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Vollende, was du bist: Der integrale Weg
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eBook251 Seiten2 Stunden

Vollende, was du bist: Der integrale Weg

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Über dieses E-Book

In "Vollende, was du bist" beschreibt die Yoga- und Zen-Lehrerin Helga Simon-Wagenbach den Integralen Weg als einen energetischen, traditionsübergreifenden spirituellen Ansatz. Dieser Weg führt die Menschen in ihrer individuellen Besonderheit zur Ganzheit und ermöglicht tief greifende und dauerhafte Veränderungen. Einfache und wirksame Übungen aus dem Yoga und dem Zen sind wichtige Bestandteile dieses Prozesses und ermöglichen, Körper, Atem und Geist als Einheit zu erleben. Erkenntnisse der integralen Spiritualität helfen, das Erlebte einzuordnen und die körperlichen, psychischen und geistigen Energien als einen lebendigen Strom zu erfahren. Helga Simon-Wagenbach zeigt darüber hinaus auf, wie dieser Weg den Alltag durchdringen und positiv verändern kann.
SpracheDeutsch
HerausgeberTheseus Verlag
Erscheinungsdatum28. Juni 2017
ISBN9783958832558
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    Buchvorschau

    Vollende, was du bist - Helga Simon-Wagenbach

    EINFÜHRUNG: INTEGRALE SPIRITUALITÄT – WEG UND VOLLENDUNG DES IMMERWÄHRENDEN BEWUSSTSEINS

    Es gibt eine Wirklichkeit, die vor Himmel und Erde steht.

    Sie hat keine Form, geschweige denn einen Namen.

    Augen können sie nicht sehen.

    Lautlos ist sie, nicht wahrnehmbar für Ohren.

    Diese Worte, mit denen Daio Kokushis Text »Über Zen«¹ beginnt, drücken eine authentische mystische Erfahrung aus, die, unabhängig von der Zen-Tradition, zeit- und kulturübergreifender Kern eines jeden spirituellen Weges ist. Sie weisen darauf hin, dass es hinter unserer rationalen, von den äußeren Sinnen abhängigen Alltagsrealität einen Bewusstseinsraum gibt, der »vor Himmel und Erde steht«. In vielen Zen-Kursen wird der gesamte Text, den Sie am Ende des Kapitels (S. 30) finden, vor dem täglichen Vortrag des Zen-Lehrers (Teisho) gemeinsam rezitiert.

    Dieses Sein, dieses Bewusstsein, von dem hier berichtet wird, ist unabhängig von Raum und Zeit und kann nicht durch Begriffe religiös-philosophischer Konzepte oder durch sinnliche Wahrnehmungen wie das normale Sehen und Hören erfasst und damit in eine begrenzende Form gebracht werden.

    Sinnliche Wahrnehmung und unser alltägliches Denken, Fühlen und Handeln werden vom Gehirn und seinen individuell unterschiedlich entwickelten Möglichkeiten gesteuert. Durch die Prägung eines Menschen – Veranlagung, Erziehung, Kultur, Religion im jeweiligen historischen Kontext – sind sie immer konditioniert und können nur einen kleinen, begrenzten Ausschnitt der uns umgebenden Realität widerspiegeln.

    Wenn wir in diesem Zustand bleiben, werden wir in unserem Leben noch nicht einmal einen Bruchteil dessen erfahren und verwirklichen, was uns ständig an Bewusstseinsfeldern umgibt und durchdringt. Als »Kann-Möglichkeiten« (nach Prof. Hans-Peter Dürr) schlummern sie aber in jedem von uns. Solange wir jedoch von der ausschließlichen Identifikation mit dem, was wir als persönliches Ich wahrnehmen, beherrscht werden, kann die Einsicht in die Ganzheit und Grenzenlosigkeit der Lebenswirklichkeit nicht erwachen.

    Energetisch befinden sich Körper und Gehirn lebenslang in einem ununterbrochenen Veränderungsprozess. Die äußere, an den Körper gebundene Lebenszeit ist begrenzt, am Ende steht das Vergehen der Form, der Tod unserer irdischen Existenz. Hat bis dahin keine Öffnung zur Quelle der vergänglichen Daseinsebenen stattgefunden, dann scheint mit dem physischen Tod wirklich alles zu enden.

