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Sechs Kriminalromane - Harte Schule

Sechs Kriminalromane - Harte Schule

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Sechs Kriminalromane - Harte Schule

Länge:
1.152 Seiten
13 Stunden
Freigegeben:
17. Juni 2019
ISBN:
9781386827160
Format:
Buch

Beschreibung

Harte Schule - Sechs Kriminalromane


 

Kriminalromane der Sonderklasse - hart, actionreich und überraschend in der Auflösung. Ermittler auf den Spuren skrupelloser Verbrecher. Zahlreiche spannende Romane in einem Buch - Ideal als Urlaubslektüre.

Dieses Buch enthält die Krimis:

Klaus Tiberius Schmidt: Ein Toter nimmt Rache

Klaus Tiberius Schmidt: Bount Reiniger und der Verschwundene

Klaus Tiberius Schmidt: Todesfalle Marrakesch

Klaus Tiberius Schmidt: Bount Reiniger und der Mann im Dunkel

Klaus Tiberius Schmidt: Das Todesquartett

Klaus Tiberius Schmidt: Kokainkrieg in Manhattan

Freigegeben:
17. Juni 2019
ISBN:
9781386827160
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Über den Autor


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Kriminalromane der Sonderklasse - hart, actionreich und überraschend in der Auflösung. Ermittler auf den Spuren skrupelloser Verbrecher. Zahlreiche spannende Romane in einem Buch - Ideal als Urlaubslektüre.

Dieses Buch enthält die Krimis:

Klaus Tiberius Schmidt: Ein Toter nimmt Rache

Klaus Tiberius Schmidt: Bount Reiniger und der Verschwundene

Klaus Tiberius Schmidt: Todesfalle Marrakesch

Klaus Tiberius Schmidt: Bount Reiniger und der Mann im Dunkel

Klaus Tiberius Schmidt: Das Todesquartett

Klaus Tiberius Schmidt: Kokainkrieg in Manhattan

Ein Toter nimmt Rache: N. Y. D. - New York Detectives

Krimi von Klaus Tiberius Schmidt

Der Umfang dieses Buchs entspricht 112 Taschenbuchseiten.

In New York läuft offenbar ein Verrückter herum, der sich als Terry Jacksons Rächer fühlt. Jackson starb in der Gaskammer, und obwohl es bereits fünf Jahre her ist, scheint sich jetzt sein Schwur zu erfüllen: Rache zu üben an denjenigen, die ihn damals verrieten und hinter Gitter brachten. Zuerst wird Buddy Walthors, der Tipp-Geber, ermordet, dann auf den Ex-Police-Officer Harold Whitman ein Anschlag verübt. Dieser wendet sich an Bount Reiniger, den besten Privatdetektiv New Yorks, und bittet ihn, den Killer zu finden. Doch auch Reiniger steht auf der Liste, an denen Terry Jackson sich rächen wollte ...

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Die Hauptpersonen des Romans:

Terry Jackson – Er ist vor fünf Jahren in der Gaskammer gestorben, doch plötzlich erfüllt sich sein Racheschwur.

Buddy Walthors - Er gab Bount Reiniger den entscheidenden Tipp und steht jetzt als erster auf der Liste des unheimlichen Killers.

Harold Whitman und Phil Stanford – Sie haben Terry Jackson damals verhaftet. Dafür sollen sie jetzt büßen.

June March – ist Bounts Assistentin und hilft ihm bei seinen Fällen.

Bount Reiniger – ist Privatdetektiv.

1

Nebelschwaden legten sich lautlos in die Häuserschluchten von Manhattan. Die Signalhörner der Schiffe klangen dumpf vom Hudson herüber.

Es war bereits kurz vor zehn Uhr. Der Verkehr auf den Straßen versiegte langsam.

Die Wetterberichte warnten die Autofahrer. Dichter Nebel war angesagt. Buddy Walthers interessierte dies wenig. Nervös blickte er sich um.

Die Silhouetten der vorbeihastenden Passanten verschmolzen zu unwirklichen Konturen. Fast mit bloßem Auge konnte man sehen, wie der Nebel dichter wurde.

Ein letztes Mal überzeugte sich der Mann mit der Schirmmütze und der abgeschabten Lederjacke, dass er unbeobachtet war. Er trat einen Schritt zurück und wurde eins mit der Dunkelheit der kleinen Gasse. Hier sollte er den Anrufer treffen.

Walthers war ein Feigling, aber auch geldgierig. Seit Jahren verdingte sich der gebürtige Waliser als Schnüffler. Wem er seine Dienste anbot, und was er herausfinden sollte, war ihm egal. Derjenige, der am meisten bezahlte, bekam den Zuschlag.

Doch an diesem Abend führte Walthers sich nicht wohl in seiner Haut. Instinktiv schob sich seine Rechte unter die Armachsel. Der kühle Griff der Smith & Wesson beruhigte seinen steigenden Blutdruck.

Die Sache stank.

Wieso bestellte der geheimnisvolle Anrufer ihn in diese dunkle Ecke an der 155ten West? Und welche Informationen wollte er haben, die ihm sogar 500 Dollar wert waren? Im Moment gab es keine heißen Tipps. Die Großen in New York schienen nichts zu planen.

Buddy blieb stehen und schaute sich um. Die zuckende Neonreklame der Pizzeria auf der anderen Straßenseite konnte man kaum noch lesen.

Sein Herz pochte plötzlich schneller, als spüre er die Gefahr, in der er schwebte. Er zog die Schultern hoch und den Kopf ein. Sein empfindliches Gehör hatte etwas vernommen. Nur ein leises Rascheln, so als ob Stoff gegen Stoff rieb.

Seine Augen suchten eine Gestalt. Der Nebel war wie Watte und ließ keinen weiten Blick zu. Zudem fiel das Licht der Straßenlampen nur etwa 20 Yards in die Gasse. Sobald er ihren Lichtkreis verlassen hatte, war es stockdunkel.

„Ist da wer?, flüsterte er ärgerlich und ängstlich zugleich. „Zeigen Sie sich endlich.

Lautlos schob er sich nach rechts, bis er gegen die Hausmauer stieß. Unangenehmer Geruch stieg ihm in die Nase. Er stand genau neben einigen überquellenden Mülltonnen.

„Hier bin ich."

Buddy erschrak gewaltig und zuckte zusammen.

Wieder vernahm er das Rascheln. Diesmal klang es näher als beim ersten Mal. Er wusste sofort, was dieses Geräusch verursachte. Es war ein Trenchcoat. Die Ärmel des Trägers rieben gegen die Körperseiten.

Carters kniff die Augen zusammen. Vage konnte er eine Gestalt ausmachen, aber mehr als ein Schatten war nicht zu erkennen.

Er wollte etwas sagen, aber dazu kam es nicht mehr. Alles ging blitzschnell.

Für den Bruchteil einer Sekunde wurde die Dunkelheit zerrissen. Eine gelb-rote Feuerlanze zuckte durch die Nacht direkt auf ihn zu. Im Widerschein sah Buddy Walthers das Gesicht seines Mörders. Er riss die Arme hoch. Ein gewaltiger Schlag traf ihn und warf ihn nach hinten.

Der Schrei blieb ihm im Halse stecken. Mit einem Ausdruck von Verwunderung und Entsetzen im Gesicht torkelte er nach hinten und geriet in den Lichtkreis der Peitschenlampen über der Straße.

Da traf ihn die zweite Kugel. Diesmal sah er keine Feuerblume blühen, sondern spürte nur den Schlag und hörte den ohrenbetäubenden Knall der Waffe seines Killers.

Unsichtbare Kräfte rissen ihn von den Füßen. Er schlug hart auf und rollte über den Bordstein in die Gosse der Straße.

Ein letztes Aufstöhnen, dann war Buddy Walthers tot.

2

Der silbergraue Mercedes 450 SEL fädelte sich in den Verkehr ein und wählte sofort die äußerst linke Fahrspur. Trotz hoher Geschwindigkeit schnurrte der Motor wie eine zufriedene Katze.

„Musst du so rasen?, fragte June March leicht erbost. „Ich denke, wir wollten einen ruhigen Abend verbringen?

„Und ich dachte, du könntest nicht schnell genug etwas zu essen bekommen, entschuldigte Bount Reiniger sich, nahm aber artig den Fuß vom Gaspedal. „Na ja, ich möchte meine reizende Mitarbeiterin natürlich nicht den Gefahren eines erhöhten Blutdrucks aussetzen.

„Okay, okay, meinte June und seufzte. „Ich weiß, du hast sowieso immer das letzte Wort.

Aus dem Nebel tauchten zu ihrer Linken jetzt mehrere turmartige Gebilde auf, die mit starken Stahltrossen in schwungvollem Bogen verbunden wurden. Es war die George Washington Bridge.

Bount nahm die Abfahrt unterhalb der Brücke. Nach wenigen Yards steuerte er den Silbergrauen in den Broadway.

Alles wirkte im Nebel unwirklich und farblos. Selbst die bunten Neonreklamen bildeten keine Ausnahmen. Das Zucken der Lichter verschmolz mit dem Grau der Schwaden und verlor seine anziehende Wirkung.

Endlich hatten sie die 155te West erreicht und kamen an die Kreuzung der Amsterdam Avenue.

Reiniger fand zum Glück sofort einen Parkplatz. Das Pizza-Lokal „Da Gino" war ein Geheimtipp für Kenner. In Manhattan gab es Hunderte von Pizzerien. Aber bei Gino gab es nicht nur riesige, sondern auch die schmackhaftesten Pizzen.

