, die ihn verkörperte? Den alten, weißhaarigen Mann mit Kinnbart und einem Zylinder, der mit den Streifen und Sternen des Banners geziert war. Andy Jackson … „Uncle Sam … „Old Hickory! Ganz rote Wangen bekam Joshua A. Norton, wenn er diesen Namen aussprach. Immer wenn er Hickorybäume sah, musste er ihn in die Einsamkeit des Waldes schreien. Eine innere Stimme trieb ihn dazu, denn dieser größte Sohn der Nation lag unter sechs Hickorybäumen begraben, die so knorrig und wetterfest waren, wie jener, der unter ihren Wurzeln der Auferstehung entgegenschlummerte.

Washington … Lincoln … Jackson – – sie waren die Größten. Aber da war noch einer – und dieser lebte noch –, der war noch größer: Er – Joshua A. Norton! Die geheimnisvolle Gestalt, die inmitten strahlenden Lichts plötzlich zu ihm getreten war, hatte es ihm offenbart. Hehre Worte waren es, die ihm die Erscheinung entgegenrief, und als das Licht endlich erlosch, fand er zwischen den beiden Hickorystämmen eine alte Truhe. Eine blaue Armeeuniform mit matt blinkenden Messingknöpfen und goldenen Litzen lag darin, sorgfältig zusammengelegt, als müsste sie die Zeiten überdauern. Ein schwerer Biberfellhut lag daneben, der ihm vorzüglich zu Gesicht stand. Er zog seine abgetragene Kleidung aus, schlüpfte in die Uniform. Ganz zuunterst in der Truhe befand sich ein Degen, dessen Griff einer Königskrone ähnelte. Lederstiefel, deren Schäfte bis unter die Knie reichten und ein breiter Gürtel mit einem leeren Patronenhalfter vervollständigten das Bild. Ein wahrhaft königliches Bild! Mit der bunten Kleidung und dem Würde verleihenden Säbel wuchs auch das Selbstbewusstsein Joshua A. Nortons, ja, es steigerte sich ins Krankhafte, ins Fantastische, und schließlich gewann eine fixe Idee in seinem wirren Hirn die Oberhand. Ganz besessen war er von ihr. Der Geist Washingtons … Lincolns  … und „Uncle Sams" verzauberte ihn. Sie waren Fürsten ihres Volkes, zugegeben. Aber sie lebten nicht mehr, doch der Geist war unvergänglich, die Seele ohne Anfang und ohne Ende. Und wenn die Materie zerfiel, musste sich eben das Unsterbliche eine neue Hülle suchen.

Mit weit aufgerissenen Augen stand Joshua A. Norton da. Er spürte den Geist dieser ungekrönten Fürsten in sich, sie waren ihm erschienen, so glaubte er felsenfest, alle drei zusammen, ihre verklärende Glorie um seine zerschlagene Existenz zu legen. Das Biberfell auf seinem fieberheißen Schädel drückte wie eine schwere Krone aus purem Gold, sie machte erhaben. Und dieses Gefühl verließ ihn nicht mehr. Einem siegreichen General gleich durchschritt er die Wälder. Ehrfürchtig vor der gestrengen Erscheinung bewirteten ihn die einsamen Farmer. Respektvoll wurde er sogar von Rinderhirten und Ranchhelfern behandelt. Wo immer auch die drahtige Gestalt des Mannes in der Fantasieuniform der Armee – zu Andy Jacksons Zeiten war sie einmal in Gebrauch gewesen – auftauchte, wurde er von den Menschen bestaunt, von den Ernsten wie von den Fröhlichen, von den Klugen und Einfältigen, von Jung und Alt. Vielleicht war’s ein ehemaliger Offizier der ruhmreichen Armee aus dem Befreiungskrieg? Vielleicht ein General, der sich nicht von seiner äußeren Würde trennen konnte? Vielleicht …?