    Leere (Sunya) und Fülle (Purna) zugleich, ein scheinbares Paradox, ist für die begrenzten Wahrnehmungsmöglichkeiten des rationalen Bewusstseins zunächst nicht denkbar und scheint eine Illusion zu sein. Wir erkennen oft über lange Zeit – viele Menschen ein Leben lang – gar nicht unsere Begrenzungen und Anhaftungen, die aus dem konditionierten Denken und Fühlen kommen und auch unsere sinnlichen Wahrnehmungsfähigkeiten beeinträchtigen. Diese Einschränkungen sind aber die Wurzeln des Leidens am Leben und der Angst vor dem Tod. Die Weisheitslehren mahnen uns deshalb auf unterschiedliche Art und Weise zur Veränderung, Umkehr, Einsicht, Neugeburt des Bewusstseins, damit wir nicht in diesem Zustand verharren.

    Erst durch das Erwachen – man kann es auch Erleuchtung nennen – geht uns im wahrsten Sinne des Wortes »ein Licht auf«. Wir nehmen dann Bewusstsein unabhängig vom Denken und der Sinneserfahrung wahr. ES ist immerwährend, unvergänglich, allgegenwärtig und leer von einzelnen, an Bedingungen gebundenen Erscheinungsformen. ES ist in sich zeitlos, wirkt aber gleichzeitig als Urwirklichkeit ununterbrochen in der Welt der Veränderungsprozesse und der linearen Zeitabläufe.

    Es gibt unterschiedliche Bedingungen im Universum und speziell im Menschen, durch die dann auf diesen Ebenen die Fülle des Seins als eine ganz bestimmte individuelle Ausdrucksform energetisch und materiell Gestalt annimmt.

    Als Mensch hat sich unsere Wesensnatur in einer jeweils besonderen Individualität manifestiert. Während der menschlichen Körperzeit ist sie in allen Prozessen des Lebens und Sterbens gegenwärtig und bleibt auch jenseits von Form, Raum und Zeit, jenseits von Leben und Tod immerwährendes Bewusstsein.

    Warum ist es aber so schwierig für uns Menschen, das eine, unvergängliche Sein tief in uns und gleichzeitig seine Verwirklichung als Freude und Schmerz, als Glück und Leid in unserem äußeren Leben und der uns umgebenden Welt zu erkennen? Warum ist es so schwer, die Einheit zu verstehen, alles anzunehmen, wie es ist, weil nur beides zugleich – Freude und Schmerz, Glück und Leid – Leben bedeutet?

    Zwei zentrale Begriffe beschreiben in den östlichen Weisheitslehren diese für viele ausweglos erscheinende psychisch-geistige Befindlichkeit, die auch verheerende Auswirkungen auf den Körper hat, folgendermaßen:

    Duhkha (Leid, wörtlich: dunkler Raum), »das, was das Herz verdunkelt« (Sri Krishnamacharya). Es ist eine Empfindung, die durch äußere Ereignisse oder innere Prozesse ausgelöst werden kann.

    Avidya, »Nichwissen«. Hierbei handelt es sich nicht um ein intellektuelles Wissen, und so sind die Bezeichnungen »Nichterkennen«, »Unbewusstheit« oder »Verwechslung des Unwesentlichen mit dem Wesentlichen« vielleicht genauer und aussagekräftiger.

    Duhkha und Avidya

    Dunkelheit (Duhkha) ist verhülltes Licht. Das Licht in uns ist immer gegenwärtig. Auf diese mystische Erfahrung können wir vertrauen, insbesondere in Situationen, in denen es sich durch äußere Bedrohungen oder durch seelische, geistige oder körperliche Probleme verdunkelt und anscheinend erlischt. Wie kann das geschehen? Wie ist es möglich, dass wir den Zusammenhang, die Einheit, die wechselseitige Beziehung zwischen Dunkelheit und Licht nicht erkennen?

    Im Yoga und im Buddhismus wird darauf hingewiesen, dass diese leidschaffenden Tendenzen in der menschlichen Psyche angesiedelt sind.

    Avidya ist die jedem Menschen eingeborene Unbewusstheit und das Nichterkennen der ersten Wirklichkeit, die in allen Phänomenen anwesend ist und wirkt. Im Zustand von Avidya erkennt der Mensch nicht, wer er im tiefsten Wesen ist. Kennt er keine andere Realität als den Körper, die Denkprozesse und die emotionalen Regungen, haftet er verzweifelt daran an.

