Sophienlust 136 – Familienroman: Zuviel verlangt
Von Bettina Clausen
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Es war ein ereignisreicher Nachmittag. Der rote Schulbus stand vor dem Herrenhaus von Sophienlust zur Abfahrt bereit. Er sollte die Kinder nach Maibach bringen. Dort trat seit einigen Tagen eine Eisrevue auf.
Die kleine Heidi war so aufgeregt, dass sie die Schleife ihres Kleides schon zum drittenmal band. "Das wird einfach nichts", jammerte sie.
Vicky, die neben ihr stand, musste lachen. "Sei doch nicht so nervös! Komm, ich binde dir die Schleife."
Erleichtert atmete die Vierjährige auf. "Hast du schon einmal eine Eisrevue gesehen, Vicky?"
"Ja, einmal."
"Ehrlich?", staunte die Kleine. "Was ist das eigentlich, eine Eisrevue?" Heidi fragte wieder, obwohl ihr schon mehrmals erklärt worden war, was eine Eisrevue war.
Vicky machte es sich einfach. "Da wird auf dem Eis getanzt."
"Aber da fällt man doch hin!" Heidis Augen wurden noch runder.
"Nein. Die haben doch Schlittschuhe an."
"So wie ihr, wenn ihr auf dem Teich Schlittschuhlaufen geht?"
"Ja", entgegnete Vicky erleichtert. "Genau so. Aber das haben wir dir doch schon so oft erklärt."
Trotzdem konnte Heidi die Sache noch immer nicht ganz fassen. "Zerläuft das Eis denn nicht?"
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Sophienlust (ab 351)
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Buchvorschau
Sophienlust 136 – Familienroman - Bettina Clausen
Sophienlust –136–
Zuviel verlangt
Wer hilft der kleinen Eisprinzessin?
Bettina Clausen
Es war ein ereignisreicher Nachmittag. Der rote Schulbus stand vor dem Herrenhaus von Sophienlust zur Abfahrt bereit. Er sollte die Kinder nach Maibach bringen. Dort trat seit einigen Tagen eine Eisrevue auf.
Die kleine Heidi war so aufgeregt, dass sie die Schleife ihres Kleides schon zum drittenmal band. »Das wird einfach nichts«, jammerte sie.
Vicky, die neben ihr stand, musste lachen. »Sei doch nicht so nervös! Komm, ich binde dir die Schleife.«
Erleichtert atmete die Vierjährige auf. »Hast du schon einmal eine Eisrevue gesehen, Vicky?«
»Ja, einmal.«
»Ehrlich?«, staunte die Kleine. »Was ist das eigentlich, eine Eisrevue?« Heidi fragte wieder, obwohl ihr schon mehrmals erklärt worden war, was eine Eisrevue war.
Vicky machte es sich einfach. »Da wird auf dem Eis getanzt.«
»Aber da fällt man doch hin!« Heidis Augen wurden noch runder.
»Nein. Die haben doch Schlittschuhe an.«
»So wie ihr, wenn ihr auf dem Teich Schlittschuhlaufen geht?«
»Ja«, entgegnete Vicky erleichtert. »Genau so. Aber das haben wir dir doch schon so oft erklärt.«
Trotzdem konnte Heidi die Sache noch immer nicht ganz fassen. »Zerläuft das Eis denn nicht?«
»Nein.«
»Warum nicht?«
»Weiß ich auch nicht so genau. Wahrscheinlich, weil es so kalt ist.«
»Aber es ist doch jetzt nicht so kalt wie sonst im Winter«, argumentierte Heidi.
»Meine Güte, das hat Nick dir doch alles schon ganz genau erklärt, Heidi. Hast du denn nicht zugehört?«
»Ich habe es wieder vergessen.« Sie lauschte auf den Korridor hinaus. »Wir gehen«, rief sie und lief hinaus. Vicky folgte ihr erleichtert. Manchmal kann einem die Kleine direkt ein Loch in den Bauch fragen, dachte sie.
Die Kinder versammelten sich in der Halle. Denise von Schoenecker wollte sie persönlich begleiten.
Dominik und Henrik befanden sich bereits unter den Kindern des Heimes. »Kommt Mutti von Schoeneich herüber oder aus der Stadt?«, fragte Henrik seinen großen Bruder.
»Von Schoeneich«, antwortete Nick und zählte danach die Kinder. »Wir sind vollständig.«
In diesem Moment fuhr vor dem Haus Denises Wagen vor.