Über dem kleinen Restaurant zuckte eine gelbe Reklametafel mit grüner Schrift.

„Wie bei McDonalds", meinte June.

Bount fasste sie am Arm und zog sie mit sich. „Erst einmal abwarten, Darling."

Sie betraten das Lokal.

June war begeistert. Die äußere Fassade täuschte gewaltig.

Der Speiseraum war in kleine Nischen aufgeteilt. Zwischen den einzelnen Tischen wucherten Farne und Efeu. Über den Plätzen spannten sich Dächer mit echten Ziegeln. Statt elektrischem Licht gab es Kerzen, die in Glaskugeln auf den Tischen standen und anheimelnde Gemütlichkeit verbreiteten.

„Signorina, Signor, begrüßte sie ein schlanker Italiener mit gepflegtem Oberlippenbart. Unter dem Arm trug er bereits zwei Speisekarten. „Darf ich Ihnen einen Tisch am Fenster anbieten oder lieber in einer der Nischen?

Die Pizzeria war gut besucht. Zumeist sah man Pärchen. Nur in der Ecke mit den Nischen grölte eine Gruppe bereits angetrunkener Männer, die offenbar vom Bowling kamen. Jedenfalls ging das durchaus fachmännische Thema um diese Sportart.

„Lieber ans Fenster", bat Bount und wandte sich ab.

Hinter ihm ertönte ein bewundernder Pfiff, der gewiss nicht ihm galt. Das Gegröle wurde lauter. Derbe Scherze flogen durch den Raum. Sie galten June, die mit verführerischem Hüftschwung zum Tisch am Fenster ging. Sie würdigte die Gruppe keines Blickes.

„Was darf ich den Herrschaften bringen?, fragte der Kellner, der eine schwarze Hose mit einer roten Schärpe trug. Über das blütenweiße Hemd hatte er einen grünen Bolero gezogen. „Ich kann heute unsere Pizza mit frischen Champignons empfehlen. Dazu einen vollmundigen Chianti?

Bount ließ sich rasch überzeugen. Das ersparte ihm die Sucherei auf der Speisekarte. Auch June wählte das gleiche Gericht.

Der Kellner verschwand mit einem verbindlichen Lächeln und gab die Bestellung an der Theke weiter.

„Mir knurrt der Magen, musste June eingestehen. „Immerhin haben wir seit heute Morgen nichts Vernünftiges mehr gegessen.

Der Duft von Knoblauch und Oregano lag im ganzen Lokal und reizte die Geruchs- und Geschmacksnerven. Bount Reiniger konnte nicht verhehlen, dass er ebenfalls mächtigen Appetit bekam.

Plötzlich aber vergaß er seinen Hunger.

Rein zufällig hatte er durch die zum Teil efeubewachsene Scheibe geblickt. Trotz der immer dichter werdenden Nebelschwaden war ihm dabei eine Gestalt auf der anderen Straßenseite aufgefallen. Sie bewegte sich alles andere als normal und schien unter großer Anspannung zu stehen.

Von einer Sekunde zur anderen war sie in der Finsternis der nahen Gasse verschwunden.

„Was hast du?, fragte June mit Schmollmund. „Interessiert dich der Nebel mehr als ich?

Der Detektiv ließ sich gern ablenken. Er ergriff die zarte Hand seiner Assistentin und zwinkerte ihr entschuldigend zu.

„Verzeihe mir, heuchelte er und neigte leicht den Kopf. „Wie konnte ich es wagen, Holde. Nie und nimmer vergaß ich dein edel Gesicht.

„Du bist albern, Bount Reiniger, rügte June lächelnd. „Zu einem Hofschauspieler wirst du es nie bringen. Also lass das besser, sonst verscheuchst du Ginos Gäste. Was hat dich abgelenkt? Raus mit der Sprache.

Bount schüttelte den Kopf und setzte ein ernstes Gesicht auf.

„Wir wollten nicht über die Arbeit sprechen. War versprochen. Und ich werde es auch halten."

Der Kellner kam mit einer Karaffe Chianti und stellte sie auf den Tisch.

Dann setzte er die Gläser ab und schenkte ein.

In dieser Sekunde peitschte ein Schuss.

„Also doch", stieß Bount hervor und sprang auf. Der Stuhl fiel nach hinten. Als er mit der Rückenlehne aufschlug, war Reiniger schon an der Tür und rannte hinaus.

Ein zweiter Knall hallte durch Nacht und Nebel.

Deutlich konnte Reiniger jetzt die Feuerzunge sehen. Eine Gestalt torkelte aus der Gasse und brach zusammen. Sie schlug auf den Asphalt auf und streckte sich.

Geduckt lief Bount zwischen zwei Wagen hindurch. Wie aus dem Nichts tauchten grelle Scheinwerfer auf und blendeten ihn. Ein Chevy bremste scharf. Reifen quietschten, Bremsen blockierten.

Bount Reiniger entkam dem Kotflügel des Chevrolet nur um Haaresbreite. Hinter sich vernahm er wütendes Geschimpfe. Er ignorierte es.

Wertvolle Sekunden waren bereits vergangen. Der Detektiv hastete weiter. Er rannte zu dem Leblosen hinüber, der ausgestreckt auf dem feuchten Boden lag. Die gebrochenen Augen starrten in den Himmel. Für den Mann kam jede Hilfe zu spät.

Reiniger warf sich nach rechts und presste sich an die Wand. Er wollte dem Killer nicht ebenfalls in die Arme laufen.

Irgendwo tief in der Gasse klappte eine Tür zu. Der Schütze war getürmt.

Bount atmete tief ein, dann sprang er in das Dunkel hinein. Wenn der Mörder nur geblufft hatte, konnte das üble Folgen haben. Aber Bount hatte Glück. Es geschah nichts. Keine Gestalt, kein Schuss. Stille.

Es dauerte eine Weile, bis sich Reiniger an die Dunkelheit gewöhnt hatte. Aus dem Schatten eines Mauervorsprungs schälte sich jetzt ein helles Viereck. Nur vage konnte er es ausmachen.

Es war eine Tür, die im oberen Drittel aus Milchglas bestand. Sie musste in einen Hausflur führen, wo eine Lampe brannte.

Es gab nur diesen einen Weg, aus der Gasse herauszukommen, wenn der direkte Zugang zur Straße versperrt war. Hierdurch musste der Killer geflohen sein.

Bount Reiniger riss die Tür auf und ging blitzschnell in die Knie. Seine 38er Automatic hatte er längst gezückt. In Combat-Stellung lauschte er. Die weit vorgestreckten Arme beschrieben einen Halbkreis. Aber er konnte nirgendwo eine verdächtige Bewegung entdecken.

In dem Flur verbreitete eine nackte Birne, die lieblos an der Decke befestigt worden war, schwaches Licht. Von den Wänden blätterte Tapete ab, und es roch muffig, so als würde nie gelüftet. Es war eines dieser heruntergekommenen Mietshäuser, die um die Jahrhundertwende gebaut worden waren. Mehrstöckige Gebäude, deren verrottete Fassaden auch noch von eisernen Feuerleitern verunziert wurden.

Reiniger rührte sich nicht. Er stand wie angewurzelt da und überlegte. Es gab zwei Möglichkeiten: Entweder war der Killer noch im Haus oder bereits über alle Berge.

Plötzlich hörte er über sich eine schrille Frauenstimme, die einem Kind verbot, hinauszugehen. Sie musste die Schüsse gehört haben.

Dass der Mörder die Treppen hochgelaufen war, glaubte Bount nicht. Dazu hatte er gewiss keinen Mut, denn die Furcht, entdeckt und erkannt zu werden, hatte jeder Killer.

Blieb nur die Straße. Ja, der Mörder konnte nur auf der Amsterdam Avenue sein.

Gerade wollte Reiniger losspurten, als Gummireifen über das Pflaster radierten. Ein Keilriemen jaulte gequält auf, dann vernahm Bount wildes Gehupe.

Er hastete nach draußen, jederzeit bereit zu schießen.

Atemlos musste er mit ansehen, wie sich ein Fahrzeug brutal in den Verkehrsfluss der Avenue hineinmogelte. Das Letzte, was er ausmachte, waren die roten Rückscheinwerfer. Dann war der Wagen im Dunst des Nebels verschwunden.

Bount zerbiss einen Fluch zwischen den Zähnen. Hätte er nicht so lange im Hausflur gezögert, wäre es gewiss noch möglich gewesen, wenigstens das Nummernschild zu erkennen.

Wütend stieß er seine Automatic in das Schulterholster zurück und setzte sich in Trab. Bei der nächsten Ecke bog er ab und sah eine kleine Menschenmenge, die sich um den Toten versammelt hatte. In der Ferne ertönte bereits das Heulen einer Polizeisirene.

Unnachgiebig bahnte Bount Reiniger sich einen Weg durch die neugierigen Gaffer. Die murmelnden Beschimpfungen ignorierte er.

June March hockte vor dem Toten. Als sie Bount erkannte, erhob sie sich und schüttelte den Kopf.

„Ein Lungenschuss und ein Volltreffer ins Herz, sagte sie dumpf. „Dem Mann kann keiner mehr helfen.

„Hast du Toby angerufen?"

Die Blondine nickte. „Er ist schon unterwegs."

Bount Reiniger zückte eine Packung Pall Mall und zündete sich ein Stäbchen an. Er betrachtete den Toten aufmerksam. Irgendwie kam ihm das Gesicht bekannt vor.