    Das »Nichtwissen« ist eine sehr starke Bindungskraft. Sie treibt den Menschen dazu, sich von allem und allen getrennt zu fühlen, weil nur das eigene Ich im Mittelpunkt der Wahrnehmung steht. Der Geist ist zerstreut, weil der Mensch nicht in sich ruht und der inneren Führung vertraut, sondern auf jeden Gedanken, jede Emotion sofort gewohnheitsmäßig reagiert und entsprechend konditioniert handelt. Das Gefühl, sich durch Abgrenzung schützen zu müssen, und die Gier nach äußeren Bestätigungen und Befriedigungen blähen die Egostruktur noch mehr auf, statt sie zu transformieren.

    Leider ist dies weltweit der Bewusstseinszustand des scheinbar normalen Menschen: gefangen und unfrei durch ein dualistisches Selbst- und Weltbild.

    Dualität bedeutet immer Spaltung in unüberwindliche Gegensätze. Die Folge dieser Spaltung sind Ablehnung und Bekämpfung der jeweils nicht akzeptierten Prinzipien, Situationen und persönlichen Befindlichkeiten sowie gleichzeitig das verzweifelte Anklammern an das, was man sich wünscht beziehungsweise was man behalten möchte. Angst ist die beherrschende Emotion, die daraus entsteht und von Tag zu Tag durch noch stärkeres Anklammern weiter genährt wird: Lebensangst und Angst vor dem Tod. Das durch dualistische Prinzipien verursachte existenzielle und spirituelle Leiden hat verheerende Folgen für das Zusammenleben der Menschen in Religion, Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und im alltäglichen Leben. Das beherrschende Grundprinzip ist der Egozentrismus und nicht das Miteinandersein.

    Duhkha ist also das Leiden am Leben durch Avidya und seine Begleiterscheinungen. Krankheiten, Schmerzen, selbst Unfälle, Verluste usw. sind nicht zwangsläufig Duhkha. Es kommt darauf an, mit welcher inneren Bewusstheit und klaren Wahrnehmung wir in diesen Lebenskrisen präsent sind. Je nach Situation ist es natürlich mehr oder weniger schwierig, trotz allem im Fluss des Lebens zu bleiben, so dass sich Enge und Dunkelheit nicht ausbreiten können.

    Klesa

    Die das Herz und damit das Leben verdunkelnden Kräfte – Nichterkennen, Egozentrismus, Gier, Hass und Verhaftetsein – werden Klesa genannt. Der Sanskritbegriff für diese leidschaffenden Geisteszustände ist von dem Verb klis, »quälen«, abgeleitet. Ihre Wurzeln sind zwar in uns angelegt, aber der Yogaweg und auch der Buddha geben uns Hinweise und Vertrauen, dass es möglich ist, Leiden zu überwinden oder wenigstens zu minimieren.

    Durch die zunehmende spirituelle Reifung und Achtsamkeit kann auch die Tendenz, wieder in die Avidya-Duhkha-Falle zu geraten, geschwächt werden.

    Spaltung, energetische Disharmonie, Gier, Anhaftung und Angst sind auch die Ursachen für das Böse in der Welt. Jeder Mensch trägt, wie bereits gesagt, den Keim der Klesas in sich. Bleibt man in dieser inneren Entfremdung und verstärkt sie noch, dann bestimmt und verzerrt sie die eigene Wahrnehmung und jede Handlung. Die Auswirkungen auf die Psyche und auf die Umwelt sind zerstörerisch.

    Die verändernde Kraft der Leiderfahrung

    In allen Weisheitslehren und auf dem eigenen Lebensweg werden wir aber immer wieder darauf hingewiesen, dass Duhkha und die damit verbundene Verzweiflung und Ausweglosigkeit auf der anderen Seite auch einen inneren Drang zur Veränderung, Umkehr und Bewusstwerdung auslösen kann. Es ist unser wahres Wesen, das uns zum not-wendenden Loslassen und zur Einsicht ruft. Die drängende und verändernde Kraft aus der Tiefe ist bindungsfreie und immerwährende Liebe.