Niemand fragte ihn, woher er kam, und niemand wollte wissen, wohin er ging. Wenn er erschien, anfänglich zu Fuß und später hoch zu Pferde, wurde er ehrfurchtsvoll begrüßt. Ein mitleidiger Farmer auf der Farallon-Insel, der erst vor Kurzem aus Italien eingewandert war, hatte ihm die alte Mähre geschenkt und einen uralten Sattel dazu, der einem Zirkusgaul alle Ehre gemacht hätte. Dieses gutmütige Pferd vervollständigte den Glanz, ja, man konnte schon sagen den Mythos seiner Erscheinung. Eine ganze Woche war er auf der Inselgruppe geblieben. Vielleicht, um mit seinem neuen Kameraden Freundschaft zu schließen. Nur der Italiener, der einzige Bewohner, und die zahllosen Vögel der reizvollen Landschaft waren Zeugen seines seltsamen Treibens. Später wechselte er dann zur Pelikan-Insel „Alcatraz hinüber. Das gefürchtete Zuchthaus für Unverbesserliche. „The Rock genannt, das er täglich wie ein Wachhund umschritt, als müsste er sich von der Stärke der hohen und unheimlich dicken Mauern überzeugen, schien eine magische Anziehungskraft auf ihn auszuüben. Die Wärter tippten sich bei seinem Auftauchen bedeutungsvoll gegen die Stirn. Es waren respektlose Leute, und als sie Anstalten machten, den „hohen General für ganz bestimmte Gummizellen zu interessieren, verschwand Joshua A. Norton plötzlich von der Insel und tauchte inmitten von San Franzisko wieder auf. Hier war er in guter Gesellschaft. Sein Erscheinen wurde überhaupt nicht registriert. Ein Mann in einer blauen Armeeuniform mit Messingknöpfen und goldenen Litzen – nun ja, da liefen noch ganz andere Exemplare durch die Straßen der „verrücktesten Stadt der Welt, wie man Frisko damals zu nennen pflegte. Zum Beispiel Coombs, der sich einbildete, der Vater seines Landes zu sein, George Washington persönlich, wie seine äußere Aufmachung deutlich verriet. Er paradierte in vornehmem Rock, schneeweißer Weste und den bekannten Kniehosen aus schwarzem Samt, niedrigen Schuhen mit aufgesetzten dunklen Schnallen, schwarzseidenen Strümpfen und dem traditionellen Zweispitz durch die Straßen. Sollte er doch. Jeder konnte hier nach seiner Fasson selig werden, und wenn sich einer einbildete, George Washington zu sein … nun ja – was war da schon Besonderes dran? Er war nicht der einzige Sonderling. Da lebte auch noch „Great Unknown, der große Unbekannte, ein Mann von hoher Gestalt und unnahbarer Würde, der aufs vornehmste gekleidet durch San Franzisko stolzierte. Das Geheimnis umschwebte ihn und eine undurchdringliche Mystik, die keinen Schaden anrichtete, aber auch niemandem von Nutzen war. Aller Augen richteten sich auf den würdigen Gentleman, der in der Pose eines Grandseigneurs jeden Tag zur gleichen Stunde die Market Street entlangschritt. Einige nickten verständnisvoll; sie schätzten die Schweigsamkeit des Mannes, andere tadelten den Umstand, dass er seinen Spaziergang niemals unterbrach, um ein freundliches Wort mit seinen Mitmenschen zu wechseln. Keinem Bürger Friskos war es je gelungen, ihn zum Reden zu bringen. Man kannte nicht einmal seinen Namen. Er hatte aber auch seine Gegenspieler. Da waren „Old Misery, auch „Gutter Snipe"[1] genannt, und „Old Rosey, die alle Morgen um Geld bettelten. Niemand hatte in den langen Jahren ihrer „Tätigkeit Old Rosey jemals anders gesehen als mit einer blühenden Rose am schmutzigen Kittel.

