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Pointers: Wegweisende Gespräche mit Sri Nisargadatta Maharaj

Pointers: Wegweisende Gespräche mit Sri Nisargadatta Maharaj

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Pointers: Wegweisende Gespräche mit Sri Nisargadatta Maharaj

Länge:
347 Seiten
7 Stunden
Freigegeben:
Jun 29, 2017
ISBN:
9783958832749
Format:
Buch

Beschreibung

Wegweisende Gespräche mit Sri Nisargadatta Maharaj

"Pointers" - ein englischer Titel für ein deutsches Buch?

"Pointed" ist das englische Wort für "scharf, pointiert, treffend", "Fingerzeige" zum Mond.
Besser kann man die Gespräche mit Nisargadatta und die Erläuterungen von R.S. Balsekar nicht beschreiben. Die Rückmeldungen unserer Kunden (und die Verkaufszahlen der einschlägigen Bücher) sowie die schnelle Entwicklung der sogenannten "Satsang Szene" belegen:

Advaita Vedanta, die Lehre der Non-Dualität, wird zur ersten Wahl für Menschen, die ihre Suche zu einem Ende führen wollen. Advaita Vedanta bietet ein philosophisch-spirituelles Konzept mit sehr lebensnahen Konsequenzen, wie es kompromissloser und eindeutiger keines gibt. Ideal für den modernen Menschen, der dabei - ob spirituell interessiert oder nicht - eine tief entstressende Sicht der Welt und seiner Stellung in ihr vermittelt bekommt.Balsekar, selbst ein herausragender Vertreter dieser Richtung, präsentiert die wesentlichen Aspekte der Lehre Sri Nisargadatta Maharajs. Er zeichnet dessen Gespräche mit Besuchern nach und vermittelt auch dem skeptischen Leser einen lebendigen und anregenden Zugang.
Freigegeben:
Jun 29, 2017
ISBN:
9783958832749
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Pointers - Ramesh S. Balsekar

Kapitel 1

STOLZ AUF DIE EIGENE LEISTUNG

„Ich habe viel gearbeitet und halte mich selbst nun für einen sehr erfolgreichen Mann. Ich muß zugeben, dass mich das, was ich erreicht habe, mit Befriedigung und auch mit einem gewissen Stolz erfüllt. Ist daran etwas falsch?"

Mit diesen Worten wandte sich eines Abends ein ausländischer Besucher an Sri Nisargadatta Maharaj. Er war Mitte vierzig und wirkte selbstgefällig, selbstbewusst und auch ein wenig aggressiv.

MAHARAJ: Bevor wir darüber nachdenken, was ‚richtig‘ und was ‚falsch‘ ist, sagen Sie mir bitte, wer diese Frage stellt.

FRAGE (ein wenig überrascht): Warum? ‚Ich‘ natürlich.

MAHARAJ: Und wer ist das?

FRAGE: Ich. Dieses ‚Ich‘, das hier vor Ihnen sitzt.

MAHARAJ: Und Sie denken, dass Sie das sind?

FRAGE: Sie sehen mich. Ich sehe mich. Wo liegt der Zweifel?

MAHARAJ: Sie meinen dieses Objekt vor mir? Was ist Ihre früheste Erinnerung an dieses Objekt, von dem Sie denken, daß Sie es sind? Denken Sie so weit wie möglich zurück!

FRAGE: (nach ein bis zwei Minuten): Meine früheste Erinnerung ist wohl die, von meiner Mutter gestreichelt und gehätschelt zu werden.

MAHARAJ: Sie meinen als kleines Kind. Würden Sie sagen, dass der erfolgreiche Mann von heute das gleiche hilflose Kind ist, oder ist er jemand anders?

FRAGE: Zweifellos ist er der Gleiche.