»Tante Isi!« Heidi flitzte aus dem Haus.
»Jetzt wird sie Tante Isi mit ihrer Fragerei auf die Nerven gehen«, sagte Vicky zu Pünktchen.
»Lass sie doch«, meinte Pünktchen. »Sie versteht das alles eben noch nicht so richtig.«
»Wir gehen!«, rief Nick in die Runde. Draußen hatte der Chauffeur bereits den Motor des Busses angelassen. Die Kinder stiegen mit Denise in den Wagen ein. Die Fahrt nach Maibach dauerte nicht lang. Auf dem Marktplatz wurde der Bus abgestellt. Von dort ging es zu Fuß zur Eisrevue.
Und dann war es endlich soweit. Mucksmäuschenstill saß die kleine Schar von Sophienlust in den vordersten Reihen direkt an der Eisfläche. Die meisten Kinder sahen zum erstenmal eine Eisrevue. Sie waren genauso neugierig und aufgeregt wie die kleine Heidi.
Unbewusst tastete Heidi nach Denises Hand. Schmunzelnd hielt die Herrin von Sophienlust und Schoeneich die Kinderhand fest. Und dann kam der große Moment. Die Vorstellung begann.
Ein Musiktusch und die einleitenden Worte eines jüngeren Mannes eröffneten die Vorstellung. Mit leuchtenden Augen und erhitzten Wangen verfolgten die Kinder den Auftritt eines Clowns. Ein Schrei stieg aus einigen Kinderkehlen, als der Clown zum erstenmal hinfiel. Er rappelte sich auf, fiel wieder und wiederholte das Spiel so lange, bis alle lachten.
»Wann kommt denn die Eisprinzessin?«, erkundigte sich Pünktchen flüsternd bei Nick.
»Weiß ich nicht. Wahrscheinlich ein bisschen später. Sie ist doch die Attraktion.«
»Wie heißt sie gleich wieder, Nick?«
»Jasmin Stefano«, antwortete der Junge. Im gleichen Moment lief ein gespanntes Raunen durch die Reihen der Zuschauer. Der Auftritt der Eisprinzessin wurde durch den Lautsprecher angekündigt.
»Ist sie wirklich erst acht Jahre alt?«, fragte Irmela ungläubig.
Nick drehte sich zu ihr um. »Natürlich! Deshalb ist sie doch so eine Sensation.«
Ein romantischer Walzer erklang. Die Eisfläche wurde in rosarotes Licht getaucht. »Oh!«, machten die Kinder erstaunt.
Und dann schwebte ein kleines, zierliches Geschöpf aufs Eis. Es trug ein kurzes rosa Röckchen mit weißem Pelzbesatz. In einem weiten Bogen schwebte es in die Mitte der Eisfläche, drehte eine Pirouette und knickste nach allen Seiten.
Begeisteter Applaus erklang. Dann begann Jasmin Stefano zu tanzen. Sie schwebte über das Eis. So leicht, als berühre sie es gar nicht. Immer wieder folgte Zwischenapplaus. Die Sicherheit der kleinen Prinzessin war verblüffend. Das Scheinwerferlicht wechselte von Rosa zu Rot und wieder zu weiß über und tauchte die Eisfläche in eine unwirkliche, traumhafte Kulisse. Wie ein verzaubertes Wesen tanzte die begabte Prinzessin darauf.
Das Publikum war hingerissen. Besonders die Kinder von Sophienlust. In der Pause bestürmten sie Denise, die kleine Eisprinzessin nach Sophienlust einzuladen.
Denise hatte selbst schon daran gedacht. »Wir gehen nach der Vorstellung hinter die Bühne«, entschied sie. »Jetzt müssen wir uns aber wieder setzen. Die Pause ist schon vorüber.«
Die zweite Hälfte der Vorstellung begann.
»Oh, seht mal, jetzt hat sie ein hellblaues Kleid an«, rief Vicky begeistert aus.
»Und es ist lang! Wie kann sie nur in einem langen Kleid tanzen?«
Nun sah das achtjährige Mädchen auf dem Eis wirklich wie eine Prinzessin aus. Eine Prinzessin in einem langen Kleid mit Schleppe und einer süßen kleinen Pelzkrone auf dem Haar. Vorsichtig schwebte sie über die spiegelglatte Fläche. Die Schleppe glitt langsam hinter ihr her.