    Im Zen spricht man vom »Ruf des Kuckucks nach Hause«, im tantrischen Yoga vom Lockruf der Kundalini, Symbol für die latent in uns ruhende Bewusstseinskraft, die, eingerollt wie eine schlafende Schlange, auf den Weckruf wartet. Dieser innere Drang zur geistigen Entwicklung will uns im Leiden daran erinnern, dass wir göttliches Bewusstsein sind. Auch Meister Eckhart misst der verändernden Kraft der Leiderfahrung besondere Bedeutung zu mit dem vielfach zitierten Ausspruch: »Leid ist das schnellste Pferd.«

    Es ist leider tatsächlich so, dass sich der mahnende Ruf, die innere Stimme, oft erst in einer existenziellen oder spirituellen Krise ins Alltagsbewusstsein drängt, wenn sich Bindungen an Körper, Sinne und intellektuelle Konzepte als brüchig erweisen. Plötzlich tauchen dann die menschheitsverbindenden Sinnfragen in uns auf:

    Was ist der Sinn meines Lebens?

    Warum leide ich?

    Wie kann das Leiden am Leben überwunden werden?

    Diese Menschheitsfragen sind zeitlos und universell gültig. Sie sind immer auch Ausgangspunkte für die Suche nach spirituellen Einsichten und zukunftsweisenden Antworten im Prozess der Bewusstseinsevolution.

    Verschiedene Wege – eine Wirklichkeit

    Die Erkenntniswege sind traditionsgemäß oft sehr unterschiedlich angelegt und entsprechen immer dem jeweiligen religiös-philosophischen Bewusstsein einer Epoche. Das bedeutet, die inneren und äußeren Bedingungen des einzelnen Menschen haben in einer mystischen Einheitserfahrung Einfluss auf den Selbstfindungsprozess und auf die Beantwortung der Frage, »wer bin ich«.

    Auch der Versuch, diese »Gipfelerfahrung« (Abraham Maslow) zu benennen, geschieht im Kontext der jeweiligen Tradition. So erfährt der eine Mensch »Einheit mit Gott«, der andere »Einheit mit der Leere«, »Einheit mit Brahman«, »Einheit mit Siva«, »Einheit mit der Wesensnatur«, das »Christusbewusstsein«. Die Kernerfahrung selbst ist jedoch ohne Namen, ohne Eigenschaften, jenseits von Begriffen und Konzepten der Religionen und Philosophien.

    Stabilisierung durch Integration aller Erfahrungsebenen

    Eine Einheitserfahrung verwandelt allerdings in den meisten Fällen noch nicht automatisch die Gesamtstruktur eines Menschen und sein Handeln in der Welt. Hierzu ein Zitat von Ken Wilber:

    »Gipfelerfahrungen, gleich wie tief, sind rein temporäre, vorübergehende Zustände. Damit es zu höherer Entwicklung kommt, müssen diese temporären Zustände zu dauernden Eigenschaften werden.«²

    Manchmal lernen wir Menschen kennen, die glaubhaft eine oder mehrere Tiefenerfahrungen gemacht haben, die aber ihre Denkweisen und Handlungen dadurch kaum oder gar nicht verändern konnten. Eine unverständlich erscheinende Diskrepanz zwischen der spirituellen Erfahrung und dem alltäglichen Verhalten ist zu erkennen, und wir fragen uns: Wie kann das nur sein?

    Es hat in diesen Fällen offensichtlich keine ausreichende Integration der verschiedenen menschlichen Erfahrungsebenen und damit auch noch keine dauerhafte Stabilisierung der Gipfelerfahrung stattgefunden. Versuchen wir, diese Diskrepanz zu verstehen und Lösungen für den Weg der Integration zu finden.

    »Wir sind das unvergängliche Sein, das göttliche Bewusstsein, das eine menschliche Erfahrung macht.« (P. Willigis Jäger)

    In diesem Satz, in dieser mystischen Erfahrung, liegt der Schlüssel zum tieferen Verständnis unserer menschlichen bipolaren Ganzheit. Gleichzeitig ist er ein Hinweis auf den scheinbaren Konflikt.

    Wie schon anfangs beschrieben, sind wir einerseits das ewige, unvergängliche Sein, andererseits haben wir gleichzeitig eine sich ständig verändernde und letztendlich vergängliche Form – Körper, Atem, Sinne, Gefühle, Gedanken – als Instrumente, um das Leben im wahrsten Sinne des Wortes zu begreifen.