MAHARAJ: Gut. Wenn Sie nun weiter zurückdenken – würden Sie zustimmen, dass dieses Kind, an das Sie sich erinnern, das gleiche Baby ist, welches Ihre Mutter zur Welt gebracht hat und das damals sogar zu hilflos war um wahrzunehmen, was denn da passierte, als sein kleiner Körper seine natürlichen Funktionen erfüllte, und das nur schreien konnte, wenn es hungrig war oder Schmerz fühlte?

FRAGE: Ja, ich war dieses Baby.

MAHARAJ: Und ehe das Baby seinen Körper erhielt und geboren wurde, was waren Sie da?

FRAGE: Ich verstehe nicht.

MAHARAJ: Sie verstehen. Denken Sie! Was passierte im Leib Ihrer Mutter? Was entwickelte sich in einem Zeitraum von neun Monaten in einen Körper mit Knochen, Blut, Mark, Muskeln etc.?

War es nicht eine männliche Samenzelle, die mit einer weiblichen Eizelle verschmolz, so dass ein neues Leben begann, das in seinem weiteren Fortgang unzähligen Gefahren ausgesetzt war? Wer schützte dieses neue Leben in dieser gefährlichen Zeit? Ist es nicht diese winzig kleine Samenzelle, die jetzt so stolz ist auf ihre Errungenschaften? Und wer hat speziell nach Ihnen verlangt? Ihre Mutter? Ihr Vater? Wollten Ihre Eltern gerade Sie als Sohn? Und hatten Sie irgendetwas damit zu tun, genau bei diesen Eltern geboren zu werden?

FRAGE: Ich fürchte, auf diese Weise habe ich es noch nie betrachtet.

MAHARAJ: Richtig. Betrachten Sie es auf diese Weise. Dann werden Sie vielleicht eine Idee Ihrer wahren Identität bekommen. Später überlegen Sie dann, ob Sie stolz sein können auf das, was Sie ‚erreicht‘ haben.

FRAGE: Ich glaube, ich fange an zu verstehen, auf was Sie hinauswollen.

MAHARAJ: Wenn Sie diese Sache noch weiter bedenken, werden Sie feststellen, dass die Quelle des Körpers – der männliche Samen und die weibliche Eizelle – letztendlich aus der Nahrung besteht, welche die Eltern verzehrt haben. Sie werden feststellen, dass die physische Form durch die fünf Elemente, aus denen die Nahrung besteht, gebildet und aufrechterhalten wird, wie auch der Körper eines Lebewesens oft zur Nahrung eines anderen wird.

FRAGE: Aber ich als solches muss doch sicherlich etwas anderes sein als ein aus Nahrung aufgebauter Körper?

MAHARAJ: Das sind Sie in der Tat, aber Sie sind kein ‚Etwas‘. Finden Sie heraus, was es ist, das einem fühlenden Wesen Empfindungsfähigkeit verleiht, ohne die Sie nicht einmal wissen würden, dass Sie oder gar die äußere Welt existieren. Gehen Sie schließlich noch weiter und prüfen Sie, ob dieses Sein, dieses Bewusstsein selbst dann nicht zeitgebunden ist.

FRAGE: Sicherlich muss ich diese verschiedenen Fragen, die Sie aufgeworfen haben, erforschen. Ich bin zugegebenermaßen niemals zuvor in diese Gebiete vorgedrungen und mir wird fast schwindlig angesichts meiner Ignoranz in Bezug auf diese neuen Horizonte, die Sie vor mir aufgetan haben. Ich werde Sie wieder besuchen!

MAHARAJ: Sie sind stets willkommen.

Kapitel 2

BEWUSSTSEIN – DAS EINZIGE ‚KAPITAL‘

Maharaj betont immer wieder, dass das Bewusstsein das einzige ‚Kapital‘ ist, mit dem ein fühlendes Wesen geboren wird. So hat es zumindest nach außen hin den Anschein. In Wirklichkeit jedoch ist das, was geboren wird, Bewusstsein, welches einen Organismus braucht, um sich selbst darin zu manifestieren, und dieser Organismus ist der physische Körper.