In seinem Gehirn arbeitete es wie in einer Computerzentrale, während er das Nikotin tief inhalierte. Am meisten störte ihn das maßlose Entsetzen und die große Verwunderung im Gesicht des Leichnams. In der Sekunde des Todes musste der Mann eine schreckliche Erkenntnis gehabt haben.

Ein Patrol Car raste heran. Rot-blaues Licht zuckte vom Dach des Wagens und durchbrach das Grau des Nebels, der sich feucht auf Haut und Kleidung legte.

„Machen Sie bitte Platz, forderte ein Officer und schob die Gaffer beiseite. „Gehen Sie weiter. Es gibt nichts zu sehen. Macht, dass ihr nach Hause kommt. Im Fernsehen gibt es doch genug Leichen.

Er wollte auch Bount Reiniger beim Arm packen und ihn von dem Toten wegziehen, als dieser seinen Ausweis zückte und ihn dem Patrol Man vor die Nase hielt.

„Alles klar, Sir, entschuldigte er sich. „Habe Sie nicht erkannt.

Reiniger musste grinsen. Dieser bärbeißige Polizist kannte ihn also persönlich.

„Was ist geschehen?", fragte der zweite Cop in der dunklen Uniform. Im Gegensatz zu seinem Kollegen war er schlank und sehnig.

„Keine Ahnung, sagte Bount ehrlich. „Der Mann ist in diese Gasse gegangen, wie ich von der Pizzeria aus sehen konnte. Kurz danach folgten zwei Schüsse. Dann tauchte er wieder auf und fiel um. Habe den Killer noch verfolgt, doch zu spät. Er war schneller.

„Können Sie das bestätigen, Miss?, fragte der Bärbeißige und widmete sich June March. „War es so, wie Mr. Reiniger sagt?

„Mein Chef hat weder etwas verschwiegen noch hinzugefügt, erwiderte sie. „Es ging alles furchtbar schnell.

Ein dunkler Ford Mustang hielt am Straßenrand. Polizisten sprangen heraus. Andere Wagen folgten.

Unter den Männern des Erkennungsdienstes war auch Captain Toby Rogers, der schwergewichtige Leiter der Mordkommission Manhattan C/II. Zudem war er Bounts bester Freund.

„Ich hätte mir denken können, dass dort, wo ihr auftaucht, wieder etwas passiert, knurrte er. „Warum bin ich eigentlich nicht gleich mitgekommen?

„Wir wollen nur nicht, dass du arbeitslos wirst und Fett ansetzt, mein Guter", flachste Bount und wich einem angedeuteten Boxhieb aus.

Sie gingen zu dem Toten hinüber, der noch immer an der gleichen Stelle lag. Inzwischen waren mehrere Patrol Cars aufgekreuzt. Uniformierte trieben die Neugierigen weiter zurück.

Blitzlichter zuckten. Die Leute von der Spurensicherung waren bereits bei der Arbeit. Der Polizeiarzt begann gerade mit der ersten Untersuchung.

„Kennst du den Typen?", wollte Toby Rogers wissen. Ihm selbst war der Erschossene unbekannt.

„Er kommt mir irgendwie bekannt vor, gestand Reiniger. „Allerdings weiß ich nicht, wo ich ihn hinstecken soll. Jedenfalls ist mir diese Visage schon mal über den Weg gelaufen.

„Captain Rogers?, Ein junger Cop kam heran und wedelte mit einem Briefkuvert. „Das ist das Einzige, was der Tote bei sich hatte.

Rogers nahm den Briefumschlag entgegen und betrachtete ihn aufmerksam. Er wies keinerlei Absender oder Anschrift auf. Darinnen fand der Captain eine Karte aus weißem Karton.

'Ihr werdet noch von mir hören. T. J.'

Verwirrt las er die wenigen Worte auf dem Stück Papier. „Hört sich an wie eine Drohung. Offenbar wurde der Mann erpresst."

In Bount Reinigers Gehirn blitzte es. Plötzlich wusste er, woher er den Ermordeten kannte.

„Buddy Walthers, murmelte er unverständlich. „Wieso bin ich nicht gleich darauf gekommen? Das ist er garantiert.

Ohne den Polizeiarzt bei der Arbeit zu stören, betrachtete er sich das aschfahle Gesicht mit den weit aufgerissenen Augen genauer.

„Würdest du mich jetzt vielleicht aufklären?, bat Rogers ungeduldig. „Oder möchtest du deine Weisheiten lieber für dich behalten?

Bount gab sich unbeeindruckt. „Eigentlich ist das doch dein Fall, oder? Im Übrigen wird meine Pizza kalt." Mit gespielter Empörtheit zeigte er zur anderen Straßenseite hinüber.

„Ich bin auch dafür, dass wir an unseren Tisch zurückgehen sollten. Mir knurrt der Magen", fand auch June March und zog an Bounts Oberarm.

„Siehst du, Toby, erklärte Bount Reiniger voller Bedauern. „June ist der gleichen Meinung. Was also soll ich tun?

„Mir sagen, wer der Mann ist. Rogers wurde langsam ungemütlich. Er fletschte die Zähne, als wolle er sich auf seinen Freund stürzen. „Du willst mich nur an der Nase herumführen.

„Aber, aber, warnte Reiniger grinsend. „Wer wird denn gleich so vulgär werden. Versuche es mal mit eurem Archiv. Oder besser noch: Befrag den Computer! Wofür bezahlen wir denn so viel Steuergelder? Ihr Jungs müsst schon etwas dafür tun. Grinsend wandte er sich ab und zog June mit sich. Den Captain ließen sie einfach stehen.

„Das ist unterlassene Hilfestellung, brüllte Rogers hinter ihnen her. „Das wirst du mir büßen, Bount Reiniger.

„Wie aufgebracht er wieder ist, der Gute. Bount schüttelte den Kopf. „Muss irgendwie zu hohen Blutdruck haben. Nun ja, wir wollen ihn nicht so sehr strapazieren. Er drehte sich in der Tür des Lokals noch einmal um und rief: „Versuch’s mal mit Buddy Walthers, Toby."

Dann setzten sie sich wieder an den Tisch und tranken ihren Chianti. Reiniger nippte nur ein wenig. Der Wein schmeckte ihm nicht. Er winkte den Restaurantbesitzer heran.

„Ist der Signore tot?, fragte der Italiener neugierig. „Schlimm, schlimm. Eine Schießerei vor meinem Lokal. O, mamma mia.

„Nicht aufregen, Gino, beschwichtigte Reiniger den kleinen Südeuropäer. „War ein Mord wie er in New York und anderswo jeden Tag vorkommt. Bring mir einen doppelten Scotch, aber ohne Eis.

Das Ganze war Reiniger mehr an die Nerven gegangen, als er sich anmerken ließ. Nur June spürte, was mit ihrem Tischnachbarn los war.

Gino brachte den Whisky und verschwand wieder.

Die beiden konzentrierten sich auf die dampfende Pizza. Wenige Minuten nach dem Whisky hatte der Kellner zwei duftende Gerichte gebracht.

Draußen zuckten noch immer die rot-blauen Lichtleisten auf den Patrol Cars. Menschen huschten durch den Nebel, der bald alles zu verschlingen drohte.

Als Bount seine Pizza halb aufgegessen hatte, lehnte er sich zurück und betrachtete June. Die Blondine hatte einen gesunden Appetit. Nach dem ersten Bissen war der Hunger endgültig durchgebrochen.

„Was beschäftigt dich eigentlich?, fragte sie, als sie gerade ein Stück Pizza mit einem Schluck Chianti heruntergespült hatte. „Kennst du den Toten schon lange?

Reiniger schüttelte den Kopf. Er steckte sich eine Pall Mall zwischen die Lippen und ließ das Feuerzeug aufflammen.

„Der Bursche ist mir nur einmal begegnet. Ist ein Kontaktmann gewesen, der seine Ohren überall hatte. Kein Mensch weiß, wo er all diese Informationen herhatte, die er für gutes Geld verkaufte. Eigentlich ein Wunder, dass es ihn erst jetzt erwischt hat."

Gedankenverloren schaute er nach draußen. Die ersten Wagen rollten davon. Ein schwergewichtiger Mann im dunklen Trenchcoat, den Hut tief ins Gesicht gezogen, überquerte die Straße.

„Wir bekommen Besuch." Auch June hatte Toby Rogers bemerkt.

Der Captain betrat die Pizzeria und entledigte sich seines Mantels. Mit lauter Stimme bestellte er sich einen Espresso und kam an den Tisch der beiden.

„Hat’s geschmeckt?", fragte er und machte es sich auf einem der freien Stühle bequem. In seinen Augen lag ein schmachtender Blick, als er die halbe Pizza auf Bounts Teller liegen sah.

„Soll ich dir auch eine Pizza bestellen?, fragte Reiniger grinsend. „Oder bist du wieder einmal auf Diät? Sein Grinsen war unverschämt.

„Du hättest Hellseher werden sollen, gab Toby zurück. „Sag mir lieber, woher du diesen Buddy Walthers kennst.

Bount ließ jetzt die Flachserei, dazu war die Sache doch zu ernst. Er wartete, bis der Kellner den Espresso gebracht hatte. Nicht jeder brauchte mitzubekommen, was er zu erzählen hatte.

„Habe June gerade gesagt, dass Walthers ein Spitzel war, der an den Meistbietenden verkaufte. Ich selbst habe einmal eine sehr wichtige Information von ihm bekommen. War so vor etwa fünf Jahren. Der Tipp hat mich fast 500 Dollars gekostet. Aber der Hinweis war heiß. Dadurch wurde Terry Jackson einen Tag später gefasst."