Vor Staunen blieb den kleineren Kindern der Mund offenstehen. So etwas hatten sie noch nicht gesehen.
»Ich möchte wirklich wissen, wie sie jetzt tanzt«, flüsterte Pünktchen.
Da vollführte die Eisprinzessin eine rasche Bewegung – und das Kleid mit der Schleppe glitt von ihr ab. Darunter trug sie ein kurzes Röckchen in der gleichen Farbe. Temperamentvoll begann sie zu tanzen. Schnell und rhythmisch.
»Es sieht so leicht aus«, flüsterte Irmela andächtig.
Wohl nur Denise, die ehemalige Tänzerin, wusste, wieviel mühevolles Training hinter einer solchen Leistung steckte. Dabei war diese Jasmin ja noch ein Kind.
Denise beschloss, dem Drängen der Kinder nachzugeben und Jasmin nach Sophienlust einzuladen. Mit allen Kindern ging sie nach der Vorstellung hinter die Kulisse.
Eine etwa fünfundzwanzigjährige Frau stellte sich ihr als Hilla Arnim vor, die Tante der Eisprinzessin.
»Stören wir auch nicht?«, erkundigte sich Denise höflich.
»Ganz im Gegenteil. Jasmin freut sich über den Besuch der Kinder ganz bestimmt. Ich rufe sie sofort.«
»Was willst du von ihr?«, fragte in diesem Moment eine unwillige männliche Stimme. Ein Mann tauchte auf. Denise schätzte ihn auf etwa dreißig Jahre. »Das ist mein Mann Bodo«, stellte Hilla Arnim ihn vor.
Bodo reichte Denise die Hand und nickte den Kindern kurz zu. Dabei blieb seine Miene mürrisch.
Nick warf seiner Mutter einen vielsagenden Blick zu, den diese erwiderte. Auch ihr war dieser Mann nicht sympathisch. Doch sie wollte kein vorschnelles Urteil über den Onkel der kleinen Eisprinzessin fällen.
»Hier bin ich, Tante Hilla«, rief jetzt ein helles Stimmchen. Gleich darauf stand Jasmin Stefano, die berühmte Eisprinzessin, vor den Kindern. Das lange Haar fiel ihr offen und glatt auf die Schultern. Ihre Augen strahlten in einem intensiven Blau. Doch trotz ihrer Schönheit und Berühmtheit gab sie sich ganz natürlich. Sie war kein bisschen eingebildet. Beinahe schüchtern begrüßte sie die Kinder von Sophienlust.
Als Denise ihre Einladung aussprach, leuchteten die Augen der Kleinen auf. Sie freute sich darüber. Daran bestand kein Zweifel.
Doch ganz plötzlich erlosch der Glanz in ihren schönen Augen. Sie hatte einen Blick ihres Onkels aufgefangen und senkte daraufhin die Lider.
Verwundert schaute Denise Bodo Arnim an. Sein Gesichtsausdruck war jetzt noch mürrischer. »Für solchen Firlefanz hat Jasmin keine Zeit«, stieß er hervor. »Sie muss trainieren.«
»Aber, Bodo«, rief seine Frau erschrocken. Dann entschuldigte sie sich bei Denise für die Unhöflichkeit ihres Mannes. »Er meint es nicht so. Es liegt nur daran, dass er sich um Jasmin und ihren Erfolg sorgt.« Doch ihre Worte klangen nicht überzeugend.
Bodo Arnim wandte sich ohne ein Wort der Entschuldigung ab. Resigniert blickte Hilla Arnim ihre Nichte an. Sehnsucht und Verzicht spiegelten sich in dem traurigen Blick der kleinen Eisprinzessin. Sie schaute unaufhörlich auf ihre Tante. Bittend, wie es schien. Denise begriff, welch armes Geschöpf die kleine Tänzerin sein musste.
Schon wollte Denise ihre Einladung wiederholen, da begann Hilla auf ihren Mann einzureden. Sie sprach schnell und gedämpft, aber Denise hörte heraus, dass Hilla Arnim für ihre Nichte bat. Das kostete die junge Frau sichtlich Überwindung. Daraus wiederum schloss Denise, dass dieser Bodo Arnim ein sehr strenges Regiment führte. Doch schließlich erlaubte er doch, dass Jasmin die Einladung annahm.
Heller Jubel herrschte unter den Kindern von Sophienlust. »Ihr bringt Jasmin ja ganz durcheinander«, meinte Denise lachend. »Geht doch schon hinaus