Was ist es, das einem fühlenden Wesen Empfindungsfähigkeit verleiht – die Fähigkeit, wahrzunehmen und auf Reize zu reagieren? Was ist es, das eine lebende Person von einer toten unterscheidet? Es ist natürlich das Gefühl von Sein, das Wissen zu existieren, das Bewusstsein, der aktivierende Geist, welches das physische Körperkonstrukt mit Leben erfüllt.

In der Tat ist es Bewusstsein, das sich selbst in individuellen Formen manifestiert und ihnen scheinbare Existenz verleiht. In der Folge entsteht in den Menschen das Konzept eines getrennten ‚Ich‘. In jedem Individuum wird das Absolute als Gewahrsein reflektiert, und so wird Reines Gewahrsein zu Selbstgewahrsein oder zu Bewusstsein.

Das objektive Universum ist in stetigem Fluss, ständig unzählige Formen projizierend und wieder auflösend. Wann immer eine Form geschaffen und mit Leben (Prana) erfüllt wird, erscheint durch die Spiegelung des Absoluten Gewahrseins in der Materie zugleich das Bewusstsein (Chetana). Das Bewusstsein, das muss klar verstanden werden, ist eine Reflexion des Absoluten Gewahrseins an der Oberfläche der Dinge und bringt das Gefühl von Dualität mit sich. Im Gegensatz dazu ist reines Gewahrsein, der Absolute Zustand, ohne Anfang und Ende, und es braucht keinerlei Unterstützung oder Bestätigung außer sich selbst. Gewahrsein wird nur dann zu Bewusstsein, wenn es ein Objekt gibt, in dem es gespiegelt wird. Zwischen reinem Gewahrsein und als Bewusstsein reflektiertem Gewahrsein gibt es eine Lücke, die der Verstand nicht überqueren kann. Die Reflexion der Sonne in einem Tautropfen ist nicht die Sonne!

Das manifestierte Bewusstsein ist zeitgebunden, da es ja verschwindet, sobald das physische Konstrukt, in dem es wohnt, zu seinem Ende kommt. Nichtsdestoweniger ist es – wie Maharaj sagt – das einzige ‚Kapital‘, mit dem ein fühlendes Wesen geboren wird. Das manifestierte Bewusstsein ist seine einzige Verbindung mit dem Absoluten, und so ist es das einzige Werkzeug, durch das dieses fühlende Wesen hoffen kann, eine illusorische Befreiung von dem ‚Individuum‘, das es zu sein glaubt, zu erlangen. Indem es mit seinem Bewusstsein eins ist und es als seinen Atma, seinen Gott, betrachtet, kann es hoffen zu erreichen, was es für unerreichbar hält.

Was ist die eigentliche Substanz dieses lebensspendenden Bewusstseins? Offensichtlich muss es das physische Material sein, da es in Abwesenheit der physischen Form nicht überleben kann. Das manifestierte Bewusstsein kann nur so lange bestehen, wie seine Wohnung, der Körper, sich in einem gesunden und bewohnbaren Zustand befindet. Obwohl das Bewusstsein eine Reflexion des Absoluten ist, ist es doch zeitgebunden und kann nur durch stoffliche Nahrung (bestehend aus den fünf Elementen, aus denen der physische Körper zusammengesetzt ist) aufrechterhalten werden. Das Bewusstsein bewohnt einen gesunden Körper und gibt ihn auf, wenn er alt wird und stirbt. Die Reflexion der Sonne kann man nicht in einem trüben, sondern nur in einem klaren Tautropfen sehen.