Toby Rogers wollte gerade an seinem Espresso nippen, als sein Kopf hochfuhr.

„Terry Jackson?, fragte er ungläubig, als habe er sich verhört. „Meinst du diesen Bankräuber, den sie das Phantom nannten?

Bount nickte. „Genau den. Damals war ganz New York hinter ihm her, aber man hat ihn nicht gekriegt."

„Moment mal, mischte June sich ein. „Dann hieße das ja, dass dieser Terry Jackson der Mörder von Walthers ist. Die Initialen T.J. sind fast schon ein Beweis.

Reiniger drückte seine Pall Mall aus und steckte sich gleich eine neue an. Er war nervös.

„So einfach ist das leider nicht, June, meinte er schließlich. Seine Stimme klang dabei rau wie ein Reibeisen. „Terry Jackson endete ein halbes Jahr später in der Gaskammer.

3

Für Bount Reiniger wurde es eine unruhige Nacht. Der Name Terry Jackson spukte ihm immer wieder im Kopf herum. Verflucht, der Mann war seit vielen Jahren tot. Über seine ruhmlosen Taten, zu denen Mord und Raub zählten, wuchs schon längst das Gras des Vergessens. Selbst die Boulevardpresse kümmerte sich nicht mehr darum.

Das würde sich aber gewaltig ändern, wenn noch mehr solcher Briefe auftauchten und die Journalisten Wind davon bekamen. Dann würde es im Blätterwald rauschen.

Bount Reiniger wachte am Morgen wie gerädert auf, aber er hatte sich wieder beruhigt. Es lohnte sich kaum, das gestrige Ereignis noch einmal aufzurollen und der Sache nachzugehen.

Das war Rogers' Aufgabe. Wie er den Captain kannte, würde dieser rasch herauskriegen, wer Buddy Walthers umgelegt hatte. Wahrscheinlich war es ein Typ, der sich an Jackson erinnerte und die Polizei mit dem Drohbrief auf eine falsche Fährte locken wollte.

Als Bount Reiniger sein Büro betrat, hatte June bereits den Kaffee fertig. Ein angenehmer Duft erfüllte den ganzen Raum.

„Deine Klienten scheinen heute Frühaufsteher zu sein, sagte sie und reichte ihm eine Tasse. „Da hat gerade ein gewisser Mr. Harold Whitman angerufen und gebeten, du möchtest ihn sofort aufsuchen. Es sei sehr wichtig. Er sprach von einer Morddrohung.

„Na, so schlimm wird es schon nicht sein, meinte Bount. „Wahrscheinlich wieder so einer wie letzten Monat, der sich vom Liebhaber seiner Frau bedroht fühlte. Na ja, ich kann ja mal hinfahren. Wie ist die Adresse unseres Sorgenkindes?

„Kinsley Street 34 in Leonia, erklärte die Blondine. „Weißt du, wo das ist?

„Ich werde es schon finden. Bount Reiniger kannte sich in New York aus wie in seiner Westentasche. Er schlürfte seinen Kaffee aus und eilte zur Tür. „Bis später, gnädige Frau Bürovorsteherin. Noch bevor June den Locher hinter ihm herwerfen konnte, war er schon am Lift.

Bount saß in seinem Mercedes und überlegte, wie er am besten nach Leonia kam. Der kürzeste Weg war über die George Washington Brücke und dann bis zum Englewood Golf Club über den Bergen Passiac Expressway. Dort irgendwo musste dann die Kinsley Street liegen.

Die Rushhour überraschte ihn. Mehrspurig quälten sich die Blechlawinen durch die Häuserschluchten und kamen nur träge vorwärts. Die Straßen waren verstopft. Autofahrer hupten nervös. Irgendwo brüllte jemand und beschimpfte einen Leidensgefährten in diesem Chaos von Blech, Abgasen und Hektik.

Bount Reiniger war froh, als er den Harlem River Drive erreichte. Hier war der Verkehr nicht ganz so stark. Die meisten Wagen rollten in den südlichen Teil von Manhattan, wo die Bürogebäude lagen.

Bis Leonia brauchte er ganze fünfundvierzig Minuten. Als er die große Grünfläche zu seiner Linken bemerkte, kaum, dass er den Hudson überquert hatte, ging er vom Gas und wählte die Abfahrt auf die Grand Avenue.

Lange brauchte er nicht herumzukurven. Schneller als erwartet fand er das weiß gestrichene Haus inmitten einer kleinen Gartenanlage, die sehr gepflegt war.

Schmucke Gegend, dachte der Detektiv. Er verließ seinen Mercedes und knöpfte sein Jackett zu. Dabei fiel sein Blick auf die Nachbarhäuser, die alle im gleichen Stil gebaut worden waren. Hier erinnerte nichts an Wolkenkratzer, Lärm und giftige Abgaswolken. Nur im Dunst der Ferne erkannte man die Konturen der riesigen Millionenbauten, die das Wahrzeichen von Manhattan waren.

Bount blieb vor dem niedrigen Gartentor stehen und suchte den Riegel. Er war innen angebracht. Reiniger schob ihn zurück und öffnete die kleine Holztür.

Im Haus selbst schien keiner seine Ankunft bemerkt zu haben. Alles blieb ruhig.

Bount wollte gerade die drei Stufen zur Haustür hinaufspringen und den Klingelknopf betätigen, als er die weiße Lache bemerkte, die sich auf der schmalen Terrasse ausgebreitet hatte.

Es war Milch. Dazwischen lagen noch einige Splitter.

Plötzlich nahm Reiniger aus den Augenwinkeln eine Bewegung hinter der Gardine des Seitenfensters neben der Tür wahr. Genaueres konnte er nicht erkennen.

„Wer sind Sie?", fragte eine heisere Stimme mit einem Unterton von Angst. Sie gehörte einem Mann.

Reiniger hatte jetzt nicht mehr das Gefühl, es nur mit einem exzentrischen Klienten zu tun zu haben.

„Mein Name ist Bount Reiniger", erklärte er ruhig und wollte näher an die Tür herangehen.

„Keinen Schritt weiter."

Der Detektiv hielt es für klüger, der Aufforderung nachzukommen und keine unnötigen Bewegungen zu unternehmen. Er wollte nicht den Verdacht erregen, dass er Böses im Schilde führe. Instinktiv merkte er, dass eine Waffe auf ihn gerichtet war. Eine Kugel konnte auch durch eine Glasscheibe verdammt unangenehm werden.

„Nur keine Hast, mein Freund, meinte Reiniger lässig. „Ist ja wohl keine Art, erst anzurufen und dann unfreundlich zu werden. Wollten Sie mich nun sprechen oder nicht?

Der Hausbesitzer war einer von der vorsichtigen Sorte und äußerst misstrauisch.

„Können Sie sich ausweisen?", fragte er durch die geschlossene Tür.

„Aber sicher doch." Bount wollte in die Innenseite seines Jacketts greifen. Eine bellende Stimme hielt ihn zurück.

„Hände weg", keifte sie.

Reiniger verzog das Gesicht. Seine Bewegungen froren ein. Langsam hob er seine Arme und zeigte die Innenflächen der Hände, sodass der Mann im Haus es genau sehen konnte.

„Langsam reicht es mir, Mister. Bount wurde allmählich ungehalten. „Wenn Sie einen Hampelmann für Ihre Neurosen brauchen, suchen Sie sich einen anderen.

Mit seinem rechten Fuß tastete er nach hinten. Als er die erste Oberkante der Stufe spürte, ging er rückwärts in den Garten zurück, ohne die Hände herunterzunehmen und eine ruckartige Bewegung zu machen.

„Der hat wirklich eine Macke, schimpfte er zu sich selbst und drehte sich um, als er fast beim Tor war. „Den Trip hätte ich mir sparen können.

Gerade wollte er die Gartentür öffnen, als er erneut die Stimme hinter sich vernahm.

„Kommen Sie bitte herein!"'

Reiniger wandte sich um und sah einen schlanken Mann mit dunklem, vollem Haar im Türrahmen stehen. In der Armbeuge hielt er ein Schrotgewehr.

Er musterte den Bewaffneten misstrauisch. Der Mann machte einen fahrigen und nervösen Eindruck. Seine Augen flackerten unruhig, so als suchten sie eine ungewöhnliche Bewegung oder etwas Verdächtiges in der sonst gewohnten Umgebung.

Reiniger wusste zuerst nicht, was er von der Situation halten sollte.

„Seltsame Art von Gastfreundschaft, muss ich schon sagen, sagte er ungehalten. „Warten Sie auf Ihren Henker, oder was ist los?

„Sie sind Bount Reiniger, meinte der Mann. Es war keine Frage, sondern eine Art Bestätigung. „Kommen Sie bitte herein.

„Oh, woher dieser Sinneswandel?" Bount wagte es immer noch nicht, sich zu rühren. Solche Typen wie dieser Harold Whitman waren unberechenbar, wenn sie eine Waffe in der Hand hatten.

Dieser Mann hatte Angst, und das nicht zu knapp.

„Kommen Sie endlich."

Bount senkte die Hände und betrat die Terrasse. Er hoffte, dass Whitman nicht plötzlich durchdrehen würde und zu ballern anfing. Einen Schritt vor ihm blieb er stehen.

„Ich habe natürlich einen Revolver bei mir, Mr. Whitman. Ich möchte Sie nur darauf hinweisen. Nicht, dass Sie auf die Idee kommen und ..."