Das war aber noch nicht alles. Die Fremden hatten wirklich recht, wenn sie San Franzisko als die Stadt der Verrückten bezeichneten. Da lebte noch ein anderes Original, „Der wilde Mann von Borneo, ein lärmender Schausteller mit einer originellen Vorführung, die er an den Straßenecken und in belebten Parkanlagen zum Besten gab. Hauptdarsteller war er allein, er, der auf den Namen „Oofty Goofty hörte. Als fellbekleideter Tarzan zog er die Aufmerksamkeit der Menge auf sich, denn er konnte die Tierlaute der Wildnis täuschend nachahmen. Er schrie schrill wie ein Affe, wenn er seine Schaunummer ankündigte. Sie war auch ungewöhnlich. Er erlaubte jedermann, ihm für zehn Cent einen derben Tritt aufs feiste Hinterteil zu versetzen, und wer fünfzig Cent ausgab, konnte die Tierstimme wählen, die er dabei zum Besten geben sollte. Fünfundzwanzig Cent kostete es, ihn mit einem Billardstock zu schlagen, und wer ein vorzüglicher Baseball-Spieler war, konnte sich ein Vergnügen daraus machen, für einen Dollar seinen Allerwertesten aufs Korn zu nehmen. Dabei grunzte er wie ein leibhaftiges Ferkel.

Er ertrug harte Attacken. Nur einmal hatte er Pech. Als nämlich der große Boxer und Weltmeister John L. Sullivan sich einen kleinen Scherz mit dem Kricketschläger erlaubte, hatte „Oofty Goofty" mit demoliertem Rückgrat das Hospital für längere Zeit in Anspruch nehmen müssen.

Ja – das war San Franzisko in der großen, verrückten Zeit. Konnte da ein Mann namens Joshua A. Norton noch Aufsehen erregen? Kaum. Dann aber trat ein Ereignis ein, das die ganze Stadt aufhorchen ließ, da es so ungewöhnlich war, dass es sogar dem an vielerlei Verrücktheiten gewöhnten Bürger den Atem verschlug. Bisher waren’s nur harmlose Narren, die ihre Gemüter erheiterten, verschrobene Gesellen, die mit ihrem Treiben zur allgemeinen Volksbelustigung beitrugen. Auch Frauen waren darunter, deren „Ruhm weit über die Grenzen der Stadt am Golden Gate hinausreichte. Aber sie gehörten eben dazu wie der Snob Hill oder die Cable Cars in ihren Straßen, wohl die „verrücktesten Fahrzeuge, über die die Menschen je verfügten. Man hatte im alten San Franzisko Verständnis für schrullige Leute. Man liebte sie wie die geschäftige Market Street, die herrlichen Parkanlagen oder die große Bay.

Eine rührende Hassliebe jedoch hegte man zu jenem Hafengebiet, das unter der Bezeichnung „Barbary Coast in der ganzen Welt traurige Berühmtheit genoss. Seit zwanzig Jahren schon trug es seinen Namen. Seeleute, die in den Kaschemmen Nordafrikas zu Hause waren, hatten ihn ihm gegeben. Nachts schlichen Spießer und Pharisäer unerkannt in diese dunklen Gefilde, dorthin, wo die roten Lampen über den schmalen Türen eine unmissverständliche Sprache wippten. Aber nicht immer waren’s nur die „cribs, wie die leichten Mädchen genannt wurden, die den Anziehungspunkt der meist wohlhabenden Männerwelt bildeten, auch hier gab es Originale, Außenseiter der Weiblichkeit, über deren seltsame Angewohnheiten sich Tausende erheiterten. Da war „Waddling Duck, die „Watschelnde Ente – ein Fleischkoloss, der zum Gaudium der Gäste das Tanzbein schwang, bis das primitive Podium zusammenbrach. Dabei warf sie ihren Partner, ein spindeldürres Männchen, wie einen Spielball durch die Luft und fing ihn dann mit ihrem ungewöhnlich breiten Nacken wieder auf. Am Schluss ihrer Darbietungen pflegte sie ein lockeres Brett aus den Fugen zu reißen, scheinbar, um das Produkt missglückter Männlichkeit wie eine lästige Fliege zu erschlagen. Wie johlte die ausgelassene Menge, wenn der Bedauernswerte sich gerade noch rechtzeitig durch einen raschen Sprung zur Seite retten konnte. Ein verrücktes Weib? Sie war’s, aber unter noch verrückteren Menschen, die solche Attraktionen zu sehen wünschten. Was aber hatte ihr „Ruhm" schon zu bedeuten, ihr strahlendes Licht am Himmel der Originalität, gegen jenes, das nun bei Erscheinen eines Mannes in der blauen Uniform über der Stadt am Golden Gate aufleuchtete, gleich einem Kometen, der am Firmament emporstieg und volle zwanzig Jahre[2] nicht mehr erlosch!