Maharaj sagt oft, dass wir die Natur und die Funktion des Bewusstseins in unserer täglichen Routine von Schlaf-, Traum-, und Wachzustand beobachten können. Im Tiefschlaf zieht sich das Bewusstsein in seinen ursprünglichen Zustand der Ruhe zurück. Wenn das Bewusstsein abwesend ist, gibt es kein Gefühl einer eigenen Existenz oder Anwesenheit, geschweige denn der Existenz einer Welt und ihrer Bewohner oder irgendwelcher Vorstellungen von Bindung und Befreiung. Dies ist so, da das zentrale Konzept von ‚Ich‘ abwesend ist. Im Traumzustand beginnt sich ein Stückchen Bewusstsein zu regen, und im Bruchteil einer Sekunde wird in diesem Stückchen Bewusstsein die gesamte Welt von Bergen und Tälern, Flüssen und Seen, Städten und Dörfern mit Gebäuden und Menschen verschiedenen Alters einschließlich des Träumers selbst geschaffen. Und was noch wichtiger ist: Der Träumer hat keine Kontrolle über das, was die geträumten Gestalten tun! Mit anderen Worten, eine neue lebende Welt wird im Bruchteil einer Sekunde durch eine einzige Bewegung in diesem Stückchen Bewusstsein aus der Erinnerung und Vorstellungskraft geschaffen. „Stellen Sie sich da die außerordentliche Kraft dieses Bewusstseins vor, sagt Maharaj, „wenn ein bloßes Stückchen davon ein gesamtes Universum projizieren und beinhalten kann. Sobald der Träumer erwacht, verschwindet die Traumwelt mit ihren Gestalten.

Was geschieht, wenn der Tiefschlaf und auch der Traumzustand vorüber sind und sich das Bewusstsein erneut erhebt? Das unmittelbare Gefühl ist das von Existenz und Anwesenheit, nicht ‚meine‘ Anwesenheit, sondern Anwesenheit als solche. Bald jedoch übernimmt der Verstand die Führung und erschafft das Konzept eines ‚Ich‘ und das Körper-Bewusstsein.

Maharaj sagt uns wiederholt, dass wir so daran gewöhnt sind, von uns zu denken, wir seien Körper, die ein Bewusstsein haben, dass wir es sehr schwierig finden, die Wirklichkeit zu akzeptieren oder auch nur zu verstehen. Tatsächlich ist es Bewusstsein, das sich in unzähligen Körpern manifestiert. Deshalb ist es wichtig wahrzunehmen, dass Geburt und Tod nur Anfang und Ende eines Stromes von Bewegung im Bewusstsein sind und als Bewegung in Raum und Zeit interpretiert werden. Wenn wir das klar verstehen, sollten wir auch verstehen, dass wir in unserem ursprünglichen, ungetrübten Zustand reines Sein-Gewahrsein-Glückseligkeit und im Kontakt mit dem Bewusstsein lediglich das Bezeugen der verschiedenen Bewegungen im Bewusstsein (und völlig verschieden davon) sind. Dies ist eine unbestreitbare Tatsache, da wir ganz offensichtlich nicht das sein können, was wir wahrnehmen: Der Wahrnehmende muss verschieden vom Wahrgenommen sein.

Kapitel 3

IM ANGESICHT DES TODES

FRAGE: Vor einigen Tagen starb mein einziger Sohn bei einem Autounfall, und es ist mir unmöglich, seinen Tod mit Gleichmut und Fassung zu akzeptieren. Ich weiß, dass ich nicht als Erster solch einen schmerzhaften Verlust erleide und ich weiß auch, dass jeder von uns eines Tages sterben muss. Ich habe auf jede erdenkliche Art und Weise, mit der man sich selbst und andere in solchen Situationen normalerweise beruhigt, versucht für mein Herz Trost zu finden, und doch komme ich immer wieder zu der tragischen Tatsache zurück, dass ein grausames Schicksal meinen Sohn schon so frühzeitig allem beraubte. Warum? Warum? Ich frage mich immer wieder warum, und es gelingt mir nicht meinen Kummer zu überwinden.