Weiter kam er nicht.

Der Hausbesitzer packte ihn am Oberarm und zog ihn in den kleinen Flur. Als sie die Tür hinter sich geschlossen hatten, legte Whitman das Gewehr auf eine Konsole.

Er schloss die Augen und atmete hastig ein und aus.

„Darf ich fragen, was dieser theatralische Empfang bedeuten soll?" Reiniger machte keinen Hehl aus seinem Ärger. So etwas war ihm selten passiert. Dieser Mann machte einen Aufstand, als sei die gesamte Mafia hinter ihm her.

„Man hat versucht, mich zu ermorden, keuchte Whitman außer sich. „Erst dieser Brief und dann das Attentat.

Reiniger war verwirrt. Im Moment verstand er nur Bahnhof.

„Fangen wir am besten von vorne an, Mr. Whitman ich habe doch das Vergnügen mit Ihnen, oder?"

Der Mann bestätigte und begann sofort, hektisch zu berichten.

Während der Erzählung fiel Reiniger ein, wieso ihm das Gesicht so bekannt vorkam.

Harold Whitman war Officer in Manhattan Süd gewesen. Es musste etwa fünf Jahre her sein. Er und ein anderer Polizist hatten Terry Jackson als Erste gestellt und schließlich verhaftet.

Das blasse, übernächtigte Gesicht des Mannes hatte Bount am Anfang ein wenig irritiert. Er hatte Whitman als vollwangigen, gut gelaunten Mann in Erinnerung.

Bount Reiniger saugte jedes Wort, das der ehemalige Officer berichtete, wie Nikotin in sich auf. Was er hörte, machte ihn unruhig.

Whitman erzählte von einem mysteriösen Brief, den er am Vorabend in seinem Postkasten gefunden hatte. Und dann von dem schrecklichen Ereignis, das in den frühen Morgenstunden passiert war und doch sein Leben gerettet hatte.

„Können Sie mir den Brief zeigen?", bat Bount. Seine Hirnwindungen begannen bereits zu arbeiten.

Whitman stand schwerfällig auf und holte ein weißes Kuvert aus einer Schublade des mächtigen Eichenschrankes. Seine Bewegungen waren träge, fast wie die eines alten Mannes. Dabei war Whitman gerade einundvierzig, unverheiratet und eigentlich gut aussehend.

Bount erschrak, als er den Inhalt des Briefes las.

'Ihr werdet noch von mir hören! T. J.'

Er spürte ein leises Vibrieren seiner Nerven. Der Tod von Buddy Walthers war also doch kein gewöhnlicher Racheakt der Unterwelt. Es steckte mehr dahinter.

„Könnten Sie sie mir zeigen?" Whitman nickte abwesend und erhob sich vom Stuhl. Er stelzte ungelenk in die angrenzende Kochnische und hob eine Plastikwanne hoch. Ein paar Tränen rollten über seine Wangen, als er die Decke, die über dem Behälter lag, zurückzog.

Die Kadaver von drei Katzen kamen zum Vorschein. Ihr Fell glänzte stumpf. Die Gesichter der Tiere waren seltsam verzerrt.

„Sie waren mein ein und alles, seufzte Whitman. „Und ich bin schuld an ihrem Tod. Hätte ich die Milchflasche nicht fallen gelassen, wären sie bestimmt noch am Leben.

„Und Sie ein toter Mann, erwiderte Bount Reiniger. „Oder trinken Sie keine Milch?

Whitmans Kopf zuckte hoch. Er blickte den Detektiv an, als verstünde er die Worte nicht so recht.

„Doch, entgegnete er tonlos. „Die zerplatzte Flasche war ja für mich bestimmt. Meine Tiere bekamen spezielles Katzenfutter. Das ist ja der Grund, warum ich Sie kommen ließ.

„Ganz ruhig, bemerkte Bount Reiniger beschwichtigend. „Wir müssen Punkt für Punkt vorgehen. Auf keinen Fall dürfen wir überhastet handeln. Haben Sie eine Ahnung, ob Sie Feinde haben?

Whitman schaute ihn an, als habe er von ihm gefordert, einen Menschen umzubringen. Er schüttelte ungläubig den Kopf und deckte die Kadaver der Katzen wieder zu.

„Ich habe keine Feinde, antwortete er laut. „Was glauben Sie, warum ich damals den Job als Polizist aufgegeben habe. Menschen musste ich einfangen und in die Gaskammer führen. Nein, ich habe keine Feinde, denn mit der ganzen Polizeiarbeit habe ich, bei Gott, nichts mehr zu tun.

Whitman war psychisch am Ende. Er setzte sich auf einen Stuhl und vergrub den Kopf in den Händen.

Bount Reiniger entging nicht, dass der sensible Mann schluchzte. Dieser Typ dort vor ihm war eines der Opfer des ständigen Kriegs zwischen Gerechtigkeit und Verbrechen. Viele zerbrachen an der gnadenlosen Jagd nach Gangstern und gefühllosen Gesetzesbrechern aller Art.

Harold Whitman war einer derjenigen, die den Stress auf die Dauer nicht ertragen konnten. Er hatte einen anderen Job gewählt und Ruhe gesucht. Nun hatte die Vergangenheit ihn wieder eingeholt.

Bount Reiniger überlegte nicht lange. Der Fall nahm konkrete Formen an. Innerhalb von wenigen Stunden waren zwei gleiche Briefe an verschiedenen Stellen aufgetaucht. Das konnte kein Zufall sein.

„Wieso haben Sie gerade mich angerufen?, wollte der Detektiv wissen. „Es ist eigentlich die Aufgabe der Polizei, den Attentäter zu finden.

Whitmans Blick wurde hart. Er zuckte nervös mit den Wimpern.

„Sie kennen mich nicht mehr. Dazu ist es zu lange her. Er zog den Kopf zwischen die Schultern, als fröre er. „Ich war einer der Cops, die Terry Jackson damals überwältigten.

Reiniger nickte. Er erwähnte, dass er sich noch an den Fall erinnerte. Immerhin hatte er ja mittendrin gesteckt.

„Und wie kommen Sie gerade auf Terry Jackson?, fragte er verwundert. „Es gibt Millionen Namen mit den Initialen T. J. Außerdem ist Jackson seit fünf Jahren tot. Er war auf die Antwort des Mannes gespannt.

Whitman ließ sich nicht beirren. Er glaubte fest an das, was er sagte und vor allen Dingen dachte.

„Haben Sie die Gerichtsverhandlung denn schon vergessen? Damals hat er geschworen, sich an uns zu rächen. An dem, der ihn verriet, an denen, die ihn festnahmen und an Bount Reiniger. Haben Sie noch keinen Brief bekommen?"

Der Detektiv verneinte. „Hatte noch nicht das Vergnügen."

Bisher war er bemüht gewesen, Whitmans Thesen keinen Glauben zu schenken. Er war ein Profi und besaß stählerne Nerven. So leichtgläubig gab er sich nicht. Für ihn herrschte Logik vor. Und die besagte, dass Terry Jackson tot war. Elendig umgekommen in der Gaskammer. Er konnte weder Briefe verschicken, noch Menschen umbringen.

„Es ist das Beste, wir fahren jetzt gemeinsam zu Captain Rogers. Dort können Sie Ihre Aussage über den Mordanschlag machen. Danach sehen wir weiter. Die Katzen nehmen wir auch mit. Sollen die Gerichtsmediziner herauskriegen, warum sie eingegangen sind. Vielleicht gibt es ja auch eine andere Erklärung."

Während Bount den Mann zu beruhigen versuchte, kramte er in seiner Jacketttasche. Er suchte sein Päckchen Pall Mall. Vergeblich. Die Glimmstängel mussten noch im Auto liegen.

„Sie verlangen doch wohl nicht, dass ich da hinausgehe und mich womöglich abknallen lasse."

Das Gesicht des Wachmannes wurde noch eine Spur blasser. Er ballte die Fäuste, dass die Haut über den Knöcheln hell wurde. In ihm tobte die Angst. Der Drohbrief und der Tod seiner Katzen hatten den Mann völlig aus der Fassung gebracht.

„Wann sind Sie eigentlich aus dem Polizeidienst ausgetreten?", fragte Bount noch.

Whitman druckste herum und versuchte, Reinigers verbindlichen Blick zu ignorieren.

„Also wissen Sie, Mr. Reiniger, meinte er gedehnt und spielte nervös mit seinen Fingern. „Ich habe damals erst so recht begriffen, dass der Dienst für mich ...

„Also wann, unterbrach Bount ihn. „War es nach Jacksons Verurteilung? Hat Sie diese Drohung so aus der Bahn geworfen, dass Sie aus diesem Grund den Dienst quittierten?

Whitman senkte den Kopf und nickte heftig.

„Ich konnte seit diesem Tag an nichts anderes mehr denken. Nachts ist er mir im Traum erschienen. Immer wieder hörte ich seine Stimme und wie er sagte: „Ihr werdet noch von mir hören! Und dann sein flammender, fast irrer Blick, der uns alle streifte. Haben Sie das denn alles vergessen?"

Der Mann war am Ende. Mühsam versuchte er, seine Erregung zu verbergen. Bount wusste, daß er mit seiner Meinung recht hatte.

Harold Whitman war ein sehr labiler Mann. Ob er aber auch zu übersteigerter Angst neigte, ließ sich nicht so leicht beweisen. Allerdings fragte Bount sich, wie es dieser Mann geschafft hatte, als Polizist im Dschungel von Manhattan zu bestehen.