Wie hieß der Mann? Staunend tuschelten die überraschten Bürger seinen Namen. Einige wollten ihn sogar wirklich kennen, ein wohlangesehener Geschäftsmann, den unglückliche Spekulationen ruiniert hatten. Mein Gott, welche Tragik! Hatte der Arme den Verstand verloren? Nun, das hatten viele und die meisten merkten es gar nicht. Jener aber … nein, es war nicht zu fassen –

Ausgerechnet in der MacAllister Street, vor der fünfstöckigen Fassade eines im neo-klassizistischen Stil erbauten Gebäudes, in dem die Büros des State Gouvernements, der Oberste Gerichtshof von Kalifornien, das Hasting-College für Rechte der Universität, sowie eine umfassende Sammlung von Gesetzesbüchern untergebracht waren, geschah es. Das hatte San Franzisko noch nie erlebt! Auf dem kleinen Sockel vor dem Eingang des großen Gebäudes stand er, eine volle Stunde lang mit himmelwärts gerichtetem Blick, bis sich so viele Menschen um ihn versammelt hatten, dass er sich herablassen konnte, seine große Mission zu verkünden. Alle hörten es. Ein paar Verwegene lachten, sie wurden durch heftige Rippenstöße davon überzeugt, dass es besser sei, gute Miene zum komischen Spiel zu machen. Mit Kindern und Narren musste man nachsichtig umgehen. Er hatte ein laute, befehlende Stimme, dieser Mister Joshua A. Norton, als er offenbarte: „Hört zu, meine lieben Untertanen, meine verehrten Freunde und Gönner! Großes Glück ist euch zuteil geworden, denn heute, nach so langer Zeit, bin ich hier erschienen, meine unveräußerlichen Rechte anzutreten. ---Ich …, Norton der Erste, Kaiser von Amerika und Protektor von Mexiko! Ich bin gekommen, um für mein Recht zu kämpfen und den Thronräubern in Washington bittere Fehde anzusagen. Ich befehle euch, mich in meinem Kampf zu unterstützen …"

Das war alles. Nun erst senkte er den Kopf und stieg mit der Grandezza eines spanischen Edelmannes von seinem Podest herab. Bereitwillig, ja fast ehrfürchtig machte ihm die Menge Platz, staunte ihn an, als hätte sie soeben eines der sieben Weltwunder gesehen. Sie gab ihm eine kurze Wegstrecke das Geleit. Spaßmacher gibt es überall, und einige befanden sich auch in dem Gewühl. Sie begannen ihrem Herrscher zuzujubeln, machten tiefe Verbeugungen, Norton I. aber winkte lässig ab. Er liebte also keine Ovationen, keinen Personenkult, keine öffentlichen Huldigungen. Eine herrische Gebärde verwies die Vorlauten in ihre Schranken. Und mit unnachahmlicher Würde stolzierte er die MacAllister Street entlang, bog in die Larkin Street ein und war wenige Minuten später den Blicken der ihm belustigt Nachstarrenden entschwunden. Jetzt löste sich die aufgestaute Heiterkeit. Die frohe Schar, die sich vor dem State Building eingefunden hatte, brach in brüllendes Gelächter aus. Sie hatte schon viel gesehen und erlebt. Sie hatten schon manches besessen und in ihren Reihen geduldet. Auch eingebildete Vornehme. Zum Beispiel die „Countess", die Gräfin. Der Goldrausch hatte sie mit zahllosen Abenteurern in die Stadt getrieben, in der das Laster zu Hause war, und als sie dann als Friskos führende Kurtisane ihr Etablissement eröffnete, sandte sie ihre Einladungskarten an alle wohlbekannten Persönlichkeiten. Eine Gräfin war sie nicht. Sie ließ sich nur so nennen. Oder eine andere, Lady Jane Grey, die von ihrer hohen Geburt so felsenfest überzeugt war, dass sie sich eine Krone aus bunter Pappe ins Haar setzte und bei jeder

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