MAHARAJ: (nachdem er etwa eine Minute mit geschlossenen Augen dagesessen hatte): Es ist völlig sinnlos, zu sagen ‚ich bin bekümmert‘, da in der Abwesenheit ‚meiner selbst‘ (des individuellen ‚Ich‘) keine ‚anderen‘ existieren und ich mich selbst in jedem von ‚ihnen‘ widergespiegelt sehe. Ganz offensichtlich sind Sie nicht nur zu mir gekommen, weil Sie Anteilnahme von mir erwarten, welche Sie sicherlich reichlich von Ihren Verwandten und Freunden erhalten haben. Sehen Sie, wie man Jahr für Jahr durch das Leben geht, die üblichen Freuden genießt und die üblichen Schmerzen erleidet, ohne jemals das Leben aus seiner wahren Perspektive betrachtet zu haben. Und was ist die wahre Perspektive? Es ist diese: Es gibt weder ein ‚Ich‘ noch ein ‚Du‘, solche getrennten Wesenheiten kann es einfach gar nicht geben. Jeder Mensch sollte dies verstehen und den Mut haben, diesem Verstehen entsprechend sein Leben zu leben. Mein Freund, haben Sie diesen Mut? Oder wollen Sie sich weiterhin in Ihrem Kummer vergraben?

FRAGE: Maharaj, verzeihen Sie, ich verstehe das, was Sie gesagt haben, nicht ganz, aber ich bin sehr überrascht und erschüttert. Sie haben das Innerste meines Seins offengelegt und was Sie so zutreffend gesagt haben, erscheint wie der goldene Schlüssel zum Leben. Bitte erklären Sie das, was Sie soeben gesagt haben, noch genauer. Was genau soll ich tun?

MAHARAJ: Tun? Tun? Absolut nichts. Sehen Sie lediglich das Vergängliche als vergänglich, das Unwirkliche als unwirklich, das Falsche als falsch, und Sie werden Ihre wahre Natur erkennen. Sie haben von Ihrem Kummer gesprochen. Haben Sie jemals dem ‚Kummer‘ ins Gesicht geschaut und versucht zu verstehen, was er wirklich ist?

Jemanden oder etwas zu verlieren, den oder das man innig geliebt hat, ruft natürlicherweise Trauer hervor. Und da der Tod mit absoluter Endgültigkeit die völlige Auslöschung bedeutet, ist die damit verbundene Trauer nicht zu mildern. Aber selbst diese überwältigende Trauer kann nicht von Dauer sein, wenn man den Fall analytisch betrachtet. Gehen Sie zum Anfang zurück. Haben Sie und Ihre Frau mit irgendjemandem eine Vereinbarung getroffen, einen Sohn zu haben – einen ganz bestimmten Körper mit einem ganz bestimmten Schicksal? War nicht die Empfängnis selbst ein glücklicher Zufall? Es war ein weiterer Zufall, dass der Fötus die vielen Gefahren im Mutterleib überlebte. Es war ein weiterer Zufall, dass das Baby ein Junge wurde. Mit anderen Worten: Was Sie Ihren ‚Sohn‘ nennen, war lediglich ein zufälliges Ereignis, ein Geschehen, über das Sie zu keiner Zeit auch nur die geringste Kontrolle hatten, und dieses Ereignis ist nun beendet.

Worüber genau grämen Sie sich? Sind es die wenigen angenehmen und vielen schmerzlichen Erfahrungen, die Ihrem Sohn in den kommenden Jahren entgangen sind? Oder sind es vielmehr die Annehmlichkeiten und die Freude, die er Ihnen bereitet hätte und die Sie nun nicht mehr erhalten werden? Seien Sie sich klar darüber, dass all dies von einem falschen Standpunkt aus betrachtet wird! Nichtsdestotrotz – konnten Sie mir soweit folgen?

FRAGE: Es tut mir leid, ich bin noch immer völlig fassungslos. Sicherlich konnte ich dem, was Sie gesagt haben, folgen. Aber was haben Sie gemeint, als Sie sagten, dass all dies von einem falschen Standpunkt aus betrachtet sei?