„Fahren wir, forderte Bount ihn auf. „Ich werde schon auf Sie Acht geben. Wenn wir bei der Mordkommission fertig sind ... In diesem Augenblick hätte er sich am liebsten selbst ins Kreuz getreten.

Whitmans Augen quollen fast aus dem Kopf.

„Mordkommission?, fragte er hastig. „Was sollen wir denn da? Wegen ein paar toter Katzen? Wieso also Mordkommission?

Er musterte den Detektiv misstrauisch.

Reiniger wusste, dass er durch diesen Ausrutscher gezwungen war, die Wahrheit zu sagen. Eigentlich hatte er möglichst lange den Mord an Walthers verschweigen wollen. Nun aber war es Essig damit. Jetzt musste er raus mit der Sprache.

„Gestern Abend wurde oben in der West Side ein Mann namens Buddy Walthers umgelegt. Seltsamerweise hatte er auch solch einen Brief, wie Sie ihn bekommen haben, bei sich."

Im ersten Augenblick dachte Bount, Whitman würde ohnmächtig werden. Für einen Moment schloss der Mann die Augen und hatte Mühe, das Gleichgewicht zu halten.

Als er die Augen wieder öffnete und Reiniger anstarrte, als sei er das achte Weltwunder, fragte er mit rauer, gehetzter Stimme: „Wissen Sie, wer Buddy Walthers war?"

Bount nickte.

„Der Spitzel, von dem ich erfuhr, was Terry Jackson plante. Durch ihn konnten wir ihn endgültig aus dem Verkehr ziehen."

Bount fiel es schwer, diese Worte ruhig und besonnen auszusprechen. Whitmans Nervosität wurde langsam ansteckend. Spätestens nach diesem Giftanschlag durfte er den Fall nicht mehr auf die leichte Schulter nehmen. Ignoranz oder Leichtsinn konnten gefährlich werden. Und tödlich, wenn er Pech hatte.

Irgendwo in New York lief ein Verrückter herum, der sich als Terry Jacksons Rächer und Henker fühlte. Es galt, ihn so rasch wie möglich dingfest zu machen, bevor noch mehr Unheil angerichtet wurde.

„Sie müssen den Mann, der mich umbringen wollte, finden, verlangte der Hausherr. „Was verlangen Sie pro Tag. Ich zahle, was Sie wollen. Nur meine Ruhe will ich haben. Es ist ein Alptraum für mich, wenn ich nur daran denke, dass Terry Jackson vielleicht gar nicht ...

Bount Reiniger packte Harold Whitman an beiden Schultern und zog ihn ganz nahe an sich heran.

„Jetzt hören Sie mir mal genau zu, Mr. Whitman, schnaufte er, mühsam beherrscht. „Der Gangster ist tot. Mehr als zwanzig Personen waren bei seiner Hinrichtung dabei. Es gibt keinen Terry Jackson mehr, ist das klar? Ich dachte, Sie seien ein intelligenter Mann. Überlegen Sie doch mal.

Whitman war im ersten Moment erschrocken, fing sich aber rasch wieder. Sein Blick wurde klar.

„Okay, Sie haben recht, sagte er, um sich selbst Mut zu machen und nahm die Wanne mit den toten Tieren. „Fahren wir ins Präsidium. Danach sehen wir weiter. Aber Sie haben mir noch immer nicht gesagt, wie hoch ihr Honorar ist.

Reiniger war froh, dass Whitman endlich zur Vernunft kam. Er war zwar ein cooler Bursche und ließ sich nicht so leicht ins Bockshorn jagen, aber in diesen Fall war er selbst verwickelt. Er konnte nicht ignorieren, dass auch er ein wenig besorgt über den Fortlauf der Dinge war. Und er ahnte nicht, dass dieser Zustand sich noch rapide steigern würde.

4

Captain Rogers saß wie ein mürrischer Buddha hinter seinem alten Schreibtisch. Er blickte kaum auf, als Bount Reiniger und der Fremde in sein Büro kamen.

„Ich sehe, du hast gut geschlafen, bemerkte der Detektiv frotzelnd. „Siehst aus wie eine Bulldogge, die gerade eine Fleischwurst verschlungen hat.

Rogers griente gequält. Ihm war heute nicht zum Scherzen zumute.

„Du und deine Witze, maulte er. „Sag mir lieber, wie ich diesen Papierkram bewältigen soll. Meine Jungs sind alle in irgendwelchen Fällen unterwegs. Den letzten haben sie mir nun auch noch genommen. Befehl von oben, weil Manhattan C/III angeblich unterbesetzt ist. Dass ich nicht lache ...

Toby Rogers übertrieb wie immer. Er krempelte die Hemdsärmel ein Stück weiter auf und schlug die Akte zu.

„Kommt noch viel dicker. Bount warf ihm den Brief auf den Schreibtisch. „Das hat Mr. Whitman heute Morgen bekommen. Zudem noch eine kleine Einlage obendrauf. War eigentlich für ihn bestimmt.

Mit diesen Worten setzte er die mit einem Tuch bedeckte Plastikwanne ebenfalls auf den Tisch und wartete Rogers' Reaktion ab.

Der Captain betrachtete die beiden Männer wie unangenehmen Besuch. „Wenn du etwas anschleppst, kann das nichts Gutes bedeuten", knurrte er und öffnete zuerst das Kuvert.

Er zuckte unmerklich zusammen und schaute Reiniger aus schmalen Augen an. Ohne ein Wort zu sagen, warf er einen Blick in den Korb und verzog das Gesicht.

„Was ist denn das?"

„Vergiftete Katzen, Toby, erklärte Bount Reiniger. „Das Zeug, mit dem sie umgebracht wurden, war in der Milch, die eigentlich für Mr. Whitman bestimmt war.

Er wies auf den Mann neben sich, der äußerst nervös war. Obwohl er sich bei der Mordkommission befand und den Attentäter hier nicht zu fürchten brauchte, schien ihm das Gebäude nicht das Gefühl von Sicherheit zu geben.

„Setzen Sie sich erst einmal", forderte Rogers die Männer auf und deutete auf zwei hölzerne Stühle.

„Du solltest dir mal ein paar vernünftige Sessel besorgen, beschwerte sich Reiniger grinsend. „Die Sünderbänkchen sind knochenhart.

„Sie härten ab, konterte Rogers trocken. „Kann dir übrigens gar nicht schaden.

„Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen." Bount hatte auch diesmal das letzte Wort und schielte auf Tobys beleibten Umfang.

„Was also ist genau passiert?", wechselte der Captain das Thema.

Bount Reiniger übernahm den Bericht. Whitman wirkte zu aufgeregt und zu zittrig, um einen präzisen Vortrag zu halten.

Toby Rogers hörte aufmerksam zu. Nur hin und wieder verzog er unmerklich den Mund. Als Bount eine kurze Pause einlegte, nahm er den Hörer von der Telefongabel und wählte eine interne Nummer.

„Zuerst wollen wir mal feststellen lassen, woran die Tiere eingegangen sind."

Wenige Minuten später kam ein Uniformierter in das Büro mit den Glaswänden und holte die Wanne ab.

„Sagen Sie den Leuten im Labor, ich brauche die Ergebnisse so schnell wie möglich, verlangte Rogers ernst. „Es ist eilig.

„Geht klar." Der Officer verließ das Büro und verschwand.

Bount erzählte weiter.

„Das Ganze nimmt langsam beängstigende Formen an, meinte er ehrlich. „Hast du etwas herausbekommen?

Der Captain nickte, sagte aber nichts. Sein Blick wanderte zu Harold Whitman und blieb an ihm haften.

Der Mann war nur noch ein Häuflein Elend, das von Furcht zerfressen wurde.

Gerade kam ein Cop an der Office-Tür von Rogers vorbei. Er war hemdsärmelig und trug ein ledernes Schulterholster. Der Captain rief ihn zu sich.

„Was gibt es, Chief?", fragte der Mann, als er den Kopf ins Büro steckte.

Rogers wies auf Whitman. „Nimm diesen Gentleman mal mit und schreibe seine Aussage auf. Den üblichen Kram, du weißt schon."

Der Sergeant war alles andere als begeistert. „Bin gerade auf dem Weg zu ..."

„... zu deinem Schreibtisch, um eine Aussage zu Protokoll zu bringen, schnitt Rogers dem Mann das Wort ab. „Sind wir hier bei der Mordkommission oder im Vergnügungspark?

Der Uniformierte zog die Augenbrauen hoch und hielt es für besser, nichts zu entgegnen. Der Captain konnte ganz schön ruppig werden, wenn man nicht parierte.

„Schon gut, Captain, beeilte er sich zu sagen, und an Whitman gewandt, meinte er: „Kommen Sie bitte mit.

Bount lehnte sich gemütlich zurück, soweit der Stuhl dies erlaubte und genehmigte sich eine seiner geliebten Pall Mall.

„Also spuck aus."

Rogers verzog die Lippen, als wollte er schmollen. Von seiner Stirn rollten Schweißperlen. Auch Reiniger merkte, dass mit der Klimaanlage etwas nicht stimmte.

„Weißt du, was das für ein Ärger ist, von den Verwaltungstypen etwas zu kriegen? Ich komme mir langsam vor wie in einem Tollhaus. Und dann der Papierkram."

Reiniger gab sich unbeeindruckt. „Wenn ich Zeit habe, werde ich mir eine Träne des Bedauerns aus den Augen quetschen, versprach er. „Nun schieß aber endlich los, Toby! Unverständliches murmelnd wühlte der Captain in seinen Unterlagen und zückte einen schmalen Ordner. Er schlug ihn auf und las vor.