    Beide Ebenen gehören zusammen, sind eine Ganzheit und nicht voneinander getrennt (a-dvaita, »nicht-zwei«), wie die zwei Seiten einer Medaille oder die zwei Enden eines Stabes. Sie sind eine Polarität, das heißt, zwischen beiden Ebenen, beiden Seinsweisen, besteht eine Urspannung oder gegenseitige Anziehung, eine Ergänzungsbedürftigkeit.

    Vergänglichkeit und Unendlichkeit ergänzen sich in allen Erscheinungsformen zu einem Sowohl-als-auch. Darin liegt der tiefere Sinn, wenn Mystiker, manche Dichter und Physiker sagen: Bewusstsein ist allgegenwärtig und immerwährend.

    Wenn die Wahrnehmungsinstrumente grob gestimmt sind und sich zerstreut in alle Richtungen orientieren, werden sie das IchBewusstsein an die vergänglichen, äußeren Formen und Situationen binden und begrenzen. Die Wirklichkeit, »die vor Himmel und Erde steht«, kann dann nicht wahrgenommen werden. Im Unterschied zur Polarität entsteht eine unüberwindbare Spaltung, die als Dualität bezeichnet wird. Sind aber Denken, Fühlen und die Sinneswahrnehmungen verfeinert und letztendlich zu einer Ganzheit integriert, dann wird sich das Tor zur Erfahrung des transpersonalen, transrationalen Bewusstseinsraumes öffnen – Einheit inmitten der Vielfalt scheint auf.

    Die Fähigkeit zur Selbsttranszendenz ist im Bewusstsein eines jeden Menschen angelegt. Sie ist die höchste Form von lebendiger Integration und Beziehung. Sie ist Verwirklichung von Empathie (Einfühlungsvermögen) und Liebe. Das bedeutet, es ist erfahrungsgemäß tatsächlich möglich, die eigene begrenzte Egostruktur zu verändern und in die All-Einheit des immerwährenden Bewusstseins auszudehnen.

    Es hängt also insbesondere vom Zustand unseres Geistes (Citta: Denken, Gefühle und Sinnesaktivitäten), aber auch von der energetischen Balance bzw. Disbalance des Körpers ab, ob sich das Leben in leidschaffender Anhaftung und dualistischen Weltbildern erschöpft oder ob das innere Licht in der Einheitserfahrung aufleuchtet und aufzeigt, dass wir nie von der Quelle getrennt waren und es auch niemals sein werden. Es gibt in dieser Einheitserfahrung keine zwei voneinander getrennten Ebenen mehr. Reine Bewusstheit durchdringt Innen und Außen als einen einzigen Erfahrungsraum und verändert zutiefst sinnliche Wahrnehmung, Fühlen, Denken und das Handeln in der Welt.

    Allerdings müssen wir uns das, was wir unabhängig von allen Turbulenzen des Alltags wirklich sind, immer wieder bewusst machen. Das bedeutet, dass der Mensch durch Achtsamkeit und Übung diese Einsicht in jedem Augenblick des Lebens gegenwärtig hält und bewahrt, damit sie auf allen Wegen, im Tun und im Nichttun, wirkt und transformiert.

    Erwachen zur All-Einheit durch Bewusstseinsvereinheitlichung und Bewusstseinsleere

    Da das höchste Bewusstsein eine Erfahrung als Mensch macht und somit in allen diesen menschlichen Erfahrungen unteilbar und unablässig gegenwärtig ist, müssen wir auf dem Weg zur Erkenntnis die verschiedenen Ebenen unseres Menschseins auch kennen, sie energetisch, psychisch und geistig erleben und zu einer unteilbaren Ganzheit integrieren. Dieser Prozess, den man auch als Reinigungsweg bezeichnen kann, führt zur Bewusstseinsvereinheitlichung (Ekagrata, »Einspitzigkeit«). Alle Potenziale eines einzelnen Menschen fließen im Augenblick dieser Erfahrung zusammen. Dadurch entstehen ein Fließgleichgewicht, eine Zentrierung und innere Balance (Samata). Das Bewusstsein wird leer von einzelnen Psyche und Geist beherrschenden Inhalten,

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