MAHARAJ: Ah! Lassen Sie uns nun also zur Wirklichkeit, zum Wahren kommen. Bitte verstehen Sie unter Wirklichkeit, kein Individuum, keine ‚Person‘ zu sein. Die Person, die man zu sein glaubt, ist lediglich ein Produkt der Vorstellung, und das Selbst ist das Opfer dieser Illusion. Eine ‚Person‘ kann nicht aus sich selbst heraus existieren. Es ist das Selbst, das Bewusstsein, das fälschlicherweise glaubt, es gäbe eine Person, die sich ihrer Existenz bewusst ist. Ändern Sie Ihre Sichtweise! Betrachten Sie die Welt nicht als etwas außerhalb Ihrer selbst. Sehen Sie die Person, die Sie zu sein glauben, als Teil der Welt – tatsächlich einer Traumwelt –, welche Sie als Erscheinung in Ihrem Bewusstsein wahrnehmen und betrachten Sie das ganze Drama von außen. Erinnern Sie Sich! Sie sind nicht der Verstand, der nur der Inhalt des Bewusstseins ist. Solange Sie sich selbst mit dem Körper-Verstand identifizieren, sind Sie anfällig für Kummer und Leid. Außerhalb des Verstandes ist nur reines Sein. Sie sind nicht Vater, nicht Sohn, nicht dies und nicht das. Sie sind jenseits von Raum und Zeit und nur an dem Punkt von hier und jetzt damit in Berührung, im Übrigen jedoch zeitlos, raumlos und von keiner Erfahrung beeinflussbar. Verstehen Sie dies und hören Sie auf sich zu grämen. Wenn Sie einmal verstanden haben, dass es auf dieser Welt nichts gibt, was Sie Ihr Eigen nennen könnten oder müssten, werden Sie es von außen betrachten, so wie Sie sich ein Schauspiel oder einen Spielfilm anschauen – bewundernd und genießend, vielleicht leidend, aber tief innen völlig unbewegt.

Kapitel 4

DAS MANIFESTIERTE UND DAS UNMANIFESTIERTE SIND EINS

Ist das ‚Ich‘ eine immer-präsente Wesenheit, die auf verschiedenen Ebenen – manifestiert und unmanifestiert – erscheint? Immer wieder taucht diese Frage auf und wird auf unterschiedliche Art und Weise und von verschiedenen Leuten an Maharaj gerichtet. Der Kern der Frage ist dabei jedoch stets der Gleiche. Die Mutigeren unter den Besuchern stellen sie manchmal schon zu Anfang, wenn Maharaj, wie es öfter geschieht, erwähnt, dass seine Zuhörer immer daran denken sollten, dass er nicht als Individuum zu einem anderen Individuum spricht, sondern als Bewusstsein zu Bewusstsein über die Natur von Bewusstsein.

Laut Maharaj kann das ‚Ich‘ auf der Ebene des Verstandes unter drei Aspekten betrachtet werden:

1.Das Unpersönliche – Avyakta (unmanifestiert), das Absolute ‚Ich‘, jenseits aller Sinneswahrnehmungen oder Erfahrungen und sich seiner selbst nicht gewahr.

2.Das Überpersönliche – Vyakta (manifestiert), welches als ‚Ich bin‘ die Spiegelung des Absoluten im Bewusstsein ist und

3.Das Persönliche – Vyakti, ein Konstrukt der physischen und vitalen Vorgänge, der psychosomatische Apparat, in dem sich das Bewusstsein manifestiert.