„Terry Jackson, weiß, geboren am 3. June 1942 in Omaha, gestorben am ..."

„Bitte, verschone mich mit seinem Lebenslauf. Dass er tot ist, daran besteht ja wohl kein Zweifel."

Rogers zog sich in seinen Schmollwinkel zurück. „Erst machst du mich letzte Nacht verrückt, ich soll alles über Jackson rauskriegen und nun wirst du ungeduldig. Er verschränkte die Arme und lehnte sich zurück. „Schau dich bitte um. Er wies auf diverse vergilbte Ordner, die auf einem Nebentisch standen und klar erkennen ließen, dass es sich um alte Gerichtsakten handelte.

„Komm, sei friedlich und plaudere munter drauf los, wie dir der Schnabel gewachsen ist. Natürlich nur, wenn du die ganzen Ordner auch schön sorgfältig gelesen und studiert hast. Oder verlangst du etwa, dass ich mich dort hineinstürze." Bount setzte eine erschrockene Miene auf.

„Nicht nötig. Rogers tippte gegen seinen Kopf. „Alles hier drin gespeichert.

„Wusste immer, dass du ein fähiges Bürschchen bist. Bount zeigte sich weltmännisch lässig. „Ein wahres verkanntes Genie.

Der Captain grunzte. „Veralbere einen anderen, Bount Reiniger. Aber nicht mich."

„Wie sollte ich? Der Detektiv tat peinlich berührt. „Nie würde ich mir so etwas erlauben. Aber nun los mit deiner Story.

„Dass Jackson tot ist, glaubst du mir ja nun, sagte Toby. „Die Protokolle der Hinrichtung beweisen es eindeutig. Terry Jackson ist also nicht der Killer von Walthers und der Attentäter, der hinter Whitman her ist. Auch sonst gibt es keinen, der einen Grund haben könnte, so spät noch Rache zu üben. Jacksons Freundin Gloria Wilman hat sich vier Tage nach der Hinrichtung mit dem Wagen überschlagen. Sie verbrannte fast vollständig. Die Obduktion der Leiche ergab so gut wie nichts. Wie der medizinische Befund zeigte, hatte Gloria Wilman keinerlei Narben oder alte Knochenbrüche gehabt. Selbst zahnmedizinisch war nichts mehr zu machen. Sie trug aber einen Ring, der durch Einschaltung der Öffentlichkeit über Fernsehen und Zeitung identifiziert werden konnte. Es war ein Einzelstück. Ein Verlobungsgeschenk eines gewissen Mark Trade, der vor Terry Jackson ein Verhältnis mit Gloria hatte. Er erkannte den Ring sofort wieder.

Bount Reiniger zündete sich eine zweite Zigarette an. Jedes Wort seines Freundes merkte er sich gut.

„Eine ziemlich vage Geschichte, nicht wahr? Ein Ring als Beweis für den Tod eines Menschen? Was ist, wenn diese Gloria Wilman in Wirklichkeit noch lebt und eine andere Frau für sie umkam?"

„Man stellte weiterhin fest, dass Haarfarbe und Blutgruppe stimmten. Rogers überflog die nächste Seite des Berichtes. „War anhand einiger Gewebeproben noch zu ermitteln. Und außerdem ist es doch ungewöhnlich, dass eine Frau nach fünf Jahren ihren ehemaligen Freund rächt. Gloria Wilman war gerade 22 Jahre alt, als Jackson in der Gaskammer landete.

Vor Reinigers geistigem Auge tauchte das Gesicht der jungen Gangsterbraut auf. Er hatte sie noch gut in Erinnerung von damals, als sie ihm das erste Mal im Gerichtssaal begegnet war. Man hatte ihr nie nachweisen können, dass sie von Jacksons Verbrechen gewusst hatte.

Noch heute dachte Bount mit Entzücken an das bildhübsche Mädchen mit den strohblonden Haaren, den hohen Wangenknochen und den seidigen Wimpern, die ihre stahlblauen Augen eindrucksvoll umrandet hatten.

„Wer war dieser frühere Verlobte?", wollte er jetzt wissen.

„Ein gewisser Mark Trade, wiederholte Toby Rogers verwundert. „Bist du nicht bei der Sache? „Versuch doch mal, etwas über ihn heraus zu bekommen, schlug Bount Reiniger vor. „Vielleicht lebt er noch in New York. Möglich, dass er uns weiterhelfen kann.

Toby krauste die Stirn. Er war nicht gerade bester Laune. Seit Stunden hatte er alte Akten gewälzt, um einen Hinweis auf Walthers Mörder zu finden.

„Es ist ja schön und gut, meinte er mühsam beherrscht. „Gestern Abend wurde ein Spitzel umgelegt, von dem du einmal einen heißen Tipp bekommen hast, durch den Terry Jackson endlich gefasst wurde. Es ist auch nett, dass du Mr. Whitman und seine toten Katzen mitgebracht hast. Die beiden Briefe beweisen zudem, dass wir es mit demselben Täter zu tun haben. Aber eine einzige Bitte habe ich.

„Und die wäre?"

„Halt mich nicht für deinen Untergebenen. Ich weiß, was ich zu tun habe. Vorschriften macht mir Attorney Brown schon genug."

Reiniger erhob sich langsam und griff in die Tasche seines Jacketts. Seine Hand beförderte eine Schachtel mit Bonbons zutage.

„Möchtest du eins, Toby?, fragte er ruhig. „Sind Kräuter drin. Gut für die Nerven.

„Nerven? Was ist das?, fragte Rogers. „Seit ich dich kenne, habe ich sie operativ entfernen lassen. Reiniger setzte sich auf den kleinen Seitenschrank und blies den Staub von den Akten. „Gibt es noch andere, die vielleicht verdächtig wären?"

Rogers verneinte. „Fehlanzeige. Jackson hatte keine Freunde. Er war ein typischer Einzelgänger. Er hat offenbar nur Gloria Wilman vertraut."

Bount Reiniger grübelte. Vieles war ihm entfallen. Erst langsam kam das Vergangene zurück. Allmählich konnte er sich wieder an alle Einzelheiten erinnern.

„Hör mal, platzte es aus ihm heraus. „War da nicht noch etwas mit 100.000 Dollar?

„Ja, aber sie wurden nie gefunden, gab Toby zu. „Nach den Berichten zu urteilen, sollen sie aus dem letzten Überfall auf die National Pacific Bank stammen. Sie sind nie wieder aufgekreuzt. Mag der Himmel wissen, wo die abgeblieben sind.

„Was willst du als Nächstes unternehmen? Bount war ernst geworden. Das Schelmische in seinem Gesicht verschwand schlagartig. „Noch sind nämlich erst zwei Briefe verschickt worden. Beim dritten müssen wir zuschlagen.

Rogers nickte träge.

„Es gibt zwei Möglichkeiten. Die erste bist du, denn Terry Jackson war ja regelrecht in dich verliebt. Schließlich hast du alles vorbereitet, damit man ihn schnappen konnte. Und dann wäre da noch Lieutenant Phil Stanford, der damals Officer im Streifendienst war. Er ist inzwischen beim Drogendezernat East."

Bount konnte seine Verwunderung nicht verhehlen.

„Ist Stanford informiert?"

Toby erhob sich und trat ans Fenster. „Nein, aber ich habe seinen Kollegen gebeten, er soll ihm Bescheid sagen und mich anrufen, sobald Phil von seinem Einsatz zurück ist."

Bount Reiniger hatte genug Informationen von seinem Freund bekommen. Nun musste er irgendwo ansetzen, um rauszukriegen, wer der unheimliche Killer war. Er musste schneller sein als der gnadenlose Mörder, der allen vormachen wollte, Terry Jackson sei von den Toten auferstanden.

„Wo willst du hin?" Rogers hatte erst jetzt bemerkt, dass Bount schon an der Tür war.

„Mal ein wenig die Ohren aufsperren und alte Bande knüpfen, verkündete der Detektiv. „Gib inzwischen gut auf Whitman Acht. Der Mann schwebt in höchster Lebensgefahr. Außerdem könntest du mal versuchen, rauszukriegen, ob der Milchmann was weiß. Ist doch ein leichtes für dich Genie, oder?

„Pass du besser auf, dass du nicht plötzlich eine Kugel zwischen den Rippen hast, warnte der Leiter der Mordkommission. „Wer auch immer hinter der Sache steckt, mit ihm ist nicht zu spaßen.

Bount setzte eine Grimasse auf. „Mit mir auch nicht."

Dann verschwand er aus dem Büro.

Bevor Reiniger sich draußen in seinen Mercedes schwang, rief er noch in seinem Büro an.

„Was gibt es Neues, June?", fragte er erwartungsvoll.

„Das nenne ich Gedankenübertragung, Bount. Habe gerade an dich gedacht."

Ihre Stimme klang belegt und irgendwie fremdartig.

„Stimmt etwas nicht?" Reiniger ahnte nichts Gutes.

„Kann man wohl sagen, meinte die Blondine am anderen Ende der Leitung. „Du hattest heute morgen einen netten Brief im Postkasten.

Bount Reiniger merkte, wie sich seine Nackenhaare sträubten. Er hatte zwar damit gerechnet, war aber doch erschrocken. Er brauchte nicht zu fragen, um welche Art von Brief es sich handelte.

Der Rächer hatte ihn also nicht vergessen.