Jedoch weist Maharaj immer wieder darauf hin, dass eine solche Unterscheidung rein begrifflich sei und in Wirklichkeit nicht existieren kann. Eigentlich gibt es zwischen dem Manifestierten (Vyakta) und dem Unmanifestierten (Avyakta) keinen Unterschied, ebenso wie es zwischen Licht und Tageslicht keinen Unterschied gibt. Das Weltall ist voller Licht, aber dieses Licht kann erst gesehen werden, wenn es an einer Oberfläche als Tageslicht gespiegelt wird; und was dieses Tageslicht zum Vorschein bringt, ist die individuelle Person (Vyakti). Das Individuelle in der Form des menschlichen Körpers ist immer das Objekt. Bewusstsein (als Zeugesein) ist das Subjekt. Ihre Beziehung gegenseitiger Abhängigkeit (Bewusstsein kann sich nicht ohne den körperlichen Organismus zeigen und der Körper kann ohne das Bewusstsein keine Empfindungsfähigkeit haben) ist der Beweis ihrer grundlegenden Identität mit dem Absoluten. Beide sind das gleiche Bewusstsein, das eine in Ruhe, das andere in Bewegung – und jedes ist sich des anderen bewusst.

Maharaj erklärt, dass das gesamte manifestierte Universum nur innerhalb des Bewusstseins existiert. Er stellt den Ablauf – als Konzept – folgendermaßen dar: Das Bewusstsein erscheint im Reinen Sein, einfach deshalb, da dies seine Natur ist – wie Wellen an der Oberfläche des Ozeans. Die Welt erscheint und verschwindet im Bewusstsein. Jeder von uns ist berechtigt zu sagen: „Alles, was existiert, ist ‚Ich‘, alles, was existiert, ist ‚mein‘; bevor alles beginnt und nachdem alles endet, ‚Ich bin‘, um zu bezeugen, was auch immer geschieht. ‚Ich‘, ‚du‘ und ‚er‘ sind nur Erscheinungen im Bewusstsein – letztlich sind alle ‚Ich‘."

Nicht, dass die Welt nicht existieren würde: Als Erscheinung im Bewusstsein ist die Welt die Gesamtheit des uns Bekannten im Potential des uns Unbekannten. Die Welt erscheint, aber sie ist nicht. Die Dauer der Erscheinungen unterscheidet sich natürlich gemäß den unterschiedlichen Zeitmaßstäben. Abgesehen von der Tatsache, dass die Welt im Tiefschlaf verschwindet und im Wachzustand wieder erscheint, schwankt die Dauer ihrer Erscheinung entsprechend der jeweils zugeteilten Lebenszeit – einige Stunden für ein Insekt und Äonen für die Dreiheit von Brahma, Vishnu und Maheshwara. Was es auch immer sein mag, letztendlich muss jede Erscheinung innerhalb des Bewusstseins enden und kann keinerlei wirkliche Substanz haben.

Die Art, in der Maharaj dieses höchste Wissen darlegt, läßt einen ob der ungeheuren Vielfalt von Aspekten wirklich staunen. Trotzdem verliert er dabei niemals das zentrale Thema aus den Augen. Er sagt, dass das Gewahrsein vom Absoluten (Avyakta) kommt und das innere Selbst (Vyakta) durchdringt. Das äußere Selbst (Vyakti) ist der Teil des eigenen Seins, dessen man sich nicht gewahr ist, denn es ist ja möglich, nicht gewahr zu sein, obwohl man bewusst ist (da jedes empfindungsfähige Wesen Bewusstsein hat). Mit anderen Worten: Das äußere Selbst (Vyakti) wird durch den physischen Körper dargestellt, das innere Selbst (Vyakta) durch das Bewusstsein, und nur in Reinem Gewahrsein ist es möglich, mit dem Höchsten (Avyakta) in Berührung zu kommen.

Es kann niemals eine ‚Erfahrung‘ als solche vom Absoluten geben – aus dem einfachen Grund, weil es niemals etwas Objektives vom Absoluten geben kann, das ja seinem Wesen nach reine Subjektivität ist. Es ist das innere Selbst-Bewusstsein, das als erfahrendes Medium jegliche Erfahrung vermittelt. Das Absolute ist das Potential, welches die Erfahrung möglich macht, das Selbst sorgt für die Verwirklichung.

Die Verbindung der individuellen Person mit dem Gewahrsein des Absoluten kann nur geschehen, wenn der Verstand ‚fastet‘, da dann der ständige Vorgang, Konzepte zu entwerfen, aufhört. Wenn der Verstand still ist, spiegelt er die Wirklichkeit wider. Wenn der Verstand absolut bewegungslos verbleibt, löst er sich auf und es bleibt die Wirklichkeit zurück. Deshalb ist es – Maharaj sagt es immer wieder – notwendig, mit dem Bewusstsein eins zu sein. Wenn der Verstand ‚schwelgt‘, wird die Wirklichkeit verhüllt, wenn der Verstand ‚fastet‘, tritt die Wirklichkeit hervor.

Maharaj macht dies noch auf andere Weise deutlich: Wenn Gewahrsein mit einem Objekt, einer physischen Form in Berührung kommt, wird es ‚Zeugesein‘. Wenn zur gleichen Zeit die Selbst-Identifikation mit dem Objekt stattfindet, wird dieser Zustand eine ‚Person‘. In Wirklichkeit jedoch existiert nur ein einziger Zustand. Wird er durch die Selbst-Identifikation verfälscht und befleckt, mag er vielleicht eine Person (Vyakti) genannt werden. Wird er gefärbt durch das Gefühl zu sein, wird das entstehende Bewusstsein zum ‚Zeugesein‘. Verbleibt es in seiner ursprünglichen Reinheit, unbefleckt und ungefärbt, ist es das Höchste, das Absolute.

Maharaj warnt immer wieder, dass es – auch wenn es nur Begriffe sind – wichtig ist, sich über den Unterschied zwischen dem Gewahrsein des Absoluten und dem Bewusstsein, in welchem das Universum erscheint, klar zu sein. Das eine ist nur die Reflexion des anderen. Aber die Spiegelung der Sonne in einem Tautropfen ist nicht die Sonne. In der Abwesenheit jeglicher Objektivierung wie in tiefem Schlaf existiert das manifestierte Universum nicht, aber wir sind. Dies ist so, da wir sind, was das manifestierte Universum ist und umgekehrt – dual in Anwesenheit, nicht dual in Abwesenheit, unvereinbar getrennt in der begrifflichen Vorstellung, doch jenseits der Vorstellung untrennbar eins.

Kapitel 5

GEWAHRSEIN UND BEWUSSTSEIN

Das herausragende Merkmal von Maharajs Gesprächen mit seinen Besuchern ist die völlige Spontaneität, die sie spürbar durchdringt. Die Themen werden niemals zuvor ausgewählt, sondern Maharajs Äußerungen sind von einer einzigartigen Direktheit, was ihnen jedesmal aufs Neue eine anregende Frische verleiht. Man staunt umso mehr, wenn man bedenkt, dass er ohne jegliche Vorbereitung spricht – zweimal täglich, jeden Tag der Woche einschließlich sonntags, und dies seit vielen Jahren. Und dabei amüsiert er sich selbst mit einem leisen Lachen: „Über was spreche ich denn? Immer über das eine Thema, immer über das Gleiche – das Du und Ich, die äußere Welt und Gott."

Im Allgemeinen kümmert sich Maharaj nicht darum, auf seine Zuhörer zu warten, bevor er das Gespräch mit dem, was ihm gerade in den Sinn kommt, eröffnet. Manchmal füllt sich sein kleines Dachzimmer in einer knappen Viertelstunde bis zur Grenze seines Fassungsvermögens, andere Male sind kaum vier oder fünf Leute anwesend, wenn er zu sprechen – man könnte fast sagen: laut zu denken – beginnt. Aber für ihn macht das keinen Unterschied. Wenn er sich dafür entscheidet, spricht er sogar zu einem einzelnen Suchenden und erklärt ihm mit Hingabe die Grundlagen seiner Lehre, setzt sie zueinander in Bezug und zeigt sie in ihrer richtigen Perspektive.

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