5

In Yorkville gab es viele Kneipen und Spielsalons, wo Buddy Walthers früher herumgelungert hatte. Das „Game Center" in der 92. East war eines von ihnen. Es musste nun fast vier Jahre her sein, dass Bount Reiniger von Buddy den letzten heißen Tipp bekommen hatte. Danach war der Spitzel untergetaucht und erst wieder gestern auf der Bildfläche erschienen. Als toter Mann.

Bount Reiniger stellte seinen Luxusschlitten in einer Seitenstraße ab und stieg aus. Bevor er die Wagentür zuschlagen konnte, piepste das Telefon. Er beugte sich hinab und griff nach dem Hörer.

„Was gibt’s?"

Rogers war in der Leitung.

„Wollte dir nur kurz mitteilen, dass die Katzen tatsächlich vergiftet wurden. Eine volle Ladung Strychnin, die selbst einen Riesen umgelegt hätte."

In Bounts Magen rumorte es.

„Sieht ja rosig aus, fand er. „Dann muss ich mir jetzt wohl einen Vorschmecker anstellen. Wie wäre es zum Beispiel mit dir?

„Was soll das heißen?, fragte Rogers. „Hast du etwa auch ...

„Genau, der Kandidat hat 100 Punkte", lobte Bount Reiniger, obwohl er zum Flachsen eigentlich nicht aufgelegt war. Es gab nichts Schlimmeres, als gegen ein Phantom kämpfen zu müssen.

„Mensch Bount, keuchte Toby Rogers betroffen. „Pass bloß auf dich auf. Nicht, dass er dich auch noch erwischt.

„Werde mein Bestes tun, um dir die Kosten für einen Kranz zu ersparen." Bount legte auf.

Der Spielsalon erwies sich als Lokal mit vielen Automaten und einem kleinen Billardraum. Der neue Besitzer hatte den Laden ziemlich auf Vordermann gebracht und mächtig umgebaut.

Zur Linken befand sich eine breite Theke, dahinter mehrere Vitrinen mit Gläsern und halb vollen Flaschen. An den Wänden hingen flimmernde Spielautomaten, Geldschlucker und elektronische Kriegsspiele.

Die einzigen Gäste zu dieser frühen Stunde waren vier Burschen, die es wohl nicht nötig hatten zu arbeiten. Sie hatten sich mächtig in Schale geworfen und warteten nun darauf, dass man ihnen das Geld brachte. Schon von Weitem konnte man ihnen ansehen, dass sie Zuhälter waren. Die Luxuskarossen vor dem Lokal bewiesen es außerdem.

Misstrauische Blicke trafen Bount Reiniger, als er sich an die Theke schob und den Barkeeper zu sich heranwinkte.

Der Mann war groß und schlank. Um die Hüften trug er eine weiße Schürze. Gelangweilt kam er näher und putzte sich die Finger am Stoff ab.

„Was darf es sein, Sir?", fragte er desinteressiert.

„Einen Bourbon und eine Auskunft."

Der Barkeeper wurde wach. Aus großen Augen schaute er Bount Reiniger an. Auch die vier Lackaffen waren hellhörig geworden. Sie tuschelten miteinander und steckten die Köpfe zusammen.

„Ihren Bourbon können Sie kriegen, Mister. Die Auskunftei liegt vier Straßen weiter."

Bount Reiniger schob einen 20-Dollar-Schein über die hölzerne Theke. Der Keeper beachtete das Geld überhaupt nicht. Lässig füllte er ein Glas fingerdick voll mit Whisky und stellte es vor Bount hin.

„Ich suche einen gewissen Lesley Cabrini."

Der Mann hinter der Theke reagierte kaum. Sehr gesprächig schien er nicht gerade zu sein. Die Anwesenheit der vier Zuhälter irritierte ihn offenbar. Stetig huschte sein Blick zu ihnen hinüber.

Einer der Männer rutschte jetzt vom Barhocker herunter und strich sich über den Blondschopf. Penibel korrigierte er den Sitz seiner seidenen Krawatte.

Bount Reiniger ignorierte den jungen Mann, der aussah wie Adonis persönlich. Selbst ein Frauenheld wie Warren Beatty hätte gegen ihn einen schweren Stand gehabt.

„Verzeihen Sie bitte, dass ich Sie so einfach anspreche, Sir, entschuldigte er sich, als er neben Bount auf kreuzte. „Ich bekam zufällig mit, dass Sie einen gewissen Mister wie war doch noch der Name? Ach ja, Cabrini hieß er. Cabrini? Ihn also suchen Sie, nicht wahr?

Reiniger blieb cool. Mit beiden Händen umklammerte er sein Whiskyglas und blickte hinein.

In der Stimme des Zuhälters war ein gefährlicher Unterton, der ihn vorsichtig machte. Solche Typen durfte man nicht unterschätzen.

„Sie haben gute Ohren, Mister, sagte Bount jetzt. „Glückwunsch. Langsam drehte er den Kopf zur Seite und musterte den Mann in dem 500-Dollar-Anzug ohne jegliche Gefühlsregung. „Können Sie mir weiterhelfen?"

Der Mann setzte ein gekünsteltes Lächeln auf und zuckte bedauernd mit den Schultern. „Da muss ich Sie zutiefst enttäuschen, Sir. Wie gesagt ist hier keine Auskunftei. Und Bullengeruch mögen wir in unserem Spielsalon schon gar nicht. Ich denke, ich habe mich klar genug ausgedrückt."

Sein Grinsen fror ein. Das Schwingen in seiner Stimme warnte Bount Reiniger.

„Du bist auf dem Holzweg, Sonnyboy", bemerkte der Detektiv und ließ sich vom Barhocker gleiten. Unmittelbar vor dem Zuhälter richtete er sich auf.

Die Blicke der beiden Männer bohrten sich ineinander. Keiner von ihnen senkte die Lider.

„Ich bin weder ein Bulle, noch rieche ich. Das sind die Feinheiten. Wenn ich in ein Lokal komme und einen Bourbon trinken will, habe ich es nicht gerne, wenn man mich dumm von der Seite anquatscht, okay? Nun darf ich Sie höflichst bitten, mir den Weg frei zu machen, da Sie mich ja gebeten haben, das Lokal zu verlassen."

Alles in Bounts Körper spannte sich. Er wusste, dass dieser geschniegelte Bursche auf einen Fight eingerichtet war. Bount wäre so oder so nicht heil aus dem Salon gekommen. Dieser Kerl hatte Langeweile und suchte Abwechslung.

Der Hieb kam hart und trocken. Ohne Ansatz krachte die Faust unter Reinigers Rippenbogen. Nur eine instinktive Drehung nahm dem heimtückischen Schlag ein wenig an Wirkung. Er reichte aber noch aus, um Bount die Luft aus den Lungen zu pressen. Japsend riss er den Mund auf und krümmte sich. Mit einem Sidestep versuchte er sich in Sicherheit zu bringen.

Der Zuhälter setzte nach. Plötzlich war wieder das schmierige Grinsen auf seinem gebräunten Playboygesicht.

Der zweite Hieb saß nicht so gut. Bount konnte gerade noch darunter wegtauchen. Haarscharf donnerte die Faust an seinem Ohr vorbei. Er hatte das Gefühl, es flöge ihm weg. Siedend heißer Schmerz durchzuckte ihn.

„Nimm ihn auseinander, Freddy, feuerten die anderen drei Männer ihren Kumpel an. „Zeig’s ihm, dem Großmaul.

Der mit Freddy Angesprochene gab sich lässig und überheblich. Er glaubte, es mit einem Schwächling zu tun zu haben und ließ sich Zeit. Er ahnte nicht, dass Bount eine harte Nuss war. Ein Nehmer, der nicht so rasch aufgab.

Allmählich ließ das Stechen oberhalb des Magens nach. Bount konnte wieder durchatmen, zeigte es aber nicht. Gekrümmt stand er mitten in der Spielhalle und wartete auf die nächste Attacke.

„Wie ist es, Mister?, fragte Freddy fast kameradschaftlich. „Wollen Sie sich für Ihre Bemerkungen nicht entschuldigen? Das wäre doch nicht mehr als gerecht, oder?

Keuchend gab Reiniger seine gekrümmte Stellung auf und richtete sich auf. Er ballte die Fäuste.

„Bist du auch ohne hinterhältige Finten gut, Freddy?, fragte er provozierend. „Oder hast du nur ein großes Maul?

Überrascht blickte der Zuhälter zu seinen Spießgesellen hinüber. Dass sich sein Opfer so rasch erholte, verwirrte ihn.

„Mach ihn alle, Freddy, forderte man jetzt von ihm. „Nur keine Hemmungen, old fellow. Im Notfall haben wir nichts gesehen.

Der Bursche ließ sich reizen. Plötzlich zuckte ein Stilett in seiner Rechten. Bount hätte nicht einmal sagen können, woher er es genommen hatte.

„Jetzt werde ich dir das Maul ein für allemal stopfen", prophezeite der Typ.

Reiniger ließ sich nicht irritieren. Gewiss, sein Gegner war stark und wahrscheinlich auch ein Meister mit dem Messer. Schon in den Slums lernten solche Typen, wie man damit umging. Ihr Weg endete dann meistens auf dem elektrischen Stuhl.

„Lass den Blödsinn!" Bount Reiniger versuchte, einen tödlichen Fight zu verhindern. „Ich habe keine Lust, mich zu schlagen. Wollte nur einen Bourbon trinken und herausfinden, wo mein alter Freund Cabrini sich herumtreibt. Das war es

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Was die anderen über Sechs Kriminalromane - Harte Schule denken

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